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Benutzername: Karl-Heinz List
Wohnort: Prezelle
Über mich: Ich habe viele Jahre als Personalleiter gearbeitet und mich danach als Personal- und Outplacementberater selbständig gemacht. Ich habe Bücher geschrieben über Themen, die ich von meiner beruflichen Arbeit her kenne: Personalauswahl, Beurteilung, Outplacement, Arbeitszeugnise, Sprache im Beruf. Jetzt arbeite ich als Seminarleiter und freier Autor. www.list-freierautor.de
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Bewertungen

Insgesamt 22 Bewertungen
Bewertung vom 19.01.2018
Wie wollen wir leben?
Bieri, Peter

Wie wollen wir leben?


sehr gut

Das Buch enthält den Text von drei Vorlesungen, die der Autor im Frühjahr 2011 an der Akademie in Graz gehalten hat. Seine erste Vorlesung trägt den Titel: "Was wäre ein selbstbestimmtes Leben?" Bieri benutzt nicht den Indikativ "Was ist...? Das impliziert, dass es nach Meinung des Autors nicht nur eine Möglichkeit für ein selbstbestimmtes Leben gibt.
Hier ein paar Kerngedanken in Zitaten:

* Wir möchten nicht, dass uns jemand vorschreibt, was wir zu denken, zu sagen und zu tun haben.

* Selbstbestimmt ist unser Leben, wenn es uns gelingt, es innen und außen in Einklang mit unserem Selbstbild zu leben - wenn es uns gelingt, im Handeln, im Denken, Fühlen und Wollen der zu sein, der wir sein möchten. Und umgekehrt. Die Selbstbestimmung gerät an die Grenzen oder scheitert ganz, wenn zwischen Selbstbild und Wirklichkeit eine Kluft bleibt.

* Jedes Leben ist viel reicher an Gedanken, Gefühlen und Phantasien, als die äußere Biografie zeigt. Und auch, als die innere, bewusste Biografie zeigt.

Zur Sprache des Autors: Es ist der trockene und blasse Vorlesungsstil, der hier beibehalten wird. Schade! Es sind gute Sätze, die nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt sind. Dem Text fehlen die roten Backen.

Fazit: Ein lesenswertes Buch!

Bewertung vom 26.11.2015
Gewaltfreie Kommunikation für Dummies
Weckert, Al

Gewaltfreie Kommunikation für Dummies


gut

Wenn wir die Welt ändern wollen, müssen wir einfühlsam und gewaltfrei kommunizieren, sagt der amerikanische Wissenchaftler Marshall Rosenberg (Nonviolent Communication – A Language of Compassion. Deutsch: Gewaltfreie Kommunikation, erschienen bei Junfermann 2012 in der 10. Auflage). Moralische Urteile sind für Rosenberg „ein Muster lebensentfremder Kommunikation“. Unsere Wünsche in Form von Forderungen zu vermitteln sei ein weiteres Merkmal einer Sprache, die Einfühlsamkeit blockiert. Man müsse Beobachtung und Bewertung auseinander halten. Nicht: Er ist ein Schwätzer, sondern: Er redet ohne Punkt und Komma. Rosenberg plädiert für eine Erweiterung unseres Gefühlwortschatzes. Wie fühle ich mich, wenn ich eine Handlung beobachte: Verletzt, erschrocken, froh oder wie?

Der Autor stellt ein Trainingskonzept vor, anschaulich, mit Übungen und Rollenspielen, die er in seinen Seminaren erprobt hat. Dabei holt er weit aus. Er kommt auf die Bedürfnispyramide von Maslow zu sprechen, auf die Matrix von Max-Neef und streift kurz die Theory of Mind und die Spiegelneuronen. Am Schluss gibt es noch Tipps des Autors für eine gelungene Erziehung, Werbung für sein 3-tägiges Seminar, außerdem zeigt er den Lesern den „Weg zum Trainer der Gewaltfreien Kommunikation“.
So füllt man ein Buch mit 311 Seiten. Von Carl Rogers, dem Lehrer Rosenbergs, ist in diesem Buch nicht die Rede. Rosenberg hat immerhin weitgehend die Humanistische Grundhaltung Rogers übernommen: Empathie (bei Rogers „einfühlendes Verstehen), glaubwürdiges und authentisches Auftreten (bei Rogers „Echtsein“) sowie Wertschätzung
.
KRITIK
Das Konzept Rosenbergs wird nicht nur positiv, sondern zum Teil enthusiastisch dargestellt. Eine Reflexion findet nicht. statt.

FAZIT
Trainer, die das Rosenberg-Konzept kennenlernen möchten, werden hier gut bedient. Allen anderen empfehle ich die deutsche Ausgabe >Gewaltfreie Kommunkation< von Marshall Rosenberg.

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Bewertung vom 10.09.2015
»Das musst du erzählen«
Bahr, Egon

»Das musst du erzählen«


ausgezeichnet

Als politisch interessierter Zeitgenosse und und Leser von Zeitungen und Magazinen war ich über die Zeit, die Bahr beschreibt, informiert. Die Perspektive eines Insiders und Poltik-Gestalters kennen zu lernen, war erhellend und spannend zugleich. Beeindruckt hat mich Bahr durch seinen schnörkellosen, verständlichen Stil. Die menschliche Seite kommt bei Bahr nicht zu kurz. Er klammert Gefühle nicht aus. Chapeau!

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Bewertung vom 10.10.2014
Die Kunst der kleinen Lösung
Henning, Klaus

Die Kunst der kleinen Lösung


sehr gut

Der Autor hat für das Meistern von Komplexität die Metapher >kleine Lösung< gewählt. Anhand von Beispielen aus seiner Arbeit als Hochschullehrer und später als Organisationsberater zeigt er, dass die kleine Lösung wirksamer ist als der große Wurf. Die kleine Lösung, so der Autor, ist keine einfache Lösung. Man muss darauf achten, Komplexität und Dynamik insgesamt zu erfassen und
dabei nicht den Fehler machen, Details zu ignorieren. Das Ziel sei, die kleinste Lösung mit dem größten Effekt zu wählen. Wie bahne ich mir einen Weg durch das Chaos? Der Autor spricht aus Erfahrung. Seine Beispiele sind nicht nur Erfolgsgeschichten. Zwei Beispiele:

(1) Das kalte Mittagessen

In einer Universitätsklinik beschweren sich die Patienten, dass das Mittagessen ständig kalt sei. Um dieses Problem zu lösen, liegt der Klinikleitung ein Angebot vor, eine Software einzusetzen, Kosten 300.000 EURO. Bevor man sich für diese Lösung entscheidet, schaltet die Klinik ein Beratungsunternehmen ein, für das der Autor arbeitet. Die Berater sollen eine Antwort finden auf die Frage: Warum ist das Essen kalt, wenn es bei den Patienten ankommt? Diese Frage diskutierte das Beratergremium und kam recht schnell auf eine einfache Lösung. Man ließ an die Essen-Containern einen Aufkleber anbringen:

* Ende der Kochzeit: xxxx Uhr
* Das Essen ist 45 Minuten warm.

Von der Wirksamkeit dieser Idee waren auch die Berater überrascht. Schlagartig kam das Essen warm auf die Teller. Warum? Ärzte verschoben Untersuchungen und Visiten, Krankenschwestern ihre Mittagspause. Schlussfolgerungen des Autors: Die Menschen einbinden und zu Mitgestaltern machen.

(2) Der Flop

Der Autor beschreibt ein Projekt, das er als Lehrstuhlinhaber bei der Technischen Hochschule Aachen zusammen mit Forschungsinstituten der Hochschule und Unternehmen zehn Jahre lang bearbeitet hat. Man hatte eine Vision: Es war die Idee vom vollautomatischen Güterverkehr, der nicht auf der Schiene, sondern auf der Straße umgesetzt werden sollte. Dies war ein Teil der Privativsierungspläne der Bahn und erklärtes Ziel der Politik.
Das Projekt scheiterte bereits im Versuchsstadium kläglich.

FAZIT

Ein ehrliches Buch, verständlich geschrieben. Selbst erfahrene Führungskräfte und Berater bekommen in diesem Buch Anregungen für ihre Arbeit.

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Bewertung vom 04.10.2014
Kommunikation als Lebenskunst
Pörksen, Bernhard; Schulz von Thun, Friedemann

Kommunikation als Lebenskunst


ausgezeichnet

Dieses Buch ist ein Dialog zwischen dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen (Jahrgang 1969) und dem Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun (Jahrgang 1944) über die Theorie und Praxis des Kommunikationsmodell Schulz von Thuns. Die beiden diskutieren über das Kommunikationsquadrat, die Verständlichkeitsforschung, das Wertequadrat, das innere Team und das Ideal der wesensgemäßen und situationsgerechten Stimmigkeit. Im zweiten Schritt werden die konkreten Fragen der Anwendung erörtert, an den Beispielen Führungskräfte-Coaching und Pädagogen-Ausbildung. Im dritten Schritt geht es um die "letzten Fragen", u.a. um "das Problem des Todes aus der Sicht einer Kommunikationssphilosophie."

Maximale und optimale Authentizität

Bei Carl Rogers, dem Begründer der Gesprächspsychotherapie, gehört "Echtsein" neben dem "einfühlenden Verstehen" und der "Wertschätzung" zur Grundhaltung, die jeder Kommunikation förderlich sei und zwischenmenschliche Beziehungen positiv beeinflusse. Rogers spricht von Kongruenz und meint damit die Übereinstimmung zwischen drei Bereichen der Persönlichkeit: Was ich fühle (Erleben), was ich davon bewusst mitbekomme (Bewusstheit) und was ich davon mitteile (Kommunikation).

Schulz von Thun bekennt sich zu den Grundwerten der Humanistischen Psychologie, zu deren Apologeten auch Carl Rogers gehört: Der Glaube an das Gute und der Glaube an das Echte. Von der totalen Authentizität Rogers ist Schulz vonThun inzwischen abgerückt. Er folgt heute Ruth Cohn, der Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI), die von "selektiver Authentizität" spricht: "Nicht alles, was echt ist, will ich sagen, doch was ich sage, soll echt sein."

Auf die Fragen von Pörksen gibt Schulz von Thun ehrliche Antworten. Schulz von Thun ist ein sympatischer Idealist, der versöhnlich ist und keinen Streit mag. Wer Schulz von Thun schon einmal persönlich in einem Seminar oder in einer Vorlesung erlebt hat, ist beindruckt von seiner Beredsamkeit und seinem Talent, die Zuhörer für sich einzunehmen.

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Bewertung vom 12.01.2014
Geben und Nehmen
Grant, Adam

Geben und Nehmen


sehr gut

Der Autor unterscheidet zwischen Gebern und Nehmern.

GEBER

In der Arbeitswelt sind Geber eher selten, so der Autor. Geber ziehen es vor, mehr zu geben als zu bekommen. Sie helfen anderen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten.Geber teilen ihre Kraft, ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten, Ideen und Kontakte großzügig mit anderen Menschen, die davon profitieren können.

Geber räumen diesen Werten den Vorrang ein:

- Verantwortung
- Verlässlichkeit
- Soziale Gerechtigkeit (sich um Benachteiligte kümmern)
- Mitgefühl (auf den Bedürfnisse anderer eingehen.

NEHMER

Nehmer möchten mehr bekommen als sie geben. Sie sorgen dafür, dass sich die Gegenseitigkeitswaage zu ihren Gunsten neigt, indem sie ihre eigenen Interessen über die Bedürfnisse anderer stellen. Nehmer glauben, dass die Welt von Konkurrenz geprägt ist und jeder nur an sich selber denkt.

Nehmer bevorzugen diese Werte:

- Reichtum (Geld, Besitz)
- Macht (Dominanz, Herrschaft über andere)
- Vergnügen (das Leben genießen)
- Siegen (besser sein als andere)

TAUSCHER

Es gibt noch eine dritte Kategorie: Die Tauscher. Am Arbeitsplatz verhalten sich nur wenige von uns ausschließlich als Geber oder Nehmer, eher schon nach dem dritten Verhaltensmuster. Tauscher streben nach einem Gleichgewichtvon Geben und Nehmen. Sie orientieren sich am Prinzip Fairness: Wie du mir, so ich dir.

WISSENSCHAFTLICHE STUDIEN

Der Autor bezieht sich bei seinen Erkenntnissen hauptsächlich auf Studien, Erhebungen und Erfolgschichten von Gebern: Auf Unternehmer, Finanzberater oder Drehbuchautoren. Eigene Erfahrungen aus der Arbeitswelt hat er so gut wie keine, wenn man einmal von seiner wissenschaftlichen Laufbahn absieht. Adam Grant hat bei seinen Studien herausgefunden, das sich GEBER was ihre Produktivität angeht am unteren Ende der Erfolgsskala befinden. Das überrascht nicht. Überraschend dagegen ist, dass am oberen Ende der Erfolgsskala ausschließlich GEBER sind. Nehmer und Tauscherl landen in der Mitte.
Auch andere Studien bestätigen das, zum Beispiel bei Verkaufspersonal. Die unproduktivsten Mitarbeiter hatten um 25% höhere Geber-Werte als der Durchschnitt. Doch dieser Wert traf auch auf die produktivsten Mitarbeiter zu. Die beste Leistung erbrachten GEBER: Im Durchschnitt 50% mehr Jahresumsatz als die NEHMER und TAUSCHER zusammen.

Warum ist das so? GEBER müssen weder besonders nett noch selbstlos sein. Sie erreichen ihre Ziele nur auf eine andere Art und Weise. Der Erfolg von GEBERN , so der Autor, erzeugt einen Welleneffekt, der den Erfolg der Menschen in ihrer näheren Umgebebung stärkt. Der Erfolg muss demnach nicht auf Kosten anderer gehen. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ist typisch für die erfolgreichen GEBER.

Auch GEBER scheitern

Der Autor weist auf drei große Fallen hin. Manche GEBER sind

- zu vertrauensvoll
- zu einfühlsam
- zu schüchtern.

Außerdem gibt es auch unverträgliche GEBER.

Der Autor plädiert für ein großzügiges Tit-for-Tat-Verhalten, eine klare Tauschstrategie: Zuerst wird kooperiert, bis der Partner konkurriert. Dann passt man sein Verhalten an und konkurriert ebenfalls.
Das sei eine extrem erfolgreiche Form des Tauschens, meint der Autor.

FAZIT

Alles in allem ein interessanter Ansatz, den Adam Grant vertritt. Was will der Autor? Geben ist seliger denn nehmen? Nein. Der Autor vefolgt kein moralisches Ziel. Sein Ziel ist der beste Weg zum Erfolg in einer Wettbewerbsgesellschaft.

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Bewertung vom 12.01.2014
Jagen, Sex und Tiere essen
Asche, Florian

Jagen, Sex und Tiere essen


weniger gut

Der Inhalt des Buch lässt sich in zwei Sätzen sagen, die vom Autor selbst stammen:

"Sex haben wir, weil es uns Lust und Genuss bereitet. Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet."

Der Autor bezeichnet sich als Archaiker. Für ihn gebe es keine strenge Grenze zwischen Sex, Jagd und Tod. Das sei im in unserem Wesen angelegt, das zeige die Trieblehre Sigmund Freuds. Der Sextrieb und der Jagdtrieb, so der Autor, sind auf Befriedigung ausgerichtet, die Jagd auf die Beute, der Sex auf Orgasmus. Er spricht vom Gelingen des Gesamtkunstwerk unserer Lust auf der Jagd und im Bett. Er begeistert sich für das Anarchische der Leidenschaft, wie es schon Ernest Hemingway empfand, der die archaische Konsequenz zog und sich das Leben nahm. So weit will Asche für sich dann doch nicht gehen.

Das sind ganz neue Töne, wie man sie von Jägern nicht gewohnt sind. Bisher war immer die Rede von der Liebe zur Natur, von Hege und Pflege oder von der Lust zu töten, wie der Jäger und Autor Paul Müller freimütig gesteht.(Die Zukunft der Jagd und die Jäger der Zukunft, 2009)

Der Auror Florian Asche holt weit aus, um seine „Theorie“ zu begründen. Er bemüht die griechische Mythologie, ARTEMIS, die Göttin der Jagd. Sie verkörpere das Prinzip der Natur. ARTEMIS sei das Leben selbst, die Grundlage des menschlichen Seins, ebenso wie die Jagd.

Der Autor ist auf der Höhe der Zeit. Er kennt sich aus mit den Erkenntnissen der Hirnforschung und stellt die entscheidende Frage: Was läuft im Gehirn ab, bei der Anmache und beim Sex? Und was auf dem Hochsitz und beim Abschuss eines Bocks? Er kommt zum Egebnis: "... unter neurologischen Gesichtspunkten gleichen sich Jagd und Sex."

Fazit: Der Autor träumt von der Rückkehr des Archaischen.

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Bewertung vom 23.02.2012
Verrückt bleiben!
Buschheuer, Else

Verrückt bleiben!


sehr gut

Anything goes! Das war auch das Motto des Philosophen Paul Feyerabend. Die Autorin schöpft aus ihrer eigenen Lebenserfahrung und plädiert für ein selbstbestimmtes Leben. Die Maxime der Aufklärung "Saupe aude!": Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen heißt bei Else Buschheuer: Selber denken! Riskieren Sie Irrtümer, machen Sie Fehler. Die Schwarmintelligenz ist ihr verhasst.

Die Rheinländer sagen: Jeder Jeck ist anders. Ihre Art des Ver-rückt-seins hat etwas Sympatisches. Doch um nicht Mainstream zu sein, muss man nicht unbedingt 20x umziehen wie Else Buschheuer. Man muss auch nicht dem amerikanischen Glauben verfallen sein, dass jeder Mensch alle Möglichkeiten habe, er müsse sie nur nutzen. Doch mehr Buschheuers wäre schon wünschenswert.

Ein lesenswertes Buch!

Bewertung vom 14.02.2012
Bewerbermagnet
Haitzer, Axel

Bewerbermagnet


gut

Das im Selbstverlag erschienene Buch ist eine Ideensammlung. Der Autor hat das Online-Unternehmen brainfloor.com beauftragt, Ideen zu liefern zum Thema „Personalmarketing.“ Eintausendzweihundert Ideengeber haben eine Antwort gegeben auf die Frage

„Was macht einen Arbeitgeber zum Bewerbermagnet?“

Ein zwölfköpfiges Gremium hat eine Auswahl getroffen: 365 Antworten wurden in diesem Buch veröffentlicht.
Der Autor hat auch selbst ergänzende Texte zum Thema beigetragen, wie diesen Satz:

Die Tage der PersonalVERWALTER sind gezählt. Heute sind PersonalMARKETER gefragt, die aktiv neue Zielgruppen ansprechen.

Personalverwalter gibt es schon lange nicht mehr. Ein MARKETER vermarktet ein Produkt oder eine Dienstleistung. Und ein Personalprofi macht sich Gedanken, wie er gutes Personal findet, trotz Fachkräftemangels.
Auch der Autor befasst sich damit und stellt die Frage:

Was ist die beste Strategie gegen den drohenden Fachkräftemangel?

Seine Antwort:

Es gibt weder einen Fachkräfte- noch einen Kundenmangel. Jeder, der interessante Aufgaben in adäquatem Umfeld zu erledigen hat, fair bezahlt und dies professionell kommuniziert, findet qualifizierte und motivierte Mitarbeiter:

Das sind die einfachen Wahrheiten. Schade nur, dass die Unternehmen nicht nur interessante Arbeit zu vergeben haben.

Hier die Kernpunkte des Konzepts, das der Autor vertritt:

1) Kollektive Intelligenz

Der Autor und sein Ideenlieferant Marcus Berthold sprechen von der Überlegenheit der kollektive Intelligenz und haben sich Wikipedia zum Vorbild genommen. Berthold hält Wikipedia für „das schlaueste Nachschlagewerk überhaupt.“

Wer schon einmal einen Beitrag bei Wikipedia eingestellt hat über ein Thema, von dem er sehr viel versteht, wird dem wohl kaum zustimmen. Alle Nutzer, die nachts nicht schlafen können, zerrupfen den Text, löschen und ergänzen nach Belieben. Sie wissen es einfach besser. Das Ergebnis ist dann höchstens Mittelmaß. Ich glaube nicht an die Weisheit der Massen.

2. Neue Ideen oder alte Hüte?

Von den meisten der 365 Ideen habe ich schon gehört oder gelesen, in Fachzeitschriften, Tages- und Wochenzeitungen, in Internetportalen, auf Seminaren oder bei meiner Arbeit als Personalleiter und Berater. Was mit vielen Ideen vorgeschlagen wird, gibt es bereits in der Praxis, wie zum Beispiel Teilzeit-Manager, familienfreundliche Arbeitsplätze, jährlicher Betriebsausflug, Bio-Essen in der Kantine, flexible Arbeitszeiten oder flache Hierarchien.

Doch es gibt auch Vorschläge, die sich neu anhören:

- Lach- und Humortraining für Manager und Mitarbeiter
- Toiletten, die Wellness-Oasen gleichen
- Startbudget für die persönliche Ausstattung des Arbeitsplatzes
- Schlafmöbel für ein Nickerchen

Solche Vorschläge werden Unternehmen mit Humor aufnehmen und sich deshalb ein Lachtraining sparen können

Bleibt noch die Frage: Für wen hat der Autor das Buch geschrieben? Für Personalprofis? Nein, dafür ist die Ausbeute viel zu gering. Dann schon eher für Berufseinsteiger und Unternehmensgründer.