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Benutzername: Buchdrache
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Bewertungen

Insgesamt 89 Bewertungen
Bewertung vom 22.02.2018
A Natural History of Dragons
Brennan, Marie

A Natural History of Dragons


ausgezeichnet

Das Buch ist geschrieben, als sei es ein tatsächliches Memoir der mittlerweile alternden Lady Trent, die auf ihr Leben zurückblickt. Der erste Teil der Reihe »A Natural History of Dragons« schaut auf ihre jungen Jahre und die Wurzeln ihrer Reputation als bedeutende Drachenforscherin zurück. Der Stil des Memoirs ist daher vielleicht etwas eigen, aber gerade das lässt das Buch aus der Masse an Fantasy herausstechen: Es ist einmal etwas erfrischend Anderes.

Das bringt lediglich den Nachteil mit sich, dass einige der Charaktere und die Beziehung zwischen einigen Charakteren hinten über fallen. Lady Trents Fokus liegt eben auf ihrer Entwicklung als Drachenforscherin, worin ihre Familie bis auf ihren Vater, der sie an einen nachsichtigen Ehemann verheiratete, anscheinend keine große Rolle spielte. Daher fehlt so ein wenig die Dynamik zwischen Tochter und Eltern. Auch die Entwicklung ihrer Beziehung zu Jacob, ihrem Ehemann, bleibt eher blass und lässt sich nur erahnen.

Dafür bekommen wir ein sehr genaues Bild von Lady Trent. Sie ist ein wirklich bemerkenswerter Mensch. Der Roman spielt in einer komplett erdachten Welt, jedoch mit viktorianischen Anlehnungen vor allem in der Kultur der Menschen. So ist es für die junge Isabella zum Beispiel ganz und gar nicht angebracht, sich für Naturwissenschaften zu interessieren. Das tut sie jedoch mit einer solchen Leidenschaft, dass auch ihrem Vater klar wird, dass ihr das nicht auszutreiben ist, ohne ihr jegliche Lebensfreude zu nehmen. Isabella schafft es jedoch, sich in einer Gesellschaft durchzusetzen, die ihr mehr »weibliche« Beschäftigungsfelder vorschreiben will, in denen sie jedoch größtenteils keine Freude findet. Trotz allem gesellschaftlichen Druck schafft sie es sich durchzusetzen und kommt schließlich an ihre Drachen und damit zur Erfüllung ihres Lebenstraumes. Zudem kann sie dabei auch noch mit ihrem Intellekt beeindrucken und sich somit in gewissen Kreisen eine kleine Reputation aufbauen.

Überhaupt ist Isabella ein faszinierender Charakter. Es ist eben doch nicht normal, mit neun Jahren auf die Idee zu kommen, eine tote Taube zu sezieren. Mich haben in diesem Alter zwar im Fernsehen auch fast nur die Naturdokus interessiert, dennoch wäre ich entgegen Isabella nicht auf die Idee gekommen, mich mit Fachliteratur zu diesem Themenfeld zu beschäftigen – oder eben tote Tiere aufzuschneiden, um zu sehen, was drin ist. Das macht Isabella zu einem ungewöhnlichen Charakter, der immer wieder mit seinem Umfeld und dessen gesellschaftlichen Normen in einem Spannungsfeld steht. Zu sehen, wie sie damit umgeht und die Situation zu ihrem Besseren wenden will, ist faszinierend.

Isabella erinnert an Shallan aus Brandon Sandersons Stormlight Archive – wenn auch mit dem Unterschied, dass dort die Wissenschaften ein nahezu ausschließlich weibliches Beschäftigungsgebiet ist und sich Shallan da nicht erst gegen diese Art von gesellschaftlichen Normen stemmen muss. Trotzdem: Beide sind starke, durchsetzungsfähige junge Frauen, die einen außergewöhnlichen Intellekt besitzen und sich gegen alle Widrigkeiten durchbeißen können.

Auch wenn das Buch als Memoir geschrieben ist, so ist es doch ein waschechter Abenteuerroman. Auf in den wilden Westen! Nur eben mit Drachen. Das Buch macht viel Spaß beim Lesen und bietet eine Menge Kurzweil.

Als i-Tüpfelchen obendrauf ist das Design des Buches ein echter Hingucker. Nicht nur das Cover sieht umwerfend aus, auch im Buch selbst gibt es einige wirklich gelungene und sehenswerte Illustrationen von Örtlichkeiten und vor allem Drachen, die im Buch auftauchen.

Alles in allem ist das Buch eine ausgesprochene Empfehlung für alle Liebhaber der Fantasy und vor allem für die, die endlich mal wieder einen vernünftigen Drachen-Roman lesen wollen. Eine starke Frauenfigur, Abenteuer satt und Drachen obendrauf. Was will man mehr?

Bewertung vom 15.02.2018
Die drei Sonnen Bd.1
Liu, Cixin

Die drei Sonnen Bd.1


ausgezeichnet

Eine rundum gelungene Erstkontaktgeschichte, eine der wenigen, die das sinnvoll und wissenschaftlich fundiert angeht!

Bewertung vom 15.02.2018
American Gods
Gaiman, Neil

American Gods


sehr gut

Die Götter der alten Welt sind tot und nun nehmen neue ihren Platz in unserer Welt ein und ringen um die Anbetung durch die Menschen. Neil Gaiman widmet sich in seinem Roman »American Gods« einem ausgesprochen aktuellen Thema, das bei weitem nicht nur Amerika betrifft.

Shadow hat nichts mehr. Als er aus dem Gefängnis entlassen wird, erfährt er, dass wenige Tage zuvor seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kam. Seinen alten Job kann er ebenso wenig zurück haben und in seiner Heimat ist er auch nicht mehr wirklich willkommen. Da begegnet ihm der schlitzäugige Mr Wednesday und bietet ihm an, für sich zu arbeiten. Hauptsächlich als Fahrer, vielleicht auch dem einen oder anderen Typen eins überziehen. Da Shadow ohnehin keine Alternativen mehr im Leben hat, nimmt er nach einigem Zögern an. Und ahnt nicht, dass er in einen Krieg der Götter hineingeraten ist.

Eine Gangstergeschichte der etwas anderen Art, mit viel Witz und Scharfsinn erzählt. Die Namen der Protagonisten sind Programm und wer aufmerksam liest, wird so einiges erfahren. Shadow bleibt den ganzen Roman über dem Leser, obgleich er der Hauptprotagonist ist, sehr schattenhaft. Wir erfahren relativ wenig über ihn als Person, seine Gedanken und Gefühle und seine Geschichte. Das hat so einigen Reiz, weil es viel Spielraum für eigene Gedanken und Ideen lässt.

Mr Wednesday ist die zweite zentrale Figur des Ganzen, und wer weiß, wie die Etymologie des Wortes Wednesday lautet, der kann sich bereits denken, um wen es sich hier eigentlich handelt. Er ist ein schlitzohriger Gauner durch und durch, der Shadow lange Zeit im Unklaren lässt, worum es hier eigentlich geht. Auch wenn er so eine zwielichtige Gestalt ist, ist er doch ein ausgesprochen unterhaltsamer Charakter, der auf seine Weise ziemlich amüsant ist, wenn er mal wieder eine neue Gaunerei plant.

Das Buch ist ziemlich vielschichtig, was man schon allein an den Namen sieht. Sicher lohnt es sich hier, das Buch mehrmals zu lesen, um wirklich alle Aspekte des Buchs zu erfassen.

Eine Stelle blieb mir besonders im Gedächtnis. Da ich das Bibliotheksbuch mittlerweile wieder zurückbrachte und mir die Stelle nicht notierte, kann ich es nicht sinngemäß zitieren. Aber sie ging ungefähr so: »Die modernen Altäre sind Fernseher und Internet, und unsere Opfergaben zumeist unsere eigene Lebenszeit.« Und das ist die Kernaussage des Romans. Die alten Götter Odin und Loki und all die anderen kämpfen mit den neuen Göttern um die Vorherrschaft im Glauben der Menschen, während wir endlose Stunden vor dem Fernseher (und mittlerweile auch Internet, Erstveröffentlichung war 2001) hängen und Zeit verplempern.

Das Buch hat so einige unheimlich komische und spannende Stellen, leider jedoch in der Mitte so seine Längen, die mich nicht wirklich fesseln konnten. Wiederum sehr gut gefiel mir die Idee der »Coming to America«-Kapitel, die immer wieder in die Erzählung eingestreut sind. Darin wird berichtet, wie die Menschen der alten Welt nach Amerika kamen und dabei ihre Götter mitbrachten. Diese Kapitel sind immer ein Innehalten von der großen Erzählung, ein kleines Atemholen, und bauen zugleich die Welt weiter aus.

Auch wenn das Buch ein sehr amerikanisches ist, ein Roadtripp quer durch die Staaten, damit Mr Wednesday seine Gaunereien abziehen kann, so ist das Buch doch gleichzeitig keinesfalls nur amerikanisch. Die Aussage gilt für uns alle gleichermaßen, dass wir vielleicht nicht so viel Zeit oder was auch immer wem auch immer opfern sollten.

Bewertung vom 29.01.2018
Plasmaherz
Artschwager, Jens-Hendrik

Plasmaherz


sehr gut

»Angst ist hier draußen das einzig richtige Gefühl.« So lautet der Leitspruch von Jens Artschwagers zweitem Roman »Plasmaherz«, ein Science Fiction Horrortrip in die Tiefen des Weltalls.

Desmon K’larian ist Schatzjäger. Er fliegt quer durch das Weltall auf der Suche nach kostbaren Artefakten, die er verkaufen kann. Eine dieser Reisen führt ihn weiter als jemals zuvor in kaum erforschte Gebiete. Dort, so sagte ihm seine Quelle, solle das Plasmaherz verborgen sein, ein Artefakt von unschätzbarem Wert. Gemeinsam mit seiner Jugendliebe Anbel macht er sich auf die Reise ins Unbekannte und ahnt nicht, was ihn dort tatsächlich erwarten wird.

Der Roman besitzt zwei sich abwechselnden Handlungsstränge. Zum einen die Jetztzeit, in der wir verfolgen, wie Desmon das Plasmaherz sucht und sich den Gefahren auf seinem Weg stellt, und zum Anderen seine Vergangenheit, in der wir erfahren, wie er aus den Slums an die Akademie kam, dort zum Piloten ausgebildet wurde, Anbel kennenlernte und sie schließlich verlor.

Die Abwechslung dieser beiden Handlungssträngte ist echt super gelungen! Zum einen bringen sie Abwechslung in die Erzählung hinein. Außerdem wird so Desmon als zentraler Charakter der Handlung näher beleuchtet und wir lernen ihn ausführlich kennen. Als besonderes Sahnehäubchen fließen die beiden Stränge manchmal fast schon traumartig ineinander über, was echt klasse war!

Der Roman wird sehr schnell sehr spannend, da fackelt der Autor nicht lang, um Desmon dorthin zu bringen, wo die Action steigt. Dort angekommen, gelingt es ihm sehr gut, die bedrückende Atmosphäre einzufangen, die dort vorherrscht und Desmon belastet.

Ein paar kleine Kritikpunkte gibt es aber doch. Es soll in diesem Roman nun einmal um Angst gehen, besonders vor einer bestimmten Sache, die ich aufgrund von potenziellen Spoilern hier nicht vorwegnehmen möchte. Angst ist aber nicht immer nur Angst vor einer greifbaren Sache, sondern kommt häufig auch aus uns selbst heraus. Nicht immer richtet sich Angst auf eine konkrete, gerade anwesende Sache. Gerade in Desmons Situation an einem fremden, dunklen Ort wäre es sehr gut denkbar, dass sein Geist ihm Streiche spielt und er beginnt, Dinge zu sehen und zu fürchten, die gerade gar nicht da sind und es vielleicht auch nie sein werden. Das ist in einigen Szenen durchaus vorhanden, wäre aber gerade im Hauptteil des Romans wünschenswert, wenn es häufiger auftritt.

Desmon ist die zentrale Figur der Handlung. Der Autor kommt mit einem relativ kleinen Ensemble von Protagonisten aus, was ich durchaus als gut empfinde, da es das Lesen erleichtert. Auf der anderen Seite fallen die meisten Nebencharaktere ein wenig hinten über. Bei den allermeisten spielt es für mich in diesem Roman keine große Rolle, dass sie nicht näher beleuchtet werden, da ich es meist auch nicht als notwendig empfunden hätte, wenn es geschehen wäre. Nur bei Anbel wäre es sehr wünschenswert gewesen, wenn wir mehr zu ihr erfahren. Wir wissen, dass Desmon sie nach seiner Zeit an der Akademie völlig aus den Augen verloren hatte. Dann taucht sie plötzlich wieder auf und bringt ihn dazu, sie auf seine Mission mitzunehmen. Wir wissen nicht, wie ihre Motive dafür lauten, noch wissen wir, warum sie so plötzlich auftaucht.

Das führte mich übrigens zu der These, dass Anbel nur eine Einbildung Desmons sei. Das traf es zwar nicht zu 100%, aber so gänzlich falsch war das allerdings auch nicht. Der Twist am Ende des Romans Anbel betreffend war ausgesprochen gelungen und erklärt vielleicht, warum wir quasi nichts über Anbel nach der Zeit an der Akademie wissen. Trotzdem: Es hätte sicher einen Weg gegeben, doch noch etwas davon einzubauen.

Auch wenn ein paar kleine Kritikpunkte dabei sind, bleibt der Roman eine unbedingte Empfehlung! Er ist ein ausgesprochen gutes Beispiel von Selfpublishing, den ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.

Ich danke dem Autor vor die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bewertung vom 14.01.2018
Der Fall Jane Eyre / Thursday Next Bd.1
Fforde, Jasper

Der Fall Jane Eyre / Thursday Next Bd.1


gut

Ein Literatur-Spaß-Thriller? Thriller? Ich? Na ja … Ich wagte mich dennoch an »Der Fall Jane Eyre« von Jasper Fforde, Thursday Nexts erster Fall. Als ich das Buch in die Hand gedrückt bekam, wurde mir auf einmal bewusst, wie viele Leute, die ich kenne, diesen Autor mochten, weshalb ich beschloss, dem Buch eine Chance zu geben. So wirklich aus den Socken hat’s mich nicht gehauen.

Thursday Next ist Literatur-Agentin, das heißt, dass sie bösen Schurken auf die Finger haut, die Manuskripte rauben, Raubkopien von Erstausgaben anfertigen oder sogar Romanfiguren aus ihren Romanen entführen. Deren schlimmster ist Archeron Hades, der sich den berühmten Roman »Jane Eyre« vorknüpft, um damit ein enormes Lösegeld zu erpressen. Seite an Seite mit Dodos und über Literatur philosophierenden Bücherwürmern heftest sich Thursday an seine Fersen, um ihn dingfest zu machen.

Ich erwähnte es sicher schon ein oder zweimal, dass Humor so eine Sache ist. Der hier zog schon wieder nicht bei mir. Es dauerte lange, bis ich mich in diese skurrile und etwas schräge Welt einfühlte, die unserer so ähnlich und doch so fremd ist, und auch danach fand ich das alles eher semilustig (wobei Dodos süß sind, das muss man einfach mal sagen).

Das Buch hat gewisse Fringe Vibes, bevor es überhaupt Fringe gab (das Buch erschien erstmals 2001), was natürlich ziemlich cool ist, besonders, wenn man selbst Fringe Fan ist. (Leider fehlte ein Walter Bishop, das hätte das Buch für mich wirklich enorm aufgewertet.) Die Welt, in der der Roman spielt, ist unserer sehr ähnlich. Jedoch mit einigen kleinen Abwandlungen, wo man doch merkt, dass das Setting doch nicht unser England ist. Hier wird Literatur enorm gefeiert, und die Autoren der ewigen Klassiker werden wie Popstars gefeiert. Immerhin sind Raubkopien von Erstausgaben ein so großes Problem, dass eine Spezialeinheit bei der Polizei gegründet werden muss. Dass Zeitreisen möglich sind, ist nur der Gipfel des Eisberges der phantastischen Elemente im Roman.

Die Zeitreisen sind es übrigens auch, die ein ziemliches Plothole aufreißen. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist die Diskussion über Shakespeares wahre Identität, die auch heute noch in der Literaturwissenschaft heiß diskutiert wird. Diese Diskussion würde sich allerdings gar nicht stellen, wenn Zeitreisen möglich sind. Man kann doch einfach in die Vergangenheit reisen und nachschauen. Thursdays Vater ist so ein Zeitreisender, der immer mal wieder auftaucht, und da er davon sprich, 10.000 Jahre in die Vergangenheit reisen zu wollen, wird es doch wohl auch möglich sein, in das elisabethanische England zu reisen und Shakespeares Identität aufzudecken. Warum dann diese Diskussion?

Ach ja, Titel und Klappentext. Der Klappentext fasst die letzten 100 Seiten des Romans zusammen, Jane Eyre wird erst auf Seite 273 von 376 entführt, und das ist extrem schade, denn so fehlt der »Nein! Hat er nicht wirklich gemacht! Oh mein Gott!«-Effekt. Wir kennen einfach schon, noch ehe wir uns Buch hinein gelesen haben, die Klimax der Handlung, nämlich die Entführung Jane Eyres aus ihrem eigenen Roman. Wen

Bewertung vom 17.12.2017
Bitterholz (eBook, ePUB)
Maxey, James

Bitterholz (eBook, ePUB)


weniger gut

Hin und wieder verschmelzen Fantasy und Science Fiction, was die spannendsten Mischungen ergeben kann. Auch James Maxey hat sich daran versucht: »Bitterholz« ist der Auftakt der »Herrschaft der Drachen«-Reihe, die die Geschichte des Drachentöters Bitterholz erzählt.

Schon vor langer Zeit haben sich die Drachen als Herrscher über die Menschen aufgeschwungen und haben sie versklavt, um für ihre Tyrannen zu arbeiten. Doch nicht jeder hat den Kampf aufgegeben. Bitterholz ist ein legendärer Drachentöter, doch als er den Sohn des Königs tötet, schwört dieser bittere Rache. Sein Plan: Alle Menschen zu vernichten. Ein blutiges Massaker droht.

Zugegeben, es wirkt schon etwas befremdlich, wenn Drachen von Nanobots reden und in Darwins Evolutionslehren lesen, um das Geheimnis des Lebens zu entdecken. Aber irgendwie ist gerade das cool. Wie schon der Klappentext des Buches verrät, spielt der Roman in einer fernen Zukunft. Lange ist nicht genau klar, woran sich das festmachen lässt, doch gegen Ende, ohne zu spoilern, werden viele scheinbar magische Dinge auf technische Weise geklärt, so auch die Herkunft der Drachen selbst. Das war in der Tat einer der größten Reize des Buches.

Leider verblasst er beinahe gegenüber den Mängeln. Deren größer ist definitiv, dass der Leser es schwer hat, einen Draht zu den Charakteren aufzubauen. Bis zum Schluss waren Bitterholz‘ Motive nicht in allen Punkten klar. Was machte ihn zum Beispiel zu so einem erbitterten Drachentöter? Warum hat er mehr Hass auf sie als der Rest der Menschheit?

Auch die Dialoge wirkten häufig steif und gekünstelt und nicht immer wie wirkliche Gespräche. Mit der Dramatik hat es auch nicht immer ganz geklappt und sie wirkte häufig aufgesetzt und überspitzt. Da sieht der Drachenkönig seinen von Bitterholz erlegten Sohn und schreit voller Schmerz und Hass Bitterholz‘ Namen in den Nachthimmel, um danach bittere Rache zu schwören. Das hat eher was von einem schlechten Film, als wirklicher Dramatik.

Ob das Buch eine Empfehlung ist? Schwer zu sagen. Mir gefiel vor allem gegen Ende der Science Fiction Teil, aber davor hat mich das Buch streckenweise sehr gelangweilt und es fehlte nicht viel und ich hätte es abgebrochen. Ich konnte einfach keinen Draht zu den Figuren finden und die Handlung plätscherte einfach so an mir vorbei.

Ich danke dem Verlag und Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bewertung vom 10.12.2017
Iskari - Der Sturm naht
Ciccarelli, Kristen

Iskari - Der Sturm naht


gut

Selbst wenn die breite Masse etwas für gut befindet, muss das noch lange nicht für den Einzelnen gelten. »Der Sturm naht«, Auftakt der »Iskari«-Reihe von Kristen Ciccarelli, ist momentan in aller Munde – und vielleicht doch nicht so gut, wie alle sagen.

Asha ist die Iskari, Tochter des Königs und seine Drachenjägerin, die an Kozu, dem ersten Drachen, Rache schwor dafür, dass er ihre Heimat angriff und verwüstete. Damals wäre auch sie beinahe ums Leben gekommen, wäre nicht Jarek gewesen, der sie rettete. Als Dank dafür soll sie den grausamen Heeresführer nun heiraten, es sei denn, es gelingt ihr Kozu zu töten. Ganz unerwartet bekommt sie dabei die Hilfe des Sklaven Torwin.

Drachen retten eben nicht alles. Leider. Was der Autorin aber immerhin gut gelungen ist, ist die Einbindung der Geschichten. Drachen sind Geschichtenerzähler und werden selbst von erzählten Geschichten angelockt. So wurde auch damals Kozu angelockt, als Asha verbotenerweise eine alte Geschichte erzählte. Denn diese Geschichten sind angeblich gefährlich und vergiften denjenigen, der sie erzählt. Die Geschichten handeln von den alten Göttern von Ashas Volk, welche jedoch von ihrem Volk verlassen wurden. So erfährt man auch viel über die Mythologie dieser Welt, was zudem schön in die Handlung eingeflochten wurde.

Tja und dann? Dann schlug die Jugendbuchkeule zu. Am meisten störte hieran definitiv Asha. Sie jammert die ganze Zeit herum, dass sie ja auch so verdorben sei, ist aber zu jedem scheiße. Und dann wundert sie sich, dass die Leute Angst vor ihr haben? Bei so einem Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber liegt das mit Sicherheit nicht nur daran, dass sie die Iskari ist, benannt nach der Todesgöttin.

Außerdem wird immer wieder von einem Band zwischen Reiter und Drache geredet. Das ist angeblich da, aber wie genau das aussieht und was das macht, bekommt der Leser nie zu Gesicht. Die Autorin klatscht dem Leser alles minutiös ins Gesicht, aber so etwas lässt sie außen vor. Gleichzeitig etabliert sie diverse Gebräuche und Sitten, um sie dann sofort danach zu ignorieren. Torwin nimmt sich als Sklave von Anfang an Asha gegenüber zu viel heraus, von dem immer wieder gesagt wird, dass er damit zu weit gegangen war. Und was ist? Außer einem schrägen Blick und vielleicht mal der Andeutung von Protest interessiert das niemanden!

Abgesehen davon von ihrem vielen Jammern kann man zu Asha noch sagen: Tragische Vergangenheit: Check. »Du musst ihn heiraten!«: Check. Liebe auf den ersten Blick: Check (kann mir keiner sagen, dass das nicht vom ersten Moment an klar war). Kitschiger Schmalz: Check. Leute, das muss nicht sein, auch nicht in einem Jugendbuch … Kaut doch nicht immer wieder dieselben Klischees durch.

Und schließlich und schlussendlich: Dafür, dass Asha die Heldin des Romans sein soll, passiert der Plot eher mit ihr, als dass sie aktiv daran mitwirkt. Sie soll ausziehen, um Kozu zu töten, aber dann kommen ihr immer wieder alle anderen in die Quere, frei nach Murphys Gesetz: »Was schief gehen kann, geht schief.« Damit tritt ihre anfängliche Mission permanent auf der Stelle – bis zu dem Punkt, an dem alle anderen Charaktere so weit sind, ihre Pläne in die Tat umzusetzen, sodass Ashas Auftrag eh hinfällig ist. Und wieder ist sie an allem Weiteren nur passiv beteiligt und alles passiert mit ihr, statt dass sie aktiv in das Geschehen eingreift und es mit formt.

Es ist so schade, dass nicht einmal die Drachen hier groß etwas reißen können. Gefühlt jeder schwärmt von diesem Buch, wie toll es doch sei. Ich fand es schlicht nervig.

Ich danke dem Verlag und Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bewertung vom 09.12.2017
Krähenglut
Neunsiegel, Anna

Krähenglut


gut

Es war ein Wechselbad der Gefühle. Der Jugend Fantasy Roman »Krähenglut«, Teil 1 der Goulard-Saga von Anna Neunsiegel, hat seine guten Momente – aber auch so einige Stilblüten.

Das Mädchen Eonie ahnt nicht, dass sie bald in einen Strudel sonderbarer Ereignisse hineingezogen werden soll, als jenseits des Kanals noch unbeachtet von der Weltgemeinschaft ein Junge als Mutprobe ein Amulett stiehlt und damit bösen Kräften Tür und Tor öffnet. Nur kurz darauf ist die Rede von einem Krankheitssyndrom, das viele Menschen mit Erstickungserscheinungen niederringt. Aber Eonie weiß es besser, denn sie sieht, dass geisterhafte Erscheinungen den Menschen ihre Lebensenergie rauben. Und das lässt sie ins Visier verschiedener verborgener Organisationen geraten, die gegen das Übernatürliche ankämpfen.

Wer Geschichten über Dämonen und Geister mag, wird hieran sicher seine Freude finden. Denn das ist auch die große Stärke des Romans. Auf schöne Weise bindet die Autorin verschiedene Sagen und Mythen über Kreaturen der Anderswelt in ihre Geschichte ein und baut eine durchaus unheimliche Geschichte auf, die sich gut in das neblige, herbstliche Setting einfügt.

Auch schön gelungen ist die Gestaltung des Buches. Das Cover ist wirklich schön gelungen und auch die kleinen Bildchen vor jedem Kapitel haben ihren Reiz.

Dann aber schlägt leider doch die Jugendbuch-Keule mit so einigen Klischees zu. Da haben wir zum Beispiel den Loveinterest frei nach dem Motto »Was sich neckt, das liebt sich«. Sie können sich beide von Anfang an nicht ausstehen, aber er ist ja SO!SCHÖN und geheimnisvoll und wundersamer Weise verfällt Eonie ihm dann doch. Wortwörtlich, denn sie sinkt theatralisch in seine Arme, als ihr Kreislauf schlapp macht.

Auch der Stil nimmt manchmal doch schon recht schmerzhafte Blüten an. Die Sprache ist ausgesprochen überladen, viele Formulierungen hätte man vereinfachen und damit lesbarer gestalten können. So zum Beispiel diese hier auf Seite 72: »Eonies kurze Fingernägel krallten sich hilflos in ihr Schlüsselbein und tasteten sich sanft umschlingend zu ihrer Kehle hin, als hätte man ihr soeben die Luft geraubt.« Dass sie sich einfach an den Hals fasst, hätte auch gereicht. Oder auf Seite 364: »Sie standen so dicht beieinander, dass sie die Tiefe seiner Augen buchstäblich ergründen konnte.« Oder eine Seite später: »Er versenkte seine Zähne leicht im Fleisch seiner Unterlippe, die Lider demütig gesenkt.« Was spräche hier zum Beispiel gegen »Er biss sich auf die Unterlippe«? Und warum etwas als »sachte wie der Flügelschlag eines Vogels« (S. 319) beschrieben wird, weiß ich mit Blick auf meine beiden Wellensittiche auch nicht. Wenn die fliegen, hat das nichts Sachtes an sich …

Ein inhaltlicher Fehler, der mir hin und wieder unterkommt, so auch hier: »altdeutsche Schrift« gibt es nicht. Entweder sprechen wir von einer Schrift im Sinne eines Textes in althochdeutscher respektive altniederdeutscher Sprache oder von Sütterlin oder der karolingischen Minuskel. Vermutlich ist hier wohl Sütterlin gemeint.

Die auch durch ihre Anzahl stark ins Auge fallenden Stilblüten haben mir in Verbindung mit etwas eigenwilliger da für mein Empfinden zu häufig eingesetzter Emphatisierung doch einiges von der Lesefreude genommen. Inhaltlich hat das Buch jedoch seine Stärken und dürfte besonders Fans von Geister- und Dämonengeschichten zusagen, insofern sie über die Stilblüten hinwegsehen können.

Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Bewertung vom 04.12.2017
Stormlight Archive 03. Oathbringer
Sanderson, Brandon

Stormlight Archive 03. Oathbringer


ausgezeichnet

Nun endlich ist es soweit! Oathbringer, Band drei des Stormlight Archive von Brandon Sanderson, ist erschienen, der Everstorm fegt über Roshar und die Voidbringer sind erwacht. Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob der Roman auch die Erwartungen erfüllen kann.

Die Antwort darauf lautet in Kürze: Ja, das kann er. Zugegeben habe ich auch vor allem erwartet, dass ich wieder einen unglaublich packenden Roman bekomme, der vollgepackt ist mit wunderbaren Charakteren, die mich nun bereits durch drei dicke Wälzer begleitet haben, dass sie wie alte Freunde wirken. Und das wurde mir wieder gegeben.

In den ersten beiden Romanen ist man gewöhnt, dass die Informationen nur bruchstückhaft kommen und die Charaktere erst allmählich begreifen, was hier passiert. In Oathbringer ist das nun ein wenig anders. Wir lernen hier so viel über die Knights Radiant, Urithiru, die Parshendi, die Voidbringer, aber auch Shadesmar, die spren und ihre Kultur sowie über Odium, Honor und Cultivation, dass es fast schon wie purer Luxus wirkt. Natürlich ist das etwas ganz Wunderbares! Hier gehen Dinge vor sich, von denen ich sicher bin, dass sie noch für den gesamten Cosmere von Bedeutung sein werden (ohne zu spoilern nicht zuletzt in Hinblick auf das, was wir über die Herkunft der Voidbringer erfahren).

Viele der Charaktere machen tolle Entwicklungen durch. Sie kennen ihre Fehler und versuchen, jeder für sich und auf seine eigene Weise ein besserer Mensch zu werden. Shallan lernt, dass es ok ist, sie selbst zu sein. Dalinar lernt, dass es ok ist, Fehler zu haben, so lange man stets versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen. Und Kaladin lernt, dass es ok ist, dass auch er manchmal Hilfe bekommt und nicht immer für andere da sein muss.

Auch dieses Mal gibt es ein episches Showdown, das einen förmlich an den Seiten kleben lässt. Die restlichen 1200 Seiten dieses in jeglicher Sicht monumentalen Buches sind ebenfalls mit packenden Handlungen angefüllt, aber auch mit zahlreichen sehr unterhaltsamen Momenten, bei denen man nicht umhin kommt, auch einmal laut aufzulachen. Das Verhältnis von spren zu menschlicher Fortpflanzung zum Beispiel ist ein Quell unendlicher Erheiterung; sowohl Syl als auch Pattern scheiterten daran es zu verstehen, was zu schrägen Fehltritten ihrerseits führte.

Der Fokus liegt dieses Mal auf Dalinar. Wir erfahren, wie er war, als er noch als der Blackthorn gefürchtet war, aber auch, was dazu führte, warum er die Erinnerung an seine Frau verlor und wie er zu dem Mann wurde, den wir nun aus den Büchern kennen.

Auch rein optisch macht das Buch eine Menge her. Wie auch seine Vorgänger ist es reich bebildert (die Bilder sind auf einem Lesegerät, welches Farbe darstellen kann, sogar farbig und sehen noch toller aus als im Buch) mit Biöldern aus Shallans Skizzenbuch, Navanis Entwürfen und vielem mehr. Die Endpapers zieren dieses Mal vier der Heralds.

Der Roman setzt also fort, was seine Vorgänger begonnen haben, geht dieses Mal aber auch detaillierter auf diese Dinge ein und baut sie kräftig aus. Shallans Persönlichkeitsstörung ist dieses Mal eines der zentralen Dinge, und dass psychische Krankheiten gerade in einem Roman von Weltrang thematisiert werden, muss Oathbringer auf jeden Fall gewaltig angerechnet werden, denn leider sind solche Themen immer noch marginalisiert in der Fantasy und in anderen Genres.

Bewertung vom 15.10.2017
Voyage of the Jerle Shannara 3c Box Set
Brooks, Terry

Voyage of the Jerle Shannara 3c Box Set


sehr gut

In der so facettenreichen Fantasy tun sich hin und wieder einzelne Autoren und Reihen besonders hervor. So auch die Welt der Shannaras von Terry Brooks, welche einst als Schatten Mittelerdes begann, doch längst daraus hervorgetreten ist. The Voyage of the Jerle Shannara ist eine Trilogie, die die gefährliche Expedition des Druiden Walkers in unbekannte Länder begleitet.

Als ein halb toter Elf an der Küste angespült wird, beginnt eine Zeit des Umbruchs. Denn dieser Elf ist der verschollene und totgeglaubte Bruder des Elfenkönigs Ahren Elessedil, der bei sich die Karte zu einem wertvollen Schatz trägt: die ebenso verloren geglaubten Elfensteine, die zu suchen er vor dreißig Jahren aufgebrochen war. Der Druide Walker Boh ersucht Ahren, um eine Expedition zu finanzieren, die die Elfensteine in einem fernen und fremden Land zu suchen. Doch schon kurz darauf treten ihre Feinde in Aktion und ermorden Ahren, um diese Expedition gar nicht erst zustande kommen zu lassen. Mit seinem letzten Atemzug leitet Ahren jedoch alles in die Wege, damit Walker dennoch aufbrechen kann. Er und seine Mannschaft werden dabei von tödlichen Gegenspielern verfolgt: Der Ilse Witch und ihrem Meister, dem Morgawr.

Das war mein erster Ausflug in die Welt von Shannara, im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass diese Reihe innerhalb des Zyklus zwar unabhängig von den anderen Reihen gelesen werden kann, sie jedoch einige frühere Ereignisse spoilert (so unter anderem die Serie), was ein wenig ärgerlich war.

Das Worldbuilding sticht hier definitiv sehr heraus. Wir befinden uns in einer postapokalyptischen Welt, genauer gesagt: unserer Welt. Verheerende Kriege haben alle Länder gravierend verändert und die Menschheit nahezu ausgelöscht. Aus den Resten der Menschen sind Gnome, Zwerge und Trolle hervorgegangen, doch auch Wege zwischen den Dimensionen haben sich aufgetan, durch die Magie sowie Elfen und Dämonen in die Welt gelangen konnten. Noch immer finden sich Reste der alten Zivilisation der Menschen und letzte technische Relikte. Darunter ist zum Beispiel auch der Supercomputer Antrax, der die Ruinen von Casteldown bewacht, wohin Walkers Expedition ihn und seine Begleiter führt, um die Elfensteine und magische Bücher mit Wissen aus der alten Welt zu suchen. Dazu gibt es dann auch noch Steampunkelemente wie zum Beispiel Luftschiffe.

Brooks vermischt damit klassische High Fantasy, die diese Bücher immer noch vornehmlich sind, mit Elementen der Science Fiction, was wirklich sehr, sehr cool ist und auch ebenso gut umgesetzt wurde. Da gilt es dann zum Beispiel auf einmal, mit Magie und Schwertern gegen Cyborgs und durchdrehende Computer zu kämpfen. So ein Kontrast kommt einem definitiv selten unter die Finger, was eine sehr angenehme Abwechslung zum Einheitsbrei ist.

Das Buch nimmt sich Zeit und stellt die wichtigsten Charaktere neben Walker ausführlich vor. Auf der anderen Seite werden einige andere Expeditionsteilnehmer nur kurz angerissen oder gar nicht groß vorgestellt, was den Eindruck vermittelt, dass sie eher Kanonenfutter sind, die im Laufe der Expedition hops gehen, damit es die Hauptprotagonisten mit Plot armor nicht treffen muss. Das hat einen schalen Beigeschmack.

Eben weil manche Charaktere bei der Vorstellung gegenüber anderen etwas hinten über fallen gelassen wurden, kommt man manchmal etwas durcheinander, wer denn nun bei der Fülle an Charakteren wer war. Dadurch stolpert man auch manchmal über die Handlung und läuft Gefahr, etwas zu überblättern und nicht mehr ganz mitzukommen. Der rote Faden bleibt jedoch klar, außerdem gibt es immer wieder Stellen, bei denen man plötzlich wieder völlig am Ball bleibt und gar nicht mehr aufhören kann zu lesen, sodass ein paar Durststrecken dann doch in Vergessenheit geraten.
Und es gibt einige Plottwists, die einen teils ziemlich vom Hocker reißen. Wer ist denn nun der Junge Bek und wer ist eigentlich die Ilse Witch? Das waren Dinge, die durchaus einen »Woah, wie cool!«-Ausruf auslösen können.