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Benutzername: LaberLili
Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 51 Bewertungen
Bewertung vom 13.07.2018
Familie und andere Trostpreise (eBook, ePUB)
McDonagh, Martine

Familie und andere Trostpreise (eBook, ePUB)


gut

Der Beginn haute mich zwar nicht um, aber mir schien diese Erzählung auch angesichts des Klappentextes doch recht vielversprechend zu sein, zumal der Roman ferner auch hochgelobt wurde.
Allerdings tat ich mich letztlich mit der Geschichte im Gesamten ebenso schwer wie mit ihrem Beginn: Ich hatte gehofft, dass sich Sonny als eine wirklich schräge, neurotische Figur herausstellen würde und sich seine Reise nach England als absolut skurriler Roadtrip mit obskuren Neubekanntschaften entpuppte. Das war wohl zuviel erwartet: Sonny blieb mir, trotz dass er als Ich-Erzähler auftrat, völlig fremd und ich hatte auch enorme Probleme damit, ihn als 21jährigen jungen Mann zu sehen. In meiner Vorstellung blieb er 16, 17 Jahre alt und ich überlegte regelmäßig, wieso der junge Ami da nun so wohlgemut am anderen Ende der Welt alleine umherreisen konnte, bis ich mir wieder ins Gedächtnis rief, dass er bereits volljährig sein sollte.
Dann war Sonny also in Europa und wandelte auf den Spuren seiner Eltern (der gesamte Roman ist eigentlich ein einziger langer Brief an seine verschollene Mutter); lernt Menschen aus deren Vergangenheit kennen, die ihm von den Beiden erzählen, vornehmlich aber von seinem Vater, der als „Guru Bim“ einer Sekte vorstand, deren AnhängerInnen er komplett kontrollierte und manipulierte. Aber auch da wirkte der Roman auf mich eher wie „irgendwelche Menschen erzählen was“; mir war das alles zu distanziert dargestellt.

Wenn die Autorin ihren Roman unter Anderem als „optimistisch“ bezeichnet, habe ich das Buch allerdings auch überhaupt nicht verstanden: Für mich war „Familie und andere Trostpreise“ voll von toxischen Beziehungen, missbräuchlichen und misstrauischen Manipulatoren und selbstgefälligen Kontrollfreaks. Aus dieser Masse löst Sonny sich letztlich zwar, so dass man wohl spekulieren darf, dass auf ihn eine hoffnungsvollere Zukunft, ein (selbst)bewussteres Dasein wartet, aber ich würde nicht darauf wetten, dass sich seine Reise und die daraus gewonnen Erkenntnisse tatsächlich derart auswirken. Für mich spiegelte das alles nur eine einzige große Tristesse wieder.

Gleich anfangs wird übrigens bereits erwähnt, dass im Buch sehr oft Bezug auf den Film „Shaun of the Dead“ genommen werden wird (später gibt es auch noch ein paar „Zoolander“-Referenzen, vornehmlich bzgl. „Blue Steel“): Dem ist definitiv so. Es gibt kaum eine Seite, auf der nicht auf SOTD angespielt wird. Ich kenne den Film, ich mag den Film, und ich hatte nun da keine Schwierigkeiten damit, Szenen aus dem Film mit Beschreibungen aus dem Buch in Einklang zu bringen. Aber ich denke, wer SOTD nicht mag oder wer den Film vor Allem überhaupt nicht kennt, ist mit dieser Lektüre schlecht dran. Da ist dies doch schon mehr ein Roman für die SOTD-Filmfreaks. Als SOTD-Tribut fand ich den Roman noch ganz zufriedenstellend; allerdings bezweifle ich, dass die Intention der Autorin nun darin bestanden hat, diesen Film ehren zu wollen.

Bewertung vom 03.07.2018
Das Erbe von Juniper House (eBook, ePUB)
Herzinger, Sophia

Das Erbe von Juniper House (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Entzückend!

Nachdem ich den Roman nun gelesen habe, erscheint mir die Kurzbeschreibung ein wenig zu überdramatisiert und auf zu spektakulär getrimmt: „Das Erbe von Juniper House“ wurde von mir definitiv als eine Geschichte der leisen Töne empfunden, mit recht viel Herzschmerz, aber auch einer Prise Weltschmerz. Das Ganze tendiert schon sehr gen Kitschroman, war aber eben auch einfach schön zu lesen.

Die junge Sara besucht, kurz vor deren 101. Geburtstag, ihre englischstämmige Großmutter Emma; nicht nur um der Oma willen, sondern auch, um sich eine kleine Auszeit zu nehmen, da Saras Freund ein befristeter Job in Irland angeboten wurde, wobei Sara sich nicht nur unsicher ist, ob sie zusammen mit Jan für ein Jahr ins Ausland gehen will, sondern ob Jan und sie in ihrer Beziehung tatsächlich in dieselbe Richtung streben. Bei diesem Besuch erzählt die Großmutter ihr nun ihre eigene Lebensgeschichte und öffnet sich gegenüber der Enkelin komplett, was bedeutet, dass sie auch ihr allergrößtes Geheimnis nun enthüllt, was mehr als verblüfft…
„Das Erbe von Juniper House“ fokussiert sich sehr auf die Wiedergabe von Emmas Biografie; unterbrochen von Szenen aus dem Heute: Ein bisschen ist es so als würde man Sara stets begleiten, gemeinsam mit ihr bei Emma sitzen und deren Erzählung lauschen (ähnlich der Titanic-Szene, in der die alte Rose inmitten der Schiffscrew sitzt und Jacks und ihre Geschichte erzählt)…

Ich fand es halt einfach wahnsinnig schön zu lesen und empfand Emma zudem als eine sehr bezaubernde und interessante Dame, der ich einfach gerne zuhörte; alles war so angenehm unaufgeregt geschildert und abgesehen von Emmas unfassbarem, aber gar nicht bösen, Geheimnis entpuppte sich hier auch nur wenig bis eher gar nichts als besonders aufregend und spannend. Hier passierte tatsächlich nicht viel; dennoch fand ich die Geschichte sehr unterhaltsam. Das ist halt eher ein Roman fürs Herz (an zwei Stellen habe ich zugegeben auch ein bisschen vor Rührung weinen müssen), den ich durchaus auch der Nachbarin Ü80 empfehlen würde – und einfach generell jedem, der gerne von Familiengeschichten und fiktionalen (Auto)Biografien liest!

[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalleyDE, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Bewertung vom 29.06.2018
Nie wieder Amore! (eBook, ePUB)
Hennig, Tessa

Nie wieder Amore! (eBook, ePUB)


gut

Macht zumindest Lust auf Sizilien...

„Nie wieder Amore!“ hat in mir ganz definitiv die Lust auf einen Sizilien-Urlaub in mir geweckt: Vor Allem für Diejenigen, die in ihren Ferien dorthin aufbrechen, sehe ich den Roman als eine durchaus schöne, unterhaltsame und leichtfüßige Strandlektüre an. Nichtsdestotrotz hat mich die Geschichte ein wenig enttäuscht: Sie nimmt ihren Anfang mit einer grande amore, die zunächst derart sehnsüchtig, bombastisch und unvergesslich wie der gleichnamige Il-Volo-Song wirkt, und auch angesichts der Kurzbeschreibung hatte ich ganz klar erwartet, dass der Fokus hier auf Monis vergangener großer Liebe liegen würde: Aber die Suche nach Vincenzo wird zum absoluten Nebenschauplatz und hauptsächlich geht es darum, dass Moni und Jan Lena und deren Geschäftspartnerin Francesca dabei unterstützen, aus Francescas geerbtem Haus allem Behördenärger zum Trotz eine Sprachschule machen zu können bzw. zu dürfen.
Das war ganz nett zu lesen, aber zum Einen eben eh nicht das, was ich erwartet hatte, und zum Anderen hat mich das so auch nicht vom Hocker gerissen; „selbst der furchteinflößendste Mafiosi“ war reichlich handzahm und was in der Beschreibung noch den Eindruck erwecken könnte, Moni und Co. müssten sich hier in die allertiefsten dunklen Verbrecherwelten begeben, war doch reichlich unspektakulär und für mich absolut nicht aufregend. Ich fand es, im Gegenteil, allzu vorhersehbar.
Letztlich sehe ich „Nie wieder Amore!“ zwar als sehr angenehme Strandlektüre an, die bei mir aber hauptsächlich deswegen doch ganz ordentlich Pluspunkte gesammelt hat, weil die Geschichte mir eben ganz wunderbar Lust auf Sommer, Sonne, Sizilien hat machen können (und dabei eben nicht so trocken wie das Gros der Reiseführer war); das war mich nun etwas „Leichtes zum Weglesen“, aber weder hat mich die Geschichte tatsächlich gefesselt noch wird sie mir wohl auffällig im Gedächtnis bleiben.

[Ein Rezensionsexemplar war mir, im Vorfeld der Veröffentlichung, via NetGalleyDE, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Bewertung vom 27.06.2018
Der englische Liebhaber
de Cesco, Federica

Der englische Liebhaber


ausgezeichnet

Ich bin mir völlig sicher, dass „Der englische Liebhaber“ es letztlich in die Top 5 meiner Lese-Highlights 2018 schaffen wird; aktuell liegt dieser Roman da noch (oder schon?) auf Platz 1 und meine weiteren Lektüre werden an diesem Thron schon sehr hart rütteln müssen, um ihn noch erobern zu können.
Ein klitzekleines bisschen bin ich hier aber sicher auch vorurteilsbelastet hier ans Lesen herangegangen, denn „Der englische Liebhaber“ gehörte speziell zur Besatzungs Münster, die Geliebte Anna wohnte zeitweilig mit ihrer Familie in Telgte: Das ist genau die Gegend, in der ich aufgewachsen bin und somit war die Lektüre bei mir von einem konstanten Heimatgefühl begleitet. Dazu wohne ich inzwischen in der Schweiz und vor Allem hierzulanden ist „Federica De Cesco“ ein sehr großer Name; ich fand es einfach schön, von einer Schriftstellerin hier etwas von meiner Heimat dort zu lesen – und auch wenn Federica de Cesco hier zu den A-Promis zählt, war „Der englische Liebhaber“ nun der erste Roman, den ich überhaupt von ihr gelesen habe: Am Abend, nachdem ich das Hardcover erhalten hatte, habe ich die ersten zwei Drittel gelesen, solange gelesen, bis mir die Augen zufielen, und nach dem Aufwachen gleich weitergeschmökert, so dass mir am nächsten Mittag nur noch die letzten 50 Seiten geblieben waren. Nach jenen habe ich erstmal still auf dem Balkon gesessen, mein Gesicht in die Sonne gehalten und meinen Gedanken nachgehangen, die Erzählung langsam in meinem Kopf ausklingen lassen.

Ich mochte die ab und an wechselnde Erzählart: Mal schwenkte man eben zu Charlotte, die Ende der 80er, noch vor dem Fall der Mauer sozusagen das Erbe der Mutter durchsah und in jenen Aufzeichnungen, Briefen, Aufnahmen regelrecht versank, so dass man grad noch Charlotte sah, die einen Brief in die Hand nahm und im nächsten Moment schon quasi Anna lauschte, wie sie ihre Aufzeichnungen vorlas. Ich fand die Zeiten- und Perspektivenwechsel, obschon nur selten klar voneinander abgegrenzt, auch in diesem „Erzählfluss“ dabei immer sehr deutlich unterscheidbar: Dass ich da durcheinander gekommen wäre, ist nie passiert.
Annas Biografie, wohl ohnehin auf der wahren Geschichte einer Tante der Autorin basierend, ist absolut authentisch, sehr ehrlich und absolut nachvollziehbar. Man könnte sagen, dass Anna immer sehr selbstbewusst auftrat und selbstbestimmt agierte; man könnte aber auch sagen, dass sie einfach einer der westfälischen Sturköpfe war, die konsequent ihren eigenen Weg gingen und sich nicht vom erzkonservativen Lebensverständnis, das in der Region vorherrschte; mir war sie sehr sympathisch. Ich mochte auch die Darstellung des Nachkriegselends, das in Annas Erinnerungen nicht beschönigt, sondern klar gezeichnet wurde, wobei ihre Beschreibungen immer hoffnungs- und liebevoll blieben; auch während der schlimmsten Zeit schien sie von einem ziemlichen Optimismus geprägt zu sein; umso trauriger fand ich es, wie sie Jahrzehnte später doch von einem Moment zum Nächsten noch zusammengebrochen war, aber sie war eben zuvor immer sehr bemüht gewesen, nur Stärke nach außen zu zeigen. Ihre Liebesgeschichte war tragisch, wobei die ganz besonders große Tragik hier wohl auch darin begründet liegt, dass diese Liebesgeschichte so oder nur wenig anders wohl auch von anderen Paaren erlebt worden war und man die gesamte Szenerie auch in die heutige Zeitgeschichte übertragen könnte. Ich fand es erschreckend, wie sehr manche Beschreibungen aus dem (Nach)Kriegsmünsterland mich an heutige Beschreibungen aus aller Welt erinnerte. „Der englische Liebhaber“ war ein Roman, der mich sehr tief berührt hat, und der in seinen Ausführungen mir auch ein wenig Angst machte… Ich halte diese Geschichte für einen sehr wichtigen Inhalt, der von der Autorin hier auf ganz wundervolle Weise zum Leser transportiert wird.
Dieser Roman ist mir eine klare Leseempfehlung wert und wäre es das bestimmt auch, würde sich die Geschichte von Anna und Jeremy in einer mir fremden Region zugetragen haben.

Bewertung vom 12.06.2018
Die Untermieter (eBook, ePUB)
Moises, Rena

Die Untermieter (eBook, ePUB)


sehr gut

"Die Untermieter" ist kein Kriminalroman; dies ist so viel mehr ein Psychodrama, in dessen Zentrum die zwar längst erwachsene Hedda steht, die weiterhin von den unbewältigten Traumata ihrer Kindheit heimgesucht wird und darüber hinaus nun in ihrem ganz eigenen kleinen Mikrokosmos eingebunden immer psychotischer wird. Als Leser bleibt man dabei immer ganz nah an Hedda, in der kleinen abgeschotteten Welt, welche diese um sich herum kreiert hat bzw. stets zu entwickeln versucht. Von ihren Untermietern erwartet sie nicht einfach nur Geselligkeit, eine Abgrenzung zur totalen Einsamkeit, sondern auch, dass diese sich ebenfalls vollauf auf Heddas ureigene kleine Welt einlassen und sich nicht zudem auffällig sozial in die Außenwelt einbinden (lassen), obschon Hedda sie durchaus auch als eine Art Bindeglied in den Trubel vor der eigenen Wohnungstür ansieht.
Das ist natürlich von vornherein zum Scheitern verurteilt, da ihre Untermieter selbstverständlich noch ihre eigenen Leben weiterleben, neben ihren Stärken auch (in Heddas Augen oftmals unerträgliche) Schwächen zeigen und zwar zuweilen gerne mit ihr plauschen, aber sich eben nicht so von Hedda kontrollieren lassen, wie diese es gerne tun würde und sich darum für Hedda so als unberechenbar entpuppen, dass sie sich gezwungen sieht, selbst berechnend zu agieren anstelle das Mietverhältnis einfach mal aufzukündigen.

Man sieht hier sehr viele Mitbewohner kommen, und ebenso viele gegangen werden. Denn niemand zieht hier von sich aus...

Ich fand es eine recht lesenswerte, langsame Erzählung; viel Neues passierte zwar nie; die Muster blieben gleich und am Spannendsten war es noch zu erfahren, wodurch der nächste Mitbewohner nun Heddas Unmut auf sich ziehen würde.
Erstaunlich fand ich, dass man offiziell nicht zeitig genug auf die Schicksale eines jeden Mitbewohners Heddas aufmerksam wurde bzw. dass wiederholt Bewohner dieser Wohnung "tragischen Schicksalen" zum Opfer fielen. Das letzte Kapitel fand ich zunächst äußerst konfus; generell erschien mir der Schluss hier etwas zu schnell abgehandelt zu sein angesichts der vorherigen Bedächtigkeit; aber der letzte Absatz war dann doch reichlich selbsterklärend und söhnte mich ein bisschen mit meinen vorherigen Kritikpunkten aus. Auf der psychologischen Ebene fand ich es zudem eh eine interessante Geschichte, die zum Gedankenanregen und Analysieren einlädt; grade auch, wer sich für psychisch angeknackste bis komplett gebrochene Protagonisten begeistern kann, dem würde ich diesen Roman durchaus weiterempfehlen.
Aber man sollte halt definitiv keinen Kriminalroman oder eine Geschichte mit extraviel Thrill erwarten!

Bewertung vom 10.06.2018
Finster ist die Nacht / Macy Greeley Bd.3 (eBook, ePUB)
Salvalaggio, Karin

Finster ist die Nacht / Macy Greeley Bd.3 (eBook, ePUB)


weniger gut

Ganz, ganz gewöhnlicher Krimi!

Dass es nicht allzu geschickt ist, in eine Krimireihe mit Band 3 einzusteigen, sollte klar sein: Hier ist es ganz besonders ungeschickt, weil sich die private Situation von Macy Greeley aus den Vorgängern heraus ergeben hat und hier nun sozusagen als „kleiner Konflikt im Hintergrund“ stets weiterschwelt, also immer wieder Erwähnung findet. Ich weiß als Serienneueinsteigerin jetzt ebenso schon um die Falllösung von Band 2 - und weil ich mich durch das Lesen von „Finster ist die Nacht“ selbst nun ausführlichst gespoilert habe, müsste ich die ersten beiden Bände theoretisch definitiv nicht mehr lesen. Praktisch ist es allerdings auch so, dass dieser dritte Band nun hauptsächlich mein Interesse grade am zweiten Teil der Buchreihe geweckt hat (obschon mich dessen Ausgang nun nicht weiter überraschen kann) und mich der eigentliche Inhalt eher weniger interessiert hat.

„Finster ist die Nacht“ erzählte für mich einfach auf allzu typische Weise einen allzu typischen Kriminalfall. Die finstere Nacht kam für mich nur ganz zu Beginn und absolut bildlich zum Vorschein; da hatte ich deutlich mehr Düsternis erwartet und aufgrund der Kurzbeschreibung hatte ich mir auch deutlich mehr Brisanz angesichts der verschwiegenen Dorfgemeinschaft und der vielen Menschen, denen bei Auffliegen ihrer Geheimnisse ein Gefängnisaufenthalt drohen würde, erhofft. Aber was tatsächlich so böse hätte wirken können, erschien mir da einfach nur überdramatisiert beschrieben. „Finster ist die Nacht“ betrifft eigentlich nur einen recht kleinen, internen Kreis; Mordverdächtige sind ebenso schnell eingekreist: Irgendwie war das doch auffallend simpel, auch wenn häufig lamentiert wurde, die Ermittlungen gingen gar nicht voran.
Den Anfang fand ich zwar noch ganz spannend, aber da hatte ich eben auch noch relativ hohe Erwartungen an die vorgeblich vielen Bösewichte hier, aber ab dem zweiten Drittel langweilte mich die Geschichte eher. Nicht so, dass ich den Roman deswegen gleich komplett abgebrochen hätte, aber doch so, dass ich lediglich noch wissen wollte, wer nun genau für Philip Longs Tod verantwortlich zeichnete. Im Nachhinein bereu ich dabei allerdings, nicht doch einfach nur zum Romanende hin gespienzt zu haben anstatt „ganz weiterzulesen“. Letztlich würde mir das leider bereits voll und ganz gereicht haben.

[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalleyDE, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Bewertung vom 03.06.2018
Euer dunkelstes Geheimnis (eBook, ePUB)
Jennings, Amanda

Euer dunkelstes Geheimnis (eBook, ePUB)


sehr gut

Als Krimi oder Thriller habe ich „Euer dunkelstes Geheimnis“ absolut nicht empfunden: Für mich war es ein klassisches Familiendrama, nicht einfach „nur“ ein Familiendrama, sondern eine literarisch schon höherwertigere Erzählung.
Die Kurzbeschreibung lässt ja bereits erahnen, wie Bella Tochter der Campbells geworden ist und der Roman macht nun vor Allem Bellas innere Zerrissenheit zwischen ihren vorgeblichen Eltern und ihrer tatsächlichen Identität deutlich. Während Bella mehr und mehr klar wird, wieso vor Allem ihre angebliche Mutter stets bemüht war, Bella sowie die kleine Campbell-Familie überhaupt von der Außenwelt weitmöglichst abzuschotten, während ihr angeblicher Vater sich Bella gegenüber stets eher distanziert verhielt, sieht sie sich zugleich mit ihrer tatsächlichen Herkunft aus einem offenbar dysfunktionalen Umfeld konfrontiert. Die Wahrheit über ihre Identität lässt sie zwischen Loslassen, Festklammern und Kennenlernen schwanken; plötzlich ist nicht nur Bellas Familie völlig anders und neu, sondern sie muss sich auch mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen: Wie sehr hat sie überhaupt sie selbst sein können? Vom „goldenen Käfig“ eines Elternhauses, in dem ihre vorgebliche Mutter dominierte, ist Bella letztlich in eine toxische Beziehung zu einem ihrer Dozenten geschlittert, in welcher sie fremdbestimmt geblieben ist: Die Eröffnung ihrer wahren Herkunft lässt für Bella somit auch einen Ausbruch aus ihrem immer falscher anmutenden bisherigen Leben zu und bietet ihr die psychisch sicherlich herausfordernde Option, sich selbst und nicht nur ihre leibliche Familie zu finden.

Doch auch für ihre leiblichen Angehörigen stellt das unerwartete Auftauchen Bellas selbstverständlich eine Herausforderung dar… Generell sind die Figuren hier ausnahmslos traumatisiert, wobei vor Allem Bella sich ihrer eigenen Traumata nun erst so richtig bewusst wird. „Euer dunkelstes Geheimnis“ erzählt einige sehr bestürzende Familien- und Lebensgeschichten; insgesamt ist die Handlung absolut tragisch. Teils mutet sie auch sehr merkwürdig an, weil hier so oft so weit, zu weit, gegangen worden war. Befremdlich wirkt es, wie sich Angehörige und Menschen, zwischen denen Vertrautheit herrschen sollte, wie Fremde begegnen, weil sie sich einfach fremd (geblieben) sind. Ich fand es besonders bedrückend, weil die Basis der Geschichte so absolut vorstellbar ist und das Leid der „Zurückgebliebenen“ so plastisch dargestellt wird.

Allerdings war mir der Schluss doch ein bisschen zuviel und das Romanfinale vermochte meine Begeisterung noch ein wenig zu dämpfen: Persönlich empfand ich das Geheimnis um das Zimmer im Dachgeschoss (um nicht zu spoilern, führe ich das hier nicht weiter aus) ein wenig zu weithergeholt, zu überdramatisiert. Meiner Meinung nach hätte man sich diesen kleinen Erzählstrang auch sparen können; die Umstände, wie Bella zu den Campbells gekommen ist, waren für mich auch so schon übel genug und mit dieser „Extrabegründung“ war es für mich einfach viel zu aufgebauscht. Das Ende hat für mich da wieder ein bisschen der Glaubwürdigkeit genommen, nichtsdestotrotz eine starke Lektüre!


[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalleyDE, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Bewertung vom 25.05.2018
Wenn's einfach wär, würd's jeder machen (eBook, ePUB)
Hülsmann, Petra

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalleyDE, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Die laut offiziellen Beschreibungen „liebenswerte“ Protagonistin Annika erschien mir weitgehend liebenswert im Sinne von „amüsierend tüddelig“, aber vor Allem grade eingangs auch sehr snobistisch. Ja, ich empfand ein wenig Schadenfreude, als sie quasi vom Elitegymnasium zur Brennpunktschule abkommandiert wurde und gab da den Anderen recht: Dieser „Bruch“ würde ihr nur guttun können; zugleich freute ich mich auch einfach darauf, von ihr als Ich-Erzählerin dieses Erlebnis ganz direkt berichtet zu bekommen.
Den Tristan-Strang hatte ich mir im Vorfeld anders vorgestellt gehabt, denn ich würde unter „erster großer Liebe“ etwas anders verstehen als eine jahrelange Teenieschwärmerei, die unerwidert blieb, aber so fand ich die Darstellung nun besser als „Ex-Partner finden nach Jahren wieder zusammen“, zumal Annika Tristan auch überaus romantisiert betrachtete, aber ja noch gar nie „richtig“ kennengelernt hatte, und von Anfang an fraglich war, ob Annika in Bezug auf Tristan nicht einfach nur auch sehr viel Theater im Kopf hatte. Zudem gab es da ja noch vor Allem einen ganz besonders netten Nachbarsmann…
Neben Annikas neuer Anstellung in dem für sie völlig ungewohnten Umfeld, welches sie vor deutlich mehr Herausforderungen stellt als die vorherige, im Vergleich sehr weichgespülte, schulische Umgebung, wird in diesem Roman also auch noch ein kleines Liebesdreieck konstruiert, wobei „konstruiert“ für diese Darstellung allzu künstlich klingt: Es ergibt sich einfach aus der Handlung heraus und fließt sozusagen mit dem Erzähltext. Es wirkt durchaus echt und authentisch; allgemein habe ich die Geschichte absolut geglaubt.

„Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ habe ich sehr gerne gelesen; das war ein Roman, von dem ich nur sehr schwer habe lassen können und den ich am Liebsten an einem Stück weg gelesen haben würde (da stand mir meine Schlafenszeit dann aber im Weg, nachdem ich das Buch erst am frühen Abend begonnen hatte): Das war tolle Unterhaltung und letztlich war ich auch gespannt, welcher der Herren in diesem Liebesroman letztlich das Rennen machen würde.

(PS: Und die Himbeermuffins mit weißer Schokolade, die ich nach dem Rezept im Buch bereits gebacken habe, sind wirklich köstlich [auch wenn ich ein wenig geschummelt habe, da ich das Ei im Teig zwecks Verbrauchs durch eine übriggebliebene Banane ersetzt habe])

Bewertung vom 20.05.2018
Schräge Typen (eBook, ePUB)
Hanks, Tom

Schräge Typen (eBook, ePUB)


weniger gut

[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalleyDE, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

„Schräge Typen“ ist in diesem Fall ein zweideutiger Titel, der zwar durchaus clever gewählt ist, aber in der Doppeldeutigkeit wohl häufig gar nicht erst verstanden wird: Denn das „Typen“ kann man zwar auf die beschriebenen Figuren beziehen, aber eben auch als (harhar!) typischen Schreibmaschinen-Ausdruck sowie Setzerbegriff verstehen: Schreibmaschinen ziehen sich wie ein roter Faden durch all die enthaltenen Geschichten, die Kurzgeschichten sein sollen, mir teils aber dennoch sehr lang, um nicht zu sagen: zu lang, vorkamen.

Tom Hanks soll ein Liebhaber und leidenschaftlicher Sammler antiker, mechanischer Schreibmaschinen sein: Merkt man. In jeder Geschichte wird irgendeine Schreibmaschine gekauft oder auf irgendeiner irgendetwas getippt und dieses „irgend“ finde ich persönlich nun bezeichnend, denn in fast allen Fällen erschien mir die Hervorhebung einer Schreibmaschine, des Schreibmaschinengetippten völlig beliebig zu sein, häufig gar überflüssig.

Sprachlich ist Tom Hanks vermutlich ein toller Erzähler (sofern Werner Löcher-Lawrence als Übersetzer es nicht erst völlig rausgerissen hat). Leider fand ich die Geschichten gar nicht so toll, jene mit dem Weltraumtrip oder auch der Reise in die Vergangenheit eher völlig überzogen und überhaupt nicht passend zu Anderen, die mir sehr eintönig vorkamen: Ich fand die Zusammenstellung einfach schlecht gewählt. Dass die Figuren der ersten Geschichte später wiederholt in anderen Erzählungen vorkamen, fand ich tatsächlich schräg: Meiner Meinung nach wären deren Geschichten in einem einzigen Buch voller skurriler Geschichten, losgelöst von Kindern auf Besuchswochenenden oder Surfausflügen mit Vätern, sehr viel besser aufgehoben gewesen als nun in dieser Komposition. Die verschiedenen Geschichten waren mir viel zu sehr „einmal quer durch den Garten“, wobei „Garten“ einen von der Größe (mindestens!) einer BuGa meinen würde: Da hat es immerhin auch Pflanzbeete, die man total toll findet und jene, die man schulterzuckend einmal wahrnimmt und dann keines zweiten Blickes würdigt.

„Schräge Typen“ zu lesen war für mich wie durch einen zähen Morast zu waten, in dem man nur langsam vorankommt: Dabei waren die Geschichten nun nicht schwer zu lesen oder schwer zu verstehen, sie weckten einfach nur kaum einmal mein Interesse. Ich stand allen Figuren äußerst gleichgültig gegenüber und damit blieben mir auch die Erzählungen über sie reichlich wurscht.
Zusätzlich zum eBook hatte ich es übrigens auch schon mit dem Hörbuch versucht, aber da habe ich nie mehr als die ersten und die letzte Geschichte gehört, weil ich bei insgesamt vier Hörversuchen jedes Mal mittendrin einfach eingeschlafen bin. Auch lesemäßig bin ich nur Geschichte um Geschichte vorangekommen.

Vom Ausdruck her fand ich die enthaltenen Geschichten definitiv erstklassig, auch sehr klassisch, aber lediglich „schön erzählt“ macht ein Buch für mich lange noch nicht „sehr lesenswert“; dazu müssten mich auch Inhalte noch begeistern und das ist in diesem Fall leider nicht gelungen. Ich hatte erst überlegt, doch drei Sterne zu vergeben, aber das würde für mich bedeuten, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, das Buch dem Ein oder Anderen noch als Lektüre zu empfehlen, weil ich denken würde, dort könnte man sich durchaus für den Inhalt erwärmen. Hier ist es allerdings Fakt, dass ich „Schräge Typen“ niemals, nur aufgrund der Sprachvirtuosität, weiterempfehlen würde, welche diese Geschichtensammlung letztlich für mich nur nicht zum Totalreinfall werden lässt.

Bewertung vom 18.05.2018
Nackt über Berlin (eBook, ePUB)
Ranisch, Axel

Nackt über Berlin (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalleyDE, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Das Ende ist das Problem so manchen Buches; das Problem von „Nackt über Berlin“ ist dabei nicht, wie es endet, sondern dass es endet. Selten war ich so enttäuscht von einem Roman, dass er vorbei und ausgelesen war wie in diesem Fall. Ja, das Hauptthema der Lehrersentführung bzw. Lehrerseinsperrung war letztlich auserzählt, aber zum Schluss war ich erst recht (aber so schön und nicht so beklemmend-schrecklich wie zuvor der Schuldirektor Lamprecht) gefangen in diesem Jannik-Erzählflow und hätte einfach gerne weiterhin von ihm berichtet bekommen, wie es ihm nun zukünftig ergangen war.
Anfangs, das in Gefangenschaft nehmen des Rektors, wirkte noch wie ein schriller Roadmovie, nur ohne großes Road-Stück, auch wenn der Lamprecht von einer Straße aufgelesen wird, gepaart mit einem Hauch Kunstfilm. Wie ein Stück, das einen die Figuren innerlich zur Räson rufen lässt: „Schluss mit der Albernheit, zurück zum Ernst!“
Aber dieser Eindruck zerfließt, weil er schon an der Quelle eher dürftig aufsprudelte: Jannik (der zunächst als „Janni“ genannte Figur eingeführt wird und Seite um Seite seine kindliche Unbedarftheit verliert und sich schließlich in die Rolle eines sehr viel reiferen und selbstbewussteren JanniK einfindet) liebt klassische Musik und weiß zu jeder Situation einen zu ihr passenden Komponisten mit einem passenden Stück: Da er über weite Strecken des Buchs als Erzähler fungiert, ist man als Leser immer mit der Musik um ihn herum, und sei es, dass sie nur in seinem Kopf spielt, konfrontiert und die ist hier so explizit dargestellt, dass man von Anfang an damit rechnet, dass die Erzählung in die Tiefe gehen wird. Denn welcher Autor, der einfach nur oberflächliche Unterhaltung bieten will, würde schon so sehr „ausufern“ anstelle nur mal nebenher zu erwähnen, dass mal Bach oder mal Mozart gehört wird? Eben. Gut, vielleicht würde das auch der ein oder andere Autor tun, der seiner Erzählung einfach nur einen kulturelleren Anstrich verleihen wollte, aber: Die klassische Musik, seine alten russischen Lieblingskomponisten, sind der eine große Punkt, in dem Jannik von vornherein völlig selbstverständlich und absolut selbstsicher auftritt; er wirkt viel zu authentisch als dass seine Leidenschaft für die Klassik angedichtet wirken würde. Da merkt man: Der Autor kennt sich aus, entweder mit klassischer Musik, oder auch nur damit, wie eine extrem gründliche Recherche vonstatten geht.
An anderer Stelle hatte ich bereits erwähnt, dass ich nach dem halbfertig gelesenen Roman den Eindruck hatte, diese Geschichte sei eine als Liebeserklärung an Tchaikovsky getarnte Liebeserklärung an Rachmaninoff. So intensiv ist Janniks Liebe zur Klassik dargestellt!

In der zweiten Buchhälfte ging dieser Eindruck jedoch etwas unter: Immer häufiger kommt ein externer Erzähler zu Wort, der von und über Jens Lamprecht erzählt und dessen Gefühlsleben sowie (vergangene) Verhaltensweisen präsentiert und klar wird, was Tai antreibt, den Direktor so zu foltern… und je schlechter es Lamprecht geht, desto schlechter fühlt sich auch Jannik, der in Tai weniger den heimlich geliebten, tollen Schwarm zu sehen beginnt, sondern mehr und mehr einen Tyrann, der, nahezu im wahrsten Sinne des Wortes, auch bereit wäre, über Leichen zu gehen. Aber Verknalltheit lässt sich halt auch nicht so einfach abstellen, ebenso wenig wie die Loyalität unter besten Freunden.

„Nackt über Berlin“ ist ein sehr, sehr toller Roman; dass Jannik schwul ist, ist letztlich so nebensächlich wie es in der realen Welt auch egal sein sollte, wer nun welche sexuelle Orientierung hat. Er ist halt in Tai verliebt; ja und? Ein mögliches Coming-out, das schließlich auch stattfindet, wird ebenso wenig auffällig in den Vordergrund gerückt; es spielt auch keine große Rolle: In erster Linie ist dies ein Coming-of-Age-Roman; und wenn Liebesroman, dann Tragödie!