Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: SofieWalden
Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 137 Bewertungen
Bewertung vom 24.06.2020
Das Geheimnis des Träumers / Strange the Dreamer Bd.3
Taylor, Laini

Das Geheimnis des Träumers / Strange the Dreamer Bd.3


sehr gut

Sarai, das Seelenwesen, sucht nach Rettung und entdeckt Minyas Träume

Dieses Buch ist der erste Teil einer auf zwei Bände angelegten Geschichte rund um Lazlo und Sarai, Minya, Ruby, Sparrow, Feral, Eril-Fane und den vielen anderen, die für die Leser, die schon die zwei Bücher starke Geschichte 'Strange, der Träumer' gelesen haben, natürlich mehr sind, wie nur Namen. Sie alle haben schon eine Menge durchmachen und ertragen müssen, wurden den Bösen oder den Guten zugeordnet, obwohl, so einfach ist das nicht, und einige von ihnen, die übrig gebliebene Götterbrut, lebt nun in der über der Stadt Weep schwebenden Zitadelle, schon irgendwie gefangen in dieser eigenen Welt, umgeben vom Göttermetall, das ihnen ihre Kräfte gibt und ihrer Haut die blaue Farbe. Und dann erscheint Sarai mit dem Einen, Lazlo, der über Fähigkeiten verfügt, die alles ändern könnten, wenn er sie denn einsetzt, gegen die Menschen von Weep und für die eigene Rache.
Dies hier ist eine tolle Fortführung der 'Träumer'- Geschichte, von einer Handlung so voller besonderer Fantasie getragen, mit allen Facetten von Emotion bestückt, den Guten und den Schlechten und einer berührenden herzzerreißenden Liebe, deren Schicksal eigentlich ohne Hoffnung ist. Ich fand dieses Buch richtig schön, auch wenn man vieles darin, im eigentlichen Sinne, überhaupt nicht so bezeichnen kann. Und ich warte nun ungeduldig auf seine Fortsetzung, denn wie schon in den beiden Bänden zuvor, werden wir Leser hier am Ende, man kann schon sagen, abrupt aus unseren Träumen gerissen und mitten im Geschehen ausgeblendet. Aber es geht ja bald weiter.

Bewertung vom 24.06.2020
Wozu wir fähig sind
El Omari, Laila

Wozu wir fähig sind


sehr gut

Es betritt einer den Raum und die Fassade zerbricht

Patrick und Alina sind ein sehr präsentes junges Paar und in ihrer Clique schon die prägenden Figuren. Beide studieren an der hiesigen Universität und sind bei eigentlich allem, was sie tun, sehr erfolgreich und natürlich auch sozial engagiert. Innerhalb ihrer Gruppe kennen sich alle schon seit der Schulzeit und wenn jemand ein Problem hat, gerade Patrick ist immer für alle ansprechbar und findet dann auch garantiert eine Lösung. Und dann, eines Tages, betritt eine 'neue Figur den Raum'. Alexander, groß gewachsen, gut aussehend, charmant, souverän und auch ein bisschen geheimnisvoll, taucht sehr ungezwungen und wie selbstverständlich bei den jungen Leuten auf. Auch er studiert Jura und ist gerade erst zusammen mit Leonora, einer Freundin, seiner Freundin?, hierher gezogen. Er muss bei den Mitgliedern der fest vernetzen Gruppe nicht um Aufmerksamkeit und gar Aufnahme buhlen. Er hat sie, vom ersten Augenblick an. Patrick sieht ihn als 'seinesgleichen' an und gerade Alina empfindet eine ihr selbst unerklärliche Faszination für Alexander und sucht immer wieder seine Nähe. Die Handlung selbst ergibt sich aus der Abfolge der Aufeinandertreffen zwischen den einzelnen Personen und immer ist Alexander mit dabei, entweder direkt oder indirekt, indem er das Tun der anderen lenkt und zwar, ohne dass sich diese dessen bewusst sind, zumindest zu Beginn. Dem zuzusehen und das Vorgefühl, das dies alles, genau geplant, auf etwas zusteuert, das für jeden Einzelnen der Clique mit seiner ganz persönlichen Katastrophe enden könnte, ist absolut packend inszeniert. Und dann ist da ja auch noch das große 'Warum', das für Patrick und Alina und die anderen Mitglieder ihres kleinen Kosmos so lange im Dunklen bleibt.
Ich fand dieses Buch richtig gut, fast wie ein Theaterstück mit ständigem Wechsel der auf der Bühne stehenden Personen, ohne viel drumherum. Jede Szene treibt das Spiel voran und ganz am Ende gibt es einen Gewinner oder vielleicht auch nicht.

Bewertung vom 07.06.2020
Mind Games
Deakin, Leona

Mind Games


gut

Ein tolles Ermittlerduo bei seinem ersten Fall

Die Kriminalpsychologin und Profilerin Augusta Bloom und ihr Partner Jameson, ein ehemaliger MI6-Agent sind ein gutes Team. Zusammen haben sie ein kleines Büro im Souterrain einer Werbeagentur. Das reicht ihnen für ihre Arbeit als selbstständige Ermittler. Dabei werden ich auch oft zu Fällen, die in den Händen der Polizei liegt, hinzu gezogen, denn Bloom ist eine sehr anerkannte Spezialistin auf ihrem Gebiet und Jameson hat in seinem früheren Leben schon fast alles gesehen und zudem sehr gute Verbindungen, wenn einmal ganz brisante und geheime Informationen gebraucht werden. Eines Tages bittet Jameson Augusta um einen Gefallen. Das hat er noch nie getan, aber es ist ihm ein großes Anliegen, einem jungen Mädchen zu helfen, dessen Mutter einfach verschwunden ist. Jane ist 16 Jahre alt und über die Jahre von Jamesons Schwester 'mit großgezogen worden', immer dann wenn deren Mutter im Auslandseinsatz war oder einfach mal wieder nicht gut drauf. Und nun sitzt sie in Augustas Büro und will ihre Mutter finden. Es muss etwas passiert sein, da ist sie sich sicher. Einfach so weggehen, das würde sie dann doch nicht tun. Oder vielleicht doch, wenn man sie genug lockt, mit einem Spiel? Zumindest hat Jane eine solche Einladungskarte in der leeren Wohnung entdeckt und nun braucht sie Antworten. Und so machen sich Bloom und Jameson an die Arbeit und was sie dann ermitteln, ist einfach unfassbar gefährlich für eine Menge Menschen, aber vor allem für Eine. Denn das Spiel wird von ganz speziellen kranken Menschen gespielt und irgendwann erkennt man das Ziel und das ist Augusta selbst.
Das ist eine vor Spannung prickelnde, aus den seelischen Abgründen der Menschen geborene Geschichte, die die Bezeichnung Psychothriller mehr als verdient. Und ich bin mir sicher, die Ermittlungen des sehr authentischen und präsenten Profilerduos werden weiter gehen. Ich freue mich schon auf ihren nächsten Fall.

Bewertung vom 06.06.2020
Im Wartezimmer der Unsterblichkeit
Giuliani, Alberto

Im Wartezimmer der Unsterblichkeit


gut

Die Angst vor dem Tod und was man daraus macht

Der Journalist und Fotoreporter Alberto Giuliani macht sich in diesem Buch auf eine sehr persönliche Reise. Als jungem Mann wurde ihm prophezeit, dass er im Alter von 43 Jahren sterben würde und er solle einen Mann aus der Zukunft suchen, der ihm helfen könnte. Ob er dadurch seinem Schicksal entrinnen würde, blieb dabei offen. Wirklich Gedanken darüber hat sich Giuliani nie gemacht, aber als er die 40 überschreitet, kriecht die alte Prophezeiung sozusagen wieder hervor und nimmt sein Denken zu einem doch sehr großen Teil in Beschlag. Und so macht er sich auf den Weg, den geheimnisvollen Mann, der vielleicht 'die Rettung bringt', zu suchen. Die Orte, die er dafür aufsucht, liegen verstreut über die ganzen Welt verteilt und so trifft er auf Projekte, die die Menschen vor dem Sterben bewahren oder gar zur Unsterblichkeit verhelfen sollen. Er besucht unterirdische Bunker für die Allerreichsten unserer Gesellschaft, Wissenschaftler, die geliebte Tiere klonen und dies auch bald mit Menschen schaffen wollen, Firmen, die Körper einfrieren, die in einer weit fortgeschrittenen Zeit mit den dann vorhandenen Möglichkeiten wieder aufgefroren werden und weiter leben sollen. Er besucht ein Institut, das das Genom sämtlicher Menschen einlesen und speichern will, eine Gruppe von Menschen, mit denen eine Simulation des Lebens auf dem Mars durchgeführt wird und noch einige andere, tatsächlich existierende und durch entsprechende Bilder dokumentierte, teils sehr futurische 'Tatsächlichkeiten'. Das alles ist sehr interessant, aber so richtig gut wird es dann, wenn ein Mensch sozusagen aus dem jeweiligen Projekt hervortritt und man dessen ganz eigene 'normale' Geschichte erfährt. Denn letztendlich wird Giulianis Odyssee zu einem Zusammentreffen mit Menschen, wie wir selbst es sind, mit schrägen, manchmal vielleicht schockierenden, wissenschaftliche und moralische Grenzen überschreitenden Ideen. Und das ist es auch, was fasziniert und einen hier auch sehr gut unterhält. Und die Erkenntnis daraus, für Giuliani selbst und auch für uns, die er mitgenommen hat auf diese Reise, ist vielleicht, dass es keine endgültige Erkenntnis gibt und dass das Sterben, heute zumindest, noch dazugehört, zum Leben. So erschließt sich mir zumindest dieses Buch, aber das ist sicherlich bei jedem einzelnen auch anders.
Übrigens und ich hoffe, das sagen zu dürfen, Giuliani wurde 1975 geboren und erfreut sich seines Lebens, im hier und jetzt.

Bewertung vom 25.05.2020
flüchtig
Achleitner, Hubert

flüchtig


gut

Das Leben ist einfach wie es ist und manchmal soll es anders werden

Herwig Berger ist um die 60 und Lehrer an einer Schule, seine Frau Maria arbeitet bei der Bank. Die beiden haben sich einst geliebt, leidenschaftlich und voller Genuss. Nach fünf Jahren und einer Fehlgeburt wurde es dann anders, alltäglich, oberflächlich und von Marias Seite her oft ein Kampf 'dagegen'. Herwigs Versuche, wieder Gemeinsamkeit zu finden, werden weg gestossen und irgendwann ist es einfach ganz viel 'nur im eigenen Leben leben' und halt im selben Haus. Doch dann gibt es eine Entscheidung, Marias Entscheidung und die heißt, die Tür hinter sich zumachen, den Job kündigen, das meiste gemeinsame Geld mitnehmen und gehen, hinaus in die Welt, ohne Plan. Aber Leben muss doch einfach wert sein, ihm diesen Namen auch zu geben. Und Herwig bleibt zurück, besorgt, etwas orientierungslos und dann geht es doch recht gut weiter. Aber das Maria nicht mehr da ist, das bleibt.
Dies ist eine Geschichte, die einfach so dahin fließt, mit Menschen, die das Leben bereichern, Gefühle erzeugen und zu Erkenntnissen führen und die gerade Maria zu sich selbst finden und auch Fehler eingestehen lassen. Da ist eine Menge Erfrischendes, Berührendes und sehr Philosophisches dabei, das auch beim Leser ankommt. Aber dazwischen gibt es auch immer wieder längere Blöcke, die die Stärken des Buches ausbremsen und den Fluss der Geschichte zum Stocken bringen. Ein paar Dinge passen einfach nicht so richtig, aber jeder liest ja letztendlich auch etwas anderes aus einer Geschiche heraus.

Bewertung vom 22.05.2020
Wassertöchter / Emma Carow Bd.3
Hansen, Ule

Wassertöchter / Emma Carow Bd.3


ausgezeichnet

Eine außergewöhnlich gute Analystin und der Fall ihres Lebens

Emma Carow ist Fallanalystin beim LKA Berlin. Sie ist Teil einer kleinen Spezialtruppe, die den einzelnen Abteilungen des Landeskriminalamts zuarbeitet, manchmal sind sie aber auch irgendwie mittendrin. Und diesesmal ist es Emma ganz persönlich, die als treibende Kraft in einem Fall agiert, der ganz nah dran ist an ihr selbst und dem, was die junge Frau vor zehn Jahren hat erleben müssen. Sie wurde drei Tage vergewaltigt und gequält und eigentlich hätte sie dieses Märtyrium gar nicht überleben dürfen. Ihr Vergewaltiger zumindest hatte geplant, es auf jeden Fall 'zuende zu bringen'. Aber sie hat es geschafft und Uwe Marquardt, der Dämon, der sie in den letzten 10 Jahren in ihren Gedanken, ihren Träumen und in ihrem eigentlich nie normalen Leben begleitet hat, wurde gefasst und verurteilt. Seit drei Jahren nun ist er wieder da, hat ein Buch geschrieben, über seine Tat, hat Talkshows besucht und dort um Verzeihung gebeten, an Emma gerichtet und er fungiert als prominentes, von einer bestimmten Sorte Mensch auch bewundertes und angesehenes Mitglied der Gesellschaft. Eines Tages dann findet man eine tote Frau, deren Verletzungen sehr an die Emmas erinnern und alles ist wieder da, so unendlich nah, und das, wo Emma doch gerade das erste Mal wieder so etwas wie Glück fühlen kann in ihrer so verwundeten Seele. Und als Marquardt sich auch noch der Polizei anbietet, zu helfen in diesem Fall und gar forciert, mit Emma zusammen zu arbeiten, ist sie sich sicher, Uwe Marquardt selbst steckt hinter all dem. Und wenn er die Taten von anderen ausführen lässt. Im Manipulieren war er ja schon immer ein Meister.
Dies ist ein absolut packender Thriller mit einem großen Anteil an spannender Ermittlungsarbeit, einer absolut präsenten starken Hauptfigur Emma Carow und einer authentischen, sehr nah und echten Kollegenschaft, die ihr bestes gibt, um an Emmas Seite diesen Fall, den Fall ihres eigenen Lebens, zu einem guten Ende zu bringen. Und dann der Schluss, wenn einem erst mit den letzten Sätzen des Romans richtig bewußt wird, es ist tatsächlich vorbei.
Ein starkes Buch!

Bewertung vom 14.05.2020
Willkommen in Lake Success
Shteyngart, Gary

Willkommen in Lake Success


sehr gut

Ein US-Broker aus einer anderen Welt landet in der Realität von Trumps Amerika

Barry ist Broker, einer von denen, die nur in mehrstelligen Millionenbeträgen denken und danach handeln. Doch dann kommt es zum Bruch, im familiären Gefüge und auch im beruflichen Bereich ist der Supergau nicht mehr weit. Spontan steigt er in einen Überlandbus und macht sich auf den Weg zu seiner großen Jungensliebe. Das Roadmovie durch die USA der weiten Landflächen, des nicht nur subtilen Rassismus, der politischen Haltung des kleinen Mannes und des Mühlsals der armen Bevölkerung beginnt und führt zu erstaunlichen Erkenntnissen, bei Barry, dem Mann aus kleinen Verhältnissen, der es 'geschaftt hat' nach ziemlich weit oben.
Das Buch behandelt auf seiinem Weg durchaus ernsthafte Themen, aber auf eine so humorvolle, literarisch fein beschriebene Art, dass man sich erst im Nachklingen einer ordentlichen Portion Tiefgang bewusst wird. Aber das ist ja absolut nichts schlechtes und mal ganz einfach betrachtet, dieser Roman ist es einfach richtig gute Unterhaltung.

Bewertung vom 10.05.2020
Margos Töchter
Stephan, Cora

Margos Töchter


ausgezeichnet

Das Schicksal einer Familie im System des geteilten Deutschlands – Die Töchter sind dran

Margo und ihr Mann Henri leben in der BRD, zu einer Zeit, in der es noch zwei Deutschland gibt. Sie ist berufstätig, in den 1960er Jahren von der Gesellschaft eher negativ gesehen, und sie hat eine Tochter, Leonore. Diese wächst somit in einer eher ungewöhnlichen Familienkonstellation auf. Die Mutter ist beruflich nahezu ununterbrochen gefordert. Der Vater, ein Richter, der zu einem großen Teil zuhause arbeiten kann, kocht, kümmert sich um den Garten und versorgt das Kind. Leo rebelliert früh, ohne das es die Eltern wirklich wahrnehmen, geht nach London in der Zeit der freien Liebe, studiert dann in Frankfurt und stellt ihren Eltern irgendwann einen Mann vor. Dort, in ihrem ehemaligen Elternhaus, ist gerade, wie sie überrascht feststellt, eine junge Frau und ihre kleine Tochter Jana zu Besuch. Die Frau nennt sich Gisela und wurde von der BRD aus Ostdeutschland freigekauft, aus dem Gefängnis. Am nächsten Tag ist diese Gisela dann verschwunden und das Kind hat sie zurückgelassen. Leo heiratet ihren Alexander und die beiden adoptieren das Mädchen. Was wir dann hier lesen, ist die 'Geschichte der Töchter', zweier Frauen, die von Familie und jeweiligem politischem System geprägt, dafür einstehend oder sich auch dagegen auflehnend, ihren Weg gehen oder besser gesagt, versuchen, das ihnen aufgebürdete Schicksal zu meistern.
All die Menschen, die sich dabei rechts und links des Weges einbinden in diese Leben, sind Teil einer hautnah und packend geschaffenen Echtzeit, mal sehr unmittelbar in den innersten Beziehungsbereich hinein, mal als politische und berufliche Beigaben in der Auseinandersetzung und dem Abarbeiten an dem System des zweigeteilten Deutschlands und dem Kurs des kalten Kriegs in einem sehr festgefahrenen Ost-West-Gefüge.
Mich hat dieses Buch wirklich umgehauen und ganz schön mitgenommen dazu. Die Prägnanz und Authentizität der Schilderung dieser als aktuelle Geschichte zu bezeichnenden Zeit, die Detailgenauigkeit im kleinen und dann auch im großen politischen Handeln, festgemacht an einer Handvoll Personen, die sehr eng und manchmal doch so weit voneinander entfernt, hier ihr Leben durchschreiten, das hat mich wirklich gepackt. Hier stimmt einfach alles, auch in den Feinheiten dazwischen, egal ob linksgerichtete Zeitungsredaktion oder Abhängigkeitskonstellation im Stasisystem zwischen Führungsoffizier und staatstreuem weiblichem Agent. Nie hätte ich gedacht, das dieses Buch einen solch herausragenden und packenden Roman zur deutsch-deutschen Geschichte in sich trägt. Also ich kann 'Margos Töchter' absolut empfehlen, auch oder gerade für Leser, die sich bisher noch eher wenig in die neuere deutsche Geschichte vertieft haben und für die dies alles z.B. aufgrund ihres jüngeren Alters nie persönlich relevant und wirklich nah war.

Bewertung vom 06.05.2020
Die verlorene Tochter der Sternbergs
Correa, Armando Lucas

Die verlorene Tochter der Sternbergs


gut

Die unendliche Flucht eines kleinen Menschen und niemals zuhause sein

Die Sternbergs leben im Berlin von 1933. Armanda betreibt im Erdgeschoss ihres Hauses einen Buchladen, den Buchgarten. Ihr Mann Julius hat gerade eine Arztpraxis für Kardiologie eröffnet und die beiden erwarten ihr erstes Kind. Schon zu dieser Zeit ist die Stimmung gegen die jüdische Bevölkerung zum Teil recht feindselig. Und dann dringen fanatische Studenten in Armandas geliebten Buchladen ein, holen alle Bücher heraus und verbrennen sie. Die Freunde der Sternbergs haben bereits das Land verlassen und die beiden angefleht, dasselbe zu tun. Doch für Julius kommt dies nicht in Frage, da er seine Patienten nicht im Stich lassen will. Die nächsten Jahre gehen dahin, die Repressalien werden schlimmer und Armanda wird das zweite Mal Mutter. Nun sind sie zu viert, Armanda, Julius und die beiden Töchter, die Ältere, Viera und die kleine Lina. Eines Tages wird Julius in seiner Praxis abgeholt und in ein Lager außerhalb von Berlin gebracht. Bei der Festnahme verletzt er sich und die Infektion breitet sich aus. Aber er schafft es noch, mithilfe seiner ihm dankbaren Patienten, zu organisieren, dass seine beiden Töchter über den großen Teich nach Kuba fliehen können. Dann stirbt er und seine Frau muss seinen Plan nun ausführen. Und so steht Amanda mit den beiden Mädchen in Hamburg am Hafen und muss Abschied nehmen. Und sie trifft eine Entscheidung und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Die Geschichte beschreibt die unendliche verzweifelte Odysee einer jüdischen Mutter und ihrer beiden Mädchen, immer auf der Suche nach einer sicheren Zuflucht und einem Zuhause. Für jeden von Ihnen hat das Schicksal eine andere furchtbare Variante des Versuchs zu überleben parat und am Ende der Geschichte schließt sich der Kreislauf eines Lebens, glücklich und herzzerreißend traurig zugleich.
In diesem Roman stehen persönliches Schicksal, Empfinden und Gefühle im Vordergrund, stellvertretend für das Leid der jüdischen Bevölkerung, von 1933, über den Krieg bis hin zur deutschen Kapitulation. Und die Personen und die Handlung sind inspiriert von tatsächlichen Ereignissen zu dieser Zeit und einer Person, die der Autor selbst hat kennenlernen und mit ihr reden dürfen.
Manche Zeitabschnitte finde ich ein wenig zu schnell erzählt. Das nimmt einem die Chance, mit der ein oder anderen Person in vollem Umfang mitzufühlen. An anderen Stellen wird länger verweilt, wie es der Geschichte gut tut. Aber alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Sehr passend auch die Anmerkungen zu den wahren Bezügen am Ende des Romans.

Bewertung vom 01.05.2020
Achtzehn
Berg, Anton

Achtzehn


sehr gut

Die geheimen Achtzehn ziehen die Strippen, eine spannende Hypothese, oder mehr?

Der Radiojournalist Axel Sköld ist für seine besonderen Features im schwedischen Rundfunk bekannt. Mehr wie einmal hat er eine wirklich große Sache aufgedeckt, immer sauber recherchiert immer abgesegnet vom ausstrahlenden Haussender und sehr gut angenommen vom Hörerpublikum. Bei seinen neuesten Enthüllungen geht es neben der Waffenindustrie auch um Hinweise bzgl. des Mörders des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme und einiger anderer mehr oder weniger ungeklärter Todesfälle von Menschen, die dabei waren, sehr gewichtige Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Vorbesprechung beim Sender führt dann allerdings überraschenderweise zum Verbot, diese Dinge im Radio vorzutragen. Axel schafft es auf Umwegen aber doch, die 'zusätzlichen Aspekte' in seinem Feature an den Hörer zu bringen und die Reaktion darauf ist, der Rauswurf. Irgendwo anders bekommt der Journalist keine Arbeit mehr, dafür wird gesorgt und er bereut es bereits, sich so über die Vorgaben hinweg gesetzt zu haben. Doch dann erhält er von privater Seite den Auftrag, weiter zu ermitteln und er wird dafür zudem noch richtig gut bezahlt. Dass, was er dabei herausbekommt, gefällt allerdings gewissen Leuten gar nicht und so werden sie aktiv. Ihre Macht ist groß und Axels These von einem geheimen Bund, der die Fäden zieht im Staate, scheint pure Realität zu sein. Und was dann passiert, ist ein Spiel auf Leben und Tod, auch wenn der Journalist lange braucht, um dies zu begreifen, vielleicht sogar schon zu lange, für ihn selbst und die Menschen, die er unbedarfterweise mit hinein gezogen hat, in diese Geschichte.
Axel Sköld ist ein guter Journalist, aber vernünftig und bereit, ihm vorgegeben Grenzen zu akzeptieren, das ist er nicht. Bei seinen Ermittlungen hat sich ein kleiner Trupp redlicher Menschen an seine Seite gestellt, sympathisch und durchaus eigen, wie er selbst. Das Hintergrundszenario des Romans ist auf die ein oder andere Weise sicherlich schon in manchem Thriller zum Tragen gekommen, aber das ist eigentlich auch nicht so wichtig, denn diese Geschichte ist richtig spannend. Am Anfang geht alles noch ruhig und eher wenig spektakulär vonstatten. Aber dann nimmt das Geschehen Fahrt auf und letztendlich kommt es zum großen Showdown, mit einer ordentlichen Portion Aktion und Atem anhalten, von Seiten der Leser, genau wie es sich für das Genre Thriller gehört. Ob das Ende dann jeder mag, wird sich zeigen. Aber man kann auf jeden Fall sagen, die Sache kommt ziemlich real herüber. So könnte es wohl gewesen sein, wenn es denn keine Geschichte wäre.