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Ein heißer Sommer. Vier Jungs in den Hochhausschluchten der Großstadt. Eine folgenschwere Entscheidung. In seinem von der Kritik gefeierten Debütroman erzählt Felix Lobrecht in schnellen Dialogen voller Witz eine Geschichte mitten aus der sozialen Realität der Häuserblocks, wo Gewalt und Langeweile den Alltag prägen. Ein Roman, "irgendwo zwischen Tschick und Victoria" (Jacqueline Thör, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)…mehr

Produktbeschreibung
Ein heißer Sommer. Vier Jungs in den Hochhausschluchten der Großstadt. Eine folgenschwere Entscheidung.
In seinem von der Kritik gefeierten Debütroman erzählt Felix Lobrecht in schnellen Dialogen voller Witz eine Geschichte mitten aus der sozialen Realität der Häuserblocks, wo Gewalt und Langeweile den Alltag prägen. Ein Roman, "irgendwo zwischen Tschick und Victoria" (Jacqueline Thör, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
  • Produktdetails
  • Ullstein Taschenbuch .29058
  • Verlag: Ullstein Tb
  • Seitenzahl: 221
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Erscheinungstermin: 8. Juni 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 122mm x 22mm
  • Gewicht: 211g
  • ISBN-13: 9783548290584
  • ISBN-10: 3548290582
  • Artikelnr.: 50020259
Autorenporträt
Lobrecht,
Felix Lobrecht, geboren 1988, wuchs mit zwei Geschwistern bei seinem alleinerziehenden Vater in Berlin-Neukölln auf. Er ist Autor, Stand-Up-Comedian und einer der erfolgreichsten Slampoeten.
Rezensionen
„Dass Lobrecht […] nicht ausschließlich witzig sein will, sondern in die sozialen Abgründe von Langeweile, Gewalt, Alkohol und Drogen blickt, ist die große Stärke dieses unterhaltsamen Coming-of-Age-Romans.“, Deutschlandfunk, Florian-Felix Weyh, 15.04.2017
Besprechung von 08.04.2017
Ich schwör
Ob im Kindergartenkiez, unter Managern
oder in Hochhausschluchten – Berlin braucht
neue Geschichten: Hier sind sie
FELIX LOBRECHT
VON JENS BISKY
Der Kerl ist schon so lange antriebslos, dass ihn kein Gezicke und Gemecker dazu bewegen wird, „von seinem inneren Sofa“ herunterzusteigen. Warum auch sollte er, Till, das tun, es läuft doch nicht schlecht. Seine Marlies verdient mit ihren Artikeln für ein Familienblatt leidlich, er kümmert sich morgens um Tochter und Sohn und haut sich dann aufs Sofa, bis er abends als Auswechselgitarrist in einem Musical-Theater zum Einsatz kommt. Marlies freilich vermisst Leben, Intensität, Abenteuer.
Eva Sichelschmidt lässt das Paar in ihrem ersten Roman –„Die Ruhe weg“ – das ganze Missvergnügen der mittleren Jahre durchleben und einige kleine Fluchten erproben, eine Affäre mit dem Yoga-Lehrer und einen neuen Job im Ausland, Psychotherapie, Angeln. Freundinnen werden zugetextet, Freunde schimpfen, man verliert auch mal die Kinder aus den Augen. Das sind sehr bewährte Formen der Krisenbewältigung, die aber, wie Sichelschmidt gekonnt und witzig vorführt, immer neue und sehr viel dramatischere Krisen heraufbeschwören.
Die Grundenttäuschung lässt sich nicht wegreden. Marlies findet ihren Till trotz grauer Strähnen, Bauchansatz und Fältchen um die Augen zwar noch hübsch, aber nicht mehr sexy. Nur manchmal und nur bei genauem Hinsehen ist in dem ein Meter neunzig hohen Schlaffi noch der Rockgitarrist von einst zu erkennen.
So denken derzeit viele Berliner über den Zustand, in dem sie halb begeistert, halb enttäuscht hausen: sieht noch aus wie Berlin, ist nett hier, aber sexy wirkt die Stadt in aller aufgedrehten Antriebslosigkeit beim besten Willen nicht.
Die Midlife-Crisis des Paares spielt im Milieu des Neu-Berliner Kreativ-Kleinbürgertums. Einen Großteil ihrer treffenden Pointen gewinnt Eva Sichelschmidt aus dem Problem, das die lebenshungrige Marlies mit der Stadt hat. Im Kiez, in dem die beiden mit dem Geld der Eltern ein kleines, modern ausgebautes Dachgeschoss kaufen konnten, hat „ältliche Jugend“ die Hoheit übernommen, die „Generation Stiftung Warentest“. „Okay“, weiß Marlies, „der Rock’n’Roll war schon länger tot, auch sie hatte ihn nur noch von hinten gesehen, aber dass es diesen Nachgeborenen gelingen würde, auch noch in rasanter Geschwindigkeit sein Grab aufzulösen, das überraschte sie dann doch.“
In den fernen Neunzigern, als der Hauptstadtumzug bevorstand und die ersten Pioniere der wilden Jahre nach dem Mauerfall anfingen, Veteranengeschichten zu erzählen, hofften manche auf einen neuen Balzac, der die Geschäfte und Seilschaften, die Illusionen und Karrieren schildern, die Generation Berlin in Gesellschaftsromanen auftreten lassen würde. Daraus ist nicht viel geworden. Die Gründe dafür liegen auch in der Eigenart der Stadt. Wo hätte ein Nachfolger Balzacs seine Rastignacs hernehmen sollen, die Genies des Ehrgeizes und der Rücksichtslosigkeit? Die meisten kamen doch, um weniger Konkurrenz, weniger Stress zu spüren, um auch mal Ruhe zu haben. Das klassische Berliner Karrieremuster hat wenig mit sozialem Aufstieg zu tun. Und für den Berliner Alltag sind Vorstellungen von so etwas wie Gesellschaft nicht besonders relevant. Stress, Konflikte und damit Geschichten entstehen manchmal aus dem Zusammentreffen verschiedener Milieus, meist aber innerhalb derselben. Sie wandeln sich sehr schnell und versprechen keine Geborgenheit. Das kann nicht verwundern, jeder Zweite ist neu in der Stadt, erst nach dem Mauerfall hergezogen.
Im vergangenen Jahr hat Gerhard Falkner mit „Apollokalypse“ noch einmal das Ganze der Stadt vergegenwärtigt. Das setzte die für alle mehr oder weniger prägende Ordnung des Kalten Krieges voraus. Die interessanten Berlin-Geschichten der Gegenwart zielen nicht aufs Totale, sondern erkunden ein Milieu oder einen Kiez, wie zuletzt Johannes Ehrmann den Wedding in „Großer Bruder Zorn“.
Eva Sichelschmidt betreibt in Berlin das Geschäft „Whisky & Cigars“, sie ist Repräsentantin des Auktionshauses Grisebach und, wie der Klappentext mitteilt, mit dem Dichter Durs Grünbein verheiratet. Wer „Die Ruhe weg“ gelesen hat, wird danach beim Gang durch die „Kindergartenkieze“ des Prenzlauer Berg stets an Midlife-Crisis denken, in den Hausfluren und Dachgeschossen intelligente Frauen vermuten, die sich mit der Bequemlichkeit der Familienväter nicht abfinden wollen und doch dem elenden Komfort nicht entkommen können, ohne mehr zu zerstören als ihnen lieb ist. So anstrengend ist es also, wenn man nichts weiter vorhat, als das Leben optimal zu genießen. Für einen Neunanfang reist Marlies mit Tochter nach Rom, sie hätte auch einfach den Kiez wechseln können. Aber im Bötzowviertel liegt Italien viel näher als etwa die Gropiusstadt, die Neuköllner Großsiedlung, in der Imbisse und Dönerläden mit dem Namen des Bauhausarchitekten werben. Christiane F. ist dort aufgewachsen, in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ berichtet sie über das Ineinander von Tristesse und familiärer Gewalt.
Beides findet sich wieder in „Sonne und Beton“ von Felix Lobrecht. Vier Jungs, die eine Art Freundschaft verbindet, trinken, rauchen, werden geschlagen und prügeln sich. Ein Bruch in der Schule, die gerade mit neuen Computern ausgestattet wurde, verheißt ein paar tausend Euro für jeden.
Felix Lobrecht ist ein erfolgreicher Stand-up-Comedian. Er kann auf der Bühne berlinern, ohne Mario-Barth-artig peinlich zu wirken. Und er hat es geschafft, das Berlinische, dem man immer Schnelligkeit, Schlagfertigkeit nachgesagt hat, besonders langsam zu sprechen, als wolle er mit den Worten geizen. Lobrecht ist in Neukölln groß geworden. In einem Gespräch mit der Bezirksbürgermeisterin, Franziska Giffey, die „Sonne und Beton“ „echt, wahrhaftig, authentisch“ findet, erzählt er, dass sein Vater Christiane F. gekannt habe. Sein Roman einer Gropiusstadt-Jugend lebt vom Slang, einem jugendfreien Beton-Rap, dem die Jungs ihre lebensstabilisierenden Floskeln entnehmen: Ja, Dings, was geht; Schnauze, ja, Dings; ich schwör. „Du Opfer, ja. Guck mich an und kämpf wie ein Mann jetzt!“ „Alter Lukas, ey. Ich fick so was, ja … “
Vieles kommt vor: Gewalt, die Furcht, zum Opfer gemacht zu werden, Rassismus, Sprachlosigkeit. Eine Vorstellung vom Sozialen, von politisch adressierbaren Problemen ist damit nicht verbunden. Die Vier hängen fest in der Hölle der Immanenz, und wenn sie Geld haben, kaufen sie Kieztypisches. Ihr Schicksal scheint ein Naturereignis. Ist eben so.
Neben dem Kiez-Deutsch wirkt die Erzählerstimme des jungen Lukas bieder, daher wird es zwischen der eindrucksvollen Exposition und dem furiosen Finale etwas zäh. Aber dafür entschädigen Szenen wie die Aussprache mit dem Direktor, der mit Verachtung für „die ganzen Schwarzköpfe hier“ um das Vertrauen seines Schülers wirbt: „Dass hinter dem Einbruch irgendwelche Alis stecken, wissen wir beide, aber die werden nichts verraten, die halten zusammen. Und genauso müssen wir Deutschen auch zusammenhalten.“
Lobrecht befriedigt sogar das Leserbedürfnis nach Gerechtigkeit, und er tut dies gleich zweifach, einmal im Roman und dann mittels angehängter Zeitungsmeldung. Moral: Unrecht Gut gedeihet nicht.
Große Städte haben, schon aufgrund ihrer Undurchschaubarkeit, eine enge Beziehung zum Unheimlichen. Berliner Gespenstergeschichten erzählt der Dokumentarfilmregisseur Rudolph Herzog in seinem literarischen Debüt „Truggestalten“. Die sieben lose verknüpften, einander kommentierenden Geschichten spielen unter Hipstern und Managern, Künstlern und Sprachschülern, unter kosmopolitischen Existenzen und solchen, die sich frei wähnen. Aber dann belebt sich die Kreuzberger Wohnung, als wolle sie den Mieter vertreiben, oder Blutflecken tauchen auf oder eine abgehärmte, hagere Frau erteilt der Tochter eines sehr ambitionierten Geschäftsmannes Anweisungen. Die Helden dieser Geschichten fliegen um die ganze Welt. Sie könnten das Gefühl der Ungebundenheit genießen, wären da nicht die Gespenster der Vergangenheit, Leichen im Keller, Wiedergänger, Untote.
„Berlin war ein Tummelplatz von Ideologen mit Baukellen“: Herzog arbeitet topografisch genau, das Lesevergnügen verdoppelt sich, kennt man die Spuk-Straßen und ihr Image, verfolgt man die Bahnen seiner Helden auf dem Stadtplan. Das „Künstlerisch-Verruchte an Berlin“ und das architektonische Elend flackern im Zwielicht. Großstadtbewohner brauchen, wenn sie nicht urbanem Trug verfallen wollen, Gespenster-Kompetenz. Hier lernen sie, warum, wo einmal Gespenster waren, Normalität zum Ausnahmefall wird.
Dieser wo nötig effektbewusste, meist zurückhaltende Erzähler vermag sogar, was bisher weder Ingenieuren noch Reportern gelang. Er kann erklären, warum der Hauptstadt-Flughafen nicht fertig wird – und wohl nie fertig werden wird.
Okay, wo sind die
scheiß Computer?“,
sagt Sanchez.
„Nur Bücher, Bücher,
Bücher … Wozu
stehen hier so viele
Bücher, Alter?“
Eva Sichelschmidt:
Die Ruhe weg. Roman. Albrecht Knaus Verlag, München 2017. 320
Seiten, 19,99 Euro.
E-Book 15,99 Euro.
Der eine Ort, wo sich alle begegnen: Enttäuschte, Ehrgeizige, Abgehängte. Vielleicht auch Gespenster: Blick in die Berliner U-Bahn.
Foto: Regina Schmeken
Felix Lobrecht: Sonne
und Beton. Roman.
Ullstein Verlag, Berlin 2017. 224 Seiten, 18 Euro. E-Book 14,99 Euro.
Rudolph Herzog:
Truggestalten. Galiani
Verlag, Berlin 2017.
256 Seiten, 20 Euro.
E-Book 16,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 02.07.2017
Was guckt ihr so hässlich?
Vier Jungs, ein Einbruch und Neukölln im Sommer: Felix Lobrechts "Sonne und Beton"

Lukas, Julius, Gino und Sanchez brauchen neue Klamotten - oder wie Sanchez, der Deutsch-Kubaner, sagen würde: "Neue Shirts, neue Kette, allet." Sanchez hat auch schon einen Plan, wie die Neuköllner Jungs an einen Taschengeldzuschuss gelangen können - sie brechen in ihre Schule ein, stehlen ein paar Computer und verkaufen sie dann auf dem Schwarzmarkt. Julius und Gino sind auf Anhieb begeistert, nur Lukas zögert. Aber dann erklärt ihm Sanchez, dass auch er zwangsläufig eine neue Garderobe braucht, wenn er bei den "Frauen" landen will, und Lukas gibt nach: "Ja, fick drauf. Ich brauch wirklich neue Schuhe."

Also tun sie es. Aber hauen danach nicht mit einem Kleintransporter ab, wie man sich das bei einem Einbruch von dieser Größe so vorstellen würde: Ein paar kapuzentragende Halbwüchsige manövrieren einen klappernden Einkaufswagen, vollgepackt mit Computern und Bildschirmen, durchs nächtliche Neukölln.

Bis dahin liest sich Felix Lobrechts Roman "Sonne und Beton" seicht dahin. Aber dann werden die vier Jungs plötzlich von fünf Älteren entdeckt, und man rutscht hinein in ihre Geschichte und abwärts mit ihnen: "Was guckt ihr so hässlich?", brüllt einer der Jungs, "'pisst euch ma jetz!", ein anderer. Wenige Sekunden später fallen Schüsse.

"Sonne und Beton" fährt Achterbahn zwischen Komik und Ernst, das ist reizvoll und unterhaltsam, eine Coming-of-Age-Geschichte, wie man das heute so nennt: Aber schaut man genauer hin, hat Lobrecht einen bitteren Entwicklungsroman geschrieben. Über kleine Fische, die versuchen, bei den großen Haien mitzuschwimmen, aus einem Berlin, in dem vor allem die Jüngeren tagtäglich mit Armut, Gewalt, Rassismus und Sexismus konfrontiert werden. Aus einer Stadt, in der es selbst im Sommer nicht idyllisch wird.

So wie seine Figuren auf ihrer Flucht den Unebenheiten im Asphalt ausweichen, so umgeht Lobrecht Erzählpassagen - drei Viertel des Romans hat er mit direkter Rede gefüllt. Lobrecht ist eigentlich Stand-up-Comedian, hier wird er zum Dramatiker, die Dramaturgie ist klassisch, aber sicher, das Kiezdeutsch seiner Neuköllner Jugendlichen ist witzig und wirkt authentisch. Irgendwo zwischen Wolfgang Herrndorfs "Tschick" und Sebastian Schippers "Victoria" ist Lobrechts Geschichte zu Hause. Lukas erinnert an Maik, den Erzähler aus Herrndorfs Roman, der für die Jugendliteratur mittlerweile so etwas wie die "Odyssee" geworden ist. Aber was man bei Lukas für Vernunft hält, ist eigentlich Angst. "Sonne und Beton" ist am Ende dunkler als "Tschick", aber viel unschuldiger als Schippers Film, in dem drei junge Berliner und eine Spanierin eine Bank ausrauben: Die Schüsse, die bei Lobrecht fallen, stammen aus Julius' Schreckschusspistole.

Jacqueline Thör

Felix Lobrecht: "Sonne und Beton". Ullstein, 224 Seiten, 18 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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