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Benutzername: monerl
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Bewertungen

Insgesamt 153 Bewertungen
Bewertung vom 24.06.2019
Das Lied des Paradiesvogels (eBook, ePUB)
Maly, Rebecca

Das Lied des Paradiesvogels (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Meine Meinung
Ein spannender, historischer Abenteuerroman, mit dem uns die Autorin Rebecca Maly nach Polynesien mitnimmt, nach 1890 ins deutsche Protektorat Papua-Neuguinea.

Dem voraus lernen wir das Zwillings-Geschwisterpaar Thea und Daniel kennen. Thea liebt nicht nur das Fotografieren, sie kann es sogar sehr gut, sie hat ein Auge dafür. Ihre Bilder bestehen die Maßstäbe des strengen Vaters. Nur leider denkt dieser, dass die tollen Bilder Daniel gemacht hat. Er ist der Sohn und auch der Erbe des Fotostudios. Doch Daniel liebt das Malen. Dafür hat nämlich er ein Auge und das Können. Leider schätzt sein Vater die Malerei nicht. Und die Zeit ist noch nicht reif für emanzipierte Frauen, die Unternehmen leiten. Dabei bringt Thea alles mit, was eine erfolgreiche Unternehmerin ausmacht. Sie ist mutig, spitzfindig, voller Elan und Charakterstärke. Der Vater möchte jedoch nichts von Theas Ambitionen wissen. So leiden die Zwillinge immer wieder unter Vaters Entscheidung und Willen und erkämpfen sich für eine Zeit lang ihre Freiheit durch einen Trick, der nicht ohne Folgen bleiben wird. Dabei erleidet insbesondere der sanfte und sensible Daniel einen schweren Schicksalsschlag.

Auch Leopold Saarner versucht sein Schicksal in seine eigenen Hände zu nehmen. Seine Mutter ist gestorben und hat ein lang gehütetes Geheimnis auf ihrem Sterbebett offenbart. Leopold hat über seinen Vater einen Halbbruder und sie möchte, dass er ihn kennenlernt. Obwohl er das nicht möchte, stimmt er seinem Vater zu, nach seinem Halbbruder in Papua-Neuguinea zu suchen. Leopold möchte endlich aus Hamburg raus, er möchte die Welt sehen und erkunden.

Über Adam, der auch Baptiste genannt wird, lernen wir das Leben der Einheimischen sowie der Kolonialisten kennen. Denn Adam lebt in beiden Welten, mal mehr mal weniger parallel. Als Ziehsohn der Oudebooms wird er christlich und deutsch-europäisch erzogen. Die Oudebooms gaben ihm ein Heim und eine Schulbildung. Doch, sobald er kann, verschwindet er von der Plantage und lebt mit und beim Stamm seiner Mutter und lernt die Traditionen der indigenen Bevölkerung, zu der er sich zugehöriger fühlt als zu seinen Zieheltern. Sein sehnlichster Wunsch ist dennoch, endlich seinen deutschen Vater kennenzulernen und von ihm anerkannt zu werden und Deutschland zu sehen.

Über diese vier Protagonisten schafft es die Autorin die damalige Zeit auf den*die Leser*in zu transportieren. Während des Lesens fühlte ich mich mit allen sehr verbunden. Sie sind sehr gut ausgearbeitet, auch wenn der Fokus letztendlich auf Thea und Adam/Baptiste liegt. Beide Figuren erfahren eine intensive und nachvollziebare Entwicklung. Sie reifen an ihren Aufgaben.

Historisch gesehen erfahren wir über die damalige Missionierung der indigenen Menschen, wie Kolonialisten in der Fremde gelebt haben und sich arrangieren mussten und wie und welche Unternehmen nach Kaiser-Wilhelms-Land gegangen sind. Anhand von Adam/Baptiste versucht Rebecca Maly auch aufzuzeigen, mit welchen Schwierigkeiten “Mischlingskinder” zu kämpfen hatten.

Ich bin sehr gerne in Rebecca Malys Geschichte eingetaucht und habe mich in das Abenteuer Südsee gestürzt. Durch die schönen, landschaftlichen Beschreibungen fühlte ich mich auf die Insel versetzt. Es war keine leichte Zeit damals. Einheimische verloren ihren Grund und Boden, ihre Lebensgewohnheiten und mussten Fremdbestimmung dulden. Viele solcher Kinder wie Adam/Babtiste waren zerrissen und nirgendwo richtig anerkannt.

Auch wenn das Buch größtenteils vorhersehbar war, gefiel mir der Schreibstil der Autorin sehr, wie auch die eine oder andere Überraschung und das runde Ende.


Fazit
Wer gerne Auswandererromane im Stil von Sarah Lark oder auch Patricia Shaw liest, wird diese Saga lieben. Sie bietet historische, gesellschaftliche Strukturen, Abenteuer, indigene Völker, ein bisschen Liebe und das alles in richtiger Dosierung. Ich freue mich schon sehr auf das nächste Abenteuer aus der Feder der Autorin!

Bewertung vom 24.06.2019
Milchzähne
Bukowski, Helene

Milchzähne


sehr gut

Meine Meinung
Der jungen Autorin ist hier ein außergewöhnliches Debüt gelungen. Zwar lässt es sich recht flott lesen, dafür ist es aber inhaltlich sehr dicht und atmosphärisch sehr düster. Ein Buch, über das man nach dem Lesen intensiv nachdenken kann und hofft, dass es nie soweit kommt.

Ausgangslage ist für diesen dystopischen Roman die Klimakatastrophe. Das Wetter hat sich verändert und es ändert sich immer noch. Tiere verlieren ihre Fellfarbe. Es gibt sie nur noch in weiß und wesensverändert als auch mit Missbildungen. Ihnen gegenüber stehen die Menschen.

Helene Bukowksi schafft es eine Gruppe sehr unsympathischer Menschen darzustellen, mit denen man so im Alltag nicht viel zu tun haben mag. Sie erinnerten mich während und nach dem Lesen an eine extreme Gruppe, die meint ums Überleben kämpfen zu müssen und deshalb für sich bleiben will. Um das gewährleisten zu können ist ihnen jedes Mittel recht.

Sie haben die Entscheidung getroffen sich abzuschotten und niemanden mehr hereinzulassen. Den Weg über die Brücke zu ihnen haben sie gesprengt. Sie haben große Angst vor der Außenwelt. Wer das ist und wie die Welt aussieht weiß man nicht. Hierzu äußert sich die Autorin leider nicht. Als Leser*in erhält man einen kurzen Einblick in einen abgeschiedenen, einsamen Ort über einen kurzen Zeitraum von ein paar Monaten.

Ihre heile Welt gerät ins Wanken als ein Mädchen von außen bei ihnen auftaucht. Wie hat sie es geschafft zu kommen? Woher kommt sie und warum kam sie? Auch diese Fragen beantwortet uns Helene Bukowski (leider) nicht. Ihr Fokus liegt darauf aufzuzeigen, wie manche Menschen handeln, wenn sie Angst haben. Diese Angst muss jedoch nicht begründet sein. Sie kann, wie hier, sehr irrational sein.

An was erinnert einen das? Ich zumindest fand die Verbindung zur aktuellen Angst vor Flüchtlingen. Es gibt Gruppierungen, die sich jeglichen Argumenten verwehren, seien sie noch so logisch. Die Angst kann nicht aufgelöst werden und lässt diese Leute extrem handeln.
Sie haben Angst vor Fremden, vor allem, was sie nicht kennen. Sie haben Angst vor Veränderung. Sie bleiben stur in ihrer Angst und ihrem Handeln. Sie überdenken einmal gefällte Entscheidungen nicht, sind nicht in der Lage Mitleid und Empathie zu empfinden.

Die Autorin nennt keinen expliziten Ort wo ihr ihre Figuren leben. Namen wie Edit, Skalde, Nuul, Meisis, Göst, Levaii unvm. erinnerten mich an nordische Namen. Doch thematisch gesehen ist das nicht wichtig, denn Menschen und ihre Ängste, wie im Buch beschrieben, gibt es überall auf der Welt.

In Tagebuchform erfahren wir über Skalde einen Bericht zur Situation.

“Wenn ich fertig bin mit diesem Bericht, werde ich ihn in der Schublade des Tisches zurücklasse, in der Hoffnung, dass wir auf der anderen Seite des Meeres ein neues Leben anfangen.” (Seite 8)

So lesen wir uns durch 77 unterschiedlich lange Kapitel bis zum Ende, das ebenso offen ist wie das meiste im Buch. Und diese vielen offenen Punkte sind mein eigentlicher Kritikpunkt neben meiner großen Begeisterung für die Geschichte. Ich hätte gerne etwas mehr über die Vergangenheit und den Zustand der Welt erfahren. Ansatzpunkte hätte es gegeben, ohne dass es der Geschichte geschadet hätte. Sie wäre vielmehr sogar etwas runder und besser greifbar.


Fazit
Insgesamt und trotz meiner Kritik ist “Milchzähne” ein empfehlens- und lesenswertes Buch. Helene Bukowski schaffte es mit nur zwei positiven und einer Vielzahl an negativen Charakteren dennoch eine Geschichte zu schreiben, die ich sehr gerne gelesen habe und mit der sie im übertragenen Sinne die aktuelle Situation trefflich vor Augen bringt und die ganze Absurdiät aufzeigt. Ein Buch, das sich grandios für gemeinsames Lesen und Diskutieren eignet.

Bewertung vom 17.06.2019
Welch schöne Tiere wir sind
Osborne, Lawrence

Welch schöne Tiere wir sind


ausgezeichnet

Meine Meinung
W.A.S F.Ü.R E.I.N B.U.C.H!

Es ist nicht einfach in Worte zu fassen, denn es ist ein echtes Lesehighlight! Ein Buch, das ich gefressen habe und ich nicht aufhören konnte zu lesen, denn die letzten 200 Seiten habe ich in einem Zug durchgelesen.

Die ersten 60 Seiten plätschern ein bisschen dahin und man muss sich an den Schreibstil des Autors gewöhnen. Man lernt Naomi und Sam kennen. Zwei sehr junge Frauen, die ihren Sommer auf der Insel Hydra in Griechenland verbringen. Naomi ist Engländerin und kennt die Insel in- und auswendig, da sie seit ihrer Kindheit die Sommer dort verbringt. Sam ist ein paar Jahre jünger, Amerikanerin und verbringt ihren Sommer mit ihrer Familie auf der Insel. Sie ist noch recht unschuldig und naiv, was das Leben angeht, da ihr privilegiertes und behütetes Leben noch nicht viel von ihr eingefordert hat. Naomi ist anders, auch reich und privilegiert, doch charakterlich ganz anders als Sam. Naomi vermag sich auf ihrem Status nicht so richtig auszuruhen. Sie hat eine gewisse Unruhe, ist fast immer im Konflikt mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter und ist irgendwie immer auf der Suche nach einem Abenteuer oder etwas, das sie reizt und aus ihrem Alltag ausbrechen lässt. Der letzte “Nervenkitzel” führte zur Entlassung aus der Anwaltskanzlei. Als sie mit Sam auf einem Badeausflug den syrischen Flüchtling Faoud entdecken will sie ihm helfen und hat gleich etwas Unmoralisches im Sinn… Naomis Plan scheint absolut ausgeklügelt und doch kommt es anders, als sie, Sam, Faoud und die Hauhälterin Carissa denken und erwarten.

Nun, natürlich konnte es nicht gut gehen, aber wie der Autor so nach und nach die Geschichte entwickelt, ließ mich am Ende sprachlos zurück. Er zeigt die Verflechtungen und die Auswirkungen einer Entscheidung, die ausschließlich Naomi selbständig gefällt hatte. Doch diese Entscheidung zieht weite Kreise und beeinträchtigt das Leben vieler Menschen. Insbesondere auch von denen, die passiv daran teilnahmen, wie z.B. Sam. Obwohl sie am wenigsten mit dem Ganzen zu tun hatte, sind die Auswirkungen auf sie, ihre Psyche, ihr Leben am stärksten. Man gerät während des Lesens in den Strudel der Geschnisse und in den Sog der Geschichte. Abgründe tun sich auf, Verschiebungen von Macht werden deutlich, Fluchtwege werden verfolgt, Lügen entstehen und die Verteidigung hängt auf einem seidenen Faden.

Lawrenze Osborne hat mit ganz einfachen Mitteln und wenigen Figuren eine Art Thriller geschrieben, den ich gar nicht richtig benennen kann. Ich folgte der Geschichte, fühlte mich getrieben, obwohl sich alles recht gemächlich entwickelte. Ich musste mich einige Male zwingen nicht zur letzten Seite zu springen, um zu sehen, wie das Buch endet. Die Spannung war kaum auszuhalten.


Fazit
Dieses Buch tanz aus der Reihe und ist ein reiner (Lese)Genuss! Wer sich traut, über seinen Tellerrand zu schauen, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Es ist ein Gegenwartsroman, ein Thriller, eine Art Krimi und eine Charakterstudie in einem. Lawrence Osborne nimmt den*die Leser*in nach Griechenland in die Zeit mit, als Flüchtlinge anfingen die Inseln zu überfluten und schafft es dennoch ein Buch zu schreiben, das nichts mit Politik am Hut hat. Es ist sehr atmosphärisch, schlicht aber auch düster und die Hoffnung während des Lesens überlagert stets das eigentlich offensichtliche Ende. Absolut lesenswert!

Bewertung vom 07.06.2019
Der Klang der Farben
Liao, Jimmy

Der Klang der Farben


ausgezeichnet

Meine Meinung
Ein Bilderbuch für Erwachsene. Mein erstes dieser Art. Und ich stelle fest, dass sich so ein Bilderbuch für Erwachsene viel schwieriger liest als ein normaler Roman. Viel Bild, wenig Text. Somit ist der*die Leser*in sehr gefordert, das Gesehene zu interpretieren. Und das ist gar nicht so einfach!

Das Grundgerüst, die Rahmengeschichte, bildet der Klappentext. Dieser war für mich sehr verständlich und hat mich neugierig gemacht!

Nun folgen wir dem blinden Mädchen auf ihrem Weg durch die U-Bahnen und wie sie die Welt aufs Neue erkundet. Dabei dürfen wir an einigen ihrer Gedanken und den verschiedenen Fragen teilnehmen, die sie sich stellt, wie z.B. ob es immer noch so wundervoll ist mitanzusehen, wie die Wolken am Himmel sich verwandeln. Wer kennt das nicht?! Als Kind auf dem Rücken in der Wiese liegen und den Wolken zuschauen wie sie vorbeiziehen und in ihnen Formen erkennen. Es machte mich traurig zu wissen, dass das blinde Mädchen dieses Spiel und diesen Anblick nie mehr wieder wird genießen und erleben können. Umherfliegen wie ein Vogel, das wäre doch schön! Aber wäre es immer noch so toll, wenn man nicht sehen könnte? Wie frei wäre man noch, wenn man nicht sehen kann, wo die Hindernisse sind?

“Überall lauern Gefahren auf mich. Ich bin jederzeit bereit, Abschied zu nehmen. Und doch ist die Welt so schön und wundervoll, dass ich mich nicht von ihr trenne möchte.” (Zitat aus dem Buch)

Jimmy Liao hat ein poetisches und philosophisches Buch erschaffen, das so bildgewaltig und traumhaft farbig ist. Seite für Seite steigt das Mädchen in die U-Bahn hinuter und erwartungsvoll wieder nach oben. Ein kleiner, weißer, struppiger Hund begleitet sie und ist auf jeder Seite wiederzufinden. Ob er zu ihr gehört, ist nicht klar. Jedenfalls ist er, neben dem blinden Mädchen, ein feste Größe im Buch. Die Bilder unterstreichen überwiegend den kurzen Text darüber. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken, was so extrem im Gegensatz zu dem steht, dass das Mädchen nicht sehen kann. Ich konnte mich kaum sattsehen an diesen vor Farbe sprühenden Bildern.

Wo die Realität sie alleine lässt, behilft sie sich mit ihrer Vorstellungskraft und Fantasie sowie den Erinnerungen aus der Vergangenheit. Auf manches wird das Mädchen für immer verzichten müssen. Dafür gewinnt sie anderes dazu. Selbst scheinbar Unüberbrückbares kann sie schaffen und findet viel Positives in ihrem Leben.

Jimmy Liao beendet sein Buch mit einem schönen und hoffnungsvollen Ausschnitt aus Rainer Maria Rilkes “Die Blinde”. Für mich ist das ein gelungener Abschluss für ein Buch, das lange nachhallen wird.

Fazit
Ich habe dieses Buch dreimal gelesen, angeschaut und darüber nachgedacht. Und schlussendlich denke ich herauszulesen, dass der Künstler uns sagen will, wie schön das Leben trotz Einschränkungen sein kann, wenn man es zulässt. Das Mädchen hat ihre Angst überwunden und ist in die weite Welt hinausgegangen. Ihr Mut gibt ihr wieder eine Freiheit zurück, die sie jedoch vorsichtig kennenlernen muss. Dabei stolpert sie, fällt hin, verirrt sich, fühlt sich fremd und hat trotzdem immer irgendwie auch Hoffnung.

“Die Vorstellung macht mir Angst, das Glück könnte ganz nahe sein und ich sehe es nur nicht.”
“Den Kummer von gestern habe ich schon vergessen. Was man vergisst, ist nicht mehr wichtig.”
” Ist das die Endstation? Oder ein neuer Startpunkt?”

Diese drei Zitate nehme ich für mich mit und hoffe, sie nicht zu vergessen. Auch wenn es im Alltag oftmals schwer ist, mich die Melancholie packt, werde ich versuchen an dieses blinde Mädchen zu denken, das nun seine Welt mit den anderen Sinnen entdeckt, auch wenn ihm die Sicherheit und die Schönheit der Farben verloren gegangen ist.

Bewertung vom 29.05.2019
Die ewigen Toten / David Hunter Bd.6 (12 Audio-CDs)
Beckett, Simon

Die ewigen Toten / David Hunter Bd.6 (12 Audio-CDs)


ausgezeichnet

Stichworte
Gegenwartsroman, England, Krimi, Reihe, Forensik, Dr. David Hunter


Handlung 5
interessant, mehrere Handlungsstränge
Spannung 5
baut sich langsam und subtil auf
Charaktere 5
Hunter mit Wiedererkennungs-wert, viele Personen, vielschichtig
Ende 5
nicht ganz überraschend aber rund
Hörbuch 5
toller Sprecher, empfehlenswert

Gesamtwertung
5,0 / 5


Fazit:
Ein für mich rundum gelungener 6. Teil der forensischen Krimireihe um Dr. David Hunter.

Der Autor baut auf den privaten Handlungsstrang aus dem letzen Band auf. Dr. David Hunter hat endlich wieder eine Beziehung und ist glücklich, obwohl diese Beziehung auch eine gewisse Distanz aushalten muss. Doch Hunter wird nicht langweilig. Wie immer kommen ihm ein paar Tote dazwischen.

Der Fall scheint verzwickt. Nach und nach kommt alles heraus und es wird richtig brenzlig!

Beckett spielt m.M.n. hervorragend mit den Nerven seiner Leser*innen. Man wird auf verschiedene falsche Fährten geführt, doch dass Ende setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen, die den Fall zwar abschließen und dennoch offenlassen, wie es mit David Hunter weitergehen wird. Irgendwann war der*die Täter*in zwar absehbar, doch die Gründe dafür lagen im Dunkeln. Das hat mir deshalb ingesamt dennoch sehr gut gefallen.

Das Besondere an allen Dr. Hunter Fällen sind die vielen Details, wenn es um Forensik geht. Ich staune immer wieder, was Profis alles aus Knochen herauslesen können! In diesem 6. Band ist der forensische Teil wieder ausgesprochen interessant und aufschlussreich.

Der Sprecher hat ganz tolle Arbeit geleistet! Ich hing ihm an den Lippen und habe das Buch deshalb in 2 Tagen beendet. Ein sehr gutes Anzeichen für eine absolute Lese- und Hörempfehlung! Ich warte bereits gespannt auf den nächsten Teil!

Bewertung vom 29.05.2019
Die Zwerge Bd.1
Heitz, Markus

Die Zwerge Bd.1


ausgezeichnet

Handlung 4
interessant, spannend, manchmal verwirrend
Sprache 5
flüssig, bildgewaltig, mit Humor & tollen Dialogen gespickt
Charaktere 5
unterschiedlich, mit Wiedererkennungs-wert, vielseitig, sympathisch
Ende 5
rund, Geheimnisse aufdeckend, abgeschlossen
Hörbuch 5
toller Sprecher, sehr empfehlenswert

Gesamtwertung
4,8 / 5

Fazit:
Endlich habe ich dieses Buch vom SuB erlöst! Lange dümpelte es in meinen Regalen und nun, im Nachhinein, hat es dort viel zu lange ungelesen gelegen!

Markus Heitz hat die wundervollen, etwas ruppigen Zwerge, die nicht unbedingt für jeden Spaß zu haben sind, zum Leben erweckt. In dem 1. Band der fünfteiligen Saga lernen wir Tungdil kennen, einen Zwerg, der unter Menschen aufgewachsen ist. Andere Zwerge sind ihm fremd und was er über Zwerge weiß, das hat er aus Büchern und Erzählungen.

Der Autor lässt den*die Leser*in mit Tungdil durch das verborgene Land reisen, die anderen Zwergenstämme erkunden und gegen bösen Mächte kämpfen. Nichts weniger als das Überleben des verborgenen Landes steht auf dem Spiel. Gnome, Orks und die dunklen Albae wollen es zerstören und für das Böse erobern. Dabei gibt es viele Intriegen und Neues zu Entdecken und zu bewältigen.

Mit flüssiger Sprache ist ein großes Abenteuer zu überstehen. Manchmal geht es schleppend voran doch die Spannung steigt bis zum Schluss. Geheimnisse um die unterschiedlichen Zwergenstämme, um Verrat und die Herkunft Tundils werden gelöst. Das Ende ist rund und abgeschlossen und lässt erahnen, wie es mit den nächsten Band weitergehen könnte.

Ganz toll hat mir die Charakterisierung der verschiedenen Haupt- wie auch Nebenfiguren gefallen. Sie haben Wiedererkennungswert und bringen die Geschichte gut voran.

Johannes Steck als Sprecher ist das i-Tüpfelchen der Geschichte. Ich habe die Teile, die ich gehört habe, noch mehr genossen als die selbst gelesenen. Durch grandiosen Stimmeinsatz und schauspielerische Leistung lässt er die Geschichte als Kopfkino erscheinen! Einfach TOP!

Bewertung vom 29.05.2019
Daniel is different
King, Wesley

Daniel is different


sehr gut

Kurzmeinung

Genre: Roman, Jugendbuch, autobiografisch

Handlung: Wir bekommen Einblick in das Leben eines Jugendlichen, der unter Zwangsstörungen leidet. Daniel ist anders, das weiß er. Er wusste jedoch nicht, dass sein Anderssein auch einen Namen hat. Dabei möchte er eigentlich einfach nur normal sein, so wie alle anderen. Das gestaltet sich jedoch sehr schwer, denn wenn die Zaps plötzlich zuschlagen, kann er nicht aus seiner Haut und muss ein bestimmtes Programm durchlaufen, bevor es ihm wieder gut geht. Stört etwas diesen Ablauf von Zwangshandlungen, hält ihn große Angst gefangen. Alles sehr hinderlich, wenn man als Jugendlicher verliebt ist und nicht möchte, dass der Auserwählten und den Anderen auffällt, warum man so anders ist.

Charaktere: Da der Autor in seinem Roman viel Autobiografisches verarbeitet hat, ist Daniel als Hauptfigur sehr authentisch. Die in der Ich-Form erzählte Geschichte nimmt die Leser*innen in die Gefühlswelt von Daniel mit und zeigt seine Gedanken und Probleme. Max, als “normaler” bester und beliebter Freund, ist der ausgleichende Gegenpol. Hinzu kommen zwei weibliche Figuren, die ebenso eine große Rolle in Daniels Leben spielen, Raya und Sara. Sara ist ein bisschen wie Daniel. Sie redet nicht (nur mit Daniel), ist eine Außenseiterin und leidet an Depressionen. Raya ist der Gegenpart zu Max, das beliebteste und schönste Mädchen der Schule, mit dem jeder befreudet sein möchte. Obwohl die Rollenverteilung der Figuren klar ist, charakterisiert Wesley King seine Figuren über Klischees hinaus. Er hat seinen Protagonist*innen Ecken und Kanten gegeben, die sie interessant machen.

Spannung: Ein Jugendbuch handelt meistens auch ein bisschen von Liebe. Sie ist es nunmal, die junge Menschen umtreibt, so auch hier. So folgen wir gespannt der Frage, ob Daniel sich trauen wird, Raya anzusprechen und näherzukommen. Zudem erlebt er Gefährliches, denn Sara will mit seiner Hilfe ihren Stiefvater des Mordes an ihrem leiblichen Vater überführen. Dieser ist verschwunden und sie ist sich sicher, er hätte sie nie einfach so verlassen. Sie findet Indizien, die sie in Sachen Mord bestärken.

Sprache & Schreibstil: Die Sprache und der Schreibstil sind der Zielgruppe angepasst und sehr gut lesbar.
Ende: Ein Abschluss, der mir sehr gut gefällt und die Leser*innen positiv aus der Geschichte entlässt.

Fazit: Ein sehr gutes Jugendbuch, das Betroffene und Leser*innen, die Betroffene kennen, einen sehr guten Einblick in ein Leben mit Zwangsstörungen bietet. Es zeigt die tiefe Gefühlswelt von Daniel und den täglichen Kampf diese Krankheit überwinden zu wollen und sich dadurch nicht ausgrenzen zu lassen. Ein bisschen Kritik habe ich auch, die zu einem Stern Abzug geführt hat. Daniel schreibt an einer futuristisch angehauchte Geschichte, die mich nicht überzeugen konnte. Diese Teile hätte ich gerne ausgelassen. Zudem finde ich den Handlungsstrang, in dem Daniel und Sara auf “Mörderjagd” gehen als nicht ganz zum Thema passend. Es hätte sicherlich bessere Möglichkeiten gegeben, Daniel und Sara einen eigenen Handlungsstrang zu geben / zusammenzuführen. Zudem irritierte mich der Ausdruck “Sternenkind” im Zusammenhang mit begabten Kindern sehr. Im Amerikanischen ist wohl solch ein Begriff geläufig / passend, doch in Deutschland und auch Österreich wird der Begriff “Sternenkinder” für Kinder verwendet, die vor, während oder bald nach der Geburt gestorben sind (Quelle: Wikipedia).
Insgesamt aber ein sehr empfehlenswertes Buch für Jugendliche und Erwachsene!

Bewertung vom 23.05.2019
Neil Armstrong
Hahnemann, Katrin

Neil Armstrong


ausgezeichnet

Meine Meinung
Das Weltall und seine Planeten haben mich schon immer sehr fasziniert. So habe ich als Jugendliche begeistert STAR TREK geschaut und irgendwann auch Sci-Fi-Bücher gelesen, um mich in fremde Welten zu begeben.

Dass der Mensch bereits zum Mond geflogen ist und ihn sogar betreten hat, ist etwas so grandioses und kaum zu fassen. Dieser erste Mensch war NEIL ARMSTRONG! Am 20. Juli 2019 ist es bereits 50 Jahre her, dass dieses wunderbare Ereignis stattgefunden hatte.

ArsEdition hat hierzu eine sehr schöne und informative Biografie für Kinder und Jugendliche herausgebracht.

Man erfährt sehr viel auf kindgerechte Weise. In schöner und einfacher Sprache erklärt und zeigt die Autorin Ereignisse, die Technik, den Wettstreit zwischen der Sowjetunion und den USA, die Mission und das Leben von Neil Armstrong auf. Der Text ist zweifarbig und hebt manchmal in schwarzer oder auch in blauer, angenehmer Farbe wichtige Begriffe, Namen, Daten… hervor. Interessante Fotos und Zeichnungen unterstreichen bildlich den Text und lockern das Buch schön auf.

Auch auf Niederlagen und missglückte Versuche, bei denen Menschen gestorben waren, geht Katrin Hahnemann gefühlvoll ein. Somit wird Kindern und Jugendlichen nahegebracht, dass der Beruf eines Astronauten ein gefährlicher Beruf ist.

Nachdem über die Kindheit, Schule und Ausbildung Armstrongs berichtet wurde, erfährt man auch, wie er seine Frau Jan kennenlernt, heiratet und eine Familie gründet. Schritt für Schritt geht es auf DAS Ereignis der Menschheit zu. Obwohl natürlich klar ist, dass am 20. Juli 1969 alles glatt lief, fiebert man während des Lesens mit! Eine wahrlich tolle Leistung der Autorin!


Fazit
Ich habe diese Biografie sehr gerne gelesen. Vieles war mir bekannt und dennoch schaffte es Katrin Hahnemann mich in Neils Lebensgeschichte hineinzuziehen. Ich kann eine absolute Leseempfehlung aussprechen! Kinder, die an Luft- und Raumfahrt Interesse zeigen, werden mit diesem Buch sicherlich eine große Freude haben. Aber auch Erwachsene, die sich informieren aber dabei mit nicht zu vielen technischen Daten erschlagen werden möchten.

Bewertung vom 17.05.2019
Bienenleben
Wiener, Sarah

Bienenleben


ausgezeichnet

Meine Meinung
Die Faszination an Bienen hat sich bei mir erst entwickelt, seit ich in den Nachrichten lese, dass diese kleinen Tierchen bald vom Aussterben bedroht sein könnten, seit die Medien vermehrt darauf eingehen, dass wir ohne die Biene, die unsere Blüten bestäubt und erst Früchte wachsen lässt, wohl nicht lange und nicht gut überleben könnten und seit große Konzerne nicht aufhören Pestizide zu entwickeln, die unseren Bienen schaden.

Ich muss zugeben, ich kannte die Autorin nicht. Ich schaue seit vielen Jahren kein TV und wusste nicht, dass die Autorin wohl eine bekannte Fernseh-Köchin ist. Vielleicht war das gut so, denn damit hatte ich so gar keine übersteigerten Erwartungen an den Schreibstil oder Aufbau des Buches.

Sarah Wiener erzählt auf leichte und lebendige Weise, wie sie zu ihren Bienen und der Imkerei kam. Ich las und las und konnte nicht genug davon bekommen. Es war eine große Freude, wie sie aus ihrer Angst vor Bienen in der Kindheit, über einen Arbeitsauftrag die Liebe zu diesen faszinierenden Insekten entdecken und vertiefen konnte.

Ich habe viel über Bienen, die Bienenhaltung sowie die Imkerei gelernt und freue mich, dass es mittlerweile auch so etwas wie eine wesensgemäße bzw. wesensnahe Bienenhaltung gibt. Zugleich war ich erschrocken darüber, was viele Imker ihren Bienenvölkern antun, wie sie sie ausbeuten, überzüchten und versuchen, ihre natürlichen Instikte, wie das Schwärmen oder den Jungfernflug zur Besamung, unterdrücken oder künstlich ausführen.

Mir war zwar bewusst, dass die Haltung von Bienen sehr viel Arbeit macht und einen riesigen Zeitaufwand erfordert, doch was genau das inhaltlich bedeutet, zeigt Sarah Wiener wunderbar auf.

Dass die Biene für eine halbes Gramm vollen Magen 1000 bis 1500 Blüten anfliegen muss, machte mich sprachlos. Genauso, dass “Für eine Portion von circa zwanzig Gramm Honig auf dem Frühstücksbrötchen … [Bienen] rund dreitausend Kilometer [fliegen].” (S. 115) ist echt unfassbar!

Die Autorin beschreibt ebenso leidenschaftlich, wie sie die richtigen Standorte für ihre Bienenkästen ausgewählt hat als auch wie sie wegen dem Tod einiger ihrer Bienenvölker gelitten hat.

Das ganze Buch fühlt sich so an, als würde man mit Sarah Wiener in ihrem wundervollen, selbstgewachsenem und voller Pflanzen und (Un)Kraut gefülltem Garten mit ihr zusammensitzen, Kaffee trinken, Kuchen essen, dem Summen der Bienen und ihren Ausführungen zuhören.

Viele farbige Bilder lockern den Text auf und zeigen Sarah Wiener mit Freunden, den Bienen, den Bienenstöcken unvm. Gerne betrachtete ich die Bilder, die viel veranschaulichten und Lust auf einen Löffel Honig machten.


Fazit
Wer sich für die Autorin, ihr Leben und die Bienen interessiert, ist mit dem Buch sehr gut bedient. Dies ist ein schön und locker erzähltes Sachbuch, das man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Ein Buch, das aufzeigt, dass man nie zu alt für die Liebe zu den Bienen und die Hobbyimkerei ist. Es vermittelte mir Ruhe, Freude und weckt Tatkraft. Und nun bleibt für mich als Leserin nur noch, schnell in den nächsten Bau- oder Gartenmarkt zu laufen, viele Blumensamen zu kaufen und auf dem Balkon und in der Natur auszusähen, damit die Bienen ganz viele Blumen und Blüten finden, um Pollen als auch Nektar sammeln zu können. Macht mit!

Bewertung vom 14.05.2019
Madeirasturm
Summer, Joyce

Madeirasturm


ausgezeichnet

Meine Meinung
Comissário Avila ermittelte endlich wieder! Bereits der Auftakt dieser Serie hatte mir sehr gut gefallen und ich hoffte auf weitere Fortsetzungen mit diesem sympathischen Ermittler und seinem Team.

Mittlerweile Vater ein Tochter, versucht Avila den neuen Anforderungen einer Familie mit Kind gerecht zu werden. Von seiner Frau Leticia wird er für ein Wochenende in das abgeschiedenste Hotel Madeiras überredet, wo er unglücklicherweise auch noch seinen Chef sowie seinen Schwiegervater ertragen muss. Ob das wohl gut geht?

Doch ein schrecklicker Sturm wütet auf Madeira und schneidet die Gäste des Hotels von ihrer Umgebung ab. Zudem ist unter ihnen ein Mörder, der bereits zwei Tote auf dem Gewissen hat.

Avila und sein Chef André, der Wolf, ermitteln unter schwersten Bedingungen. Erstaunlicherweise kommen sie gut miteinander aus und ergänzen sich wunderbar.

Joyce Summer hat in Avilas zweitem Fall die Insel Madeira auch wieder, ganz wie nebenbei, schön in den Mittelpunkt gesetzt. Doch dieses Mal von der dunklen, stürmischen Seite. Ich konnte mir die Gegend und das Setting sehr gut vorstellen.

Spannend verknüpfte die Autorin zwei Handlungsstränge. In jenem, der von Avilas Mitarbeiter Vasconcellos geführt wird, versuchen die Ermittler den Mörder eines Tauchers aufzudecken, der womöglich der gleiche ist wie der, der sich im von der Zivilisation abgeschnittenen Hotel Encosta de Calheta befindet, wo Avila, der Wolf, Leticia mit Tochter Felia, Schwiegervater Oriol und noch ein paar andere Gäste feststecken. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

Joyce Summer hat es wieder mal geschafft, dass man wunderbar miträtseln konnte. Ihre angenehme Schreibweise und der flüssige Schreibstil lassen einen schnell in die Geschichte eintauchen und am liebsten das ganze Buch am Stück durchlesen zu wollen. Die Figuren sind sehr realistisch gezeichnet, sodass man sie sich gut vorstellen kann und ihnen ihre Handlungsweise auch abnimmt. Die kleinen Spitzen um das Festland Portugal und seine Insel Madeira lockern den Krimi auf und bringen auch eine angenehme Heiterkeit ins Buch, die ich in einem Regionalkrimi erwarte. Die sehr gut hin und wieder eingebauten portugiesischen Ausdrücke runden diesen Madeirakrimi ab. Und nebenbei erfährt man auch noch mehr über Gifte und Shakespear.


Fazit
Wer gerne Krimis liest, die nicht zu blutig sind und bei denen man die Ermittlerarbeit nachvollziehen und gleichzeitig miträtseln kann, ist mit Joyce Summers Madeirakrimis absolut an die richtigen Bücher geraten! Sie sind nicht überfrachtet und insgesamt jeweils abgeschlossen. Aber auch hier empfehle ich bei Teil 1 zu beginnen, um die Entwicklung des persönlich-privaten Handlungsstrangs um Avila und die anderen verfolgen zu können.