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Benutzername: JotJot
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 68 Bewertungen
Bewertung vom 16.05.2017
Jules Welt 1 - Das Glück der handgemachten Dinge
Boos, Marina

Jules Welt 1 - Das Glück der handgemachten Dinge


weniger gut

Trend meets Lovestory

Jolanda oder kurz Jule will sesshaft werden und kauft nach längerem Hin und Her eine alte Dorfgaststätte im Heimatdorf der Oma, in dem sie als Kind selbst schöne Stunden verbracht hat. Der Plan, ein Cafe eröffnen, in dem man auch kreativ sein kann.

Alles könnte so schön sein, doch aus dem Dorf kommt nur wenig Unterstützung, vielmehr wird Jule unterstellt, sie würde den Charme des alten Gemäuers durch ein modernes Schnellrestaurant ruinieren.

So gefällt mir das Buch: Die Hauptfigur Jule will eine Idee umsetzen. Eine, die absolut im Trend liegt und ähnlich schon vielerorts umgesetzt wurde: Ein gemütliches Cafe in altehrwürdigem Gebäude eröffnen und dabei erhaltenswerte Dinge für die Nachwelt erhalten. Aus so einem Plot ließe sich vieles machen. Leider findet die Idee eines Kreativ-Cafes in dem vorliegenden Roman eher wenig Berücksichtigung.

Auch wenn man selbst so eine Idee, ein Cafe eröffnen, noch nicht umgesetzt hat, so ist für den Leser schon nach wenigen Kapiteln klar, Jule ist sehr naiv und die Handlung sehr realitätsfern. Jule geht die Renovierung/Sanierung der alten Gaststätte so ziemlich ohne Plan an. Dass so ein Plan durchaus wichtig ist, wird zwar immer wieder betont, aber es tut sich einfach nichts und erstaunlicherweise fällt Jule trotz Planlosigkeit nicht auf die Nase. Irgendwie findet sich alles, aber es scheint recht unrealistisch, dass sich ohne Plan alles so gut fügt.

Aber auch einige andere Figuren sind nervig. Unter anderem die, die sich immer wieder gutmeinend in Jules Arbeiten einmischen. Jule ist zwar genervt und würde gern auch mal einschreiten, aber es passiert nichts. Schwer vorstellbar, dass so eine Frau mal Chefin wird. Da muss auch einmal anleiten und ein Machtwort sprechen können.

Beworben wird der Roman als Kreativroman. Es stimmt, einige kreative Idee und Anleitungen sind in dem Roman enthalten. Verzeihlich, dass es Mainstream-Ideen sind, so sind die Zutaten zumindest einfach zu besorgen und die Anleitungen können leicht nachgearbeitet werden. Doch die Kreativ-Ideen fügen sich nicht wirklich in die Handlung ein, sie wirken eher eingequetscht. Ein Stück weit als wären sie nachträglich eingearbeitet.

Über die inhaltliche Schwäche kann die liebevolle optische ein wenig hinwegtrösten, ein Hingucker im Regal ist das Buch allemal.

Fazit: So schön, die optische Aufmachung ist, so sehr hapert es am Inhalt. Ein Roman um eine trendige Idee, der eher holprig wirkt.

Bewertung vom 15.05.2017
Zur Hölle mit den guten Sitten!
Brand, Jule

Zur Hölle mit den guten Sitten!


sehr gut

Der Teufel und die drei Wünsche

Das passiert: Katy ist kein Kind von Traurigkeit und so auch nicht völlig abgeneigt einen Deal mit dem Teufel einzugehen. Der verspricht ihr für einen Gefallen die Erfüllung eines Wunsches. Der Gefallen besteht jedoch nicht märchenhaft in der Überlassung der eigenen Seele, sondern Katy soll einen bisher unfehlbaren Menschen in Versuchung führen.

So gefällt mir das Buch: Kerstin Gier hat hier unter dem Pseudonym Jule Brand einen locker-leichten Roman verfasst, der nicht ganz von dieser Welt ist. So spielen Fantasie-Figuren wie der Teufel und Amor eine Rolle. Diese Konstellation verspricht gute Unterhaltung.

Katy ist eine junge Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. So widersteht sie den ersten Angeboten des Teufels ohne große Probleme. Sie ist sich klar darüber, dass ein Bund mit dem Teufel nichts Gutes bringt. Aber auch Katy ist nur ein Mensch. Immerhin verliebt sie sich und wird dann doch blind und schwach. Oder wie lässt sich erklären, dass Katy nicht gleich auffällt, dass Schwarm Frederic nicht wirklich schwul ist? Trotz ihrer kleinen Schwächen und mancher Übertreibungen ist Katy einfach sympathisch.

Frederic ist irgendwie zu lieb (oder besser zu naiv) für diese Welt oder einfach nur weltfremd? Dennoch ist er mit seinem Gutmenschentum ebenfalls recht sympathisch und ganz süß. Katy und Frederic könnten tatsächlich ein ziemlich gutes Team bilden. Ob sie das wohl wirklich werden?

Die Handlung ist zum großen Teil echt witzig, trotz des Teufels und trotz Amor. Es ist eben nicht die typische Geschichte mit einem Teufel. Immerhin lassen sich die Protagonisten nicht einfach auf den Teufel ein, sie stellen eigene Bedingungen und machen es dem Teufel recht schwer. Im letzten Viertel wird es dann doch unübersichtlicher und absolut unglaubwürdig, so mir gefiel die Geschichte nicht mehr so gut. Hier hätte ich mir einen Schluss gewünscht, der wie die bisherige Handlung den Spagat zwischen Realität und Fiktion besser hinbekommt.

Fazit: Nette Geschichte mit Fantasy-Elementen, die jedoch zum Schluss eher die Haare zu Berge stehen lässt.

Bewertung vom 07.05.2017
Amore siciliano
Bronder, Luzie

Amore siciliano


gut

Die ökologische Landwirtschaft in Italien

Das passiert: Alexandra, rebellische Tochter aus gutem Hause, ist Filmemacherin und hat die Chance mit ihrem Freund zusammen bei der Herstellung eines Dokumentarfilms in Sizilien mitzuwirken. Es geht um die Agriturismi, die Bio-Landwirtschaft mit Tourismus kombinieren. Für Öko-Tante Alexandra die Chance beruflich einen Einstieg zu finden und zusammen mit ihrem Freund Italien zu genießen.

So gefällt mir das Buch: Luzie Bronder schreibt aus der Sicht der Alexandra. Dabei ist der Schreibstil locker und lädt stetig zum Weiterlesen ein. Alle Personen sind gut charakterisiert und schnell hatte ich einige Personen recht lieb gewonnen und mochte andere so gar nicht.

Da ist die ziemlich naive Alex, deren Naivität man sicher auch Alex' Alter zuschreiben kann oder eben dem stetigen Bemühen sich von den eigenen Eltern abzunabeln. Zunächst absolut unsympathisch in dem unbedingten Bemühen ihrem Freund zu gefallen. So sieht sie sich selbst als Öko-Fanatikerin, die aber in meinen Augen nur eine Mitläuferin ist, die sich selbst mehr mit der Theorie als der Praxis auseinander gesetzt hat. Zum Glück reift Alex im Laufe des Romans, emanzipiert sich von ihrem Freund und macht ihre eigenen Erfahrungen.

Zwar ist Alex die Hauptfigur, aber es gibt noch einige Nebendarsteller im Roman. Diese sind auch recht gut herausgearbeitet, aber teilweise bleiben diese doch recht flach. Da sind die Gastgeber, alles lebensfrohe Italiener mit ihren kleineren oder größeren Alltagssorgen. Da sind die Ökobauern, die für die Filmaufnahmen interviewt werden. Auch sie mit ihren ganz eigenen Problemen.

Am Ende fügen sich zwar alle Puzzle-Teile zu einem Ganzen, allerdings bleiben für meinen Geschmack einfach zu viele Fragen offen. Da sind einige Geschichten nur angerissen und mich würde schon interessieren, wie es mit Simona oder aber der alleinerziehenden Mutter von 6 Kindern weitergeht, die ihren Bauernhof allein betreibt.

Fazit: Locker-leichte Sommergeschichte mit einigen ernsten Ansätzen, die irgendwie nach einem Abschluss schreit.

Bewertung vom 04.05.2017
Die 64-Dollar-Tomate: Ein Mann riskiert seinen Verstand und sein Vermögen für den perfekten Garten
Alexander, William

Die 64-Dollar-Tomate: Ein Mann riskiert seinen Verstand und sein Vermögen für den perfekten Garten


sehr gut

Die Freuden und Leiden des Hobby-Gärtners

Das passiert: William Alexander hat mit Die 64$ Tomate eine Sammlung von Erlebnissen, die er selbst in seinem Garten erlebt. Vom Anlegen des Gartens, über das Anlegen der ersten Beete und des Obstgartens bis hin zu den immer größer werdenden Ernten, die ja irgendwie verarbeitet werden müssen.

So gefällt mir das Buch: Es handelt sich bei den relativ kurzen Schilderungen, um die Erlebnisse des William Alexander, der in der Mitte seines Lebens die Freuden des Gärtner-Daseins zu entdecken und auszukosten. Er beschreibt ungeschönt und mit einer gehörigen Portion Selbstironie seine Erfahrungen.

Herrlich zu lesen, wie idealistisch William und seine Frau an das Projekt Garten gehen. Aber hat das nicht jeder Neu-Gärtner schon erlebt. Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, natürlich alles ökologisch und biologisch. Nix mit Massenware. Ebenso schön ist es zu lesen, dass auch andere Menschen dieses hehre Vorgehen dank des Eingreifens von Mutter Natur schnell aufgeben. Denn wer wirklich Bio will, der muss dann seine gesamte Freizeit in den Garten investieren.

Spannend ist auch zu lesen, wie drastisch William Alexander in manchen Entscheidungen wird. Ein Tier, das im Garten Früchte stibitzt einfach ertränken? Das ist schon harter Tobak. Einen Elektrozaun, um die geliebten Beete zu schützen. Auch das ist ziemlich heftig. Zum Glück ist da immer ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit am Werke, sodass die Maßnahmen selten erfolgreich sind. Und das muss auch Alexander selbstironisch erkennen.


Fazit: Ein humorvoll geschriebenes Gartenbuch, dass sehr realistisch von den Freuden und Leiden des Hobby-Gärtners berichtet.

Bewertung vom 02.05.2017
Tschick
Herrndorf, Wolfgang

Tschick


ausgezeichnet

Teenie-Roadmovie

Das passiert: Maik Klingenberg ist ein Außenseiter. Die Mutter Alkoholikerin, die immer mal wieder in der Entzugsklinik zu finden ist. Der Vater ursprünglich erfolgreicher Unternehmer, inzwischen weniger erfolgreich und zudem noch mit der Sekretärin liiert. So ist sich Maik oft allein überlassen und verbringt die Ferien mit Tschick, ebenfalls Außenseiter, der jedoch ganz konkrete Pläne hat.

So gefällt mir der Roman: Mit Tschick hat Wolfgang Herrndorf die Erlebnisse zweier Teenies geschildert, der von jeder Altersgruppe gelesen werden kann. Zumindest ich habe den Roman in 24 Stunden verschlungen. Wieso?

Zum einen ist da die Schilderung der Erlebnisse aus Sicht des 14-jährigen Maik. Der kann dem Leser schon leid tun. Er ist in einer zerrütteten Familie aufgewachsen, so ist zumindest der Eindruck des Lesers. Maik jedoch ist in dieses Chaos hinein gewachsen. Klar weiß er, dass da etwas nicht stimmt; man hat jedoch den Eindruck, dass er sich ganz gut mit der familiären Situation arrangiert hat.

Allerdings ist Maik auch ein ziemlich typischer Teenager. In bestimmten Lebensbereichen doch eher verunsichert, beispielsweise was Mädchen angeht. Da erinnerte mich Maik doch sehr an den eigenen Nachwuchs in ähnlichem Alter und so manches Mal musste ich einfach schmunzeln. Herzhaft lachen dagegen musste ich bei der Zusammenstellung des Marschgepäcks der beiden Jungs. Die beiden sind so unerfahren. Dennoch ist es kein hämisches Lachen, denn die beiden haben ein klares Ziel vor Augen und fest davon überzeugt, dass sie es erreichen können. Das macht die beiden Draufgänger sehr sympathisch.

Während der Erlebnisse mit seinem Klassenkameraden Tschick wächst Maik und wird in diesem Sommer erwachsen. Er macht Erfahrungen, die nicht immer positiv sind, aber doch tiefe Einsichten bringen. Und auch wenn man sich nicht wünschen würde, dass die eigenen Kinder auf gleiche Art erwachsen werden, als Leser war mir schnell klar, dass es für Maik der richtige Weg ist.

Der Schreibstil lädt zum Lesen ein und lässt einen kaum mehr los. So habe ich mich einfach an dem Buch festgelesen und konnte es kaum noch aus der Hand legen. Auch wenn die ersten Abschnitte eher nichts mit dem Road Trip zu tun haben und man sich schon so manches Mal fragt, wann es denn nun endlich los geht, so empfand ich diese Einleitung doch auf keinen Fall als langweilig. Sie lässt Maiks und Tschicks Handeln besser verstehen.

Fazit: Eine tolle Story über zwei Teenager, die berührt und trotzdem nie pathetisch wirkt.

Bewertung vom 31.01.2017
Wolfgang muss weg!
Möller, Cathrin

Wolfgang muss weg!


sehr gut

Emanzipations-Roadmovie-Krimi

Annemie ist mit dem deutlich älteren Macho Wolfgang verheiratet. Polizist Wolfgang hat in allen Belangen das Regiment übernommen und Annemie ist zwar unzufrieden, hat sich aber in ihr Leben gefügt. Bis eines Mittwochs im Sommer. Annemie ist mitten im Hausputz als eine Gestalt aus dem Kelleraufgang erscheint, ein Schuss fällt und Wolfgang tot daliegt. Doch was nun? Klar ist nur: Wolfgang muss weg!

So gefällt mir das Buch: Cathrin Moeller hat mit Wolfgang mus weg eine rabenschwarze Krimikomödie verfasst. Im Mittelpunkt stehen drei unterschiedliche Frauen, die sich allesamt auf ihre ganz spezielle Art emanzipieren.

Allen voran Annemie. Zu Anfang braves Weibchen, das mittlerweile keine Entscheidung mehr alleine treffen kann. Schnell ist ihr zwar klar, dass der tote Wolfgang schon aus geruchstechnischen Gründen nicht im Flur liegen bleiben kann. Und auch auf der Arbeit muss Bescheid über ein längeres Ausbleiben gegeben werden, ebenso muss die Schwiegermutter fern gehalten werden. Annemie war mir die sympathischste aller drei Damen, ihre Wandlung war auch die drastischste.

Doch nicht nur Annemie, auch ihre Schwiegermutter muss im Laufe des Romans erkennen, dass ihr lieber Sohn Wolfgang auch sie nur manipuliert hat und nicht der treusorgende Sohn war, der er vorgab zu sein. Sie hat bei mir so manches Mal für belustigtes Erstaunen gesorgt, die Wandlung von der liebenden Mutter zur teilweise emotionslosen Verschwörerin. Und da wäre da noch die taffe Freundin Dörte, bei der man durchaus von mehr Schein als Sein sprechen kann. Das war die einzige der drei Frauen, die für mich unnahbar blieb.

Auch wenn die Wandlung der Frauen absolut unterhaltsam ist, so ist es doch spannend zu verfolgen, wie zunächst zwei der Damen und später alle drei versuchen Wolfgang loszuwerden. Die lockere Schreibe und die aberwitzigen Wendungen sorgten bei mir für manchen Lacher. Ab und an aber auch für Kopfschütteln, weil die Damen mehr als einmal mehr Glück als Verstand hatten. Trotzdem empfand ich die Handlung nie als absolut unglaubwürdig, wer rechnet denn auch mit so abgebrühten Damen?

Fazit: Rabenschwarze Krimikomödie, Roadmovie und eine kurze Geschichte der Emanzipation. Gelungene Unterhaltung.

Bewertung vom 23.01.2017
Ein Rentner kommt selten allein
Jacobi, Ellen

Ein Rentner kommt selten allein


sehr gut

Rentner-Roadmovie

Rentner Hans wurde von seiner Frau verlassen und vegetiert seither in seinem Bett vor sich hin. Weder seine Tochter mit schwer pubertierendem Enkel noch eine Erbschaft in Brandenburg bewegen ihn aus dem Bett. Da muss erst ein Schwips am Abend kommen, um daran etwas zu ändern. Hans und einige andere Personen machen sich auf den Weg nach Brandenburg und erleben dort ganz erstaunliche Dinge.

So gefällt mir das Buch: Wer steht eigentlich im Mittelpunkt dieses Romans? Die Familie Nittenwilm: Das Oberhaupt leidet unter der Trennung von seiner Frau, die für ihn völlig unvermittelt kam. Die Tochter, die hat erkannt, dass Karriere nicht alles ist und endlich auch auf Glück in der Liebe hofft, jedoch enttäuscht wird. Und dann wäre da noch der Enkel, der keine Ahnung hat, wohin sein Weg ihn mal führen soll und der deswegen alles schleifen lässt. Hinzu kommen Opas Freund, den man nicht zurücklassen kann und die Therapeutin Spielvogel, die dafür sorgen will, dass die Familie wieder glücklich wird.

Die unkonventionellen Ansätze der Therapeutin sorgten bei mir besonders auf der Reise nach Brandenburg mehrfach für ein Schmunzeln, aber auch erheitertes Erstaunen. Denn nicht immer läuft es so, wie die Dame es geplant hat. Erstaunlich, wie souverän Frau Spielvogel mit diesen Planänderungen umgeht und erstaunlich auch, wie trotz allem immer alles gut wird, getreu dem Motto: wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht zu Ende.

Angekommen in Brandenburg ist zwar das Familienoberhaupt wieder aus seiner Lethargie erwacht, aber nun gilt es um das Erbe zu kämpfen und auch Tochter und Enkel haben ihre Probleme noch nicht gelöst. So wird die Handlung also in Brandenburg weitergeführt. Dabei treten an einigen Stellen Längen auf, die mich manchmal überlegen ließen, das Buch nicht zu Ende zu lesen. Die Neugier auf die weiteren Erlebnisse der inzwischen so vertrauten Familie brachten mich aber dazu weiterzulesen. Die Belohnung ist ein fulminantes und für mich unerwartetes Ende des Romans. Ja, es ist ein Happy-End, aber kein vorhersehbares.

Fazit: Ein gelungenes Roadmovie und die Findung einer Familie mit kleinen Längen, aber einem gelungenen Finale.

Bewertung vom 16.01.2017
Glück ist, wenn man trotzdem liebt
Hülsmann, Petra

Glück ist, wenn man trotzdem liebt


sehr gut

Liebenswerte Lovestory

Isabelles Leben ist komplett durchgeplant: An jedem Abend eine Aktivität und Mittagessen beim Vietnamesen im Geschäft gegenüber. Doch das betrifft nicht nur den Alltag, sondern auch ihr weiteres Leben: den Laden ihrer Chefin wird sie übernehmen, wenn diese in den Ruhestand geht.

Doch dann kommt alles anders: Der Vietnamese wird geschlossen und ein anderes Restaurant öffnet an gleicher Stelle. Dessen Inhaber und seine jüngere Halbschwester bringen in Isas wohlgeordnetes und geplantes Liebes-Leben gehörig Chaos.

So gefällt mir das Buch: Petra Hülsmann hat mit Isabelle Wagner erneut eine sympathischte Heldin geschaffen, der man gern durch das Buch folgt. Isa ist keine Frau, die perfekt ist. Im Gegenteil, sie ist leicht verspannt, hat klare Vorstellungen, ihr Leben ist bis ins Detail verplant. Auch wenn man als Leser darüber manchmal nur den Kopf schütteln mag, so ist Isa an keiner Stelle unsympathisch. Im Gegenteil, sie tut einem manchmal etwas Leid in ihrer Sturheit. Aber erkennt sich so manch Leser nicht in Isa wieder? Ein Mensch mit vielen tollen Eigenschaften, aber auch Macken.

Dass es bei Isas Verhalten zu unfreiwillig komischen Situationen kommt, wenn es nicht so läuft, wie Isa es plante, ist schon klar. Diese lustigen Situationen machen den Humor des Romans aus. Doch lernt der Leser im Laufe des Romans auch zu verstehen, warum es Isa manchmal so schwer fällt, aus ihren Mustern auszubrechen. Allerdings ist Isa auch bereit sich zu ändern. Das macht diese Figur so liebenswert. Sie beharrt nicht auf ihren alten Verhaltensweisen, sondern ändert sich. Langsam und auch nicht ohne Probleme, aber sie tut etwas.

Und wie es sich für eine Liebesgeschichte gehört, wird Isa voraussichtlich auch für ihren Mut belohnt. Einer Berg- und Talfahrt mit Jens, folgt letzten Endes die Versöhnung, die hoffentlich doch zu einem wirklichen Happy End führt – Stoff für eine Fortsetzung ist auf jeden Fall vorhanden.


Fazit: Sehr schöne Liebesgeschichte mit authentischen Figuren – und genug Stoff für eine Fortsetzung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.01.2017
Wunder - Sieh mich nicht an
Palacio, Raquel J.

Wunder - Sieh mich nicht an


ausgezeichnet

Ein ganz besonderes Kind

August ist 10 Jahre alt und hat noch nie eine Schule besucht. Der Grund ist nicht, dass August geistig nicht in der Lage wäre. Vielmehr ist Augusts Gesicht entstellt. Aus diesem Grund wurde August bisher daheim unterrichtet und nur behutsam in die Welt entlassen. Dies ändert sich, August wird in die Schule gehen und damit beginnt für ihn mehr als nur ein neuer Lebensabschnitt.

So gefällt mir das Buch: Der Roman erzählt die Geschichte des ersten Schuljahres von August aus dessen eigener Sicht, aus der Sicht seiner Schwester Olivia und einiger Freunde, die August in der Schule gewinnt. In allen Erzählungen steht zwar August im Mittelpunkt, doch nicht immer dreht sich alles um diesen so besonderen Jungen.

Ein Junge mit einem entstellten Gesicht, der sehr lange nur mit einem Helm den Schutz der Familienwohnung verlassen hat, der fällt sicher überall auf. Kein Wunder ist es also, dass alle Erzähler viel davon berichten, womit August zu kämpfen hat. Dazu gehören nicht nur merkwürdige Blicke, sondern auch verletzende Reaktionen. Wie ein Kind damit umgeht, davon wird sehr viel berichtet.

Mich hat jedoch mehr berührt, wie das Umfeld von August von dessen körperlicher Versehrtheit betroffen ist. Da ist zum einen Augusts Schwester Olivia. Sie ist die Ältere der Geschwister und muss in vielen Dingen zurück stecken. Je älter sie wird, desto mehr wird Augusts Makel von ihrem schulischen Umfeld auch als ihr eigener betrachtet. Die Einschulung von August führt aber auch dazu, dass weniger Zeit für Olivia und deren Nöte ist.

Augusts Freunde, die versuchen, über Augusts Versehrtheit hinweg sehen wollen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn ist nicht nur das Aussehen. So kann August beispielsweise nicht so essen, wie andere Kinder, er spuckt dabei und ihm fallen immer wieder Krümel aus dem Mund. Auch Augusts Sturheit sind so manches Mal Dinge, die seine Freunde echt nerven.

Trotz allem halten aber alle in größter Not zusammen und August hat es nach einem Jahr in der Schule endlich geschafft, akzeptiert zu werden. Ein tolle Erfahrung für alle Beteiligten und ein Plädoyer für mehr Toleranz an den Leser – egal welchen Alters.

Fazit: Wunder ist ein Jugendbuch, dass aber auch durchaus Erwachsenen die Augen öffnen kann: Oberflächlichkeit, Freundschaft und Mut sind für alle Altersgruppen ein Thema.