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Benutzername: miss.mesmerized
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Bewertungen

Insgesamt 832 Bewertungen
Bewertung vom 04.07.2020
Nackabatsch mit Todesfolge (eBook, ePUB)
Vögl, Ulrike

Nackabatsch mit Todesfolge (eBook, ePUB)


gut

Kommissarin Helena Hansen zieht es von Hamburg ins beschauliche Augsburg, doch schnell schon merkt sie, dass die neue Heimat so ihre Tücken hat. Der starke schwäbische Dialekt ist kaum zu verstehen und ihr neuer Chef muss sie für eine Idiotin halten, geschieht ihr doch ein Missgeschick nach dem anderen. In ihrer Kollegin Franzi findet sie jedoch schnell nicht nur eine kompetente Partnerin, sondern ebenso eine neue Freundin, obwohl diese eine eher unkonventionelle Art pflegt. Viel Zeit zum Kennenlernen bleibt den beiden jedoch nicht, denn schon gleich gibt es zwei Mordfälle zu lösen: ein Arbeitsloser wird erschlagen in seiner Wohnung aufgefunden und ein Immobilienmakler fand seine letzte Ruhe ausgerechnet auf einem Misthaufen. Viel Arbeit für das neue Team, doch die beiden ergänzen sich hervorragend und können schnell schon mit unerwarteten Ermittlungsergebnissen aufwarten.

Man merkt dem cosy crime Roman an, dass die Autorin viel von sich und ihrer Heimatstadt darin verewigt hat. Nicht nur der lokale Dialekt wird durchgängig gepflegt, auch allerlei Sehenswürdigkeiten der Fuggerstadt werden erwähnt wie auch die Liebe zu Kräutern und deren Verarbeitung, die Ulrike Vögl Kommissarin Franzi mitgegeben hat, finden ihren Platz. Die beiden zu lösenden Kriminalfälle treten dafür etwas in den Hintergrund, was für das Genre vertretbar ist.

„Die ganze Geschichte war einfach wahnwitzig, klang aber durchaus plausibel.“

Das Urteil des Erzählers bringt die Morde ganz gut auf den Punkt. Es ergibt zwar alles einen stimmigen Zusammenhang, so wirklich realitätsnah erscheint es jedoch nicht. Allerdings kommt auch nicht wirklich der Eindruck auf, dass die Spannung und eine komplexe Mordermittlung im Zentrum der Handlung stehen würden. Es geht viel mehr um Helenas Ankunft in Augsburg und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Das ist hie und da recht amüsant, da durchgängig die Sprechweise in Dialektform wiedergegeben ist, aber auch bisweilen etwas anstrengend und bemüht. So richtig sympathisch wurden mir die Protagonistinnen leider auch nicht, die eine zu überkandidelt mit schickem Auto, das mit äußerst unpraktischem weißen Interieur ausgestattet wurde und immer um ihre Blüschen und das Dutt bemüht, die andere das extreme Gegenteil im Hippielook mit stinkendem Hund, den sie ohne Rücksicht auf Kollegen ins Büro schleppt. Ob die sich in Wirklichkeit auch so schnell angefreundet hätten, wage ich zu bezweifeln.

Sicherlich für Augsburger ein großer Spaß, wenn auch die Figuren arg klischeebehaftet und voller Vorurteile gezeichnet werden, ansonsten ein leichter cosy crime Roman, der nicht allzu viel Aufmerksamkeit für das Lösen des Falles erfordert.

Bewertung vom 02.07.2020
Paradise City
Beck, Zoë

Paradise City


gut

Erst ihr Chef und Liebhaber Yassin, dann auch noch Kaya, eine weitere investigative Journalistin. Liina und Özlem wird schmerzlich bewusst, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie arbeiten in einer geheimen Agentur, die sich der Wahrheit verpflichtet hat und das veröffentlicht, was die Staatspresse versucht zu verheimlichen. Wie den seltsamen Tod einer Frau in der Uckermark, die scheinbar von einem wilden Tier zu Tode gebissen wurde. Doch vor Ort wollen die spärlichen Informationen, die sie zusammentragen können, einfach kein stimmiges Bild ergeben. Es muss mehr dahinterstecken. Für Liina wird der Stress lebensbedrohlich, denn ihre Herzschwäche verträgt Unregelmäßigkeiten nicht gut und gerade sie muss besonders aufpassen, denn in ihrem Körper schlägt ein ganz besonderes Organ, von dem ebenfalls wiederum niemand etwas wissen darf.

Zoë Becks neuester Roman verbindet unterschiedlichste aktuelle Themen der letzten Jahre: die zunehmende Technologisierung, die eine totale Überwachung der Bevölkerung ermöglichen könnte; ein Staat, der die Presse und Informationsveröffentlichung kontrolliert, um so die Bürger in Schach zu halten; ein Gesundheitsglaube, der alles, was nicht der optimierten Norm entspricht, versucht auszusortieren; die Folgen des Klimawandels, die weite Teile der Küstengebiete unbewohnbar machen; medizinische Forschung, die die Grenzen des ethisch vertretbaren immer weiter ausreizen. Im Zentrum eine rebellische junge Frau, die ihr Leben riskiert, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen und die all jene Ideale vertritt, die man mit Gruppierungen wie Anonymus oder Extinction Rebellion in Verbindung bringt.

Die lange Aufzählung lässt bereits erahnen, dass das alles zu viel ist für einen Thriller, der nicht einmal 300 Seiten hat. Die dystopische Anlage des Staates bleibt für mein Empfinden zu diffus, um zu überzeugen. Es gibt nur noch Megacities, deren Entstehung sich nicht wirklich erklärt, auch ist nicht ganz klar, wo die Grenzen des Staates verlaufen, was drumherum ist, wo Konstrukte wie die EU geblieben sind oder weshalb sie verschwanden. Ist dieser nebulöse Staat mit seiner Totalüberwachung und Pressekontrolle das böse Feindbild oder ist dies doch eher die medizinische Forschung? Angedeutet werden Massen- und Grippepandemien, aber sie bleiben zu nebensächlich, genauso wie die Gruppe der „Parallelen“, die sich rebellisch der verordneten Lebensweise entziehen.

Die Protagonistin Liina ist durchaus interessant angelegt, steckt sie ganz persönlich in dem Konflikt rund um die medizinische Versorgung, hat einerseits davon profitiert, wird aber auch zu deren Opfer. Sie genauso wie ihre Kollegen der geheimen Journalisten können mich jedoch nicht wirklich für sich gewinnen, sie sind mir zu schemenhaft und oberflächlich gezeichnet, um authentisch und überzeugend zu wirken.

Es entsteht zwar so etwas wie Spannung, aber ich hatte mehr den Eindruck wie ein blindes Huhn mal in diese, mal in jene Richtung zu rennen, nichts wirklich zu erkennen und plötzlich vor einem großen Verschwörungsfinale zu stehen. Das Grundgerüst der Handlung hätte mehr hergegeben, so hat es auf mich wie eine etwas lieblose Aneinanderreihung von zu vielen Themen gewirkt, die einfach nicht zu einer unterhaltsamen, spannenden Geschichte verschmelzen wollen.

Bewertung vom 22.06.2020
The Flight (eBook, ePUB)
Clark, Julie

The Flight (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Everything had been planned meticulously for months. Taking the trip to Detroit and then vanishing somewhere in Canada. But when Claire Cook wakes up on the morning which will free her finally from her abusive husband, she learns that he has altered their plans, she is to go to Puerto Rico. All the strategy, fake passport, preparations were in vain. Eva, another woman, as desperate as Claire, runs into her at the airport and makes an offer: trade tickets. Both of then need a new start and have powerful people on their heels. None of them has anything to lose anymore and so they decide to step in each other’s shoes. When Claire lands in California, she finds out that the plane she was supposed to be on crashed which makes her a free woman with a new identity. But the new life she has hoped for for months, does not feel right somehow and one questions lingers at the back of her mind: what did Eva run from?

“The Flight” belongs to those books that you open and cannot put down anymore. It the brilliantly told story of two women who are desperate to an extent where they feel that there is nothing to left to lose anymore and who would take any risk since they know this could be their only and last chance to get their own life back. While we follow Claire’s first days in her new life, Eva’s last months before the meeting at the airport is narrated providing insight in her tragic story.

Full of suspense you simply keep on reading to find out if the women could escape. Yet, apart from this aspect, there is also some quite serious undertone since, on the one hand, we have Claire stuck in a marriage marked by psychological and physical abuse and a controlling and mighty husband who considers himself above the law. On the other hand, Eva’s life has totally derailed because of her background where there were no rich parents who could afford expensive lawyers or knew the right people and therefore she was paying for something her boyfriend actually was responsible for. This surely raises the questions to what extent women still much likelier become a victim of false accusations and endure years of assault because they do not find a way out of their lamentable situation. Additionally, can it be true that with money and power you can put yourself above the law and get away with it?

A great read that I totally enjoyed and which certainly will make me ponder a bit more after the last page.

Bewertung vom 19.06.2020
Der Fahrer / Kerner und Oswald Bd.3
Winkelmann, Andreas

Der Fahrer / Kerner und Oswald Bd.3


gut

Ein brutaler Serienmörder versetzt Hamburg und das Team um Kommissar Jens Kerner in Angst und Schrecken. Junge Frauen werden aus ihrem Auto heraus entführt und brutal ermordet. An den Wagen hinterlässt der Täter ein Hashtag mit der zynischen Aufforderung #findemich, mit der er die Polizei nicht nur herausfordert, sondern provoziert und durch seine Postings auf Instagram lässt er die ganze Welt daran teilhaben. Schnell verdichten sich die Anzeichen, dass alles auf Jens Kerner ganz persönlich ausgerichtet ist, scheinbar führt jemand einen perfiden Rachefeldzug ganz direkt gegen ihn und es dauert auch nicht lange, bis dieser einen Schuldigen glaubt entdeckt zu haben: seinen eigenen Bruder. Blind vor Wut reagiert Kerner genau so, wie es sein Gegenspieler kalkuliert hat: er rastet aus und wird suspendiert. Ohne ihren Kopf muss das Team nun sehen, wie sie es mit dem Mörder aufnehmen können.

Viele positive Rezensionen und Lobeshymnen hatten mich neugierig auf den Autor gemacht, seit Jahren schon ist Winkelmann eine feste Größe unter den deutschsprachigen Autoren. Doch leider folgte mit diesem Roman für mich eine herbe Enttäuschung: eine Aneinanderreihung von alten Krimi-Versatzstücken, ein Protagonist, der an fehlender Sympathie kaum mehr unterboten werden kann und eine Geschichte, die so abstrus konstruiert ist, dass es schon ein Paralleluniversum benötigen würde, um einen Funken Realismus darin erkennen zu können.

Schon das erste Drittel des Buches hat mich so dermaßen genervt, dass ich kurz vorm Weglegen war. Ein Ermittler des Typs „Ich hatte eine schwere Kindheit und deshalb darf ich mich gegenüber allen wie ein Arschloch verhalten“ ist einfach out. Das war vielleicht in den 80ern mal modern und selbstgerechte Machotypen kamen mit ihrem Egotrip gut an, ich finde das heute schlichtweg überholt und wenig geistreich. Zu einer privaten Freitagabend Verabredung nimmt er selbstverständlich die Dienstwaffe mit, damit er jederzeit rumballern könnte – sorry, aber hä? Natürlich ermittelt er nach der Suspendierung allein weiter und bricht auch ohne Skrupel in Häuser ein. Im echten Leben hätte er für beides (hoffe ich zumindest) eine Abmahnung bekommen und wäre nicht wieder von der Vorgesetzten zurück zum Dienst erbettelt worden. Ob es besonders cool wirken soll, dass er noch nie etwas von einem Hashtag gehört hat und Social Media für böse hält? Ich denke ein echter Polizist könnte sich das kaum mehr erlauben.

Die Handlung selbst besteht aus banalsten Mustern und ist vorhersehbar wie ein Rosamunde Pilcher Film. Spannend war da gar nichts, dafür aber ganz schön viel ziemlich hanebüchen. Die Motivlage des Täters ist so aberwitzig und unglaubwürdig, reiht sich damit aber in die Charakterisierungen der anderen Figuren nahtlos ein. Da haben wir den gutmütigen, etwas plumpen älteren Polizisten, der schnell mit Hausmeistern per du ist; die böse Vorgesetzte, die keiner leiden kann und die natürlich völlig überfordert und unfähig ist; die junge Kollegin, der ein peinlicher Fehler passiert, die aber total nett ist und geradezu prädestiniert für die Zielscheibe des Täters ist; der schmierige Journalist und der heimlich helfende Privatermittler dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wenn man nach etwas Gutem sucht in diesem Sammelsurium an Plattitüden: es gibt keinen Gärtner und dieser ist auch nicht der Mörder.

Fazit: als Sommerlektüre am Strand, wenn man möglichst gering gefordert werden möchte und auf bekannte Muster setzten will zwecks Reduktion der geistigen Eigenleistung beim Lesen – perfekt. Ansonsten: es gibt sicherlich genügend wirklich gute Alternativen auf dem Markt.

Bewertung vom 18.06.2020
This Little Family (eBook, ePUB)
Bayard, Inès

This Little Family (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

A woman kills herself, her husband and their small son. What has led her to poison their dinner? They are a well-off Parisian family with a successful husband and lovely kid living in a beautiful apartment. What people cannot see is the inside, the inside of the family home and especially the inside of Marie who has been struggling for years to keep her secret well shut behind a friendly facade: she was raped by her CEO after work one evening and is convinced that Thomas is the result of the assault and not her husband’s son. Every day, she has to look in the eye of the small boy and is confronted again with what happened and what she cannot share with anybody. It is not the tragic story of a family, but the heart-breaking story of a woman not just suffering once from the humiliation and attack, but suffering every single day of her life.

Inès Bayard’s novel is one of the most moving and highly disturbing books I have ever read. She starts with the final step of Marie’s desolate and lonely voyage, no surprise where it all will end up, but the way there could hardly be more painful, more emotionally challenging and nevertheless easy to understand and follow.

Marie feels ashamed for what has happened to her, for her body after giving birth, for her behaviour towards her husband. She does not see herself as the victim she is, immediately, after the assault, she has taken the decision to comply with her assailant’s threat not to tell anybody and thinks she now has to stick to it. Her mental state is gradually deteriorating and Bayard meticulously narrates the downwards spiral. Looking at her from the outside, you can see that she is trapped in an unhealthy mental state that she has established and which is completely wrong but yet, it is so understandable how she comes to those conclusions and this almost paranoid view of her situation.

She does not get help or support, nobody even seems to notice her suffering, only when the signs become too obvious is suspicion raised. There might have been ways out of her depression and misery, but she cannot take these roads and thus needs to face her ultimate fate which does not entail living an option.

Without any doubt, Marie is a victim in several respects. But so is her son Thomas and he is the poor boy without any chance to escape or change his fate, he is exposed helplessly to his mother’s hatred which seems unfair, but I think it is not difficult to understand what she sees in him. Is her husband Laurent to blame? Hard to say, the same accounts for Marie’s mother who didn’t do anything other than just cover the traces of her daughter’s state when she becomes aware of it, she does not offer help when it was most needed.

The novel is a wonderful example for what such an event can do to people, how they struggle to survive and hide what has happened. It is deeply moving and frightening to observe which is also due to the author’s style of writing.

Bewertung vom 16.06.2020
Das Netz / Island-Trilogie Bd.1
Sigurdardottir, Lilja

Das Netz / Island-Trilogie Bd.1


sehr gut

Ihre Liebe wird ihr zum Verhängnis. Als ihr Mann Adam sie mit Agla zusammen erwischt, ist es ganz aus zwischen ihm und Sonja. Die Ehe war da schon längst gescheitert, aber für ihren Sohn Tómas war sie geblieben. Ein neues Leben ohne ihren Mann und sein Einkommen aufzubauen, ist nicht einfach und bald schon gerät Sonja in arge Schwierigkeiten, aus denen ein Freund ihr anbietet zu helfen. Nur einen Botendienst soll sie erledigen, doch der hat es in sich. Sie soll Kokain nach Island schmuggeln. Unerwarteterweise ist Sonja gut darin, völlig unauffällig bewegt sie sich als Businessfrau auf den Flughäfen und akribisch bereitet sie den Transport vor. Doch genau das wird ihr zum Verhängnis: ihr attraktives unscheinbares Auftreten fällt Bragi Smith auf. Der Zollbeamte hat viele Jahre Erfahrung und erkennt die Schmuggler. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihm Sonja ins Netz geht.

„Das Netz“ ist Band 1 der Reykjavík Noir Trilogie von Lilja Sigurðardóttir. Mit Sonja Gunnarsdóttir hat die isländische Autorin eine ungewöhnliche Protagonistin geschaffen. Eine Mutter, die nach der Trennung in eine schwierige Lage gerät, die von mächtigen Männern gnadenlos ausgenutzt wird, sich aber dann zunehmend ihrer Stärken bewusst wird und diese für sich einzusetzen weiß. Sie kennt ihre Gegner nicht wirklich, zu unbedarft ist sie noch, doch als sie erkennt, in welchem Netz sie gefangen ist, weckt dies ihre Kämpfernatur.

Die Spannung des Krimis wird gleich durch zwei parallel verlaufende Bedrohungen aufrechterhalten: zum einen ist Sonja den Drogenbossen wehrlos ausgeliefert; sie lebt zwar noch in der Illusion, sich irgendwann freikaufen zu können, dass dies aber eher einem Wunschdenken geschuldet ist, kann man sich als Leser ausrechnen. Auf der anderen Seite ist ihr der Zollbeamte Bragi auf die Spur gekommen, der sie gleichermaßen zu Fall bringen kann und die Aussicht, das Sorgerecht für ihren Sohn zu erhalten damit bedroht. Emotional sitzt sie ebenfalls zwischen den Stühlen. Der nicht enden wollende Kampf mit ihrem Ex-Mann ist genauso zermürbend wie die Beziehung zu Agla, die sich nicht wirklich zu der Beziehung mit einer Frau bekennen kann und will.

Bei all den Sorgen fehlt Sonja der Kopf, um die Ermittlungen, die gegen die Bankmitarbeiterin Agla eingeleitet wurden, ernsthaft zu verfolgen. Diese hat offenbar nicht unwesentlich daran Anteil, dass der kleine Inselstaat in eine finanzielle Katastrophe geraten ist, doch nun soll sie für ihre Spekulationen und Geldwäsche bezahlen.

Man muss den Krimi sicher als Teil einer Serie sehen, denn so ganz glücklich lässt er mich nicht zurück. Viele Fragen bleiben offen und der Cliffhanger zum Ende ist ohnehin etwas, das ich nicht wirklich schätze. Die kurzen Kapitel tragen zu dem schnellen Erzähltempo bei, im Laufe der Handlung nimmt diese auch deutlich an Spannung und Komplexität zu, bevor gleich mehrere Enthüllungen so manches in einem völlig anderen, aber nicht minder interessanten Licht erscheinen lassen. Die Autorin hat eine komplexe Geschichte erschaffen, die von der außergewöhnlichen Protagonistin lebt und mit einigen Überraschungen aufwartet.

Bewertung vom 09.06.2020
The Margot Affair
Lemoine, Sanaë

The Margot Affair


sehr gut

It has always been like this: her father would visit them every other day, sometimes they did not hear of him for weeks. But when he opened the door, he was there completely for Margot Louve and her mother Anouk. No holidays together, no show up at school events, he only belonged to their private life and for the world outside their Paris apartment, there simply was no father. Nobody knew who he was because everybody knew him. He was a public man, a well-known politician and the husband of another woman. When Margot meets a journalist, the idea of going public with their story pops up, thus forcing him to finally decide between the two lives and families. She is sure that he loves her and her mother much more than his actual wife and therefore, she sets in motion a chain of events with an outcome she would never have imagined.

Sanaë Lemoine’s story of course immediately reminds the reader of the former French presidents Mitterrand’s double life which he only revealed shortly before his death thus making Mazarine Pingeot suddenly one of the most famous daughters of the country. The author does not try to hide the parallels, she even mentions and integrates the real life events in her novel thus underlining also the differences between the two. Written from the daughter’s perspective, she convincingly gives the voice to a young woman full of insecurities and marked by her quite naturally limited understanding of her parents’ affair.

I totally adored the first part of the novel which focuses on Margot and her relationship with her father. She does not question her life and the fact that she can never talk about who her father is, knowing that he loves her deeply is enough for herself and the arrangements also seems to work well for her mother. When the two of them accidentally encounter her father’s wife, something in her is set in motion and it only needs a little pushing by a journalist to develop her fatal plot. She is too young to foresee the scope of her action and what the possible outcomes are.

In the second part, unfortunately, the author lost me a bit with the shift of the focus. Margot is fascinated by a woman a couple of years her senior and the journalist’s wife. Brigitte is a strong contrast to her always distanced and rather cold and controlled mother and fills some kind of emotional gap that opened in her life. For the reader it is quite obvious that she is to a certain extent lured on to destruction and falls prey to the reckless woman. Even though the development between them is well portrayed and slowly moves towards the final blow, Margot lost a bit of her charming personality for me and the reflective and thoughtful young woman turns into a naïve and emotionally dependent girl which I did not really like to follow anymore that much.

A psychologically interesting novel about relationships and emotional needs of children and their parents, but also a study of how the choices of life you make always will have an impact on other people, too.

Bewertung vom 07.06.2020
The Vanishing Half
Bennett, Brit

The Vanishing Half


ausgezeichnet

Everybody in the small Louisiana town of Mallard has always just called them the twins. That’s what Desiree and Stella Vignes are, just like some inseparable unit. Together they grow up, together they ran away to find a better life. A big dream for two black girls in the middle of the 20th century when segregation is a fact and opportunities for girls are limited. But then, Stella finds a job as a secretary, due to her relatively fair skin, they mistake her for white and with her diligence, she suddenly sees the chance to reinvent herself. After years of playing the role of the white secretary, she is ready to turn the role into her new self, but this requires leaving everything behind, also her twin sister. The girls take different roads, but they can never forget each other completely. It will take years until their paths will cross again and until they will need to ask themselves who they are and who they only pretend to be.

Brit Bennett’s novel covers the time span from the 1950s when the twins are only teenagers until the end of the 20th century when they have grown-up daughters. It is a tale of two young girls who are connected by their looks but quite different in character, girls with hopes and dreams living in a time when chances in life are determined by the skin colour. One of them accepts things as they are, the other decides to make the best for herself of it, but the price she has to pay is high and it is also a price her daughter will have to pay, ignorant of her mother’s story. Beautifully written the author not only follows the fate of the two individuals, but she also mirrors in their fate a society in which some alleged truths are deeply rooted.

When starting reading, you have the impression of being thrown in at the deep end. Somehow, you are in the middle of the story and first need to sort out the characters and circumstances. The author sticks to the backwards and forwards kind of narration which only little by little reveals what happened to the sisters. Just as both of them are ill-informed about the other’s fate, you as a reader, too, have to put the bits and pieces together to make it a complete story. I totally adored that way of gradually revealing what happened to them.

The narrative also quite convincingly shows that you can never just make a decision for your own life, it will always have an impact on other people, too, and even if you imagine having left all behind you and buried it deep inside your head, one day, the truth will come out and you’ll have to explain yourself. Brit Bennett similarly demonstrates how fragile our concepts of race, gender, class and even identity can be. We might easily be misled because quite often we only see what we want to see and prefer looking away over confronting our stereotypical thinking.

A must read drama with strong characters but also a lot of food for thought.

Bewertung vom 03.06.2020
Dunkles Lavandou / Leon Ritter Bd.6
Eyssen, Remy

Dunkles Lavandou / Leon Ritter Bd.6


sehr gut

Im beschaulichen Le Lavandou steht die Sommersaison unmittelbar bevor und alle sind auf den Einfall der Touristen vorbereitet. Doch dann schreckt ein schrecklicher Selbstmord das Örtchen auf: eine junge Frau hat sich von einer Brücke gestürzt und wurde dann von einem LKW überrollt. Leon Ritter, zuständiger Rechtsmediziner, stellt jedoch fest, dass die Frau schon tot war, als sie von der Brücke fiel. Zudem weist die Leiche noch zahlreiche andere Verletzungen auf, die auf brutale Folter und Misshandlung hinweisen. Eine zweite Leiche mit ähnlichen Zeichen lässt Ritter schnell an einen Serientäter denken, doch davon will man bei der Polizei nichts hören. Auch seine Lebensgefährtin Isabelle hat zunächst Zweifel, noch dazu fehlen konkrete Spuren. Die Lage spitzt sich zu als weitere junge Frauen vermisst gemeldet werden, eine davon Tochter des Kultusministers, was den Druck auf die Ermittler drastisch erhöht.

Im sechsten Fall für den deutschen Rechtsmediziner im Dienste der provenzalischen Polizei verbindet Remy Eysson verschiedene typische Themen typischer Kriminalromane: Entführung, ein besessener Serientäter, biblische Zeichen und dann auch noch ein prominentes Opfer, dessen Vorerkrankung den Zeitdruck besonders erhöht. Das alles in einem cosy crime Setting zwischen malerischen Olivenhainen und Weinbergen und immer mit perfekter Urlaubskulisse und Sonnenschein verschmilzt zu einer unterhaltsamen Sommerlektüre.

Insgesamt ist der Krimi für mich ein recht routinierter Roman, der das liefert, was man von diesem Genre erwartet: das Lebensgefühl Südfrankreichs – lokale Spezialitäten und guter Wein als Grundvoraussetzung für das Wohlsein – in charmanter Atmosphäre zwischen Mittelmeer und ansprechender Landschaft steht im Konkurrenzkampf mit dem Kriminalfall. Dieser ist recht typisch aufgezogen und überschaubar komplex. Für mein Empfinden etwas zu platt die falschen Fährten, die zu offenkundig sind und eigentlich auch die Polizisten nicht wirklich täuschen sollten. Ebenso blieb mir der Täter mit seinem Motiv etwas zu blass. Mehr Einblick in sein Denken hätte sicherlich den Verdacht früher auf ihn gelenkt und vielleicht ein wenig der Spannung genommen, allerdings wird die Figur für routinierte Krimileser auch schnell sehr offenkundig als heißer Kandidat.

Insgesamt leichte Unterhaltung, die sich perfekt als sommerliche Reiselektüre eignet.

Bewertung vom 02.06.2020
HOLIDAY Reisebuch: Hiergeblieben! 55 fantastische Reiseziele in Deutschland (eBook, ePUB)
Rooij, Jens van

HOLIDAY Reisebuch: Hiergeblieben! 55 fantastische Reiseziele in Deutschland (eBook, ePUB)


sehr gut

Wohin im Sommer, wenn das Virus, das uns schon das ganze Frühjahr begleitet, über allen Entscheidungen schwebt? Viele Länder noch ganz geschlossen oder mit Quarantäneregelungen, die einen Urlaub mehr oder weniger unmöglich machen; die Vorstellung, über Stunden auf engstem Raum im Flieger zu sitzen, ist ebenfalls nur begrenzt verlockend. Warum nicht also in Deutschland bleiben und erkunden, was es quasi vor der Haustür gibt? Jens van Rooij hat 55 sehenswerte Orte zusammengetragen, die alle auch ein berühmtes Pendant in der Ferne haben, zugleich aber viel weniger überlaufen und vor allem schnell und auch mal nur für einen Tages- oder Wochenendausflug erreichbar sind.

Die Bandbreite ist recht groß, von Naturschauspielen wie dem Geysir von Andernach oder den Kreidefelsen von Rügen, über moderne Architektur wie der Pyramide der Stadtbibliothek von Ulm und alte Gemäuer bis hin zu Ausflügen mit Tieren findet sich für jeden Geschmack etwas. Damit sich eine etwas weitere Anreise auch lohnt, werden zudem Hotel- und Restauranttipps vor Ort sowie Sehenswertes in der näheren Umgebung präsentiert.

Viele Ziele kennt man zumindest vom Hörensagen, die Idee jedoch, sie mit einem berühmten internationalen Vorbild zu vergleichen, fand ich originell. Die Erläuterungen sind knackig kurz und reichen vollkommen aus für einen ersten Eindruck. Auch die Umgebungstipps fand ich eine gute Idee, nur wegen einer Brücke wird man wohl kaum ein Ziel mehrere hundert Kilometer entfernt ansteuern, mag diese auch noch so spektakulär sein. Das E-Book ist mit Links versehen, so dass man aus der Idee auch direkt eine konkrete Planung machen und sich die Vorschläge detaillierter auf den jeweiligen Homepages ansehen kann.

Eine abwechslungsreiche Zusammenstellung, die als Inspirationsquelle für Ausflüge und Kurzurlaub in heimischen Landen ein guter Ausgangspunkt ist.