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Benutzername: Buchdrache
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Bewertungen

Insgesamt 115 Bewertungen
Bewertung vom 14.01.2018
Der Fall Jane Eyre / Thursday Next Bd.1
Fforde, Jasper

Der Fall Jane Eyre / Thursday Next Bd.1


gut

Ein Literatur-Spaß-Thriller? Thriller? Ich? Na ja … Ich wagte mich dennoch an »Der Fall Jane Eyre« von Jasper Fforde, Thursday Nexts erster Fall. Als ich das Buch in die Hand gedrückt bekam, wurde mir auf einmal bewusst, wie viele Leute, die ich kenne, diesen Autor mochten, weshalb ich beschloss, dem Buch eine Chance zu geben. So wirklich aus den Socken hat’s mich nicht gehauen.

Thursday Next ist Literatur-Agentin, das heißt, dass sie bösen Schurken auf die Finger haut, die Manuskripte rauben, Raubkopien von Erstausgaben anfertigen oder sogar Romanfiguren aus ihren Romanen entführen. Deren schlimmster ist Archeron Hades, der sich den berühmten Roman »Jane Eyre« vorknüpft, um damit ein enormes Lösegeld zu erpressen. Seite an Seite mit Dodos und über Literatur philosophierenden Bücherwürmern heftest sich Thursday an seine Fersen, um ihn dingfest zu machen.

Ich erwähnte es sicher schon ein oder zweimal, dass Humor so eine Sache ist. Der hier zog schon wieder nicht bei mir. Es dauerte lange, bis ich mich in diese skurrile und etwas schräge Welt einfühlte, die unserer so ähnlich und doch so fremd ist, und auch danach fand ich das alles eher semilustig (wobei Dodos süß sind, das muss man einfach mal sagen).

Das Buch hat gewisse Fringe Vibes, bevor es überhaupt Fringe gab (das Buch erschien erstmals 2001), was natürlich ziemlich cool ist, besonders, wenn man selbst Fringe Fan ist. (Leider fehlte ein Walter Bishop, das hätte das Buch für mich wirklich enorm aufgewertet.) Die Welt, in der der Roman spielt, ist unserer sehr ähnlich. Jedoch mit einigen kleinen Abwandlungen, wo man doch merkt, dass das Setting doch nicht unser England ist. Hier wird Literatur enorm gefeiert, und die Autoren der ewigen Klassiker werden wie Popstars gefeiert. Immerhin sind Raubkopien von Erstausgaben ein so großes Problem, dass eine Spezialeinheit bei der Polizei gegründet werden muss. Dass Zeitreisen möglich sind, ist nur der Gipfel des Eisberges der phantastischen Elemente im Roman.

Die Zeitreisen sind es übrigens auch, die ein ziemliches Plothole aufreißen. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist die Diskussion über Shakespeares wahre Identität, die auch heute noch in der Literaturwissenschaft heiß diskutiert wird. Diese Diskussion würde sich allerdings gar nicht stellen, wenn Zeitreisen möglich sind. Man kann doch einfach in die Vergangenheit reisen und nachschauen. Thursdays Vater ist so ein Zeitreisender, der immer mal wieder auftaucht, und da er davon sprich, 10.000 Jahre in die Vergangenheit reisen zu wollen, wird es doch wohl auch möglich sein, in das elisabethanische England zu reisen und Shakespeares Identität aufzudecken. Warum dann diese Diskussion?

Ach ja, Titel und Klappentext. Der Klappentext fasst die letzten 100 Seiten des Romans zusammen, Jane Eyre wird erst auf Seite 273 von 376 entführt, und das ist extrem schade, denn so fehlt der »Nein! Hat er nicht wirklich gemacht! Oh mein Gott!«-Effekt. Wir kennen einfach schon, noch ehe wir uns Buch hinein gelesen haben, die Klimax der Handlung, nämlich die Entführung Jane Eyres aus ihrem eigenen Roman. Wen

Bewertung vom 10.12.2017
Der Sturm naht / Iskari Bd.1
Ciccarelli, Kristen

Der Sturm naht / Iskari Bd.1


gut

Selbst wenn die breite Masse etwas für gut befindet, muss das noch lange nicht für den Einzelnen gelten. »Der Sturm naht«, Auftakt der »Iskari«-Reihe von Kristen Ciccarelli, ist momentan in aller Munde – und vielleicht doch nicht so gut, wie alle sagen.

Asha ist die Iskari, Tochter des Königs und seine Drachenjägerin, die an Kozu, dem ersten Drachen, Rache schwor dafür, dass er ihre Heimat angriff und verwüstete. Damals wäre auch sie beinahe ums Leben gekommen, wäre nicht Jarek gewesen, der sie rettete. Als Dank dafür soll sie den grausamen Heeresführer nun heiraten, es sei denn, es gelingt ihr Kozu zu töten. Ganz unerwartet bekommt sie dabei die Hilfe des Sklaven Torwin.

Drachen retten eben nicht alles. Leider. Was der Autorin aber immerhin gut gelungen ist, ist die Einbindung der Geschichten. Drachen sind Geschichtenerzähler und werden selbst von erzählten Geschichten angelockt. So wurde auch damals Kozu angelockt, als Asha verbotenerweise eine alte Geschichte erzählte. Denn diese Geschichten sind angeblich gefährlich und vergiften denjenigen, der sie erzählt. Die Geschichten handeln von den alten Göttern von Ashas Volk, welche jedoch von ihrem Volk verlassen wurden. So erfährt man auch viel über die Mythologie dieser Welt, was zudem schön in die Handlung eingeflochten wurde.

Tja und dann? Dann schlug die Jugendbuchkeule zu. Am meisten störte hieran definitiv Asha. Sie jammert die ganze Zeit herum, dass sie ja auch so verdorben sei, ist aber zu jedem scheiße. Und dann wundert sie sich, dass die Leute Angst vor ihr haben? Bei so einem Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber liegt das mit Sicherheit nicht nur daran, dass sie die Iskari ist, benannt nach der Todesgöttin.

Außerdem wird immer wieder von einem Band zwischen Reiter und Drache geredet. Das ist angeblich da, aber wie genau das aussieht und was das macht, bekommt der Leser nie zu Gesicht. Die Autorin klatscht dem Leser alles minutiös ins Gesicht, aber so etwas lässt sie außen vor. Gleichzeitig etabliert sie diverse Gebräuche und Sitten, um sie dann sofort danach zu ignorieren. Torwin nimmt sich als Sklave von Anfang an Asha gegenüber zu viel heraus, von dem immer wieder gesagt wird, dass er damit zu weit gegangen war. Und was ist? Außer einem schrägen Blick und vielleicht mal der Andeutung von Protest interessiert das niemanden!

Abgesehen davon von ihrem vielen Jammern kann man zu Asha noch sagen: Tragische Vergangenheit: Check. »Du musst ihn heiraten!«: Check. Liebe auf den ersten Blick: Check (kann mir keiner sagen, dass das nicht vom ersten Moment an klar war). Kitschiger Schmalz: Check. Leute, das muss nicht sein, auch nicht in einem Jugendbuch … Kaut doch nicht immer wieder dieselben Klischees durch.

Und schließlich und schlussendlich: Dafür, dass Asha die Heldin des Romans sein soll, passiert der Plot eher mit ihr, als dass sie aktiv daran mitwirkt. Sie soll ausziehen, um Kozu zu töten, aber dann kommen ihr immer wieder alle anderen in die Quere, frei nach Murphys Gesetz: »Was schief gehen kann, geht schief.« Damit tritt ihre anfängliche Mission permanent auf der Stelle – bis zu dem Punkt, an dem alle anderen Charaktere so weit sind, ihre Pläne in die Tat umzusetzen, sodass Ashas Auftrag eh hinfällig ist. Und wieder ist sie an allem Weiteren nur passiv beteiligt und alles passiert mit ihr, statt dass sie aktiv in das Geschehen eingreift und es mit formt.

Es ist so schade, dass nicht einmal die Drachen hier groß etwas reißen können. Gefühlt jeder schwärmt von diesem Buch, wie toll es doch sei. Ich fand es schlicht nervig.

Ich danke dem Verlag und Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bewertung vom 04.12.2017
Stormlight Archive 03. Oathbringer
Sanderson, Brandon

Stormlight Archive 03. Oathbringer


ausgezeichnet

Nun endlich ist es soweit! Oathbringer, Band drei des Stormlight Archive von Brandon Sanderson, ist erschienen, der Everstorm fegt über Roshar und die Voidbringer sind erwacht. Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob der Roman auch die Erwartungen erfüllen kann.

Die Antwort darauf lautet in Kürze: Ja, das kann er. Zugegeben habe ich auch vor allem erwartet, dass ich wieder einen unglaublich packenden Roman bekomme, der vollgepackt ist mit wunderbaren Charakteren, die mich nun bereits durch drei dicke Wälzer begleitet haben, dass sie wie alte Freunde wirken. Und das wurde mir wieder gegeben.

In den ersten beiden Romanen ist man gewöhnt, dass die Informationen nur bruchstückhaft kommen und die Charaktere erst allmählich begreifen, was hier passiert. In Oathbringer ist das nun ein wenig anders. Wir lernen hier so viel über die Knights Radiant, Urithiru, die Parshendi, die Voidbringer, aber auch Shadesmar, die spren und ihre Kultur sowie über Odium, Honor und Cultivation, dass es fast schon wie purer Luxus wirkt. Natürlich ist das etwas ganz Wunderbares! Hier gehen Dinge vor sich, von denen ich sicher bin, dass sie noch für den gesamten Cosmere von Bedeutung sein werden (ohne zu spoilern nicht zuletzt in Hinblick auf das, was wir über die Herkunft der Voidbringer erfahren).

Viele der Charaktere machen tolle Entwicklungen durch. Sie kennen ihre Fehler und versuchen, jeder für sich und auf seine eigene Weise ein besserer Mensch zu werden. Shallan lernt, dass es ok ist, sie selbst zu sein. Dalinar lernt, dass es ok ist, Fehler zu haben, so lange man stets versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen. Und Kaladin lernt, dass es ok ist, dass auch er manchmal Hilfe bekommt und nicht immer für andere da sein muss.

Auch dieses Mal gibt es ein episches Showdown, das einen förmlich an den Seiten kleben lässt. Die restlichen 1200 Seiten dieses in jeglicher Sicht monumentalen Buches sind ebenfalls mit packenden Handlungen angefüllt, aber auch mit zahlreichen sehr unterhaltsamen Momenten, bei denen man nicht umhin kommt, auch einmal laut aufzulachen. Das Verhältnis von spren zu menschlicher Fortpflanzung zum Beispiel ist ein Quell unendlicher Erheiterung; sowohl Syl als auch Pattern scheiterten daran es zu verstehen, was zu schrägen Fehltritten ihrerseits führte.

Der Fokus liegt dieses Mal auf Dalinar. Wir erfahren, wie er war, als er noch als der Blackthorn gefürchtet war, aber auch, was dazu führte, warum er die Erinnerung an seine Frau verlor und wie er zu dem Mann wurde, den wir nun aus den Büchern kennen.

Auch rein optisch macht das Buch eine Menge her. Wie auch seine Vorgänger ist es reich bebildert (die Bilder sind auf einem Lesegerät, welches Farbe darstellen kann, sogar farbig und sehen noch toller aus als im Buch) mit Biöldern aus Shallans Skizzenbuch, Navanis Entwürfen und vielem mehr. Die Endpapers zieren dieses Mal vier der Heralds.

Der Roman setzt also fort, was seine Vorgänger begonnen haben, geht dieses Mal aber auch detaillierter auf diese Dinge ein und baut sie kräftig aus. Shallans Persönlichkeitsstörung ist dieses Mal eines der zentralen Dinge, und dass psychische Krankheiten gerade in einem Roman von Weltrang thematisiert werden, muss Oathbringer auf jeden Fall gewaltig angerechnet werden, denn leider sind solche Themen immer noch marginalisiert in der Fantasy und in anderen Genres.

Bewertung vom 24.09.2017
Legenden von Nuareth - Heldentaten (eBook, ePUB)
Benne, Jörg

Legenden von Nuareth - Heldentaten (eBook, ePUB)


sehr gut

Diese kleine Geschichte besteht aus drei Kurzgeschichten, die in die Rahmenhandlung eines Gerichtsschreibers eingebettet sind, welcher ein Buch über seine Abenteuer schrieb, welches er nun vorstellen möchte. Ich halte das für eine sehr kreative Idee, weil das Buch, das er vorstellen will, das tatsächlich verlegte Werk des Autors ist. Die Kurzgeschichten sind damit eher Leseproben, aber sehr clever und ansprechend verpackte. Die Idee hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. Auch die drei Kurzgeschichten selber waren schöne kleine Geschichten. Sie waren jetzt nicht die ungewöhnlichsten und absolut kreativsten, aber schön geschrieben und kurzweilig. Auf jeden Fall eine schöne und gelungene Idee, um das eigene Buch zu bewerben!

Bewertung vom 24.09.2017
Das Erwachen des Feuers / Draconis Memoria Bd.1
Ryan, Anthony

Das Erwachen des Feuers / Draconis Memoria Bd.1


sehr gut

Feurig geht es einher in Anthony Ryans »Das Erwachen des Feuers«, der Auftaktband seiner »Draconis Memoria«-Reihe. Hier trifft High Fantasy auf das viktorianische Zeitalter und Drachen treten gegen Kanonen an.

Im Blut der Drachen liegt Macht, die sich jedoch nur wenige Blutgesegnete nutzbar machen können. Vier Drachenarten sind bekannt, doch als Gerüchte über einen fünften Drachen aufkommen, ist die Aufregung groß. Welche Macht liegt im Blut dieses fünften Drachen? Jeder will sich den Drachen als erstes aneignen, doch dabei entdecken die Agentin Lizanne, der unregistrierte Blutgesegnete Clay und der Offizier Hilemore, dass dieser fünfte Drache eine ungeahnte Gefahr für die gesamte Menschheit darstellen könnte.

Natürlich muss man positiv anmerken, dass es eine willkommene Abwechslung zum üblichen pseudo-mittelalterlichen Fantasysetting ist, dass hier die Kanonen donnern. Die Welt, in der dieser Roman spielt, erinnert mit seinen großen Industriefirmen, den Gewehren und Kanonen und dem Pioniergeist der Unternehmer an das viktorianische Zeitalter und bringt damit ein schönes Flair in die Lektüre.

Das Magiesystem in diesem Buch liegt im Blut der Drachen. Jede Drachenart hat eine eigene Kraft im Blut. So kann ein Blutgesegneter beispielsweise mittels Blut von blauen Drachen über große Distanzen mit anderen Blutgesegneten Kontakt aufnehmen und mit Rot eine große Hitze erzeugen. Das System erinnert damit sehr stark an das aus Mistborn von Brandon Sanderson, nur dass es hier Blut ist und keine Metalle, in denen die besondere Magie liegt.

Ryan gelingt es besonders gut, die Kampfszenen zu Leben zu erwecken. Gerade sie stehen einem besonders lebhaft vor Augen, und der Autor schreckt auch nicht zurück, die zerstörerische Gewalt der Waffen zu illustrieren.

Das Buch fordert einige Aufmerksamkeit vom Leser bei der Lektüre. Ryan kaut dem Leser nicht jedes Detail seiner Geschichte vor, sondern lässt ihn selbst die Welt erleben und erkunden. Das ist prinzipiell eigentlich sehr löblich, hier führt es jedoch dazu, dass man schnell einmal den Faden verliert und dann nicht mehr so wirklich weiß, wer nun wer ist. Die drei Hauptprotagonisten merkt man sich durchaus, aber bei ihren Begleitern wird es schon einmal kritisch.

Trotzdem: Das Buch bietet kurzweilige Unterhaltung und liest sich trotz der Länge erstaunlich schnell weg. Das Setting macht Spaß zu erkunden, und wer Sandersons Mistborn-Magiesystem mochte, wird auch hieran seine Freude finden.


Ich danke dem Verlag und NetGalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.