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Auf dem Sterbebett von seinem Sohn Lars gefragt, wer seine Freunde gewesen seien, antwortete Willy Brandt: »Egon.« Tatsächlich war Egon Bahr jahrzehntelang Brandts engster politischer und persönlicher Weggefährte. In "Das musst du erzählen" schildert er erstmals seine ganz persönlichen Erinnerungen an den großen Sozialdemokraten und die gemeinsamen Jahre – ein intimes Porträt Brandts und ein Zeitzeugnis ersten Ranges.…mehr

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Produktbeschreibung
Auf dem Sterbebett von seinem Sohn Lars gefragt, wer seine Freunde gewesen seien, antwortete Willy Brandt: »Egon.« Tatsächlich war Egon Bahr jahrzehntelang Brandts engster politischer und persönlicher Weggefährte. In "Das musst du erzählen" schildert er erstmals seine ganz persönlichen Erinnerungen an den großen Sozialdemokraten und die gemeinsamen Jahre – ein intimes Porträt Brandts und ein Zeitzeugnis ersten Ranges.


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  • Produktdetails
  • Verlag: Ullstein eBooks
  • Seitenzahl: 240
  • 2013
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783843705073
  • ISBN-10: 3843705070
  • Best.Nr.: 37486129
Autorenporträt
Egon Bahr, geboren 1922 in Thüringen. Nach dem Krieg als Journalist tätig, u.a. als Leiter des Bonner RIAS-Büros. 1960-66 Sprecher des Berliner Senats. Unter Willy Brandt 1966-69 Leiter des Planungsstabs im Auswärtigen Amt, 1969-1974 Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Er verhandelte u.a. den Moskauer Vertrag, das Viermächteabkommen und den Grundlagenvertrag mit der DDR. Nach Brandts Rücktritt u.a. Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Bundesgeschäftsführer der SPD und Direktor des Instituts für Friedensforschung in Hamburg. Egon Bahr verstarb am 20.August 2015.
Rezensionen
"Großartig sein jüngstes Buch "Das musst du erzählen. Erinnerungen an Willy Brandt"., Süddeutsche Zeitung, Holger Gertz, 21.08.2015
Besprechung von 08.04.2013
Ein Freund, ein guter Freund . . .
Egon Bahr erinnert sich an Willy Brandt und nebenbei auch an das Auswärtige Amt

Auf dem Sterbebett im Oktober 1992 von Sohn Lars gefragt, wer seine Freunde gewesen seien, soll Willy Brandt geantwortet haben: "Egon." Darin sieht der Dauerberater des SPD-Vorsitzenden der Jahre 1964 bis 1987 die Verpflichtung, Brandts menschliche Stärken hervorzuheben: "Nähe erlaubt Einblicke in Persönlichstes, das nur so weit berührt werden darf, um eine Freundschaft zu illustrieren. Das verlangt der Respekt vor Lebenden und Toten", schreibt der 1922 geborene Egon Bahr. Enthüllungen sind nicht zu erwarten, eher Ergänzungen zu den Memoiren "Zu meiner Zeit" (1996).

Im ersten Teil - "Berlin" - bewundert der Autor Brandts Mut zu Entscheidungen und dessen "eigentümlich distanziertes wie souveränes Verhältnis" zu Geld: "Ich habe nie ein Portemonnaie in seiner Hand gesehen." Er ließ sich die Rechnungen ins Schöneberger Rathaus schicken und achtete auch darauf, bei Auslandsaufenthalten stets die Kosten für die mitreisende Ehefrau Rut selbst zu tragen (finanziert durch "einen Redeauftritt gegen Honorar"). Das waren noch Zeiten!

Der Mauerbau von 1961 wurde laut Bahr "zum Höhepunkt des Kalten Krieges und zum Anfang seines Endes. Letzteres war damals nicht absehbar." Danach habe der amerikanische Präsident Kennedy gelernt, dass Berlin "nicht zu verteidigen war, aber auch nicht ständig politischen Erpressungen auf den Zugangswegen ausgesetzt sein durfte". Zwischen Washington und Moskau sei es darum gegangen, durch Entspannungspolitik Stabilität zu erreichen: "Und Kennedy verkündete seinen Erfolg, die unantastbare Sicherheit Westberlins, erst 1963 mit seinem Ausruf ,Ich bin ein Berliner'." Über den Satz freute sich Kanzler Adenauer, doch der Regierende Bürgermeister "Brandt blieb säuerlich ernst". Als am Nachmittag des 26. Juni in der Freien Universität Kennedy über Entspannung und Zusammenarbeit mit der Sowjetunion sprach, waren die Reaktionen umgekehrt: "Nun freute sich Brandt, während das Gesicht Adenauers erstarrte." Im Juli 1963 fand dann jene Veranstaltung in Tutzing statt, auf der Bahr mit dem Kurz-Statement "Wandel durch Annäherung" brillierte und damit Brandts große Rede in den Hintergrund drängte - sehr zu dessen Missfallen.

Im zweiten Teil - "Bonn" - steht die Große Koalition von Ende 1966 im Mittelpunkt, die Brandt "zuwider" war, nicht zuletzt wegen der Diffamierungskampagnen aus Unionskreisen gegen ihn in den Jahren zuvor. Auch mit der Bezeichnung einer "Bundesregierung der Versöhnung" musste sich der frischgebackene Außenminister "erst versöhnen", ebenso wie mit den "gegenläufigen Biographien" der Kabinettskollegen: "Neben dem Emigranten und früheren Linkssozialisten Brandt saß Kiesinger, der genauso wie der SPD-Wirtschaftsminister Karl Schiller Mitglied der NSDAP gewesen war. Während der Exkommunist Wehner, nun Minister für gesamtdeutsche Fragen, das Moskauer Hotel Lux überlebt hatte, war Finanzminister Franz Josef Strauß Wehrmachtsoffizier gewesen." Für Strauß habe Brandt Achtung empfunden und Kiesinger als Leichtgewicht eingeschätzt.

Der erfahrene Journalist und Pressesprecher Bahr wurde damals Leiter des Planungsstabs im Auswärtigen Amt (AA). In einem für Brandt verfassten "Ausblick" über das Personal definierte er "drei Schichten: die Reaktivierten aus dem alten AA, die ,Neuen', überwiegend aus der Diplomatenschule in Speyer, und die ,Außenseiter'". Bei den Letztgenannten handele es sich um Leute, deren schreiende Unfähigkeit "kein Grund gewesen sei, sie für ,gute CDU-Arbeit' nicht zu belohnen", sowie um die aus unterschiedlichen Gründen "zu kurz Gekommenen". Auf die Mitarbeit ausgesuchter "Ehemaliger" habe Brandt nicht verzichtet und auf Integration gesetzt - trotz der SPD-Forderungen, "bisherige Opfer der CDU-Politik besonders zu fördern" und auch geeignete Genossen einzustellen. Brandts Grundhaltung umschreibt Bahr so: "Wer schon im Exil für das bessere Deutschland geworben hatte, konnte nach der Rückkehr nicht Vergeltung oder gar Rache predigen."

Für Bahr war Brandt ein "Verfechter der Integration, nicht um die Vergangenheit zu vertuschen oder hinter sich zu lassen, sondern mit dem Blick in die Zukunft unserer Gesellschaft". Auf der ersten Personalversammlung im AA bestand er "auf dem Trennungsstrich zur deutschen Vergangenheit, auch gegenüber der vorherigen Bundesregierung, die immer noch auf der Wiederherstellung Deutschlands in den Grenzen des Jahres 1937 bestanden hatte. Der Krieg könne nicht mit juristischen Formeln nachträglich gewonnen werden." Brandt habe sich auf die Tradition des AA berufen: auf Rathenau und Stresemann und auf Bismarcks Verurteilung einer Politik des "Alles oder Nichts". Diese "Grundmelodie" hätten Brandts Nachfolger "variiert. Fischer nahm insofern eine Sonderposition ein, als er mit dem Mut zur Aufarbeitung der Vergangenheit eine Kommission installierte, die durch ihre fünfjährige Tätigkeit nachträglich bewies, wie unmöglich es 1966 gewesen wäre, das undurchsichtige Gestrüpp des Auswärtigen Dienstes im Einzelnen zu durchforsten." Das klingt nach Selbstentlastung für die SPD und verklärt die Entstehungsgeschichte der AA-Historikerkommission, die doch eine Flucht nach vorn für den durch die Nachruf- und Visa-Affäre in Bedrängnis geratenen Außenminister und seine ungeschickt taktierenden Staatssekretäre darstellte.

Bahr erwähnt, dass Brandt 1968 darunter litt, sich "von diesem alten Nazi" Kiesinger Vorschriften machen zu lassen, und daher dem Ende der Großen Koalition entgegenfieberte: "Wehner und Schmidt fühlten sich mit ihr deutlich wohler. Noch vierzig Jahre später gibt es Stimmen, die behaupten, dass eine Fortsetzung damals eine Alternative gewesen wäre. Ich sage: Dann hätte es keine Entspannungspolitik und vielleicht keine Einheit gegeben." So wie hier werden im dritten Buchteil - "Triumph und Tragik" - manche alten Partei-Schlachten von gestern noch einmal geschlagen.

Bahr sieht sich selbst als "Architekt" der Ostpolitik und Brandt als den "Baumeister". Wehners Kontakte zum DDR-Staats- und Parteichef Honecker wären "eine Art Hochverrat" gewesen, denn beide hätten nach dem Abschluss des deutsch-deutschen Grundlagenvertrags stets dafür sorgen wollen, "dass die deutsche Teilung unbegrenzt erhalten blieb". Weil Wehner in der Guillaume-Affäre Brandt keine klare Unterstützung signalisiert habe, sei der Kanzler im Mai 1974 zurückgetreten. "Willy war ein Träumer mit Bodenhaftung, kein Ballonfahrer. Er verließ sich auf seinen inneren Kompass", resümiert Bahr und verteidigt eindrucksvoll den toten Freund gegen die einst unter Genossen beliebte "Willy Wolke"-Etikettierung.

RAINER BLASIUS

Egon Bahr: "Das musst du erzählen". Erinnerungen an Willy Brandt. Propyläen Verlag, Berlin 2013. 237 S., 19,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Egon Bahrs Buch "Das musst du erzählen!" über seine Erinnerungen als SPD-Ostpolitiker an der Seite Willy Brandts wäre sicherlich wohlwollend bis gleichmütig zur Kenntnis genommen worden, hätte Bahr darin nicht dem damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner Verrat vorgeworfen, vermutet Robert Leicht. Eine so schwere Anschuldigung will der Rezensent aber nicht unhinterfragt lassen, und seine Recherchen widersprechen Bahrs Version der Geschichte vollkommen, berichtet er. Weder war Wehner ein Freund Honeckers, noch arbeitete er gegen die Wiedervereinigung, seine Reise in die DDR unternahm er auf Geheiß Willy Brandts, der seinerseits dafür gesorgt hat, dass Wehner bei seiner Rückkehr von Journalisten in Empfang genommen wurde, erklärt Leicht. Ja, Wehner war gegen eine erneute Kanzlerschaft Brandts und mancher mag sein Vorgehen in dieser Sache brutal finden, weiß der Rezensent, Verrat - oder gar Hochverrat - kann ihm aber niemand vorwerfen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 30.04.2013
Aufgewärmt und nachgewürzt
Wichtig für die Zeitgeschichte: Egon Bahrs neues Buch ist eine geniale Dublette seiner schon 1996
publizierten Erinnerungen. Aber sein Urteil über Herbert Wehner fällt heute noch schärfer aus als früher
VON HARTMUT PALMER
Egon Bahr denkt druckreif, spricht druckreif und schreibt druckreif. Außerdem verfügt der 91 Jahre alte SPD-Politiker über ein phänomenales Gedächtnis, das ihn zu außerordentlichen Leistungen befähigt. Er kann auswendig und ohne Notizzettel den Verlauf eines Gespräches rekonstruieren, das er irgendwann in seinem langen Leben – beispielsweise Anfang der 70er-Jahre als Berater und Abgesandter seines Freundes Willy Brandt in Moskau oder Ost-Berlin – geführt hat. Nie würde er einen von ihm schon einmal erzählten Witz, eine Szene, eine Anekdote oder einen komplizierten politischen Prozess anders schildern als beim ersten Mal.
  Dies erklärt vielleicht, warum Egon Bahr das Kunststück fertigbringen konnte, ein Buch, das er schon vor 17 Jahren geschrieben hat, ein zweites Mal zu schreiben. Fast alle Szenen, Anekdoten oder politischen Prozesse, die er in seinen „Erinnerungen an Willy Brandt“ erzählt, sind auch – und zwar wortwörtlich – in dem Buch „Zu meiner Zeit“ zu finden, das 1996 erschien.
  Wären der Bahr des Jahres 1996 und der des Jahres 2013 verschiedene Personen, müsste man von einem Plagiat sprechen. Aber Bahr hat nicht von Bahr abgeschrieben. Er hat das, was er als engster Berater und politischer Weggefährte Willy Brandts mit diesem erlebte, nur noch einmal erzählt. Und dies so gekonnt, dass bisher kaum jemand die ebenso freche wie geniale Dublette bemerkt hat.
  Neu, weil bisher von ihm noch nicht aufgeschrieben, ist eigentlich nur die eine, sehr anrührende Episode, die Bahr seinem neuen Buch voranstellt. Sie handelt von seinem letzten Besuch am Totenbett von Willy Brandt und von einem Brief, den er eine Woche später von Lars Brandt bekam. Er habe sich, schrieb der Sohn, von seinem Vater, wie es sich gehöre, verabschiedet und zuletzt, schon an der Tür, noch gefragt: „Wer waren deine Freunde?“ Willy habe geantwortet: „Egon“. Bahr: „Das ermutigt mich, zwanzig Jahre danach, zu dem Versuch, die Summe meiner Erinnerungen zu erzählen“ – „noch einmal zu erzählen“ wäre wohl richtiger gewesen und hätte dem Buch nichts von seinem Reiz genommen.
  Denn schreiben und formulieren kann der einstige Journalist. Seine Erinnerungen sind präzise. Und an seiner Einschätzung der damals handelnden Personen hat sich im Prinzip nichts geändert. Nur sind einige Urteile in der Neufassung noch schärfer ausgefallen als früher. Das gilt vor allem für das spannendste und immer noch aufregendste Kapitel in beiden Büchern, das von Herbert Wehner handelt. Da hat Bahr nicht nur aufgewärmt, was er schon 1996 zu Papier gebracht hat. Er hat auch noch gehörig nachgewürzt.
  Schon vor 17 Jahren hatte er die Rolle des einst als Zuchtmeister gefürchteten Ex-Kommunisten Wehner als dubios und rätselhaft beschrieben. Wehners heftige Kritik an Brandt („Der Herr badet gern lau“), die der SPD-Fraktionschef 1973 ausgerechnet bei einem Besuch in Moskau äußerte, hatte das schwelende Zerwürfnis öffentlich gemacht. Auch in seinem ersten Buch beschreibt Bahr den SPD-Granden als einen Komplizen Erich Honeckers. Hinter dem Rücken des Kanzlers habe der versucht, Einfluss auf die innerdeutschen Verhandlungen zu nehmen, Brandts Unterhändler Bahr auszuschalten und sich selbst als direkten Ansprechpartner des DDR-Staatsratsvorsitzenden zu etablieren.
  Diese Einschätzung findet sich auch in dem neuen Buch wieder, nur schärfer: Wehner und Honecker hätten, jeder aus seinen eigenen Gründen, ein Interesse daran gehabt, den Status quo zu zementieren. Wehners „Konzept lief daraus hinaus, mit Honecker dafür zu sorgen, dass die deutsche Teilung unbegrenzt erhalten blieb“.
  „War das Verrat?“, fragte Bahr schon 1996. „Nicht am Land, wohl aber an Brandt!“, lautete damals seine Antwort. Mit Honecker habe Wehner, so liest es sich jetzt, seit Anfang 1973 das „begonnen, was als eine Art Hochverrat endete“. Gemeint ist damit der – nur vordergründig durch die Enttarnung des Kanzlerspions Günter Guillaume ausgelöste – Rücktritt des Kanzlers Brandt im Mai 1974, ein Schritt, der nach Meinung Bahrs vermeidbar gewesen wäre, zu dem er aber von Wehner – so jedenfalls steht es zwischen den Zeilen – gezielt und planmäßig gedrängt wurde. Bahrs Fazit: Wehner habe „mit der anderen Seite gearbeitet, nicht für die andere Seite“ (1996). Wehner „arbeitete mit der anderen Seite – nicht für sie, sondern für sich“ (2013).
  Nachdem Brandt im Mai 1974 zurückgetreten war, überreichte ihm Wehner im Bonner Fraktionssaal der SPD einen Strauß Rosen. „Wir alle lieben dich!“, schrie er in den Saal, und da in diesem Moment die Fraktionstüren aufsprangen, sahen die draußen wartenden Journalisten den bitterlich weinenden Egon Bahr. Er habe nicht über den Rücktritt geweint, stellt Bahr rückblickend klar, sondern über den Abgrund an Verrat, in den er damals blickte. Wehners Treueschwüre erschienen ihm ähnlich bodenlos wie Jahrzehnte später das fast gleichlautende Bekenntnis „Ich liebe euch alle“ des Stasi-Chefs Erich Mielke.
  Auch Bahrs Erinnerungsbuch liest sich wie eine Liebeserklärung an den 1992 verstorbenen Freund, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Aber sie ist echt. Der Autor bemüht sich nicht um Objektivität. Er schildert die Vorgänge so, wie er sie erlebt hat. Das macht den Reiz dieses Buches aus. Es bringt Kennern und Historikern zwar nichts Neues. Aber es bietet dem heutigen Publikum faszinierende Einblicke in eine längst vergangene Zeit.
Egon Bahr : „Das musst du erzählen“. Erinnerungen an Willy Brandt. Propyläen, Berlin 2013. 237 Seiten, 19,99 Euro.
Hartmut Palmer arbeitete lange beim Spiegel . Heute ist er politischer Chefkorrespondent bei Cicero .
Wer sind deine Freunde?,
fragte Lars Brandt seinen Vater.
Willy Brandt antwortete: Egon
Genossentreffen in vergangener Zeit. Von links oben im Uhrzeigersinn: Oskar Lafontaine, Björn Engholm, Hans-Ulrich Klose und Hans-Jochen Vogel. Und auf der linken Seite kringelt Willy Brandt sich vor Lachen: Mit Besserwissern hatte er nichts am Hut. Das meint auch Egon Bahr: Brandt habe das meiste selbst am besten gewusst.
ZEICHNUNG: HADERER
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"Egon Bahrs neues Buch ist genial. Es liefert faszinierende Einblicke in eine längst vergangene Zeit.", Süddeutsche Zeitung, Hartmut Palmer, 30.04.2013