Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Wedma
Danksagungen: 35 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 281 Bewertungen
Bewertung vom 11.01.2019
Frankreich
Schmude, Jürgen; Kazig, Rainer

Frankreich


ausgezeichnet

Von diesem Länderkundebuch habe ich einen ausgesprochen guten Eindruck gewonnen: Sehr informativ, mit 206 Illustrationen in Farbe; 75 Tabellen, ebenfalls in Farbe; mit prägnanten und aussagestraken Texten ist es ein schönes und nützliches Geschenk an Frankreichfans und diejenigen, die es noch werden wollen, geworden.

Die Einführung „Frankreich: Eine Annäherung“ stellt eine Basis dar, die über die Geographie, landschaftsräumliche Gliederung, Bodentypen, Klimazonen, Temperaturen, Niederschlagsmengen uvm. spricht. Es folgen 7 größere Kapitel, die über den Staat, die Bevölkerung, das Städtewesen, die Wirtschaft insg., Landwirtschaft und Industrie, und die Entwicklungen in den o.g. Bereichen die Leser informieren. Ein extra Kapitel beschreibt die Überseedepartements Frankreichs wie Guadeloupe, Martinique, La Reunion. Dabei wurde auf Geographie, Geschichte, heutige Entwicklungstrends uvm. eingegangen. Für mehr Details s. Leseprobe auf der Internetseite des Verlages, die das vollständige Inhaltsverzeichnis und die ersten Seiten enthält. Die Leseprobe gibt einen adäquaten Eindruck, wie es im Buch aussieht. Wie das Werk selbst, ist auch das Literaturverzeichnis liebevoll gestaltet: Die Quellen, oft auf Französisch, aber auch auf Deutsch, sind zur besseren Orientierung nach Kapiteln geordnet. Bei den meisten ist auch die entsprechende Internetadresse angegeben worden. Die E-Book Ausgabe wäre hier insofern praktisch, weil man dabei mit einem Klick zwischen den angegebenen Quellen und dem Text wechseln könnte. Abbildungs-, Tabellen- und Stichwortverzeichnisse runden das Ganze ab.

Jedes Kapitel hat seine Highlights und eine Menge fundierter und top aufbereiteter Informationen. Die vielen Vergleichs- und Übersichtstabellen, Diagramme, Graphiken, Fotos, oft 2-5 pro Doppelseite, lockern nicht nur den Textfluss auf. Sie machen das Ganze sehr zugänglich und verständlich, sodass z.B. auch Schüler und Studenten dieses Buch für ihre Hausarbeiten prima nutzen können.

Diese Länderkunde ist für breites Publikum geschrieben worden, so Jürgen Schmude im Vorwort. Die Texte ließen sich insg. flüssig lesen. Paar Sätze hätten gern anders formuliert, i.e. besser an die Zielgruppe angepasst werden können. Aber im Großen und Ganzen tun sie der beeindruckenden Leistung des Autors und seines Teams keinen Abbruch.

Für mich waren die Kapitel über die Entwicklung der Bevölkerung (Kapitel 2), „Wirtschaftsstruktur in Grundzügen: Strukturwandel und Arbeitsmarkt, Wirtschaftspolitik und Unternehmen“ (Kapitel 4), „Landwirtschaft und Industrie“, darin Fischerei, Wein, Agrarsektor (Kapitel 5) und die Überseedepartements (Kapitel 7) besonders interessant und aufschlussreich. Natürlich kamen die ausgewählten Themen zur Sprache, aber das, was da ist, kann sich sehen lassen: Zusammenfassungen, die das Wesentliche auf den Punkt bringen, Ausblicke, wie z.B. im Kapitel über die Bevölkerung, und noch vieles mehr, bereichern die Ausführungen ungemein und machen das Buch zu einem unverzichtbaren Nachschlagwerk.

Fazit: Ein sehr gutes, informatives, lesenswertes Länderkundebuch über Frankreich. Schön auch als Geschenk.

Bewertung vom 10.01.2019
Geisterhäuser
Hefele, Stefan; Hüsler, Eugen E.

Geisterhäuser


ausgezeichnet

Ein schöner Bildband mit vielen stimmungsvollen Profi-Fotos.

Es gibt 5 Themenbereiche:

Lebensadern (Straßen und Wege im Gebirge),
Bauernwelt,
Festungen in den Alpen,
Industrie in den Alpen,
Spielwelten,
Villen und Ansitze – verlassen und vergessen,

und jeder hat seinen eigenen, besonderen Charme. Man braucht bloß nur das Buch aufzuschlagen, und das Ganze auf sich wirken lassen. Diese großartigen Bilder und eher kurze, aber prägnante Texte tragen den Leser in diese eigenartige, bizarre Welt des Verfalls.

Im ersten Teil sieht man z.B. den uralten, sonnenbeschienenen Weg in den provenzalischen Bergen zur Kapelle Saint-André, oder auch die verschneite ehemalige Militärstraße, die zu Sella di Sompogna führt. Beide unterscheiden sich wie Tag und Nacht, was die Farbgebung und Atmosphäre insg. angeht. Das gilt auch für andere Bilder des Bandes. Diese Vielfalt an Farben und Stimmungen, die sie erzeugen! Da bekommt man gleich das Fernweh und möchte diese Wege selbst ablaufen und die Landschaften mit eigenen Augen sehen.

Immer wieder mal findet man schöne Zitate über den Beschreibungen der Bilder, die ihre Wirkung verstärken und zum Nachdenken oder auch Diskutieren mit Freunden anregen.

Auch in der Bauernwelt findet man wunderbare Fotos, jedes hat etwas Besonderes an sich: Da sind die Baumwurzeln, die sich in die alte Mauer „reingefressen“ haben. Da ist ein verlassener kleiner Ort in den ligurischen Bergen, der auch dem Verfall geweiht ist. Weiter gibt es Innenansichten des verlassenen Hauses, in dem seit Langem nur die Kleintiere wohnen usw.

Besonders zauberhaft und bizarr wirkte auf mich der letzte Teil. Diese schönen Villen mit ihren weitläufigen Zimmern ausgelegt mit dem Fischgrätenparkett; den reich verzierten Gängen – die Farben und Muster an den Wänden kann man noch gut sehen, den hohen Fenstern mit dem Blick in den Garten; den meisterhaft geschwungenen Treppen; den Kaminzimmern, die schon lange kein Feuer mehr gesehen haben; den mal gekonnt angelegten und gepflegten Gärten mit Palmen; den atemberaubenden Aussichten auf die Alpen oder auch auf den See! Ihre besten Zeiten haben sie auch längst hinter sich. Schön sind sie immer noch.

Fazit: Toller Bilderband mit vielen stimmungsvollen, hochprofessionellen Fotos. Prima als Geschenk.

Bewertung vom 10.01.2019
Secret Places
Müssig, Jochen; Drouve, Andreas; Kränzle, Peter; Schiller, Bernd; Rinn, Michael; Verigou, Klio; Waterkamp, Rainer; Schmidt, Lothar; Spitzenberger, Hans-Joachim; Brinke, Margit; Berghoff, Jörg; Taschler, Herbert

Secret Places


ausgezeichnet

Das Buch ist ein wahres Geschenk für Naturfreunde und Bildbänderliebhaber. Aufmachen, in diese großartigen Landschaftsbilder eintauchen, die Atmosphäre der fernen Orte auf sich wirken lassen. Herrlich!

Das Blättern in diesem Band ist wie eine Meditation, eine Flucht aus dem grauen Alltag in unbekannte, wunderschöne Orte mit ihren vielen satten, manchmal surreal wirkenden Farben.

Schon nach paar Seiten bekommt man Fernweh, denn man möchte all diese Landschaften mit eigenen Augen sehen und die Menschen, die dort leben, kennenlernen.

Das Buch ist prima strukturiert. Gleich vorne gibt es Inhaltsverzeichnis, dem man entnimmt, dass die Orte nach Kontinenten geordnet sind:

32 in Europa,
9 in Afrika,
31 in Amerika,
15 in Asien,
7 in Ozeanien,

die man auf der drauffolgenden doppelseitigen Weltkarte gleich gezeigt bekommt. Man kann auch gezielt zu bestimmten Zielen gleich hinblättern: Die Seiten sind für alle im Inhaltsverzeichnis aufgeführt. Aber viel schöner finde ich das Spiel, bei dem man eine Seite aufs Geratewohl aufschlägt, und schaut, wo man da gelandet ist.

Im Buch wird jeder dieser Orte nochmals auf der kleinen Karte am Anfang des jeweiligen Abschnitts gezeigt. Als Erstes sieht man tolle, stimmungsvolle Bilder, oft 2-3 Fotos pro Doppelseite. Magisch, zauberhaft!
Kurze, prägnante Texte erzählen paar grundlegende Dinge, anhand einiger Daten und Zahlen, aber nicht nur. Infos zur Entstehung, Geschichte, Kulinarik usw., was gerade passt und die Neugier weckt, sind auch dabei.
Am Ende eines jeden Abschnitts, der in etwa 2-6 Seiten lang sein kann, gibt es Internetadressen, wo man weiterführende Touristeninfos finden kann.

Man kann noch viel über dieses Buch schreiben, besser, man schlägt es selbst auf und lässt das Ganze auf sich wirken.

Fazit: Ein wunderschöner Bildband voller großartiger Landschaftsbilder und Fotos der Menschen, die dort wohnen. Das Buch ist auch eine schöne Inspirationsquelle für den nächsten Urlaub. Ideal zum Seele baumeln lassen. Schön auch als Geschenk.

Bewertung vom 10.12.2018
Zukunftsblind
Herles, Benedikt

Zukunftsblind


sehr gut

„Zukunftsblind“ von Benedikt Herles halte ich für recht gut gelungen. Vier hell leuchtende Sterne sind auf jeden Fall drin.
Die Form ähnelt dem beliebten Denkmuster der Consultants „Situation-Komplikation-Lösung“.

In 5 größeren Kapiteln, in kürzere, leserfreundliche Segmente heruntergebrochen, wurden dem Leser spannende Inhalte dargereicht:

1. Situation heute (Beschleunigte Geschichte, Zeitenwende)
2. Spaltungsrisiko (Wohlstandskonzentration, Geteilte Spezies)
3. Herrschaftsrisiko (Poststaatlichkeit, Algokratie)
4. Gesinnungsrisiko (Politische Abgründe, Volksdepression)
5. Agenda (Generationenaufgaben, Zehn-Punkte-Plan).

Herles gibt zunächst den Überblick über die Situation heute. Hier und dort liest man Kritik an den Entwicklungen in Deutschland, z.B. Hierzulande gibt es nur SAP als großes, bekanntes IT-Unternehmen, alle anderen sitzen in USA, die die Federführung in diesem und vielen anderen zukunftsrelevanten Bereichen seit Jahrzehnten ausüben. Er spricht auch über das, was heute an ausgefeilten Technologien und anderen Entwicklungen da ist, z.B. über die Fortschritte im Bereich Künstlicher Intelligenz, über Brain-Computer-Interface, Kryptowährungen, über den Gen-Upgrade zwecks der Optimierung der nachkommenden Generationen, über die Trends der weiteren Entwicklungen uvm. Hier geht er in Sachen Wissensvermittlung ein Stück weiter als z.B. Harari in „Homo Deus“, dankenswerterweise ohne unnötige Theatralik, Effekthascherei und Provokationen des Letzteren.

Herles schreibt in einem ruhigen, sachlichen Ton, hin und wieder mit feinem Augenzwinkern, was dem Ganzen sehr guttut.

Er weist auch darauf hin, dass der technologische Fortschritt, in seiner Komplexität und der rasanten Geschwindigkeit, in der dieser in den letzten Jahren vorangetrieben wurde, schon an sich eine große Herausforderung für die Menschheit darstellt, die es, in vielerlei Hinsicht, zu meisten gilt.
Gut ist auch, dass es hier nicht nur auf die heutige Situation und die Risiken eingegangen, sondern auch vernünftige Lösungsansätze angeboten werden, s. Kap. 5. Der Zehn-Punkte-Plan kann sich durchaus sehen lassen: Er fängt mit der Steuergerechtigkeit, dem bedingten Grundeinkommen und der Beteiligung an Unternehmenserfolg an, geht zur Bildungsrevolution - diese wäre längst überfällig, und reicht über die Zukunftsbeteiligung, Zukunftsministerium, Staatstransparenz, Algorithmen- und Datenkontrolle, Euro-Genplan zu der Globalen Kooperation.

Die kurze Träumerei, wie Deutschland in 2051 aussehen könnte, vorab eine Seite zu „Wer, wenn nicht wir“, rundet das Ganze auf optimistische Weise ab. Schön. Man träumt und wünscht das Beste, v.a. wenn man sein Leben noch plant und die Weltordnung mitgestalten möchte. Alles gut, bloß es ist ein wenig so, als wenn man die Rechnung ohne den Wirt machen würde. An guten Vorschlägen hat es auch vorher nicht gemangelt. Was ist bloß daraus geworden…? Andererseits: Wenn zumindest etwas davon für die Menschen, ihr Wohl und lebenswerte Zukunft zu erreichen wäre, wäre dies schon ein guter Schritt voran.

Fazit: Ein durchaus lesenswertes Werk, das sowohl auf der rein informativen Ebene allerhand Wissenswertes liefert, als auch für wertvolle Denkanstöße sorgt und spannende Themen für die Diskussionen im Kreis der Freunde und Kollegen bietet.
Wer z.B. „Homo Deus“ aufgrund der dort vermittelten Informationen gut fand, der wird auch an diesem Buch seinen Gefallen finden. Hier wurden auch die guten Lösungsvorschläge unterbreitet, was das Ganze ungemein aufwertet.

Das Buch ist hochwertig gestaltet: Festeinband in Schwarz, Umschlagblatt mit sich haptisch und optisch abgebenden Buchstaben des Titels. Prima als Geschenk.

Gekürzt.

Bewertung vom 30.11.2018
Herbststurm / Kommissär Reitmeyer Bd.3
Felenda, Angelika

Herbststurm / Kommissär Reitmeyer Bd.3


sehr gut

„Herbststurm“, den 3.ten Band der Kommissär-Reitmeyer-Serie aus der Feder von Angelika Felenda, habe ich sehr gern gelesen.
Der wohlgeübte, ausgereifte Schreibstil hat meine Aufmerksamkeit gleich an sich gezogen. Dieses Vergnügen blieb mir bis zum Schluss erhalten.
Der Roman lebt von der Atmosphäre von 1922 in München, die auch recht authentisch und zum Greifen nah rübergebracht wurde. Man fühlt sich in diese Zeit versetzt und verfolgt die Geschehnisse aus den Perspektiven der jeweiligen Figuren. Sie alle eint, ob reich oder arm, dass sie mit den Folgen des Krieges, physischer und psychischer Natur, zu kämpfen haben.
Der Roman hat zwei Erzählstränge: Kommissär Reitmeyer ermittelt in zwei Mordfällen der jungen Männer, Ex-Militärs. Sein junger Kollege, der als kriminalistisch begabt und sehr gescheit gilt, hilft ihm nach Kräften. Doch seine neue Bekannte, die schöne Deutschbaltin, die ihm seit Kurzem Russischunterricht gibt und einige Grundzüge der russischen Kultur beibringt, und ganz nebenbei ihm den Kopf verdreht hat, scheint ein Geheimnis zu hüten. Zaghaft geht der junge Mann dem auf den Grund, ohne zu ahnen, was auf ihn dort wartet.
Reitmeyers bester Freund Rechtsanwalt Sepp Leitner wird von einer russischen Emigrantin beauftragt, ihre verschwundene Tochter, die schöne Anna, zu suchen. Je weiter die Suche fortschreitet, desto komplexer erweist sich das Ganze. Nichts ist, wie zunächst erscheint. Lange tappt Leitner im Dunklen. Die Spuren führen am Ende auf ein gefährliches Terrain.
Die beiden geraten im Laufe der Ermittlungen dorthin, wo die Männer, die nach dem ersten Weltkrieg keine weitere Verwendung für sich finden, eine politische Wendung mit ernsten Konsequenzen planen.
Diverse Milieus werden vor Augen der Leser ausgebreitet. Es gibt sehr arme Leute, die hart und viel arbeiten müssen, in ärmlichen Unterkünften hausen und oft krank sind. Man besucht viele entspr. Ortschaften, u.a. Spielunken, in denen sich Mädchen als Tänzerinnen ihr Brot hart verdienen. Es gibt aber auch wohlhabende Bürger, die sich nett ihre Zeit vertreiben und in schönen Villen wohnen. Dazu gehört Caroline, die Jugendfreundin Leitners. Mit den beiden kreist in der „besseren Gesellschaft“ Münchens, besucht man private Musikkonzerte usw. Auch dort versucht Sepp Leitner auf seiner Suche nach der schönen Anna weiterzukommen. Bloß niemand scheint etwas Genaueres über sie zu kennen.
Am Ende ist alles geklärt, die Motive freigelegt. Wer hinter den Morden steckt, erfährt man in einer spektakulären Szene erst zum Schluss.

Das Buch mochte ich kaum aus der Hand legen. Recht schnell waren die über vierhundert Seiten ausgelesen, auch weil die Spannung, die mal subtil mal drängend an den Roman ungemein gefesselt hatte.
Gern lese ich weitere Folgen der Serie. Bis dahin habe ich noch zwei erstere Bände nachzuholen.

Bewertung vom 30.11.2018
Treibts zua!
Brandstätter, Lisa; Wenger, Clemens

Treibts zua!


sehr gut

Ein guter Regio-Krimi, der zwischen Berchtesgadener Land und Salzburg spielt und zur Geschichte und den alten Sagen der Region einen klaren Bezug hat: atmosphärisch, leicht humorig, mit einer deutlichen Portion Gesellschaftskritik.

Klappentext beschreibt den Krimi sehr gut.

Bei einem Toten bleibt es nicht. Bald folgen einige andere. Das deutsch-österreichische Ermittlerduo tappt lange im Dunklen, bis die beiden auf Karl den Großen und sein Wappen kommen. Zum Schluss wird es richtig spannend. Es gilt, ein weiteres Opfer zu retten und den Mörder zu fassen.

Die beiden Ermittler Lilly Engel und Sigmund Huber bilden einen schönen Kontrast. Sie ist eine hübsche, alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder, im täglichen Kampf mit ihrem mühsam-chaotischen Mutteralltag. Ihr Kollege Huber, der in Salzburg allein lebt, ist ein Gourmet, hat das Herz auf dem rechten Fleck und ruht in sich. Abgeklärt-humorig bringt er die Dinge stets auf den Punkt. Huber mag Lilly. Eine Art zarte Annäherungsgeschichte, die evtl. in der Fortsetzung weitergesponnen wird, trug zur subtilen Spannung bei.
Die Dialoge habe ich genossen. Paar Schmunzler haen sie mir entlockt.

Auch die Nebenfiguren erwiesen sich als eine große Bereicherung für diese Geschichte: Da ist eine Wahrsagerin, die ein Kosmetiksalon betreibt; da der Prof. Lange, seines Zeichens Schaumschläger, eine lustige Szene mit ihm; da ist ein Geistlicher, der die Ermittler mit schmackhaften Kuchen füttert; da ist ein Obdachloser, der über den Sinn des Lebens philosophiert. Zum Schluss kommen noch die bayrischen Herren, die regionale Bräuche dem norddeutschen Licht Lilly offenbaren usw.

Man kann noch viel über diesen Krimi schreiben. Besser, man liest den selbst.

Fazit: Ein netter, atmosphärischer Regio-Krimi, der durchaus einen verregneten Sonntag retten kann. Sehr gute Idee, die alten Sagen einer Krimigeschichte zugrunde zu legen, prima umgesetzt. Gern vergebe ich vier hell leuchtende Sterne und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 22.11.2018
Ofirs Küche
Graizer, Ofir Raul

Ofirs Küche


ausgezeichnet

Auf dieses Kochbuch habe ich mich gefreut. Meine Erwartungen wurden vollauf erfüllt. So gemütlich das Coverfoto wirkt, so ist auch der Inhalt, nur viel vielfältiger.
Ofir Graizer habe ich auf der Webseite des Verlages entdeckt in einem Video, in dem er ein ganz einfaches Gericht, eine Art Quiche, genauer gesagt eine Oliven-Käse-Tarte, zubereitete. Ich fand ihn irgendwie witzig, sympathisch mit seinem lustigen Deutsch. Da wollte ich mehr über Ofirs Küche wissen.
Als das Buch dann kam, fand ich es einfach toll. Schon allein beim Durchblättern habe ich gute Laune bekommen: Schlichte Rezepte begleitet mit schönen Food-Fotos, die sehr gemütlich wirken und zum sofortigen Nachmachen einladen. Kurze Texte zwischendurch erklären so manche Besonderheit, z.B. was man beim Zubereiten von Humms wissen muss, begleitet von Tipps und Antworten auf häufig gestellte Fragen.
Bei den Rezepten musste ich oft schmunzeln, insb. bei Tacheles. Es ist ein Satz, bei jedem Rezept, das einem Anfänger im Wesentlichen beschreibt, was man tun muss, um dieses Gericht fertig zu bekommen. „So einfach geht das“, vermittelt Tacheles und nimmt den Neulingen auf dem Gebiet Kochen die Angst, etwas verkehrt zu machen und ermuntert zum selbstständigen Kochen. Finde ich sehr richtig. Es gibt nichts Schöneres als ein schmackhaftes, frisch selbstgefertigtes Essen. In diesen Genuss soll jeder kommen können.
Man hat über siebzig vegetarische Rezepte, fünf davon mit Eiern, z.B. klassische und grüne Shakshuka, gegrillte Paprika mit Eiern und Balkankäse.
Auch der Aufbau konnte mich für sich einnehmen. Das Buch fängt mit der Zubereitung von Brot und seinen Variationen an. Hier gibt es acht Rezepte. Dann geht es zu den Salaten, Dips, Frischkäseselbstmachen, weiter zu den Beilagen, Gerichten mit Gemüse, Suppen und Eintöpfen. Die Abteilung Süßes führt elf Rezepte, darunter ein aromatischer Grießkuchen, Kuchen mit Zitrusfrüchten, Baklava. Nach den Rezepten folgt ein kurzes ABC von typischen Zutaten, Gewürzen und Kräutern, und wie sie in dieser Küche verwendet werden. Für mehr Details s. Inhaltsverzeichnis auf der Webseite des Verlages.
Die Gerichte sind einfach zuzubereiten, daher eignet sich das Buch prima für Anfänger.
Es gibt keine Kalorien- oder Zeitangaben, i.e. wie lang man für Gerichte braucht, was ich auch gut finde. Letzteres ist eh reine Spekulation, mit dem ersteren sollen sich die Großstadtneurotiker befassen.
Hier geht es um ein gutes, bezahlbares Essen für Freunde und Familie, das praktisch jeder zubereiten kann. Die Geselligkeit, das schöne Miteinander, das schmackhaftes Essen in der Regel mit sich bringt, ist dann auch nicht mehr weit.
Für mich konnte ich hier einige Anregungen finden, was ich bei Beilagen, Dips, Eintöpfen anders machen könnte, andere Gewürze verwenden usw.

Fazit: Ein schönes Buch über einfaches, gutes Essen, das nicht nur viele vegetarische Rezepte sehr zugänglich erklärt, sondern sich auch als sehr unterhaltsam erweist. Schön gestaltet, passend zu den Rezepten, mit vielen Farbfotos, ein Lesebändchen in Rot ist auch dabei. Alles wirkt so menschlich, so authentisch; einladend, die Gerichte nachzukochen und Freunde einzuladen. Prima auch als Geschenk.

Bewertung vom 20.11.2018
Paris MM-City Reiseführer Michael Müller Verlag
Nestmeyer, Ralf

Paris MM-City Reiseführer Michael Müller Verlag


ausgezeichnet

Diesen Paris Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag würde ich auf jeden Fall mitnehmen, wenn ich nach Paris aufbreche. Auch die Vorbereitungen auf die Reise kann man damit prima erledigen: Die einzelnen Sehenswürdigkeiten oder ganze Touren aussuchen, die man beim Besuch in Paris absolvieren möchte.
Der Reiseführer ist logisch, klar, mit tiefgreifender Kenntnis der Stadt und der Materie in Sachen Reisen insg. aufgebaut. Alles Wissens- und Sehenswerte ist griffig, in kleinen, aussagestarken Texten dargelegt, mit all den wichtigen Infos versehen, sodass man das Wesentliche in einem Buch zusammen hat und somit auch prima eigene Touren planen kann.
Gleich vorn gibt es paar Seiten, die grundsätzliche Dinge in einigen Sätzen über Paris vermitteln: Die Stadt und wie sie aufgeteilt ist, klassische Sehenswürdigkeiten wie Eiffelturm, Louvre, Centre Pompidou samt Alternativen wie „Unbekannte Museen“ und „Versteckte Perlen“ uvm. Auch wo man: Essen gehen, mit Preisen, Tel. Nr., gar mit passenden Phrasen auf Französisch; Ausgehen, z.B. Clubs, Cabarets, etc. und Einkaufbummel unternehmen kann. Hier findet man gleich Verweise auf die Touren, die den Kern des Reiseführers bilden.
Es gibt 13 Touren, die im Herzen von Paris anfangen, über Montparnasse, Eiffelturm, XVI. Arrondissement, Montmartre und zum Schluss zu Belleville und Pére-Lachaise führen. Für mehr Details s. Inhaltsverzeichnis auf der Webseite des Verlages. Da ist alles schön der Reihe nach aufgelistet.
Aber mit den Touren, wobei sie alle sehr schön sind, ich würde sie alle absolvieren, ist es noch nicht getan. Das Kapitel „Ausflüge“ berichtet u.a. über Saint-Denis, Fontainebleau, Versailles und andere Sehenswürdigkeiten mit all den nötigen Details, z.B. wie man hinkommt, wo man da essen kann, Öffnungszeiten, Preise inkl., und vielen anderen wertvollen Tipps. Als ein Tüpfelchen auf dem i findet man auch ein kleines Farbfoto von Monets berühmtem Seerosenteich, als die Rede von Musée des Impressionnismes in Giverny die Rede ist.
Darauf folgt ein Kapitel, das kurz aber prägnant über die Stadtgeschichte, Kulturleben, Wirtschaft, Nachtleben uvm. erzählt. Auch zu den Themen: „Mit Kindern in Paris“, „Anreise“, „Übernachten“, begleitet von einer Karte in Farbe auf 2 Seiten, auf der die Hotels aufgezeichnet sind, „Paris (fast) umsonst“, „Unterwegs in Paris“, usw. findet man hier eine Fülle von nützlichen Informationen, die man für die Planung der Reise und für die Orientierung vor Ort prima verwenden kann.
Die Auflistungen aller Museen und aller Restaurants, samt Speiselexikon und etwas Französisch zur allg. Konversation mit Übersetzung ins Deutsche, dem Kartenverzeichnis, das die Touren auf der Karte von Paris als beschriftete Vierecke dem Leser bildlich vor Augen führen, sowie Register runden das Ganze ab.
Im Umschlag hinten findet man den Stadtplan von Paris in Farbe, Maßstab 1:20.000 und Paris Métro-Plan, was auch sehr praktisch ist und eine große Hilfe zur eigenen Orientierung leisten kann.
Diesen Reiseführer habe ich am Sonntagabend aufs Geratewohl in der Mitte aufgeschlagen, im XVI. Arrondissement, in der Tour 9, gelandet und habe ihn bis zur letzten Seite in einem Schwung gelesen. Dann ging ich zu Anfang und las die ersten 8 Touren bis ich wieder dort ankam, wo ich angefangen habe. Ich fand den so unterhaltsam, so mitreißend, dass ich den nicht aus der Hand legen konnte. Es war wie eine schöne, virtuelle Reise nach Paris.

Fazit: Ein sehr gut gelungener Reiseführer mit all den Infos, die man braucht, begleitet von vielen Karten und Farbfotos sowie einer App für Smartphone, Tablet &Co. So macht die Planung und das Reisen auch Spaß, da man bestens informiert ist und sich prima orientieren kann. Die nächste Reise nach Paris wird damit bestimmt zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Schön auch als Geschenk, nettes Mitbringsel. Für diesen Preis wird hier echt viel geboten.

Bewertung vom 18.11.2018
Tod eines Weinbauern
Weissenbach, Evelyne

Tod eines Weinbauern


sehr gut

Diesen gemütlichen Krimi aus der Nähe von Neusiedlersee, Österreich, habe ich sehr gern gelesen. So etwas Atmosphärisches, Herzerwärmendes, Authentisches! Perfekt für die trüben Novembertage.
Luise, Mitte fünfzig, alleinstehend, ist eine aparte Erscheinung: Sie kleidet sich farbenfroh, in Röcke und Selbstgestricktes, versteht viel vom guten Wein, da Winzertochter, kocht/backt gern nach heimischen Rezepten. Resolut und eigensinnig, kann sie prima ihre Frau stehen: Wie sie sich dem Bürgermeister ggü behauptet hat, davon kann man ein gutes Stück an Streitkompetenz abschneiden. Sie ermittelt in ihrer Geburts- und Wohnstadt Schildern, in der sie viele Leute kennt. Ihre Lebensgeschichten sind miteinander verwoben, wie es sich nach und nach herausliest.
Luise war eine gute Freundin des ermordeten alten Winzers, kannte ihn und seine Weine. Sie fängt an, in der Familie und Bekanntenkreis herumzufragen. Da lernt man Leute kennen: Eine wahre Portraitgalerie. Alle Figuren kommen authentisch rüber, wie dem wahren Leben entsprungen, haben ihren eigenen Charakter, ihre Besonderheiten. Gern habe ich sie kennengelernt: Die alte Aloisia mit ihrem handgeschriebenen Heft voller alter Rezepte, einige findet man hinten im Buch zum Nachkochen; auch Melanie, die 14-jährige Enkelin des Weinbauers, die auch Winzerin werden will; oder auch den Öko-Winzer, der zwar kurz zum Schluss auftritt, aber einen sympathischen Eindruck hinterlässt. Und natürlich Luise selbst. Sie ist schon eine Person, die man nicht so schnell vergisst.
Bei Luise und den Leuten rund um den Weinberg habe ich mich wohlgefühlt. Ich war sofort in der Geschichte drin, konnte prima mit ihr durch diesen Krimi gehen. Sie ließ mich auch nicht los, als der Fall gelöst war.
Die Handlung ist logisch und gut nachvollziehbar aufgebaut. Sie hat mich auch hin und wieder mit unerwarteten Wendungen überrascht. Man bekommt genug Informationen in die Hand, um selbst mitzudenken. So rätselt man schön mit, denn viele haben ihre Motive gehabt. Aber nur einer hat es getan. Wenn man aufmerksam liest, hat man auch eine gute Chance, selbst darauf zu kommen, was ich auch sehr schätze: Der Leser wird hier fair behandelt.
Der klare Bezug zu den aktuellen Themen, Entwicklungen in der Landwirtschaft, die im Sommer für Schlagzeilen gesorgt haben, ist auch da. Die Gesellschaftskritik liest sich gut heraus, aber sie ist, wie auf Luises Webseite versprochen, sehr dezent und ohne Pathos angebracht worden. Finde ich sehr angenehm.
Auch Themen wie Familie, Familienzusammenhalt, und insb. Traditionen und ihre Pflege, die Liebe zur Heimat, die Wurzeln, die einen erden uvm. sind hier sehr gekonnt in den Erzählteppich eingewoben worden und sorgen für die Tiefe, die man oft vergeblich in Krimis dieser Art sucht.
Ich gehe soweit zu sagen: Dieser Geschichte wohnt ein Zauber inne.
Auch die persönliche Reife liest sich heraus, eher zwischen den Zeilen, aber man merkt, sie ist da, denn das Ganze wirkt nach, wie gute Geschichten es oft tun. Nach paar Tagen, als die letzte Seite umgeblättert war, fing ich an, sie von vorn zu lesen. Ich fand es schön, meine Zeit mit Luise & Co. zu verbringen. Dabei kamen noch andere Details der Handlung heraus, denen ich beim ersten Mal vllt nicht so viel Bedeutung beigemessen habe, die aber zum großen Ganzen wesentlich beitragen.
Ich denke mit Dankbarkeit an diese schönen Lesestunden zurück.
Wegen paar Unfeinheiten stilistischer Natur muss ich einen Stern abziehen. Die Geschichte an sich ist aber schön und sehr lesenswert.
Diesen Krimi kann ich mir sehr gut auch als Hörbuch vorstellen. Professionell vorgelesen, evtl. von einer reifen Frauenstimme, wird sie bestimmt mehr Leser/Zuhörer erreichen.
Freue mich auf weitere Folgen mit Luise Pimpernell und lese bis dahin den ersten Band.

Bewertung vom 14.11.2018
Machtbeben
Müller, Dirk

Machtbeben


ausgezeichnet

Dieses Buch halte ich für sehr, sehr lesenswert. Gerade für die Leser, die Sachbücher kaum in die Hand nehmen, ist dieses Werk von Dirk Müller sehr gut geeignet.

Ich habe mich für die Hörbuchvariante entschieden und konnte mich nur beglückwünschen. Dirk Müller liest selbst. Sehr gekonnt, sehr angenehm. All die 11 Stunden 53 Minuten der ungekürzten Ausgabe war ich gern dabei. Die verflogen auch sehr schnell. Nach einer Pause habe ich dieses Buch nochmals gehört, ungeachtet dessen, dass ich bis dahin mehrere Sach- und Fachbücher zu den besprochenen Themen bereits gelesen hatte.

Seine Sicht der Dinge, seine Interpretationen des Weltgeschehens, vor allem seine Haltung gegenüber dem Ganzen, sind Dinge, die man unbedingt kennenlernen sollte. Das hilft wirklich weiter.

Bei allen Themen fragt er stets, wer profitiert von diesen Entwicklungen? Wer steht dann, wenn es so weitergeht, als Gewinner und wer als Verlierer da und warum? So wird auch dem wenig vorbereiteten Leser nach und nach klar, was eigentlich passiert, warum, wohin die Reise geht und was er tun kann, um diese möglichst klug für sich und seine Familie zu organisieren. An manchen Stellen trägt das Buch auch Ratgebercharakter.

Auch kritisch betrachtet kann man sagen: Das hat Hand und Fuß, kann beten und singen. So manches kam mir zwar etwas sehr vereinfacht vor oder kam für mich etwas zu kurz. Aber das bleibt nicht aus, wenn man verständlich und für alle geeignet über komplexe Entwicklungen spricht. Da habe ich voll Verständnis für. Vor allem, dass man in größeren Dingen doch Recht hat und sehr gute Begründungen für die eigenen Annahmen liefert.

Auch beim Hörbuch stehen den Hörern all die Quellen zur Verfügung. Man kann sie auf der im Buch genannten Internetadresse abrufen. Sehr bequem zum Anklicken. Die Quellen stellen übrigens auch eine Liste der weiterführenden Literatur dar. Schauen Sie sich diese genauer an. Darunter finden Sie sehr lesenswerte Werke, wie z.B. „Warum schweigen die Lämmer?“ von Rainer Mausfeld oder auch, „Die einzige Weltmacht“ von Zbigniew Brzezinski oder auch „Praktischer Idealismus“ von Coudenhove-Kalergi, der hier vielerorts zitiert wird.

Man kann noch viel über dieses Buch schreiben, viel besser, man liest bzw. hört selbst. Da hat man definitiv mehr davon.

Fazit: Ein sehr gutes, kluges Buch, das auch die komplexen Entwicklungen und Zusammenhänge plausibel und für alle verständlich darlegt. Unbedingte Lesepflicht!