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Benutzername: SofieWalden
Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 141 Bewertungen
Bewertung vom 04.10.2020
Rules For Being A Girl
Bushnell, Candace;Cotugno, Katie

Rules For Being A Girl


ausgezeichnet

Zu dem zu stehen, was für einen richtig ist, kann sehr schwer sein

Marin besucht die Highschool und macht bald ihren Abschluss. Sie ist ein nettes Mädchen, überall beliebt, hat ihre Freunde und macht alles so, wie es 'den Regeln entspricht', um dazu zu gehören. Einer ihrer Lehrer ist ein besonders cooler Typ, der einen sehr guten Kontakt zu seinen Schutzbefohlenen pflegt und ihnen zeigt, dass er viel weiß von dem, was in ihrem jungen Leben so abgeht. Marin unterhält sich gern mit ihm und verbringt, ohne groß darüber nachzudenken, relativ viel Zeit des Schulalltags in seinem Umfeld. Das findet sie ganz normal, bis es eines Tages zu einem Vorfall kommt, der sie zutiefst erschreckt und durcheinander bringt. Marin erzählt das, was passiert ist, den Menschen, die, wie sie meint, ihre Freunde sind. Aber was sie daraufhin erlebt, ist Ablehnung, Herunterspielen und die Aufforderung, kein großes Ding daraus zu machen und lieber zu schweigen. Doch das will sie nicht tun. Sie will nicht einfach darüber hinweg gehen, denn sie findet das, was passiert ist, schlimm, sicher nicht so schlimm wie 'eben schlimmeres', aber gravierend genug. Sie ist in ihrem eigenen Urvertrauen erschüttert und die Reaktionen ihrer Umgebung setzen in ihr etwas in Gang., eine Bewusstseinsänderung, anders auf die Dinge zu sehen und die Stärke aufzubringen, gegen den Strom zu schwimmen, wenn es nötig ist.
Mich hat diese Geschichte sehr überrascht, im absolut positiven Sinne. Dies ist kein Highschool-Teenie-Buch mit ein bisschen erster Liebe und dem ein oder anderen kleinen Schön-und-Gut-Bagatell-Problem. Hier geht es um Haltung, darum, was einem junges Mädchen wiederfährt und wie es nicht bereit ist, sich zu ducken, um ja nicht aus dem Rahmen zu fallen und das oberflächliche Prozedere des High Five Gehabes in einer Mittelstandsschule zum Bröckeln zu bringen. Diese Geschichte ist echt und authentisch und die Dinge sind so auf den Punkt gebracht, wie man es selten zu lesen bekommt. Alles, was Marin fühlt, fühlt man auch und als Leser ist man ganz nah dran. Ich freue mich, dieses Buch für mich entdeckt zu haben und ich bin mir sicher, es hallt bei seinen Lesern noch lange nach, egal ob sie jung oder eben Erwachsene sind.

Bewertung vom 03.10.2020
Dunkler Raum
Robert, Peter

Dunkler Raum


weniger gut

Der Horror kommt langsam, aber gewaltig

Lutz Helsinger ist sehr froh, die Chance zu bekommen, zusammen mit seiner Freundin Marion, seinem Sohn und deren Tochter, sein jetztiges Lebensumfeld im Hamburger Problemviertel Neuwarder verlassen zu können. Er erhält eine Anstellung am Eliteinternat Gut Vogelstein und hofft auf einen beruflichen und privaten Neuanfang. Die alleinerziehende Regina Adebaye, Mutter zweier Kinder, muss dagegen weiter in dem von Drogen und Arbeitslosigkeit geprägten kriminellen Milieu von Neuwarder zurechtkommmen. Am Anfang erscheint Lutz, der als Hausmeister arbeitet und auch seiner Partnerin, die eine Anstellung als Lehrerin erhalten hat, alles wie ein schöner Traum. Doch dann verändert sich das Verhalten der dort untergebrachten Kinder auf nicht erklärbare Weise. Aus anfänglichen kleinen Wutausbrüchen werden gewalttätige Aktionen, die mit einem totalen Kontrollverlust einhergehen und die einzige Möglichkeit, etwas dagegen zu tun, ist einsperren. Diese Erscheinungen sind jedoch nicht lokal begrenzt, sondern es kommt überall zu derartigen bedrohlichen Vorfällen von 'Killerkids'. Was sich daraus entwickelt, ist Horror pur, dokumentiert auf sehr persönlicher Ebene, denn sowohl die Kinder von Lutz und Marion wie auch Regines Nachwuchs werden kaserniert.
Eine Geschichte, der ich am Anfang noch das Genre Utopie zugesprochen hätte, doch spätestens im zweiten Teil entwickelt dich der Roman zu einem kaum aushaltbaren Horrorszenario, das schon ein bisschen an Stephen King erinnert. Die Geschichte ist gut geschrieben, baut sich in der zunehmenden Eskalation und dem scheiternden Versuch von Kontrolle absolut packend auf. Aber es ist nicht leicht, dies als Leser als Unterhaltung zu erleben. Denn das Warum und die Reflektion der Ereignisse, das ist diesem Buch trotz der, wie ich glaube, dahingehend durchaus angestrebten Intention des Autors, vollkommen abhanden gekommen. Und es bleibt einfach nur ein sehr ungutes Gefühl zurück und sonst nicht viel.

Bewertung vom 02.10.2020
Sam Wu - Hat KEINE Angst vor Geistern
Tsang, Kevin; Tsang, Katie

Sam Wu - Hat KEINE Angst vor Geistern


ausgezeichnet

Vor was man sich alles so gruselt und schön, dass man Freunde hat

Bei Sam Wu ist eigentlich alles paletti, wenn da nicht dieses eine Ereignis gewesen wäre, über das niemand reden darf, auch nicht seine beiden echt tollen Freunde Anton und Zoe. Denn seit dem … denken sie in der Schule, er wäre ein Angsthase. Irgendwann hätten sie das bestimmt vergessen, denn Sam Wu ist sonst echt voll in Ordnung und eigentlich mögen ihn alle. Aber dieser eine blöde Junge, Ralf Philip Zinkermann, reitet bei jeder Gelegenheit darauf herum. Das kann einfach nicht so weiter gehen und so beschließt Sam Wu, etwas ganz tolles zu tun, so dass ihn niemand mehr Angsthase nennt. Dazu braucht er aber unbedingt einen treuen Begleiter und so fährt er in die Tierhandlung und kauft, ziemlich heimlich, aber dann doch mit der Hilfe seiner Großmutter, eine (kleine) Schlange. Die Eltern sind gar nicht begeistert, aber was solls. Und dann kommen auch noch seine beiden Freunde das erste Mal zu Besuch. Sams Vater hat Sams Lieblingsessen gekocht und erst finden Anton und Zoe das fast schon eklig, denn Ente und Rübenkuchen kennen sie nicht. Aber dann ist doch alles sehr lecker und es wird ein richtig schöner Tag. Ach ja, und dann kommt das gruselige große Abenteuer irgendwie von ganz alleine und wird supergeisterhaft schlimm und alle drei, Sam, Anton und Zoe, brauchen riesig viel Mut dafür.
Diese Geschichte ist schon ordentlich schräger als man das so kennt. Die Zeichnungen, die man auf fast jeder Seite findet, sind schräg, passen aber genau zu dem, was gerade passiert und der Erzählstil, der ist auch schräg. Oberschräg, würde ich sogar sagen, aber richtig klasse. Und das Ganze macht einfach riesig Spaß. Also Buch aufschlagen und ab geht die wilde Fahrt.

Bewertung vom 02.10.2020
Die geheime Werkstatt / Lillys magische Schuhe Bd.1
Luhn, Usch

Die geheime Werkstatt / Lillys magische Schuhe Bd.1


sehr gut

Da braucht jemand dringend etwas Gutes und bekommt es auch

Bei Florentine läuft es gerade nicht ganz so gut. Die Firma ihrer Eltern konnte nicht mehr weiter bestehen und so mussten sie alle drei zu ihrer Großtante Armanda ziehen. Die ist zwar sehr nett, aber das Zimmer mit den fremden Möbeln, in dem Florentine jetzt lebt, gefällt ihr gar nicht und die neue Schule ist richtig schlimm. Ihre Klassenkameraden sind blöd und wollen nichts mit ihr zu tun haben, die Klassenlehrerin ist auch keine Hilfe und ihre Hoffnung, einen Platz im Fussballteam zu bekommen hat sich ebenfalls nicht erfüllt, obwohl sie wirklich supergut Fussball spielen kann. Doch dann sieht sie eine Schildkröte, die sich in Richtung des Hauses gegegenüber bewegt und folgt ihr. Und dann macht ihr ein Mädchen in ihrem Alter die Tür auf und bittet sie herein. Lilly heißt sie und ist supernett und bunt und ein bisschen merkwürdig. Sie erzählt Florentine fantastische Sachen, die diese erst gar nicht glauben kann und dann kommt da noch ein Drache um die Ecke, der spricht und die Schildkröte Frau Wu macht das auch. Schön schräg, was! Aber dann kommt das Beste. Lilly will dafür sorgen, das ihr Onkel, der gerade auf Reisen ist, für Florentine ein paar wunderbare, zauberhafte Schuhe macht, wenn er wieder kommt, nur für sie, ganz allein.
Eine tolle Geschichte mit mehr Realität, wie man denken würde und das Fantastische hilft dann nur ein bisschen, damit für Florentine ja vielleicht doch alles wieder besser wird wie es jetzt gerade ist.
Band 1 von 'Lillys magische Schuhen' hat sehr viel Spaß gemacht und total überzeugt. Und am Ende gibt es dann auch noch einen Vorgeschmack auf das nächste fantastische Abenteuer, in dem ein Paar von Lillys Schuhen wieder ganz dringend gebraucht werden.

Bewertung vom 28.09.2020
Normale Menschen
Rooney, Sally

Normale Menschen


sehr gut

Gegen Gefühle kann man nichts tun und was daraus wird, dazu gehören zwei

Da ist Marianne, reiches Elternhaus, aber in der Schule immer außen vor und dann gibt’s da Connell, der Sportstar der Schule, eingebunden und überall beliebt und seine Mutter ist Putzfrau bei Mariannes Familie. Zwei total verschiedene Leben und trotzdem, man nimmt sich wahr, aber zeigen darf man das natürlich nicht. Schließlich wird man doch ein Paar, zumindest zeitweise, mal mehr, mal weniger. Marianne und Connell machen es sich nicht leicht, vielleicht kann man auch sagen, sie haben es nicht leicht. Da ist die Gesellschaft, in der sie leben und der selbst aufgebaute Druck, die Spielregeln bedienen zu müssen, die sie als Paar meinen, nicht erfüllen zu können und dann ist da natürlich die Gegebenheit, Erwachsenwerden ist gar nicht so leicht, zu zweit vielleicht sogar noch ein bisschen schwerer.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es hat mich einfach mitgenommen auf eine Reise, die Leben heißt, Leben zu zweit oder eben auch nicht. Und ein Ende findet so etwas nie.

Bewertung vom 16.09.2020
Der Fremde aus Paris
Hammad, Isabella

Der Fremde aus Paris


sehr gut

Eine andere Kultur zu seiner Heimat machen wollen und man selbst ist der Fremde, für alle Zeit

Midhat verlässt seine Heimat. Er ist Palästinenser und hat vor in Frankreich Medizin zu studieren. Aber er will mehr von diesem Land, er will es zu seiner Heimat machen und die fremden Menschen mit ihrer so ganz anderen Kultur und Religion zu seinen Freunden. Doch dann merkt er, dass sich ihm diese Türen niemals wirklich öffnen werden, dass er als 'Studienobjekt' angesehen wird. Und auch seine Gefühle für die Tochter seines Professors werden nicht ehrlich erwiedert. Nach einigen Jahren kommt er zu dem Entschluss, in sein tatsächliches Zuhause zurück zukehren und wieder Heimat zu leben. Er versucht, die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen und gründet eine Familie. Aber irgendwann muss er sich eingestehen, dass er auch hier 'der Fremde' ist und wo die Wurzeln sind, ist Heimat, für ihn nicht mehr gilt.
Die sehr prosaisch und fein erzählte Geschichte von Midhat hat einen sehr berührt und gleichzeitig hineingeführt in die historischen Hintergründe des Palästinas und der Palästinenser heute. Man konnte garnicht anders, wie sich hineinziehen zu lassen in die Geschichte dieses Volkes, ganz so wie es die junge Autorin beabsichtigt hat. Und zurück bleibe ich mit einem neuen tiefern Verständnis für das, was war und mit einem weit bewussteren Interesse, für das, was ist, im Palästina von heute.

Bewertung vom 13.09.2020
Onkel Stan und Dan und das gar nicht lieblich-niedliche Mondabenteuer / Onkel Stan und Dan Bd.3
Kennedy, A. L.

Onkel Stan und Dan und das gar nicht lieblich-niedliche Mondabenteuer / Onkel Stan und Dan Bd.3


sehr gut

Schräg und voller Ideen, eine runde Sache

Dan, der Dachs lebt zusammen mit Onkel Stan und einigen sehr eigenen Lamas auf einer Farm in Schottland. Sie haben zusammen schon einige Abenteuer überstanden und einen richtig schlimmen Bösewicht zur Strecke gebracht. Jetzt erfreuen sie sich alle ihres schönes gemeinsamen Lebens bis zu dem Tag, als Dan die Dachsdame Miranda erblickt und sich unsterblich in sie verliebt. Er macht für die anderen kein Frühstück mehr und dabei ist das für alle der wunderbarste Anfang des Tages überhaupt. Er kauft irrsinnige Sachen im Internet, um seiner Liebsten zu gefallen und seine allerbesten Freunde und ihre kleinen Problemchen sind ihm jetzt total egal. Dass Miranda eine ganz böse Dachsperson ist, merkt er nicht, bzw. will er einfach nicht merken. Und dann ist da noch der Mond. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Und gerade, weil er eigentlich der Ort ist, der dafür sorgt, dass Wünsche in Erfüllung gehen, muss er gerettet werden. Da hilft gar nichts. Onkel Stan zögert nicht lange und beschließt, dorthin zu reisen und eigentlich hätte er natürlich Dan mitgenommen. Aber der ist ja beschäftigt und so setzen sich die Lamazwillinge Sam und Sky mit auf die Metallplatte, die Onkel Stan gerade herangeschafft hatte und dann geht's ab zum Mond.
Ihr merkt schon, hier ist alles schräger wie schräg. Das kommt einem am Anfang, gerade wenn man diese 'Familie' noch nicht aus den beiden vorherigen Bänden kennt, schon ein bisschen too much vor. Aber wenn man sich an all die durchgeknallten Ideen und Ereignisse des Autors auf jeder Seite und rechts und links vom Geschehen gewöhnt hat, dann fängt das Lesen sehr schnell an, ganz viel Spaß zu machen. Und spätestens, wenn dann die eigentliche Geschichte auch so richtig Fahrt aufnimmt, sozusagen, im wahrsten Sinne des Wortes, dann ist man voll dabei. Da wird es einem keine Sekunde langweilig und um die nächste Ecke, sprich 'einmal umblättern', wartet schon wieder der nächste schräge Einfall in Bild und Schrift auf seine jüngeren und durchaus auch etwas älteren Leser darauf, bestaunt und belacht zu werden. Onkel Stan und Dan, klasse!

Bewertung vom 10.09.2020
Arthurs wildes Hundeleben
Abidi, Heike

Arthurs wildes Hundeleben


sehr gut

Wenn der Hund zum Herrchen wird und umgekehrt

Arthur ist gerade mal wieder richtig sauer auf seine Eltern, weil er sich doch so sehr einen Hund wünscht und Mama und Papa das einfach nicht erlauben. Er rauscht gerade zur Haustür herein, als er erfährt, das heute Besuch erwartet wird. Man will ihm nicht verraten wer, und Arthur ist richtig gespannt. Aber es sind dann doch nur ein ehemaliger Kollege seines Vaters und dessen Frau und dann eben noch jemand, nämlich Lucky, ein total süßer weiß-schwarzer kleiner Hund. Und wie sich herausstellt, soll Lucky zwei Wochen bei Arthur wohnen und er soll auch ganz allein die Verantwortung für ihn haben, während seine Besitzer im Urlaub sind. Arthur ist natürlich total begeistert und macht sich gleich, mit guten Absichten, aber recht ungestüm, daran, mit Lucky 'viel Spaß zu haben'. Am ersten Abend sind dann Hund und Kurzzeitherrchen völlig ausgepowert und fallen, total müde, ins Bett bzw. ins Körbchen. Und dann kommt der nächste Morgen und sie haben, es ist kaum zu glauben, ihre Körper getauscht. Arthur fühlt sich wie Arthur, tapst aber auf vier Beinen durchs Leben und aus seinem Mund kommt nur noch Wau. Und Lucky versucht auf zwei Beinen das Gleichgewicht zu halten, er spricht Menschensprache und Arthurs Eltern bieten ihm Kakao und Schokocroissants an, obwohl Hunde doch auf keinen Fall Schokolade essen dürfen. Und das liegt daran, weil Lucky jetzt in Arthurs Körper steckt und Arthur sehr wohl so leckere Sachen essen darf.
Heftig, oder! Und irre und schräg und abenteuerlich, für beide und für uns Leser auch. Denn was da jetzt alles so abgeht, das ist schon superspannend und auch komisch. Arthur und Lucky 'denken' abwechselnd, was sie so fühlen und wie Herrchen und Hund sich so gegenseitig wahrnehmen , erst in ihrem eigenen Körper, dann im Körper des jeweils anderen. Dabei kann man dann auch noch ganz viel lernen, darüber wie man mit Hunden umgehen muss, damit die sich wohl fühlen und Mensch und Tier dann auch wirklich richtig gut miteinander können.
Ein Buch, das richtig viel Spaß macht. Und danach seid ihr alle, ja euch meine ich, ihr Vielleicht-Wunschhunde-Besitzer, zudem bestens gerüstet für diese Aufgabe, wenn dann tatsächlich mal ein Lucky oder Struppi oder wer auch immer bei euch Einzug hält.

Bewertung vom 09.09.2020
Der beste Notfall der Welt
Pauli, Lorenz

Der beste Notfall der Welt


sehr gut

Was in so einer Maus doch alles steckt und Freundschaft kann auch langsam wachsen

Die Väter von Ben und Gustav sind befreundet und als Bens Eltern wegfahren wollen, soll Ben die 12 Tage bei Gustavs Familie verbringen und welch besonders schöne Überraschung, bei Gustav im
Zimmer schlafen. Bei Freunden wäre das ja echt eine supertolle Sache, aber es gibt da nun mal ein kleines Problem. Ben und Gustav können so gar nicht miteinander und das sieht alles doch nach 'etwas schwierig' aus. Und irgendwie geht die Misere auch schon gleich los, denn Bens Vater fährt auf dem Weg zu Bens vorübergehender Bleibe eine Maus an. Das ist aber doch gar nicht so schlimm, sondern der Anfang von etwas richtig Gutem, denn nun haben Gustav und Ben eine gemeinsame Aufgabe, die heißt 'Maus wieder gesund pflegen'. Und dann geht es richtig ab, denn Maus ist gar nicht einfach Maus, sondern eine ganz schön phantastische Kreatur und das ist die weitere Geschichte dann im wahrsten Sinne des Wortes auch. Und man glaubt es kaum, die beiden Jungen packen die Sache gemeinsam an und erleben ein sagenhaft gutes Abenteuer. Spannend, witzig und sehr freundschaftlich, bei dieser Geschichte ist von allem etwas dabei.
Für coole Jungs, die meinen, in Büchern steht nur Mädchenkram und für noch coolere Mädchen, die magisch angehauchte Abenteuer mögen und die das (vielleicht) sowieso alles viel besser hinbekommen hätten, ist das hier ein superschönes Lesevergnügen und ehrlich gesagt, den Eltern hats auch gefallen.

Bewertung vom 08.09.2020
Die Sommer
Othmann, Ronya

Die Sommer


gut

Ein kurdischer Vater, eine deutsche Mutter und jede Menge Erleben dazwischen

Leyla ist die Tochter eines kurdisch-syrischen Vaters, der nach Deutschland geflüchtet ist und einer deutschen Mutter. Die kleine Familie lebt in Deutschland, aber jedes Jahr im Sommer reist der Vater mit der Tochter in seinen Heimatort zurück, um Zeit mit seinen dortigen Angehörigen zu verbringen. Leyla liebt diese Sommer, in denen sie geliebt und umsorgt in der Wärme der syrischen Verwandten verbringt. Als es dort dann Krieg gibt, geht das natürlich nicht mehr und die Welt der inzwischen heranwachsenden Tochter wird komplizierter. Ihr Vater kann die Ereignisse nur noch von Deutschland aus verfolgen. Er macht sich große Sorgen um die Eltern und Geschwister und seine eigenen Erlebnisse, die ihn zur Flucht bewogen haben und sein eigenes Fluchtdrama kommen wieder in ihm hoch. Und er erzählt seiner Tochter davon. Das Alles nimmt auch Leyla selbst sehr mit und sie ist geradezu fassungslos, dass in Deutschland das Leben einfach weiter geht und es niemanden interessiert, was ihre Verwandten in Syrien erleiden müssen. Sie stellt sich die Frage, wer sie ist, als was sie sich fühlt und dies in mehr wie einer Hinsicht. Dazu der tägliche Rassismus, den sie immer bewusster wahrnimmt und der starke Emotionen in ihr auslöst, das alles ist schon sehr erdrückend. Und dann erlebt sie die Flüchtlingspolitik ihres eigenen Heimatlands so unmittelbar, das Verschieben von 'ihren Menschen' und die unsagbare Machtlosigkeit dem gegenüber, was ja anscheinend nun mal Gesetz ist, aber nach ihrem Empfinden nicht Recht.
Das ist harter Stoff und eigentlich würde man erwarten, mehr Nähe, mehr ganz nah dran an dieser Geschichte, die ja eigentlich die Geschichte der Familie der Autorin und ihr selbst ist, kann es nicht geben. Aber genau das ist hier nicht der Fall und das ist auch der Grund, warum 'dieser Roman' nicht so wirklich befriedigend funktioniert. Ich bin mir sicher, dieses 'sich zurück nehmen' und Neutralität bewahren ist eine bewusste Entscheidung der jungen Schriftstellerin gewesen, aber diese Coolness ist hier nicht angebracht. In unserem täglichen Leben ist das Gefühle nicht zeigen gang und gäbe, aber in der Literatur, da macht es gerade bei diese Art von Roman ausgesprochen Sinn, mutig zu sein und echt, denn sonst verliert man den Leser auf dem Weg, den man mit ihm gehen will. Und genau das ist hier ein bisschen passiert, nicht im ersten Teil des Buches, aber danach.
Aber trotzdem bin ich mir sicher, man wird bald wieder von etwas von Ronya Othmann lesen, dann etwas älter, etwas selbstbewusster und mit etwas mehr Mut zum eigenen Gefühl.