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Benutzername: M.M.
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Bewertungen

Insgesamt 49 Bewertungen
Bewertung vom 31.03.2019
Die verborgenen Stimmen der Bücher, 1 MP3-CD
Collins, Bridget

Die verborgenen Stimmen der Bücher, 1 MP3-CD


ausgezeichnet

Wer hätte sich nicht schon einmal gewünscht, schlimme Erlebnisse, schmerzhafte Erfahrung hinter sich zu lassen, vergessen zu können? In dem vorliegenden Hörbuch "Die verborgenen Stimmen der Bücher" wird dies wahr - mit all seinen Folgen.

Emmett Farmer lebt und arbeitet auf dem Hof seiner Eltern. Seit Monaten ist er kränklich, fällt in Ohnmacht und hat Fieberschübe. Der Beginn dieser Krankheit liegt für ihn in einem dichten Nebel. Die Familie ist ratlos, der Vater ungehalten. Ein Brief der Buchbinderin Seredith, dass sie Emmett als Lehrling haben will gibt seinem Leben eine Wende. Abgeschoben fühlt sich Emmett, als er vom Vater gezwungen wird die Lehrstelle bei der "Hexe" wie man diese Buchbinder nennt, anzunehmen. Mit der Pferdekutsche wird er dorthin gebracht.

Doch die Ausbildung entpuppt sich für ihn als Glücksfall. Seredith hat einen Namen für seine Krankheit: Buchbinderfieber. Emmett darf zwar an Leder üben, doch das Binden bleibt ihm verborgen. Was hat es mit den verschlossenen Zimmern auf sich? Mit den Unglücklichen, die zu Seredith kommen, in diese Zimmern eintreten, um sie später als befreite Menschen zu verlassen? Wer ist Lucien Darney, dieser verstörte junge Mann mit dem bleichen Gesicht und schwarzen, schattenumrandeten Augen, der Emmett so intensiv betrachtet?

Emmett erfährt, was es mit dem "Binden" auf sich hat. Menschen können ihre Erlebnisse von Buchbindern wie Seredith in spezielle Bücher binden lassen und dabei ihre unerträgliche Vergangenheit vergessen. Fühlen sich danach wie ein unbeschriebenes Blatt, frei von quälenden Gedanken. Doch was ist schlimmer, sich zu erinnern oder weiße Flecken im Lebenslauf?

Der Roman macht eine Rolle rückwärts. Wir sind wieder auf dem Bauernhof von Emmetts Eltern. Seine Schwester Alta lässt sich in ein Gewässer fallen, nur um von dem schönen und reichen Adligen Lucien Darney gerettet zu werden. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Sie ist hin und weg vor Liebe. Emmett fühlt sich als großer Bruder, der seine Schwester vor den sexuellen Wünschen eines gelangweilten Adligen glaubt schützen zu müssen. Trotzdem, Lucien ist nun fast täglich Gast auf dem Hof, wo er so gar nicht hinpasst. Höflich und wie ein großer Bruder zu Alta. Hilft bei der Hofarbeit, steht dabei im Weg, ist liebenswürdig und allgegenwärtig. Gehört irgendwann dazu. Man kann nicht anders als ihn zu mögen und fragt sich, welches dicke Ende da noch kommen mag.

Der Hörer erlebt eine der romantischsten Liebeswerbungen, die man sich denken kann. Ohne die Hast moderner Liebesromane, bei denen alles sofort sein muss. Die Liebe entwickelt sich langsam, voller Geduld, abwartend, werbend, zärtliche Blicke und liebevolles Lächeln. Romantik pur. Annäherung. Der erste Kuss....Umarmung....

Doch wir tauchen auch ein in eine hässliche, graue Welt. Werden mit einem adligen Vater konfrontiert, der seinen Sohn zutiefst verachtet, quält, seinem Sohn droht, ihn auf ewig hinter den Mauern einer Irrenanstalt verschwinden zu lassen, falls er sich nicht beugt. Gewalt pur, ohne Reue. Sexuelle Gewalt gegen Bedienstete. Einer Mutter, die ihre Augen vor den Qualen ihres Sohnes verschließt, der irgendwann weiß, auch gebunden worden zu sein. Was war für ihn so unerträglich? Bin ich wie mein Vater, fragt sich Lucien Darney entsetzt. Womöglich ein Vergewaltiger, ein Mörder? Angst vor der Wahrheit.

Die menschliche Seele kann voller Zärtlichkeit und Liebe, aber auch voller Hass und der Freude an der Zerstörung sein. Wir erleben in diesem Hörbuch die ganze Bandbreite.

Ich stehe weder sonderlich auf Fantasy noch historische Romane. Doch von diesem Werk war ich total fasziniert, teilweise zutiefst verzaubert. Da spielt eher Myst

Bewertung vom 23.03.2019
Stell dir vor, du wärst...ein Tier im Wald
Oftring, Bärbel

Stell dir vor, du wärst...ein Tier im Wald


ausgezeichnet

Als ich das Buch „Stell dir vor, du wärst... ein Tier im Wald“ von Bärbel Oftring in Händen hielt, war mein spontaner Eindruck, ‚was für ein faszinierendes Kinderbuch‘. Es fängt schon mit dem ansprechenden Cover an. Da prangt das Foto eines Waldes. Doch das wäre ja nichts Besonderes, hätte man nicht eine Illustration, bestehend aus einem großen Laubbaum, darunter ein Dachs, eine Wildschweinmama mit gestreiftem Frischling, einem Specht und eine Baumhöhle aus der die Augen einer Eule neugierig blicken, in den Vordergrund platziert. Diese Mischung aus Mattdruck und Hochglanz ergibt eine gute Mischung. Im Buchladen hätte ich ganz spontan danach gegriffen.

Der Inhalt des Buches ist allerliebst. Da wird man als Erwachsener wieder zum Kind und hat seine Freude beim Lesen. Auch da wieder diese Mischung aus Foto und Illustration. Jedes Tier wird einzeln vorgestellt.

Nehmen wir als Beispiel den Fuchs: Zuerst kommt eine allgemeine Vorstellung dieses nachtaktiven Tieres. Dass sich auch hier Fotos und Illustrationen ergänzen, versteht sich von selbst. „Die nächtliche Tour durchs Revier“ ist zeitlich genau aufgelistet, mit allem was der Fuchs in diesen Stunden erlebt. Vom Fressen über das spätere Markieren mit Urin und Kot. In Gedanken kann man dem Fuchs auf seinen nächtlichen Streifzügen folgen. In dem Kästchen „Das bist du“ Wird der heimische Fuchs mit Körperlänge, Gewicht, Alter, Auffälligkeiten, die Geschwindigkeit die er erreichen kann und am Ende die Tragezeit und Geburt vorgestellt. Weiter geht es mit „Dein Wohnort“ „Deine Familie“ „Von morgens bis abends“, „Seine Lieblingsspeisen“, „Waschen“, der „Klo“ darf natürlich auch nicht fehlen und dann deine „Superkräfte“. Die sind ganz wichtig. Immerhin gibt es auch Feinde.

Das Inhaltverzeichnis zu Beginn des Buches erleichtert die Suche nach einem bestimmten Tier. Am Ende ein Glossar, das den Kindern schwierige Wörter einfach erklärt, damit sie auch ohne Hilfe Erwachsener dieses wunderschöne Werk lesen können.

Doch mein Tipp an die Erwachsenen ist, dieses Buch den Kindern vorzulesen, denn ich weiß nicht wer mehr Freude daran hat – die Kleinen oder die Großen. Dabei bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, Kindergarten- als auch Grundschulkindern anhand dieses Kinder-Sachbuches (oder ist es doch ein Bilderbuch?) die Tiere in unserem Wald nahe zu bringen.Vielleicht begegnet man beim nächsten Spaziergang einem Reh oder Hasen und kann anschließend gemeinsam in dem Buch nachschlagen.

Ich habe mich jedenfalls auf Anhieb in dieses Buch verliebt. Deshalb gibt es von mir auch eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 13.03.2019
Gott spielt in meinem Leben keine Rolle - er ist der Regisseur
Prean-Bruni, Maria Luise

Gott spielt in meinem Leben keine Rolle - er ist der Regisseur


ausgezeichnet

In dem Buch "Gott spielt in meinem Leben keine Rolle - er ist der Regisseur" über Maria LuisePrean-Bruni, lernt der Leser eine außergewöhnliche Frau kennen.

Würde ich rein nach dem Cover schließen, dann würde ich vermuten dies ist ein Buch über eine reiche Lady des englischen Adels, natürlich auf der Sonnenseite des Lebens, die sich auf den Weg zu ihren Bridge-Damen macht um bei einem Gläschen Portwein mit ihnen einen netten Nachmittag zu verbringen.

Ich weiß, das ist der total falsche Schluss. Jedoch ist dies, was mir beim ersten Blick auf das Cover ganz spontan durch den Kopf ging. Es ist diese Ausstrahlung, ihre Sache im Leben gut gemacht zu haben.

Dabei ist es zu Beginn ihres Lebens gar nicht so sicher, in welche Richtung der Weg von Maria Luise Prean-Bruni gehen würde. Zuerst musste sie diesen schrecklichen Krieg überleben. An ihre Mutter geschmiegt verbrachte sie Bombennächte im schützenden Bunker. Diese Todesängste können wir uns heute, die wir nie einen Krieg erlebt haben, gar nicht vorstellen. Schon in dieser Beschreibung zeigt sich das enorme Gottvertrauen, das die Familie auszeichnet. Dieses Gottvertrauen wird auch belohnt. Keiner von ihnen verliert im Bombenhagel sein Leben. Sogar der Vater kommt wieder aus dem Krieg heil zu seiner Familie nach Hause zurück. Ihr Verhältnis zum Vater ist schwierig. Sie schreibt, sie sei vom Vater abgelehnt und so in die Hände Gottes getrieben worden. Er war da um sie aufzufangen.

Maria Luise erhält eine gute Ausbildung, arbeitet als Lehrerin und könnte das ganz normales Leben einer Frau der damaligen Zeit mit Mann und Kindern leben. Doch es ist als spüre sie, "das ist nicht MEINS". Für eine begrenzte Zeit übersiedelt sie in die USA und daraus werden viele Jahre. Diese Zeit in den USA schlägt sich auch in ihrem Erzählstil nieder. Es ist eine sehr amerikanische Art zu schreiben.

MIch faszinierten ihre Zwiegespräche mit Gott. Dieses bedingungslose Vertrauen das sie aufbringt, ihr Leben in seinem Sinn zu führen. Selbst wenn der Verstand signalisiert, "das kann nicht funktionieren", bleibt sie unbeirrt auf dem Weg, den sie von Gott vorgegeben bekommt. Und am Ende fügt es sich.

Erst mit 50 Jahren heiratet sie. Wie man lesen kann, war es eine späte und sehr glückliche Ehe. Leider war sie nur von kurzer Dauer. Nach wenigen Jahren wurde sie Witwe. Doch Maria Luise fällt nicht in eine Depression. Es ist, als habe sie noch mehr Kraft für ihr Lebenswerk bekommen. In einem Alter in dem andere Menschen in Rente gehen und zwei Gänge zurück schalten, dreht sie erst richtig auf. Seite 165, Vision for Africa. In Ruanda gründet sie ein Missionswerk, adoptiert Kinder, die ohne ihre Hilfe nur geringe Chancen im Leben hätten. Gibt ihnen eine Ausbildung. Immer wieder kreuzen im richtigen Moment Menschen ihr Leben die ihr helfen, dieses Missionswerk am Laufen zu halten. Sei es durch finanzielle Unterstützung oder seien es Ärzte, die kostenlose medizinische Hilfe leisten. In dem großen Bildteil werden auch mehrere ihrer Unterstützer vorgestellt.

Dass es sich um ein christliches Buch handelt, versteht sich im Grunde von selbst. Als Leser dieser Biographie sollte man dieser Art Literatur etwas abgewinnen können. Es geht immer um Nächstenliebe und den Anderen lieben wie sich selbst. Verzeihen können, was im Grund unverzeihlich ist - wie sie es bei einem jungen Mann tat, der Reue zeigte.

Von den Gebetsstätten in Imst habe ich schon viel gehört. War aber noch nie dort. Dieses Buch hat mich neugierig gemacht.

Dies ist kein alltägliches Buch. Wer nicht an Gott glaubt, der wird sich wohl schwer tun, die Gedanken von Maria Luise zu verstehen. Wie schon zuvor gesagt, ihr Leben ist ein stetiges Gottvertrauen.

Dafür gebe ich gerne eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 06.03.2019
Die Glocke im See (Ungekürzt) (MP3-Download)
Mytting, Lars

Die Glocke im See (Ungekürzt) (MP3-Download)


ausgezeichnet

Das vorliegende Hörbuch "Die Glocken im See" von Lars Mytting ist durchdrungen von nordischer Mystik, die dem Hörbuch etwas Geheimnisvolles verleiht.

Wir befinden uns gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Butangen, einem kleinen Ort in Norwegen und abgeschieden vom Rest der Welt. Die meisten Menschen leben von dem, was sie in der Landwirtschaft erarbeiten und sind genügsam. Hunger ist in den langen Wintermonaten fast täglicher Begleiter.

Wer jemals durch Norwegen gereist ist, dem sind sowohl die Fjorde für ewig in Erinnerung, als auch das Fjell - ein meist karges Hochland und nahezu unbewohnt. Noch heute überziehen mehrere Gletscher das Land und reichen mitunter bis fast ins Tal. Eine unwirtliche, raue Landschaft voller Schönheit. Sind heute die einzelnen Täler durch kilometerlange Tunnels verbunden, mussten die Menschen in früheren Jahren hohe Berge überwinden, wollten sie in ein anderes Tal gelangen. Überall im Land gab es jahrhundertealte Stabkirchen, die jedoch abgerissen wurden, weil etwas Modernes her sollte. Viele Menschen erkannten deren düstere Schönheit nicht. Dass es sich bei diesen Kirchen um außergwöhnliche Bauwerke handelte, dessen war sich kaum jemand bewusst. Vor diesem Hintergrund spielt der Roman. Dem Autor gelang es, all diese Besonderheiten Norwegens in dieses Buch zu packen und dem Hörer so nahe zu bringen, dass einen beim Hören eine gewisse Sehnsucht nach diesem Flecken Erde packt.

Doch nun zur Handlung: Neu in dem Ort ist der junge Pfarrer - Kai Schweigaard. Schon nach kurzer Zeit hat er entschieden, die alte Stabkirche ist für den Ort zu klein. Auch ihm fehlt der Blick für dieses Kleinod. Es muss eine neu, moderne Kirche her und so leitet er alles Notwendige in die Wege. Jung und ungestüm ist er. Was es mit den mystischen Schwesternglocken auf sich hat die immer dann von selbst läuten, wenn ein Unglück bevorsteht, interessiert ihn recht wenig. Die Bewohner werden nicht groß gefragt was sie wollen. Ehe sie richtig begreifen was ihnen geschieht, ist der "Architekt" Gerhard Schönauer aus Deutschland auch schon angekommen. Die Stabkirche wird von ihm genau vermessen und jedes noch so kleine Detail in seinen Unterlagen vermerkt und gezeichnet, damit später in Dresden, wohin die Kirche verkauft wird, ohne Probleme der Aufbau durchgeführt werden kann. Kaum hat Gerhard Schönauer alles skizziert, wird die Kirche auch schon abgebaut.

Und da ist Astrid, die intelligente junge Frau, die auf keinen Fall dieses vorgezeichnete und trostlose Leben der Frauen in dieser Abgeschiedenheit Norwegens teilen will. Ist sie anfangs dem Pfarrer zugetan, wendet sie sich jedoch von ihm ab als sie erkennen muss, dass weder die Legende der Schwesternglocken Gunhild und Halfried, noch die Stabkirche samt Tradition ihm etwas bedeuten. Dagegen fühlt sie sich von Gerhard Schönauer angezogen, weil er all das sieht und auch zu Papier bringt, was Kai verborgen bleibt.

Astrid, Kai und Gerhard sind alle Kinder ihrer Zeit. Der Pfarrer war zwar eine Respektsperson. Sein Wort hatte Gewicht. Doch ansonsten waren die Menschen obrigkeitshörig. Und in diesem Roman bedeutet das, dem Willen der Professoren oder auch Ärzten ausgeliefert zu sein. Mehr will ich über die Handlung nicht preisgeben.

Die ersten Tracks hörte ich mehrmals, damit ich die handelnden Personen, als auch den damaligen Zeitgeist in allen Facetten erfassen konnte. Doch was wäre eine gute Hörbuch-Vorlage ohne großartige Specherin (Beate Rysopp). Da es sich um eine Familien-Saga handelt, bin ich neugierig auf die Fortsetzung.

Für mich war es jedenfalls ein ganz besonderer Hörgenuss.

Bewertung vom 06.02.2019
Die Weisheit der Wölfe
Radinger, Elli H.

Die Weisheit der Wölfe


ausgezeichnet

"Die Weisheit der Wölfe" von Elli H. Radinger ist für mich ein Buch mit Wow-Effekt.

Elli H. Radinger nimmt uns mit in den Yellowstone Ntl. Park und dort speziell ins Lamar Valley, ein Paradies für wilde Tiere. Da ich im vergangen Jahr selbst 3 Tage dort war, hatte ich alles genau vor Augen. Leider war dies in der haupten Reisezeit und wir bekamen nicht mal den Hauch eines Wolfes vors Gesicht.

Jedem Kapitel dieses Buches sind wunderschöne Bilder zugeordnet. Dazu ein einprägsamer Ausspruch. Z. B. "Was du dir einmal vertraut gemacht hast, für das bist du zeitlebens verantwortlich." (S. 13) Der Titel der Einleitung - "Wie ich einen Wolf küsste und süchtig wurde". Das Foto, auf dem sie tatsächlich einen Wolf küsst ist umwerfend. Süchtig nach Wölfen kann man in der Tat werden, wenn man sich auf diese Lektüre einlässt. Der böse Wolf, der die Großmutter vom Rotkäppchen oder die sieben Geißlein frisst, gehört ins Reich der Märchen. So, die Autorin.

Im Yellowstone waren Wölfe ausgerottet und wurden vor Jahren erst wieder angesiedelt, da das natürliche Gleichgewicht in der Natur aus den Fugen geraten war. Deer und Wapiti setzten durch ihre Überpopulation den Pflanzen und Kleinslebewesen so zu, das viele für immer zu verschwinden drohten. Seitdem der Wolf wieder durch die Wälder streift und unter Großtieren seine Beute reißt, stellt sich wieder ein biologisches Gleichgewicht ein. Die Wolfspopulation hat sich bestens angesiedelt und integriert. Das Wolfsprogramm wird wissenschaftlich begleitet. Mit Senderhalsbändern verfolgt man ihre Wanderungen. Z. B. "Casanova", der Druid - Frauenschwarm. (Seite 39 ) Welch ein Prachtexemplar! Kein Wunder das die Herzen der Wölfinnen schneller schlugen, als er ihnen den Hof machte.
Die Autorin, als Beobachterin immer mit am Ort des Geschehens.

Wölfe leben in einem Familienverbund und bleiben oftmals über Jahre zusammen. Eine Wolfsfamilie braucht keine Frauenquote, denn Führung ist weiblich. Das Leitpaar trifft Entscheidungen grundsätzlich zusammen, lesen wir auf S. 50. Innerhalb der Familie gibt es ein großes Harmoniebdürfnis. Der Begriff "Alpha-Wolf" ist längst überholt. (S.51) Was ein Wolf auszeichnet ist Geduld. Die muss er auch haben, will er erfolgreich Wild jagen. Dabei erweist sich, das Wölfe denken und planen können. Die jungen Wölfe lernen das Jagen von den alten. Sie lernen auch, dass der Mensch nicht auf ihren Speiseplan gehört. Jedoch muss sich auch der Mensch an die Spielregeln halten und darf kein Futter auslegen um Tiere anzulocken. In den USA und Kanada ist dies unter Strafe gestellt.

Dass Wölfe sehr soziale Tiere sind und füreinander sorgen, darüber lässt die Autorin keinen Zweifel. Paare sind viele Jahre zusammen und wenn einer stirbt trauert der Partner, zieht sich oftmals in die Einsamkeit zurück. Es kann sogar sein, dass er an "Broken Heart" verstirbt. Sage noch einmal jemand, Tiere haben keine Seele.

Am Beispiel der She-Wölfin zeigt uns die Autorin den blinden Hass vieler Menschen/Rancher rund um den Yellowstone Ntl. Park auf. She-Wölfin war ein außergewöhnliches Tier, galt als besonders intelligent und an ihrem Leben nahmen viele Wolfsliebhaber Anteil. Doch leider denkt ein Wolf nicht in unseren räumlichen Grenzen und She-Wolf wanderte ins ungeschützte Umland des Yellowstone. Dort wurde sie in blindem Hass sinnlos erschossen.

Elli H. Radinger macht dem Leser in dem vorliegenden Sachbuch auch klar, dass National Parks kein Disneyland sind. Wölfe reißen ihre Beute und scheuen sich auch nicht, ihnen Fleischstücke aus dem Körper zu beißen, wenn diese noch leben. Eine sehr blutige und brutale Art. Ein Wolf mit blutt

Bewertung vom 22.01.2019
Männergrippe
Herzog, Anna; Hutzenlaub, Lucinde

Männergrippe


ausgezeichnet

Das Cover des Taschenbuches "Männergrippe" von Dr. Anna Herzog & Lucinde Hutzenlaub könnte nicht besser gewählt sein.

Vielleicht wurden, als ich dieses Buch bekam und mit dem Lesen anfing, ein paar Bakterien für einen (Frauen?) grippalen Infekt frei Haus geliefert, damit ich milde gestimmt würde, über die peinigende Männergrippe zu urteilen. Mich hatte es erwischt und ich war bereits nach wenigen Seiten aus dem Verkehr gezogen. Gab es doch mit tränenblinden Augen, einem kratzigen Hals der an Schmirgelpapier erinnerte, laufender Nase und auch am Tage zugezogenen Gardinen, eine erzwungene Lesepause von jeweils mehreren Tagen. Diese Erfahrung hatte den Effekt, dass ich der vorgestellten, armen Männerwelt, die durch eine Männergrippe lahmgelegt und folglicherweise mal gerade dem Tode von der Schippe gesprungen ist, wesentlich größeres Verständnis entgegen bringen konnte.

Doch sobald es mir einigermaßen besser ging, hielt mich nichts mehr vom Lesen ab. Heißt es doch im Volksmund: "Lachen ist gesund". Und gelacht habe ich bei dieser unterhaltsamen und gleichzeitig lehrreichen Lektüre sehr viel.

Direkt der erste Satz des Buches "Die Autorinnen haben ihren Text mit Sorgfalt geschrieben", möchte ich mit folgenden Worten ergänzen: "Und mit sehr viel Humor!".

Unterteilt ist dieses Buch in 2 Abschnitte und diese Abschnitte wiederum in mehrere Kapitel. Jedes Kapitel wird durch eine humoristische Zeichnung eingeleitet, die dem Leser auf den ersten Blick zeigt, worum es auf den nächsten Seiten geht. Z. B. Kapitel 6: "Der Rachen und seine Virenauffangstation". Kein Wunder, dass es einem Mann da angst und bange wird, wenn so viele bösartig ausschauende Kleinslebewesen auf ihn einstürzen wie auf Seite 87. Da kann einem Mann schon mal bei einem Panikanfall der Angstschweiß auf die Stirn getrieben werden.

Die jedem Kapitel vorangestellte Fallgeschichte ist natürlich stark überzeichnet und hat was von guter Comedy. Doch Ehefrauen und Freundinnen werden beim Lesen zustimmend mit dem Kopf nicken, denn so ähnlich läuft es tatsächlich ab, wenn es einen Mann mit diesen Symptomen darniederstreckt. Der Ärmste!

Danach geht es bei den Autorinnen recht sachlich weiter, doch nie ohne humoristischen Plauderton, der sich wunderbar liest. Ein Sachbuch ohne trockenen Schuleffekt und ohne belehrenden Zeigefinger. Ganz nebenbei erfahren wir in diesem Kapitel, dass Husten als Sicherrungssystem von der Natur eingebaut wurde, "Damit alles, was sich an dem Kehldeckel vorbeimogelt und versehentlich doch in der Luftröhre landet, noch rechtzeitig herausgeschleudert wird. Husten ist die Selbsreinigungsmöglichkeit der Lunge. Durch die Luftstöße, die dabei entstehen, werden nicht nur Kuchenkrümel, sondern auch Schleim wieder nach oben befördert". (Seite 93/94)

Jedes Kapitel wird mit speziellen Behandlungsmethoden der Naturheilkunde, Homöopathie und Schulmedizin abgeschlossen.
Dass dieses Buch im Ernstfall nicht den Besuch beim Arzt ersetzt versteht sich von selbst, wird aber von dem Autorenteam am Ende nochmals extra betont.

Für mich ist diese humoristische Abhandlung "Männergrippe" ein rundum gelungenes Buch - erheiternd und gleichzeitig informierend. Dass ich nach der Lektüre meinen eigenen grippalen Infekt besser verstehen konnte, kam mir sehr gelegen. Na ja, wir Frauen und die Männer sind manchmal doch nicht ganz so unendlich weit von einander entfernt.

Absolut empfehlenswert!

Bewertung vom 15.01.2019
Das Feld
Seethaler, Robert

Das Feld


ausgezeichnet

Dieses Buch "Das Feld" von Robert Seethaler besteht aus einer Aneinanderreihung der unterschiedlichsten Lebensläufe. Auf den ersten Blick wirkt es wahllos. Doch in einer Kleinstadt hat alles seine Ordnung und ist wie an einem roten Lebensfaden aufgereiht. Auf wenigen Seiten erzählt der Autor jeweils eine komplette Lebensgeschichte. Dafür benützt er meist kurze Sätze - und doch ist alles gesagt, was das jeweilige Dasein ausmachte.

Das Feld, früher die Brache des Viehbauern Ferdinand Jonas, ist nun der älteste Teil des Paulstädter Friedhofs. Fast täglich kommt ein Besucher zu diesem Feld, für den die Stimmen der Toten fast so gegenwärtig sind wie das Vogelgezwitscher und das Summen der Insekten. Dort ist er in Gedanken bei den Toten. Wehmut umgiebt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.

Spontan kam mir beim Lesen ein Bibel-Zitat in den Sinn: "Ich rufe dich bei deinem Namen".

Im Leben haben viele Menschen Angst vor Friedhöfen, fürchten sich bei Dunkelheit auch nur einen Fuß dahin zu setzen. Doch es ist wohl der friedlichste Ort auf der Welt. Wer hier angekommen ist, hat sich mit dem Leben ausgesöhnt. Robert Seethaler lässt die Toten ihre jeweilige Lebensgeschichte erzählen. Von Glück und der Liebe, den Niederlagen, dem Verlassen, sowie Verlust und Aufbruch.

Hanna Heim: "Als ich starb, hast du bei mir gesessen und meine Hand gehalten..." So beginnt sie zu erzählen. Schön und traurig zugleich.

Wir begegnen dem früheren Bürgermeister, der auch noch im Tode der Meinung ist, mit seinen zwielichtigen Mauscheleien richtig gehandelt zu haben. Seite 101: "Wer fragt den Bock wie er zu seinen Hörnern kam, solange er seine Herde sicher durch den Winter führt?" Mit seiner Bauernschläue passte er auch bestens in einen bayrischen Schwank im Volkstheater.

Es ist von alten Damen mit einzementierten Gesichtern die Rede, deren Haare aufgebauscht sind wie Watte. Oder Seite 138: "Man beginnt ja schon zu sterben, wenn man zum ersten Mal an den Tod denkt." Der Autor führt uns nicht nur das Äußere der Menschen vor, sonder gewährt uns Blicke in deren Gedanken und Seele.

Doch wer glaubt, es sei nur von Trauer die Rede, der irrt. Auch eine lebens- und liebeslustige Dame kommt zu Wort, lässt uns an ihren amourösen Abenteuern teilhaben und teilt uns eine ihrer Lebensweisheiten mit. Seite 145: "Ich war nicht einmal besonders hübsch. Aber im Grunde ist den Männern das Aussehen einer Frau egal. Sie wollen sich selbst gut fühlen. Das ist alles."

Ich konnte mich von diesem Buch und seinen unterschiedlichsten Geschichten kaum lösen. Im Grunde beschreibt es das pralle Leben selbst. Wer sehr alt wird, ist am Ende meist allein. "Der Preis für ein langes Leben ist Einsamkeit". (Seite 180)

Gegen Schluss der Redakteur des Paulstädter Boten: "Die Wahrheit ist biegsam wie heißes Eisen." (Seite 196) Er muss es ja wissen, hat sein ganzes Leben mit zu Papier gebrachten Wahrheiten ausgefüllt.

Dieses Buch ist keine einfache Lektüre und ich denke, auch nicht für das breite Publikum geeignet. Jedoch, "Das Feld" wird sich seine Leser selbst suchen. Wer sich von dieser Lektüre finden lässt, wird bereichert sein, wenn er nach 238 Seiten den Buchdeckel zuklappt. Es ist eben ein Robert Seethaler, der mit seiner ganz eigenen Art zu schreiben, unsere Seele berührt.

Bewertung vom 20.12.2018
Hippie
Coelho, Paulo

Hippie


ausgezeichnet

In dem vorliegenden Buch „Hippie“, bestätigt der Autor Paulo Coelho einmal mehr, dass er zu den ganz großen Schriftstellern der Moderne gehört. In kurzen Kapiteln, mit noch kürzeren Sätzen, bringt er ein längst vergessenes Lebensgefühl wieder zum Erwachen – die Hippie Bewegung. Meist wird es von Kindern reicher Leute initiiert (S. 212).

Der Einband zeigt dem Betrachter schon auf den ersten Blick, in welcher Zeit dieser Roman spielt. Es war die Epoche der Hippies mit Flower Power und all den poppigen Farbe. Auf nicht ganz 300 Seiten entführt Paulo Coellho den Leser in diesem „Magic Bus“, der in der Realität doch so unscheinbar aussieht und erweckt wieder das ganze Lebensgefühl der damaligen Bewegung. Von den Alten wegen der wallenden Haare und den mitunter recht wilden Bärten beargwöhnt, machten sich junge Leute auf, sich selbst zu finden oder auch zu verwirklichen, ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben, was am Ende dabei herauskommen wird.

Der biographische Roman ist nicht in der Ich-Form verfasst, sondern in der 3. Person, als schreibe der Autor über einen Anderen. Das klingt mitunter etwas befremdlich, als hätte diese ganze Aufbruchsstimmung nichts mehr mit ihm zu tun. Dabei war es seine Jugend, Teil seiner Entwicklung, der erfolgreiche Schriftsteller zu werden, der er heute ist.

Das wichtigste Buch dieser Epoche hieß, „Europe On Five Dollars a Day“, geschrieben von Arthur Frommer. Daneben war noch „die unsichtbare Zeitung entstanden, weil die jungen Leute sich bei diesen Konzerten darüber austauschten, wo sie sich als Nächstes treffen und wie sie die Welt entdecken könnten – ohne in einen Touristenbus steigen zu müssen…“(S.12)

„Eine Legende wird zur Wahrheit, wenn sie nur oft genug wiederholt wird“ (S. 21)

Peru mit La Paz auf einer Höhe von 3.640 Meter, Machu Picchu, von dort nach Bolivien, verlief die Reiseroute der Hippies. Doch Paolo reist mit seiner älteren Freundin nach Brasilien und sie werden entführt. Die Beschreibung dieser Entführung hat es in sich. Doch am Ende kommen sie wieder frei – und gehen getrennte Wege. Paulo führt es auf Umwegen nach Amsterdam und läuft am Dam Karla über den Weg. Karla und ihre wechselnden Männer werden auf S. 196 folgendermaßen beschrieben: „…Sie wäre gern eine Blume gewesen, die, von der Liebe in eine Vase gestellt, in deren immer frische Wasser sie, wie eben gepflückt, auf denjenigen wartete, der den Mut – genau, das Wort: MUT – hatte, sie sich zu nehmen. Aber es kam nie jemand – besser gesagt, die Männer kamen und gingen gleich wieder, ganz verschreckt, weil sie nicht eine Blume in einer Vase vorfanden, sondern eine Naturgewalt, ein Unwetter mit Blitzen, Sturm und Donner“. Welch eine geniale Beschreibung dieser Frau.

Für einen großen Teil der Hippies ist es „IN“ Drogen zu konsumieren, wie andere Menschen Schokolade. Vieles wurde ausprobiert und als Leser bekommt man einen Überblick, was damals alles so auf dem Markt war. Nur vor „The house oft the rising Sun“ warnt Karla ihn, als Paulo unbedingt diesen Drogenplatz kennenlernen will. Vielleicht sind die Abhängigen dort zu abschreckend, jedenfalls verlässt er diesen Platz ohne etwas probiert zu haben. Die Verlockungen haben einen bitteren Beigeschmack. Auch als großes Geld zum Greifen nahe ist, siegt sein gesunder Menschenverstand.

„Magic Bus“ klingt sensationeller als es ist. Dabei handelt es sich um einen alten, klapprigen, ausrangierten Schulbus, mit dem man für wenig Geld bis Kathmandu reisen kann. Im Magic Bus geht es mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe auf große Reise. Jeder dieser Aussteiger, mit denen Karla und Paulo die nächsten Tage auf engstem Raum zusammen verbringen, hat seine eigene Geschichte, die wir nach und nach erfahren. Für jeden von ihnen gibt es einen triftigen Grund aus seinem Leben auszusteigen, andere Erfahrungen zu machen, das Leben in seiner – konträren - Fülle kennen zu lernen. Der Leser bekommt viel kluge und weniger kluge Lebenserfahrung präsentiert.

Bewertung vom 20.11.2018
Indian Cowboy
Rose Billert, Brita

Indian Cowboy


ausgezeichnet

Allein das Cover dieses Buches spricht von Abenteuer und machte mir schon Lust aufs Lesen. Der Protagonist des vorliegenden Romans „Indian Cowboy“ - die Nacht der Wölfe – von Brita-Rose-Billert gehört zu den Ureinwohnern Amerikas. Genauer gesagt, er ist ein Lakota.

Ach, Indianer, wird so manch einer sagen und denkt an Pferde, Pfeil und Bogen, an Kriegsbemalung, Kriegspfad, Feuerwasser und Federschmuck. Vielleicht noch an die Romane von Karl May oder an die vielen Western die in den 60ern gedreht wurde, bei denen Indianer meist die Weißen überfielen, ihren Skalp oder deren schöne Frauen wollten und die guten Weißen gegen die bösen Rothäute gewannen.

In dem vorliegenden Roman lernen wir Indianer der Neuzeit kennen. Sie wohnen größtenteils in ihren Reservaten, wo sie in ihren Traditionen als auch in der modernen Zeit leben können. Für viele der Bewohner ein Drahtseilakt. Der Alkoholismus unter dieser Volksgruppe ist legendär. Direkt zu Beginn des Buches konfrontiert uns die Autorin mit der Problematik des leicht zugänglichen Alkohols, der viele Ureinwohner zerstört. Das ist ein ganz großes Problem sowohl des letzten als auch dieses Jahrhunderts. Dazu kommt vielfach noch die mangelnde Bildung.

Im Vorspann lernen wir Ryan Black Hawk, ein Lakota, im Alter von 16 Jahren kennen, als er trinkt, Gras raucht, und nach einer durchzechten Nacht von seinen Freunden total besoffen und high vor der Haustür seines Elternhauses abgeliefert wurde. Sein Vater greift ihn am Kragen und schleift ihn unter kaltes Wasser, ist bitterböse über dieses Verhalten, doch seine Standpauke dringt nur schemenhaft durch den Alkohol- und Drogennebel in Ryans Hirn. Erst als die Polizei am nächsten Morgen auftaucht und nach dem Fahrer und Beifahrer des Autos fragt, mit denen Ryan die vergangene Nacht unterwegs war, fängt dieser an zu denken. Seine beiden Saufkumpane haben sich mit dem Auto überschlagen und dabei tödlich verletzt.

In diesem Moment nimmt sich Ryan vor, keinen Tropfen Alkohol mehr anzurühren und seinem Leben einen Sinn zu geben. So lernen wir ihn auf den nachfolgenden Seiten in diesem Roman auch kennen - als einen verantwortungsvollen jungen Lakota, der sein Ziel vor Augen hat. Ich muss gestehen, von da an wurde mir Ryan von Seite zu Seite immer sympathischer. Irgendwie sah ich ihn vor mir, mit seinem langen blauschwarzen Haar und der olivfarbenen Haut.

Da die Familie Geld braucht um die Farm zu halten, meldet er sich in einem Rekrutierungsbüro, kommt zur Air Force und wird zu einem Fahrer mit Sonderaufgaben (Personenschützer) ausgebildet. Die Beschreibung der harten Ausbildung bei der US Army, als auch wie es sich als Angehöriger des US Air Force lebt, ist der Autorin gut gelungen und sie bringt dies auf nur wenigen Seiten komplett rüber. Ryans besondere (indianische) Fähigkeiten werden schnell von seinem Vorgesetzten erkannt, gefördert und kommen in seiner neuen Tätigkeit voll zum Einsatz. Er ist präzise, schnell und kann sich völlig lautlos, als auch unsichtbar für seine Feinde, in der Natur bewegen. Das liest sich sowas von spannend, dass ich das Buch nicht mehr weglegen konnte. Der Roman hat aber auch seine komischen Seiten, z. B. als Ryan die Ehefrau und durchgeknallte Tochter eines Vorgesetzten zum Flughafen fahren muss, mit all den Begleiterscheinungen dieser eigenartigen Tour. Selbst auf abfällige, rassistische Äußerungen hat er gelernt, nicht zu reagieren.

Dass Ryan auf Gönner trifft die sein Talent erkennen und schätzen, als auch auf Schurken die ihm nach dem Leben trachten und in eine Falle locken, das versteht sich wohl von selbst. Spannung pur. Es ist ein moder

Bewertung vom 13.11.2018
Die wundersame Mission des Harry Crane
Cohen, Jon

Die wundersame Mission des Harry Crane


sehr gut

Das Buch, „Die wundersame Mission des Harry Crane“ von Jon Cohen ist ein liebenswertes Buch, das den Leser zum Träumen bringt. Was ist real und was ist märchenhaft?
Real ist der Wald, der im Mittelpunkt des Denkens von Harry Crane steht. Was er darüber denkt und sagt gleicht einer Liebeserklärung. Seite 315: „Ein stiller ungestörter Wald ist voller Leben“. Wie wahr! Von Harry hören wir von dem Zusammenleben der Bäume, ihrer Sprache und dass Bäume untereinander kommunizieren, mitunter eine Symbiose eingehen. Wer wie ich in direkter Nähe eines Waldes lebt, bekommt ein Gefühl für das, wovon er spricht. Seite 52 heißt es, „Im Wald verändert sich alles“ und auf Seite 73 „“Der Wald holt sich alles zurück“. Wie wahr. Brachliegende Flächen entwickeln sich von selbst zu lichten Wäldern, auch wenn der Mensch sich nicht darum kümmert. Man schaue sich nur in den National Parks in den USA um. Nach Vulkanausbrüchen oder schweren Waldbränden regeneriert sich der Wald von selbst. Natur pur.
All das liebt Harry Crane seit seiner Kindheit. Die Bäume sprechen zu ihm, weshalb es ganz selbstverständlich für ihn war, dass er in dem baumlosen Wald, bei der Forstbehörde in den USA anheuert und einen Schreibtischjob übernahm. Doch glücklich wurde er dabei nicht. Das Lebendige des Waldes kam für ihn dabei abhanden. Also suchte er sein Glück in der Lotterie, in der Hoffnung, dass er eines Tages den großen Gewinn macht, seine Stelle aufgeben und seine Liebe zum Wald vor Ort ausleben kann. Doch während er dem finanziellen Glück nachrannte, wurde ihm sein größtes privates Glück durch einen Unfall genommen: Seine geliebte Frau Beth.
Harry verarbeitet seine Trauer in Arbeit und noch mehr Arbeit. Alles was seine Kollegen vom Schreibtisch haben wollen, wird bei ihm abgeladen. Erst als sein Bruder eine riesige Summe Dollars als Entschädigung für den Unfalltot seiner Frau erkämpft, bricht Harry aus seinem dumpfen Leben aus. Er flüchtet. Wohin? Natürlich in den Wald.
Doch Harry ist nicht alleine mit seinem Kummer. Bei diesem Wald gibt es Amanda mit ihrer Tochter Oriana. Amand verlor genau zu der Zeit als Beth durch einen Unfall starb, ganz plötzlich ihren Ehemann. Ein großer, kräftiger Mann, strotzend vor Leben stirbt einfach so. Wie sagt man das seinem Kind? Amanda versucht es ihrer Tochter verständlich zu machen, doch Oriana flüchtet sich ins Märchenhafte, wird Dauergast in der örtlichen Bücherei und träumt sich ihre eigene Welt. Glaubt ihren Vater in anderer Gestalt im Wald finden zu können und legt für ihn überall Essen aus.
In dieser Situation treffen Oriana und Harry aufeinander. Natürlich im Wald. Harry zieht in das Baumhaus ein, dass Oriana von ihrem Vater bekam und ist nun seinen Bäumen so nah wie noch nie zuvor. Jeder Baum wird von da an von ihm erobert, indem er bis in die höchsten Gipfel klettert. Das liest sich richtig spannend. Seine Art, die Trauer um Beth zu bewältigen.
Amanda beobachtet diesen seltsamen Menschen, der so mir nichts, dir nichts in ihrem und Orianas Leben auftauchte. Zu ihrer Freude stellt sie fest, dass Harry ihrer Tochter hilft, über den Verlust des Vaters hinweg zu kommen. Zusammen lesen Harry und Oriana das Buch des alten Grum. Seite 188: „Dazu sind Bücher doch da, oder? Um einen zu trösten, zu beruhigen, auf andere Gedanken zu bringen“. Denn, S. 196: „Alles hat eine Geschichte“.
Bis etwas zum 20. Kapitel hat mich dieses Buch völlig in seinen Bann gezogen und ich hätte nicht nur 5, nein am liebsten 6 Sternchen vergeben. Doch ab da wird es mir zu märchenhaft und es war nicht mehr so mein Buch. Vielleicht bin ich einfach zu realistisch für das, was auf den folgenden Seiten noch kommt.
Im Grunde besteht „Die wundersame Mission des Harry Crane“ aus zwei Büchern, einem realen und einem märchenhaften, die zu einem Roman zusammen gefügt wurden.
Am Ende noch ein Satz, der mir besonders gefiel: „Lieben und loslassen, das ist der ewige Kreislauf“.