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Benutzername: monerl
Danksagungen: 20 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 116 Bewertungen
Bewertung vom 15.02.2019
Falken jagen
Blettenberg, Detlef B.

Falken jagen


gut

Kurzmeinung

Genre: Krimi, Bezug auf historische Hintergründe

Handlung: Farang ist dem Falken, dem Serienmörder, auf die Spur gekommen. Das Motiv scheint sich auf den 2. Weltkrieg zu beziehen und führt ihn von Thailand nach Griechenland. Wird er ihn finden und erwischen, bevor er wieder mordet?

Charaktere: Surasak (Farang) Meier, der Sohn einer Thailänderin und eines Deutschen. Ein Mensch, der es aufgrund der Herkunft seiner Eltern nicht immer leicht hatte. Er wird Farang genannt, da dieses Wort auf Thai “Ausländer mit weißer Hautfarbe”, ein “nicht-Thai”, bedeutet. Zudem verrät auch sein Nachname “Meier” seine Herkunft. In diesem dritten Teil der Serie um Farang hat er sich damit abgefunden ein Farang zu sein, als ein von den Thailändern nicht Zugehöriger betrachtet und so genannt zu werden. Altersmäßig hat er seinen Zenit überschritten und möchte eigentlich das Leben genießen. Doch dann wird er zu diesem unschönen Auftrag gezwungen. Er bekommt Hilfe und Unterstützung von seinen beiden Freunden Tony Rojana und Bobby Quinn. Beide haben Stärken und Schwächen, die die von Farang sehr gut vervollständigen. Tony hat als ehem. Kriegsreporter noch gute Kontakte und Bobby, ein Vietnamveteran, ist eher für den Beistand zur Strategiewahl der Falllösung zuständig. Durch die Beschreibungen des Autors hatte ich eine klare Vorstellung von diesen drei Männern.

Spannung: Der Leser weiß wer der Falke ist und dass man ihm auf der Spur ist. Die Spannung ist das Katz-und-Maus-Spiel von Jäger und Gejagtem. Doch irgendwie kam diese Spannung nie so richtig bei mir an. Dieser Wiessensvorsprung um Motiv des Täters und die Suche nach ihm, konnte mich leider nicht fesseln.

Sprache & Schreibstil: Der Schreibstil ist sehr ruhig und eigentlich recht kühl und distanziert. Vielleicht muss das so sein, denn wenn es zu den Beschreibungen der Massaker kommt, ist man als Leser sehr froh ob dieser Distanziertheit. Doch auf den ganzen Roman bezogen fehlte mir damit aber auch der Zugang zu den Charakteren. Auch die ziemlich kurzen und oft wechselnde Kapitel schafften es nicht bei mir Spannung zu erzeugen. Die Beschreibungen zu Thailand bzw. den Orten, auf denen sich die Protagonisten aufhalten, fand ich sehr gelungen und atmosphärisch. Ich war noch nie in Thailand oder in Griechenland. Doch ich fühlte mich durch die Worte des Autors an diese Orte mitgenommen.

Ende: Es gibt ein abgeschlossenes und rundes Ende, das zur Gesamtgeschichte passt.

Fazit: Dies ist ein Krimi, der ein ganz wichtiges Thema sichtbar macht und den Leser dazu bringt zu überlegen, wie er zu Motiv und Taten steht. Die moralische Ebene ist hier tatsächlich sehr verzwickt. Einerseits kommt eine Art Verständnis für den Täter auf, andererseits muss man seine Taten verurteilen. Ein echter Kunstgriff! Aber leider, leider kam ich mit dem Schreibstil so gar nicht zurecht. Ich langweilte mich über weite Strecken und musste mich sehr oft zum Weiterlesen zwingen. Sehr schade! Vielleicht ist dies aber so ein echter “Männer-Krimi”?! Wenn es Frauenromane zu geben scheint, dann sicherlich auch solche, die für Männer besser geeignet sind. Diesen hier würde ich zum letzteren zählen.

Bewertung vom 24.01.2019
Das magische Auge

Das magische Auge


ausgezeichnet

Meine Meinung
Gibt es jemanden, der sich nicht an diese magischen Bilder erinnert? Für mich sind sie fest mit meiner Jugend verbunden. Plötzlich gab es überall wundervolle Bilder, in denen sich noch viel mehr versteckte. Man musste nur eine bestimmte Art “Sehen” entwickeln und schon konnte man das geheime Bild im Bild entdecken. Manche schafften es auf Anhieb, manche brauchten eine Weile und wieder andere konnten nichts sehen. Ob diese Zweifler tatsächlich die Augen nicht auf die Tiefe im Bild einstellen konnten oder sich nur nicht genug angestrengt hatten, wurde nie gelöst.

Glücklicherweise gehörte ich zu denjenigen, die ganz schnell den Dreh herausgefunden und eine große Freude am Entdecken hatten. Dies ist bis heute noch so!

Die vorliegende 25. Jubiläumsausgabe ist wunderschön! Fantastisch farbige Bilder mit interessanten Motiven beherbergen ein verstecktes Bild, das thematisch zum Grundbild passt. Bis auf zwei Bilder kann ich jedes sofort entschlüsseln. Durch Übung wird es leichter, die Augen so einzustellen, dass es klappt.

Auch im Coverbild versteck sich eine 3D-Illusion! Könnt ihr sie entdecken?
Wer ein bisschen Hilfe und Unterstützung braucht, der findet hinten im Buch die “Lösungen”. Vielleicht helfen sie bei erneuten Versuchen.

Fazit
Eine absolut gelungene Jubiläusausgabe, mit der man sich zwischendurch die Augen entspannen und eine kleine Pause einlegen kann. Und glaubt man dem Einleitungstext im Buch, kann das Sehvermögen durch diese “Magische Auge”- Bilder verbessert werden. Das nenne ich mal eine fantastische Kombination: macht Spaß und ist gesund! WoW!

Bewertung vom 17.01.2019
Die acht Lektionen der Wüste
Jubber, Nicholas

Die acht Lektionen der Wüste


ausgezeichnet

Meine Meinung
Die Wüste fastziniert mich sehr, seit ich sie das erste Mal erleben, spüren und atmen durfte! Diese wundersamen Hügel aus Sand, die sich ständig wandeln, dir das Laufen erschweren und dich zu deinem inneren Kern bringen, da es dort nicht viel Ablenkung gibt. Umso gespannter war ich zu erfahren, was der Autor über die Wüste und seine Erlebnisse auf der Reise bis nach Timbuktu in Mali zu erzählen weiß. Welche Lektionen gibt uns die Wüste?

Wir erfahren von der schon kindlichen Faszination Jubbers für die Wüste. Sein Unterfangen, als Europäer durch so viele arabische und afrikanische Länder zu reisen, ist nicht von jetzt auf nacher umsetzbar. Der Arabische Frühling macht ihm einen Strich durch die Rechnung, terroristische Gruppen sind eine Gefahr, Stammesrituale und Regeln für Menschen, die mit den Nomaden / Beduinen in Kontakt treten wollen müssen beachtet werden unvm. Er muss sich organisieren, vieles bedenken und doch geht es irgendwann los.

Auf seiner Reise erlebt er sehr viel Spannedes aber auch viel Elend. Dabei stellt er Vergleiche zu Leo Africanus an, der ebenfalls die Sahara bis nach Timbuktu bereiste und dies in seinem Werkt Descrittione dell’Africa veröffentlichte. So kann man auch als Leser kleine Einblicke in die Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten der Reisen feststellen, zwischen denen fünf Jahrhunderte liegen.

Was mir sehr gut gefallen hat ist, dass Nicholas Jubber seine Reise und seine Erlebnise nicht verklärt. Offen erzählte er über Missstände und Zustände. Aufgelockert wird alles durch einige schöne, bunte Bilder, die auf der Reise entstanden sind.

Warum der Verlag diesen Titel gewählt hat, erschließt sich mir nicht ganz. Denn aufgrund des Titels hatte ich eine etwas andere Vorstellung (zur Gliederung) des Reiseberichts. Am Ende jedes Kapitels wird kurz auf die jeweilige Lektion eingegangen, die ich mir jedoch anders vorgestellt hatte.

Ganz toll fand ich am Ende des Buches Erklärungen zu vielen arabischen Begriffen, die der Autor im Bericht verwendet.

Fazit
Im Großen und Ganzen ist dies ein schöner und umfassender Reisebericht, der dem Leser die karge Wüste und das Leben mit ihr und darin zeigt. Es gibt viel zu lernen. Nach diesem Buch fühlt man sich den Nomaden etwas näher und beginnt sie zu verstehen. Doch leider konnte ich Jubbers Liebe und Begeisterung für die Wüste nicht richtig erfühlen. Desahlb konnte mich sein Reisebericht auch irgendwie nicht richtig mitreißen, obwohl er voller Informationen ist.

Bewertung vom 15.01.2019
Tante Poldi und die sizilianischen Löwen / Tante Poldi Bd.1 (MP3-Download)
Giordano, Mario

Tante Poldi und die sizilianischen Löwen / Tante Poldi Bd.1 (MP3-Download)


weniger gut

Handlung 2
langweilig, übertrieben, nicht wirklich lustig, nicht immer logisch
Sprache 2
Poldis Rede im bayerischen Dialekt, Erzählung aus Sicht des Neffen, ganz einfacher Schreibstil
Charaktere 2
sehr platt, unspektakulär, nervig, sehr klischeehaft
Ende 2
etwas an den Haaren herbeigezogen, nicht ganz logisch
Hörbuch 5
toller Sprecher, empfehlenswert

Gesamtwertung
2,6 / 5

Fazit:
Leider war dieses Buch für mich ein Flop. Regionalkrimis zu schreiben, sind ein schwieriges Unterfangen. Es ist sehr wichtig, dass sich dabei der Humor, die Handlung als auch die Charaktere einigermaßen die Waage halten. Bricht ein Teil sehr aus, muss es gut abgefangen werden. Und das ist für mich bei diesem Regionalkrimi nicht der Fall.

Ich mochte das Setting Sizilien, doch mit Poldi, ihrem blassen (und unnötigen Erzähler-) Neffen und dem Kriminalfall konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Tante Poldi hat von allem zu viel. Ihre impulsive und direkte Art, ihre (oft sehr derbe) Sprechweise, ihr Aussehen einschl. der Perücke brachte ich zudem nicht mit der Frau überein, in die sich der attraktive Commissario Montana mir nichts dir nichts verlieben konnte. Ihre Alkoholsucht und ihr Wunsch sich zu Tode zu trinken waren für mich nicht nachvollziehbar. In gefühlt jedem zweiten Satz war Alkohol ein Thema.

Interessante Nebenfiguren kreuzen Poldis weg, doch auch hier waren es für mich irgendwie zu viele, die auch noch recht flach und zu klischeehaft gezeichnet waren. Größtenteils langweilte mich die Handlung und die Logikfehler führten auch nicht unbedingt zu großer Leselaune.

Einzig der Sprecher des Hörbuchs war grandios! Wegen ihm habe ich durchgehalten, da ich seine Interpretation von Poldi und die Stimmung, die er durch seine Sprechart und den bayerischen Dialekt verbreitete, super fand! Wenn Poldi, dann als Hörbuch! Doch für mich ist nach diesem Teil hier Schluss.

Bewertung vom 03.01.2019
Das Gehirn
Ros, Hana; Farinella, Matteo

Das Gehirn


gut

Meine Meinung
Ich interessiere mich sehr für die Anatomie, den menschlichen Körper und die Funktionsweise der Organe. Und dann kommt eine Graphic Novel, die einem das GEHIRN und seine Funktionsweise auf ganz einfache Art und Weise bildlich erklären und näher bringen will. Da konnte ich nicht “nein” sagen.

Dieses Buch ist wahrlich kunstvoll gemacht! Der feste Einband ist wunderschön illustriert, glänzt und ist für Haptiker einfach grandios. Doch macht man es auf und fängt zu lesen an, sind diese überaus einfachen Zeichnungen, die immer in schwarz-weiß gehalten wurden, viel zu schlicht! Das war für mich eine echte Enttäuschung! Auch wenn sie vielleicht zur Vereinfachung des Themas passen und diese unterstreichen, war ich nicht richtig zufrieden.

Zudem kann man nicht behaupten, dass die Graphic Novel inhaltlich sehr einfach ist. Wer sich mit der Thematik so überhaupt nicht auskennt, wird wahrscheinlich überfordert sein. Die Bezeichnungen und Funktionsweise war mir bekannt, obwohl ich vieles bereits namentlich vergessen habe, war das für mich eine sehr gute Auffrisschung. Der Teil mit der Funktionsweise eines Neurons fand ich wieder sehr spannend und lehrreich, jedoch habe ich diesen Teil dreimal gelesen und die Bilder dazu betrachtet. Es ist hohe Konzentration gefordert.

Der Protagonist jedoch macht es einem nicht leicht, ihm gerne zu folgen. Er ist gestresst, genervt und möchte eigentlich so gar nichts über sein eigenes Gehirn wissen. Das hat sich etwas auf mich als Leserin übertragen. Ich hätte den Weg durchs Buch lieber ohne ihn gemacht.

Das Ende wiederum hat einen super Clou, der mich zum Lachen gebracht hat.

Fazit
Ein schönes Buch mit wichtigem Inhalt, nicht ganz so glücklich umgesetzt. Für Leser*innen, die sich für das Thema interessieren, ist es geeignet. Lesern, die das Buch nur deshalb lesen möchten, weil sie Graphic Novels lieben, würde ich eher davon abraten. Es lädt jedoch ein zur weiteren, eigenen Recherche. Sehr gut bieten sich da die im Buch genannten Wissenschaftler an, die teilweise bereits schon im 18. Jahrhundert geforscht haben.

Bewertung vom 09.11.2018
Bittere Orangen
Fuller, Claire

Bittere Orangen


sehr gut

Meine Meinung
Wir begegnen hier einer außergewöhnlichen Dreiecksbeziehung. Frances ist eine introvertierte Frau. Ihr ganzes Leben lang war sie eher demütig und hat das ausgeführt, was andere von ihr wollten. Ihre Mutter bestimmte den Alltag und den Lebenslauf von Frances. Diese Dominanz hatte sie nie durchbrochen. Sie pflegte ihre Mutter bis zu deren Tod. Die danach gewonnene Freiheit wusste Frances zu Beginn nicht richtig zu leben, konnte ihre Schüchternheit nicht wirklich ablegen. Nachdem sie auf Lynton angekommen war, war es Cara, die Frances in das Leben im Herrenhaus integrierte und bestimmte somit fortan einen Großteil von Frances’ Alltag, auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten! Cara liebt das Leben, weiß um ihre Schönheit und ihren Charme. Sie kann kochen, ist gesellig und aufgeschlossen. Aber auch sie hat eine etwas geheimnisvolle Vergangenheit, die sie Frances nach und nach offenbart. So stark Cara auf den ersten Blick erscheint, lebt sie wiederum in einer seltsamen Abhängigkeit von Peter, ihrem Freund. Peter ist nicht richtig greifbar. Ein Charakter, der zwischen den Stühlen sitzt, nicht nur zwischen denen von Cara und Frances.

All das, was ich bis hierher erwähnt und leicht angerissen habe, beschreibt Claire Fuller sehr episch, denn es passiert bis ca. der Hälfte des Buches nichts, das einem spannend erscheint. Das Ganze ist die Vorbereitung für den eigentlichen Showdown. Man muss wirklich Durchhaltevermögen beweisen, um nicht vorher abzubrechen. Die Charakterisierung der drei Figuren ist somit sehr breit angelegt. Dabei kommt man in den Genuss des wundervollen Schreibstils der Autorin. Man fühlt die Landschaft, die Atmosphäre und das alte Herrenhaus. Das Setting ändert sich das ganze Buch über nicht, solange Francis von ihrer Vergangenheit erzählt.

Francis ist krank und dem Tode geweiht. Sie liegt auf der Krankenstation und erzählt ihrem Pfarrer-Freund Victor über das, was in der Vergangenheit geschehen war. Denn etwas Schlimmes war passiert, das ist dem Leser bewusst. Langsam aber stetig baut sich ein Grauen auf, auf das man zusteuert.

Und dann gelingt der Autorin zum Ende hin ein zweifacher Plottwist, der absolut fantastisch ist! Hier zeigt Claire Fuller, dass sie mit ihrer Geschichte, auch nach ihrem grandiosen Debüt “Eine englische Ehe”, zu den überdurchschnittlichen Geschichtenerzähler*innen gehört.

Womöglich benötigt dieses Buch diese lange Charakterisierung und die Geschichte funktioniert am Ende nur deshalb. Ich hätte jedoch einen stetigeren Spannungsaufbau besser gefunden. Denn ich muss zugeben, dass ich eine Zeit lang überlegt habe, ob ich abbrechen soll. Hätte ich von Beginn an gewusst, dass der Aufbau sich so zieht, hätte mir dieses Wissen viel erspart.

Fazit
Mit diesem zweiten Buch ist Claire Fuller ein besonderes Buch gelungen, das mit sehr wenigen Figuren auskommt. Die zwei Handlungsebenen bauen eine sehr langsame aber eindringliche Spannung auf, die in einem einzigartigem Finale enden. Von mir gibt es auch für dieses Buch der Autorin eine absolute Leseempfehlung! Wer in Geschichten nicht viele Ortswechsel braucht und Bücher liebt, die von intensiven Charakteren leben, ist hier genau richtig!

Bewertung vom 07.09.2018
Die Prophezeiung des magischen Steins (eBook, ePUB)
Rother, Stephan M.

Die Prophezeiung des magischen Steins (eBook, ePUB)


sehr gut

(3,5 Sterne)

Kurzmeinung:

Genre: Fantasy

Handlung: Dafydd, ein etwas zurückhaltender Junge, der noch alles vor sich hat, das Leben zu erkunden beginnt, schmerzlich verliebt ist in die unerreichbare Prinzessin, wurde auserwählt, Träger des magischen Steins zu sein. Es gibt Unruhen im Land und alle Sterne stehen auf Krieg. Können er und seine Gefährten mit Unterstützung der Magie und des ungewöhnlichen Steins noch alles zum Guten wenden?

Charaktere: Der Autor hat eine interessante Gruppe zusammengestellt, die sich in die Fantasywelt von Elben, Zwergen, Hexen, Gnomen unvm. sehr gut einfinden. Ein jeder hat seine Stärken und Schwächen und seinen eigenen Wiedererkennungswert. Leider konnte ich gerade zur Hauptfigur Dafydd keinen richtigen Bezug finden. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Hingegen begeisterte mich die Hexe Morgat umso mehr. Mit ihrer erfrischenden, vorlauten Art mischte sie immer wieder alles und jeden auf.

Spannung: An Spannung hatte ich deutlich mehr erwartet. Das ist auch mein größter Kritikpunkt. Rother kann schreiben und vor allem beschreiben. Doch hier hatte ich oftmals das Gefühl, dass es mir zu viel ist. Die Geschichte kam mir viel zu langsam in Gang und ich musste an einigen Stellen aufkommende Langeweile überwinden.

Schreibstil: Der Autor hat einen sehr eigenen Schreibstil, mit dem er sich von vielen anderen Autoren abhebt. Durch seine bildhafte Sprache erschafft er eine in sich stimmige Welt, die man sich sehr gut vorstellen kann. Obwohl er hier, da es sich um ein Jugendbuch handelt, das sprachliche Level recht niedrig hält, erscheint mir die Sprache für eine*n 12-jährige* Leser*in doch noch zu anspruchsvoll. Etwas ältere Jugendliche, die versierte Fantasyleser sind, werden aber gut zurechtkommen. Die Geschichte ist auch mit viel Wortwitz gespickt. Für Leser, die es gerne humorvoll mögen, genau richtig. Ich persönlich bevorzuge die etwas ernsteren Geschichten. Wenn Humor unbedingt sein muss, dann doch lieber der schwarze.

Ende: Der Schluss erschien mir etwas zu hastig. Hier hätte der Autor gerne noch ein paar Seiten mehr hinzufügen dürfen. Dennoch schlüssig und rund.

Fazit: Ein insgesamt interessantes Buch aus dem Bereich High Fantasy, das den Leser in die typische und ursprüngliche Welt der magischen Geschöpfe führt. Die Abgeschlossenheit der Geschichte, der Humor und die detailhaften Beschreibungen werden junge Leser begeistern können. Wer den Alltag mal ausschließen und sich auf einen märchenhafte Reise begeben möchte, ist bei diesem Buch genau richtig. Wer ernstere und tiefer ausgearbeitete Fantasygeschichten bevorzug, dem rate ich zur “Erwachsenenliteratur” des Autors zu greifen.

Bewertung vom 23.07.2018
Der Stammhalter
Münninghoff, Alexander

Der Stammhalter


ausgezeichnet

Meine Meinung
Der Autor ist gleichzeitig der Titelgebende Stammhalter. Dieses Buch ist eine Familienkronik und gleichzeitig auch ein Teil Autobiografie, wobei der Fokus auf dem Großvater, Joannes Münnighoff, liegt. Der Enkel zeigt auf, wie der Großvater, der die Familie reich und groß werden ließ, stets seinen Willen durchsetzte und alle Stricke in der Hand hielt. Er vollführte das unglaubliche Künstück, auch durch den 2. Weltkrieg hindurch, die Geschäfte, den Familiennamen und das Überleben zu sichern.

Aber auch der Großvater, wie es bei vielen solch starken und sehr konservativ eigestellten Menschen gang und gäbe ist, kümmerte sich kaum um die Gefühle seiner Familienangehörigen. Sie hatten zu funktionieren, sollten ihren Teil zum Imperium leisten und gut war´s. Er merkte wohl zu keiner Zeit (oder es war ihm egal), dass sein Erstgeborener aufgrund dieser Bevormundung und des Desinteresses für eigene Wünsche, sein Leben lang gegen seinen Vater rebelliert hat.

Diese Abneigung gegen alles, das mit den Niederlanden zu tun hatte ging schließlich so weit, dass sich Frans bei der Waffen-SS einschrieb und für diese im Russland-Feldzug als Russisch-Dolmetscher des Regimentsstabs eingesetzt wurde. Gegen den niederländischen Vornamen seines ersten Enkels wetterte er so lange, bis dieser durch eine sehr teure Namensänderung von Michiel in den deutschklingenden Namen Michael geändert wurde.

Frans fühlte sich von seinem Vater nie angemessen behandelt und wertgeschätzt, permanent mich sich selbst beschäftigt, war er leider nicht in der Lage seinem Sohn ein liebevoller und an ihm interessierter Vater zu werden.

Doch nicht nur auf Frans, den Erstgeborenen, wirkte sich das Handeln des Großvaters negativ aus. Auch seine beiden anderen Söhne und eine Tochter schafften es nie ganz ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und zu gestalten. Als der alte Herr 1954 gestorben war, war es zu spät. Die Kinder waren zerstritten und es gab kein zurück mehr. Familien waren auseinandergerissen und die Zeit zu weit fortgeschritten.

Während der erste Teil vom Großvater und seinem Einfluss auf die Familie, die Politik und den Geschäftsberbindungen handelt, widmet sich der Autor im zweiten Teil seiner Mutter Wera und im dritten und letzten Teil seinem Vater Frans. Traurige Geheimnisse werden aufgedeckt, durch die Alexander Münninghoff sein Leben und die Beziehung zu seinen Eltern reflektiert. Vieles war passiert, mit dem der ursprünglich auserkorene “Stammhalter” fertig werden musste. So viel Leid machte mich sehr traurig und ich fragte mich, wie der Autor das alles “heil” überstehen konnte.

In dieser Familien-Biografie legt Alexander Münninghoff vieles offen. Konsequent und erbarmungslos spricht er über Verfehlungen und illegale Geschäfte, die in ca. 80 Jahren Familienkronik aufgelaufen sind. Als Leser bekommen wir Informationen über politische Verflechtungen und Intrigen, von denen wir uns kaum vorstellen können, dass es sie so gegeben hat. Sehr deutlich wurde mir, wie weit ich als “normaler”, einfacher Mensch von solchen elitären Kreisen weg bin und wie froh ich darüber sein kann.

Fazit
Dieses Buch hat mich fasziniert, erschreckt, abgestoßen, traurig und sprachlos gemacht. Es zeigt sehr gut auf, wie wichtig eine emotionale Bindung von Familienmitgliedern ist und was passiert, wenn es diese nicht gibt. Sehr schön können Fehlentscheidungen und die Konsequenzen daraus abgelesen werden. Das Buch zeigt auch anschaulich, wie vernachlässigte, (charakterlich) schwächere Menschen sich für fanatische Ideologien begeistern lassen. Es ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend! Absolute Leseempfehlung für Liebhaber von Familienkroniken, Familiengeschichten und Biografien! Zudem gibt es einen tollen Einblick in das Lettland vom frühen 20. Jahrhundert und was durch den 2. Weltkrieg passiert war und warum. Das alles aus Sicht eines Niederländers. Wunderbar!

Bewertung vom 16.07.2018
Zwei alte Frauen
Wallis, Velma

Zwei alte Frauen


ausgezeichnet

Meine Meinung
Die Autorin hat mit “Zwei alte Frauen” eine wunderschöne und einfache Geschichte geschrieben, die zeitlos bleiben wird. Die Legende, die seit vielen, vielen Jahren im Indianerstamm erzählt und ausschließliche mündlich überliefert wurde, fand vor 25 Jahren den Weg aufs Papier. Velma Wallis, selbst angehörige des Volkes der Athabasken, wurde nach den traditionellen Werten ihres Volkes erzogen.

Eine Legende von Verrat und Tapferkeit lautet der Untertitel und trifft den Kern des kleinen Büchleins. Die beiden Frauen, die in jungen bzw. jüngeren Jahren den Stamm unterstützt hatten, nahmen im Alter für sich in Anspruch, dass nun ihnen geholfen werden musste. Sie liefen am Stock und trugen ihre Sachen nicht mehr selbständig auf den Wanderungen. Groß unterstützen konnten sie auch nicht. Sie waren somit in dem Jahr einer großen Hungersnot eine Belastung für den Stamm geworden. Die schon geschwächten jüngeren Stammesangehörigen sollten von dieser Last befreit werden, die beiden alten Frauen ernähren, stützen und für sie arbeiten zu müssen. Der Häuptling und sein Rat entschieden, sie nicht ins Winterlager mitzunehmen. Was das bedeutete, war allen klar: Die beiden Frauen würden ohne Hilfe sterben.

Doch allen zum Trotz entwickelten sie in dieser hilflosen Zeit einen starken Überlebenswillen und mobilisierten all ihre Kräfte und Wissen, wie man in der Wildnis überleben kann. Eine Starthilfe bekamen sie heimlich von der Tochter und dem Enkel der älteren Frau.

Ab hier nun wird der Leser Zeuge davon, das man alles schaffen kann, wenn man sich selbst nicht aufgibt und auf den Nächsten vertraut. Straff und ohne viele Worte erzählt Velma Wallis diese Legende, die dennoch so viel Wärme, Zuversicht, Hoffnung und Versöhnen beinhaltet, dass einem beim Lesen das Herz aufgeht.

Es steckt so viel in dieser Geschichte, sodass man am Ende nach dem Lesen viel Kraft und Selbstvertrauen fühlt. Auf unsere heutige Zeit übertragen sollten wir nie vergessen, dass auch alte Menschen einmal jung waren und ihren Teil zum Wohle der Gesellschaft beigetragen hatten. Durch ihr Wissen, ihre Kraft, ihr Handeln haben alle profitiert. Irgendwann darf auch die Zeit kommen, indem die neuen Jungen den Alten helfen und sie unterstützen sollten. Der Aspekt, dass alte bzw. ältere Menschen sich nicht alt fühlen müssen und in der Lage sein können, noch einiges zu leisten, falls sie denn gesund sind, fand ich auch sehr schön rübergebracht. Die beiden alten Frauen, Mitte siebzig und Anfang achtzig, waren in der Lage vergessene Stärken und Fähigkeiten zu mobilisieren, die ihnen dazu verhalfen nicht nur zu überleben, sondern für ihre Verhälnisse in Wohlstand zu leben und keine Angst mehr vor dem Verhungern zu haben. Sie hatten es sogar darüber hinaus geschafft, wieder eine große und wichtige Stütze für den Stamm zu werden, der die Gelegenheit bekam, zu erleben, wie wichtig es ist, in der größten Not zusammenzuhalten und jeden einzelnen wertzuschätzen.

Fazit
Ein Buch, das genau wegen seiner ganzen Einfachheit besticht! Es bedarf nicht vieler Worte zu verstehen was passieren wird, wenn Hunger, Kälte, Angst und Hilflosigkeit auf hohes Alter trifft. Es war ein schweres, karges Leben, das die Nomadenstämme bezwingen mussten. Mit diesem Buch bekommen wir schöne und traurige Einblicke in solch ein Leben. Trotz der Andersartigkeit der Lebensform, ist die Moral dieser Legende auf alle Gesellschaften übertragbar. Und genau das macht das Büchlein sehr kostbar. Absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 12.07.2018
Tod am Kap (eBook, ePUB)
Summer, Joyce

Tod am Kap (eBook, ePUB)


sehr gut

Meine Meinung
Dieses Mal führt uns Joyce Summer nach Südafrika. Ein weiterer großer Schritt südwärts. War es im letzten Krimi noch Comissarío Avila, der die Hauptrolle innehatte, begegnen wir dieses Mal Nick Aquilina, der als Profiler seinen südafrikanischen Freund Captain Pieter Strauss unterstützen soll. Seltsame Morde, die eine Verbindung aufweisen, müssen schnellstens gelöst werden, denn es besteht die Gefahr, dass es nicht bei den beiden Toten bleiben wird. Die Spur führt zu den Gangs in den gefährlichen Townships und seltsamerweise auch zu Chopine, dem französischen Unternehmen, dass von der südafrikanischen Regierung die Förder- sowie Verkaufsrechte am Wasser erhalten hat. Das kommt euch bekannt vor? Ja, leider ist dieser Aspekt von Joyce Summer nicht erfunden worden.

Captain Pieter Strauss befindet sich in einer schwierigen Lage. Die Stimmung intern ist aufgeheizt, da es auch Jahre nach der Apartheid unter der Bevölkerung noch große Ressentiments gibt. Die gemischten Abteilungen der Polizei arbeiten nicht immer so Hand in Hand, wie sie es sollten. Zusätzlich führt die steigende Wasserknappheit zu Aggressionen der Bevölkerung. Menschen sterben an Wassermangel, an Krankheiten durch den Wassermangel und es ist keine Besserung in Sicht. Wer Freund und wer Feind ist kann in diesem explosivem Gemenge nicht mehr so leicht entschieden werden. Wenn die Not am größten ist, nimmt der Aberglaube auch wieder einen stärkeren Stellenwert im Alltag ein. In Südafrika gibt es Legenden über Regenköniginnen. Diese spielen im vorliegenden Buch auch eine Rolle.

Während des Lesens fühlt man sich nach Südafrika versetzt, da die Autorin viele Wörter aus dem Afrikaans in die Dialoge eingeflochten hat. Was sich einem nicht auf Anhieb erschließt, kann hinten im Glossar nachgelesen werden.

Joyce Summer hat ein sehr gutes Gespühr für ihre Figuren. Die Charakterisierungen der Protagonisten ist immer sehr tiefgehend und umfangreich. Auch Nebenfiguren sind ihr nicht egal. Und genau das macht eine schöne Stimmimung im Buch, auch wenn das Thema und das Genre eher düster sind.

Dieses Mal habe ich sogar einiges über Rugby gelernt. Sehr schön kombiniert werden strategische Überlegungen zum Fall von Captain Pieter Strauss mit dem Rugby verglichen. Das hat den Plot sehr angenehm aufgelockert.

Die Auflösung des Falls hat mich überrascht! Am Ende war ich sicher, dass nur zwei Personen als Täter übrig bleiben und doch war keine von beiden der gesuchte Mörder. Dennoch war ich mit dem Motiv der Tat nicht so ganz zufrieden. Es fühlte sich etwas übertrieben an. Aber vielleicht ist es in so einer Situation doch realistisch. Es fiel mir jedoch etwas schwer das nachzuvollziehen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fluchen der Beamten. Ich fühlte mich nach Amerika versetzt und würde sehr gerne wissen wollen, ob das sehr intensive Fluchen bei der südafriaknischen Polizei wirklich so gang und gäbe ist.

Fazit
Mit “Tod am Kap” ist es Joyce Summer gelungen aus dem realen Problem der Wasserkanppheit, der falschen Verteilung von Rechten am Wasser sowie Geldgier der Regierung einen Krimi zu machen, der spannend und informativ ist. Man fühlt das explosive Gemisch von unterschiedlichen Gefühlen, das in Kapstadt vorherrscht und kann sich sehr gut vorstellen, dass auch Polizisten und Spezialeinheiten eine gewisse Angst haben, nachts in die Townships zu gehen, die von Gangs beherrscht werden. Wer literarisch gerne durch die Welt gondelt und auch mal nach Südafrika reisen will, zudem Krimis mag, dem kann ich dieses Buch von Joyce Summer sehr gerne empfehlen.