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Benutzername: Buchdrache
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Bewertungen

Insgesamt 115 Bewertungen
Bewertung vom 03.06.2019
Orbs (eBook, ePUB)
Sansbury Smith, Nicholas

Orbs (eBook, ePUB)


weniger gut

Wenn es den Film »Independence Day« als Buch gibt, dann ist es wohl »Orbs« von Nicholas Sansbury Smith. Und ich hätte darauf verzichten können.

Der Roman ist definitiv sehr amerikanisch und der Vergleich mit »Independence Day« kommt ebenfalls nicht von ungefähr. Es gibt eine Menge Geballer und toughe, coole Sprüche. (An »Yipie yah yei, Schweinebacke!« kommt aber keiner heran.) Eben genau das, was man aus einem amerikanischen Hollywood Action-Blockbuster so kennt. Hinzu kommt eine sehr U.S.-amerikanische Einstellung zum Militär und zu Waffen. Für eine Alieninvasion besteht die Erde nun mal grundsätzlich nur aus Nordamerika.

Kurzum: Das ist Popcornkino in Buchform. So etwas schaue ich mir nicht wegen der tiefgründigen Storys an, sondern wegen der coolen Actionszenen. In diesem Fall also wegen der Aliens.

Leider waren die mal so gar nicht cool. Oder zumindest nicht genug, um diesen Roman in irgendeiner Weise über die fehlende Story hinweg zu tragen.

Die Hauptfrage, die sich mir stellte, lautet: Wie stellen die sich vor, das zu überleben? Das sind ne Handvoll Marines und Wissenschaftler und zwei nervige Kinder obendrauf! Wie?! Die Invasion umfasst die gesamte Erde, es gibt so gut wie keine Überlebenden schon wenige Tage nach dem Angriff. Das ganze Setting wirkt für mich ehrlich gesagt ziemlich lächerlich.

Der erste Band, um den es sich hier handelt, ist eher ein Setup, der zur eigentlichen Handlung hinzuführen scheint. Mir wird hier aber nichts gegeben, anhand dessen ich sehen kann, dass die Protagonisten auch nur einen Hauch von Chance haben, auch nur noch eine weitere Woche zu überleben. Früher oder später werden sie überrannt, zumal immer wieder angedeutet wurde, dass sie bisher nur die Vorhut der Alienarmee gesehen haben. Und schon gegen die waren sie hoffnungslos unterlegen.

Hinzu kommen einzelne Szenen, von denen ich vermute, dass sie Horrorelemente und billige Jumpscares sein sollen. Nur dass Jumpscares auf literarischer Ebene nicht so funktionieren können wie in einem Film. Allerdings ist hier sehr vieles eher filmisch aufgezogen. Hat sich da jemand im Medium geirrt? Jedenfalls konnte ich bei diesen Szenen nur müde gähnen.

Augenfällig sind des Weiteren die häufigen Erzählerwechsel, teilweise noch auf derselben Seite und kurz hintereinander. Wir haben keinen wirklichen allwissenden Erzähler, sondern durchaus einen personellen, der jedoch sehr schnell zwischen den Figuren hin und her springt. Mich hat das häufig sehr irritiert, wenn ich plötzlich die Szenerie schon wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachtete. Etwas mehr Konsistenz und damit Ruhe hätte der Erzählung hier gut getan.

Die Aliens selbst hätten noch einmal einen spannenden Aspekt hinzufügen können. Allerdings hat mich das Setting, dass sie auf die Erde kommen und alles Wasser auf dem Planeten aufsaugen, überhaupt nicht gepackt. Wenn schon Erstkontakt-Geschichten, dann doch eher Cixin Lius »Remembrance of Earth’s Past«-Reihe, das ist wesentlich faszinierender aufgezogen.

Des Weiteren fand ich bereits den Ausgangspunkt der Erzählung unlogisch. Den Forschern wurde erzählt, dass sie sich in den völlig autarken Untergrund-Bunker begeben, um dort die isolierten Bedingungen auf der Reise zum Mars zu simulieren. Was ich mich jedoch frage: Macht das überhaupt Sinn? Stehen Raummissionen nicht grundsätzlich im Kontakt zur Erde? Klar, der Übertragungsweg von Mars zu Erde ist weit und nicht unmittelbar. Somit wäre eine völlige Isolation von der Erde aber dennoch nur ein Extremfall. Wäre gesagt worden, dass hier ein solcher Extremfall geprobt werden sollte, hätte ich es glaubhafter gefunden. Am Ende steckt eh mehr dahinter, aber die Erklärung für den Bunker erscheint mir dennoch ungenügend.

Der Vergleich mit dem Film »Independence Day« liegt bei »Orbs« sehr nahe. Wer den Film mochte, findet vielleicht seine Popcorn-Freuden an diesem Buch. Für mich schwächelt der Roman jedoch inhaltlich zu sehr und bietet mir auch auf der Action-Seite zu weni

Bewertung vom 29.03.2019
Vom einsamen Emoeinhorn Erna, das wie alle sein wollte
Simm, Alex

Vom einsamen Emoeinhorn Erna, das wie alle sein wollte


sehr gut

Mit Gedichten verbindet mich eine seltsame Hassliebe. In der Schule (und eigentlich auch im Studium) habe ich Gedichtinterpretationen auf Note gehasst und dennoch habe ich immer ziemlich gut dabei abgesahnt. Privat lese ich sie aber durchaus gerne, besonders, weil ich finde, dass gerade in Gedichten die Schönheit und Kunstfertigkeit der Sprache zur Geltung kommt. Und wenn dann noch eine humoristische Komponente dazu kommt … Long story short: Ich konnte zu den traurigen Balladen »Vom Einsamen Emoeinhorn Erna, das wie alle sein wollte« von Alex Simm einfach nicht nein sagen.

In der Tat: Simm spielt wunderbar mit der Sprache. Da wird dann auch mal eben der Schnee von gestern zur Flut von morgen. Auf ausgesprochen erfrischende Weise greift er altbekannte Sprichwörter und Motive auf und betrachtet mit ihrer Hilfe und auf urkomische Weise moderne Phänomene wie den Klimawandel, die Entmenschlichung in der Arbeitswelt oder den Schönheitswahn, dem sich alle zu unterwerfen scheinen.

Der Autor arbeitet stark antithetisch, was ein deutliches Spannungsfeld aufbaut. Das soll seine Aussage unterstreichen, dass wir alle uns nicht in vorgefertigte Rollenbilder pressen lassen sollen, sondern es oft besser ist, einfach man selbst zu sein. Mit bitterbösem Humor legt Simm den Finger genau da hin, wo es weh tut, zeigt gesellschaftliche Probleme und schädliche Strukturen auf und übt somit an ihnen Kritik und mahnt.

Ich habe mich so einige Male vor Lachen gekringelt beim Lesen, so böse der Humor auch manchmal war. Und als ich mir einige der Audioaufnahmen anhörte, die hinten im Buch verlinkt sind, so hat es mich förmlich zerfetzt. Das Ganze noch einmal rezitiert zu hören, gibt dem noch ein gewisses Extra, das zumindest bei mir noch einmal deutlich mehr die Lachmuskeln anstrengt.

Einige der Balladen wirken jedoch stellenweise mehr nach »Reim dich oder ich fress‘ dich«. Klar, in der modernen Lyrik kein Ding, meinen persönlichen Geschmack trifft es jedoch nicht zu 100%, zumal sich Simm hier in die Tradition der hochgeschätzten Balladen begibt.

Illustriert ist jede Ballade von Cora Otté mit detaillierten und sehr schönen Zeichnungen.

Die Gedichte sind als Schullektüre vorgeschlagen. Gerade in Zeiten von Fridays For Future halte ich das für eine sehr gute Sache, mal nicht nur die altbekannten, trockenen Klassiker zu behandeln, sondern auch Stoff, der die Schüler direkt tangiert. Ich denke, dass man ihnen so besser zeigen kann, dass die deutsche Sprache eine ganz wunderbare sein kann. Alles in allem also eine wirklich erheiternde und zum Nachdenken anregende Lektüre, die ich herzlich weiterempfehlen kann.


Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bewertung vom 10.03.2019
Die Gabel, die Hexe und der Wurm. Geschichten aus Alagaësia / Eragon-Saga Bd.1
Paolini, Christopher

Die Gabel, die Hexe und der Wurm. Geschichten aus Alagaësia / Eragon-Saga Bd.1


gut

3.5*

Es gab mal eine Zeit, da waren die Eragon-Bücher von Christopher Paolini meine Lieblingsbücher. Ich bin zwar mittlerweile älter geworden und weiß, dass sie durchaus ein paar Schwächen haben, der der Nostalgie-Faktor der Jugend bleibt dann doch. Daher war es durchaus eine große Freude, als ich hörte, dass Paolini mit »Die Gabel, die Hexe und der Wurm« erneut nach Alagaësia zurückkehrt.

»Es ist ein Jahr her, dass Eragon aus Alagaësia aufgebrochen ist auf der Suche nach dem geeigneten Ort, um eine neue Generation Drachenreiter auszubilden. Jetzt kämpft er mit unendlich vielen Aufgaben: Er muss einen riesigen Drachenhorst bauen, Dracheneier bewachen und mit kriegerischen Urgals, stolzen Elfen und eigensinnigen Zwergen zurechtkommen. Doch da eröffnen ihm eine Vision der Eldunarí, unerwartete Besucher und eine spannende Legende der Urgals neue Perspektiven.

Dieser Band enthält drei neue Geschichten aus Alagaësia und führt Eragon an den Beginn eines neuen Abenteuers. Außerdem enthüllt das Buch Auszüge aus der Biografie der unvergesslichen Kräuterhexe und Weissagerin Angela … geschrieben von Angela Paolini, der Schwester des Autors, die ihn zu dieser Figur inspiriert hat.

Illustriert mit vier neuen Originalzeichnungen des Autors!«
(Quelle: Verlag)

Mir gefällt, wie die Anthologie mit Rahmen- und Binnenhandlung aufgezogen wurde. Damit stehen die drei Geschichten nicht für sich, sondern sind in Eragons Geschichte eingebettet. Eragon selbst ist mittlerweile mit Saphira in den Osten gezogen und baut dort mit Elfen, Zwergen und Urgals eine Akademie für Drachenreiter auf. Das bringt eine Menge neuer Herausforderungen für ihn mit, die manchmal scheinbar unmöglich zu bewältigen scheinen.

In der ersten Geschichte über die Gabel erfahren wir etwas für einen scheinbar Fremden, der sich dann doch als alter Bekannter entpuppt. Die Geschichte war ein schöner Auftakt in die Anthologie.

Aber schon hier zeigt sich, worüber ich die ganze Zeit beim Lesen gestolpert bin: Das Pathos und die Moralkeule sind in der gesamten Anthologie zu dick aufgetragen. Paolini hätte seine Botschaften durchaus etwas subtiler verpacken können, ohne sie seinen Lesern ins Gesicht zu drücken.

Die zweite Geschichte, der kleine Einblick in Angelas Leben, war in meinen Augen der schwächste Teil. Teils lag es daran, dass ich mich einfach kaum noch daran erinnern konnte, was es mit Elva auf sich hatte. Teils aber auch daran, dass ich ohnehin mit Angela nie wirklich warm wurde mit ihrer verschwurbelten Art und Weise.

Dafür gefiel mir die dritte Geschichte über den Wurm am meisten. Sie erzählt eine Geschichte der Urgals, in der sich ein Stamm gegen einen einfallenden Drachen wehrt. Ein bisschen hatte es mich erstaunt, dass ein Urgal einem Drachenreiter und seinem Drachen eine Geschichte erzählt, in der eine tapfere Urgal-Kriegerin Jagd auf einen Drachen macht, der alle paar Jubeljahre über ihr Dorf her fällt und Vieh und auch den einen oder anderen Urgal raubt. Das Ende hatte mich allerdings verblüfft, weil die Geschichte nicht ganz wie erwartet ausging.

Die Rahmenhandlung selbst war nicht wirklich spektakulär, mir gefiel es aber, einen kleinen Einblick zu bekommen, wie es mit Eragon und Saphira nach Abschluss der Hauptreihe weitergeht.

Insgesamt ist die Anthologie en schöner Schmankerl für zwischendurch. Sie haut mich jetzt zwar nicht komplett aus den Socken, für Fans der Reihe ist sie aber auf jeden Fall eine Überlegung wert, blickt man einmal über die Moralkeule und die teils etwas zu einfache Sprache hinweg.


Mögliche Trigger
- Gewalt gegen Mensch und Tier
- Tod

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.07.2018
Palace of Fire - Die Kämpferin / Palace-Saga Bd.3
Bernard, C. E.

Palace of Fire - Die Kämpferin / Palace-Saga Bd.3


sehr gut

Endlich ist er da, der abschließende Band der Palace-Saga von C.E. Bernard: »Palace of Fire - Die Kämpferin«. London soll brennen und Rea tritt ihren letzten und entscheidenden Kampf an.

Rea wagt das Unglaubliche und kehrt nach London zurück, um an Robins Seite zu stehen - und das, obwohl sie eine Magdalena ist und ihr somit Lebensgefahr droht. Zusammen mit ihren Freunden und ihrer Familie schmiedet sie Pläne, um die Rechte der Magdalenen in England zu stärken, doch ihnen wird immer klarer, dass der König ihnen im Weg ist und auf seinem Thron ein den Magdalenen wohlgesonnener Regent sitzen muss. Freilich ist Robin nicht begeistert über ein geplantes Attentat auf den König. Da taucht er in den rebellischen Untergrund ab, lässt Rea allein am Hof zurück und die Ereignisse überschlagen sich. Jetzt muss rasch gehandelt werden, sonst ist alles verloren.

Nachdem der zweite Band etwas eingebrochen war und ich mich mit leichten Sorgen an diesen hier setzte, bin ich sehr froh, dass meine Sorgen nicht begründet waren. Eine meiner größten Sorgen und am Ende eines meiner größten Pluspunkte ist Reas Geistesfieber, eine fiktive psychische Krankheit, die Elemente einer Dissoziation, Depression und Angststörung aufweist. Ich sorgte mich, dass Reas Krankheit durch ihre Liebe zu Robin geheilt werden würde, aber so viel kann ich vorweg nehmen: Das ist nicht der Fall. Klar, mit ihm in ihrer Nähe werden die Symptome etwas abgemildert, aber das kann bei einigen psychischen Krankheiten im Umfeld von vertrauten Menschen durchaus auftreten.

Reas Symptome werden insgesamt immer schlimmer. Mich hat die Darstellung ihrer Symptomatik sehr beeindruckt. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass, obgleich es sich hier um eine fiktive Krankheit handelt, die Darstellung selbiger einen guten Einblick in das Leben mit einer psychischen Krankheit gibt, wie sehr es einen belastet und einschränkt - und was man trotz allem erreichen kann.

Der abschließende Band der Trilogie ist wieder so spannend wie der Auftakt. Toll geschilderte Kampfszenen schließen sich an teils wirklich schockende und fesselnde Spannungsmomente an. Gerade letztere bleiben mir besonders im Gedächtnis, da sie noch einmal zeigen, wie gefährlich die Situation ist und in welcher Gefahr nicht nur Rea schwebt. Momente und Szenen, mit denen man nicht rechnet und in denn die Stimmung von einem Moment auf den anderen kippt.

Ich hatte ein paar kleine Kritikpunkte. So störte es mich beispielsweise, dass Rea trotz ungenügender Übung die Glasbläserzeremonie überstand, bei der geprüft werden sollte, ob sie eine Magdalena ist. Aber gegen Ende des Romans werden auch dafür Erklärungen gegeben, die eigentlich nichts mehr zu meckern übrig lassen.

Und das Ende ist ein richtig dickes Ding ...

Kurzum: »Palace of Fire - Die Kämpferin« ist ein lohender und würdiger Abschluss der Reihe. Wieder gibt es toll geschilderte Kämpfe und packende Szenen, in denen man einfach nicht aufhören kann zu lesen. Auch Reas persönliches Schicksal bewegt. Ich kann die gesamte Reihe auf jeden Fall empfehlen.

Ich danke dem Bloggerportal und dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsxemplares.

Bewertung vom 30.07.2018
Gork der Schreckliche
Hudson, Gabe

Gork der Schreckliche


weniger gut

Ich hatte mich so sehr auf das Buch gefreut. Drachen und Humor? Muss doch was für mich sein! Aber wie das so mit Humor ist ... »Gork der Schreckliche« von Gabe Hudson konnte mich leider absolut nicht von sich überzeugen.

Gork ist ein Drache und entstammt dazu auch noch der glorreichen Linie der Schrecklichs. Leider wird er beidem nicht gerecht. Er hat ein fürchterlich großes Herz und sein WILLEZURMACHT-Index liegt bei KuschelBär. Lachhaft! Und mit diesen unterirdischen Werten muss er seine große Liebe ergattern und sie fragen, ob sie seine Königin werden will, damit sie zusammen eine neue Welt erobern können. Denn wenn sie ablehnt, wird er versklavt.

Die Leseprobe konnte mich noch wunderbar unterhalten. Ich hatte gelacht und war sehr angetan vom Genremix aus Fantasy und Science Fiction. »Gork« ist eine etwas andere Liebesgeschichte, in der Drachen nicht nur Ritter auf Einhörnern grillen, sondern mit intergalaktischen Raumschiffen fremde Welten erobern. Die Grundidee des Romans und sein Setting haben auf jeden Fall etwas für sich, das ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hat. Das sagte mir noch zu, dann hörte es leider auf.

Mir verging das Lachen sehr schnell. Der Roman bläht den Stoff einer Novella auf über 400 Seiten auf. Der Hautteil der Handlung umfasst nur wenige Handlungsstunden, die man auf vielleicht 100 Seiten hätte ausdrücken können. Zu viele Worte für zu wenig Inhalt. Gork erzählt die Geschichte, wie ihm wortwörtlich der Schnabel gewachsen ist. Man stelle sich einen Roman vor, der durchgängig in Umgangssprache erzählt wird. Anstrengend und nervig sind gar keine Ausdrücke!

Darüber hinaus schweift Gork permanent ab, erinnert sich an Dinge, die irgendwann mal irgendwo passiert sind. Mal ist das ganz in Ordnung und in Maßen ergibt sich daraus auch ein Bild, dass die Momentaufnahme, die die Haupthandlung ist, in Ereignissen wurzelt, die viel früher passiert sind, und dass es hier um mehr als nur Brautwerbung geht. An und für sich eine sehr schöne anachronistische Erzählweise, die mir im Prinzip gut gefällt. Es wurde jedoch zu exzessiv betrieben.

Außerdem passieren immer wieder Dinge deus ex machina, weil es anscheinend gerade gut passte, und nicht etwas, weil es Sinn machen würde, dass diese Dinge jetzt geschehen oder auftauchen. Keine Erklärung, die dem Ganzen Sinn geben würde, nichts.

Und da haben wir noch gar nicht über den Sexismus geredet! Kann ein Buch ohne menschliche Protagonisten sexistisch sein? Aber klar doch! Weibliche Drachen sind reine Lustobjekte, die auf ihre Geschlechtsteile und ihre sexuelle Anziehungskraft reduziert werden. Erwähnte ich Fetischierung, wenn ein weiblicher Drache Gorks Hörner reibt? Wer jetzt an die nicht jugendfreie Variante des Reibens denkt, liegt übriges richtig. Uäks!

Leider eine Enttäuschung. Ein paar gute Grundideen, eine teils gelungene formelle Umsetzung und der Rest war einfach nicht meins. Vielleicht gibt es den einen oder anderen dort draußen, der damit mehr anfangen kann, aber ich kann es leider nicht. Fans von Pratchett und Adams, mit den »Gork« gern einmal verglichen wird, sollten lieber bei Pratchett und Adams bleiben.

Dennoch danke ich Vorablesen und der Hobbit Presse für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Der Roman erscheint am 30.8.18.

Bewertung vom 27.07.2018
Menschen gesucht
Hoß, Thorsten

Menschen gesucht


gut

Ich durfte das Buch im Zuge einer Leserunde auf Lovelybooks lesen und bedanke mich vorab beim Autor dafür.

Zu Beginn des Buches gibt es ein kleines Setup der Charaktere, um zu sehen, wie aktuell bei jedem von ihnen der Stand ist. Eine schöne Gelegenheit, um wieder in den Text zu kommen! An der Stelle hätte ich mir ein, zwei Sätze mehr gewünscht, die noch einmal knapp umreißen, was die aktuelle Aufgabe ist: Magiergeist Ingbold helfen, damit wiederum er ihnen hilft, die Menschen zu finden.

Dann jedoch kommt alles anders als gedacht und wieder einmal zeigt Autor Thorsten Hoß, dass seine Charaktere wahre Meister darin sind, wirklich jede Gefahr auf dem ohnehin gefährlichen Planeten anzuziehen. Es geht sehr schnell sehr spannend weiter im Roman, was ich sehr begrüßt habe.

Außerdem gibt es wieder eine Menge spannendes Worldbuilding. An dieser Stelle beweist der Autor eine Menge Kreativität. Man kann förmlich hinter jeder Ecke etwas Neues entdecken, was das Lesen sehr spannend macht.

Auf der anderen Seite bin ich noch immer noch die allergrößte Freundin der Protagonisten. Es gibt Stellen, da fasse ich mir an den Kopf, wie begriffsstutzig sie doch sein können. Klar, jeder steht hin und wieder auf dem Schlauch. Aber etwas bis ins kleinste Detail erklärt zu bekommen, bevor man es versteht, erschien mir manchmal doch sehr haarsträubend, jüngere Leser hin oder her.

Für meinen Geschmack sind die Kapitel mit oft gerade mal einer Handvoll Seiten zu kurz. Das zerhackstückelt die Spannungsbögen der einzelnen Kapitel zu sehr und vor allem auch der einzelnen Charakterbögen. Da kommt ein Kapitel gerade zum Punkt und dann springt es gleich zum nächsten Kapitel und den nächsten Charakter.

Die Lunaria-Bücher sind für mich mittlerweile vor allem ein unterhaltsamer Pageturner. So wirklich hauen sie mich nicht aus den Socken, aber sie lesen sich flott weg und bieten amüsante Lesestunden. Bestechen kann auch der zweite Band wieder vor allem durch seine Welt, die Charaktere selbst sind aber nicht immer ganz mein Fall.