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Benutzername: tweed
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Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 82 Bewertungen
Bewertung vom 13.08.2018
Der Flüstermann / Laura Kern Bd.3
Shepherd, Catherine

Der Flüstermann / Laura Kern Bd.3


ausgezeichnet

Im Internet wird ein grauenvolles Video veröffentlicht, das die Ermordung einer jungen Frau zeigt. Kurz darauf erscheint ein neues Video, wieder wird ein Mensch auf bestialische Weise umgebracht. Laura Kern und ihr Team ermitteln, ein Wettlauf gegen die Zeit um den nächsten Mord zu verhindern.

"Der Flüstermann" ist der dritte Teil der Reihe um Spezialermittlerin Laura Kern. Für mich war es der erste Band, ich konnte auch ohne Vorkenntnisse super in die Geschichte eintauchen, da jeder Band in sich abgeschlossen ist. Laura, ihr direkter Partner Max und Taylor setzen alles daran, Hinweise zu finden. Hinweise zum Opfer, Hinweise zum Tatort und Hinweise, wer hinter den Morden steckt. Doch das ist mühsam. Als sie die erste Spur verfolgen setzen sie die weiteren Hinweise wie bei einem Puzzle zusammen, irgendwann wird klar dass das Geheimnis in der Vergangenheit zu suchen ist.

Laura, Max und Taylor sind sympathische Figuren, gut gezeichnet, so dass ich mit ihnen mitfiebern konnte. Laura hatte in ihrer Kindheit ein traumatisches Erlebnis, das sie zu der Frau geformt hat, die sie jetzt ist. Der Fall steht im Mittelpunkt, das Privatleben spielt nur eine kleine Rolle. Aber genug, um sich ein genaues Bild der Charaktere zu machen.

Der Schreibstil bildhaft, locker und leicht lesbar, so dass die Seiten nur so dahin fliegen. Ich fand den Thriller fesselnd, und zwar von Anfang bis zum Ende. Die Spannung ist hoch und steigert sich bis zum Ende enorm. Ein Thriller ganz nach meinem Geschmack, ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 13.08.2018
Vergessene Seelen / Max Heller Bd.3
Goldammer, Frank

Vergessene Seelen / Max Heller Bd.3


ausgezeichnet

"Vergessene Seelen" ist schon der dritte Fall für Oberkommissar Max Heller. Schauplatz ist Dresden im Sommer des Jahres 1948. Der Wiederaufbau der Stadt ist in vollem Gang, doch noch immer sind die Menschen durch Hunger und Armut gebeutelt. Dazu noch der heiße Sommer, die anhaltende Hitze macht den Menschen schwer zu schaffen. Kurz nacheinander werden zwei Tote gefunden. Ein Mann steckt kopfüber in einem Schacht. War es ein Unfall oder hat jemand nachgeholfen? Wenig später wird die Leiche eines Jungen entdeckt, auch hier ist nicht klar ob es sich um ein Gewaltverbrechen handelt. Max Heller und sein Assistent Oldenbusch ermitteln.....

Ich war von den ersten beiden Fällen begeistert und deswegen auf den dritten Teil schon sehr gespannt, er hat meine Erwartungen nicht enttäuscht. Obwohl es schon fast ein Jahr her ist, dass ich den letzten Teil gelesen habe, war ich sofort wieder in der Handlung drin. Die Atmosphäre ist dicht, man kann tief in die Zeit nach dem Krieg eintauchen, erlebt den Alltag der Menschen, die immer noch ums Überleben kämpfen. Der Hunger ist weiterhin ständiger Begleiter, die Aufbauarbeiten gehen nur langsam voran, politisch weht ein neuer Wind und viele Menschen sind inzwischen in die Partei eingetreten. Selbst Hellers Sohn Klaus hängt der neuen Ideologie an, was zu einem Konflikt zwischen Vater und Sohn führt. Hellers älterster Sohn Erwin schickt regelmäßig Pakete aus dem Westen, es gehen Gerüchte um, dass in den Westzonen eine neue Währung eingeführt wird. Ein Neuzugang in der Familie ist die kleine Annie, die Max und Karin als Pflegekind aufgenommen haben. Annie ist für die beiden wie ein eigenes Kind.

Als Heller im Todesfall des Jungen ermittelt, kommt er mehr schlecht als recht voran. Die Menschen sind wortkarg, nicht bereit Informationen herauszurücken. Ihm wird offenes Misstrauen entgegen gebracht, sowohl von Seiten der Lehrer, den Mitschülern und sogar den Eltern des toten Jungen. Auch ist nicht klar wer lügt und welche Aussagen der Wahrheit entsprechen. Äußerst schwierige Bedingungen um ein mögliches Verbrechen aufzuklären, dazu kommt ihm noch sein Sohn Klaus beruflich in die Quere. Doch Heller lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, hört auf sein Gespür und bringt sich nicht nur einmal in Gefahr.

Frank Goldammer bringt die damalige Zeit authentisch rüber, beim lesen erwacht die Szenerie Dresdens zum Leben. Ich hatte Bilder vor Augen, die zerstörten Häuser, Frauen und Männer die Ziegel klopfen und die unerträgliche Hitze, die den Menschen zu schaffen macht. Dazu ist die Stimmung wegen der Gerüchte um die Einführung einer neuen Währung angespannt, die Menschen wissen nicht, was sie machen sollen. Ob ihr Geld bald an Wert verlieren wird?

Neben dem Kriminalfall bietet der Krimi viel interessantes Zeitgeschehen und Details aus dem Privatleben der Hellers. Es wird ein Geheimnis gelüftet, das für mich sehr überraschend war und Hellers Charakter von einer ganz anderen Seite beleuchtet. Heller und die anderen Protagonisten sind sehr detailliert gezeichnet, keine Stereotypen, sondern Menschen mit all ihren Fehlern und Schwächen.

Fazit: Für mich war die Mischung aus geschichtlichem Hintergrund, persönlichen Schicksalen und Krimihandlung perfekt ausbalanciert. Die Atmosphäre klasse eingefangen, das ist für mich sowieso ein großer Pluspunkt der Reihe: dass man sich beim lesen direkt in die Zeit zurückversetzt fühlt und tief in die Geschichte eintauchen kann.

Bewertung vom 07.08.2018
Das Morpheus-Gen
Rode, Tibor

Das Morpheus-Gen


ausgezeichnet

Schauplatz New York: David Berger ist Anwalt, er bereitet mit seinen Kollegen eine Firmenübernahme vor und muss alles geben, Müdigkeit kann er sich nicht leisten. Sein Kollege und bester Freund Alex bietet ihm die Lösung. Von einem Mandanten hat er Tabletten bekommen, die allerdings noch nicht zugelassen sind. Mit "Stay tuned" soll man kein Schlafbedürfnis haben und mindestens zwei Tage ohne Schlaf auskommen können. David lässt sich darauf ein, doch damit beginnen seine Probleme. Er kann auch nach den zwei Tagen nicht schlafen, verspürt keine Müdigkeit. Er stellt Alex zur Rede, hat danach einen Blackout. Als er wieder zu sich kommt ist Alex tot und seine Freundin liegt ebenfalls tot in Davids Wohnung. Die Polizei geht davon aus, dass er der Mörder ist. Seine Flucht führt ihn nach Europa, gejagt wird er von der Polizei und einer anderen Organisation. Unerwartete Hilfe bekommt David von der Studentin Nina, die für das Schlaflabor arbeitet, in dem er einen Termin vereinbart hat.

Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und er hat nicht zu viel versprochen. Ein neuer Thriller aus der Feder von Tibor Rode, von dem ich zuletzt "Das Mona-Lisa-Virus" gelesen habe. Das Thema Schlaf bzw. Schlaflosigkeit finde ich sehr interessant, denn wie oft schon hatte ich den Wunsch, die Zeit, die ich mit schlafen verbringe, anderweitig nutzen zu können. Nach der Lektüre denke ich anders darüber.

Wir begleiten also David, der unter Mordverdacht seht. Aber dies ist nicht sein größtes Problem, viel schwerer wiegt, dass er keine Müdigkeit verspürt und Tage ohne Schlaf verbringt. Auf der Suche nach den Ursachen und einem Geheimnis in seiner Vergangenheit geht es von den USA nach Europa. Parallel laufen die Ermittlungen der New Yorker Polizei, die auf den Spuren Davids ist. Doch dann ergeben sich Ungereimtheiten und Detective Millner muss seine bisherige Theorie ad acta legen.

Wie bei den anderen Romanen von Tibor Rode ist der Schreibstil anspruchsvoll und trotzdem leicht zu lesen. Es geht spannend los mit einem Rückblick, bevor die eigentliche Handlung startet. Man kann Davids Verwirrung und Verzweiflung spüren, er hat keinen Ahnung, wie er in diese irrwitzige Geschichte geraten ist. Was hat es mit dem Brief seines Vaters auf sich, der vor vielen Jahren bei einem Verkehrsunfall starb? Immer wieder gibt es eingeschobene Kapitel, die in der Vergangenheit spielen und die Informationen zu Davids Problem liefern.

Ich fand die Figuren gut gezeichnet, mein Lieblingscharakter war Millner, obwohl David im Mittelpunkt der Geschichte steht. David verhält sich stellenweise wirklich naiv, ich konnte nicht alle seine Handlungen nachvollziehen. Schließlich ist er ein abgeklärter Anwalt. Davids Problem liegen Geheimnisse zugrunde, die Jahrhunderte zurückreichen. Spannend finde ich, dass es, wie bei allen Romanen von Tibor Rode, einen wahren Kern gibt. Die Handlung bietet jede Menge Action und interessante Locations, z. B. das Tunnelsystem unter New York. Ich fand den Thriller gelungen, er ist von Anfang bis Ende fesselnd, aber es gibt auch kleine Längen zwischendurch, weswegen ich einen halben Stern abziehe.

Fazit: Actionreicher Thriller über die Thematik des Schlafs, sehr gut umgesetzt.

Bewertung vom 02.08.2018
Die Ewigen
Gerling, V. S.

Die Ewigen


ausgezeichnet

.....wenn das ewige Leben möglich wäre? Vielleicht nicht ewig, aber was wäre, wenn man den Alterungsprozess stoppen könnte? Eigentlich hatte Professor Krohn den Auftrag, ein Heilmittel gegen Krebs zu erforschen. Millionär Maximilian Kirchner hatte ihn nach dem Krebstod seiner geliebten Frau damit beauftragt. Professor Krohn treibt seine Forschungen voran, ihm gelingt es, mittels reprogrammierten Stammzellen den Alterungsprozess der Zellen zu stoppen und damit auch Krebs zu eliminieren. Kirchner und sein Finanzexperte wollen die neuartige Methode einem ausgewählten, finanzstarken Personenkreis ermöglichen, eine lukrative Methode um Millionen zu erwirtschaften.

Das geheime Projekt "Die Ewigen" läuft an, auch viele hochrangige Politiker stehen auf der Warteliste. Doch als ihr Computersystem gehackt wird, wird es öffentlich und die Jagd auf die Ewigen beginnt. Eine Gruppe um den Hacker Klaus Richter macht es sich zum Ziel, möglichst viele Ewige-Anwärter zu liquidieren, vor allem diejenigen, die für die weltweite Finanzkrise mitverantwortlich sind....

Von Autor V. S. Gerling kenne ich die Reihe um Nicolas Eichborn und Helen Wagner, auf sein neuestes Werk war ich schon gespannt. "Die Ewigen" ist der erste Teil einer Trilogie, in diesem Band werden die Protagonisten und die Thematik eingeführt. Man merkt, dass der Autor sehr gut recherchiert hat, tatsächliche Forschungen und Fiktion verknüpft. Unwillkürlich stellt man sich beim lesen die Frage was wäre, wenn es tatsächlich gelingen würde, den Alterungsprozess aufzuhalten. Ich denke, das beschriebene Szenario im Buch ist sehr realistisch, nur die Superreichen und Mächtigen würden in den Vorzug der Behandlung kommen.

Die Figuren sind schön detailliert gezeichnet, man lernt sie auf den fast 500 Seiten gut kennen und einzuschätzen. Ihre Charaktereigenschaften, ihre Gefühle, Motivation und die Beziehungen untereinander, ihre Entwicklung. Im Verlauf wird klar, wer auf der Seite der Guten steht und wer seine eigenen Interessen verfolgt, koste es was es wolle. Geldgier und Intrigen zerstören Freundschaften, einige Menschen gehen über Leichen. Auch wenn die Geschichte mit Max beginnt, ist der eigentliche Protagonist Patrick Faber, den Max als Sicherheitschef einstellt und der für Max und seine Tochter Emma zu einem guten Freund wird. Faber ist ein ehrlicher und sympathischer Typ, einer mit dem ich mitfiebern konnte.

Fazit: Die Story ist faszinierend und hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. All die Intrigen, Machtkämpfe und letztlich die schrecklichen Nebenwirkungen machen die Geschichte sehr spannend. Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 01.08.2018
Veilchens Show / Valerie Mauser Bd.5
Fischler, Joe

Veilchens Show / Valerie Mauser Bd.5


ausgezeichnet

Die "Bauerlorette" lockt die Zuschauer vor die Flimmerkiste, sogar Valeries Kollege Stolwerk ist vom Format begeistert. Als bei einer Livesendung ein Kandidat mausetot im Bett aufgefunden wird, motiviert er Veilchen, mit ihm zusammen zum Tatort zu eilen. Denn dass ein junger, gesunder Kerl so plötzlich ablebt, kommt ihm komisch vor. Wie bitter, dass sich der vermeintliche Mord dann erst mal als "normaler" Todesfall entpuppt, eine Schlappe für Stolwerk und Veilchen. Als dann wieder live der nächste Kandidat stirbt, wird das Dreamteam direkt vor Ort platziert. Wer hat bei den beiden Todesfällen nachgeholfen? Mauser und Stolwerk ermitteln.

In "Veilchens Show", dem bereits fünften Fall der kultigen Ermittlerin Valerie Mauser, geht es in gewohnter Manier hoch her. Wie üblich ist Veilchen bei ihren Ermittlungen mittendrin im Geschehen. Doch nicht nur sie, sondern auch ihr langjähriger Freund Stolwerk, der ihr in diesem Teil wieder als Kollege zur Seite steht sowie LKA Assistent Sven Schmatz mischen kräftig mit. Die Todesfälle bei dem TV-Spektakel "Bauerlorette" führen das Dreamteam ins Fernseh- bzw. Showmilieu und durch Valerie bekommt man einen guten Blick hinter die Kulissen. Autor Joe Fischler beschreibt die Szene mit spitzer Feder, schnell merkt man, dass es mehr Schein als Sein ist, was dem Zuschauer geboten wird.

Wie gewohnt rollt sich die Story in locker flockiger und witziger Schreibart auf, Slapstickeinlagen und Situationskomik vom feinsten. Man ahnt, dass hinter den Todesfällen mehr steckt, doch die Ermittlungen sind alles andere als einfach. Die Akteure mauern, lügen und Valerie und Stolwerk haben alle Hände voll zu tun, verwertbare Informationen zu erhalten. Valeries Vorgesetzter Geyer funkt immer wieder mal dazwischen und bringt Valeries Souffleuse zum kochen. Im Verlauf gibt es einige Verdächtige, aber der tatsächliche Täter ist am Ende eine Überraschung.

Die Story bietet viel Lokalkolorit, ist so bildhaft beschrieben, dass ich über weiter Strecken Kopfkino hatte. Humorige und witzige Einlagen sorgen immer wieder für Lacher, die Handlung ist temporeich, ständig passiert etwas. Langeweile Fehlanzeige.

Herrlich schräge Charaktere, neben Veilchen und Stolwerk mausert sich Sven Schmatz zu einem meiner Lieblingsakteure, ein Kerl(chen) zum knutschen. Was mir immer wieder auffällt ist, dass auch die Nebencharaktere schön skizziert sind, in diesem Fall die Typen vom Set und die Teilnehmer von "Bauerlorette". Keine blassen Einheitstypen, sondern eigenständige Charaktere.

Ich bin ein Fan der Reihe, auch der fünfte Teil hat mich total überzeugt. Ein herrlich schräger Krimi, der sowohl Spannung als auch Situationskomik bietet.

Fazit: Veilchen in Höchstform, für ihre Ermittlungen gibt sie alles. Temporeicher Alpenkrimi mit viel Humor, Charme und einzigartigen Charakteren.

Bewertung vom 23.04.2018
Das Böse in deinen Augen
Blackhurst, Jenny

Das Böse in deinen Augen


sehr gut

Imogen Reid hat den Ort ihrer Kindheit seit vielen Jahren nicht mehr gesehen, jetzt wagt sie einen Neuanfang in Gaunt. Zusammen mit ihrem Mann Dan zieht sie in das Haus ihrer inzwischen verstorbenen Mutter und tritt ihre neue Stelle an. Als Kinderpsychologin übernimmt sie den Fall von Ellie Atkinson. Ellie ist elf Jahre alt, nachdem ihre Eltern und ihr kleiner Bruder bei einem schrecklichen Brand ums Leben kamen, lebt sie in einer Pflegefamilie. Die Jeffersons haben sie liebevoll aufgenommen, ihre ältere Pflegeschwester Mary kümmert sich um sie, ist wie eine Freundin. Doch Ellie ist schwer traumatisiert, wird von den Kindern in der Schule ausgegrenzt. Es kursieren üble Gerüchte über Ellie, die Menschen sind voreingenommen. Imogen versucht Ellie Selbstvertrauen zu geben. Sie setzt all ihre Kraft ein, um dem kleinen Mädchen zu helfen. Es gibt Gespräche mit der Rektorin und Ellies Klassenlehrerin, der Pflegefamilie, doch immer wieder kommt es zu Vorfällen, für die Ellie verantwortlich gemacht wird.

Es ist eine Story, die sehr intensiv erzählt ist. Es sind relative wenig Personen involviert, die man dafür umso besser kennenlernt. Imogen und Ellie sowie ihre Pflegefamilie stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Aus Imogens Ich-Perspektive ist man ganz nah an ihren Emotionen und ihren Gedanken dran, kann sich in sie hineinversetzen und ihre Handlungen nachvollziehen. Meistens jedenfalls, denn Imogen steigert sich zu sehr in ihren Fall hinein, verliert die nötige Distanz, die eine Psychologin wahren sollte. Schließlich zweifelt sie selbst an Ellie. Ellie ist ein kleines Mädchen, das schutzbedürftig wirkt. Doch immer wieder kommen Zweifel auf, ob sie tatsächlich etwas mit den teils mysteriösen Vorfällen in Gaunt zu schaffen hat.

Als Leser war ich hin und hergerissen, mal war ich überzeugt, dass Ellie absolut unschuldig ist. Nach dem nächsten Vorfall wieder kamen Zweifel. Dieser Zweispalt setzt sich durch die gesamte Geschichte fort, die Autorin spielt hier gekonnt mit den Gefühlen ihrer Leser. Sie erzeugt eine beklemmende Atmosphäre, die Gänsehaut macht, dazu kommt noch die Spannung, die zum Ende hin enorm zunimmt.

Fazit: Auch wenn am Ende nicht alle Fragen geklärt werden hat mich der Thriller von Anfang bis Ende gefesselt und bestens unterhalten. 4 Sterne.

Bewertung vom 17.02.2018
Unter pechschwarzen Sternen
Krantz, Gereon

Unter pechschwarzen Sternen


ausgezeichnet

Schauplatz Berlin: In einer Unterführung wird die inszenierte Leiche einer jungen Frau gefunden. Mit zahllosen Stichen übersät, nackt in einen Umhang gehüllt, mit Kerzen umstellt. Erst als die Kapuze gelüftet wird, offenbart sich die kranke Psyche des Täters. Anstatt ihres eigenen, sitzt der Kopf eines Widders auf dem Hals der Toten. Thomas Harder und Claudia Vogt sollen die Ermittlungen leiten, zwei Ermittler, wie sie ungleicher nicht sein könnten. Harder ist der typische Einzelgänger, der seinen letzten Fall richtig vermasselt hat. Er erhält nochmals eine Chance, sich zu beweisen. Vogt hat mehrere Fortbildungen für Profiling absolviert, ist jung, dynamisch und will Karriere machen. Klar dass die Zusammenarbeit der beiden Komplikationen mit sich bringt, zumal Harder kein Typ für konventionelle Ermittlungsmethoden ist. Dafür hat er Erfahrung und jede Menge Beziehungen in die Unterwelt. Werden die beiden den Killer stoppen können, bevor er wieder mordet?

Gereon Krantz hat hier ein Debüt vorgelegt, das es in sich hat. Einmal angefangen war ich so gefesselt, dass ich das Buch kaum mehr beiseite legen konnte. Mir gefällt die Art des Schreibens ungemein, sie ist so lebendig, teils derb und mit Ausdrücken gespickt, zeitgemäß. Locker-flockige Dialoge, die richtige Portion schwarzen Humor und vor allem so bildhaft, dass mein Kopfkino permanent in Betrieb war.

Aber letztlich ist es das Gesamtpaket aus Sprache, Story und Protagonisten, das mich überzeugt hat. Eigentlich bin ich kein Fan von kaputten Ermittlern, Harder macht hier eine Ausnahme. Harder ist ein Typ, der nicht mehr an seinem Leben hängt, Todessehnsucht hat. Nur ein winziger Schritt und er landet im Abgrund. So trifft man ihn auch in einer Situation beim Russisch Roulette, das er mit einem sensationellen Abgang beendet. Als er auf diesen Fall angesetzt wird, erwacht so etwas wie Neugier, nochmals alles zu geben um den kranken Killer zu fassen. Wenn da nur nicht dieser dunkle Sog wäre, der ihn immer wieder versucht, mit sich zu reißen. Harder hat meine Neugier geweckt, in seiner Vergangenheit muss es einen dunklen Fleck geben, doch noch wird nicht verraten, was ihn zu dem Mann machte, der er jetzt ist. Je weiter die Story ging, desto sympathischer wurde mir dieser Tpy, der auch eine, zwar gut versteckte, softe Seite hat und über sich hinaus wächst.

Claudia Vogt ist alles andere als begeistert, mit Harder gemeinsam ermitteln zu müssen. Sie will nur eines, den Fall schnell klären um sich zu profilieren. Sie ist Frau "Saubermann", gut aussehend, vegan, sportlich, macht Joga und Krav Maga. Während sich Harder von Fast Food und Kippen ernährt, knabbert sie ihre Gemüsesticks bei den Observierungen. Und doch raufen sich die beiden ungleichen Ermittler zusammen, als Vogt zugeben muss, dass Harders Methoden am Rand der Legalität durchaus erfolgreich sind.

Man verfolgt also das neue "Dreamteam" bei den Ermittlungen in Berlin, lernt verschiedene skurrile Typen kennen, ob als Zeugen oder Berater. Wobei, eigentlich sind alle Beteiligten mehr oder weniger skurril, es sind Typen die durch ihre Macken unverwechselbar werden. So präzise beschrieben, dass man sie bildlich vor Augen hat. Ob ein russischer Ganove, ein muskelbepackter Bodybuilder oder ein Psychologe, hier ist wirklich alle perfekt beschrieben und auf den Punkt gebracht. Es sind vielschichtige Charaktere mit Substanz, keine leblosen und austauschbaren Hüllen, wie man sie leider viel zu oft findet.

Der Plot ist dicht, temporeich und mit viel Actionszenen gespickt. In sich stimmig und mit einer Wendung am Ende, dich mich sprachlos gemacht hat. Dabei baut sich die Spannung kontinuierlich auf und gipfelt in einem fesselnden Showdown.

Fazit: Es kommt nicht wirklich oft vor, dass man zwischen all den Krimis und Thrillern eine echte Entdeckung macht. Aber wow, "Unter pechschwarzen Sternen" ist genau so eine Entdeckung, ein Thrillerhighlight!

Bewertung vom 05.02.2018
Stumme Wut / DCI Matilda Darke Bd.1
Wood, Michael

Stumme Wut / DCI Matilda Darke Bd.1


ausgezeichnet

"Stumme Wut" führt nach Yorkshire, in den Ort Sheffield. Hier geschah vor 20 Jahren ein brutaler Doppelmord, der nie aufgeklärt wurde. Beim "Harkness Massaker" wurde das Ehepaar Harkness grausam ermordet, der damals elfjährige Sohn Jonathan musste das Verbrechen mit ansehen. Jetzt soll das Harkness Haus abgerissen werden, der Fokus der Öffentlichkeit wird auf den alten Fall gelenkt.

Die Chance für DCI Matilda Darke zu beweisen, dass sie wieder dienstfähig ist und ihren alten Posten als Chefin der Mordkommisin wieder aufnehmen kann. Denn die letzten neun Monate war sie vom Dienst freigestellt, bei ihrem letzten Fall lief etwas gründlich schief, Mathilda leidet immer noch unter Schuldgefühlen. Dazu kam noch ein privater Schicksalsschlag....

Ihr erster Tag verläuft nicht gut, Matilda ist angespannt und ihr Stellvertreter Ben Hales begegnet ihr mit Geringschätzung und offener Ablehung. Nur mit einem Assistenten, DC Rory Fleming, rollt sie den alten Fall wieder auf und merkt, dass die Akten unvollständig sind. Schlamperei bei den damaligen Ermittlungen, oder wurden die Akten nachträglich manipuliert?

Der damals elfjährige Sohn der Familie Harkness war traumatisiert, hat mehr als ein Jahr gar nicht gesprochen. Sein Bruder Matthew war nach der Tat mehrere Tage nicht auffindbar. Da Jonathan wieder in Sheffield wohnt, nachdem er nach dem Verbrechen von der Tante großgezogen wurde, beschließt Matilda, zuerst mit ihm zu sprechen. Jonatahn erweist sich als wenig gesprächig, er wirkt gehemmt, scheint das Trauma nie verarbeitet zu haben. Als ein Mord geschieht, ändert sich auf einmal die Lage.....

Während Matilda alles gibt wird ihr doch bewusst, dass sie eigentlich noch nicht soweit ist, den Dienst wieder aufzunehmen. Unterstützung erhält sie von ihrer besten Freundin Adele Kean, der Pathologin von Sheffield. Adele hilft wo sie kann und rückt Matilda den Kopf zurecht, als sie wieder zu trinken anfängt. Auch ihre ehemaligen Mitarbeiter sind auf ihrer Seite, während sie von Hales nur angefeindet wird.

Ich war von diesem dichten Krimi begeistert. Zum einen der Schreibstil, der sich sehr flüssig lesen lässt, und vom Aufbau der Story. Auch wenn ich bei jedem Krimi rätsle, wer der Mörder sein könnte, so hat es mir hier besonders viel Spaß gemacht. Mehrere Theorien musste ich wieder verwerfen, bis ich gegen Ende auf der richtigen Fährte war. Der Autor spielt mit den Gefühlen seiner Leser, führt sie auf falsche Fährten und legt Blindspuren. Neben dem eigentlichen Fall klärt sich noch ein anderes Verbrechen, das ähnlich lang zurück liegt.

Was besonders auffällt sind die liebevoll angelegten Charaktere, die Michael Wood gekonnt skizziert. Jede psychologische Feinheit ist eingefangen, man lernt die Hauptfiguren mit ihrem Hintergrund sehr gut kennen und kann ihre Handlungen nachvollziehen. Im Fokus steht die Ermittlungsarbeit, der private Bereich nimmt einen eher kleinen Raum ein ist aber ausreichend, um die Charaktere einschätzen zu können.
Fazit: Für mich ist Michael Wood eine echte Neuentdeckung, die Figur der Matilda hat das Potential für eine Reihe, ich hoffe sehr dass es eine Fortsetzung geben wird.

Bewertung vom 30.01.2018
Das Lied der toten Mädchen / Jan Römer Bd.3
Geschke, Linus

Das Lied der toten Mädchen / Jan Römer Bd.3


ausgezeichnet

"Das Lied der toten Mädchen" ist der dritte Teil der Reihe um den sympathischen Journalisten Jan Römer, der beim Nachrichtenmagazin "Die Reporter" über ungeklärte Mordfälle recherchiert. Mit von der Partie ist auch wieder seine langjährige Freundin Stefanie Schneider, die wegen ihrer Vorliebe für Kopfbedeckungen schon immer "Mütze" genannt wurde.

Vor ca. 20 Jahren wurde auf dem Wilzenberg die 19jährige Sonja Risse ermordet. Ein tödlicher Stich ins Herz, neben ihr blieb eine Spieluhr zurück, die die Melodie "Hush, little baby" spielt. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden, Jan und Mütze recherchieren und tauchen tief in die Vergangenheit ein. Was ist damals wirklich passiert, was hat es mit dem geheimnisvollen Haus auf sich, in dem Sonja gearbeitet hat und das nicht mehr existiert? Fragen über Fragen, denen sich die beiden Journalisten stellen müssen, wenn sie die Wahrheit herausfinden wollen.

Eigentlich dachte ich ja, dass sich der letzte Fall nicht mehr toppen ließe, aber "Das Lied der toten Mädchen" steht den Vorgängern in nichts nach. Was mich bei den Krimis von Linus Geschke immer wieder fasziniert ist die Atmosphäre, die dichte Stimmung. Egal ob unheimlich, traurig oder geheimnisvoll, die Stimmungen kommen super rüber, untermalt werden sie durch die passenden Songs, die Jan hört.

Auch bei diesem Teil fiel mir der Einstieg leicht, denn der Prolog führt genau zu der Mordnacht zurück, in der Sonja sterben musste. In eine Szenerie, die mir Gänsehaut bescherte.

Mit viel Elan und Spürsinn stürzen sich Jan und Mütze in die Recherche, Unterstürzung bekommen sie von Jans bestem Freund Arslan. Ein Typ, der das Herz auf dem rechten Fleck hat und hilft, ohne Fragen zu stellen. Einen besseren Freund könnte sich Jan nicht wünschen. Das Team befragt den ehemaligen Lehrer von Sonja, ihre Mutter und ihre besten Freundinnen. Doch wer sagt die Wahrheit, wer verschweigt wichtige Details? Irgendwann wird klar, dass der Verfassungsschutz in die Geschichte involviert ist.

Ich konnte beim lesen miträtseln, hatte mal diesen, mal jenen Protagonisten in Verdacht, aber nicht wirklich eine heiße Spur. Der Autor überrascht immer wieder mit Wendungen, die alles bisherige in Frage stellen. Der Plot ist komplex angelegt, nicht zu durchschauen, genau wie ich es bei Krimis liebe. Neben Jan und Mütze gibt es Szenen aus der Sicht des Uhrmachers, dessen Identität lange geheim bleibt.

Seine Protagonisten beschreibt der Autor detailliert, die bekannten Figuren gewinnen an Tiefe. Das Privatleben spielt nur eine kleine Nebenrolle, ist genau richtig dosiert um die Charaktere abzurunden. Für Jan läuft es privat eher suboptimal, seine Exfrau eröffnet ihm, mit dem gemeinsamen Sohn nach München ziehen zu wollen. Für Jan, der seinen Sohn über alles liebt, eine Situation, die ihm das Herz bricht. Und trotzdem gibt es alles, um seinen aktuellen Fall aufzuarbeiten. Für mich war der Krimi perfekt, ich konnte mitfiebern, mich in die Personen hinein versetzen und warte jetzt gespannt auf den nächsten Teil.

Fazit: So geht Krimi. Spannung, Atmosphäre, eine dichte Story und tolle Charaktere. Verdiente 5 Sterne.

Bewertung vom 22.01.2018
In eisiger Nacht / Detective Max Wolfe Bd.4
Parsons, Tony

In eisiger Nacht / Detective Max Wolfe Bd.4


ausgezeichnet

aktuelle Thematik, spannend umgesetzt

"In eisiger Nacht" ist der vierte Fall für den Londoner Detective Max Wolfe. Es ist Winter, die Temperaturen eisig, als in Chinatown ein verlassener Laster aufgefunden wird. Zuerst wird von einer möglichen Bombe ausgegangen, doch der Spürhund gibt Entwarnung. Als der Lastwagen geöffnet wird offenbart sich das schreckliche Geheimnis: Elf tote junge Frauen befinden sich im Laderaum, der auf Minusgrade herunter gekühlt ist. Alle erfroren. Eine Frau lebt noch, stirbt aber kurz darauf an den Folgen der Unterkühlung. Auf die Spur der Schleuser will Max mit dem dreizehnten Pass kommen, der im Führerhaus gefunden wurde. Eine junge Frau muss die Todesfahrt überlebt haben und irgendwo in London untergetaucht sein. Die Suche beginnt und wird für Max und sein Team brandgefährlich.

Ich habe die Reihe von Anfang an verfolgt, in jedem Krimi verarbeitet Tony Parsons ein aktuelles Thema, so auch in diesem. Es geht um Menschenhandel, illegale Migration und die kriminellen Banden, die unter dem liberalen Deckmantel der "offenen Grenzen für alle" für unsägliches Leid und Tote sorgen. Max Wolfe und sein Team ermitteln in dem Fall, doch diesmal geht es nicht ohne Verluste für die Polizei aus. Sie kommen auf die Spur der Schlepper, die sie in ein Flüchtlingslager nach Dünkirchen in Frankreich führt, das von dem zwielichtigen Troy geführt wird.

Ich habe mich gefreut, die bekannten Charaktere wiederzutreffen, vor allem Max Wolfe. Max ist trotz seines Berufs menschlich geblieben, mitfühlend, kümmert sich um andere wo immer es geht. Das macht ihn zu einem liebenswerten Charakter. Er behandelt selbst Gangster respektvoll. Ihm ist bewusst, dass er für seine Tochter Scout mehr Zeit erübrigen müsste, deswegen genießt er jede Minute mir ihr, geht liebevoll mit ihr um. Wenn man die Reihe von Anfang kennt merkt man, wie sich die Charaktere entwickeln und verändern. Das wird in diesem Teil an Max Chefin DCI Whitestone deutlich, die durch das Schicksal, das ihr Sohn erleiden musste, hart geworden ist und nicht immer richtige Entscheidungen trifft.

Die Grundstimmung ist düster und illusionslos, aber sehr atmosphärisch. Lichtblicke zwischen der spannenden Handlung sind die kleinen familiären Szenen mit Max Tochter Scout und dem Familienhund, oder die Szenen in dem Boxclub, in den Max regelmäßig geht.

Insgesamt konnte mich auch dieser Teil der Reihe überzeugen, er punktet mit einem aktuellen Thema, Spannung und sehr gut ausgearbeiteten Figuren. 5 Sterne.