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Benutzername: Buchdrache
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 115 Bewertungen
Bewertung vom 22.04.2018
Unter einem Banner (eBook, ePUB)
Brandt, Elea

Unter einem Banner (eBook, ePUB)


sehr gut

Wie schon bei Opfermond kam ich auch hier sehr schnell und sehr gut in die Welt hinein und hatte alsbald große Freude am Lesen. Elea hat einfach einen Schreibstil, der das einem unheimlich leicht macht. Außerdem schafft sie es einfach spielend, Charaktere zu erschaffen, die einem unheimlich schnell ans Herz wachsen mit all ihren Ecken und Kanten und liebenswürdigen Seiten und den kleinen Details.
Ich wollte mehr als nur einmal durch den Bildschirm meines eReaders greifen und Benrik für seine großmäulige Art links und rechts eine verpassen! Und gleichzeitig ging es mir doch sehr nahe, seinen Werdegang bei der Rückeroberung des Throns zu verfolgen, weil schnell klar wurde, dass unter der Maske des oberflächlichen Großmauls, das alles begattet, das nicht bei drei auf den Bäumen ist, ein ziemlich verletzlicher Mensch steckt, der endlich aus dem Schatten seines Vaters treten will.
Auch Reykan hat die vielen kleinen Details, die ihn einfach zu einem tollen Protagonisten machen. Er hat beispielsweise immer ein kleines Märchenbüchlein bei sich (ob wir diese Märchen vielleicht eines Tages in einem Spin off lesen dürfen?), aus dem er liest, wenn er etwas Trost braucht. Da es mir ebenso geht mit meinen Märchenbüchern, war das einer der vielen Punkte, die mir Reykan so sympathisch gemacht haben.
Vor dem Hintergrund der Rückeroberung des Throns ist »Unter einem Banner« vor allem eine Geschichte zweier Menschen, die aneinander wachsen. Reykan muss vergangene Traumata überwinden, ausgelöst durch den Krieg und den Verlust vieler vertrauter und auch geliebter Menschen. Gleichzeitig steht er immer wieder im inneren Konflikt mit seinen eigenen Bedürfnissen (so zum Beispiel, endlich dem Krieg zu entkommen, indem er aus dem Dienst austritt) und seinen Treueschwüren König und Land gegenüber (so zum Beispiel, als er sich dem Willen seines Königs beugt, der ihm den Austritt verweigert, und später, als er sich verpflichtet, Benrik zu helfen).
Für Benrik heißt diese Reise, aus dem Schatten seines Vaters zu treten und zu lernen, ein selbstständig und verantwortungsbewusst handelnder und Entscheidungen treffender König zu werden. Dabei muss er etliche Hürden überwinden und das Vertrauen seiner künftigen Untertanten gewinnen, in denen sich sein Bild eines hurenden Schönings festgesetzt hat. Er muss aus sich heraus wachsen und zeigen, dass er seines Erbes würdig ist.
Dabei unterstützen sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten Benrik und Reykan gegenseitig. Das heißt auch, dass sich allmählich romantische Gefühle zwischen ihnen entwickeln. Manch einer mag homosexuelle Beziehungen in Büchern vielleicht nicht so. Denen sei gesagt: Ich persönlich fand diesen Aspekt des Romans als nicht allzu aufdringlich. Klar, er ist deutlich da, aber die persönliche Entwicklung der Charaktere steht immer noch im Vordergrund, von der das nur ein Teilaspekt ist. Außerdem fühlt es sich nicht an, als sei die homosexuelle Beziehung beider Charaktere nur drin, weil das gerade »in« ist, sondern wurde ganz im Gegenteil ganz natürlich eingeflochten. Mir persönlich hat auch dieser Aspekt des Romans zugesagt.
Auch weg von den Charakteren und hin zur Welt kann der Roman überzeugen. Das Mittelalterfeeling wurde toll zum Leser transportiert. So spricht der König beispielsweise von sich in der ersten Person Mehrzahl und es gibt Pfalzen. Positiv fiel zudem auf, dass wir auch die Folgen des Krieges für die einfache Bevölkerung zu sehen bekommen und nicht nur den Blick von oben auf die Situation erhalten. Das gibt dem noch einmal mehr Tiefe.

Bewertung vom 17.04.2018
Schnee wie Asche / Ice like Fire Bd.1
Raasch, Sara

Schnee wie Asche / Ice like Fire Bd.1


weniger gut

2.5*
So weit, so gut. Irgendwie erwartet man nach dieser Inhaltszusammenfassung vor allem ein Roman, in dem die Protagonistin in irgendwelchen entlegenen Winkeln herumkraucht, dem Amulett nachjagt und überhaupt allerhand Abenteuer quer durch die ganze Karte erlebt. Das, was der Leser dann am Ende bekommt, hat damit nur bedingt etwas zu tun, und das war in mehrerlei Hinsicht enttäuschend, nicht nur, weil man nicht wirklich das bekommt, was man erwartet.

Der Weltenbau ist durchaus interessant und macht neugierig. Wir haben die acht Magsignien, Amulette, in denen die Magie der jeweiligen Königreiche begannt ist. Derer gibt es acht: vier Rhythmus-Königreiche und vier Jahreszeitenkönigreiche. Mit den Magsignien können die Herrscher bestimmte Eigenschaften ihrer Untertanten verstärken, zum Beispiel Mut und Kraft. Mehr Magie gibt es nicht, weil die Quelle der Magie schon vor langer, langer Zeit verloren ging.

An und für sich eine interessante Ausgangssituation. Leider geht das völlig unter langweiligen Charakteren und einem 08/15 Plot verloren. Jahrelang begleitet Meira Mather, einen der wenigen Überlebenden, Altersgenosse und zukünftiger König von Winter – sollte das Reich jemals wieder auferstehen. Die beiden gehen durch dick und dünn und sind beste Freunde für’s Leben. Ganz nebenbei sind beide auch noch ineinander verknallt, aber das darf ja nicht sein, weil er der König ist und sie ein Niemand (das merken wir uns mal bitte). An und für sich geht das alles aber gut und ein sonderlich großer innerer und äußerer Konflikt entsteht dadurch aber nie. Sobald Mather aber an einer Stelle zusammen mit anderen durchtrainierten Männern mit nacktem Oberkörper erscheint, fliegt Meira förmlich das Höschen weg und sie verfällt in Begattungsstarre. Ach, auf einmal?!

Außerdem bringt uns das diese Stilblüte ein: »Mathers Bauchmuskeln, die aussehen, als könnten sie einen Kuhnacken durchtrennen, wirken neben Theron und drei duzend anderen Soldaten nicht mehr ganz so umwerfend.« (S. 188) Mir fliegt auch gleich was weg, und das ist ganz bestimmt nicht mein Höschen, sondern etwas deutlich stabileres.

Erinnern wir uns Meiras Stellung in der Gesellschaft: gemeines Fußvolk, das zufällig in die Position des letzten Widerstandes eines untergegangenen Volkes geriet. Das macht sie aber immer noch nicht zu einer politisch wichtigen Person, jedenfalls nicht für ein anderes Land außer Winter und Frühling, den beiden Konfliktparteien. Dennoch wenden sich die Rebellen mitsamt Mather an eines der Rhythmus-Königreiche, um ein Bündnis mit ihm gegen Frühling zu erwirken. Und was ist der Preis? Meira soll an den Kronprinzen des Reiches verheiratet werden. Wieso? Es erschließt sich mir absolut nicht. Sie hat keinerlei Wert für das Reich, da sie auch für Winter nicht diese Bedeutung nach außen hin hat. Warum sollte man darauf eingehen und den eigenen Kronprinzen an irgendwen verheiraten? Meira kann (zu diesem Zeitpunkt) nichts von Wert zu diesem Bündnis beitragen.

Zu diesem Zeitpunkt. Das ist das Stichwort. Denn wie es der Zufall so will, ist natürlich an Meira viel mehr dran, als es das Auge zunächst sieht. Der Roman kommt mit einer Menge Tropes daher und arbeitet diese nicht sonderlich kreativ auf. Rebellen, die für ihre Freiheit kämpfen, verschollene Erben, all der Kram.

Das macht den Roman zu einem kleinen Happen für zwischendurch. Es ist ok, wenn man ihn gelesen hat, aber sonderlich bereichernd war er nicht. Ein durchaus Interesse weckender Weltenbau geht unter einem Haufen langweiliger Charaktere und Widersprüchen unter.

Bewertung vom 11.04.2018
Palace of Glass - Die Wächterin / Palace-Saga Bd.1 (eBook, ePUB)
Bernard, C. E.

Palace of Glass - Die Wächterin / Palace-Saga Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Manchmal nehmen Bücher einen ungewöhnlichen Weg bis zur Veröffentlichung. Mit dem ersten Roman von C.E Bernard, dem Pseudonym von Christine Lehnen, wollte es nicht klappen. Dabei war das der perfekte Roman, jedes Wort musste sitzen. Nachdem der aber nicht seinen Weg zu einem Verlag schaffte, beschloss sie, einfach drauf los zu schreiben, irgendwas, worauf sie gerade Lust hatte. Und weil sie es nun mal kann, schrieb sie den Roman eben auf Englisch und schickte ihn dann an eine Londoner Agentur. Die vermitteln nämlich weltweit. Es war die Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ein deutscher Verlag zuschlug. Und so kommt es, dass wir nun »Palace of Glass – Die Wächterin«, Teil 1 der Palace-Saga, in Händen halten dürfen.

Der Roman ist ein wahrer Pageturner. So viel steht auf jeden Fall fest. Auf ihn aufmerksam geworden bin ich auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse während der großen Seraph Fantasynacht, wo die Autorin samt Roman einen sehr positiven Eindruck hinterlassen hat. Dieser bestätigt sich auch, nachdem ich den ganzen Roman las.

»Place of Glass« hat eine bemerkenswerte Sogwirkung. Der Leser wird zwar gerade am Anfang ziemlich mit Worldbuilding zugeschmissen, was zumindest bei mir zur Folge hatte, dass ich mir nicht merken konnte, welche Art von Magdalenen was kann. Aber gerade dieses Worldbuilding ist abgesehen von der etwas zu großen Masse gerade am Anfang ziemlich cool und wirklich gut gelungen. Bernard hat eine spannende nahe Zukunft erschaffen, bei der man unbedingt dabei sein will. Nun ja, zumindest beim Lesen, nicht in persona, denn es ist schon eine recht düstere, diktatorische Zukunft, die sie da erschafft.

Jeglicher Hautkontakt ist außer zur Fortpflanzung verboten, seit die Magdalenen entdeckt wurden. Das heißt, dass sich jeder extrem verhüllen muss, stets Handschuhe tragen und sogar die Hände werden mittels eines Kummerbund genannten Kleidungsstückes hinter den Rücken gebunden, damit man auch trotz Handschuhen ja niemanden berühren kann. Außerdem werden hohe Kragen getragen, die teils bis über den Scheitel gehen, damit man sich auch im Gesicht nicht berühren kann. Alles in der Gesellschaft ist darauf ausgelegt, dass auch ja kein auch noch so kleiner und unvorsichtiger Kontakt entstehen kann. Bernard beschreibt das alles sehr gut und hat das gut durchdacht, welche Mittel eine solche Gesellschaft ergreifen könnte, um Berührungen zu verhindern.

Überhaupt beschreibt Bernard vieles sehr eindrucksvoll. Besonders Stoffe, die für Rea als Schneiderin und Seide im Besonderen für alle Magdalenen eine besondere Rolle spielen, und auch die Kampfszenen stehen im Fokus und werden von der Autorin sehr eindrucksvoll beschrieben. Man merkt, dass sie sich dabei sehr viel Mühe gegeben hat, dem Leser diese Dinge, die einen nicht geringen Teil im Roman einnehmen, auch wirklich gut vor Augen zu führen. Und es ist gelungen! Mir hatte es immer sehr viel Spaß gemacht, die Kampfszenen zu lesen.

Des Weiteren schafft es die Autorin, einen sehr schönen Blick in das Innenleben der Protagonistin zu erzeugen. Rea lebt unter ständigem Druck und Angst, entdeckt werden zu können. Das ist eine große psychische Belastung für sie, und das kann der Leser sehr gut nachvollziehen.

Ein wenig sauer stieß mir dabei jedoch auf, dass ich völlig unvorbereitet über die Erwähnung von selbstverletzendem Verhalten gestoßen bin.

Bewertung vom 09.04.2018
Minusgefühle
Seelig, Jana

Minusgefühle


sehr gut

Warnung! Im Folgenden wird die psychische Erkrankung Depression behandelt, damit verbunden auch u.a. Suizidalität und SVV.

»Die Depression aber ist ein mieses Arschloch, das auch vor den größten Verantwortungen im Leben nicht halt macht.« (S. 109)

2015 schrie Jana Seelig in die Welt hinaus, was es heißt, an einer Depression erkrankt zu sein, einer Krankheit, die als Volkskrankheit Nr. 1 gilt und über die noch immer so viel Unwissen und Falschwissen kursiert, dass auch heute noch ein großer Nachholbedarf besteht. Ihr Buch »Minusgefühle – Mein Leben zwischen Hell und Dunkel« trägt seinen Teil zu dieser Aufklärung bei.

»Minusgefühle« ist ein Buch, das mich von der ersten Seite an angesprochen hat. Es gab einfach so viel, wo ich da saß, nickte und sagte: »Ja. So ist es!« Denn ich kann sehr gut Jana Seeligs Situation nachvollziehen. In unserer Gesellschaft ist es nicht leicht, an einer Depression erkrankt zu sein, das Stigma psychisch erkrankter Menschen ist immer noch stark. Es handelt sich dabei eben nicht um einen Schnupfen oder gar einen Beinbruch, man sieht die Krankheit nicht. Dabei ist es eben nicht mit einem »Dann reiß dich mal zusammen, dann wird das schon!« oder einem »Dann fahr halt mal für zwei Wochen in den Urlaub!« getan.

Man kann ein junger, dynamischer Mensch wie Jana Seelig sein, gute Noten, Erfolg im Job, in der Liebe, im Privaten haben, aber eine Depression macht davor nicht halt. Man steigert sich da nicht rein. Man ist nicht aufmerksamgeil. Man braucht nicht nur mehr Ablenkung und weniger Stress. Man kann sich auch nicht einfach zusammenreißen. Man springt da auch nicht auf einen Hypetrend auf. Man muss auch nicht »einfach nur« positiver denken. Denn »einfach nur« ist nichts an dieser Erkrankung.

»Warum kann ich nicht einfach einen Hirnturmor haben?« (S.25), fragt sich die Autorin. Eine Frage, die sich wahrscheinlich viele Erkrankte stellen. Mit einem Hirnturmor scheint man als Erkrankter viel akzeptierter zu sein – und vor allem bekommt man wesentlich schneller Hilfe. Therapieplätze für psychisch Erkrankte sind auch heute noch, 2018, heiß begehrt und viel zu rar, da die Krankenkassen, die Plätze der niedergelassenen Therapeuten künstlich beschränken. Neulich gab es im Spiegel (Nr. 11 10.3.18) einen guten Artikel zu dem Thema, in dem geschrieben stand, dass jeder Therapeut täglich 33 Stunden arbeiten müsste, um alle Erkrankten behandeln zu können.

Dabei ist Jana Seelig nicht immer auf den Mund gefallen. Sie spricht die Dinge an, wie sie sind, nimmt sich dabei nicht immer selbst ernst, denn so kann man immer noch am besten dem Schrecken dieser Erkrankung begegnen.

Dem Text ist eine Triggerwarnung vorangestellt und sie ist sehr angebracht. Es werden neben der psychischen Krankheit selbst auch unter anderem Drogen- und Alkoholmissbrauch, psychische und körperliche Gewalt, Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten thematisiert. Daher sollte man das Buch nur lesen, wenn man weiß, dass diese Themen einen nicht triggern. Was mich aber noch zu einem anderen, allgemeinerem Punkt bringt: Ist es echt so schwer, nicht einfach vor jeden Roman eine Triggerwarnung zu setzen, in dem sensible Themen behandelt werden? Es wäre so einfach! »In diesem Buch werden psychische Erkrankungen behandelt.« Damit wäre es doch schon getan! Ich vermisse das so sehr in so gut wie allen Romanen. So eine Triggerwarnung spoilert nicht, macht das Lesen für viele Menschen um einiges leichter.

Man muss es eigentlich nicht noch einmal groß betonen: »Minusgefühle« ist ein sehr empfehlenswerter Text, wenn es darum geht, einen Einblick in das Leben eines an Depression erkrankten Menschen zu erhalten, wie es ist, mit dieser Krankheit zu leben, und was es heißt, damit sein Umfeld zu meistern. Ein Leben mit Depression ist möglich, man braucht nur ein wenig mehr Hilfe.


Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Bewertung vom 28.03.2018
Flammenwüste Bd.1
El-Bahay, Akram

Flammenwüste Bd.1


weniger gut

Abbruch nach 214 Seiten

Der Beginn des Romans weckt durchaus Interesse. Schön baut der Autor die orientalisch anmutende Wüstenkultur auf. Auch sehr schön zu lesen ist, wie er die lokalen Legenden und Märchen in die Erzählung einfließen lässt und der Welt so mehr Tiefe verleiht.

Und dann … hört es eigentlich auch schon auf mit den guten Ideen. Nicht ganz gewöhnliches Wüstensetting und schöne Grundideen mit den Geschichten in der Geschichte hin oder her, man muss diese guten Ideen auch zu Papier bringen können. Und das kann Akram El-Bahay definitiv nicht.

Apropos Papier: Die Charaktere sind ebenso flach und interessieren mich absolut null. Es ist mir vollkommen egal, ob sie ihre große Liebe finden oder auf dem Weg dorthin gehäutet und gevierteilt werden. Außerdem weiß ich nach den knapp 200 Seiten von Anûr nichts weiter außer dass er einen Großvater hat und Geschichten erzählt. Wow. Much Charaktertiefe. Ach ja, vergessen wir die dämliche Kackbratze nicht.

Denn genau das ist er. Ich fasse es nicht, wie unglaublich dämlich er sich die ganze Zeit benimmt und selbst dann blindlings und mit wehenden Fahnen in Gefahren rennt, vor denen er ausdrücklich gewarnt wurde! Nachdem man eine aufregende und anstrengende Flucht hinter sich hatte, konnte ja keiner wissen, dass man müde wird, sobald man ein wenig zur Ruhe gekommen ist. Herrgott noch mal! Und dann ist es genau Anûrs Kamel, das mitten in einem Sandsturm panisch davonrennt – mit Anûr oben drauf. Zumindest die Kamele, die ich aus Dokus kenne, sehen in einem Sandsturm sehr entspannt aus. Die Probleme, mit denen sich Anûr auf seinem Weg konfrontiert sieht, wirken alle so dermaßen konstruiert und an den Haaren herbeigezogen, dass es weh tut!

Überhaupt, was kann der Junge eigentlich? Außer absolut jede Gefahr am Wegesrand mitzunehmen, meine ich. Er ist Geschichtenerzähler, scheint aber keine Ahnung von der Welt um sich herum zu haben. Es gibt Ghoulas in der Wüste? Konnte ja keiner wissen, auch wenn er tausend Geschichten über die kennt! Ein bisschen weniger Naivität den Risiken seiner Reise gegenüber würde ihm ganz gut zu Gesicht stehen.

Diverse Tropes müssen natürlich auch ausgereizt werden, unter anderem die Jungfrau in Nöten. Da ploppen mythische Kreaturen auf und wollen einen fressen. Aber da liegt doch die schöne Jungfer in Nöten und muss unter Einsatz des Lebens gerettet und sofort schlägt das Schwanzbarometer aus. Kann mir keiner sagen, dass nicht ab dem ersten Auftauchen dieser besagten Dame der Loveinteresst klar war. Sie ist ja SO!SCHÖN!

Und dann noch das Lektorat, wozu mir nur eines einfällt: Ernsthaft?! Es war die Seite 191, die dafür sorgte, dass mir beinahe die Augen aus dem Kopf fielen. Ich bin schon vorher über einige unglückliche Satzkonstruktionen gestolpert, denen es sicher gut getan hätte, wenn man schlicht die Satzglieder lesefreundlicher umgestellt hätte. Seite 191 setzte dem jedoch die Krone auf. Auf einer einzigen Seite tauchte ganze sechs Mal das Wort »sieh« auf. Sieh da! Sieh hier! Sieh dort! Und von diesen sechs Mal wurde es geschlagene drei Mal falsch »sie« geschrieben. Aua! Fiel das nicht auf?

Mein Fazit zu diesem Buch lautet schlicht nein.Von dem Drachen habe ich auf diesen 214 Seiten nicht viel mitbekommen, aber nachdem der ganze Rest so eine Katastrophe ist, ist es auch nicht wirklich schade darum. Die Charaktere und ihre Schicksale interessieren mich kein Stück, weil sie alle flach wie ein Brett sind und mit Tropes wird auch noch fröhlich um sich geworfen. Und Anûr selbst ist überhaupt die größte Katastrophe in desem Wortunfall.

Bewertung vom 19.03.2018
Opfermond - Ein Fantasy-Thriller
Brandt, Elea

Opfermond - Ein Fantasy-Thriller


sehr gut

2017 veröffentlichte Elea Brandt ihren Debütroman »Opfermond«, ein Fantasy-Thriller, der in der rauen Wüstenstadt Ghor-El-Chras spielt und mittlerweile auch für den zweiten Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie Bestes Debüt nominiert ist. Verdient!

In den finsteren Gassen von Ghor-El-Chras finden sich täglich zahllose Mordopfer, meist nur arme Schlucker, die niemand vermisst. Doch dieses Mal ist der Sohn eines einflussreichen Stadtherren darunter. Der Mörder Varek wird damit beauftragt, den Mörder zu stellen. Auch die Hure Idra ist daran interessiert, den Mord aufzuklären, denn die Täter scheinen auch mit dem Tod ihrer Freunde in Verbindung zu stehen. Zusammen entdecken die beiden dabei jedoch eine viel größere Gefahr, als sie zunächst geahnt hatten.

Wer mit dem Lesen dieses Romans anfängt, sollte eine Weile einplanen. Nicht etwa, weil das Buch so lang ist, sondern weil es, wenn man erst einmal beginnt, einen nicht mehr los lässt und es so leicht passieren kann, dass dann mal eben ein ganzer Tag rum ist – und ein Buch durchgelesen.

Der Roman kann nicht unbedingt durch seine absolut unvorhergesehen Plottwists bestechen, denn das sind sie nicht wirklich. Aber das ist nicht schlimm, denn dafür tischt uns Elea Brandt einige wunderbare Charaktere auf. Besonders Idra mit ihrer großmäuligen Art – sie ist absolut nicht auf den Mund gefallen – hat damit einen gewissen Charme. Auch die Dynamik zwischen den Charakteren macht sehr viel Spaß und ist einfach wunderbar zu verfolgen.

Durch die Konstellation der Protagonisten, ihre Charaktereigenschaften und ihre Hintergründe ergeben sich einige spannende Konstellationen, die den Plot vorantreiben und ihm ein sehr natürliches Empfinden geben. Idra beispielsweise weiß, dass alles seinen Preis hat, was auch für Informationen gilt, weshalb sie das, was sie weiß, nicht so einfach Varek preisgeben will. Hätte sie es gemacht, wäre der Fall wesentlich schneller gelöst, das ahnte sie jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zudem traute sie Varek nicht über den Weg, was allerdings auf Gegenseitigkeiten beruht.

Ein ganz besonderer Genuss während der Lektüre waren die Dialoge. Sie fühlen sich absolut natürlich an und sind Elea Brandt wirklich gut gelungen. Ich wagte zu behaupten, dass sie wirklich das Beste am ganzen Roman sind. Durch sie bringt Elea die Figuren wunderbar zum Leser und gestaltet sie absolut plastisch. Nichts wirkt irgendwie gekünstelt, alles passt.

Und dann das Ende! Es ist kein Happy End, kann es vielleicht auch gar nicht geben. Ghor-El-Chras ist ein hartes Pflaster und es geht hier düster und hart zu. Da ein Happy End zu erwarten, hätte einfach nicht gepasst. Vielmehr ist es ein wehmütiges, aber auch sehr gefühlvolles Ende, der Roman hätte nicht passender abschließen können.

Einziger Wehmutstropfen: Varek, auch wenn er ein Charakter ist, der mir grundsätzlich gefällt, war hin und wieder zu selbstmitleidig. Sein Selbsthass und seine Verachtung für das, was er unfreiwillig tun muss, passt, jedoch kommt es manchmal einfach zu häufig und zu stark durch. Etwas weniger wäre hier mehr gewesen.

Das bleibt jedoch nur ein kleiner Kratzer. Trotzdem ist das Buch ein absolut gelungenes Debüt und wird auch nicht mein letztes sein, das ich von der Autorin lese. »Opfermond« ist jedem zu empfehlen, der nicht gerade zart besaitet ist und düstere Fantasy mag.

Bewertung vom 22.02.2018
A Memoir by Lady Trent
Brennan, Marie

A Memoir by Lady Trent


ausgezeichnet

Das Buch ist geschrieben, als sei es ein tatsächliches Memoir der mittlerweile alternden Lady Trent, die auf ihr Leben zurückblickt. Der erste Teil der Reihe »A Natural History of Dragons« schaut auf ihre jungen Jahre und die Wurzeln ihrer Reputation als bedeutende Drachenforscherin zurück. Der Stil des Memoirs ist daher vielleicht etwas eigen, aber gerade das lässt das Buch aus der Masse an Fantasy herausstechen: Es ist einmal etwas erfrischend Anderes.

Das bringt lediglich den Nachteil mit sich, dass einige der Charaktere und die Beziehung zwischen einigen Charakteren hinten über fallen. Lady Trents Fokus liegt eben auf ihrer Entwicklung als Drachenforscherin, worin ihre Familie bis auf ihren Vater, der sie an einen nachsichtigen Ehemann verheiratete, anscheinend keine große Rolle spielte. Daher fehlt so ein wenig die Dynamik zwischen Tochter und Eltern. Auch die Entwicklung ihrer Beziehung zu Jacob, ihrem Ehemann, bleibt eher blass und lässt sich nur erahnen.

Dafür bekommen wir ein sehr genaues Bild von Lady Trent. Sie ist ein wirklich bemerkenswerter Mensch. Der Roman spielt in einer komplett erdachten Welt, jedoch mit viktorianischen Anlehnungen vor allem in der Kultur der Menschen. So ist es für die junge Isabella zum Beispiel ganz und gar nicht angebracht, sich für Naturwissenschaften zu interessieren. Das tut sie jedoch mit einer solchen Leidenschaft, dass auch ihrem Vater klar wird, dass ihr das nicht auszutreiben ist, ohne ihr jegliche Lebensfreude zu nehmen. Isabella schafft es jedoch, sich in einer Gesellschaft durchzusetzen, die ihr mehr »weibliche« Beschäftigungsfelder vorschreiben will, in denen sie jedoch größtenteils keine Freude findet. Trotz allem gesellschaftlichen Druck schafft sie es sich durchzusetzen und kommt schließlich an ihre Drachen und damit zur Erfüllung ihres Lebenstraumes. Zudem kann sie dabei auch noch mit ihrem Intellekt beeindrucken und sich somit in gewissen Kreisen eine kleine Reputation aufbauen.

Überhaupt ist Isabella ein faszinierender Charakter. Es ist eben doch nicht normal, mit neun Jahren auf die Idee zu kommen, eine tote Taube zu sezieren. Mich haben in diesem Alter zwar im Fernsehen auch fast nur die Naturdokus interessiert, dennoch wäre ich entgegen Isabella nicht auf die Idee gekommen, mich mit Fachliteratur zu diesem Themenfeld zu beschäftigen – oder eben tote Tiere aufzuschneiden, um zu sehen, was drin ist. Das macht Isabella zu einem ungewöhnlichen Charakter, der immer wieder mit seinem Umfeld und dessen gesellschaftlichen Normen in einem Spannungsfeld steht. Zu sehen, wie sie damit umgeht und die Situation zu ihrem Besseren wenden will, ist faszinierend.

Isabella erinnert an Shallan aus Brandon Sandersons Stormlight Archive – wenn auch mit dem Unterschied, dass dort die Wissenschaften ein nahezu ausschließlich weibliches Beschäftigungsgebiet ist und sich Shallan da nicht erst gegen diese Art von gesellschaftlichen Normen stemmen muss. Trotzdem: Beide sind starke, durchsetzungsfähige junge Frauen, die einen außergewöhnlichen Intellekt besitzen und sich gegen alle Widrigkeiten durchbeißen können.

Auch wenn das Buch als Memoir geschrieben ist, so ist es doch ein waschechter Abenteuerroman. Auf in den wilden Westen! Nur eben mit Drachen. Das Buch macht viel Spaß beim Lesen und bietet eine Menge Kurzweil.

Als i-Tüpfelchen obendrauf ist das Design des Buches ein echter Hingucker. Nicht nur das Cover sieht umwerfend aus, auch im Buch selbst gibt es einige wirklich gelungene und sehenswerte Illustrationen von Örtlichkeiten und vor allem Drachen, die im Buch auftauchen.

Alles in allem ist das Buch eine ausgesprochene Empfehlung für alle Liebhaber der Fantasy und vor allem für die, die endlich mal wieder einen vernünftigen Drachen-Roman lesen wollen. Eine starke Frauenfigur, Abenteuer satt und Drachen obendrauf. Was will man mehr?

Bewertung vom 15.02.2018
Die drei Sonnen / Trisolaris-Trilogie Bd.1
Liu, Cixin

Die drei Sonnen / Trisolaris-Trilogie Bd.1


ausgezeichnet

Eine rundum gelungene Erstkontaktgeschichte, eine der wenigen, die das sinnvoll und wissenschaftlich fundiert angeht!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.02.2018
American Gods
Gaiman, Neil

American Gods


sehr gut

Die Götter der alten Welt sind tot und nun nehmen neue ihren Platz in unserer Welt ein und ringen um die Anbetung durch die Menschen. Neil Gaiman widmet sich in seinem Roman »American Gods« einem ausgesprochen aktuellen Thema, das bei weitem nicht nur Amerika betrifft.

Shadow hat nichts mehr. Als er aus dem Gefängnis entlassen wird, erfährt er, dass wenige Tage zuvor seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kam. Seinen alten Job kann er ebenso wenig zurück haben und in seiner Heimat ist er auch nicht mehr wirklich willkommen. Da begegnet ihm der schlitzäugige Mr Wednesday und bietet ihm an, für sich zu arbeiten. Hauptsächlich als Fahrer, vielleicht auch dem einen oder anderen Typen eins überziehen. Da Shadow ohnehin keine Alternativen mehr im Leben hat, nimmt er nach einigem Zögern an. Und ahnt nicht, dass er in einen Krieg der Götter hineingeraten ist.

Eine Gangstergeschichte der etwas anderen Art, mit viel Witz und Scharfsinn erzählt. Die Namen der Protagonisten sind Programm und wer aufmerksam liest, wird so einiges erfahren. Shadow bleibt den ganzen Roman über dem Leser, obgleich er der Hauptprotagonist ist, sehr schattenhaft. Wir erfahren relativ wenig über ihn als Person, seine Gedanken und Gefühle und seine Geschichte. Das hat so einigen Reiz, weil es viel Spielraum für eigene Gedanken und Ideen lässt.

Mr Wednesday ist die zweite zentrale Figur des Ganzen, und wer weiß, wie die Etymologie des Wortes Wednesday lautet, der kann sich bereits denken, um wen es sich hier eigentlich handelt. Er ist ein schlitzohriger Gauner durch und durch, der Shadow lange Zeit im Unklaren lässt, worum es hier eigentlich geht. Auch wenn er so eine zwielichtige Gestalt ist, ist er doch ein ausgesprochen unterhaltsamer Charakter, der auf seine Weise ziemlich amüsant ist, wenn er mal wieder eine neue Gaunerei plant.

Das Buch ist ziemlich vielschichtig, was man schon allein an den Namen sieht. Sicher lohnt es sich hier, das Buch mehrmals zu lesen, um wirklich alle Aspekte des Buchs zu erfassen.

Eine Stelle blieb mir besonders im Gedächtnis. Da ich das Bibliotheksbuch mittlerweile wieder zurückbrachte und mir die Stelle nicht notierte, kann ich es nicht sinngemäß zitieren. Aber sie ging ungefähr so: »Die modernen Altäre sind Fernseher und Internet, und unsere Opfergaben zumeist unsere eigene Lebenszeit.« Und das ist die Kernaussage des Romans. Die alten Götter Odin und Loki und all die anderen kämpfen mit den neuen Göttern um die Vorherrschaft im Glauben der Menschen, während wir endlose Stunden vor dem Fernseher (und mittlerweile auch Internet, Erstveröffentlichung war 2001) hängen und Zeit verplempern.

Das Buch hat so einige unheimlich komische und spannende Stellen, leider jedoch in der Mitte so seine Längen, die mich nicht wirklich fesseln konnten. Wiederum sehr gut gefiel mir die Idee der »Coming to America«-Kapitel, die immer wieder in die Erzählung eingestreut sind. Darin wird berichtet, wie die Menschen der alten Welt nach Amerika kamen und dabei ihre Götter mitbrachten. Diese Kapitel sind immer ein Innehalten von der großen Erzählung, ein kleines Atemholen, und bauen zugleich die Welt weiter aus.

Auch wenn das Buch ein sehr amerikanisches ist, ein Roadtripp quer durch die Staaten, damit Mr Wednesday seine Gaunereien abziehen kann, so ist das Buch doch gleichzeitig keinesfalls nur amerikanisch. Die Aussage gilt für uns alle gleichermaßen, dass wir vielleicht nicht so viel Zeit oder was auch immer wem auch immer opfern sollten.

Bewertung vom 29.01.2018
Plasmaherz
Artschwager, Jens-Hendrik

Plasmaherz


sehr gut

»Angst ist hier draußen das einzig richtige Gefühl.« So lautet der Leitspruch von Jens Artschwagers zweitem Roman »Plasmaherz«, ein Science Fiction Horrortrip in die Tiefen des Weltalls.

Desmon K’larian ist Schatzjäger. Er fliegt quer durch das Weltall auf der Suche nach kostbaren Artefakten, die er verkaufen kann. Eine dieser Reisen führt ihn weiter als jemals zuvor in kaum erforschte Gebiete. Dort, so sagte ihm seine Quelle, solle das Plasmaherz verborgen sein, ein Artefakt von unschätzbarem Wert. Gemeinsam mit seiner Jugendliebe Anbel macht er sich auf die Reise ins Unbekannte und ahnt nicht, was ihn dort tatsächlich erwarten wird.

Der Roman besitzt zwei sich abwechselnden Handlungsstränge. Zum einen die Jetztzeit, in der wir verfolgen, wie Desmon das Plasmaherz sucht und sich den Gefahren auf seinem Weg stellt, und zum Anderen seine Vergangenheit, in der wir erfahren, wie er aus den Slums an die Akademie kam, dort zum Piloten ausgebildet wurde, Anbel kennenlernte und sie schließlich verlor.

Die Abwechslung dieser beiden Handlungssträngte ist echt super gelungen! Zum einen bringen sie Abwechslung in die Erzählung hinein. Außerdem wird so Desmon als zentraler Charakter der Handlung näher beleuchtet und wir lernen ihn ausführlich kennen. Als besonderes Sahnehäubchen fließen die beiden Stränge manchmal fast schon traumartig ineinander über, was echt klasse war!

Der Roman wird sehr schnell sehr spannend, da fackelt der Autor nicht lang, um Desmon dorthin zu bringen, wo die Action steigt. Dort angekommen, gelingt es ihm sehr gut, die bedrückende Atmosphäre einzufangen, die dort vorherrscht und Desmon belastet.

Ein paar kleine Kritikpunkte gibt es aber doch. Es soll in diesem Roman nun einmal um Angst gehen, besonders vor einer bestimmten Sache, die ich aufgrund von potenziellen Spoilern hier nicht vorwegnehmen möchte. Angst ist aber nicht immer nur Angst vor einer greifbaren Sache, sondern kommt häufig auch aus uns selbst heraus. Nicht immer richtet sich Angst auf eine konkrete, gerade anwesende Sache. Gerade in Desmons Situation an einem fremden, dunklen Ort wäre es sehr gut denkbar, dass sein Geist ihm Streiche spielt und er beginnt, Dinge zu sehen und zu fürchten, die gerade gar nicht da sind und es vielleicht auch nie sein werden. Das ist in einigen Szenen durchaus vorhanden, wäre aber gerade im Hauptteil des Romans wünschenswert, wenn es häufiger auftritt.

Desmon ist die zentrale Figur der Handlung. Der Autor kommt mit einem relativ kleinen Ensemble von Protagonisten aus, was ich durchaus als gut empfinde, da es das Lesen erleichtert. Auf der anderen Seite fallen die meisten Nebencharaktere ein wenig hinten über. Bei den allermeisten spielt es für mich in diesem Roman keine große Rolle, dass sie nicht näher beleuchtet werden, da ich es meist auch nicht als notwendig empfunden hätte, wenn es geschehen wäre. Nur bei Anbel wäre es sehr wünschenswert gewesen, wenn wir mehr zu ihr erfahren. Wir wissen, dass Desmon sie nach seiner Zeit an der Akademie völlig aus den Augen verloren hatte. Dann taucht sie plötzlich wieder auf und bringt ihn dazu, sie auf seine Mission mitzunehmen. Wir wissen nicht, wie ihre Motive dafür lauten, noch wissen wir, warum sie so plötzlich auftaucht.

Das führte mich übrigens zu der These, dass Anbel nur eine Einbildung Desmons sei. Das traf es zwar nicht zu 100%, aber so gänzlich falsch war das allerdings auch nicht. Der Twist am Ende des Romans Anbel betreffend war ausgesprochen gelungen und erklärt vielleicht, warum wir quasi nichts über Anbel nach der Zeit an der Akademie wissen. Trotzdem: Es hätte sicher einen Weg gegeben, doch noch etwas davon einzubauen.

Auch wenn ein paar kleine Kritikpunkte dabei sind, bleibt der Roman eine unbedingte Empfehlung! Er ist ein ausgesprochen gutes Beispiel von Selfpublishing, den ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.

Ich danke dem Autor vor die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.