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Benutzername: SofieWalden
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Bewertungen

Insgesamt 126 Bewertungen
Bewertung vom 16.09.2020
Der Fremde aus Paris
Hammad, Isabella

Der Fremde aus Paris


sehr gut

Eine andere Kultur zu seiner Heimat machen wollen und man selbst ist der Fremde, für alle Zeit

Midhat verlässt seine Heimat. Er ist Palästinenser und hat vor in Frankreich Medizin zu studieren. Aber er will mehr von diesem Land, er will es zu seiner Heimat machen und die fremden Menschen mit ihrer so ganz anderen Kultur und Religion zu seinen Freunden. Doch dann merkt er, dass sich ihm diese Türen niemals wirklich öffnen werden, dass er als 'Studienobjekt' angesehen wird. Und auch seine Gefühle für die Tochter seines Professors werden nicht ehrlich erwiedert. Nach einigen Jahren kommt er zu dem Entschluss, in sein tatsächliches Zuhause zurück zukehren und wieder Heimat zu leben. Er versucht, die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen und gründet eine Familie. Aber irgendwann muss er sich eingestehen, dass er auch hier 'der Fremde' ist und wo die Wurzeln sind, ist Heimat, für ihn nicht mehr gilt.
Die sehr prosaisch und fein erzählte Geschichte von Midhat hat einen sehr berührt und gleichzeitig hineingeführt in die historischen Hintergründe des Palästinas und der Palästinenser heute. Man konnte garnicht anders, wie sich hineinziehen zu lassen in die Geschichte dieses Volkes, ganz so wie es die junge Autorin beabsichtigt hat. Und zurück bleibe ich mit einem neuen tiefern Verständnis für das, was war und mit einem weit bewussteren Interesse, für das, was ist, im Palästina von heute.

Bewertung vom 13.09.2020
Onkel Stan und Dan und das gar nicht lieblich-niedliche Mondabenteuer / Onkel Stan und Dan Bd.3
Kennedy, A. L.

Onkel Stan und Dan und das gar nicht lieblich-niedliche Mondabenteuer / Onkel Stan und Dan Bd.3


sehr gut

Schräg und voller Ideen, eine runde Sache

Dan, der Dachs lebt zusammen mit Onkel Stan und einigen sehr eigenen Lamas auf einer Farm in Schottland. Sie haben zusammen schon einige Abenteuer überstanden und einen richtig schlimmen Bösewicht zur Strecke gebracht. Jetzt erfreuen sie sich alle ihres schönes gemeinsamen Lebens bis zu dem Tag, als Dan die Dachsdame Miranda erblickt und sich unsterblich in sie verliebt. Er macht für die anderen kein Frühstück mehr und dabei ist das für alle der wunderbarste Anfang des Tages überhaupt. Er kauft irrsinnige Sachen im Internet, um seiner Liebsten zu gefallen und seine allerbesten Freunde und ihre kleinen Problemchen sind ihm jetzt total egal. Dass Miranda eine ganz böse Dachsperson ist, merkt er nicht, bzw. will er einfach nicht merken. Und dann ist da noch der Mond. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Und gerade, weil er eigentlich der Ort ist, der dafür sorgt, dass Wünsche in Erfüllung gehen, muss er gerettet werden. Da hilft gar nichts. Onkel Stan zögert nicht lange und beschließt, dorthin zu reisen und eigentlich hätte er natürlich Dan mitgenommen. Aber der ist ja beschäftigt und so setzen sich die Lamazwillinge Sam und Sky mit auf die Metallplatte, die Onkel Stan gerade herangeschafft hatte und dann geht's ab zum Mond.
Ihr merkt schon, hier ist alles schräger wie schräg. Das kommt einem am Anfang, gerade wenn man diese 'Familie' noch nicht aus den beiden vorherigen Bänden kennt, schon ein bisschen too much vor. Aber wenn man sich an all die durchgeknallten Ideen und Ereignisse des Autors auf jeder Seite und rechts und links vom Geschehen gewöhnt hat, dann fängt das Lesen sehr schnell an, ganz viel Spaß zu machen. Und spätestens, wenn dann die eigentliche Geschichte auch so richtig Fahrt aufnimmt, sozusagen, im wahrsten Sinne des Wortes, dann ist man voll dabei. Da wird es einem keine Sekunde langweilig und um die nächste Ecke, sprich 'einmal umblättern', wartet schon wieder der nächste schräge Einfall in Bild und Schrift auf seine jüngeren und durchaus auch etwas älteren Leser darauf, bestaunt und belacht zu werden. Onkel Stan und Dan, klasse!

Bewertung vom 10.09.2020
Arthurs wildes Hundeleben
Abidi, Heike

Arthurs wildes Hundeleben


sehr gut

Wenn der Hund zum Herrchen wird und umgekehrt

Arthur ist gerade mal wieder richtig sauer auf seine Eltern, weil er sich doch so sehr einen Hund wünscht und Mama und Papa das einfach nicht erlauben. Er rauscht gerade zur Haustür herein, als er erfährt, das heute Besuch erwartet wird. Man will ihm nicht verraten wer, und Arthur ist richtig gespannt. Aber es sind dann doch nur ein ehemaliger Kollege seines Vaters und dessen Frau und dann eben noch jemand, nämlich Lucky, ein total süßer weiß-schwarzer kleiner Hund. Und wie sich herausstellt, soll Lucky zwei Wochen bei Arthur wohnen und er soll auch ganz allein die Verantwortung für ihn haben, während seine Besitzer im Urlaub sind. Arthur ist natürlich total begeistert und macht sich gleich, mit guten Absichten, aber recht ungestüm, daran, mit Lucky 'viel Spaß zu haben'. Am ersten Abend sind dann Hund und Kurzzeitherrchen völlig ausgepowert und fallen, total müde, ins Bett bzw. ins Körbchen. Und dann kommt der nächste Morgen und sie haben, es ist kaum zu glauben, ihre Körper getauscht. Arthur fühlt sich wie Arthur, tapst aber auf vier Beinen durchs Leben und aus seinem Mund kommt nur noch Wau. Und Lucky versucht auf zwei Beinen das Gleichgewicht zu halten, er spricht Menschensprache und Arthurs Eltern bieten ihm Kakao und Schokocroissants an, obwohl Hunde doch auf keinen Fall Schokolade essen dürfen. Und das liegt daran, weil Lucky jetzt in Arthurs Körper steckt und Arthur sehr wohl so leckere Sachen essen darf.
Heftig, oder! Und irre und schräg und abenteuerlich, für beide und für uns Leser auch. Denn was da jetzt alles so abgeht, das ist schon superspannend und auch komisch. Arthur und Lucky 'denken' abwechselnd, was sie so fühlen und wie Herrchen und Hund sich so gegenseitig wahrnehmen , erst in ihrem eigenen Körper, dann im Körper des jeweils anderen. Dabei kann man dann auch noch ganz viel lernen, darüber wie man mit Hunden umgehen muss, damit die sich wohl fühlen und Mensch und Tier dann auch wirklich richtig gut miteinander können.
Ein Buch, das richtig viel Spaß macht. Und danach seid ihr alle, ja euch meine ich, ihr Vielleicht-Wunschhunde-Besitzer, zudem bestens gerüstet für diese Aufgabe, wenn dann tatsächlich mal ein Lucky oder Struppi oder wer auch immer bei euch Einzug hält.

Bewertung vom 09.09.2020
Der beste Notfall der Welt
Pauli, Lorenz

Der beste Notfall der Welt


sehr gut

Was in so einer Maus doch alles steckt und Freundschaft kann auch langsam wachsen

Die Väter von Ben und Gustav sind befreundet und als Bens Eltern wegfahren wollen, soll Ben die 12 Tage bei Gustavs Familie verbringen und welch besonders schöne Überraschung, bei Gustav im
Zimmer schlafen. Bei Freunden wäre das ja echt eine supertolle Sache, aber es gibt da nun mal ein kleines Problem. Ben und Gustav können so gar nicht miteinander und das sieht alles doch nach 'etwas schwierig' aus. Und irgendwie geht die Misere auch schon gleich los, denn Bens Vater fährt auf dem Weg zu Bens vorübergehender Bleibe eine Maus an. Das ist aber doch gar nicht so schlimm, sondern der Anfang von etwas richtig Gutem, denn nun haben Gustav und Ben eine gemeinsame Aufgabe, die heißt 'Maus wieder gesund pflegen'. Und dann geht es richtig ab, denn Maus ist gar nicht einfach Maus, sondern eine ganz schön phantastische Kreatur und das ist die weitere Geschichte dann im wahrsten Sinne des Wortes auch. Und man glaubt es kaum, die beiden Jungen packen die Sache gemeinsam an und erleben ein sagenhaft gutes Abenteuer. Spannend, witzig und sehr freundschaftlich, bei dieser Geschichte ist von allem etwas dabei.
Für coole Jungs, die meinen, in Büchern steht nur Mädchenkram und für noch coolere Mädchen, die magisch angehauchte Abenteuer mögen und die das (vielleicht) sowieso alles viel besser hinbekommen hätten, ist das hier ein superschönes Lesevergnügen und ehrlich gesagt, den Eltern hats auch gefallen.

Bewertung vom 08.09.2020
Die Sommer
Othmann, Ronya

Die Sommer


gut

Ein kurdischer Vater, eine deutsche Mutter und jede Menge Erleben dazwischen

Leyla ist die Tochter eines kurdisch-syrischen Vaters, der nach Deutschland geflüchtet ist und einer deutschen Mutter. Die kleine Familie lebt in Deutschland, aber jedes Jahr im Sommer reist der Vater mit der Tochter in seinen Heimatort zurück, um Zeit mit seinen dortigen Angehörigen zu verbringen. Leyla liebt diese Sommer, in denen sie geliebt und umsorgt in der Wärme der syrischen Verwandten verbringt. Als es dort dann Krieg gibt, geht das natürlich nicht mehr und die Welt der inzwischen heranwachsenden Tochter wird komplizierter. Ihr Vater kann die Ereignisse nur noch von Deutschland aus verfolgen. Er macht sich große Sorgen um die Eltern und Geschwister und seine eigenen Erlebnisse, die ihn zur Flucht bewogen haben und sein eigenes Fluchtdrama kommen wieder in ihm hoch. Und er erzählt seiner Tochter davon. Das Alles nimmt auch Leyla selbst sehr mit und sie ist geradezu fassungslos, dass in Deutschland das Leben einfach weiter geht und es niemanden interessiert, was ihre Verwandten in Syrien erleiden müssen. Sie stellt sich die Frage, wer sie ist, als was sie sich fühlt und dies in mehr wie einer Hinsicht. Dazu der tägliche Rassismus, den sie immer bewusster wahrnimmt und der starke Emotionen in ihr auslöst, das alles ist schon sehr erdrückend. Und dann erlebt sie die Flüchtlingspolitik ihres eigenen Heimatlands so unmittelbar, das Verschieben von 'ihren Menschen' und die unsagbare Machtlosigkeit dem gegenüber, was ja anscheinend nun mal Gesetz ist, aber nach ihrem Empfinden nicht Recht.
Das ist harter Stoff und eigentlich würde man erwarten, mehr Nähe, mehr ganz nah dran an dieser Geschichte, die ja eigentlich die Geschichte der Familie der Autorin und ihr selbst ist, kann es nicht geben. Aber genau das ist hier nicht der Fall und das ist auch der Grund, warum 'dieser Roman' nicht so wirklich befriedigend funktioniert. Ich bin mir sicher, dieses 'sich zurück nehmen' und Neutralität bewahren ist eine bewusste Entscheidung der jungen Schriftstellerin gewesen, aber diese Coolness ist hier nicht angebracht. In unserem täglichen Leben ist das Gefühle nicht zeigen gang und gäbe, aber in der Literatur, da macht es gerade bei diese Art von Roman ausgesprochen Sinn, mutig zu sein und echt, denn sonst verliert man den Leser auf dem Weg, den man mit ihm gehen will. Und genau das ist hier ein bisschen passiert, nicht im ersten Teil des Buches, aber danach.
Aber trotzdem bin ich mir sicher, man wird bald wieder von etwas von Ronya Othmann lesen, dann etwas älter, etwas selbstbewusster und mit etwas mehr Mut zum eigenen Gefühl.

Bewertung vom 07.09.2020
Die Topeka Schule
Lerner, Ben

Die Topeka Schule


gut

Das Leben einer gehobenen Mittelschichtsfamilie in der amerikanischen Gesellschaft

Die Gordons sind eine US-amerikanische Familie der gehobenen Mittelschicht oder vielleicht auch darüber hinaus. Sie leben in der Kleinstadt Topeka in Kansas. Da sind Jonathan und Jane, die Eltern, die beide als Psychoanalytiker und Therapeuten in der „Foundation“ arbeiten, einer psychiatrischen Einrichtung mit einer recht freiheitlichen Denkweise, die der tief geprägten konservativen Grundhaltung des Provinzortens doch eher entgegen steht. Und dann ist da Adam, ihr 17-jähriger Sohn, der die Topeka High School besucht. Er ist dort im letzten Jahr, ein angesehener beliebter Typ, in eine coole Clique eingebunden und ein Debattier-Crack, der darauf zusteuert, die Landesmeisterschaft zu gewinnen. Und dieses Debattieren, sein Gegenüber mit Finesse und jeder Menge Tricks in Grund und Boden zu reden und das Battle zu gewinnen, ohne das Dinge wie Argumentation und die Bedeutung von Worten an sich noch eine Rolle spielen, ist dann auch schon der erste Spiegel, die der amerikanischen Gesellschaft hier in übertragenen Sinne vorgehalten wird. Neben den Gordons spielt noch ein weiterer Protagonist eine wichtige Rolle in dieser Geschichte, Darren. Er ist ein Außenseiter, hat reduzierte kognitive Fähigkeiten und ist einer der Patienten von Adams Vater. Als Kinder waren Adam und Daren befreundet, doch jetzt ist diese Freundschaft 'eher aufgesetzt'. Aber trotzdem sorgt Adam dafür, das der, wie es sein Vater formuliert, privilegierte „Verlorene Junge“ in ihrer Clique mit dabei sein darf. Dort wird er aber zusehends schikaniert, verspottet und niedergemacht und das führt irgendwann zu etwas sehr Schlimmem.
Dieser Roman ist prall gefüllt mit all den Themen, die Leben in Gemeinschaft ausmacht, ob im Kleinen innerhalb der Familie und im größeren Gefüge einer Kleinstadtgesellschaft und natürlich ist er geprägt von den Gegebenheiten des Systems USA. Die Geschichte spielt vorwiegend in der Zeit der späten 1990er Jahre, aber seitdem scheint sich eigentlich nichts verändert zu haben, denn man hat das Gefühl, hier ganz hochaktuell am Gesellschaftssystem der Amerikaner teilzuhaben, bis hinein in die feinsten Details des Zusammenlebens. Dabei werden die Dinge weitgehend nur gestreift, was keine Kritik sein soll, denn so wird jedem Leser angeboten, seiner emotionalen Gewichtung entsprechend, daraus eigene Denkfäden zu spinnen, für das, was einem sozusagen gerade ins Auge sticht. Ein wichtiger Faktor in diesem Buch ist der vom Autor gewählte Perspektivwechsel, in der Betrachtung zwischen den einzelnen Personen und was, ganz außergewöhnlich, eigentlich über allem steht, das ist die Sprache. Hier ist nichts fließend, leicht zu lesen. Hier ordnet sich das Wort nicht dem Lauf der Geschichte unter, „Lesbarkeit ist kein Wert für mich“ soll Lerner einmal gesagt haben. Hier wird dem Lesen auch manchmal ein gewisses Maß an Arbeit abverlangt und das kann durchaus anstrengend sein. Es bewirkt aber auch Intensität und die Notwendigkeit, sich Zeit zu nehmen, für dieses Werk selbst und die eigenen Gedanken, die sich daraus ergeben.
Ich finde diese Geschichte 'außergewöhnlich' und auf jeden Fall des Lesens wert.

Bewertung vom 01.09.2020
Die Liebenden von der Piazza Oberdan
Klinger, Christian

Die Liebenden von der Piazza Oberdan


sehr gut

Eine Familiengeschichte, geprägt vom Krieg und der Liebe

Die Stadt Triest, zwei Weltkriege erschüttern ihre Mauern und in den Gassen lebt eine Familie, deren berührende Geschichte hier, über zwei Generationen hinweg, bis ins Jahr 1945 hinein, erzählt wird, dem Jahr, in dem der 2.Weltkriegs endlich sein Ende fand.
Vittorio hat den 1.Weltkrieg schwer verletzt überlebt und baut sich nach dessen Ende eine Existenz als Rechtsanwalt auf. Er heiratet und seine Frau Elisa bekommt einen Sohn. Pino wächst in behüteten Verhältnissen auf und beschließt als junger Mann Architektur zu studieren. Seine große Liebe hat er auch bald gefunden, in der Lehrerin Laura. Und wenn die Realität, sprich Geschichte unserer eigentlich immer noch jungen Vergangenheit nicht ihren Lauf genommen hätte, dann wäre den beiden ein glückliches Leben beschieden gewesen. Doch es kommt anders. Pino gerät in den Focus der Gestapo und landet im Gefängnis.
Dieser Roman ist genau das, was die Überschrift verspricht, eine wunderbare Liebesgeschichte, eingebunden in das Gefüge einer Familie, die ihr Bestes gibt, ein inneres Fundament zu bilden, gegenüber der absolut authentisch geschilderten Kriegsepoche der beiden großen Weltkriegen und sich nicht 'zu verlieren'. Jede Zeit ist einfach nur eine Zeit, in der wir nun einmal leben und uns lieben und dieser natürliche Verbund, das ist das wirklich Besondere, das der Autor hier für seine Leser kreiert und uns, zumindest mich, damit aufs Beste unterhält

Bewertung vom 18.08.2020
Flashback - Was hast du damals getan?
Bartz, Andrea

Flashback - Was hast du damals getan?


weniger gut

Eine tote Freundin in früheren wilden Feiertagen und Verdrängen geht nicht mehr

Lindsay hat ihre wilden Jahre weitgehend hinter sich gelassen, als sie eines Tages auf eine Freundin aus der Zeit von vor 10 Jahren trifft, die den Selbstmord von Edie, der damaligen Anführerin ihrer wild feiernden und mit Drogen durchaus vertrauten Clique, und außerdem Lindsays bester Freundin, wieder hervorholt. Lindsay selbst hat an diesen Tag keine Erinnerungen mehr, aber nach all den Jahren kommen ihr Zweifel, ob es denn wirklich Selbstmord war oder ob Edie ermordet wurde. Und jetzt, nachdem alles wieder eine solche Präsenz in ihren Gedanken erlangt hat, kann sie gar nicht anders, als zu ermitteln, was damals wirklich geschah. Das dies nicht einfach wird, ist klar und langsam denkt Lindsay, das all die psychischen Probleme, die sie mit sich herumträgt, auf dieses letztendlich doch traumatische Erlebnis zurückzuführen ist. Ganz allmählich kommt sie der Wahrheit, auch durch die Flashbacks, die sie immer wieder hat, näher und dabei gerät sie auch selbst in Gefahr.
Das hört sich alles sehr spannend an und ist es auch, aber da hat man die Hälfte der Buchseiten schon hinter sich. Das ist schade, denn mit etwas mehr 'Schreibdisziplin' hätte man hier richtig mit dabei sein können. Dazu kommt, das es einem Lindsay als Hauptprotagonistin und zumindest angedachte Sympathieträgerin der Geschichte ehe schwer macht, hier wirklich Empathie zu entwickeln. Und dann ist da noch das erstmal gar nicht so offensichtliche Ende, das aber durch das ganze Herumgedruckse vorneweg doch ziemlich in den Sand gesetzt wird. Weniger wäre eigentlich in jedem Bereich dieser Geschichte mehr gewesen.
Mich hat dieser Thriller nicht wirklich überzeugt, aber vielleicht finden ja andere Leser mehr Gefallen daran. Es würde mich für die Autorin freuen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.08.2020
Das war die schönste Zeit
Sanderson, Jane

Das war die schönste Zeit


gut

Die erste Liebe, das Leben danach und ganz viel Nostalgie

Die erste große Liebe hat etwas Magisches und begleitet einen in seiner Erinnerung, manchmal ein ganzes Leben lang. Dan und Ali, zwei Teenager, mit sehr unterschiedlichem familiärem Hintergrund, dürfen eine solche erste Liebe erfahren, 1979 in Sheffield, und die damals aktuelle Musik spielt einen große Rolle dabei. Nun, so viele Jahre später, erhält Alison eines Tages eine Nachricht von Daniel, der inzwischen mit seiner Familie als Musikjournalist in Edinburgh lebt. Sie selbst ist jetzt, ebenfalls mit Familie, in Australien zuhause und hat als Romanautorin 'einen großen Hit gelandet'. Diese Nachricht, ein Song aus ihrer damaligen gemeinsamen Zeit, weckt Erinnerungen und wühlt Alison auch ein wenig auf. Sie beschließt, Dan zurückzuschreiben, und so lebt ihre für beide, zumindest in ihren Gedanken, so wertvolle Liebesgeschichte irgendwie ein bisschen wieder auf, obwohl jeder von ihnen ja in einer Partnerschaft lebt. Diese Geschichte lebt von der Musik, in der Zeit einer stürmischen jungen Liebe und lässt jede Menge Nostalgie anklingen. Dazu kommen die Wechsel zwischen 'damals und heute', die auch all das Negative, das vor allem Ali aus Jugendtagen mit sich herumträgt, wieder hervor holt und dann ist da natürlich die Frage nach dem Glücklichsein, im hier und heute.
Das Buch ist eine Reise, mit vielem ummantelt, was eigentlich nicht so wichtig und für das Geschehen der Geschichte auch nicht wirklich relevant ist, aber es gehört dazu, so hat es die Autorin entschieden und ich als Leserin nehme es einfach an. Hier kann man schwelgen, in Gefühlen und ganz groß, in der Musik. Ein dickes Paket für ein paar schöne Lesetage und dafür soll Lesen ja schließlich (auch mal) da sein.

Bewertung vom 08.08.2020
Alter Hund, neue Tricks / Sean Duffy Bd.8
McKinty, Adrian

Alter Hund, neue Tricks / Sean Duffy Bd.8


sehr gut

Ein echter Typ gerät zwischen die Fronten und geht weiter seinen Weg

Inspector Sean Duffy ist wieder unterwegs. In seinem nun mehr 8. Fall gerät er so richtig zwischen die Fronten. Und im Irland der 1990er Jahre bedeutet das, mitten hinein in die noch sehr lebendigen Konflikte zwischen Nordirland und der Republik Irland, weitgehend geprägt von Attentaten auf Katholiken, entsprechenden Vergeltungsaktionen gegen führende politische Figuren des protestantischen Lagers und einer sich daraus ergebenden grausamen Gewaltspirale ohne erkennbare Perspektive auf ein baldiges Ende. Duffy ist eigentlich nur noch als Teilzeitpolizist unterwegs, hauptsächlich mit Aktensichtung beschäftigt und darauf wartend, in zwei Jahren in den Ruhestand zu gehen und dann ganz für seine kleine Familie, die in Schottland , mit der Fähre nicht weit von Belfast entferndt, lebt, dazusein. Und dann kommt da dieser kleine eigentlich ja so eindeutige Fall daher, dem dich Duffy mal eben so annehmen soll. Ein Kunstmaler wurde erschossen. Wahrscheinlich ist beim Stehlen seines teuren Wagens irgendetwas schiefgegangen. Zumindest auf den ersten Blick deutet alles darauf hin. Oder soll es nur so aussehen und es steckt vielleicht doch mehr dahinter. Auf jeden Fall passt da irgendetwas einfach nicht zusammen und der 'alte Hund' kann gar nicht anders als die Fährte aufzunehmen. Und wohin ihn diese führt, das ist weit mehr, als es ein normalen Kriminalfall erwarten lässt.
Aber genau das macht diesen Roman und seinen so ganz eigenen, ein bisschen wie aus der Zeit gefallenen, Protagonisten ja aus. Und wenn Duffy dann, als festes Ritual, wieder unter seinen BMW schaut, um zu sehen, ob die IRA dort nicht doch einen Sprengsatz platziert hat, dann sagt das einfach alles über diese Zeit und auch über diesen alten Hund, von dem wir hoffentlich noch oft hören werden. Ich zumindest wäre auch bei seinem nächsten Fall gerne wieder dabei.