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Benutzername: Hedwig
Wohnort: Norderstedt
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Bewertungen

Insgesamt 48 Bewertungen
Bewertung vom 12.01.2011
Die französische Braut
Clark, Clare

Die französische Braut


ausgezeichnet

Im Jahr 1704 werden 23 junge Frauen aus Frankreich in der französischen Kolonie Louisiana angelandet, ausgestattet mit je einer Kiste als Brautgabe und zu dem Zweck in die Kolonie gebracht, sich mit den dortigen Franzosen der Garnison zu verheiraten und in Amerika quasi ein zweites Frankreich zu gründen. Elisabeth Savaret ist eine dieser jungen Frauen und die meisten dieser jungen Damen sind von ihren Eltern, ihrer Verwandtschaft und Gemeinden regelrecht abgeschoben worden. Die Alternative wäre für viele von ihnen entweder das Kloster oder ein ärmlicheres Leben gewesen, weil von Haus aus z.B. nicht für mehrere Töchter eine finanzielle Absicherung dagewesen wäre oder die Damen rein optisch nicht die besten Heiratschancen in Frankreich gehabt hätten. Sie sollen also mit Männern verheiratet werden, die sie vorher nie gesehen haben und eine lebensfähige Kolonnie gründen, wo bisher nur eine Garnison stationiert war.

Die kleine Anzahl Männer in dieser Garnison waren allerdings keine Bauern, hatten keine oder kaum Ahnung von Landwirtschaft und sollten ein Gebiet besiedeln und bewirtschaften, dass die Größe Frankreichs um ein Vielfaches überstieg. Das damalige von den Franzosen beanspruchte Gebiet war weitesgehend unerschlossen und umfasste das heutige Louisiana, Mississippi, Arkansas, Missouri, Illinois, Iowa, Wisconsin, Minnesota und Teile Kanadas.

Das Klima der Sumpflandschaft, in der die Siedlung Mobile lag und das so ganz anders war als das gemäßigte Klima Europas, setzte den Europäern ebenfalls zu.
Der unberechenbare Mississippi mit seinen häufigen Überschwemmungen tat ein Übriges, um die Anzahl der Bevölkerung äusserst niedrig zu halten und im Laufe der Zeit trug die Siedlung Mobile ihren Namen sehr zu Recht, da die komplette kleine Siedlung aufgrund der häufigen Überschwemmungen durch den Fluß mehrmals umziehen mußte.

Vor diesem sehr authentisch beschriebenem Hintergrund begleiten wir nun also in dem Roman vorrangig drei Menschen:
Elisabeth Savaret, eine junge Frau, die bei ihrer Überfahrt nach Amerika noch keineswegs weiss, was sie vom Leben möchte. Sie weiss im Grunde nur, dass sie nicht so werden möchte wie andere junge Frauen ihrer Generation, die ihr allesamt vorkommen wie dumme, kichernde Gänse. Und so ist sie auch sehr überrascht, als der gutaussehende, selbstbewußte und leicht arrogant auftretende Soldat Jean-Claude Babelon ausgerechnet sie zur Frau wählt und versucht, ihm alles besonders recht zu machen.
Babelon wird als Vermittler und Unterhändler bei den Indianerstämmen eingesetzt, soll mit ihnen Handel treiben, für die französische Regierung ausspionieren, was die Engländer treiben und durch geeignete Geschenke verhindern, dass die Indianer sich mit den Engländern gegen die Franzosen verbünden. In Wahrheit ist er selbst aber nur daran interessiert, möglichst gute Geschäfte zu machen und irgendwann reich nach Frankreich zurück zu kehren.

Am dörflichen Leben in Mobile nehmen Babelon und Elisabeth daher aus unterschiedlichen Gründen kaum teil, sondern sich ab und Babelon macht seiner Frau ihrer Ansicht nach sehr häufig klar, dass er auch keine Kinder haben möchte. Diese Konstellation ist zur damaligen Zeit, wo Verhütung noch ein Fremdwort war, nicht ganz ungefährlich. Erschwerend kommt auch noch die Begegnung und spätere Kameradschaft von Babelon und dem jüngeren Auguste hinzu, den man als Junge mit dem Auftrag, als Spion bei einem Indianerstamm zu fungieren, zurückgelassen hatte. Auguste hat nun einen ganz anderen Charakter als Babelon entwickelt und sich im Laufe der Jahre sehr gut im Indianerstamm integriert, allerdings aber auch eine ganz eigenständige Art und Weise entwickelt, in der Neuen Welt zurecht zu kommen.

Als sich Auguste in Elisabeth verliebt und die Charaktereigenschaften von ihr und auch von Babelon vollständig erfasst, steuert ihre Beziehung unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu.

Fazit: ein ungewöhnlich authentischer historischer Roman. Lesenswert.

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Bewertung vom 04.12.2010
Lippels Traum
Maar, Paul

Lippels Traum


ausgezeichnet

Wer seinen Kindern mal wieder ein gutes Buch zum Selber-oder Vorlesen gönnen möchte, sollte es einmal mit "Lippels Traum" von Paul Maar versuchen, dem allseits bekannten Erfinder des "Sams".

Zum Inhalt des in Kapiteln aufgeteilten Buches:

Phillip, kurz Lippel genannt, muß eine Woche ohne seine Eltern zurecht kommen, da seine Mutter andernorts einen Vortrag halten muss, wobei sie vom Vater begleitet wird. Da Lippel zur Schule muss, soll Frau Jakob auf ihn aufpassen, ihn bekochen und allgemein gut für ihn sorgen. Frau Jakob ist allerdings eine stocksteife junge Frau mit irrwitzigen Vorurteilen und vielen irrationalen Ängsten.

Da Lippels Eltern wissen, dass Lippel - außer Sammelpunkte von Joghurtbechern und Milchpackungen zu sammeln (bei 100 Punkten werden spannende Farbbilder versprochen) - gerne vom Orient träumt und liest, schenken sie ihm heimlich noch Schokolade und ein Buch mit den Geschichten aus 1001 Nacht, was ihn über die Abwesenheit seiner Eltern hinwegtrösten soll. Prompt nimmt ihm allerdings bei ihrem ersten kleinen Streit Frau Jakob das Buch weg und Lippel klagt einer freundlichen Nachbarin, Frau Jeschke, sein Leid. Diese rät ihm, die begonnene Geschichte doch einfach im Schlaf weiter zu träumen. Zur gleichen Zeit bekommt Lippels Schulklasse Zuwachs in Form zweier türkischer Schüler, mit denen sich Lippel - sehr zum Missfallen von Frau Jakob - anfreundet und Frau Jeschke läuft ein kleiner Hund zu, der sich Lippel gegenüber sehr zutraulich verhält.

Um der überstrengen Frau Jakob möglichst aus dem Weg zu gehen, befolgt Lippel Frau Jeschkes Rat, geht immer ungewöhnlich früh zu Bett und träumt seine Geschichte tatsächlich weiter. Allerdings kommen in diesem Abenteuer im Morgenland nun auch die beiden neuen türkischen Mitschüler und der Hund als Hauptpersonen vor, den Lippel "Muck" getauft hat und irgendwie auch Frau Jeschke, sein Zeichenlehrer und Frau Jakob - letztere als die böse Tante des Kalifen, die es auf den Herrscherthron abgesehen hat und deswegen die Kinder loswerden will.

Die ganze Geschichte wird also immer wieder vom fortlaufenden Traum Lippels durchzogen, der allmählich selber staunt, wie stark sich die Wirklichkeit mit seinem Traum vermischt.
Mehr soll nicht verraten werden, um den eigenen Lesespass an dieser wirklich tollen Geschichte für 10-11jährige Kinder nicht vorweg zu nehmen, die auch Erwachsenen aus mehreren Gründen gefallen dürfte.

Meine Meinung:

Abgesehen davon, dass dieses, - trotz Verfilmung - nicht ganz so bekannte, Buch sich sehr gut eignet, es mit den Kindern zusammen zu erlesen und auch das eine oder andere darin mit den Kindern zu diskutieren, weil es erheblich mehr Tiefgang hat als die Bücher mit dem vorwitzigen, frechen, immer zu Streichen aufgelegten "Sams", ist Paul Maar der zweite Autor neben Erwin Moser, von dem ich erfuhr, dass er zum Schreiben von Kinderbüchern kam, weil er für die eigenen Kinder einfach damals nichts zum Lesen fand, dass seinen qualitativen Ansprüchen an Literatur für Kinder genügte.
Dafür und dass - wie ich zufällig fand - der Verleger Friedrich Oetinger ihm das Versprechen abnahm, sich bitte nicht irgendwann zu "gut" dafür zu sein, für Kinder und Jugendliche zu schreiben, können wir heute noch dankbar sein, finde ich.

Ein bedenkenlos sehr empfehlenswertes und qualitativ hochwertiges Buch mit viel Inhalt, über den man mit Kindern reden kann.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.11.2010
Der Weihnachtspullover
Beck, Glenn

Der Weihnachtspullover


sehr gut

Das Buch "Der Weihnachtspullover" von Glenn Beck bekam ich vom Verlag Hoffmann und Campe zum Rezensieren, wofür ich mich hiermit herzlich bedanken möchte.

Die Aufmachung des Buches ist sehr schön gestaltet: Hardcover, sehr handliches Format, einladene Covergestaltung und vor jedes Kapitel ist eine hübsche Schwarz-weiß-Zeichnung mit rotem Ornamentrahmen gesetzt, die sich auf den jeweiligen Inhalt des Kapitels bezieht.

Zum Inhalt: Eddie ist zwölf Jahre alt, als seine bislang heile Welt in sich zusammenbricht. Sein Vater, ein Bäcker mit Leib und Seele, der in seinem Beruf völlig aufging und mit viel Herz und Können seine Kundschaft verwöhnte, starb vor Kurzem an Krebs und hinterließ seiner jungen Witwe die schwere Verantwortung, für sich und ihren recht Sohn sorgen zu müssen. Der Junge hatte schon zu Lebzeiten des Vaters nicht mitbekommen, dass seine Familie finanziell nicht auf Rosen gebettet war - der Vater verschenkte seine Backwaren sogar oft an Bedürftigere und beiden Elternteilen gelang es bisher immer, aus der Not mit Witz und Kreativität eine Tugend zu machen. Es war z.B. kein Geld da für Winterstiefel, Eddie bekam Überschuhe aus bunt bedruckten Brottüten, die gebastelt wurden. Nach dem Tod des Haupternährers rackert sich die Mutter nur noch stärker dafür ab, damit es dem Sohn an nichts fehlt.
Dessen Einstellung dazu ist jedoch noch übermäßig stark von pubertärem Egoismus geprägt. Er ist der Ansicht, dass er es sich durch gezieltes Wohlverhalten sehr wohl verdient haben müsse, zum bevorstehenden Weihnachtsfest das ersehnte Fahrrad geschenkt zu bekommen. Dass sich dies seine Mutter gar nicht leisten kann, bekommt er ebenso wenig mit, wie ihre Bemühungen, Eddie das Weihnachtsfest dennoch durch einen liebevoll allabendlich von ihr selbstgestrickten Pullover, der es durchaus mit feiner Konfektionsware aufnehmen kann, zu verschönen.

Eddie, in sein Selbstmitleid völlig verrannt, benimmt sich nicht nur ihr gegenüber verletzend, sondern verdirbt mit seiner schlechten Laune und aufgesetzter Opferrolle auch den Großeltern, die nur durch längere Autofahrt erreicht werden können, um Feste gemeinsam begehen zu können, den Heiligabend. So nimmt das Unheil seinen Lauf und endet nicht nur für Eddie zunächst in einer Katastrophe, die ihn vor eine harte Charakter-Probe stellt.
Mehr soll nicht zum Inhalt verraten werden, um das eigene Erlesen nicht zu schmälern.

Meine Meinung:

Wer eigene Kinder hat und selbst schon einige harte Zeiten erlebt und durchlitten hat, wird diverse Verhaltensweisen wiedererkennen - vielleicht auch sogar erst durch das Lesen des Romans richtig einsortieren können - und erneut bestätigt bekommen, dass der Mensch an sich gegenüber dem Schicksal oder Gott keinerlei Anrecht hat, nach langen harten Zeiten endlich wieder irgendwie "belohnt" zu werden, denn so funktioniert das Leben nun einmal nicht.
Das Resumeé des Romans, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht erkennt, ist mir denn auch manchmal ein wenig zu deutlich herausgearbeitet worden. Ich hätte mir diese Erkenntnis lieber etwas subtiler an mich als Leser herangetragen gewünscht, aber abgesehen davon ist das Buch auf jeden Fall eine Lese-Empfehlung wert - nicht nur zur Weihnachts-(Geschenke)zeit.

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Bewertung vom 28.11.2010
Der blaue Mondstein
Dragt, Tonke

Der blaue Mondstein


ausgezeichnet

Wer sich selbst, seinen Kindern und Enkelkindern einmal wieder etwas richtig Gutes tun möchte und dafür eine spannende und herzerfrischende Fantasie-Geschichte zum Träumen und Vorlesen sucht - was man ja nicht nur in der Adventszeit tun sollte - dem möchte ich "Der blaue Mondstein" von Tonke Dragt empfehlen.
Ich jedenfalls habe so ein wunderschönes Märchen, bei dem man sich unwillkürlich fragt, ob nicht doch irgendeine vergessene Kindheitserinnerung oder gar ein Fünkchen Wahrheit darin verborgen ist, wie in allen alten Legenden, schon lange nicht mehr geniessen dürfen.

Umso mehr freut es mich, nun wieder eines vorstellen zu dürfen:
Als Joost ganz klein war, wollte er fliegen können wie ein Vogel. Seine Großmutter verriet ihm, dass das nur möglich sei, wenn der Mond blau sei und dass das immer etwas Besonderes sei, weil es nicht oft vorkäme.
Joost glaubte seiner Großmutter und erlebte viele zauberhafte Abenteuer, flog mit dem Feuervogel, von dem er eine Zauberfeder bekam, lernte Zauberer und fantastische Orte kennen und holte seiner Großmutter sogar einmal einen echten Stern für ihren Zauberhut vom Himmel. Auch in den geheimen Hallen von Magog, dem schrecklichen König der Unterwelt war er mal gewesen, zusammen mit Pfeil, seinem Kater, der dann zum Tiger wurde. Es geschah eben einfach immer etwas Besonderes, wenn der Mond blau war, genau so, wie seine Großmutter es gesagt hatte.

Als Joost aber älter wurde, hänselten ihn seine Mitschüler, wenn er seine Abenteuer erzählte und glaubten ihm nicht...und irgendwann begann Joost selbst daran zu zweifeln, dass er all seine Abenteuer auch erlebt haben soll. Es hört ihm sowieso nur noch die Gretel zu, wenn er seine Geschichten erzählt. Er möchte, dass seine Großmutter, mit der er allein im Wald lebt, nicht mehr als Hexe verlacht wird, möchte von den anderen Kindern akzeptiert werden, mit ihnen befi-eundet sein, dazu gehören, nicht mehr einsam sein und auch das Spiel mitspielen, dass die Mädchen gerade wieder auf dem Schulhof begonnen haben zu spielen...ein Spiel von Magog, der diejenigen in die Unterwelt zu locken versucht, die auf seine Lockungen hören und besitzen wollen, was er ihnen verspricht.

Und eines Tages erscheint er wirklich während des Spieles der Kinder und verspricht Joost einen blauen Mondstein, wenn er ihm in die Unterwelt folgen kann und sich den Stein selber holt.
Damit beginnt ein herrliches, traumhaftes und spannendes Märchen, das vollgepackt ist mit Rätseln und Abenteuern, die es zu bestehen gilt. Verfluchte Prinzen müssen gerettet, zauberkundige Prinzessinnen befreit, fantastische Orte entdeckt, Gefahren überwunden und die eigenen Fähigkeiten klug genutzt werden.
Und dieses Märchen ist außerdem eine Geschichte von Liebe, Zusammenhalt und Freundschaft, ohne die man gegen die grausamen Zauberkräfte des hinterlistigen Königs der Unterwelt nicht ankäme. Denn, wie sein Bruder, der König des Meeres sagt: "Grausam und hart darf man sein. So ist halt die Natur. Aber nicht gemein!"

Mit diesem schmalen, aber prall gefüllten Buch hat Tonke Dragt erneut ein Beispiel ihrer wunderbaren, unglaublich dichten phantasiereichen Erzählkunst geliefert, die für Jung und Alt geeignet ist und die für jeden etwas Besonderes bereithält...wenn der Mond blau wird.

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Bewertung vom 27.11.2010
Die Reise des Elefanten
Saramago, José

Die Reise des Elefanten


sehr gut

Vom Hoffmann und Campe Verlag bekam ich freundlicherweise zum Rezensieren das Buch „Die Reise des Elefanten“ des leider schon verstorbenen Autors José Saramago, wofür ich mich zunächst herzlich bedanken möchte.
Das Buch erzählt eine wahre Begebenheit aus dem Jahre 1551 auf ganz besondere Weise.
König Johann von Portugal kommt zusammen mit seiner Gattin auf die Idee, den seit zwei Jahren recht nutzlos an seinem Hof lebenden indischen Elefanten samt dessen Mahout Subhro dem Erzherzog Maximilian von Österreich zur Hochzeit zu schenken. Für manche Dinge, die sich am Hofe durch Eroberungszüge so ansammelten, hat man halt keine rechte Verwendung.
Diese Idee, kaum öffentlich und vermeintlich großmütig verkündet und mit dem Hintergedanken, sich selbst in dieser Weise zu profilieren, sprich einzuschmeicheln, birgt jedoch einige Komplikationen: Zu allererst muß der Erzherzog gefragt werden, ob dieser dieses Geschenk überhaupt haben möchte und als eine positive Antwort eintrudelt, muss das Ganze ja auch organisiert werden.
Einen lebenden Elefanten kann man schließlich schlecht einpacken und, mit einer rosa Schleife versehen, auf den Gabentisch legen. Ergo wird eine Expedition, samt gut gefülltem Ochsenkarren für das leibliche Wohl des Tieres plus Arbeitern, die die Versorgung auf der Reise sicherstellen sollen, zusammengestellt und mit einigen Militärs zur Bewachung gegen Wölfe, Strauchdiebe etc. ausgestattet. Die Reise geht von Lissabon quer durch halb Europa bis nach Wien und wird dem Leser vom Autor in Form eines allwissenden, manchmal zu feiner Ironie neigenden, Erzählers in moderner Form nahegebracht. Es fehlt jede wörtliche Rede und der Erzähler fliegt förmlich aus den gerade noch wiedergegeben intimsten Gedanken eines Protagonisten zu einem Gespräch zwischen z. B. dem sehr pragmatisch eingestellten Mahut, der die Gewohnheiten des sehr gelassen alles über sich ergehen lassenden Elefanten genau kennt, dem Kommandanten, der für eine würdevoll und dem Protokoll entsprechenden Übergabe des Geschenks zu sorgen hat und solchen Nebenfiguren wie den Wölfen, die zu satt gefressen sind, um den Elefanten als mögliche Nahrungsquelle anzusehen, hin und her.
Mir entlockte es des Öfteren ein Schmunzeln, wie Saramago schildert, dass der Elefant seitens der Geistlichkeit um die eigens angefertigte Satteldecke beneidet wurde, die, ob ihres prächtigen Aussehens, viel eher als würdiger Baldachin für den eigenen öffentlichen Auftritt begehrt worden wäre. Oder, dass, obwohl zuvor vom Mahut darauf hingewiesen, der Elefant in der Karawane zunächst vor der Kutsche des Erzherzogs plaziert wurde, was dann schnell korrigiert wurde, als man sich der natürlichen Ausscheidungen, die so ein Tier täglich von sich gibt, bewußt wurde.
Mehr möchte ich nicht vorweg nehmen, um die Lesefreude für andere nicht zu schmälern und der Eigeninterpretation so noch genügend Raum zu lassen.
Insgesamt gesehen mag diese Geschichte nicht jeden ansprechen und auch kein literarisches Werk von überragender Bedeutung sein, aber ich denke, es hat dem Autor Spaß gemacht, sie mit einem Augenzwinkern zu erzählen und mir hat es Freude gemacht, sie zu lesen.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.11.2010
Die Zeit der Sieben / Thondras Kinder Bd.1
Roberts, Aileen P.

Die Zeit der Sieben / Thondras Kinder Bd.1


gut

Zum Inhalt:

Thondra sandte einst 7 Kinder in die Welt, um das Böse endlich entgültig zu besiegen. Nach einer recht erfolgreichen Schlacht in grauer Vorzeit, die allerdings noch nicht zum erhofften Ziel führte, wurden die Sieben immer mal wiedergeboren, wenn das Böse drohte, überhand zu nehmen. Jedoch gab es immer wieder Verrat unter ihnen, sodass ihr Ziel bis jetzt noch nicht erreicht wurde.
Nun ist wieder einmal die Zeit der Wiedergeburt der Sieben gekommen, obwohl nur noch sehr wenige Lebewesen in der Welt von den alten Legenden wissen und noch weniger daran glauben.
Einer davon ist König Scurr im Norden des Landes, dessen Macht auf Brutalität und Unterdrückung beruht. Im Süden dagegen herrscht König Greedeon, der zwei Zauberer zur Seite hat. Auch dieser König weiß um die Legende und beide versuchen der Sieben schon als Kinder habhaft zu werden, um sie jeweils auf ihre Seite zu ziehen - im Grunde tun sie das aber nur, wie im Laufe des Romans klar wird, um die eigene Macht zu zementieren.
Die Menschen an sich kommen denn auch generell in dem ganzen Roman ziemlich schlecht weg. Habsucht und Größenwahn gepaart mit der Moral, dass jedes Mittel recht ist, um die eigenen Ziele zu erreichen, herrschen vor und die Sieben haben verständlicherweise als Jugendliche noch ziemliche Probleme, wem sie überhaupt vertrauen können und werden des Öfteren in ein Gefühlschaos geworfen.

Es geht denn auch in diesem ersten Band mehr um diese Beziehungen untereinander, vorrangig der beiden Protagonisten Rijana und Ariac, um Freundschaft, Liebe und Ehrbegriffe, die mir manchmal ein wenig zu deutlich von der Autorin vorgegeben wurden. Ich selbst bemerke solche Dinge als Leser lieber aufgrund der Handlungen der Figuren selbst und ziehe daraus meine eigenen Schlußfolgerungen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass andere Leser sich dadurch mehr mit den Hauptfiguren identifizieren können.
Mein zweiter Kritikpunkt wäre, dass mir durch dieses Setzen des Fokus die anderen Völker wie Zwergen, Elfen, Nymphen etc. ein wenig zu sehr im Hintergrund landeten und zu kurz abgehandelt wurden, auch manche Lösungen waren mir etwas zu abrupt und offensichtlich konstruiert. Ich hoffe daher sehr, dass man im zweiten Band an sich mehr erfährt. Das Ende des ersten Bandes deutet jedenfalls darauf hin, dass der Leser sich im zweiten Band darauf freuen darf, tiefere Einblicke in die vielen Bevölkerungsgruppen der Welt, mehr Kontakt mit den Fantasy-Gestalten und deren Fähigkeiten zu erhalten.

Meine Meinung:

Als Beginn einer Fantasy-Reihe und Vorstellung einer fantastischen Welt gut und flott zu lesen, mit eindeutigem Schwerpunkt auf der Gefühlssituation junger Heranwachsender.
Das Buch "Thondras Kinder, Band 1 - Die Zeit der Sieben" von Aileen P. Roberts habe ich in Form einer Leserunde geniessen dürfen, was ja immer noch einmal ein anderes Leseerlebnis ist, als wenn man alleine liest. Die Autorin hat meiner Meinung nach ein hohes Potential zum Schreiben gut erdachter, durchgehend spannender Geschichten, die eine gelungene Mischung aus nordischen Sagen und Mythen und einem Fantasyroman für junge Leser/innen darstellen, in sich stimmig sind und den Leser auch nicht loslassen, bevor man den Roman durchgelesen hat. Und ich bin mir sicher, dass diese Autorin in Zukunft noch von sich reden und lesen macht.
Auf jeden Fall habe ich sie als freundlichen, interessierten und kritikoffenen Menschen kennengelernt, mit dem es Freude macht, über Geschichten zu diskutieren.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.11.2010
Das Buch der verlorenen Dinge
Connolly, John

Das Buch der verlorenen Dinge


schlecht

Ehrlich gesagt, ich habe das Buch jetzt abgebrochen, nachdem ich bis zur Hälfte gekommen war, den Rest habe ich nur noch fix quergelesen und werde nun die wirklich 2. Negativ-Rezi meines Leselebens verfassen!

Das Buch ist einfach eine Zumutung - vor allen Dingen schon deswegen, weil es - vom Buchcover her - wie ein Fantasy-Roman daherkommt und vom Verlag ursprünglich für Kinder ab 10 Jahren gedacht war.

Es ist sicher eine Tatsache, dass es Brutalität in der Welt gibt, dass Kinder durch den (Krebs-)Tod ihrer Mutter traumatisiert und zu Ekelpaketen werden oder sich in eine ganz eigene Fantasiewelt zurückziehen.

Sicher ist es auch eine Tatsache, dass für manche gestörte Seelen Homosexualität etwas Abartiges ist, dass es psychisch kranke Menschen gibt, die entweder gar nichts fühlen, wenn sie anderen Gewalt zufügen, oder sogar irgendwelche Lustmomente daraus ziehen.

Aber ich persönlich weigere mich, mir das Geseiere und eine dermaßen schlechte Provokation in Form eines Buches selber anzutun und möchte das auch ganz sicher nicht an Kinder verschenkt wissen!

Ich mochte schon Stephen Kings Bücher nicht mehr lesen, nachdem ich selbst mal ein Interview mit ihm sah, wo er sich brüstete, dass er doch prima aus der Veröffentlichung seiner eigenen Albträume Kapital geschlagen habe...und die Leser selbst Schuld seien, wenn sie dafür Geld ausgäben.

Allerdings! Das sehe ich genau so.

Möchte noch hinzufügen, dass ich tiefsten Respekt vor Menschen habe, die sich beruflich mit psychisch kranken, verhaltensgestörten Menschen auseinandersetzen müssen und zutiefst dankbar, dass ich das nicht muss.

Und "Das Buch der verlorenen Dinge" gehört für mich in die ganz persönliche Ecke der "Muss-ich-echt-nicht-haben-solchen- Psycho-Schmarrn", mit dem ich mich nicht befassen kann und schon gar nicht muss!

2 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.11.2010
Alabama Moon
Key, Watt

Alabama Moon


ausgezeichnet

Das 2006 erschienene Buch "Alabama Moon" von Watt Key gilt als eines der sieben besten Bücher für junge Leser und wird demnächst als Verfilmung in den Kinos anlaufen.

Zum Inhalt des Romans:

Der zehnjährige Moon Blake lebt mit seinem Vater in einer Erdhöhle in den Wäldern Alabamas. Als sein Vater traumatisiert aus dem Vietnamkrieg zurückkehrt, steigt er mit Frau und zweijährigem Kind aus der Gesellschaft aus und lebt seither als Selbstversorger im Wald. Lediglich ab und zu verkaufen sie Felle oder selbstgezogenes Gemüse, um sich vereinzelt Waren zu kaufen, die sie nicht selbst herstellen können. Selbst der Tod seiner Frau stimmt den Vater nicht um, sondern er gibt seine Philosophie an seinen Sohn weiter. Als der Vater an den Folgen eines Unfalls - nicht behandelte Infektion bei einem gebrochenem Bein - schwer erkrankt und im Sterben liegt, nimmt er Moon das Versprechen ab, aus der Zivilisation, die dem Waldstück, in dem sie sich versteckt hielten, allmählich immer näher rückt, in die noch größere Einsamkeit Alaskas zu fliehen, falls er sterben sollte.

Zunächst kennt Moon kein anderes Ziel als dem letzten Wunsch seines Vaters, der ihm das Überleben in der Wildnis beigebracht hat und ihm immer wieder eintrichterte, dass er nichts und niemanden zu fürchten bräuchte, nachzukommen. Doch seine Reise findet erst einmal durch den sadistisch veranlagten, größenwahnsinnigen Polizisten Sanders ein jähes Ende und er landet im Erziehungsheim für Jugendliche.
Dort fühlt sich Moon allerdings völlig beengt. Ihm fehlt die Freiheit und das eigenständige Leben unter freiem Himmel und es gelingt ihm, mit einigen anderen Jungen auszubrechen. Zwei Jungen wollen sich ihm sogar auf seiner Flucht nach Alaska anschließen, der um einiges ältere Hal und Kit, der allerdings regelmäßig seine Medizin bräuchte.

Obwohl Sanders immer noch wie ein tollwütiger Bluthund hinter ihnen her ist, erleben die drei eine recht unbeschwerte Zeit in den Wäldern, wo Moon ihnen alles beizubringen versucht, was er selbst weiß - was nicht gerade wenig ist. Aber natürlich ziehen doch allmählich düstere Wolken auf, doch von dieser spannenden Geschichte soll nicht mehr von mir verraten werden, um den eigenen Lesegenuss nicht zu schmälern.

Meine Meinung:

Zwar ist dieser Entwicklungsroman für Jugendliche und junge Erwachsene geschrieben worden, dürfte aber mit seinem guten Spannungsbogen und der ungeheuren Detailverliebtheit der Schilderung des Überlebens in der Wildnis auch viele Erwachsene ansprechen und nachdenklich machen, wieviel von unserer modernen, durchorganisierten Gesellschaft man eigentlich braucht, was das wirklich Wichtige im eigenen Leben ist und wo die eigene Freiheit begründet ist.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.