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Viel zu lange wurde Rassismus als reines Problem rechter Extremisten definiert. Doch die subtileren, nicht weniger gefährlichen Vorurteile finden sich dort, wo man am wenigsten mit ihnen rechnen würde - im Herzen der achtbaren Gesellschaft.
Was bedeutet es, in einer Welt, in der Weißsein als die selbstverständliche Norm gilt, nicht weiß zu sein? Reni Eddo-Lodge spürt den historischen Wurzeln der Vorurteile nach, und zeigt unmissverständlich, dass die Ungleichbehandlung Weißer und Nicht-Weißer unseren Systemen seit Generationen eingeschrieben ist. Ob in Politik oder Popkultur - nicht nur in…mehr

Produktbeschreibung
Viel zu lange wurde Rassismus als reines Problem rechter Extremisten definiert. Doch die subtileren, nicht weniger gefährlichen Vorurteile finden sich dort, wo man am wenigsten mit ihnen rechnen würde - im Herzen der achtbaren Gesellschaft.

Was bedeutet es, in einer Welt, in der Weißsein als die selbstverständliche Norm gilt, nicht weiß zu sein? Reni Eddo-Lodge spürt den historischen Wurzeln der Vorurteile nach, und zeigt unmissverständlich, dass die Ungleichbehandlung Weißer und Nicht-Weißer unseren Systemen seit Generationen eingeschrieben ist. Ob in Politik oder Popkultur - nicht nur in der europaweiten Angst vor Immigration, sondern auch in aufwogenden Protestwellen gegen eine schwarze Hermine oder einen dunkelhäutigen Stormtrooper wird klar: Diskriminierende Tendenzen werden nicht nur von offenen Rassisten, sondern auch von vermeintlich toleranten Menschen praktiziert. Um die Ungerechtigkeiten des strukturellen Rassismus herauszustellen und zu bekämpfen, müssen darum Peopleof Color und Weiße gleichermaßen aktiv werden - "Es gibt keine Gerechtigkeit, es gibt nur uns."
  • Produktdetails
  • Verlag: Tropen
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 263
  • Erscheinungstermin: 31. März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 123mm x 27mm
  • Gewicht: 334g
  • ISBN-13: 9783608504194
  • ISBN-10: 3608504192
  • Artikelnr.: 54119359
Autorenporträt
Reni Eddo-Lodge, geboren 1989 in London, ist preisgekrönte Journalistin und Bloggerin. Sie schreibt unter anderem für »The Guardian«, »The New York Times« sowie »The Independent« und spricht regelmäßig öffentlich über gesellschaftliche Themen wie systeminhärenten Rassismus oder schwarzen Feminismus. »Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche« ist ihr erstes Buch, das jüngst mit dem British Book Award ausgezeichnet wurde.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur WELT-Rezension

Swantje Karich schreibt mit viel Sympathie für die Autorin und persönliche Ehrlichkeit über Reni Eddo-Lodges Intervention. Trotz des aggressiven Titels, versichert die Rezensentin habe die britische Journalistin keines dieser üblichen Empörungsbücher verfasst, sondern eines voll düsterer eigener Erfahrung. Wie ein Schraubstock schließe sich Eddo-Lodges Argumentation, dass ein Konzept der Farbenblindheit nicht dazu führe, alle Menschen gleich zu behandeln, sondern Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen zu übersehen. Aber auch wenn die Rezensentin der Autorin in vielem beipflichtet, macht sie ihre Schlussfolgerungen nicht mit: Das Bestehen auf dem Anderssein ist ihr inzwischen viel zu affektiv aufgeladen, und die Utopie einer gesellschaftlichen Gleichheit noch nicht Makulatur.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 22.02.2019

Objektiv heimtückisch
Die britische Schriftstellerin Reni Eddo-Lodge erklärt, warum sie nicht länger
mit Weißen über Hautfarbe sprechen will
VON ANDREAS ZIELCKE
Als ob es nicht schon allzu viele Brandschriften, Anklagen, Publikumsbeschimpfungen gäbe, kommt nun auch noch diese hinzu. Doch die „schwarze zornige Frau“, wie Reni Eddo-Lodge sich selbst bezeichnet, will ihre Leser nicht besserwisserisch vor den Kopf stoßen, sondern mit einem quälenden Doublebind aus dem Konzept bringen. Hört mir zu, weil es sinnlos ist, euch etwas zu sagen! Wohl schon das englische Original, jedenfalls aber die deutsche Ausgabe richtet sich vor allem an weiße Leser, trotzdem erscheint auch sie unter dem Titel „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“. Was bei Herbert Achternbusch eine surreale Absurdität ausdrückte („Du hast keine Chance, aber nutze sie!“), beruht hier auf sehr realer, deprimierender Erfahrung. Ich rede mit euch, indem ich gegen die Vergeblichkeit anrede.
Bei allen unentrinnbaren Stereotypen eine Pflichtlektüre! Der Literaturkritiker Ijoma Mangold warnte in einem TV-Gespräch zu Recht vor einem moralischen Wettlauf der Opferpositionen, in dem stets der gewinnt, der das schlimmste Elend für sich reklamieren kann. Unweigerlich landet man in einer Diskursfalle, in der jeder universalistische Anspruch untergeht. Und wer könnte schon „schwarz“ und „Frau“ in einem rassistischen und sexistischen Umfeld moralisch überbieten?
Aber Eddo-Lodge spielt nicht einfach die Karte aus, die die weiße Mehrheit blamiert, sondern macht ihrer Empörung mit hinreichenden Argumenten und Erfahrungen Luft. Die vielen Reaktionen von Weißen, die sie zu mehr Gelassenheit und Entspanntheit ermahnen, sind Teil des Problems: Herablassung und Abwiegelung aus schlechtem Gewissen.
Das Buch konzentriert sich auf den britischen Rassismus. Obwohl sich besonders seit dem Brexit-Referendum auch auf der Insel fremdenfeindliche Strömungen ausbreiten, bleibt der ältere britische Rassismus gegenüber farbigen Abkömmlingen aus der Karibik und dem subsaharischen Afrika, aus Indien und Pakistan davon unterschieden. Und auch vom französischen oder vom amerikanischen Rassismus.
Großbritannien, dessen Kolonien und Protektorate einst fast ein Viertel der globalen Landfläche umfassten, gestand den meisten Kolonisierten einen Rechtsstatus zu, der einer (wenn auch regional begrenzten) Staatsbürgerschaft nahe kam. Frankreich dagegen unterwarf seine Kolonien einem erniedrigenden „Code Noir“. Und Amerikas Sklaverei-, Entrechtungs- und Segregationsgeschichte war ohnehin eine ganz andere. Kein Wunder also, dass so mancher in Großbritannien der „Minimal Impact Theory“ nachhängt, wonach sich der Kolonialismus nur relativ schwach auf die heutigen Beziehungen zwischen den britischen Ethnien auswirkt.
Dass das eine fatale Lebenslüge darstellt, ist das bittere Resümee von Eddo-Lodge, auch wenn sie weder diese beschwichtigende Theorie beim Namen nennt, noch überhaupt näher auf die Kolonialzeit eingeht. Die imperiale Vorgeschichte setzt sie voraus, was jetzt allein zählt, ist das koloniale Erbe des weißen Primats, das noch in allen Sinneszellen der Gesellschaft wie ein schleichendes Gift fortwirkt. Diesen toxischen Effekt bezeichnet sie als „heimtückisch“. Das klingt nach Arglist und Bösartigem, als würden sich die Weißen hinterhältig gegen die Dunkelhäutigen verschwören. Doch genau das widerspräche ihrem Befund. Am ehesten wäre der gegenwärtige Rassismus, wenn denn diese Contradictio in Adjecto erlaubt ist, als „objektive Heimtücke“ zu beschreiben. Er macht farbige Menschen überall dort besonders wehrlos, wo gar kein böser Wille am Werke ist, aber eine selbstvergessene weiße Vormacht und Ignoranz sie gedankenlos-rücksichtslos von den Gemeinsamkeiten ausschließt und an den sozialen Rand drängt.
Eddo-Lodge übernimmt dafür den Begriff des „strukturellen“ oder des „institutionellen“ Rassismus – eine habitualisierte Voreingenommenheit, die sich im gesellschaftlichen Gefüge eingenistet hat und bei amtlichen, unternehmerischen und privaten Entscheidungen ungreifbar, aber wirkungsvoll eine Tendenz verstärkt, die Farbige nachhaltig diskriminiert. Allen Nichtweißen sind diese tagtäglichen Benachteiligungen präsent, nur den Weißen muss man sie immer wieder neu aufzählen: von der ewigen Verdächtigung schwarzer Männer als notorisch Gewalttätige, die ein Racial Profiling der Polizeibehörden nach sich zieht, bis hin zu prohibitiven Hürden bei der Stellungs- und Wohnungssuche, vom Zugang zu Eliteschulen und -hochschulen ganz zu schweigen.
Der krasseste Fall der jüngeren britischen Kriminalgeschichte, die Ermordung des farbigen Studenten Stephen Lawrence durch eine Bande weißer Rassisten im Jahre 1993, wird ausführlich behandelt. In der Tat ist er nicht nur symptomatisch, sondern gilt in Großbritannien heute als Fanal einer dringlichen Selbstprüfung der Sicherheitsbehörden. Die am Boden zerstörten Eltern des Opfers mussten einen schier aussichtslosen Kampf gegen eine Londoner Polizei führen, die sich hinter einem Wall aus Vorurteilen und Desinteresse verschanzte. Erst 2012 wurden zwei der Mittäter wegen Mordes verurteilt. In Deutschland liegen Parallelen zu den NSU-Ermittlungen nahe.
Die Kehrseite des strukturellen Rassismus ist das „weiße Privileg“. Damit ist kein erklärtes oder gar gesetzlich verbürgtes Vorrecht der weißen Bürger gemeint, das es natürlich nicht mehr gibt. Gemeint ist die pure Selbstverständlichkeit, mit der weiße Hautfarbe die Norm ist und farbige Hautfarbe die Abweichung.
Wer weiß ist, braucht kein Wort, nicht einmal einen Gedanken über seine Hautfarbe zu verlieren. Wer schwarz ist, fällt aus der Reihe des Fraglosen. Irritation beim bloßen Anblick ist die mindeste Folge, stillschweigender Ausschluss aus dem Kreis der Relevanten die schärfste. Vermögen, sozialer Status, Optionen, Mitsprache und Aufstieg, überall sind an die weiße Haut ungeschriebene materielle und immaterielle Vorteile geknüpft, als gehorche dies einem Naturgesetz. Das hat nichts damit zu tun, dass Schwarze nun mal in der Minderheit sind (etwa 13 Prozent der Briten). Die Minderheit der Eliten oder der alten Adelsschichten ist erheblich kleiner, was ihre soziale Potenz alles andere als behindert. Es hat damit zu tun, dass die gesellschaftliche Verteilung von Respekt und Anerkennung, von Vertrauensvorschuss und Gruppengeist nicht farbenblind ist. Und hieran entzündet sich die Empörung von Eddo-Lodge ganz besonders. Denn nichts redet sich die weiße Mehrheit lieber ein als ihre angebliche Farbenblindheit.
Leben wir nicht in postethnischen Zeiten, haben wir den kolonialen Ungeist nicht längst überwunden? Haben wir uns nicht unserer vergangenen Sünden für schuldig erklärt und sehen geläutert in jedermann nurmehr den Mitbürger?
In diesem Wunschbild lässt es sich bequem einrichten. Nicht die rechten Extremisten sind daher das Hauptproblem, sagt Eddo-Lodge. Mit denen kann man in den Ring treten, sie kämpfen schmutzig, aber mit offenem Visier. Verhängnisvoller sind die hochgesinnten Liberalen, die ihre eigene Farbenblindheit hofieren und dadurch das Problem leugnen. Den Schwarzen brennt es unter den Nägeln, die Weißen entgegnen, dass niemand zündelt.
Wie sollen Unterlegene mit Überlegenen diskutieren, wenn die ihre überhöhte Position und ihre Selbstbegünstigung nicht wahrhaben wollen? Sich zum eigenen Nachteil selbst zu täuschen, ist das eine. Sich aber zum Nachteil Dritter in die eigene Tasche zu lügen, das ist das andere.
Um Eddo-Lodges Entrüstung einordnen zu können, wäre ein Atlas des Antirassismus hilfreich, allein im Hinblick auf den Grad des Pessimismus. Martin Luther King hatte trotz des noch viel massiveren amerikanischen Rassismus den Glauben an die integrierende Kraft der zivilen Institutionen nie aufgegeben. Ta-Nehisi Coates ist eine Generation später davon nicht mehr überzeugt: „Wir haben 400 Jahre Geschichte, die auf uns lasten. Unsere Gesellschaft hat noch keinen Weg gefunden, diese Schuld an Schwarzen abzuzahlen, die Last der Geschichte von uns zu nehmen.“
Achille Mbembe dagegen hat zumindest für Afrika bereits eine postrassistische Vision. Und der in Deutschland lebende, von marokkanischen Eltern abstammende Mohamed Amjahid spiegelt zwar schon im Titel seines Buchs „Unter Weißen: Was es heißt, privilegiert zu sein“ die Erfahrungen von Reni Eddo-Lodge, aber der Alltagsrassismus, den er hier ausmacht, summiert sich längst nicht zu der desolaten Diagnose der Britin. Das allerdings relativiert ihre heftige Anklage allenfalls geografisch.
Reni Eddo-Lodge: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche. Aus dem Englischen von Anette Grube. Tropen, Stuttgart 2019. 263 Seiten, 18 Euro.
Die Ermahnungen zu mehr
Gelassenheit und Entspanntheit
sind Teil des Problems
Den Schwarzen brennt es
unter den Nägeln, die Weißen
entgegnen, dass niemand zündelt
Reni Eddo-Lodge nennt sich selbst eine „schwarze, zornige Frau“.
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"In Eddo-Lodges Zeilen wird die Wut spürbar, die sie als Kraft zu nutzen versteht." Nina Fargahi, NZZ am Sonntag, 30.06.2019 "Ein schonungslos offenes und äußerst kundiges Buch. Eine Pflichtlektüre." Jana Hensel, buchmarkt.de, 25.06.2019 ""Warum ich nicht länger..." ist ein kontrollierter Wutausbruch aus intellektuellen Schärfe und einer oft schwer auszuhaltenden Unmittelbarkeit. Es fällt schwer, es zur Seite zu legen." Bastian Bütter, bodo. Das Straßenmagazin, Ausgabe 06/2019 "Reni Eddo-Lodge hat ein Buch voller Wut und Klugheit geschrieben. Es ist ein Appell, Benachteiligungen wahrzunehmen und anzusprechen." Tino Dallmann, mdr Kultur, 09.05.2019 "Reni Eddo-Lodge hat ein düsteres Erfahrungsbuch geschrieben. Die Utopie von der gesellschaftlich organisierten Gleichheit aller Menschen ist darüber nicht Makulatur geworden." Swantje Karich, Die Welt, 16.03.2019 "Aber Eddo-Lodge spielt nicht einfach die Karte aus, die die weiße Mehrheit blamiert, sondern mach ihrer Empörung mit hinreichenden Argumenten und Erfahrungen Luft." Andreas Zielcke, Süddeutsche Zeitung, 22.02.2019 "Dieses Buch als weißer Mensch ohne Migrationshintergrund zu lesen ist wirklich kein Spaß, und trotzdem sollte man es unbedingt lesen, weil es den Blick auf die Gesellschaft, in der man lebt, irritiert. Außerdem irritiert es den Blick, den man auf sich selbst hat." Antonia Baum, Die Zeit, 28.02.2018 "Sie werden dieses Buch hassen. Sie werden es nicht hassen, weil es schlecht geschrieben ist, sondern, weil es sie bis ins Mark treffen wird. [...] Lesen Sie dieses Buch, auch wenn es weh tut - das muss so sein. Die gute Nachricht ist: Sie können anfangen, sich selbst und ihre Position zu hinterfragen - und kanalisieren Sie ihre Wut und den Schmerz dann für etwas Nützliches. Es ist ein Prozess. Das Buch von Reni Eddo-Lodge ist dabei nur der erste Schritt." Enrico Ippolito, Spiegel Online, 06.02.2019 "Reni Eddo-Lodges Buch ist ein Geschenk, weil es klar und deutlich beschreibt, was struktureller Rassismus ist und warum Weiß-Sein in unseren Gesellschaften ein Privileg ist. " Laura Freisberg, BR-Kulturwelt, 31.01.2019…mehr