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Benutzername: Dana
Wohnort: Greifswald
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Bewertungen

Insgesamt 37 Bewertungen
Bewertung vom 17.08.2019
Jagd auf die Bestie / Detective Robert Hunter Bd.10
Carter, Chris

Jagd auf die Bestie / Detective Robert Hunter Bd.10


ausgezeichnet

Serientäter sind gefährlich und unberechenbar. Was in ihrem Kopf vorgeht, ist nur schwer nachzuvollziehen. Und obwohl Robert Hunter schon mit vielen Gewaltverbrechern zu tun hatte, ist auch für ihn Lucien Folter ein ganz anderes, spezielles Kaliber. Er übertrifft alles, was man sich an Grausamkeiten vorstellen mag und hält seine Taten und Überlegungen für die Nachwelt auch noch schriftlich fest. Absolut gruselig, erschreckend und beängstigend. Und noch etwas ist in diesem Fall anders, als in den anderen Situationen, in denen Hunter Verbrecher jagt, denn dieses Mal hat das Ganze eine persönliche Note.
Das Buch beginnt gleich sehr blutig und brutal. Auch im weiteren Verlauf gibt es zahlreiche gewaltintensive, teilweise sehr detaillierte Szenen, die bei dem einen oder anderen sicher auch ein gewisses Ekelgefühl auslösen könnten. Autor Chris Carter spart nicht mit den blutigen Beschreibungen und lässt den Leser daran teilhaben, wie skrupellos, durchdacht und kaltblütig der Mörder Lucien Folter vorgeht. Auf jeden Fall kein Buch für zartbesaitete oder schwache Nerven! Mein Empfinden schwankt ein wenig zwischen absolut genial gemacht, weil es unglaublich spannend zu lesen war so tief in die Psyche und die Taten einzutauchen, und grenzenlos abschreckend, gruselig und schon auch eklig. Aber die Faszination überwiegt am Ende auf jeden Fall, auch wenn das vielleicht an meiner Psyche zweifeln lässt. Für mich hat es ja nichts damit zu tun, das nachmachen zu wollen. Es ist einfach die Gesamtkonstellation, die mich in den Bann gezogen hat.
Da man von Beginn an weiß, mit welchem Täter man es zu tun hat, fällt das Rätsel um die Identität natürlich weg, das nimmt der Handlung allerdings kein bisschen von der Spannung, denn man weiß nie, was Lucien Folter sich als nächstes einfallen lässt.
Perspektivwechsel ermöglichen es dem Leser die parallel laufenden Handlungsstränge zu begleiten und schaffen damit einen komplexen Blick auf die Ereignisse und einen großen Wissenstand, ohne dabei zu wichtige Dinge oder Entscheidungen vorweg zu nehmen. Ein paar kleinere Aspekte kann man zwar erahnen oder sich zusammen reimen, aber die Spannung wurde für mich an keiner Stelle genommen. Denn immer bleibt die Frage, was passiert danach, kann man es aufhalten, ist es wirklich, wie man denkt und so weiter.
Man erhält sowohl Einblicke in die Arbeit von LAPD, FBI und US Marshalls und dem scheinbar unmöglichen Versuch Folter aufzuhalten, als auch in die Machenschaften und Planungen von Lucien Folter selbst. Trotz des personalen Erzählers bekommt man einen gewissen Eindruck davon, was in den Charakteren vorgeht, was sie beschäftigt, was sie sich wünschen und voran sie verzweifeln. Zumindest die Protagonisten lernt man dadurch ganz gut kennen und erfährt auch einige private Dinge. Mir gefällt es immer gut, auch etwas über die Hauptermittler zu erfahren, denn ihre Persönlichkeit spielt bei ihrer Arbeit ja ebenfalls eine Rolle. Ich bin auch gespannt, was man in den anderen Büchern vielleicht noch so über sie erfahren wird.
Der Schreibstil hat von Beginn an überzeugt. Es ist so spannend&fesselnd, aber auch erschreckend, derb und schockierend so dass ich manchmal schon überlegt habe, ob bei der Fülle an Blut und Gewalt weiterlesen kann oder eine Pause brauche. Durch die Einarbeitung von genauen Zeitangaben wirkte die Handlung auf mich teilweise noch temporeicher. Der Druck wird erhöht, es muss alles schnell gehen und einiges geht auch viel schneller, als es durch das Lesen vielleicht wirken könnte. Man kann beim Lesen gut nachempfinden, was vorgeht und wie schwer es sein muss, Ruhe zu bewahren, obwohl man eigentlich in Hektik verfallen möchte.
Übrigens finde ich auch den Namen absolut passend gewählt: Lucien Folter für einen Mann, der Angst und Schrecken mit seinen Taten, dem Blutvergießen und Foltern verbreitet…
Ein packender, spannender, aber auch sehr blutiger Thriller, in dem die Grausamkeiten wahrlich keine Grenzen kennen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.07.2019
Das Rezept unserer Freundschaft
Killoren, Kelly

Das Rezept unserer Freundschaft


ausgezeichnet

Billy ist vierzig und sucht nach einer neuen, erfüllenden Aufgabe in ihrem Leben. So richtig rund läuft es nämlich nicht. Während sie dabei zusieht, wie ihre Freundinnen sich nach und nach ihre Wünsche erfüllen, erfolgreich und glücklich in der Liebe sind, bleibt sie immer wieder auf der Strecke. Kurzerhand packt sie ihre Sachen und verlässt New York, in der Hoffnung dann ihren Weg zu finden und zufriedener zu sein. Doch zunächst gibt es eher noch mehr Chaos und Probleme.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig. Ich fand den Einstieg mit der Hochzeit gelungen. Man hat sofort ein wichtiges Ereignis im Leben von Lotta, bei dem ihre Freundinnen natürlich mit dabei sind. Neben dem schönen Highlight in ihrem Leben werden aber auch schon die ersten dunkleren Geschichten ausgepackt, so dass man sofort einen Eindruck bekommt, wie wechselhaft ihre Leben bisher so waren.
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Billy geschildert, wodurch man die Protagonistin intensiv begleitet und detaillierte Einblicke in ihr Leben, ihre Gedanken und Gefühle bekommt. Doch auch ihre Freundinnen lernt man gut kennen. Die vier sind sowohl optisch, als auch vom Charakter sehr verschieden und auch ihre Leben habe sich in ganz verschiedene Richtungen entwickelt. Und obwohl es so viele Unterschiede gibt und sie teilweise auch gegensätzliche Einstellungen haben, gibt es doch eines, das sie alle verbindet: ihre Freundschaft.
Gefühlt ist Billy diejenige, die von ihrem Freundeskreis am wenigsten erreicht hat, wobei es immer darauf ankommt, wie man das betrachtet. Denn auch jede der anderen hat ihr Päckchen zu tragen, Probleme, Sorgen, Schwierigkeiten, die überstanden wurden oder die gerade auf sie zurollen.
Auch im Laufe des Buches ist es ein stetiges Auf und Ab in verschiedenen Bereichen. Die Gefühle fahren Achterbahn, beruflich gibt es neue Herausforderungen, die mal so, mal so verlaufen und auch in der Freundschaft zwischen den Frauen kriselt es zwischendurch ziemlich. In Notlagen zeigt sich dann aber doch, dass sie füreinander da sind und man Kraft und Rückhalt bekommt, wenn man sich traut, sich seinen Freunden wieder zu öffnen und sich nicht mehr zurückzieht. Freundschaft ist so wichtig und kann viel bewegen.

Zwischendurch gab es Entwicklungen, die sich angedeutet haben, mit denen ich wohl nicht ganz so glücklich gewesen wäre, wenn sie zu Ende geführt worden wären. Wobei das sicher auch Geschmackssache ist. Die Entwicklungen, die es dann letztendlich gab, empfand ich auf jeden Fall als viel passender für alle Beteiligten und die Geschichte selbst.
In der Handlung gibt es immer wieder Passagen, in denen es bergauf geht für die Charaktere und Momente, in denen es Rückschläge gibt. Oft wirkt es wie mitten aus dem Leben gegriffen, denn bei wem läuft schon immer alles gut? Auch Geld schützt einen nicht vor Problemen und Verlust, auch wenn die Relationen vielleicht manchmal etwas anders sind. Einige Szenen bringen zum Nachdenken, andere lassen einen Schmunzeln. Besonders schön fand ich die Entwicklungen innerhalb der Freundschaft, die nicht beschönigt werden. Es ist nicht immer harmonisch, man ist sich nicht immer einig, aber trotzdem weiß man genau, was man an dem anderen hat und wann es Zeit ist, das Kriegsbeil zu begraben. Die Menschen, die einem nah stehen, können einen eben auch ziemlich verletzen mit ihren Worten.
Auch wenn mir das Tüpfelchen auf dem i gefehlt hat, so hat sich die Geschichte doch sehr gut und flüssig lesen lassen. Trotz all der Probleme, Rückschläge, Sinnkrisen und Tränen der Charaktere habe ich mich sehr wohl in der Geschichte gefühlt, denn die negativen Stimmungen überwiegen nicht unbedingt, aber sie gehören in der Gesamtheit eben mit dazu. Die Figuren stehen alle mitten im Leben, sind keine 20 mehr und haben natürlich schon gewisse Erwartungen und einen Lebensstandard, den sie halten oder verbessern wollen.

Bewertung vom 14.06.2019
Die stille Tochter / Kommissar Tommy Bergmann Bd.4
Sveen, Gard

Die stille Tochter / Kommissar Tommy Bergmann Bd.4


ausgezeichnet

In Oslo taucht in einem See eine stark verweste Frauenleiche auf. Wer ist die Frau und wer hat sie im See versenkt? Fragen über Fragen, die nur schwer zu klären scheinen. Doch als wäre das noch nicht genug, gibt es weitere Tote, die Tommy Bergmann beschäftigen. Er gräbt tief in der Vergangenheit und stößt auf Dinge, die er wohl besser nicht erfahren hätte, um sich und die Menschen zu schützen, die ihm wichtig sind.
Tommy Bergmann als Ermittler hat mir gut gefallen. Ich kenne keine der vorherigen Bücher, in denen man vielleicht schon etwas über ihn und sein Leben erfahren hat. Es werden aber auch noch mal ein paar wichtige Punkte aufgegriffen, die zeigen, was er so hinter sich hat. Er widersetzt sich auch mal den Anweisungen und riskiert einiges, um in seinem Fall weiter zu kommen. Am Rande der Legalität kämpft er für die Aufklärung des großen Komplottes und ahnt dabei noch gar nicht, wie nah er einigen der Beteiligten bereits gekommen ist. Obwohl man dieses Verhalten sicherlich auch kritisieren könnte, mochte ich das irgendwie. Tommy arbeitet verbissen an dem Fall und auch wenn er sich zwischendurch selbst zur Schachfigur machen lässt, erkennt er dann schnell, dass etwas falsch läuft und kehrt zu dem zurück, was er selbst will.
Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Einmal gibt es die aktuelle Handlung, die 2016 spielt und bei der man Tommy Bergmann bei seiner Arbeit begleitet. Dabei begegnen ihm viele unterschiedliche Figuren und er muss zahlreiche Verknüpfungen aufdröseln. Zwischendurch springt man immer wieder in die Vergangenheit und begleitet Christel Heinze in den 70/80er Jahren. Der Strang der Vergangenheit hat Bezug zur Gegenwart und so ergeben sich nach und nach Zusammenhänge, Parallelen und Erklärungen für die Dinge, auf die Tommy bei seinen Ermittlungen stößt. Obwohl ich diese Teilung an sich interessant fand, waren mir die Abschnitte bei Christel manchmal fast etwas zu lang, da nicht immer die Spannung erhalten werden konnte.
Es gibt viele spannende Momente. Umso mehr Puzzleteile an ihren Platz fallen, umso klarer wird, wie verstrickt und komplex die ganze Geschichte wirklich ist. Es gibt einige Enthüllungen, von denen sich zwar einige im Verlauf schon andeuten, andere jedoch bis kurz vor Schluss noch recht offen sind.
Leider zieht sich die Handlung zwischendurch auch immer mal wieder. Es ist stellenweise sehr verworren und durch all die unterschiedlichen Namen und Decknamen, fiel es mir manchmal nicht leicht, dem Ganzen zu folgen. Einige Personen haben an verschiedenen Stellen andere Namen, obwohl jeweils der Gleiche gemeint ist. Da durchzusteigen ist nicht immer ganz leicht, sicher aber eben der Situation und de Aspekten der Geschichte geschuldet. Manchmal wird auch nur angedeutet, um wen es sich drehen könnte und ich habe dann immer überlegt, wer nun dieses Mal gemeint ist, wer wieder beobachtet oder beobachtet bzw. verfolgt wird. Auf der einen Seite erhöht die Unwissenheit, die damit teilweise zurück bleibt, die Spannung, auf der anderen Seite war es mir persönlich manchmal etwas zu viel Durcheinander. Da Spionage, Stasi, Politik und Geheimagenten wichtige Bestandteil der Handlung sind, ist es jedoch auch nachvollziehbar, dass nicht immer sofort alles klar ist und verraten wird. Die Einflechtung dieser Themen fand ich schon interessant, auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob alles ganz realitätsnah ist, da ich selbst erst 1988 geboren wurde und diese Erfahrungen nie selbst gemacht habe. Man weiß ja dann nur das, was man darüber mal gehört oder gelesen hat.
Abgesehen von den manchmal verwirrenden Namen ließ sich die Geschichte recht flüssig lesen. An sich norwegischen Ortsbezeichnungen und Straßennamen hatte ich mich auch schnell gewöhnt. Besonders gegen Ende nimmt das Buch noch mal an Tempo auf und für Tommy wird es immer gefährlicher. Zwischendurch gab es Passagen, die mir persönlich zu langatmig waren, wenn sie auch zur Erklärung für einige Dinge und insgesamt auch irgendwie zur Aufklärung

Bewertung vom 04.06.2019
Irresistible - Ein Single-Daddy zum Verlieben / Fun under the covers Bd.2 (eBook, ePUB)
Martin, Lex

Irresistible - Ein Single-Daddy zum Verlieben / Fun under the covers Bd.2 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Ethan ist alleinerziehender Vater und hat mit seinen zwei Kids und seiner Ranch alle Hände voll zu tun. Alles was er benötigt, ist ein wenig Unterstützung, um seiner Arbeit weiter nachgehen zu können, ohne dass seine Kinder darunter leiden. Doch die Suche nach einer Nanny gestaltet sich in der Abgeschiedenheit seines Wohnorts ziemlich schwierig. Als er über Bekannte an Tori gerät, ist er zwar zunächst nicht begeistert, doch eigentlich kommt ihre Hilfe wie gerufen und sie versteht sich sofort mit seinen Kleinen. Und nicht nur das, auch ihn lässt ihre Anwesenheit alles andere als kalt.
Der Schreibstil ist sehr angenehm, flüssig und emotionsgeladen. Umso weiter man in der Geschichte voran kommt, umso leidenschaftlicher und gefühlvoller wird die Handlung. Die hochkochenden Emotionen sorgen dabei allerdings nicht nur für positive Stimmung. Immer wieder gibt es Reibereien, Missverständnisse, kleine Intrigen und Lügen, die die mühsam aufgebaute Vertrauensbasis ins Schwanken bringen. Zusätzlich kommen noch die persönlichen Vorgeschichten der Charaktere hinzu, die es nicht immer leicht macht, mit den Situationen zurecht zu kommen.
Durch die zwei Ich-Perspektiven ist man den Protagonisten sehr nah und erlebt ihre Geschichte intensiv mit. Man kann hinter die Mauern gucken, die sie erst nach und nach sinken lassen und erhält Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt, noch bevor sie mit jemandem darüber reden. Dadurch kann man einige Entwicklungen in der Geschichte zwar erahnen, das hat jedoch nichts von dem Zauber zwischen den Charakteren genommen. Sie sind ein bisschen wie Feuer und Wasser, sehr unterschiedlich, aber doch irgendwie miteinander verbunden. Sie ziehen sich an, brauchen sich irgendwie, sobald sie sich zu nah kommen, ergibt es aber auch eine ziemlich heiße, explosive Mischung.
Neben dem ganz alltäglichen Familienwahnsinn gibt es auch immer wieder sehr leidenschaftliche, erotische Momente, in denen die Protagonisten ihre Sorgen mal hinter sich lassen können. Manchmal ist es sehr turbulent, dann wird es wieder etwas ruhiger und sanfter, langweilig oder langatmig wird es jedoch nie. Ein paar kleine Aspekte der Handlung hätte ich persönlich nicht gebraucht, da das Drama rundrum schon groß genug war, aber das ist sicher Geschmackssache.
Tori ist durch ihre schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit etwas vorbelastet und möchte sich auf nichts einlassen, was ihr wieder weh tun könnte. Wenn man liest, was sie erlebt hat, kann man das zwar verstehen, trotzdem hofft man für sie, dass sie wieder bereit sein kann, über ihre schlechten Erlebnisse hinweg zu kommen, um sich auf diese liebevolle Familie einzulassen. Sie ist sehr schlagfertig und die meiste Zeit tritt sie recht selbstbewusst auf, doch sie hat auch andere Seiten, die man immer wieder miterlebt, die sie zweifeln und zögern lassen. Besonders wenn man sie im Umgang mit ihrer Schwester und den Kindern erlebt, kann man sie eigentlich nur ins Herz schließen. Und auch wenn ihre Zweifel ihr manchmal im Weg stehen, so kann ich sie doch ziemlich gut nachvollziehen und sie machen Tori eben auch zu dem Menschen, der sie ist.
Ethan ist ein toller, aufopferungsvoller Vater, der alles für seine Kids tun würde. Dennoch versinkt er in Arbeit und den Schwierigkeiten der Trennung, die ihn nachhaltig beschäftigen. Seine manchmal etwas schroffe Art kann man ihm da irgendwie nicht übel nehmen, schließlich zeigt er auch immer wieder, dass er ganz anders kann. Er scheint nicht nur unglaublich attraktiv, sondern auch sehr leidenschaftlich zu sein.
Neben den Protagonisten gibt es noch einige andere Charaktere, die im Buch eine wichtige Rolle spielen. Viele von ihnen sind wirklich sympathisch, einige sind furchtbar- geben der Handlung jedoch noch mal einen anderen Schwung, sorgen für Probleme und Wendungen. Die Gesamtkonstellation ist auf jeden Fall stimmig, angefangene Handlungsstränge werden zu Ende geführt und es ergibt sich ein komplexes und vollständiges Gesamtbild.

Bewertung vom 29.03.2019
Weil es Liebe ist
Lauren, Christina

Weil es Liebe ist


sehr gut

Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig, ich habe mich schnell wohl gefühlt in der Geschichte und konnte mich gut auf Holland und ihre Erlebnisse einlassen. Durch die Ich-Perspektive erlebt man die junge Frau intensiv und erhält detaillierte Einblicke in ihr Leben, ihre Gedanken, die aufgewühlten Gefühle, ihre Zweifel und Entwicklungen. Umso besser man sie kennenlernt, umso besser versteht man auch ihre Entscheidungen, ihre Reaktionen und Handlungen. Doch manchmal gibt es trotzdem Momente, in denen man ihr gern einen zusätzlichen Rat geben möchte, damit sie nicht so stur und engstirnig reagiert, wie sie es tut. Obwohl man verstehen kann, dass verletzte Gefühle und die tiefen Zweifel, die aufgrund der verwirrenden Situationen in ihr aufgekeimt sind, ihr Leben erneut ziemlich auf den Kopf stellen, ist doch recht klar, was sie eigentlich will und was ihr Gegenüber will. Nur dass sie ewig brauchen, um das wieder zusammen zu führen.
Während des Buches kann man einige Veränderungen an Holland erleben. Sie ist eigentlich eher bodenständig, nicht übermäßig spontan oder verrückt, kommt damit aber ganz gut durchs Leben, auch wenn sie sich eigentlich etwas anderes erhofft hatte, als Tshirts und anderes Werbematerial rund um die Theateraufführung ihres Onkles zu verkaufen. Ihre Schwärmerei für den Straßenmusiker versüßt ihr den Tag und veranlasst sie dazu, über ihre eigenen Grenzen hinaus zu handeln und sich auf etwas einzulassen, was eigentlich so gar nicht zu ihrem Wesen passen will. Das ist jedoch nicht die einzige Entwicklung, die man in der Geschichte feststellen kann.
Durch den Kontakt von Holland zu Calvin lernt man dann auch den Musiker besser kennen. Doch anfangs ist es noch schwer ihn einzuschätzen, was wohl am meisten daran liegt, dass man ihn ja nur aus der Sicht von Holland erlebt. Meint er die Dinge, die er sagt, echt? Macht er es nur als Mittel zum Zweck? Was sind seine Absichten und verändern sich seine Ansichten, so wie es den Anschein hat?! Ich habe beim Lesen allerdings weniger gezweifelt als Holland, auch wenn einige ihrer möglichen Erklärungen schon nachvollziehbar waren und es immer wieder Momente gibt, in denen man selbst auch zweifeln könnte bzw. in denen man überrascht wird von seinen Aktionen.
Die Art, wie die beiden „zusammen“ gefunden haben, ist mehr als ungewöhnlich. Sie müssen hart arbeiten, um ihren Weg weiter verfolgen zu können und doch spürt man immer wieder, wie viel Freude ihnen die Zeit bringt. Calvin und Holland harmonieren in verschiedenen Bereichen sehr gut und ihre Gefühle werden immer stärker zum Ausdruck gebracht. Häufig ist es jedoch eine ziemliche Achterbahnfahrt. Kaum gibt es einige glückliche Szenen, in denen man die Hoffnung hat, jetzt könnte alles gut werden, rauscht der Waggon auf den Schienen nach unten, alle werden ordentlich durchgeschüttelt und müssen den Absturz erst mal verdauen, bevor die Fahrt vielleicht wieder nach oben – zum Glück- geht. Zwischendurch gibt es auch sehr leidenschaftliche, erotische Passagen, in denen die Charaktere alles um sich herum ausblenden und nur den Augenblick genießen.
Neben den sehr intensiven Emotionen, die auf verschiedene Weise immer wieder eine Rolle spielen und das Leben der Figuren bestimmten, hat mir besonders die Integration der Musik sehr gut gefallen. Die ausgeschmückten Beschreibungen, wie die Instrumente klingen, wie die Künstler miteinander harmonieren und was dabei für ein Gefühl bei dem Zuhörer entsteht, hat einen selbst mitgerissen und man möchte eigentlich am liebsten selbst ins Theater gehen und die Aufführung erleben oder zumindest Calvin privat mal an der Gitarre hören.
Eine sehr gefühlvolle, musikalische Geschichte, die an einigen Stellen auch immer wieder nachdenklich stimmt. Besonders für Holland hat sich viel verändert, sie muss sich über vieles klar werden und kämpft nebenbei noch mit ihren aufgewühlten Emotionen, die immer wieder neue Anstöße bekommen, um durcheinander zu geraten.

Bewertung vom 18.03.2019
Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1


ausgezeichnet

Ein grausamer Mord erschüttert die Ermittler. Und schnell wird klar, dass hier kein Ersttäter am Werk sein kann. Brutal zugeschlagen, skrupellos ausgeweidet, drapiert im eigenen Blut, zu einem Zeitpunkt, an dem klar ist, dass die Ofer gefunden werden - der Mörder möchte Aufsehen erregen, vielleicht sogar eine Botschaft hinterlassen.
Holly Wakefield ist Kriminalpsychologin und spezialisiert auf Serienmörder. Sie unterstützt die Ermittler bei ihrer Arbeit, gibt immer wieder gruselige Einblicke in die Denkstrukturen von Psychopaten, doch so unermüdlich auch ermittelt wird, sie kommen dem Täter einfach nicht auf die Spur. Und dann gibt es das nächste Opfer…

Das Buch beginnt mit einem Rückblick, den man erst sehr viel später im Buch richtig einordnen und verstehen kann. Es wird auf jeden Fall gleich blutig und man bekommt einen ersten Eindruck davon, was da auf den Leser zukommen könnte. Rasch taucht man in die Handlung ein, lernt die Protagonistin und ihr nicht ganz gewöhnliches Spezialgebiet kennen. Holly Wakefield hat ein enormes Wissen in Bezug auf Serientäter der ganz unterschiedlichen Art. Immer wieder gibt sie recht umfangreiche Einblicke in das brutale und mörderische Treiben von verschiedenen Personen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Doch so grausam, erschütternd und furchterregend diese Passagen auch sind, so faszinierend sind sie auch. Die kranken Psychen, die selbst zurecht gelegten Erklärungen für ihre Taten, die Ausführungen, Anzahlen und Intensitäten der Verbrechen variieren und sind so verschieden wie die Mörder selbst. Mit ihren Kenntnissen ist Holly eine wertvolle Stütze für die Polizei, da schnell deutlich wird, die skrupellos der aktuelle Täter vorgeht und dass es durchaus parallelen im Denken und Handeln einzelner Mörder geben kann.

Der Schreibstil ist flüssig, fesselnd und spannend gestaltet. Die intensiven Einblicke in die Ermittlungsarbeiten bringen auch viele blutige Details rund um die Morde mit sich. Einige Abschnitte sind wirklich nichts für schwache Nerven. Anhand der anschaulichen Beschreibungen kann man sich die Szenarien gut vorstellen. Die Grausamkeit des Täters ist auf jeder dieser Seiten spürbar. Mit jedem neuen Opfer, mit jeder Spur, die im Sand verläuft, mit jedem möglichen Hinweis, der sich als falsch erweist, sinkt die Hoffnung der Ermittler, die nächsten Zielpersonen schützen zu können. Ihr Frust ist fast genauso spürbar, wie die Mordlust des Serienkillers.
Man wird immer wieder in die Irre geführt, bekommt neue Puzzleteile präsentiert, neue Verdächtige rücken ins Bild und mit einem Schlag ist dann doch alles wieder ganz anders. Ich hatte verschiedene Leute im Visier, habe überlegt, ob und inwiefern sie eine Rolle spielen können. Dann verwirft man seine Gedanken wieder, manche Figuren rücken aber später wieder in den Mittelpunkt der Gedanken und bald hält man alles für möglich. Hollys Erklärungen und Herangehensweisen wirken schlüssig, gut durchdacht und plausibel, doch immer wieder werden auch ihre Gedankengänge durcheinander gewirbelt, so dass sie manchmal fast selbst an sich zweifelt, obwohl ihr Gefühl klar etwas anderes sagt. Doch auch Holly hat etwas zu verbergen, was nicht ganz unwichtig ist für den Verlauf der Handlung.

Die Spannung und Anspannung der Charaktere ist im gesamten Buch hoch. Ich war immer neugierig, was sich nun hinter den Andeutungen verbirgt, wer am Ende so kaltblütig, schonungslos und grausam sein kann und was der Hintergrund für die Taten ist. Besonders zum Abschluss des Thrillers wird das Tempo noch mal enorm angezogen. Die Ereignisse überschlagen sich, Angst, Brutalität und Gänsehautfaktor erreichen noch mal ein neues Maß.

Fazit
Ein spannender, blutiger, brutaler Thriller, der deutlich macht, wie skrupellos, abgebrüht und durchgeplant manch ein Serienkiller ans Werk geht. Die Ermittlungen waren gut beschrieben, man fühlt sich, als wäre man mit dabei, immer dem Täter auf der Spur und doch unendlich weit weg von der Lösung des Falls.

Bewertung vom 18.03.2019
Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1 (eBook, ePUB)
Pohl, Alex

Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Der eisige Winter hat Leipzig vollkommen im Griff. Der Schnee fällt und bedeckt alles mit einer weißen Schicht, die fast friedlich und idyllisch wirken könnte, würden sich nicht so grausame Dinge in der Stadt ereignen. Ein Mädchen verschwindet spurlos und niemand will etwas davon mitbekommen haben. Und dann taucht auch noch ein toter Anwalt auf, der alles andere als normal ums Leben gekommen ist. Der Fall wird immer komplexer und bald stecken Hanna Seiler und Milo Novic in einem Konstrukt aus Intrigen, Kriminalität, Brutalität und Geheimnissen, das es ihnen schwer macht, den Überblick zu behalten.

Dieses Buch hat es absolut in sich! Spannung von Beginn bis zum Schluss, zahlreiche Verstrickungen, Verknüpfungen und Zusammenhänge, die sich erst nach und nach lösen, eine Vielzahl an Charakteren, die alle etwas zu verbergen haben und in irgendeiner Weise mit dem aktuellen Fall der Ermittler zu tun haben -langweilig wird es da wirklich nie!
Einige Passagen sind aber wahrlich nichts für schwache Nerven. Die behandelten Themen gehen unter die Haut und zeigen einige der Abartigkeiten zu denen Menschen fähig sind. Dabei spielt nicht nur Skrupellosigkeit und Folter eine Rolle, sondern auch das minderjährige Mädchen, das in Leipzig verschwunden ist. Der Autor spart nicht mit Details und so werden viele Abschnitte recht anschaulich vorstellbar, wenn jetzt auch nicht seitenweise und pausenlos die Knochen knacken und das Blut fließt.

Der Schreibstil von Alex Pohl ist von Anfang an fesselnd und spannend gestaltet. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen, weil ich einfach wissen musste, wie es weiter geht, welche meiner Vermutungen stimmen, wie alles zusammenhängt, worauf was hindeutet und an welcher Stelle man in die Irre geführt wurde.
Die Handlung ist sehr komplex und wird von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Zahlreiche Perspektiv- und Schauplatzwechsel ermöglichen es dem Leser, die Handlungsstränge, die parallel zueinander laufen und sich alle irgendwie bedingen, zu begleiten und so einen umfassenden Blick auf das große Ganze zu bekommen, ohne zunächst jedoch zu wissen, wie es nun wirklich miteinander verknüpft ist und wer hinter welchem Ereignis steckt. Geschickt lenkt der Autor einen von einem Geschehen weg und präsentiert die nächste Szene, die genauso interessant und wichtig ist, jedoch nicht unbedingt sofort zur Auflösung der vorherigen Passage nutzt. Eingebaute Zeitsprünge zeigen zusätzlich die Vergangenheit der Protagonisten, so dass man auch von ihnen ein genaueres Bild bekommt und sich erklären kann, wieso sie so agieren, wie sie es tun. Hier bleibt noch einiges offen, was sicherlich in den nächsten Büchern eine Rolle spielen könnte.
Doch auch in den aktuellen Handlungssträngen gibt es immer mal Rückblenden zu den vorangegangenen Tagen, die weitere Intrigen, Zusammenhänge und Entwicklungen aufzeigen. Schnell wird deutlich wie verzwickt und verstrickt das alles ist. Immer wieder verbinden sich Stränge, es kommen weitere hinzu, es lösen sich wieder welche, bevor im großen Finale dann die Erklärungen geliefert werden, auf die man die gesamte Zeit hinfiebert. Im Verlauf des Buches fallen die Puzzleteile so nach und nach an ihren Platz, einiges dröselt sich schon auf, anderes bleibt bis kurz vor Ende unklar.

Besonders gut gefallen hat mir das Durcheinander das beim Lesen im eigenen Kopf entsteht. Immer wieder dreht und wendet man verschiedene Punkt der Handlung, überlegt, wie sie miteinander in Verbindung stehen könnten, welche Geheimnisse noch nicht gelüftet wurden, wer ehrlich ist, wer einfach nur geschickt lügt und wohin die Reise am Ende wirklich führt. Man kann richtig mit rätseln, sich in die Irre führen und erneut überraschen lassen. Richtig genial aufgebaut und durch die Vielzahl an Wechseln in der Geschichte, braucht alles seine Zeit, um aufgedeckt zu werden, ohne langatmig zu wirken. Das Buch ist voll von unterschiedlichen Facetten, Grausamkeiten, Brutalität, Kriminalität und Geheimnissen.

Bewertung vom 27.01.2019
Davor und Danach
Singer, Nicky

Davor und Danach


sehr gut

Mhairi hat nur noch ein einziges Ziel: überleben! Für sich, für ihre Eltern, für ein besseres Leben, eine sichere Zukunft in ihrer alten Heimat. Doch der Weg dahin ist steinig, geprägt von Schmerz, Entbehrung und der Frage, was sie bereit ist zu opfern, um Schottland zu erreichen. Und irgendwann muss sie sich auch die Frage stellen, ob überleben wirklich das einzige ist, was zählt.
Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Mhairi geschildert. Dadurch hat man Einblick in ihre Gedankenwelt, die durch die Ereignisse der letzten Monate ziemlich auf den Kopf gestellt wurde. Als 14 Jährige sollte man sich nicht allein auf der Flucht befinden, nie wissen, ob man den nächsten Tag noch erlebt und es überhaupt möglich sein wird, das sichere Ziel zu erreichen. Ihre Situation ist erschreckend und erschütternd und die kurzen Einblicke in ihr Seelenleben machen deutlich, wie viel in ihr schlummert, was sie weggeschlossen hat. Obwohl ich sehr gut verstehen kann, dass Mhairi nicht all diese Dinge an sich heranlassen möchte, nicht ständig darüber nachdenken, sie nicht immer wieder in Erinnerung rufen will, empfand ich es zu Beginn der Geschichte trotzdem als „störend“. In Anbetracht der schwierigen Situation der Protagonistin erscheint der Ausdruck störend vielleicht als unangebracht, aber zunächst werden die Erlebnisse ihrer jüngsten Vergangenheit immer nur angerissen und an dem Punkt, an dem man erfahren würde, was passiert ist, was sie erlebt hat, wie alles zusammenhängt, wird abgebrochen. Natürlich kann man zwischen den Zeilen herauslesen, was möglicherweise passiert sein könnte, eine Erklärung dafür, ob man richtig lag mit seinen Vermutungen, gibt es dann erst sehr viel später in der Geschichte. Mhairis Überlebensstrategie ist bewundernswert, dennoch hätte ich sie schon zu Beginn gern mehr kennengelernt, so bleibt einiges doch lange recht vage.
Das Buch spielt einige Jahre in der Zukunft und thematisiert die Veränderung der Welt durch Klimawandel, Überbevölkerung, Ausbeutung der Natur und den daraus resultierenden Konsequenzen und Gesetzesänderungen. Im Verlauf der Handlung bekommt man einen groben Überblick über die Sachen, die sich verändert haben, häufig werden die Aspekte jedoch nur angedeutet und nicht ausführlicher beschrieben. Es war ein wenig schade, nicht noch mehr darüber zu erfahren, wie sich die Autorin die Zukunft vorstellt, in der die Protagonistin lebt. Es hätte auch Mhairis Welt noch ein bisschen greifbarer und lebendiger gemacht. So überwiegt die Anspannung, Angst, Frustration und der bittere Kampf ums Überleben, der durch die gravierenden Veränderungen in der Welt ja erst ausgelöst wurde. Für die Grundstimmung des Buches ist das auf jeden Fall ideal gewählt, da der Weg, den Mhairi zurück legen muss, alles andere als idyllisch und aufmunternd ist, man kommt allerdings aber auch nur wenig über ihren direkten Fokus hinaus. Denkanstöße werden damit allerdings trotzdem gesetzt, denn die Vision, die präsentiert wird, ist erschreckend, aber vermutlich nicht so unrealistisch, wie man hoffen würde. Es sind viele wichtige Themen eingearbeitet, die jetzt schon aktuell sind und die uns auch in der nahen Zukunft weiter begleiten und beschäftigen werden.
Die kurzen Sätze und teilweise abgebrochene Gedankengänge lassen die Geschichte zunächst nicht so flüssig erscheinen, aber der Schreibstil passt zu Mhairi und ihrem Leben, das auch immer wieder ins Stocken gerät, neu sortiert und geplant werden muss. Nach wenigen Seiten hatte ich mich daran gewöhnt, in welcher Form die Protagonistin von ihrem Weg berichtet. Es ist erschreckend &aufwühlend, was sie erlebt, wie viel sie bedenken muss und was alles auf dem Spiel steht. Die kleinen Einschübe, in denen sie ihren Liebsten von „schönen“ Dingen berichtet, die sie erlebt oder an ihre Kindheitserinnerungen denkt, sind zwar irgendwie hoffnungsvoll, aber auch unheimlich traurig. richtig gefangen genommen und vor allem emotional komplett erreicht hat mich vor allem das Ende

Bewertung vom 10.08.2018
Vier.Zwei.Eins.
Kelly, Erin

Vier.Zwei.Eins.


gut

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, die einen durch verschiedene Jahre führen. Man erlebt die Protagonisten, Kit und Laura, sowohl 1999, als alles begann, als auch 2015, in der Gegenwart der Figuren, sowie in einigen, ausgewählten Jahren dazwischen, in denen für die Entwicklung ihrer Leben wichtige Dinge passiert sind. Durch die zwei ich Perspektiven ist man sehr nah bei den Protagonisten und erhält Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelten, die im Laufe der Jahre mit immer unterschiedlichen Dingen gefüllt und belastet werden. Nach und nach baut sich so die Geschichte zusammen, man erfährt etwas über die Zusammenhänge der verschiedenen Ereignisse und die zahlreichen Verstrickungen zwischen den Figuren, die man zu Beginn der Handlung so nicht erwartet.
Insgesamt bleiben mir die Charaktere aber zu blass. Obwohl man so nah bei Laura und Kit ist, taucht man erst sehr spät etwas tiefer in ihre Persönlichkeiten. Die Einblicke vorher geben eher ein grobes Bild bzw. eines, das die Autorin eben in uns entstehen lassen will. So richtig tiefgründig wird es aber nicht, obwohl oder vielleicht auch gerade wegen den zahlreichen Zeitsprüngen, die einen durch die verschiedenen Jahre jagen. Man bekommt eher einen groben Überblick über alles, so richtig greifbar wurden die Figuren für mich dadurch aber nicht.

Die Grundidee der Geschichte ist auf jeden Fall interessant, leider konnte mich die Handlung und der Schreibstil aber nicht vollständig überzeugen und fesseln. Es gibt reichlich langatmige, zähe Passagen, in denen nicht so richtig viel passiert, die einen dann aber von den ereignisreicheren, spannenderen Szenen weglenken, in denen man hofft zu erfahren, wie nun wirklich alles zusammenhängt und was so verhängnisvolles passiert ist, das die gesamte Situation sich so zuspitzen und eskalieren konnte. Auch die Rückblenden in die Vergangenheit sind, für meinen Geschmack, manchmal etwas zu umfangreich gestaltet. Es ist schon interessant zu lesen, was den Charakteren passiert ist, da man sich nur so ein Bild darüber machen kann, wieso sie teilweise so seltsam reagieren, was sie verschweigen, wovor sie Angst haben. Diese Rückblicke hätten aber etwas knackiger und kürzer sein können. Die zwischendurch sehr detaillierten Beschreibungen entschleunigen die Handlung und bringen sie immer wieder ins stocken.
Erst nach etwa 300 Buchseiten war ich dann doch etwas mehr von der Handlung und den ganzen Geschehnissen gefesselt genug, dass ich wissen wollte, wie es weiter und aus geht, für mich leider deutlich zu spät.
Die Autorin hat die Handlung und die Charaktere schon clever angelegt. Immer wieder ändert man beim Lesen die Meinung über die Protagonisten, man zweifelt, grübelt und weiß bis zum Schluss kaum, wem man was zutrauen soll. Durch die turbulenten Passagen am Ende kommen viele Dinge ans Licht, es werden dunkle Geheimnisse aufgedeckt, die ich so nicht erwartet hätte. Mich konnte es insgesamt aber einfach nicht mehr abholen, nachdem es zu lange an der Oberfläche plätscherte, ohne das man so richtig von der Handlung gefangen genommen wurde.
Was mir allerdings gut gefallen hat, ist der Zusammenhang mit der Sonnenfinsternis und dem Anpassen der Handlung an die verschiedenen Phasen der Finsternis. Das war ein sehr ungewöhnliches Element, das ich so vorher noch nie gesehen habe.

Fazit:
Eine interessante, sehr verstrickte Grundidee, in der es reichlich Lügen und Intrigen zu entdecken gibt. Während des Lesens ändert man mehrfach seine Meinung zu den Charakteren und weiß bald gar nicht mehr, wem man noch glauben darf. Leider gibt es zu viele langatmige, zähe Passagen und auch die Figuren waren mir insgesamt zu blass und nicht greifbar genug. Die Spannung kam für mich zu spät auf, dadurch konnte mich das Buch nicht mehr packen und überzeugen.

Bewertung vom 28.02.2018
Fanatisch
Schröder, Patricia

Fanatisch


gut

Bedroht, verschleppt, gequält, frei gelassen und zum Schweigen verurteilt – so könnte man Naras Erlebnisse an einer Hand abzählen und doch fassen diese Worte nur schwer zusammen, was sie wirklich erlebt hat. Endlose Stunden des Hoffens und Bangens, der Ungewissheit und Ungläubigkeit und auch als es für alle anderen so aussieht, als wäre das Martyrium vorbei, geht es noch mal so richtig los.

Der Schreibstil von Patricia Schröder ist angenehm und abwechslungsreich gestaltet. Die meiste Zeit begleitet man Nara in der Ich-Perspektive, wodurch man sehr intensiv bei der jungen Protagonistin ist und all ihre Gedanken, ihr Leid, ihre Verzweiflung, ihre Qual und ihre sinkende Hoffnung hautnah mitbekommt. Zwischendurch gibt es jedoch auch immer wieder Passagen aus einer anderen Sicht, die weitere Szenen der Gesamthandlung beleuchtet. Dadurch bekommt man einen umfassenderen Blick und damit auch einen Einblick in die Welt und die Gedankengänge der Täter und eines weiteren Opfers, das von den Mädchen getrennt, gefangen gehalten wird. Die Wechsel sorgen für zusätzliche Dynamik und Spannung und bringen neue Spekulationen über die Zusammenhänge, Hintergründe und die Identität mit sich.
Insgesamt ist man sehr nah am Geschehen und begibt sich mit Nara auf die Suche nach der Wahrheit, nach den Verknüpfungen und den Motiven, die zunächst nicht sehr offensichtlich scheinen. Doch auch als sich erste Rätsel lösen, bleibt die Motivation für die Taten noch verborgen. Erst Stück für Stück werden diese Dinge offenbart und am Ende war ich doch überrascht, wie sich alles auflöst und wer hinter all dem steckt.
Nara ist eine starke Protagonistin, die trotz der ausweglosen Situation nicht aufgibt, sich selbst antreibt und mit ihren Gedankengesprächen genau das zum Ausdruck bringt, was ihr eine gute Freundin in der Situation wohl auch geraten hätte.

Ein wenig schade fand ich, dass der Klappentext bereits so viel verrät und auch der Zeitungsartikel ganz zu Beginn des Buches schon ein Stück in der Handlung vorgreift. Zwar weiß man nicht, was genau passiert und wie es dazu kommt, aber man weiß an dieser Stelle eben schon, was mit den Mädchen in Gefangenschaft auf jeden Fall nicht passiert. Das nimmt ein Stück der Spannung, da man vorbereitet ist, dass noch irgendwas danach kommt und das eben definitiv nicht das Ende sein wird. Die danach eingebunden Zeitungsartikel fand ich hingegen gut, da sie quasi in Echtzeit berichten, was in der Stadt, außerhalb vom Einzugsbereich der Protagonistin, seltsames passiert.
In die Thrillerhandlung eingebunden sind verschiedene, gesellschaftlich relevante Themen. Die Bearbeitung von Krisenthemen gibt dem Buch eine gewisse Aktualität und sensibilisiert für die Dinge, die in der Welt und in Deutschland passieren. Auch wenn ich es wichtig finde, dass wir davor nicht die Augen verschließen, habe ich selbst mit dem Religionsthema, das ja auch eine relevante Rolle im Buch spielt, selbst nicht so viele Berührungspunkte und kann die Glaubensbekenntnisse daher auch nur schwer nachvollziehen. Das Konfliktpotenzial wird aber in jedem Fall anschaulich integriert.

Am Ende bin ich etwas zwiegespalten, was das Buch in mir hinterlässt. Auf der einen Seite war es wirklich interessant Nara und die anderen auf ihrem Weg zu begleiten, der voll von Angst und Unverständnis ist. Auf der anderen Seite fehlte mir der letzte Funke, um mich komplett fesseln, packen und nicht wieder loslassen zu können, da, wie bereits angesprochen, so viel schon im Vorfeld klar war.

Ein Thriller, der sich gut lesen und flüssig lesen lässt, mit grausamen Momenten, in denen man mit den Charakteren leidet und der großen Frage nach der Identität . Das gewisse Etwas hat für mich am Schluss dann aber einfach gefehlt, vielleicht empfinden es jugendliche Leser anders, denn ausgeschrieben ist es ja als Jugendthriller.

Vielen Dank an den Verlag und vorablesen für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!