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Rudolf Zacharias reist nach Berlin. Dort will der Dokumentarfilmer die Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag besuchen. Thomas Lehrs Roman spielt an einem Sommertag des Jahres 2011 - und zugleich in einem ganzen Jahrhundert. Denn in ihrer Ausstellung zieht Milena nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Mit sprachlicher Kraft werden historische Katastrophen neben die privaten Verwicklungen dreier Menschen gestellt, führen die Spuren von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin. Thomas Lehr entwickelt ein überwältigendes Fresko…mehr

Produktbeschreibung
Rudolf Zacharias reist nach Berlin. Dort will der Dokumentarfilmer die Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag besuchen. Thomas Lehrs Roman spielt an einem Sommertag des Jahres 2011 - und zugleich in einem ganzen Jahrhundert. Denn in ihrer Ausstellung zieht Milena nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Mit sprachlicher Kraft werden historische Katastrophen neben die privaten Verwicklungen dreier Menschen gestellt, führen die Spuren von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin. Thomas Lehr entwickelt ein überwältigendes Fresko dieses deutschen Jahrhunderts: tragisch, komisch, grotesk, und immer wieder ganz persönlich und intim.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Best.Nr. des Verlages: .505/25647, 505/25647
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 637
  • 2017
  • Ausstattung/Bilder: 640 S. 220 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 154mm x 40mm
  • Gewicht: 896g
  • ISBN-13: 9783446256477
  • ISBN-10: 3446256474
  • Best.Nr.: 48012368
Autorenporträt
Thomas Lehr, geboren 1957, lebt in Berlin. Für jedes seiner Bücher erhielt er mehrere Literaturpreise, darunter den Wolfgang-Koeppen-Preis der Hansestadt Greifswald, den Kunstpreis Rheinland-Pfalz, den Rheingau Literatur-Preis. 2010 wurde Thomas Lehr mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnet, 2012 mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis für sein Gesamtwerk sowie 2015 mit dem Joseph-Breitbach-Preis für sein Gesamtwerk.
Rezensionen
Besprechung von 23.08.2017
Im Innern der Spirale
In seinem neuen Roman „Schlafende Sonne“ rückt Thomas Lehr die
Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts ins Licht der Solarphysik
VON HELMUT BÖTTIGER
Seit jeher wollte Thomas Lehr den totalen Roman. Den Roman, der alles in sich auflöst, den Bewusstseins-, den Zeit- und den Gesellschaftsroman. Dabei geht es nicht einfach um die Handlung, sondern auch um die Sprache, die etwas anderes abbildet als die gemeine Wirklichkeit. Lehr zeigt nie nur äußere Umrisse. „Schlafende Sonne“ ist sein bisher größtes Projekt. Er steckt den Rahmen noch weiter als in den Romanen „September. Fata Morgana“ (2010) oder „Nabokovs Katze“ (1999 und nimmt ein ganzes Jahrhundert in den Blick, von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Und am Ende steht: „wird fortgesetzt.“
Das Buch greift seine Figurenkonstellationen aus unterschiedlichen Zeiten heraus und bindet sie assoziativ aneinander. Während der Lektüre stellt sich allmählich heraus, dass der Roman nach dem Prinzip der „Bilder einer Ausstellung“ aufgebaut ist. Was in den einzelnen historischen Tiefenbohrungen erzählt wird, hat sein Pendant in bestimmten Installationen und Gemälden. Dreh- und Angelpunkt des Romans ist ein Tag im August 2011, als die bereits berühmte Künstlerin Milena Sonntag eine umfassende Werkschau eröffnet.
Milena Sonntag, geboren 1970 in Dresden, verbindet in ihrer Biografie Ost und West. Sie wächst als Tochter des DDR-Malers Andreas Sonntag in die Dresdner Kunstszene der 80er-Jahre hinein, und die Schilderung einer charakteristischen Performance wird zu einem der Kabinettstückchen des Romans. Unverkennbar der Gruppe um den „Neuen Wilden“ A. R. Penck nachgebildet, werden die Feuerbachthesen von Karl Marx zugespitzt und gegen die Verhältnisse in der DDR gerichtet. Die einzelnen Umstände des Abends zitieren konkrete historische Ereignisse: den heraufbeschworenen „Freejazz-Rock-Punk“ praktizierte damals in Dresden in derselben Weise die Gruppe um Penck, Helge Leiberg oder Lothar Fiedler, und der spätere Einbruch in das Atelier, bei dem die Artefakte zerstört werden, entspricht dem Fall Penck genauso wie die Art und Weise, wie die Stasi Andreas Sonntag zur Ausreise in den Westen zwingt. Das Fiktive ist in die reale Zeitgeschichte eingebettet. Eine neue ästhetische Ebene wird eingezogen, die etwas rätselhaft Gleißendes hat. Die biografischen Details der Hauptpersonen sind zwar äußerst differenziert ausgestaltet, sinnlich aufgeladen und mit überraschenden atmosphärischen Verdichtungen, aber sie scheinen noch etwas anderes mit zu transportieren.
Nach der Ausweisung ihres Vaters aus der DDR zieht Milena mit ihrer Mutter nach Berlin, der Hauptstadt der DDR, deren spießiger Alltag im Herbst 1989 explodiert. Ihren späteren Mann Jonas, einen Freiburger Physiker, lernt Milena 1991 dann in einem Nationalpark in den USA kennen, sie ist mit dem viel älteren flippigen Malerfreund Fred unterwegs und stößt auf den an beiden Händen verbundenen Mann aus dem Westen, der beim Klettern abgestürzt ist. Die gebundenen Hände, die Namen Jonas und Milena – das ist natürlich alles voller Anspielungen, aber es verbleibt meist in einem immer komplexer werdenden Subtext und wird nicht näher ausgeführt. Kurze Zeit später treffen sich die beiden zufällig in einem Göttinger Philosophieseminar wieder, und ihre erste Liebesnacht ist ein Motiv, das in den gesamten Roman ausstrahlt. „Schlafende Sonne“, der Titel des Romans, nimmt es auf und scheint etwas zu bündeln, was immer wieder im Text aufscheint. Es geht weniger um konkrete Schlüsselsituationen als um erratische Bilder, die vieldeutig sind und nicht bis ins Letzte zu entschlüsseln. Von daher wirkt dieser Roman eher wie ein großes Poem, ein Epos, das sich nicht im bloßen Erzählen und einer spannungsgeladenen Handlung erschöpft.
Jonas, der Freiburger, ist Astrophysiker und forscht über die Sonne. Als er in Göttingen in philosophische Kreise gerät, wird sein Satz „Ich bin nur Physiker“ zu einem geflügelten Wort, dem im Verlauf des Romans immer neue Wertigkeiten abgewonnen werden – ironisch, erkenntnistheoretisch, biografisch. Physik, Philosophie und Poesie gehen eineinander über. Und hier kreuzen sich auch die Interessen von Jonas und Milena. Der Solarforscher Karlheinz Plessner eröffnete dem siebzehnjährigen Jonas Anfang der Achtzigerjahre mit einem Vortrag im Freiburger Fraunhofer-Institut sein Lebensthema.
Und Milena hat bereits als 15-Jährige ihren Marxismus-Leninismus-Lehrer in der DDR mit der Frage nach den Grundlagen des Denkens von Marx bei dem Philosophen Hegel in die Enge zu treiben versucht und wandte sich erst der Kunst zu, nachdem sie sich in Göttingen in die Doktorarbeit der Philosophin Esther Goldmann vertiefte – und auch diese hat mit Karlheinz Plessner zu tun.
Diese Verbindungen sind es, die den Autor Thomas Lehr, der seinerseits Biochemie studiert hat, elektrisieren: das analytische Vorgehen der Naturwissenschaften bildet für ihn die Grundlage zum synthetisierenden der Literatur. Sein Roman setzt sehr subjektive Schwerpunkte und hat nicht nur die Phänomene der Astrophysik, sondern das Licht der Erkenntnis überhaupt im Visier. Auf der Ebene der Romanhandlung gibt es sich vielfach schneidende Linien. So ist der aus Göttingen stammende Solarphysiker Plessner eng mit dem Antiquar Friedrich Bernstorff befreundet, der wiederum zum wichtigsten Sammler Milenas wird. Zentralfiguren dieses Göttinger Milieus sind Esther Goldmann (die Edith Stein nachgebildet ist) und der Phänomenologe Edmond (also Edmund Husserl), dessen „lebensweltlicher“ Ansatz nach vielen Seiten hin ausgeführt wird. Er bildet offenkundig den Hintergrund für die Ästhetik des Romans, der daraus immer neue Funken schlägt.
In den vorangestellten Motti wird augenzwinkernd das Formprinzip des Buches verraten. Beide umkreisen das Phänomen der „Spirale“. Für die Installations-Künstlerin Louise Bourgeois, mit der die Hauptfigur Milena einmal verglichen wird, war die Spirale ein „Versuch, das Chaos unter Kontrolle zu bringen“, der Filmemacher Chris Marker sah „im Inneren der Spirale“ die Spannung von Macht und Freiheit, Schwermut und Betörung. Der Text des Romans vollführt Drehbewegungen, in jedem Kapitel gibt es Verschränkungen der Perspektiven. Wie bei einer Spirale wechseln so innen und außen. Erzählt wird von einem inneren Wirbel aus, nicht dem chronologischen Zeitstrahl entlang.
Man kann Milenas Ausstellungseröffnung im Jahr 2011 als dieses Zentrum erkennen, das – wie bei einer Sonne – radial die Erzählstränge freisetzt. Es gibt dabei sehr suggestive, rauschhafte Prosapassagen. Etwa wie Jonas früh versucht, auf den höchsten Punkt des Freiburger Münsters zu klettern und dabei erste sexuelle Obsessionen und viele Vorstellungen des Fleisches mit einfließen, oder ein satirisch nachgestelltes Staatsbankett zum 40. Jahrestag der DDR. Der Autor Lehr hat eine Vorliebe für etwas, was eigentlich längst nicht mehr geht, er ist weder cool noch abgeklärt, er neigt zu Bekenntnissen und liebt trunkene Bilder, Genitivmetaphern und das Schwelgen in Sprachwelten, die sich verselbständigen. Sehr plastisch werden etwa der „weißliche Film“, der sich nach der Ausweisung von Andreas über die DDR legt oder Michelangelos Statue des David in Florenz, in der verschiedene Zeitschichten und Wahrnehmungen zusammentreffen.
Milena definiert einmal den Standpunkt der Kunst als ein „radikales Außerhalb“, und das kann man genauso für den Roman von Thomas Lehr sagen. Es wirkt wie eine Provokation, wie wenig sich dieser Autor um landläufige Erzähltheorien und Schreibschultechniken schert. Der Beginn des Romans, in dem in einzelnen Tableaus Milenas Ausstellung erträumt und konzipiert wird, ohne Figurenpsychologie oder Fingerzeige einer Handlung, ist in seiner hermetischen Wucht ein großes Wagnis. Es geht hier um Literatur als Kunst, nicht als Serviceleistung für Gefühle oder als Wiedererkennungs-Akrobatik. Es geht, wie es an einer Stelle ungeschützt heißt, um „den Abgrund des Glücks“.
Thomas Lehr ist weder abgeklärt
noch cool, er liebt Bekenntnisse
und trunkene Bilder
Die Sonne ist „der Stern, der sich am Tage zeigt, und der einzige, der uns wärmt“.Thomas Lehrs Roman erzählt auch von der Solarphysik. Bei der Beobachtung von Sonnenflecken erfasst das Teleskop ein Flugzeug.  
Foto: mauritius images
Thomas Lehr: Schlafende Sonne. Roman. Carl Hanser Verlag, München 2017.
640 Seiten, 28 Euro.
E-Book 20,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Rezensent Ekkehard Knörer begegnet dem Horror der angestrengten Andeutung und Ambivalenz in diesem Buch von Thomas Lehr. Einer "Zuschüttästhetik", wo sich der Leser immerhin Verführung wünscht. So aber taumelt Knörrer durch ein Textgebirge, sucht verzweifelt nach einem Halt (Kontext, Figur, Dialog), bekommt aber nur Stimmen, Daten, Konstellationen, Assoziationen. Was Knörer an Geschichte entdeckt, lohnt die Wiedergabe kaum. Ein maßloser, ein ambitionierter, ein maßlos ambitionierter Gegenwarts- und Historienroman, ein Fressen für Germanisten vielleicht, findet der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 23.09.2017
Erkenntnis und Wahrheitssuche
Thomas Lehr stellt sein Opus "Schlafende Sonne" vor

Ein anspruchsvolles Unterfangen, fürwahr. Aber: "Eine Geschichte des 20. Jahrhunderts kann ich nicht leisten", korrigierte der Schriftsteller Thomas Lehr seine überwältigten Rezensenten, als er jetzt im Frankfurter Literaturhaus seinen Roman "Schlafende Sonne" vorstellte. "Ich gehe einen Weg durch das 20. Jahrhundert und nehme dabei auf, was mich am meisten interessiert." Auch sein Gesprächspartner, der Literaturwissenschaftler und -kritiker Björn Hayer, zeigte sich beeindruckt von diesem "Opus magnum" mit seinen 640 Seiten, das mit den Worten "Wird fortgesetzt" endet. Lehr plant eine Trilogie mit der Weimarer Republik und dem "Dritten Reich" im zweiten Band sowie dem Zweiten Weltkrieg im dritten. Der erste, der ihn auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises katapultiert hat, beschäftigt sich mit dem Ende des Kaiserreichs und dem Ende der DDR.

Auf dem Cover spritzt dem Leser die Erde nach einem Granateneinschlag ins Gesicht. Dabei wollte Lehr eigentlich nur eine Dreiecksgeschichte erzählen: von der Malertochter Milena, ihrer intellektuellen Liebe zu dem älteren Rudolf und ihrer erotischen Liebe zu dem jungen Jonas. "Meine Hauptfigur sollte eine Frau sein", so der Autor, der 1957 in Speyer geboren wurde und heute in Berlin lebt. Dann habe sich das Licht als Leitmotiv hineingestohlen. Das Licht in der Malerei und in der Physik. "Ich war selbst erschrocken." Eine vierte Figur habe sich mit dem Kunstsammler Friedrich eingestellt. "Weitere Nebenfiguren wucherten hinein." Die Sonne wurde zum Leitmotiv: "Sonne als Synonym für Erkenntnis und Wahrheitssuche, Sonne als Machtsymbol von Echnaton bis zum Hakenkreuz."

Mit zwei Passagen versuchte er nun im Lesekabinett, das Interesse seiner potentiellen Leser zu wecken. Die erste erzählt von einem nonkonformistischen Feuerbach-Happening im Atelier von Milenas Vater. Milena verändert die berühmte zwölfte Feuerbachthese von Marx dermaßen, dass sich der Staat herausgefordert fühlt und ihren Vater ausweist. Die zweite Passage erzählt davon, was dem Vater des Kunstsammlers Friedrich 1916 im Schützengraben an der Westfront durch den Kopf geht. Etwa die demagogischen Kaffeehaus-Reden eines Maximilian Lindner, der den Philosophen Max Scheler zitiert. Lehr will damit seinen Lesern vermitteln, was die Soldaten damals so kriegsbegeistert an die Front stürmen ließ. Auch der Phänomenologe Edmund Husserl und dessen Schülerin Edith Stein kommen bei ihm unter anderen Namen vor.

Manches in diesem Buch erinnerte den Gesprächspartner an Robert Musil. "Musil ist mein Hausgott", bestätigte Lehr. Der österreichische Autor habe Denken und poetisches Schreiben versöhnt. Und als Hayer ihn ehrfürchtig als "Universalgelehrten" titulierte, entgegnete Lehr mit einem Musil-Zitat: "Ich bin vielfach ungebildet." Er mache lediglich Entdeckungen, während er sich beim Schreiben tiefer in den Stoff hineinwühle. Sein Husserl etwa sei ein Reflex auf Milenas Wahrheitssuche, denn der Philosoph habe geglaubt, die Wahrheit jenseits von Kant in den Phänomenen finden zu können.

CLAUDIA SCHÜLKE

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"'Schlafende Sonne' ist ein himmelschießendes Kunstwerk. Zum Verzweifeln gut." Markus Clauer, Die Rheinpfalz, 09.10.17 "'Schlafende Sonne' ist sprachlich und in seinem Bau ein Wagnis. Eines, das gelingt. ... Wer die Herausforderung dieses Romans annimmt, wird mit einem Text belohnt, der kompromisslos auf die Probe stellt, was Literatur jenseits des Geschichtenerzählens kann". Cornelia Zetzsche, Bayern 2, 30.09.17 "Thomas Lehr hat ein enorm dichtes und virtuos komponiertes Buch geschrieben, in dem Handlungsstränge und Personen auf vielfältige und komplexe Weise miteinander verknüpft sind" Holger Heimann, WDR 3, 29.09.17 "Mit 'Schlafende Sonne' hat Thomas Lehr jetzt den ganz großen Wurf gewagt. Lehrs neues Buch versteht sich als eine Art Universalroman und reiht sich ein in die Literatur der Moderne, etwa eines James Joyce, die nach neuen, experimentellen Ausdrucksformen sucht." FOCUS online, 26.09.17 "Der Roman als Erkenntnisinstrument: Thomas Lehr erzählt in 'Schlafende Sonne' Bilder einer Ausstellung und überschreitet die Grenzen zwischen Kunst, Wissenschaft und Lebenswelt." Friedmar Apel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.17 "Wer sich aber einlässt auf dieses Experiment, diese Explosion von Gedanken, Theorien und Erinnerungen, der wird reich belohnt werden durch eine unglaubliche Vielfalt an Ausdrücken und Assoziationen und einen literarischen Wagemut, wie er in der deutschen Gegenwartsliteratur derzeit fast einmalig ist." Jan Ehlert, NDR Kultur, 20.09.17 "Man kann 'Schlafende Sonne' einen Eheroman nennen, einen Künstler-, Epochen- und Wissenschaftsroman, einen Roman über die deutsche Teilung und ihre Vorgeschichte, aber auch ein Energiegeschoss, einen Feuerball, eine Gedankenexplosion ... Ein Epos auf der Höhe der Zeit, sonnentrunken und riskant." Meike Fessmann, Der Tagesspiegel, 14.09.17 "Der Autor verknüpft in seinem Roman ... virtuos Philosophie, Kunsttheorie und Naturwissenschaft. 'Schlafende Sonne' ragt heraus aus der Produktion des Herbstes." Holger Heimann, WDR 5, Bücher, 09.09.17 "Der Blick auf Oberflächen und in die Tiefe hat in Thomas Lehr einen Zeremonienmeister, der Bilder schaffen kann wie kaum ein anderer. Lehr weiss das, und er betreibt einen Aufwand, dem es egal ist, ob er gerade auf den Schlachtfeldern bei Verdun ist oder auf dem Gästesofa einer Buchhändlerin." Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 30.08.17 "Entscheidend sind aber weniger konkrete Ereignisse als zentrale Motive, die ein Eigenleben bekommen. ... Dabei kommt es zu zum Teil rauschhaften Erzählschüben, die von großer Suggestivität sind. ... Es geht um Lebenswelten, um die konkrete Verankerung in Details und Atmosphären. So entsteht zwischen den Figuren und Zeiten ein eigener poetischer Raum, der sich im zentralen Bild der 'Sonne', des 'Lichts' zeigt." Helmut Böttiger, Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 26.08.17 "Es wirkt wie eine Provokation, wie wenig sich dieser Autor um landläufige Erzähltheorien und Schreibschultechniken schert. ... Es geht hier um Literatur als Kunst, nicht als Serviceleistung für Gefühle oder als Wiedererkennungs-Akrobatik. Es geht, wie es an einer Stelle ungeschützt heißt, um 'den Abgrund des Glücks'." Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung, 23.08.17 "Es sind kleine, kluge, sensible Beobachtungen, die Thomas Lehrs Schreiben ausmacht, er liefert überzeugende Psychogramme in außergewöhnlicher, kunstvoller Sprache, jenseits von abgegriffenen Adjektiven und Wendungen. Seine menschlichen Skizzen auf Papier werden mit wenigen Worten zu einem ganzen Leben. ... Der letzte Satz dieses Buches jedenfalls wird wohl - wie das ganze Buch selbst - unterschiedliche Emotionen hervorrufen: 'Wird fortgesetzt'. Zwei weitere Teile sind geplant und schon in Arbeit. Wahnsinn. Und Genie. Ein Megaprojekt - für den Autor und die Leser." Anne-Dore Krohn, rbb Kulturradio, 21.08.17…mehr