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Benutzername: monerl
Danksagungen: 29 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 201 Bewertungen
Bewertung vom 30.09.2020
Andrin
Altschäfer, Martina

Andrin


gut

(3,5 Sterne)

Meine Meinung

“Die überwältigende Geschmacksfülle flutete meine gesamte Mundhöhle und ließ in ihrer Intensität der Zunge kaum Raum, jene Wörter zu formen, die sich zu einer Frage nach dem Rezept zusammenfügen wollten. Als mir die Frage dann doch über die Lippen kam, erschien sie mir anmaßend und ich hätte sie gerne zurückgenommen, weil ich plötzlich unsicher war, ob denn eine solche Frage überhaupt gestattet war oder sich von selbst verbot, weil die Ingredienzen und die Zubereitung einer solch unglaublichen Suppe geheim gehalten werden mussten, wie das Mischungsverhältnis und das Zusammenrühren eines Zaubertranks.” (Buch Seite 81/82)

Hört sich das nicht traumhaft an? Ich habe diese Sätze gelesen und dachte nur “WOW”! Diese Autorin kann schreiben! Wir lernen erstmal die Protagonistin Susanne kennen und wie es dazu kam, dass sie sich auf die Reise machte. Eigentlich nach Italien, ins Feriendomizil ihres Verleges Jupp, bei dem sie als Ghostwriterin tätig ist. Ein kleiner Bestechungsversuch seinerseits, seiner besten Autorin das angenehmste Umfeld zu bieten, in dem sie sich in die Autobiografie des schweren Kunden gedanklich vertiefen und danach alles zu Papier bringen soll.

Doch Susanne kommt nie an, sie strandet in Vogelweh, einem kleinen Bergdorf in den Schweizer Alpen. Andrin, einer der beiden Bewohner von Vogelweh nimmt sie mit, als sie einen großen Fehler beging und dachte, sich alleine und zu Fuß bis zum nächsten Ort durchschlagen zu können.

Der titelgebende Adrin ist ein älterer Herr, der jedoch vor Kraft und Lebenswillen strotz! Ich war gespannt, was Susanne nun mitten in dieser Natur und mit diesen beiden Menschen, Andrin und seiner Ehefrau Uta, erleben würde.

Martina Altschäfer schafft es eine gewisse Spannung aufzubauen. In Vogelweh ist alles ein bisschen anders. Das Obst und Gemüse wächst als wäre es gedopt. Andrin ist schon ziemlich alt, doch erscheint er geistig und körperlich, als wäre er zwanzig Jahre jünger. Er restauriert die Häuser Vogelwehs, weil es ihm Spaß macht, er sonst nichts zu tun hätte oder gibt es da etwas, das Susanne noch nicht weiß? In Vogelweh scheint man von Wasser betrunken zu werden und was hat es damit auf sich, dass Uta fast jede Nacht in einem anderen Haus in Vogelweh übernachtet? Und die Steine, die den Koch schwer verletzt haben, waren es wirklich nur einfache Steine?

Klingt alles spannend, oder? Doch leider bekommt man von der Autorin auf die wenigsten Fragen eine echte Antwort. Viel Mystik und weiter nichts. Ich habe mich am Ende etwas verlassen gefühlt. Ich fragte mich, ob ich etwas überlesen hatte. Ich las und las und las und dachte, es kämen Aha-Erlebnisse, die mich begreifen und staunen lassen würden, doch dazu kam es leider nicht.

Es wird gebaut, es wird gegessen, so lecker, dass mir beim Lesen das Wasser im Munde zusammengelaufen war. Wir erfahren ein bisschen darüber, wie das Ehepaar nach Vogelweh kam und wie sich Susanne in ihren Überlegungen für die Autobiografie vertieft. Zu sehr, meiner Meinung nach. Nach dem ersten Drittel, das mich inhaltlich wie sprachlich sehr begeistern konnte, kam nach und nach die Entschäuschung.

So viel Potential, so wenig Handlung! Wirklich schade! Sehr schade! Denn ich bin sicher, daraus hätte eine so grandiose Geschichte werden können.


Fazit
Eine erst spannende Geschichte, die in Gänze nicht das halten konnte, was sie versprach. Ein Buch mit einer guten Idee, die mir leider ein bisschen zu oberflächlich blieb. Als Film würde das Buch aus meiner Sicht sehr gut funktionieren. Als Buch war es irgendwie zu langsam, ohne besondere Höhepunkte. Dennoch freue ich mich auf das nächste Buch der Autorin, denn erzählen und schreiben kann sie ausgezeichnet.

Bewertung vom 10.09.2020
Amulett 3
Kibuishi, Kazu

Amulett 3


ausgezeichnet

Meine Meinung
Das spannende Fantasyabenteuer geht weiter. Die Gefahr ist groß, denn der Elfenkönig will die Steinhüterin vernichten. Und nicht nur sie. Auch Trellis, sein Sohn, soll sterben, denn er verrichtet seine ihm aufgetragenen Aufgaben nicht zur Zufriedenheit seines Vaters.

Auf der Suche nach Hilfe, um den Elfenkönig zu besiegen, machen sich Emily, Navin, ihre Mutter und Emilys Crew auf die Suche nach einer geheimen Stadt, die es scheinbar nicht mehr gibt.

So lernen wir neue Wesen und neue Figuren kennen, die die Geschichte weiterhin interessant machen. Ebenso erfahren wir in Band 3 mehr über den einstigen Wächterrat, der damals den Frieden gesichert hat. Doch die Gulfen, das Volk der Elben, begannen mit dem Elfenkönig einen bitteren Krieg und zerstörten Cielis, die Stadt des Wächterrats. Doch genau dahin muss Emily! Sie muss lernen zu vertrauen, in den Fuchs, der sie führt, in Trellis, den sie noch brauchen wird, in ihre Kräfte und daran, dass es die verlorengeglaubte Stadt tatsächlich noch irgendwo gibt…

Die Buchgestaltung ist wieder schön bunt und von sehr guter Qualität. Mit farbigen und mit klaren Zeichnungen, die Kinderaugen wieder sehr gut lesen und entschlüsseln können, genau richtig für die Zielgruppe ab 8 Jahren.

Fazit
Eine besondere und fantasiereiche Reihe, die immer noch Spaß und Vorfreude auf die nächsten Bände macht. Absolut empfehlenswert!

Bewertung vom 06.09.2020
Was uns verbindet
Gowda, Shilpi Somaya

Was uns verbindet


weniger gut

Meine Meinung
Als ich hörte, dass die Autorin ein neues Buch geschrieben hat war ich Feuer und Flamme, denn “Geheime Tochter” war für mich ein Lesehighlight. Deshalb waren meine Erwartungen recht hoch.

Das Buch beginnt sehr interessant. Eine junge Frau geht ins Wasser. Es sieht danach aus, als wollte sie sich umbringen. Ein Mann verfolgt diese Szene, die ihm seltsam vorkommt und ruft den Notarzt.

Nach diesem Vorspann beginnt die eigentliche Geschichte. Wir lernen die Familie Olander kennen, Keith, Jaya, Karina und Prem. Eine amerikanisch-indische Familie, die aus London in die USA ausgewandert ist. Sie sind wohlhabend, glücklich und doch etwas anders als die anderen. Vor allem sieht und spürt das die ältere Tochter Karina, der, im Gegensatz zu ihrem jüngeren Bruder Prem, äußerlich die indischen Wurzeln anzusehen sind. Doch das Geschwisterpaar ist sich sehr nah und ist eng miteinander verbunden. Bis zu dem Tag, an dem das Schicksal schlimm zuschlägt.

Die Autorin verarbeitet hier das Thema Tod eines Kindes und die Fragen, wie leben die restlichen Familienmitglieder damit, wie gehen sie mit der Schuldfrage um, wird es sie zusammenschweißen oder wird die restliche Familie auseinanderbrechen?

Doch, obwohl dies ein sehr trauriges Thema ist, konnte mich das Buch auf der Gefühlsebene leider überhaupt nicht abholen. Die Geschichte langweilte mich die meiste Zeit. Mir fehlte eine gewisse Struktur in der Erzählweise, die mich fesseln würde. Hier wollte Shilpi Somaya Gowda m.M.n. zu viel. Sie erzählt in ihrem Buch sehr viel über all das, was die Familie getrennt hat, als, wie im Titel angegeben, was sie verbindet. Da halfen auch die Kapitel aus dem Jenseits nicht, in dem die Leserschaft Dinge aus Sicht des toten Kindes erfährt. Das war mir irgendwie zu abgehoben.

Das Ende kam unausgegoren und plötzlich daher. Vieles ist zu abrupt überwunden und alle blicken in eine hoffnungsvolle Zukunft. Einerseits schön, andererseits fehlte mir der ausgereifte Weg dortin. Sehr schade!


Fazit
Ein Buch mit einem interessanten Thema, das mir inhaltlich jedoch zu zerstückelt war. Vielleicht sollte das den Bruch der Familie nach dem Tod des geliebten Familienmitglieds darstellen, wie zerstückelt sie sich dadurch vorkamen und auch waren. Doch dies reichte nicht, um mich zu fesseln. Ich hoffe deshalb auf ein neues Buch der Autorin.

Bewertung vom 31.08.2020
Zu viel und nie genug (MP3-Download)
Trump, Mary L.

Zu viel und nie genug (MP3-Download)


ausgezeichnet

Kurzmeinung

Genre: Biografie

Handlung: In dieser Biografie zeigt Mary L. Trump, die Nichte des derzeitigen Präsidenten der USA, in was für einer Familie sie und natürlich auch Donald Trump aufgewachsenen sind. Damit liefert sie Hintergründe für das narzistische, egoistische, empathielose und aggressive Verhalten von Donald Trump.

Charaktere: Sehr interessant finde ich, wie die Autorin über die Beschreibung und Biografie der gesamten Familie und insbesondere ihres Vaters Frederick Trump, genannt Freddy, den Charakter von Donald Trump aufzeigt und offenlegt.

Schreibstil: Obwohl die Autorin selbst Teil dieser Familie ist, über die sie schreibt, gelingt es ihr recht gut subjektiv, aber doch nicht zu emotional über ihren Großvater als Patriarch der Trump-Familie und Donald zu schreiben. Ihr Schmerz und ihre Enttäuschung sind selbstverständlich zwischen den Zeilen spürbar. Aber alles in allem ist Mary L. Trump dennoch sehr professionell.

Hörbuch: Das deutsche wie auch das englische Hörbuch sind empfehlenswert! Nicole Engeln schafft es mit ihrer Stimme und Sprechart, dass ich ihr sehr gerne zuhörte. Der Reiz am Original ist, dass es von Mary L. Trump selbst eingelesen wurde. So bekommt man, zumindest akustisch, einen Eindruck von der Frau, die sich traute, von der Familie zu berichten, die Donald zu dem Menschen gemacht hat, der er heute ist.

Fazit: Aus meiner Sicht ein sehr lesens- und hörenswertes Buch, das zwar keine neuen Erkenntnisse über Donald Trump bringt, jedoch verstehen lässt, wie dieser Familienclan aufgebaut wurde und warum er so tickt, wie er tickt. Mary L. Trump bestätigt vieles, über das schon gemunkelt wurde. Sie zeigt die Unverfrorenheit eines Lebens in Luxus, obwohl kein Geld da ist (Donald Trump), sie zeigt die Bestrafung / Ausschluss von Familienmitgliedern, die sich nicht in der “Trump-Linie” befinden (Freddy Trump, wie auch alle seine Nachkommen), sogar wenn sie noch Kinder sind und keine Einfluss auf bestimmte Umstände haben (kranker Neffe von Mary L. Trump). Sie zeigt die volle Härte des Großvaters, wie auch der Großmutter gegenüber ihren Kindern, Drohungen und Entzug von Geld, Annehmlichkeiten, Krankenversicherung, Wohnung usw. Mein Fazit ist: Der “Trumpclan” ist eine Familie, die nichts besser kann als blenden und intrigieren. Sie sind aggressiv, rassistisch und eine Familie, die ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind wünschen würde! Es bleibt nur zu hoffen übrig, dass den USA sowie der Welt, eine weitere Amtszeit von Donald Trump erspart bleibt!

Bewertung vom 25.08.2020
Madeiraschweigen (eBook, ePUB)
Summer, Joyce

Madeiraschweigen (eBook, ePUB)


sehr gut

Meine Meinung
Ich freue mich immer sehr auf einen neuen Band mit Comissário Avila. Mittlerweile ist er mir mit seiner Liebe zu Kaffee, gutem Essen und Nachtisch richtig ans Herz gewachsen. Von Band zu Band entwickelt sich auch sein Privatleben mit Höhen und Tiefen. Die kleine Tochter wächst und er erlebt den Alltag als Ehemann und Familienvater.

Anderereits lernt man auch immer mehr seine Truppe kennen und schätzen. Sie werden plastischer und tiefer. Es ist wie bei Bekannten, die dann zu Freunden werden, wenn man sie besser kennenlernt. So fühlt es sich für mich mit Joyce Summers Charakteren an.

In vorliegendem Teil verbindet die Autorin wieder Historisches von Madeira mit dem Kriminalfall. Wir erfahren etwas über Kaiserin Sisi als ältere Frau, die damals, als sie erneut auf Madeira war, so in ihren Fünfzigern gewesen war. Immer auf der Suche nach der ewigen Jugend und Schönheit. Und hier ist die Verbindung zu Avilas Fall.

Auch mit dem dritten Band schafft es Joyce Summer wieder einen interessanten “Wohlfühlkrimi” vorzulegen. Das Schöne am Cosy-/Cozy-Krimi ist ja, dass er interssant und spannend ist, ohne zu schauderhaft, zu blutig oder zu nervenaufreibend zu sein. Beim Lesen wünschte ich mir auch dieses Mal wieder die Insel durch Avilas Augen betrachten zu können, mit ihm und seinem Hund Urso gemütlich durch die Gassen zu schlendern und mit seinem besten Freund Carlos einen Absacker bei Anna zu trinken. Irgendwie gibt jeder weitere Teil der Serie einem das Gefühl von “nach Hause” kommen.

Der Kriminalfall und die Verwicklungen gefielen mir auch im vorliegenden Band, aber irgendwie fehlte es etwas an Spannung. Der Teil bis zum Tode der Journalistin hätte durchaus länger gehen dürfen, wie auch zum Schluss die Suche nach der*dem Mörder*in. In diesen beiden Punkten war mir der Krimi etwas zu gemütlich.

Fazit
Wer keinen Krimi lesen will, bei dem man vor Angst die Fingernägel abkaut, aber auch keine lustigen Regionalkrimis mag, ist mit Joyce Summers Cosy-Reihe sehr gut bedient: Angenehme Figuren, eine traumhaft schöne Insel, ein bisschen historisches Wissen gepaart mit Spannung. Ich jedenfalls warte jetzt wieder voller Freude auf Band 4.

Bewertung vom 19.08.2020
50 (MP3-Download)
Yokoyama, Hideo

50 (MP3-Download)


sehr gut

Kurzmeinung

Genre: Krimi

Handlung: Ein Polizist bringt seine an Alzheimer erkrankte Ehefrau um und stellt sich. Der Tod war ihr Wunsch. Sie wollte als Mutter sterben, sterben, solange sie sich noch an ihren Sohn erinnert. Doch warum stellt sich der Polizeihauptmeister nicht sofort? Warum zwei Tage später? Was hat er in dieser Zeit gemacht?

Charaktere: Die Geschichte umfasst eine Vielzahl an Haupt- und Nebencharakteren, was es den Leser*innen nicht so leicht macht, den Überblick zu behalten. Die vielen japanischen Namen machen das Ganze nicht unbedingt leichter. Im Buch und eBook gibt es zu Beginn eine Auflistung der handelnden Personen. Das ist sehr gut. Beim Hörbuch fällt das leider weg. Schade, dass es zum Download der Hörbuchdatei kein PDF des Porsenenverzeichnises gibt.

Spannung: Durch Spannung besticht dieser Krimi nicht. Eigentlich plätschert er eher vor sich hin, was nicht ganz unüblich ist bei japanischen Krimis.

Schreibstil: Der Schreibstil ist sehr angenehm, jedoch wird die Geschichte sehr unaufgeregt erzählt. Die verschiedenen Blickwinkel, aus denen erzählt wird, runden die Geschichte immer ein stückweit mehr ab.

Ende: Am Ende gibt es die Auflösung über die zwei Tage, die keine Fragen mehr offen lassen. Den*die eine*n wird sich die Frage stellen, ob der Grund eine ausreichende Basis für einen Krimi darstellt. In Deutschland wäre die Thematik in dieser Form sicherlich keinem Verlag ein Buch wert. Doch die japanische Gesellschaft ist da anders gestrickt.

Hörbuch: Das Hörbuch wurde von Gerhard Gabers eingelesen, der eine wundervolle Erzählstimme hat! Sein etwas kratziges Timbre passt einfach wunderbar zu einem Hörbuch, das sich ganz langsam entwickelt.

Fazit: Dieser Krimi ist typisch für japanische Bücher dieses Genres. Er entfaltet sich nicht durch Thrill, sondern durch die zweite Ebene der Geschichte. Leser*innen bekommen tiefe Einblicke in die japanische Gesellschaft und das japanische Justizwesen. Es ist sehr interessant zu lesen, welche Unterschiede es da zu uns gibt. Einiges erklärt dabei das Verhalten vieler Japaner, wie wir sie kennen. Das (Hör)buch ist auch für “Japaneinsteiger*innen” geeignet, um ein Gefühl für Bücher aus Japan zu bekommen. Nicht jeder*m liegt dieser Sprach- und Schreibstil und die Langsamkeit der Plotentwicklung. Ein bisschen mehr Spannung hätte nicht geschadet. Auch verwirrte mich etwas ein zu Beginn erwähnter, anderer Fall, den ich in Bezug zum Mord an der Ehefrau des Polizeihauptmeisters wähnte. Doch diese Fäden wurden einfach fallengelassen, sodass ich insgesamt einen Stern abziehen musste.

Bewertung vom 05.08.2020
Kein Dach über dem Leben
Brox, Richard

Kein Dach über dem Leben


ausgezeichnet

Kurzmeinung

Genre: Autobiografie

Handlung: Richard Brox erzählt aus seinem Leben, seiner Kindheit und Jugend, der Drogenabhängigkeit und wie er auf der Straße gelandet ist. Er gibt uns Einblicke in das Leben eines freien Berbers.

Schreibstil: Richard Brox wurde unterstützt durch Dirk Kästel und Albrecht Kiesner. Die Erzählungen sind offen, ehrlich und mutig, denn Richard Brox nimmt kein Blatt vor den Mund. Im Nachwort schreibt Dirk Kästel über die gemeinsame Recherche mit Richard Brox. Er bringt sogar einige Nachweise, die z.B. belegen, dass Richards Eltern in KZ´s waren. Im Vorwort erzählt Günter Wallraff über Richard Brox, wie er ihn kennengelernt hat, als er seine Reportage über Obdachlose “Unter Null” machen wollte. Sehr interessant!

Ende: Das Buch endet mit dem schönen Traum Richards, der ein Hotel für Obdachlose bauen und betreiben möchte, in dem sie respektvoll behandelt und akzeptiert werden würden. Ich hoffe, es gelingt ihm!

Fazit: Ich kann absolut JEDEM dieses Buch empfehlen! Es sensibilisiert und genau das ist nötig. Wie oft werden Obdachlose abschätzig und vorurteilsbehaftet behandelt. Dabei sind auch sie keine homogene Gruppe, wie Richard Brox aufzeigt. Es eint sie, dass sie Außenseiter sind, aber ein jede*r hat sein eigenes Schicksal und Gründe, um auf der Straße zu sein. Ich weiß nun noch mehr, warum es immer gut war, etwas Geld in den Hüten Obdachloser zu hinterlassen. Und wer es nicht weiß, sollte sich umgehend dieses Buch kaufen und lesen!

Richard Brox ist zu einer Berühmtheit geworden, da verschiedenen Journalisten durch seinen Blog “Ohne Wohnung – Was nun?” auf ihn aufmerksam wurden. Auf dem Blog führt und bewertet er Obdachlosenunterkünfte in Deutschland. Seine Bewertung hat schon dazu beigetragen, dass Unterkünfte verbessert oder auch geschlossen wurden. Eine tolle Idee und Unterstützung für Menschen, die nicht wissen, wohin sie gehen und sich wenden sollen, wenn sie plötzlich ohne Dach über ihrem Leben dastehen. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 04.08.2020
Die Marschallin
Buono, Zora del; Buono, Zora del

Die Marschallin


sehr gut

Meine Meinung
Ein Buch, das sich für mich schwer in Worte fassen lässt. Es ist anders als erwaratet, es hat mir sehr gut gefallen und doch hat mir zum Ende hin ein bisschen was gefehlt.

Vorneweg möchte ich erwähnen, dass dieses Buch den größtmöglichen Lesegenuss entfaltet, wenn man sich in irgendeiner Weise für Politik interessiert, denn hier geht es um die Liebe einer Frau zum Kommunismus, um die Entwicklung des Kommunismus in Italien und dem ehemaligen Jugoslawien, das nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurde. Es geht sogar darüber hinaus, denn Zora Del Buono, die Großmutter der Autorin Zora del Buono, verfällt, wie auch viele andere, dem Personenkult um Josip Broz, Tito genannt, dem jugoslawischen Staatsoberhaupt auf Lebenszeit. Tito stellte sich gegen Stalin und begründete damit den Titoismus, einen kommunistischen Parallelentwurf zum Stalinismus.

Zora Del Buono, in Slowenien geboren, heiratete den italienischen Radiologen Pietro Del Buono und zog zu ihm nach Bari, wo sie trotz ihrer kommunistischen Einstellung sehr großbürgerlich und gut betucht in einer Villa lebte und herrschte.

Ich habe durch dieses Buch sehr viel über die Zeit des 1. und des 2. Weltkriegs, bezogen auf Slowenien und Italien, gelernt. Dies weckte mein Interesse das Gelesene zu vertiefen, sodass ich zwei Tage lang im Internet über Slowenien und Italien ab 1900, Tito und die Gründung und Auflösung Jugoslawiens gelesen und recherchiert habe.

Ausgangspunkt dieses besonderen Familienromans ist Zora, ihr Mann und ihre Söhne. Schwiegertöchter wollte sie eigentlich nicht und versuchte alles, die Familie so lange wie möglich Schwiegertochter-frei zu halten. Sie wollte das “Zepter” nicht weggeben, denn Frauen im allgemeinen konnte es ihr nicht recht machen, waren ihr nicht ebenbürtig. Die Schwiegertöchter schon gar nicht. Sie wollte “ihre” Männerdomäne nicht teilen.

Im Laufe des Romans erfahren die Leser*innen einiges über viele Familienmitglieder, Nachbarn und Freunde. Ein buntes Potpourri an Menschen und Schicksalen. Und dann geschieht am 24. Juli 1948 etwas, das Zora Del Buonos Meinung nach der Wendepunkt in ihrem Leben war, an dem sie nicht ganz unschuldig war.

Zwischen September 1948 und Februar 1980 gibt es dann einen Bruch. Eine Lücke, die Zora im zweiten Teil bruchstückhaft durch einen Monolog schließt. Sie ist alleine nach Slowenien zurückgekehrt und lebt verarmt in einem Altersheim in Nova Gorica, denn sie konnte die Demenz ihres Ehemannes nicht ertragen, der wiederum in einem gehobenen Altersheim in Bari seinen Lebensabend verbringt.

Dieser zweite Teil jedoch war mir einfach zu kurz und zu abgehackt abgehandelt. Ich hätte mir hier mehr “Roman” gewünscht, der den ersten Teil geschmeidiger ausgleiten lässt. Manch eine Andeutung hätte ich gerne ausführlicher betrachtet. Über dem ganzen schwebt die eigenartige Verliebtheit in Tito, die ich mir aus dem Buch heraus nicht sehr gut herleiten konnte, außer, dass die slowenische Herkunft Zoras dabei die größte Rolle spielen könnte.


Fazit
Ein spannender und faszinierender Roman, mit einem recht unbekannten Setting und einer im (europäischen) Westen recht unbekannten Historie. Sprachlich herausragend und sehr gut lesbar, ein echter Tipp wenn es um historische, besondere Romane geht.

Bewertung vom 30.07.2020
Ada, das Mädchen aus Berlin
Balson, Ronald H.

Ada, das Mädchen aus Berlin


ausgezeichnet

Meine Meinung
Das Team Lockhart & Taggart hilft dieses Mal einem italienischen Freund und reist dafür nach Italien. Dort treffen sie nicht nur auf gute Weine und die leckere toskanische Küche, sie werden auch in einen Fall verwickelt, der tief zurück in den 2. Weltkrieg führt.

Über Gabriella erfahren Liam und Catherina von Ada, dem jüdischen Mädchen aus Berlin, das wegen ihres musischen Talents vor den Nationalsozialisten nach Italien flüchten konnte. Doch der Krieg und ein ganz spezieller, persönlicher Feind aus Deutschland findet sie auch dort.

Über zwei hervorragend ausgearbeitete Handlungsstränge erfahren die Leser*innen zum einen von den Kriegsjahren im faschistischen und von Mussolini regierten Italien und andererseits, wie diese historischen Begebenheiten mit dem spannenden Enteignungsfall in der Gegenwart zusammenhängen.

In diesem dritten Band übertrifft der Autor seine vorherigen Bücher. In “Ada, das Mädchen aus Berlin” stimmt für mich einfach alles. Durch die hervorragende Charakterisierung der Figuren nimmt man intensiv Teil an den Geschehnissen. Ich fühlte mich regelrecht in die Geschichte hineingezogen. Mal mochte ich die Protaginistin schütteln, ein andermal verstand ich sehr gut, warum sie gegen die Vernunft handelte. Balson gelingt es wunderbar zu zeigen, dass auch Buchfiguren einfach nur Menschen mit Fehlern sind.

Wieder gefällt mir auch im vorliegendem Buch, wie intesiv der Autor auf die juristischen Eigenheiten von Klagen eingeht. Wir bekommen sogar ein paar Feinheiten bzw. Unterschiede zwischen der amerikanischen und der italienischen Justiz aufgezeigt, sogar mit einem kleinen Ausflug nach Deutschland, was auf eine eingehende Recherche deutet.

Beide Handlungsstränge sind spannend ausgearbeitet und halten die Spannung hoch. Auch schafft es Ronald H. Balson wieder, mich mit dem Schluss zu überraschen.


Zum Hörbuch
Wer bereits “Hannah und ihre Brüder” gehört hat, kennt die besondere Erzählstimme von Frank Arnold. Ich bin froh, dass er auch diesen dritten Band gelesen hat, da seine Stimme regelrecht zum Zuhören und in die Geschichte fallenlassen einlädt!


Fazit
Ich bin weiterhin begeistert von dieser Reihe und freue mich schon auf den nächsten Teil. Hatte man in Band 1 und 2 noch einiges aus dem Privatleben der Anwältin und dem Ermittler erfahren, standen sie im aktuellen Band sehr im Hintergrund. Wer sowas bevorzugt wird “Ada, das Mädchen aus Berlin” lieben.

Bewertung vom 27.07.2020
Fly, Baby, fly!
Edenberg, Sophie

Fly, Baby, fly!


ausgezeichnet

Meine Meinung
Ich bin immer auf der Suche nach besonderen Liebesromanen, die nicht zu kitschig und nicht zu vorhersehbar sind. Bei diesem hier bin ich fündig geworden!

Die Autorin beschreibt eine spannende Dreiecksbeziehung, die weit in die Vergangenheit geht. Der Roman beginnt mit der Protagonistin Lea im Jahr 2019, als sie nach einem Autounfall eine Amnesie erleidet und sich dadurch an die letzten 13 Jahre nicht mehr erinnert.

Mit den Kapiteln wechselt auch die Sicht auf die Story. Mal erfahren wir mehr aus der Vergangenheit von Lea, mal von Anna und auch von Christopher. Dies alles aus den Jahren 1999, 2004, 2007, 2009 und 2016. So setzt sich nach und nach das Puzzel des verlorenen Gedächtnisses zusammen.

Dabei lernen wir eine Lea mit verschiedenen Gesichtern kennen. Sophie Edenberg ist die Charakterisierung ihrer gesamten Figuren ausgezeichnet gelungen! In der einen Szene liebte ich sie, in einer anderen konnte ich sie kaum ertragen. Dies gilt nicht nur für Lea, auch Anna und Christopher hatten mächtige Ecken und Kanten.

Es passiert einiges und die Handlung schreitet schnell voran. Die Seiten flogen regelrecht dahin.

Vielen Autor*innen gelingt nach einer guten Geschichte kein richtig rundes Ende, oder es trieft so vor “Happy End”. Nicht so bei diesem Buch. Es nimmt eine unerwartete Wendung, mit der ich äußerst zufrieden war.

Ein ausgeklügelter Liebesroman, der mehr Spannung als Liebe aufweist.

Bei all meinem Lob habe ich auch klitze kleine Kritikpunkte, die ich bei diesem äußerst gelungenen Debüt verschmerzen konnte. Vielleicht sensibilisieren sie die Autorin für ihre kommende Recherche.

1999 gab es zwar schon Handys, sie waren aber noch nicht gang und gäbe. Zudem war das Telefonieren so teuer, sodass man Handys nicht mit dieser Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit benutzt hat wie heute. Ich kenne jedenfalls keine 11-Jährige, die damals ein Handy in der Schule dabei hatte.

Auch kann ich mich nicht erinnern, dass Facebook Anfang der Jahrtausendwende eine große Rolle im deutschsprachigen Raum innehatte. Das kam erst so ca. 2009 / 2010, wenn ich mich richtig erinnere.

Abgesehen davon ist dies jedoch ein tolles Buch, das ich absolut empfehlen kann!


Fazit
Für alle, die auch mal einen überaus spannenden Liebesroman lesen wollen und sich dabei auch trauen, zu einem Selfpublisher-Buch zu greifen. Sophie Edenberg beweist, dass auch selbst verlegte Bücher überaus gelungen sein können – inhaltlich, orthografisch wie auch äußerlich. Auf die nächsten Bücher der Autorin freue ich mich schon sehr!