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Benutzername: meldsebjon
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Danksagungen: 11 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 61 Bewertungen
Bewertung vom 19.09.2020
Unter uns das Meer
Gaige, Amity

Unter uns das Meer


ausgezeichnet

Tief vergrabenDurch ein ungewöhnliches Buch erfährt der Leser von einer ungewöhnlichen Reise. Eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter, einer 7jährigen Tochter und einem 2jährigen Sohn will ein Jahr lang auf einer Segeljacht das Meer bereisen. Die Idee geht aus von Michael, dem Vater. Vielleicht aus dem Wunsch heraus, der kriselnden Ehe noch eine Chance zu geben, stimmt Juliet, die Mutter zu. Die Kinder müssen nicht gefragt werden, sie sind begeistert. Einmal von dem Abenteuer, aber auch davon, dass beide Eltern viel Zeit mit ihnen verbringen werden.
Ungewöhnlich und ein bisschen gewöhnungsbedürftig sind die vielen verschiedenen Ebenen, auf denen die Geschichte erzählt wird und zwischen denen ständig hin- und hergesprungen wird. Einmal ist da das Logbuch, das Michael führt. Dann äußert sich Juliet vor der Reise, und berichtet auch nach der Reise und dann berichtet auch noch Sybil, die Tochter, nach der Reise. Nach und nach wird einiges vorweggenommen, wenn Juliet nach der Reise die Erlebnisse verarbeiten muss, von denen man aus dem Logbuch noch gar nichts erfahren hat.
Die Reise selbst ist natürlich eine Herausforderung. Wenn man so lange auf engem Raum zusammenlebt und auch aufeinander angewiesen ist, kommen Gefühle und Erinnerungen hoch, die man so lange ganz tief in sich vergraben hatte.
Ein ganz tolles Buch, das zwar etwas ungewohnt zu lesen ist, es dem Leser aber trotzdem leicht macht, mit den Protagonisten zu fühlen.

Bewertung vom 01.09.2020
Das Haus in der Claremont Street
Carolsfeld, Wiebke von

Das Haus in der Claremont Street


ausgezeichnet

Sprachlosigkeit
Tom spricht nicht mehr. Das ist verständlich, hat er doch aus nächster Nähe erlebt, dass seine beiden Eltern auf brutale weise zu Tode kommen. Vielleicht hat ein neunjähriger Junge einfach keine Worte, um über seine Gefühle zu sprechen und schweigt daher lieber. Natürlich macht er es seinen Verwandten damit nicht gerade einfach, ihn zu verstehen. Bei der Trauerfeier sind alle erst einmal selbst mit sich beschäftigt, muss doch auch für Erwachsene der Tod von Schwester und Schwager erst einmal verarbeitet werden. Beide Schwestern und auch der Bruder der Mutter sind hilfsbereit, wollen Tom aufnehmen und scheitern doch erst einmal. Weder die pedantische Sonja, noch die jüngere Schwester, die mit Bruder und Sohn in einem Haus in der Claremont Street wohnt, sind der Sache gewachsen, keiner kommt mit dem Schweigen klar. Und doch ist es eine Chance, selbst einmal über Dinge zu sprechen, über die sonst geschwiegen wurde. Es scheint, als müsste man erst einmal die eigenen Probleme in den Griff bekommen, bevor man bereit ist, anderen zu helfen.
Eigentlich klingt das alles ganz furchtbar und eigentlich ist das kein Stoff, den man gerne lesen möchte, zu traurig das Ganze. Aber die Autorin ist in der Lage, auch diese traumatische Situation mit etwas wohl dosiertem Humor zu präsentieren, so dass das Lesen trotz aller schlimmen Dinge wirklich Spaß macht. Für mich heißt das: Lasst euch nicht unterkriegen, irgendwie geht es weiter und irgendwann ist alles besser!

Bewertung vom 04.08.2020
So weit die Störche ziehen
Graw, Theresia

So weit die Störche ziehen


ausgezeichnet

Das Ende der Naivität
Zu Beginn des Krieges lebt Dora mit ihrer Familie und einigem Personal auf einem Gut in Ostpreußen, etwa zwei Fahrtstunden entfernt von Königsberg. Ihre heile Welt bricht noch lange nicht entzwei, als eine Hochzeitsfeier wegen der Nachricht, dass die deutsche Armee in Polen einmarschiert, frühzeitig abgebrochen wird. Weitab vom wirklichen Kriegsgeschehen kann man lange an die Propaganda des Radios glauben. Die Schilderungen der Verwandten, die in Hamburg Angriffen ausgesetzt sind, kann man als übertrieben werten. Selbst als immer mehr junge und alte Männer aus der Umgebung eingezogen werden, scheint das nur dem zu erwartenden "Endsieg" geschuldet zu sein. Erste Brüche in der heilen Welt entstehen, als Dora Fotos von unvorstellbaren Gräueltaten sieht. Diese Dinge versucht sie zu verdrängen, wie damals wohl die meisten Deutschen. Aber auch ihr und ihrer Familie bleibt ein Aufwachen nicht erspart.
Ein wenig langatmig schien mir der Anfang des Buches, aber wenn die Geschichte so richtig in Fahrt gerät, hat sich das Durchhalten gelohnt und am Ende ist es richtig gut geworden. Diese Autorin sollte man im Auge behalten, so wird Geschichte verständlich.

Bewertung vom 18.07.2020
Wings of Silver. Die Rache einer Frau endet nie / Golden Cage Bd.2
Läckberg, Camilla

Wings of Silver. Die Rache einer Frau endet nie / Golden Cage Bd.2


ausgezeichnet

Recht und Gesetz
Faye hat sich alles erkämpft, was sie jetzt besitzt und der Kampf ist noch nicht zu Ende. Jemand will ihre Firma übernehmen, Kind und Mutter sind nicht wirklich in Sicherheit und eine Polizistin ist ihr auf den Fersen, auf der Spur eines dunklen Geheimnisses aus der Vergangenheit. Alleine ist das nicht zu bewältigen, sie braucht die Hilfe von zwei Frauen, mit denen sie in der Vergangenheit so ihre Probleme hatte. Und dann gibt es noch eine neue Liebe in ihrem Leben. Vielleicht kann David sie auch unterstützen.
Es gibt auch immer wieder Berichte darüber, was sie als Kind und junges Mädchen in Fjällbacka erlebt hat und man erfährt, wie sie damals die Probleme lösen konnte.
Dass jemand, der so in die Ecke gedrängt wurde und wird sich zur Wehr setzt, ist verständlich. So wie die Autorin schreibt, fühlt man mit Faye und versteht, dass sie das Recht in ihre eigene Hand nimmt.
Fazit: Spannend vom Anfang bis zum Ende, toll geschrieben, hinterlässt das Buch aber doch einen leicht unangenehmen Beigeschmack. Das ist dann eben die "Moral von der Geschicht".

Bewertung vom 11.07.2020
Saale Premium - Stürme über dem Weinschloss / Weinschloss-Saga Bd.1
Seifert, Paula

Saale Premium - Stürme über dem Weinschloss / Weinschloss-Saga Bd.1


sehr gut

Winzersaga
Ein bisschen Geschichte, ein bisschen Frauenpower und ein bisschen Hintergrundwissen: Bücher, die das vereinen, sind meine Favoriten. All das bietet dieses Buch. Angesiedelt am Ende des neunzehnten Jahrhunderts gibt es eine Menge geschichtlichen Hintergrund, der interessant ist. Die Möglichkeiten der Frauen waren sehr eingeschränkt. Man konnte so gerade als Gouvernante seinen Lebensunterhalt verdienen, richtig selbstständig sein, Karriere machen, das ging gar nicht. Auch Aenne, die eigentlich sehr interessiert ist am Beruf eines Winzers oder auch Kellermeisters, hat da erst einmal keine Chance, soll lieber heiraten. Aber die Dinge entwickeln sich, manchmal zum Schlechten, aber daraus entstehen neue Chancen und Notwendigkeiten. Neben dem geschichtlichen Aspekt geht es hier um Wein und Sekt, auch um die Vermarktung. Alles interessante Themen, die leicht verständlich dargestellt werden. Ein gut zu lesendes Buch, eher unterhaltsame, leichte Lektüre, die ein wenig an der Oberfläche dahinplätschert. Mehr muss es ja aber auch nicht immer sein.

Bewertung vom 05.07.2020
Eine Reise durch Deutschland in 100 ungewöhnlichen Bildern und Geschichten
Rössig, Wolfgang

Eine Reise durch Deutschland in 100 ungewöhnlichen Bildern und Geschichten


ausgezeichnet

Reich an Eindrücken, dieses Land!
Das ist nicht nur einfach ein Reiseführer, sondern ein Buch über Geschichte, gefüllt mit Geschichten und tollen Bildern. Man lernt Deutschland aus völlig anderen, sehr reizvollen Perspektiven kennen. Gut aufgebaut, sortiert nach Himmelsrichtungen, kann man rasch einen guten Überblick gewinnen über die 100 Ziele, die näher betrachtet werden. Wenn man sich dann einliest, erfährt man einiges, das nicht in jedem Reiseführer zu finden ist. Obwohl auch praktische Tipps nicht fehlen. Restaurants werden beschrieben, die verschiedenen Aktivitäten, die speziell für die jeweilige Gegend typisch sind mit näheren Informationen. Das Beste ist aber, dass manche Beschreibungen sich wie ein Roman lesen lassen und dass die Begeisterung des Autoren überall durchkommt und den Leser mitreißt. Deutschland, es gibt viel zu entdecken, packen wir's an!

Bewertung vom 13.06.2020
Die Perlenfarm (eBook, ePUB)
Marklund, Liza

Die Perlenfarm (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Perlenfarm und Weltwirtschaft
Wie ein Traum von Harmonie in der Südsee beginnt dieser Roman. Kiona lebt auf einer Insel ganz zufrieden und glücklich auf einer Insel. Es ist noch nicht einmal besonders problematisch, dass das Versorgungsschiff seit zwei Jahren ausgeblieben ist. Die Natur bietet alles, was benötigt wird und man teilt miteinander, was man hat. Als der Schwede Erik eines Tages durch einen Schiffbruch schwer verletzt angespült wird, flickt man ihn zusammen und er fügt sich ganz einfach in die Gemeinschaft ein. Vier Jahre bleibt er, geht eine Beziehung mit Kiona ein, aus der zwei Kinder entstehen und hilft den Bewohnern bei deren Buchführung. Eines Tages kommt ein Schiff mit merkwürdigen Männern, die Erik weg holen. Zurück bleiben einige Hinweise, die Kiona dazu bringen, seine Spur aufzunehmen. Zunächst landet sie in Los Angeles, wo sie als naives Inselmädchen gleich schlechte Erfahrungen sammeln muss. Glücklicherweise trifft sie aber auch auf die eigenartige, hilfsbereite Clay, die über ein sehr breites Wissen verfügt. Schnell passt sich Kiona der neuen Umgebung an. Gemeinsam mit Clay verfolgt sie Eriks Spur, die sie in verschiedene Länder führt. Sie erfahren, in welche Dinge Erik verwickelt war und geraten dadurch in Gefahr. Nicht alle Beteilgten werden das überleben.
Eigentlich ist das alles kaum zu glauben, aber so glaubhaft beschrieben, dass man es doch für möglich hält. Überraschende Wechsel der Schauplätze und Umstände halten die Spannung bis zum Schluß auf einem sehr hohen Niveau.

Bewertung vom 07.06.2020
Die Farben der Schönheit - Sophias Träume / Sophia Bd.2
Bomann, Corina

Die Farben der Schönheit - Sophias Träume / Sophia Bd.2


ausgezeichnet

An der Seite besonderer Frauen
Sophia Krohn ist wohl eine fiktive Person, die aber nahen Kontakt zu besonderen Frauen des vergangenen Jahrhunderts hatte. Helena Rubinstein hat ihr im ersten Band ihre erste Chance gegeben, was im zweiten Band erwähnt wird, so dass man auch als Neu-Leser die Zusammenhänge verstehen kann. Da sie jetzt ihre Stelle verloren hat, erinnert sie sich an das Angebot, dass ihr Elisabeth Arden gemacht hat, und auch hier wird sie sofort eingestellt. Immer wieder werden Vergleiche zwischen diesen beiden Frauen gezogen, die ähnliche Imperien aufgebaut haben, aber doch grundverschieden waren und sich so ganz und gar nicht mochten. Auch wird immer wieder ein Blick auf die damalige Zeit mit Wirtschaftskrise und Armut geworfen, das umtriebige New York wird beschrieben, ein Blick nach Paris geworfen.
Weiter geht der Karriereweg Sophias mit auf- und ab, die Suche nach dem angeblich toten Sohn, die Sorge um die Freundin, die nicht mehr sie selbst ist und dann noch die Begegnung mit der ehemals großen Liebe. Viele Dinge, die geklärt werden müssen, die die Spannung immer hoch halten und die das Buch wirklich zu einem Genuss machen.

Bewertung vom 30.05.2020
Der Sommer der Islandtöchter
Baldvinsson, Karin

Der Sommer der Islandtöchter


sehr gut

Romantik in Island
Hannah muss ihre Karriere als Konzertviolinistin beenden, hat sich mit ihrem Mann auseinandergelebt und strebt die Scheidung an; kurz: irgendwie liegt ihr ganzes Leben in Scherben. Logisch, dass sie alles hinter sich lassen möchte und sich für ein Jahr eine Auszeit verordnet. Zusammen mit ihrem Sohn will sie diese Zeit in Island verbringen. Erstaunlich schnell gelingt es ihr, sich einzuleben. Die Isländer sind offen und unkompliziert und nehmen sie gerne auf.
Parallel dazu wird die Geschichte von Monika erzählt, die vierzig Jahre vorher auch eine Zeit in Island verbringt. Sie hat das Leben vor sich, müsste eigentlich glücklich sein, denn zu Hause wartet ihr Verlobter auf sie, die Hochzeit steht bevor. Aber auch sie hat Kummer, denn ihre Leidenschaft, die Malerei, findet so gar keine Zustimmung bei ihren Eltern, die von ihr eher die Fortführung des Familienunternehmens erwarten. Ende der siebziger Jahre war es nicht so einfach für eine junge Frau, nach ihren Neigungen zu leben und so steht sie unter ziemlichen Druck.
Beide Frauen lernen in Island jemanden kennen, für beide eröffnet sich ein neuer Weg. Ob auch beide ihr Glück finden und wie beide Geschichten vielleicht verknüpft sind, soll hier nicht verraten werden.
Insgesamt liegt hier ein leichter, unterhaltsamer Roman vor, der sich leicht lesen lässt, ein richtiger Urlaubsroman eben, ohne besondere Tiefe, der aber auf angenehme Art in andere Gefilde entführt.

Bewertung vom 23.04.2020
Pandatage
Gould-Bourn, James

Pandatage


schlecht

Berührend und ein bisschen schräg
Ohne großen Ehrgeiz, aber glücklich, hat Danny Malooley sein Leben gelebt, bis seine geliebte Frau plötzlich gestorben ist. Danach lebt er irgendwie weiter, funktioniert, arbeitet, kümmert sich um seinen Sohn, schläft nicht und steht neben sich. Seit dem Tod der Mutter spricht sein Sohn Will nicht mehr, ein wirklicher Kontakt findet nicht statt. Wahrscheinlich wäre das so weitergegangen, wenn Danny nicht seine Arbeit verloren hätte und sein Vermieter wegen der ausstehenden Mieten nicht starken Druck ausgeübt hätte. Da er keine Arbeit findet, kommt er auf eine ungewöhnliche Idee, Geld zu verdienen, verheimlicht das aber vor seinem Sohn. Da er über keine besonderen Talente verfügt, ist das erst einmal nicht gerade von Erfolg gekrönt. Und da entwickelt er tatsächlich Ehrgeiz, sucht sich Hilfe, kommt seiner verstorbenen Frau wieder näher und kann dadurch wieder in die Zukunft schauen. Auch für Will ändert sich einiges.
Das ist ein unglaublich einfühlsames, aber gar nicht gefühlsduseliges Buch. Ein bisschen erinnert es an "About a boy", ist aber keineswegs ein Abklatsch, sondern sehr eigen. Die Botschaft für mich: Jedes Unglück birgt auch eine neue Hoffnung!