Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: meldsebjon
Wohnort: Hattingen
Über mich:
Danksagungen: 11 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 60 Bewertungen
Bewertung vom 26.05.2013
Ein seltsamer Ort zum Sterben
Miller, Derek B.

Ein seltsamer Ort zum Sterben


ausgezeichnet

Am Endes des Lebens....

... bereut man nicht die Dinge die man getan hat, sondern die, die man unterlassen hat. Sheldon Horowitz bereut, dass er seinen Sohn nicht davon abgeraten hat, für Amerika am Korea-Krieg teilzunehmen, was ihn das Leben gekostet hat. Er fühlt sich deshalb schuldig am Tod seines Sohnes. Dessen Tochter Rhea hat er gemeinsam mit seiner Frau Hannah aufgezogen. Inzwischen ist diese mit Partner Lars nach Norwegen gezogen und seine Frau ist gestorben. Nun erwartet Rhea selbst Nachwuchs und Sheldon, den alle Donnie nennen, scheint dement zu sein, leidet vielleicht unter Alzheimer.

Nun ist also ein Mann im Alter von 82 Jahren in einem Land gelandet, dessen Sprache er nicht versteht, dessen Bewohner ihm seltsam erscheinen. Er spürt sein Alter, leidet unter Arthritis, hat nicht für alles die Kraft, die er sich wünschen würde und erlebt in seiner Phantasie immer wieder Szenen aus der Vergangenheit. Manche hat er selbst erlebt, andere entspringen seiner Phantasie, dienen der Bewältigung der Vergangenheit. Der Unterschied zwischen beidem ist ihm völlig bewusst. Er mag also so manche Krankheit mit sich herumschleppen, aber seine geistige Gesundheit ist vollständig vorhanden. Vielmehr hatte er festgestellt "dass man ihm so ziemlich alles durchgehen ließ, weil die Leute ihn für einen verrückten alten Kauz hielten."

Und dieser verrückte alte Kauz hört eines Tages, wie in der Wohnung über ihm eine Frau von einem Mann bedrängt wird. Als diese flieht, öffnet er die Wohnungstür und versteckt sie. Ihr selbst kann er nicht helfen, aber ihren kleinen Sohn kann er verstecken und flieht mit ihm vor einigen Verfolgern, auch vor der Polizei. Er hinterlässt einen Zettel mit einem Hinweis, der den Verdacht der Polizei bestätigt, um seine geistige Gesundheit sei es nicht gut bestellt. Erst als er es über einen längeren Zeitraum schafft, verborgen zu bleiben, vermutet man, dass er eher gerissen als dement ist.

Während der Reise mit dem kleinen Jungen, den er Paul nennt, dessen Namen er aber nicht kennt, erfährt der Leser einiges über die Vergangenheit des alten Mannes. Als Jude hat er ein besonderes Auge für Antisemitismus, den geschichtlich bekannten, aber auch den verschwiegenen und den aktuell auf der Welt anzutreffenden. Selbst Jude zu sein hat ihn geprägt und macht manche seiner Handlungen verständlich. Als Junger Mann war er in Vietnam als Scharfschütze, hat dort eine Menge Dinge gelernt, die sich bei der aktuellen Verfolgungsjagd als nützlich erweisen. Über seine damaligen Erlebnisse hat früher er nie gesprochen und als er jetzt damit herauskam war das für seine Umwelt ein weiterer Beleg dafür, dass sein Geist abbaut.

Parallel dazu ermittelt die Polizei, versucht die Hintergründe des Mordes zu verstehen. So langsam lichtet sich das Dunkel um diese Tat und auch um das Ziel und den Grund für Sheldons Flucht.

Ein sehr vielschichtiger Roman, bei dem es schwer fällt, ihn einem bestimmten Genre zuzuordnen. Ein bisschen Thriller, ein bisschen politischer und historischer Roman, aber insgesamt ein wirklich lesenswertes, ungewöhnliches Buch. Man erfährt einige Hintergründe, die der Geschichtsunterricht in der Schule nicht vermittelt hat Ohne erhobenen Zeigefinger wird Verständnis geweckt, für Toleranz geworben. Es ist nicht ganz einfach zu lesen, regt zum Nachdenken und Hinterfragen an. Ich liebe solche Bücher!!

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.02.2013
Die Regenbogentruppe
Hirata, Andrea

Die Regenbogentruppe


ausgezeichnet

Der Wert der Bildung
Bildung erlangen um der Bildung willen, Wissen um des Wissens willen - das ist es, was die wenigen Schüler der armen Schule Muhammadiyah im indonesischen Belitung erreichen wollen. Es ist ihnen klar, dass all ihr Lernen ihnen keinen anderen als den vorgezeichneten Weg erschließen kann: Von morgens bis abends harte, körperliche Arbeit mit dem Ziel, das absolute Minimun für den Lebensunterhalt erwirtschaften zu können. Ein Ausbruch aus dem vorgezeichneten Muster ist nicht möglich, da es keine Möglichkeit gibt, nach dem Abschluss an dieser Schule weiterzulernen.

Und trotzdem gehen sie nicht nur mit Begeisterung ans Werk, überwinden immer wieder die schlimmsten Widerstände um zu lernen. Jedes neu erworbene Wissen macht sie reicher, jede überwundene Schwierigkeit schweißt sie fester zusammen. Die Klasse selbst setzt sich aus verschiedenen Charakteren zusammen, die man so ähnlich auch in Deutschland finden könnte: Zwei Hochbegabte, einen unterdurchschnittlich begabten, einen Redner, mehrere Mitläufer mit unterschiedlichen Begabungsschwerpunkten. Zusammengeschweißt durch die Energie ihrer beiden Lehrer, die fest daran glauben, dass Bildung einen Wert hat.

Dieses Buch sollte an deutschen Schulen Pflichtlektüre werden! Hier wird anschaulich erzählt, gegen welche Widerstände sich Kinder in Indonesien einen regelmäßigen Schulbesuch erkämpfen müssen und wollen. Den bitterarmen Familien fällt es schwer, die Kinder zu verlieren, die mit kleineren Arbeiten gelegentlich auch in jungen Jahren schon zum Familienunterhalt beitragen können und müssen. Selbst ohne jegliche schulische Bildung fällt es ihnen auch schwer, den Nutzen zu verstehen. Ein Ende der Schullaufbahn ist abzusehen, denn spätestens bei der Mittelschule wird Schulgeld erhoben und das kann niemand aufbringen. Und trotzdem finden sich zu Beginn des Schuljahres die zehn Kinder, die erforderlich sind, um die Schule vor der Schließung zu bewahren.Weder ein Schulweg von 40 km Länge, noch ein Krokodil auf dem Weg noch eine kaputte Fahrradkette hält die Schüler ab, in der Schule zu erscheinen und sich von der 15jährigen (!) Lehrerin unterrichten zu lassen. Ganz spannend und auch humorvoll geschrieben regt dieses Buch zum Nachdenken an. Obwohl es aussichtlos zu sein scheint, kämpfen diese Kinder um Bildung. Wie ganz anders geht es doch hier zu! Auf diese Art wird ein tieferer Einblick in die indonesische Welt gewährt, als es jeder Reiseführer kann.

Andrea Hirata hat eine ungewöhnliche Lebensgeschichte und auch ein ungewöhnliches Buch geschrieben. Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Mitleid heischen zu wollen, schildert er die Geschichte der Regenbogentrupp, die auch ein Teil seines Lebens ist. Diese Kinder hätten unser Mitleid verdient, wenn es um die äußeren Lebensumstände ginge, denn bittere Armut ist Teil ihres Lebens. Trotzdem steckt darin so viel Lebensfreude, soviel Durchsetzungskraft, dass man durchaus auch Neid empfinden kann. Wie viel wertvoller sind doch Dinge, die man sich erkämpfen muss!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.09.2012
Das Geheimnis der Schwestern
Hannah, Kristin

Das Geheimnis der Schwestern


sehr gut

Liebe und Neid unter Schwestern

Hier findet man wirklich alles, was in einen romantischen und spannenden Schmöker gehört: unerwiderte Liebe, große Gefühle, Neid, Zusammenhalt und obendrein auch noch einen Kriminalfall. Spannend geschrieben, schön zu lesen und, das darf ruhig verraten werden, natürlich ein Happy End.

Drei seht unterschiedliche Schwestern haben sehr früh ihre Mutter verloren und wetteifern um die Liebe des Vaters. Untereinander sind sie sich aber immer eine große Stütze und halten zusammen, bis die Eifersucht zu Problemen führt.
Winona, die älteste, ist intelligent, sachlich und recht hübsch, glaubt das aber nicht, weil sie immer etwas mit ihrem Gewicht zu kämpfen hat. Sie kämpft sehr um die Liebe ihres Vaters, von dem sie sich immer zurückgestoßen fühlt. Es gibt einen Mann, den sie liebt, der sie aber irgendwie als Frau nicht wahrnimmt.
Aurora geht auf in ihrer Ehe und in der Erziehung ihrer Kinder, hat immer ein offenes Ohr für andere und nimmt die Probleme der anderen sehr realistisch wahr. Nur die eigenen Probleme möchte sie nicht wirklich wahrhaben.
Vivi Ann, die jüngste der Schwestern, ist ausgesprochen hübsch, augenscheinlich der Liebling ihres Vaters weil sie Pferde liebt und auch von ihnen geliebt wird. Niemand nimmt sie wirklich ernst, dafür ist sie zu hübsch und zu blond. Bis sie eine wirklich gute Idee hat, mit der die finanziell angeschlagene Farm ihrer Familie wieder erfolgreich bewirtschaftet werden kann.
Das Ganze spielt in einer amerikanischen Kleinstadt, in der man sich kennt, zusammenhält und Vorurteile gegen Fremde und gegen Veränderungen pflegt. Wenn dann ein Mann mit ungewöhnlichem Äußeren, ungewöhnlicher Vergangenheit und unkonventionellem Lebensstil auftaucht, in den sich eine der Schwestern verliebt, kann das nur zu Konflikten führen. Jetzt wird sich zeigen, ob sich die Geschwisterliebe bewährt.
Spannend und mitreißend ist dieses Buch geschrieben, fesselnd von der ersten Seite an. Großer Tiefgang ist hier nicht zu erwarten, dass muss bei diesem Genre aber auch nicht sein.

Bewertung vom 15.07.2012
Dunkle Flammen / Unearthly Bd.1
Hand, Cynthia

Dunkle Flammen / Unearthly Bd.1


sehr gut

Zauberer, Vampire und jetzt Engel

Clara ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, dem alles ein wenig leichter fällt als den anderen. Sie hat einen jüngeren Bruder, die Eltern sind geschieden, alles Durchschnitt. Bis ihr ihre Mutter eröffnet, dass sie zu einem Viertel Engelblut in sich trägt. Die damit verbundenen Fähigkeiten und auch Pflichten zeigen sich nach und nach. Clara ist nicht sehr glücklich mit der Sitauation, denn mit dem normalen Leben ist es vorbei.

Die Familie zieht wegen ihrer Aufgabe aus dem sonnigen Kalifornien ins kalte Wyoming. Zunächst ist niemand sehr glücklich mit der Enrtscheidung, muss man sich doch einen komplett neuen Freundeskreis suchen, ist man der oder die "Neue" an der Schule. Alles ist ein bisschen verkrampft, schließlich weiß Clara jetzt wer sie ist und wen sie beschützen soll und muss vor den neuen Freunden von Anfang an Geheimnisse haben.

Nach und nach erfährt sie immer mehr über sich selbst, hat bald zwei Freundinnen, von denen eine selbst ein Engelblut ist. Zwischen ihr und dem Jungen, den sie glaubt retten zu müssen ist eine ganz besondere Spannung, die nicht so leicht einzuordnen ist. Und dann gibt es da noch den Bruder der Freundin, den sie eigentlich nicht mag. Logisch, dass es nicht nur um Claras Aufgabe gehen kann, denn wenn es Engel und den Himmel gibt, gibt es auch das Gegenteil!

Locker und flüssig, aber auch sehr spannend geschrieben ist dieses Buch. Eher etwas für Jugendliche, aber es spricht durchaus auch die ältere Generation an. Diese Reihe könnte durchaus an Harry Potter und die Twilight Serie heranreichen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht!