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Benutzername: monerl
Danksagungen: 36 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 232 Bewertungen
Bewertung vom 16.08.2021
Wiesbacher Sinfonie
Bohlander-Sahner, Katja

Wiesbacher Sinfonie


ausgezeichnet

Meine Meinung
Schon das letzte Buch der Autorin hat mich für sich einnehmen und begeistern können! Was es ausgezeichnet hat, wird hier perfektioniert: Sich auf die Handlung der Geschichte zu konentrieren, sie zu erzählen, ohne dabei zu sehr auszuschweifen! So schafft es Katja Bohlander-Sahner auf 176 Seiten einen Pageturner zu erzählen, der ins Schwarze trifft und dabei kein Satz zu viel und kein Abschnitt zu wenig ist.

Wir lernen Paula und Klemens kennen und erfahren genug aus ihrer Vergangenheit. Beide sind verheiratet doch ihre Ehe und Beziehung zum*r Ehepartner*in ist eingeschlafen. Sie sind mehr oder weniger glücklich, wenn sie für sich sind, wobei es den Ehepartnern wohl genauso geht. In diesen vor sich hin platschernden Ehen geschieht es, dass Paula und Klemens sich plötzlich und intensiv verlieben. Durch und durch, voller Gefühl, Ekstase und mit Haut und Haaren! Und dann schlägt das Schicksal grausam zu!

Als Leserin wusste ich nicht, auf welche Seite ich mich schlagen soll. Kennt man es doch selbst, wenn Beziehungen nicht mehr richtig leben sondern einfach nur noch sind. Und wer wünscht sich nicht so eine intensive Liebe, wie es Paula und Klemens erfahren dürfen?!

Dieser tragische Schicksalsschlag jedoch kommt prompt und unerwartet und ich konnte kaum begreifen, wie die Autorin diese Story auf den doch recht wenig verbliebenen Seiten auflösen sollte. Aber Katja Bohlander-Sahner schafft auch hier eine unerwartete und ungewöhnliche Lösung für ihre Protagnoisten, sodass ich nach einem intensiven Inhalieren des Buches beim Zuklappen der Buchdeckel ein Schmunzeln im Gesicht hatte.

Alle wichtigen Charaktere werden auf wenig Seiten ausreichend beleuchtet und in Szene gesetzt, sodass das ungwöhnliche Ende ein echtes Meisterwerk ist, trotz der Tragik, die die anfängliche Euphorie der Liebe ablöst.

Der Schreibstil ist wundervoll, die Figuren authentisch, die Liebe greifbar.


Fazit
Und wieder schafft es Katja Bohlander-Sahner mit ihrem Buch aus der Masse herauszustechen! Es ist kurz, es ist anders, es ist intensiv, es ist schmerzhaft, es ist aber auch irgendwie gegen Ende versöhnlich, auch wenn jede*r wieder ein Kreuz zu tragen hat; ein neues Kreuz, ein verändertes Schicksal, ein neues Leben. Besser oder schlechter? Lest und entscheidet selbst. Absolute Leseempfehlung!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.08.2021
Amulett #7
Kibuishi, Kazu

Amulett #7


ausgezeichnet

Meine Meinung
Zwischen Teil 6 und dem neuen 7. Teil ist etwas an Zeit vergangen, doch nach den ersten paar Seiten war ich wieder voll in der Geschichte drin.

Emily, Trellis und Vigo sind auf der Suche nach der Insel Algos. Sie ist nirgends verzeichnet und sie müssen sich auf ihr Glück verlassen. Doch Emilys Stein scheint zu wissen, wohin es gehen soll.

Sie begegnen einem alten Bekannten, der wahrscheinlich nichts Gutes verheißt oder kann er ihnen sogar helfen? Denn Gabilan stiehlt Erinnerungen und hat die, nach denen Emily und Trellis suchen.

Während ihr Bruder Navin, Aly und General Pil einen Weg zurück zum Widerstand suchen und vor den Schergen des Elfenkönigs fliehen kämpft Emily mit den alten Erinnerungen an ihren verstorbenen Vater. Diese Schwäche spürt ihr Stein und versucht die Kontrolle über Emily zu gewinnen.

Emily muss Trellis vertrauen und darauf, dass er, wenn es hart auf hart kommt, seinem Stein widerstehen wird. Doch wie sieht es bei ihr aus? Wird sie das auch im Notfall auch können?

Es wird wieder sehr spannend! Ich hätte nicht gedacht, dass der Künstler nach den vorherigen sechs Bänden wieder etwas Neues und somit eine Wendung in die Geschichte wird einbauen können! Es ist ihm gelungen, denn das Ende ist sehr überraschend und macht große Freude auf den nächsten Band Nr. 8! Darin wird sicherlich der Fokus wieder auf den Bruder Navin und den Widerstand gelenkt.

Am Schreib- und Zeichenstil hat sich nichts geändert. Alles ist in gewohnter Qualität. Die einzelnen Bände haben alle ein anderes, wunderschönes Cover und die Reihe macht sich einfach toll im Regal.


Fazit
Die Spannung steigt und spitzt sich so langsam zu. Emily wird eine große Herausforderung bestehen müssen, bei der sie im nächsten Band jede Hilfe benötigen wird. Absolut empfehlenswert!

Bewertung vom 03.08.2021
Vom Schwimmen in freien Gewässern
Bohlander-Sahner, Katja

Vom Schwimmen in freien Gewässern


ausgezeichnet

(4,5 Sterne)

Meine Meinung
Die Autorin nimmt uns mit, zum einen nach Hirzweiler, einem Dorf im Saarland, wo wir Rolf kennenlernen. Er ist 59 Jahre alt, Witwer und Vater zweier Kinder, doch den Sohn hat er schon viele Jahre nicht mehr gesehen, denn dieser ist mit 16 Jahren einfach so von zu Hause abgehauen. Einfach so?

Im zweiten Handlungsstrang begleiten wir den 16-jährigen Jugendlichen Jerome auf seinem Weg in die Freiheit. Manch einer Gefahr setzt er sich aus und hat oftmals mehr Glück als Verstand. Er ist voller Vorfreude und Leichtsinn, wie man es von Jugendlichen erwartet.

Nach und nach kreuzen sich beide Handlungsstränge kurz und im Laufe des Romans werden einige Geheiminisse gelüftet, die ich als Leserin so nicht erwartet hatte. Der Hanldungsverlauf ist glücklicherweise nicht ganz vorhersehbar, was die Spannung aufrechterhält.

Doch der Einstieg ins Buch, die ersten ca. 50 Seiten, ist nicht ganz so einfach. Es gibt einige Jahres- und Ortssprünge, beginnend bei 1960, weiter zu 2015, 2016, 2017 und 2004. Hier musste ich immer mal wieder zurück- und vorblättern, um mich zu orientieren. Hat man diesen Beginn jedoch überwunden, entfaltet sich eine richtig schöne und tiefgehende Geschichte über Liebe in verschiedenen Facetten, die ich sehr, sehr gerne gelesen habe!

Elaine wirbelt in Rolfs leben und bringt seinen koordinierten und doch recht langweiligen Alltag durcheinander. Und Rolf genießt es! Er lebt auf und erblüht aufs Neue, lernt zu lieben, sich auf eine andere Liebe einzulassen, obwohl ihn die 25 Jahre Altersunterschied hin und wieder irritieren.

Rolf und Elaine sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Die Autorin erschuf ein Paar, das sehr authentisch und wirklich füreinander bestimmt ist und dem ich von Herzen wünschte, eine echte Chance zu bekommen. Es gibt allerdings einige Steine, die beide aus dem Weg räumen müssen, die nicht ganz ohne sind.

Bewegt haben mich auch all die Jahre von Jerome. Als Leser*innen sind wir Rolf im Vorteil und erfahren zum Teil vor ihm von den Gründen für Jermomes Flucht.

Obwohl die Protagonisten im Buch keine sehr tiefe Charakterisierung erfahren, konnte ich sie mir gut vorstellen. Sie sind sehr gut in die Handlung eingebunden, die sprachlich recht ruhig erzählt wird. Ganz erstaunlich, wie Katja Bohander-Sahner das gelungen ist, denn das Buch ist inhaltlich ziemlich turbulent: mehrere Fluchten von verschiedenen Personen aus verschiedenen Gründen werden thematisiert, eine Spontangeburt in Hamburgs Villengegend, Geheimnisse, Mord- und Mordanschläge unvm.

Die Spannung steigt bis zum Ende, mit dem ich persönlich sehr zufrieden bin. Zum Schluss wird die Erzählgeschwindigkeit schneller und die Jahresabstände größer. Manch einer mag das bemängeln, doch für mich machte ganau das die Geschichte rund. Ob es ein gutes Ende ist, hängt von der Sichtweise ab. Für mich war es ganau richtig so.


Fazit
Wer ein gutes und etwas anderes Buch lesen möchte, zu dem es derzeit keinen aktuellen Vergleich gibt, dem empfehle ich dieses hier! Es ist noch interessanter als der Klappentext verspricht. Wer Italien und auch das Schwimmen liebt, kann mit diesem Gegenwartsroman nichts falsch machen! Sehr empfehlenswert, insbesondere im Sommer. Ich bin schon sehr auf das nächste Buch von Katja Bohlander-Sahner gespannt!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.05.2021
Ein letzter erster Augenblick (eBook, ePUB)
Miller, Holly

Ein letzter erster Augenblick (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Meine Meinung
Dass diese Geschichte tragisch enden wird, ist von vorne herein klar. Beworben als eine Mischung zwischen „Die Frau des Zeitreisenden“ und „Ein ganzes Halbes Jahr“ kann man kaum auf ein Happy End warten. Mich reizen gerade solch traurige Liebesgeschichten und deshalb habe ich zugegriffen und wurde auch nicht enttäuscht.

Holly Miller hat sich für ihr Debüt einen sehr interessanten Plot ausgedacht. Wer mit paranormalen Geschehnissen nichts anfangen kann, sollte unbedingt die Finger von diesem Buch lassen, denn der Grund für diese tragische Liebesgeschichte ist, dass Joel von Menschen, die er liebt, hin und wieder die Zukunft erträumt. Manchmal kann er die negativen Ereignisse verhindern, manchmal nicht. Hin und wieder träumt er auch von den schönen Sachen, die ihm auch das Leben mit dem zukünftigen Wissen erleichtern.

Doch, wie lässt es sich mit diesem Wissen in einer Beziehung leben? Welche Verantwortung trägt Joel gegenüber seiner Partnerin, dessen Zukunft er weiß? Wie egoistisch darf er sein? Auf diese Fragen baut die Autorin ihre spannende Geschichte auf.

Der Prolog hat schon mächtig Kraft, denn wir erfahren aus Callies Sicht, dass sie sehr leidet. Und so steigt schon zu Beginn die Spannung, wie die Geschichte auf dieses Ereignis im Prolog zusteuern wird.

Zu Beginn lernen wir die beiden Protagonisten Callie und Joel kennen, wie ihr Leben bisher verlaufen ist und wo sie stehen, als sie aufeinander treffen. Dies geschieht nicht zu ausufernd und auch nicht zu wenig. Die Autorin hat ein Händchen dafür die Story voranzubringen, ohne dass sich die Leserschaft langweilt.

Die Liebe zwischen Callie und Joel ist tief und emotional (aber nie kitschig), bis Joels Traum wie eine mächtige Bombe in ihre Beziehung einschlägt.

Wir erfahren immer aus wechselnder Sicht aus dem Leben von Callie und Joel. Dies gefällt mir ausgesprochen gut! So fühlt man sich beiden nah, leidet mit ihnen und bekommt mit, was in ihrem Leben passiert.

Je näher das Ende kommt, desto kürzer wird der Abstand zum besagten Ereignis aus Joels Traum. Ein kleiner Funke Hoffnung begleitet die Leserschaft bis zum letzten Augenblick! Und doch ist das Ende unausweichlich und hart. Das Schicksal lässt sich letztendlich nicht betrügen.

Fazit
Ein sehr gelungener, tragischer Liebesroman, der ans Herz geht und der sich sicherlich auch wunderbar als Film machen würde. Ich bin schon sehr auf das nächste Buch der Autorin gespannt, und ob sie an dieses herausragende Debüt wird anknüpfen können. Ein Highlight unter Liebesgeschichten und absolut empfehlenswert!

Bewertung vom 29.04.2021
Der große Sommer
Arenz, Ewald

Der große Sommer


sehr gut

Meine Meinung:

Dem Autor ist ein echtes Jugendbuch gelungen. In einer langsamen Erzählung lernt die Leserschaft die vier Jugendlichen kennen, die einen unvergesslichen Sommer in ihrer Jugend erleben, das Geschwisterpaar Frieder und Alma, der gemeinsame beste Freund Johann und Beate, Frieders erste große Liebe.

Schulprobleme werden erörtert, Frieders Sitzenbleiben und das Lernen für die Nachprüfung während der Sommerferien und zwar mit dem Großvater. Dabei lernt Frieder mehr über seine Familie. Die Vergangenheit und Kindheit seiner Mutter als auch seiner Großmutter und warum der Großvater nicht Opa genannt werden möchte.

Ewald Arenz beschreibt den Sommer mit viel Atmosphäre und weckt damit auch die Sehnsucht danach. Schleichend spitzt sich die Geschichte auf einen Punkt zu. Es ist zu fühlen, dass etwas wohl schlimmes geschehen wird, doch erahnen lässt es sich nicht. Meine Vermutung wurde glücklicherweise nicht bestätigt.

Mit seinem Roman hat der Autor einen schönen und gut lesbaren Jugendroman geschrieben, den ich in erster Linie auch dieser Zielgruppe empfehlen würde. Mir waren die Handlung und der Höhepunkt etwas zu schlicht. Beates Reaktion konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Sie erschien mir etwas zu übertrieben. Doch wenn ich mich an meine Jugendzeit zurückerinnere, bin ich sicher, dass ich diesen Roman mit ca. 14 Jahren ganz sicher geliebt hätte, deshalb vergebe ich wohlwollende 4 Sterne.

Bewertung vom 26.04.2021
Spielend in die Schule
Kampel, Marianne

Spielend in die Schule


ausgezeichnet

Meine Meinung
Entgegen aller Hoffnungen ist auch dieses Jahr ein „Coronajahr“ und somit für die Vorschulkinder anders. Die Kindergärten haben auf und wieder zu, Notbetreuung, keine Gruppendurchmischungen usw. Das alles macht das letzte Vorschuljahr kaputt, in dem die Maxi-Kinder vom Kindergarten mit einem speziellen Programm auf die Schule vorbereitet werden würden.

Somit war ich auf der Suche nach Material, in dem ich als Elternteil unterstützt werde, diese Vorbereitung von zu Hause mit dem Kind umzusetzen zu können. Dabei fiel mir dieses Buch auf.

Es ist schön bunt und gut gegliedert. Langsam steigert sich der Fokus vom Kindergarten hinüber zur Schule. Während die Kinder im ersten Teil noch über sich als Kindergartenkind berichten und über ihre dortigen Freunde schreiben und malen bemerkt man schleichend, wie das Kind gestärkt werden soll, um sich später in der 1. Klasse nicht ganz hilflos zu fühlen, wenn es gar keine Freunde oder bekannte Kinder in der Schule hat.

Über mögliche Fragen, wie sich Kinder anderen Kinder nähern können, das Lernen der Wochentage wie auch das Üben von selbständigem Anziehen, mit schulischen Materialien umgehen, Weg zur Schule merken, Uhrzeit erleren unvm. bekommen hier auch Eltern einen guten Überblick, was Kinder in der 1. Klasse können sollten, um sich möglichst reibungslos in diesem neuen Lebensabschnitt zurechtfinden zu können.

Sehr gut gefällt mir auch der vorbereitete Vor-Schul-Kalender, in den die letzten vier Wochen vor der Einschulung Eltern und Kind(er) Termine, Ausflüge oder Sonstiges eintragen können. So sind die Kinder dann in der Lage, die letzten Tage bis zu dem wichtigen Tag, aktiv mitzuverfolgen.

Sehr positiv und hilfreich finde ich die expliziten Elterntipps und Erklärungen zu den verschiedenen Aufgaben, Fragestellungen, Tätigkeiten usw. Diese zeigen auf, warum Kinder diese bestimmten und im Buch aufgeführten Punkte können oder üben sollten und ich erkenne, dass dies größtenteils das Programm abdeckt, das unser Kindergarten normalerweise in der Maxi-Gruppe gemacht hätte.

Das gemeinsame Ausfüllen und Erarbeiten des Buches gibt mir als Elternteil ein gutes Gefühl. Es ersetzt natürlich und leider nicht die Gruppenaktivitäten, die Kinder im Vorschuljahr mit Erzieher*innen und anderen Kindern erlebt hätten, ist aber immerhin ein kleiner Trost.

Fazit
Ein sehr gelungenes und wunderschönes Mitmachbuch, das später auch als eine Erinnerung an die letzten Monate und Wochen vor der Einschulung dient. Es kann immer wieder vorgeholt werden und als Gesprächsgrundlage dienen. Von mir bekommt das Buch das Prädikat wertvoll und absolut empfehlenswert, nicht nur in Coronazeiten!

Bewertung vom 25.04.2021
Die Verabschiebung
Zelter, Joachim

Die Verabschiebung


ausgezeichnet

Meine Meinung
Manche Geschichten benötigen viele Seiten, um erzählt zu werden und mache, so wie diese hier, trifft auch mit wenigen Worten und Seiten alles auf den Punkt.

Die Geschichte um Julia und Faizan ist eine Liebesgeschichte, eine tragische Liebesgeschichte in Zeiten von Corona und der Rückführung von Flüchtlingen, die nicht länger in Deutschland geduldet werden, weil ihr Geburts- und Herkunftsland scheinbar ein sicheres ist.

Es ist eine Geschichte über eine Ehe, die keine Scheinehe ist, und doch geschlossen wurde, damit zwei liebende Menschen zusammenbleiben können. Doch man braucht keine Hellseherkugel um zu wissen, dass auch das nicht helfen wird.

„Nichts Freiwilliges sei mehr im Leben seiner Tochter gewesen, sondern eine getriebene Not. Nicht die eigene, sondern die Not des anderen, die irgendwann zur eigenen Not wurde. Das sei eine Ehe. Einer trage des anderen Not. Von wegen Scheinehe. Alles andere als eine Scheinehe. Alles sei aufeinander bezogen gewesen. Die ganze Zeit. Was man Faizan angetan habe das habe man auch ihr angetan. Wenn seine Rechte verletzt wurden, dann gleichzeitig auch ihre. Wenn man ihn aus dem Land geschafft hatte, dann am Ende auch sie …“ (Buch S. 153)


Diese so wahren und treffenden Zeilen sind ein seltener emotionaler Ausbruch im Schreibstil des Autors. Umso mehr verleihen sie dem Gesagten an Kraft. Dies sind für mich die Schlüsselzeilen eines eher im nüchternen Schreibstil geschriebenen Buches, das seinen Finger genau auf den wunden Punkt der ganzen Misere setzt!

Über Faizan bekommen Geflüchtete ein Gesicht, ein Leben, ein Schicksal. Joachim Zelter schafft es die Tagik herauszuarbeiten, wie, in der Tat kafkaesk, sich die Situation der lediglich begrenzt Geduldeten darstellt.

Wir bekommen mit, wie Julia versucht durch verschiedene Anwälte Faizan zu helfen. Nicht nur, dass diese sehr teuer sind, keiner von ihnen ist in der Lage, Faizan Zeit und Recht zu verschaffen. Der Autor konfrontiert uns mit den verschiedenen Meinungen von Julias Familie und Freunden, mit Vorurteilen, Verständnis und Unverständnis. Er zeichnet die Realität in seinem Roman nach, die wahrscheinlich tagtäglich genau so immer und immer wieder stattfindet.

Wir werden Augenzeugen des unmenschlichen Aktes des Rückführungsprozesses Faizans, der, wie man schon oft in den Nachrichten gehört oder gelesen hat, nachts von zu Hause rausgeholt, einen paar minütigen Anruf tätigen durfte und dann direkt in ein Flugzeug nach Pakistan gesteckt wurde.

Trotz des recht nüchternen Schreibstils schafft es Joachim Zelter eine packende Geschichte zu erzählen, die ich fast in einem Rutsch gelesen habe und lange darüber nachdenken musste. Die Hoffnung, alles möge noch auf das Gute hinauslaufen zieht sich bis zum Schluss, der für mich trotzdem unerwartet kam.


Fazit
Dem Autor ist ein sehr aktueller und eindringlicher Roman gelungen, der die Flüchtlingspolitik als genau das aufzeigt, was sie ist: unmenschlich! Ein sehr bemerkenswerter und lesenswerter Roman, den ich uneingeschränkt weiterempfehle!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.04.2021
Die Wahrheit der Dinge
Thiele, Markus

Die Wahrheit der Dinge


ausgezeichnet

Meine Meinung
Auch mit seinem zweiten Buch schafft es der Autor mich von seiner Geschichte völlig zu überzeugen. So ganz ohne Kritkpunkte ist auch dieses Buch ein Lesehighlight in 2021.

In zwei Handlungssträngen, 2015 und 1989 (und folgende), werden Ausschnitte aus dem Leben der beiden Protagonisten erzählt, die im Gerichtssaal schicksalhaft aufeinandertreffen: Corinna Maier erschießt am letzten Verhandlungstag den Angeklagten in Richter Frank Petersens Gerichtsverhandlung, kurz bevor dieser sein Urteil verkünden kann und traumatisiert ihn damit ein stückweit. Er glaubt an das Gesetzt, die Wahrheit und Gerechtigkeit. Umso mehr erschüttert ihn, dass bereits vier seiner Urteile nachträglich vom BGH in Karlsruhe korrigiert wurden. Petersen zweifelt an sich. Er braucht eine Antwort, die ihm nur Corinna Maier geben kann, die nun nach vier Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird.

Markus Thieles Protaginisten konnten mich absolut für sich einnehmen. Sie werden allumfassend betrachtet. Die Studentenzeit der jungen Corinna Maier bringt uns ihr näher und bildet den Hintergrund für ihre mörderische Tat.

Frank Petersens letztes Urteil zerrüttet seine Familie. Es scheint der letzte Tropfen zu sein, der die Familie zum Überlaufen bringt. Und so steht er anderntags ohne Frau und Sohn da und überlegt, wie es dazu kommen konnte.

Die Fragen, die sich Petersen dabei stellt sind tiefgründigt. Ich konnte mich mit dem Richter wie auch der Möderin identifizieren. Denn Corinna Maiers Leben war nicht leicht. Während sie mehrfach mit Verlusten klarkommen musste, erkannte sie, dass sich in all der Zeit kaum was verändert hat.

Richter Petersen horcht auf der Suche nach Antworten tief in sich hinein. Ihn dabei zu begleiten war wahrlich eine Freude für mich. Dieses Buch ist ruhig und nüchtern und bewegt sich dennoch stetig nach vorne. Auf die Erkenntnisse, auf die es am Ende hinausläuft, war ich sehr gespannt und letztendlich zufrieden. So konnte es mich mit all seiner Wahrheit und Menschlichkeit sehr berühren.

Neben all den menschlichen Schicksalschlägen, die sich im Laufe der Geschichte offenbarten, habe ich zudem einiges über das deutsche Rechtsystem gelernt. Ich hoffe auf weitere so außergewöhnliche Bücher des Autors.


Fazit
Ich glaube, ich habe einen neuen Lieblingsautor! Markus Thieles aktuelles Buch verbindet eine fiktive Geschichte, die von zwei wahren Rechtsfällen inspiriert wurde. Absolut grandios, absolut gelungen! Wer Gegenwartsliteratur mit aktuellen Themen mag, über die man sich nach dem Lesen wunderbar unterhalten kann, sollte unbedingt zu diesem Buch hier greifen!

Bewertung vom 14.04.2021
Die Harpyie
Hunter, Megan

Die Harpyie


weniger gut

Meine Meinung
Dieses Buch ist gefühlt in aller Munde und scheint zu polarisieren. Nach vielen unterschiedlichen Rezensionen, die ich gesehen habe, wollte ich mir dann doch eine eigene Meinung über dieses gehypte Buch machen und wurde enttäuscht.

Das Beste am Buch ist das Cover! Es ist ein absoluter Hingucker, der sogar mich überzeugte, obwohl mir Cover nicht so wichtig sind.

Ich erwartete eine Story voller Emotionen, die durch enttäuschte Liebe und Betrug zu einer übermächtigen Rache anschwellen und alles um sich herum vernichten. Ich spüre jedoch beim Verfassen dieser Rezension mehr (enttäuschte) Emotionen in mir als beim Lesen des Buches.

Megan Hunter hatte eine tolle Idee, die mächtig an der Umsetzung scheiterte. Kurz und knapp erzählt sie in schnellen Kapiteln die Handlung. Die enttäuschte Ehefrau kann ihrem Mann den Seitensprung nicht vergeben. Ihre drei Bestrafungen, die sie nun frei hat, um sich für sein Fehlverhalten zu revanchieren, haben sprachlich überhaupt keine Kraft. Die Autorin schreibt alles einfach so nieder, ohne dass sie mich als Außenstehende in diese Tragödie hineinziehen konnte.

Die angekündigte Verwandlung der Protagonistin, die sich nach und nach als eine Harpyie entpuppen sollte, geschieht in kurzen, kursiv eingefügten Absätzen vor (fast) jedem Kapitel. Doch das ist einfach zu wenig. Ich fühlte keine Verwandlung, keine Emotionen, kein Berauschen. Ich las nur ein paar wenige Gedanken aus der Vergangenheit und die Faszination eines Kindes und einer jungen Frau über die Figur der Harpyie. Als Lucy zur Harpyie wird und die Story beginnen könnte ist das Buch zu Ende.

Die Autorin zeigt durch Lucy in ihrem Roman ganz gut auf, mit welchen Problemen viele Frauen heutzutage zu kämpfen haben: für den Wunsch einer Familie die Aufgabe von Karriere, Mutterdasein in Verbindung mit Arbeit, um auch mehr als „nur“ Mutter und Hausfrau zu sein, die Unzufriedenheit, die das ganz auslöst usw, zudem kommt Lucy aus einer Familie, in der der Vater gewalttätig der Mutter gegenüber war. Leider verbindet die Autorin das alles nicht kraftvoll miteinander, damit ihre Protagonistin glaubhaft rüberkommt. Lucys (Über)Reaktion und Jakes bei ihr bleiben wollen konnte ich nicht nachvollziehen.

Fazit
Es hätte daraus eine grandiose Geschichte werden können, wenn die Autorin ihr mehr Inhalt, Handlung und Emotionen gegeben hätte. So aber bleibt sie leider oberflächlich und nicht ganz nachvollziehbar. Das Ende ist zudem für die kraftlose Geschichte stilistisch viel zu übertrieben. Alles in allem für mich leider ein Flop.

Bewertung vom 11.04.2021
Das Wanderkind
Aude

Das Wanderkind


ausgezeichnet

Meine Meinung
Dieses knapp 150-seitige Buch hat mich von der ersten Seite an für sich einnehmen können und hat sich als ein Highlight entpuppt.

Die Autorin wirft uns gleich zu Beginn in das entstehende Drama. Die Protagonistin Corinne ist schwanger mit Zwillingen, wahrscheinlich wird nur eines der beiden Babys überleben, doch beide muss sie bis zum Ende austragen. Der Wunsch nach einem zweiten Kind, Corinne und Pierre haben bereits eine vierjährige Tochter, erschüttert die Familie von Beginn an. Doch entgegen aller Wahrscheinlichkeit werden beide Kinder lebendig geboren.

Die Freude darüber währt nur kurz, da Benoit, der kleinere und schwächere Zwilling, augenscheinlich etwas anders ist. In verschieden langen Sequenzen erhält die Leserschaft Einblicke in das Leben der Familie, die von nun an von Hans bestimmt wird.

Die Autorin schaffte es, dass ich die Figur Hans erst ablehnte, ihn dann verstand und mich schlussendlich sogar mit ihm versöhnen konnte. Aus verschiedenen Blickwinkeln nähert sich AUDE Hans‘ Dominanz und ihren Auswirkungen auf die einzelnen Familienmitglieder. Über die Jahre arrangieren sie sich auf unterschiedliche Weise damit. Dabei erzählt AUDE nicht ausufernd, sondern beschränkt sich auf das Wesentliche. Kein Wort ist zu viel aber auch keines zu wenig.

Auch sprachlich ist dieses Buch ein echter Lesegenuss. Intensiv wird einem vor Augen geführt, wie der Wunsch nach Vergrößerung der eigenen Familie hier vordergründig scheitert. Spannend und leicht mystisch offenbart sich Benoits „Aufgabe“ in der Familie. Benoit, der immer der Kleine gerufen wird, ist der Kitt der Familie. Er hält sie zusammen und haucht ihr Wärme ein. Es verkehrt sich das Bild des Zarten, des Fragilen, je weiter man liest. Der Blick hinter den Vorhang der Familie lohnt sich, denn hier wird das wahre Wesen jedes einzelnen offenbart.


Fazit
Ein etwas anderer Familienroman, der einen trozt der Kürze tief berührt und mitnimmt. Eine Geschichte, die mehrmals gelesesen werden kann und nichts von ihrem Zauber verliert! Eine Perle aus Kanada, die endlich auch ins Deutsche übersetzt wurde. Absolute Kauf- und Leseempfehlung!