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Benutzername: M.M.
Wohnort: Rheinland Pfalz
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Danksagungen: 8 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 68 Bewertungen
Bewertung vom 15.08.2020
Pietà
Günther, Markus

Pietà


ausgezeichnet

Das Buch "Pietà" von Markus Günther ist kein alltäglicher Roman. Wahrscheinlich wird sich nicht die große Masse darauf stürzen, ist der Inhalt doch sehr speziell und passt nicht in den Modus - "wir wollen Spaß". Es geht um das Leben - oder besser gesagt um den Tod, dem wir uns mit jedem Tag unseres Lebens nähern.
Lutz, der Protagonist, verbrachte seine Schulzeit in einem kath. Internat. Wessen Gedanken nun sofort auf sex. Missbrauch gerichtet sind, denkt falsch. In den meisten kath. Schulen, wurden schon immer junge Menschen ganz normal ausgebildet und auf das Leben vorbereitet. Erstmals im Leben wird Lutz mit dem Tod konfrontiert, als einer der Padres stirbt. Doch es berührt die Schüler nur in der Beziehung, dass sie neugierig sind, wie ein Toter aussieht. Auch als Freunde von ihm (Lutz) ums Leben kommen, weiß er nicht damit umzugehen. Linkisch steht er vor deren Eltern und weiß nicht was zu sagen ist. In seinem Leben hat der Tod noch keinen Platz. Das Studium bringt ganz neue Freiheiten und auch Erkenntnisse. Was ist Geschichte? fragt sein Professor. Und je mehr Lutz nach einer Antwort sucht, umso mehr stellen sich ihm Fragen nach dem Leben, auch seinem eigenen. Seite 115: "Natürlich habe auch ich, wie viele andere, oft davon geträumt, alle Fesseln abzustreifen. ..." Doch unaufhörlich drängt sich das wirkliche Leben und der Umgang mit dem Tod in seinen Alltag, als bei seiner Mutter Krebs festgestellt wird. Unheilbar. Das Unfassbare nicht wahrhaben wollen. Nicht annehmen können, bis es sich nicht mehr leugnen lässt. Seite 130: "Ich ahnte nicht, dass ich die letzte Chance vertan hatte, mich von Mensch zu Mensch mit ihr auszutauschen, bevor die Wesensveränderungen einsetzen, die jeden todkranken Menschen zu einem Fremden machen und unüberbrückbare Gräben aufreißt". Noch immer die albernen Reden: "Weiterkämpfen und nicht aufgeben". Bis seine Mutter sagt: "Ich kann nicht mehr". Jedoch, wann ist man als junger Mensch bereit, seine Mutter herzugeben? Wahrscheinlich glauben selbst erwachsene Kinder noch immer wider besseres Wissen, die eigenen Eltern würden sie durch ihr ganzes Leben begleiten, bis sie selbst alt werden. Welch ein Trugschluss!
Zuerst stirbt seine Mutter und kaum ist sie unter der Erde, erkrankt auch sein Vater allerschwerst. Bezeichnend Seite 143: " ... Ich hatte verstanden, dass man ärztliche Warnungen dieser Art doch ernst nehmen musste und dass Menschen auch gegen meinen ausdrücklichen Willen sterben können".
Auf Seite 144: " Der Tod ist nicht einfach ein Ereignis, er ist ein Wesen, das kommt, manchmal mit Radau hineinplatzt mitten ins Leben, sich manchmal aber auch katzengleich auf leisen Pfoten unbemerkt hineinschleicht und behende sein grauenhaftes Geschäft verrichtet".
"Trauer macht einsam", lesen wir auf Seite 152. Wie wahr. Niemand kann uns die Trauer abnehmen, niemand kann sie uns erleichtern. Trauer ist immer individuell und nicht auf mehrere Schultern zu verteilen.
Doch das Buch wäre zu traurig, gäbe es nicht auch ein Blick auf die Zukunft. Seite 188: "Die Wege der Menschen kreuzen sich nicht zufällig". Lutz lernt seine neue Freundin Michaela kennen.
Besonders gut gefiel mit ein kurzer Abschnitt auf S. 227: " Von allen Metaphern und Redensarten, mit denen Menschen versuchen, über Sterbende zu sprechen ist diese vielleicht die treffendste: Wer stirbt, macht sich auf den Weg. Das heißt, dass er sich langsam entfernt, dass er eine Zeitlang noch in Ruf- und Sichtweite ist, dass er dann aber in unerreichbarer Ferne verschwindet. Und es heißt auch, dass er nur ein Stück weit begleitet werden kann; die letzten Schritte aber tut er ganz allein".
"Pietà" ist ein wundervolles Buch über das Leben, welches für uns alle eines Tages mit unserem Tod zu Ende geht. Der Autor ist ein Meister der leisen Töne und vermag auch noch die schlimmsten Ängste und Gefühle in versöhnliche Worte zu kleiden, was selbst das Unfassbare für uns Menschen durchlebbar erscheinen lässt. Wir halten das alles aus.

Bewertung vom 31.07.2020
Schatten der Welt (eBook, ePUB)
Izquierdo, Andreas

Schatten der Welt (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Der Roman "Schatten der Welt" von Andreas Izquierdo nimmt den Leser mit in die "gute alte Zeit", wie man immer sagte. Doch gut war diese Zeit vor dem 1. Weltkrieg nur für die Oberschicht. Bei den adligen Großgrundbesitzern und Unternehmern war das Geld und sonstige Besitztümer gehortet. Man arbeitete nicht selbst, man ließ arbeiten. Egal ob es sich um die Verwaltung des Gutes handelte oder den Haushalt, für alles gab es Personal, denn Arbeitskräfte waren billig zu haben. "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel" sagte mal jemand. Die Menschen waren vom Wohlwollen der Herrschaft abhängig und diese Gesellschaftsschicht nützte diese Abhängigkeit ohne Skrupel aus.

Der arme Schneider, ein Künstler seines Handwerks, erhielt Zeit seines ganzes Lebens nicht die Anerkennung seiner Kundinnen, die ihm gebührte. Den Männern schneiderte er den besten Anzug nachdem sie verstarben - als Totenbekleidung - die anschließend niemand mehr bewundern konnte. Vor jedem Kunden musste er buckeln und den launigen Kundinnen im Preis entgegen kommen, wenn diese ihre Macht ausspielten. Zu allem Übel war er auch noch ein Jude aus Riga, was seinem Ansehen noch mehr schadete. Dieser arme Schneider sowie Carl, sein Sohn, hausten in einer kleinen und im Winter schlecht geheizten Wohnung. Doch unter ihrem Dach war die grenzenlose Liebe vom Vater zum Sohn und vom Sohn zum Vater zu Hause. Dieses heimelige Gefühl durchzieht den ganzen Roman und macht diesen wohl so liebenswert. War die Welt da draußen auch noch so böse, den Beiden konnte sie nichts anhaben. Carl, ein geradliniger junger Mann der alles richtig machen und ein anständiger Mensch sein wollte, somit nicht so recht in diesen Ort Thorn und die Zeit passte, in der man viel besser überlebte wenn man tricksen, lügen und betrügen konnte.

Doch da sind auch noch Artur und Isi, beides Freunde von Carl. Artur, schon in jungen Jahren körperlich wie ein Schrank hat die verrücktesten Geschäftsideen, mit denen das Trio zu Geld kommen will. Ein richtiges Schlitzohr ist dieser große Junge, der nur dann die Schule besuchte, wenn er nichts besseres vorhat. Seine ausgeklügelten Einfälle, die dann äußerst wirksam umgesetzt wurden, geben dem Roman eine humoristische Pointe und sorgten bei mir für manch einen Lacher. Isi, ein Mädchen mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, aufgeweckt und aufmüpfig, geriet zum Spielball ihres Vaters. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts galt das männliche Familienoberhaupt als unanfechtbar in der Familie, hatte das Sagen und die Macht über die Familienmitglieder. Prügel gehörten in vielen Familien zum Alltag, Mädchen als auch Jungen wurden gleichermaßen damit bedacht. Sie alle waren Kinder ihrer Zeit. Die Monarchie gab vor wie es zu laufen hatte. Die Kehrseite - Männer begingen aus purem Ehrgefühl unsinnige Selbstmorde.

Dem Autor gelingt es in diesem Roman, ein sehr einprägsames Sittengemälde dieser Zeit zu zeichnen. Die Sprache, derer er sich bedient lässt sich gut und flüssig lesen, obwohl die Sätze ausgefeilt und keinesfalls banal sind.

Obwohl es sich abzeichnete, plötzlich war er da, der erste Weltkrieg. Die Welt stand Kopf und singend zog man in den Krieg der kurz und siegreich sein würde. Versprochen! Tod, Leid und Verstümmelung an Leib und Seele kamen im Vokabular der Kriegstreiber nicht vor. Von den Generälen und Machthabern angezettelt, jedoch auf dem Rücken armer Bauernburschen ausgetragen begann der unerbittliche Kampf. Nicht umsonst hieß es, der sicherste Platz den Krieg zu überleben, sei in der Nähe des Generals. Wer von Adel war hatte auch hier das Sagen - war er auch noch so ein großer Dummkopf.

Der Roman fesselte mich von der ersten Seite bis zum Schluss. Zwar sind einige Episoden etwas sehr glatt gebügelt und es gibt ein paar gute Zufälle zu viel - doch das braucht es auch, damit die Geschichte schlüssig bleibt. Der Krieg war zu Ende und die drei Freunde haben fern von einander überlebt.

Dieses Buch verlangt nach einer Fortsetzung der Geschichte.

Bewertung vom 07.04.2020
Der Empfänger
Lenze, Ulla

Der Empfänger


ausgezeichnet

Das Buch "Der Empfänger" von Ulla Lenze ist in unterschiedlichen Zeitebenen angesiedelt, was dem Leser sehr viel Konzentation beim Lesen abverlangt. Immer wieder wechselt die Autorin von der Vorkriegszeit in den USA, in die 50er Jahre Westdeutschlands.

Wie fing es an? Ein Brüderpaar - von einem sehr strengen Vater erzogen - der seine Söhne regelmäßig übelst verprügelte - wollte nach dem 1. Weltkrieg in die USA auswandern. Josef schaffte es, doch sein Buder verlor auf unglückliche Weise (hing es mit dem prügelnden Vater zusammen?) ein Auge und ihm wurde der Wunsch verwehrt.

Der Roman beginnt mit dem Besuch Josefs Anfang der 50er Jahre im vom Kriege zerstörten Deutschland. Hatte man dort den wohlhabenden Amerikaner erwartet der regelmäßig Care-Pakete schickte, so wurde man bei der Ankunft von Josef enttäuscht. Vor der Tür stand ein armer Schlucker, dessen ganze Habe in einen einzigen Koffer passte. Josef gehörte zu den US - Einwanderern, für die das Geld nicht auf der Straße lag. Er verdiente seinen Lebensunterhalt in New York in einer Druckerei. Was dort produziert und unter die Leute gebracht wurde, war nicht ganz legal, aber auch nicht ganz gegen die Gesetze. Eine Grauzone. Es reichte, dass die dortigen dtsch. Agenten auf den Amateurfunker Josef aufmerksam wurden und ihn köderten. Dieser erlag der Lockung des Geldes und wurde Teil eines Agentenrings der Nazis in den USA.

Natürlich musste ihm klar sein, auf was er sich einließ. Aber er fragte nie konkret nach, was er in die alte Heimat funkte, wollte es auch nicht so genau wissen. Seine Tätigkeit würde er später damit rechtfertigten, dass er nicht eingeweiht war und seine Nachfragen nicht konkret beantwortet wurden. Doch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Als die USA in den 2. Weltkrieg eintraten, wurde Josef verhaftet und landete auf Long Island im Gefängnis.

Ich würde Josef als den typischen Mitläufer bezeichnen. Alles bleibt schwammig - genau wie das Gesicht des Mannes auf dem Cover des Buches. Genau so war Josef, keine klare Struktur, weder im Lebenslauf noch im Charakter. Er fing vieles an, doch nichts machte er mit vollem Einsatz oder Überzeugung. Er arbeitete ein wenig für den dtsch. Geheimdienst - jedoch nicht so, dass er sich schuldig fühlen müsste. Egal ob es sich ums Geldverdienen handelte, um seine Beziehungen zu verschiedenen Frauen im Laufe der Jahre oder als er glaubte, dass ihn endlich die Liebe zu seiner Lebensgefährtin erwischt hätte - war sich aber auch darin nicht richtig sicher: Überall ließ er sich ein Hintertürchen offen, durch das er entwischen konnte.

Die einzig wirkliche Bindung, verbunden mit Verantwortungsgefühl, empfand er nur für seinen Hund um den er sich auch noch während seiner Haft sorgte. Man darf nicht vergessen, Josef war ein Kind seiner Zeit. Der erste Weltkrieg ließ Europa in Trümmern zurück. Nicht nur die Städte waren zerstört, auch die alten Machtstrukturen und alte Ordnungen hatten keine Gültigkeit mehr.

Wie die Autorin betont, ist dieses Buch keine reine Phantasie. Der Roman basiert auf den Erzählungen ihres Onkels. Obwohl ich sehr viel über Nazi-Deutschland las, bisher war mir nicht bewusst, wie weit dessen Arm reichte. Ja, dass man diesen schon so weit in die USA streckte um auch dort Fuß zu fassen - was aber letztlich und Gott sei Dank - vom FBI abgeblockt wurde und nicht gelang. Dies wird in dem Buch nur angerissen, nicht weiter vertieft, denn es wäre ein Buch für sich.

Doch zurück zu Josef. In Deutschland hielt ihn auf Dauer nichts. Zu weit hatte er sich in den vergangenen Jahren davon entfernt und er ließ wieder seine alten Verbindungen spielen, nach Südamerika ausreisen zu können, traf dort auf ehemalige Nazi-Weggefährten. Doch nun war er gewarnt, erteilte denen, die in Südamerika geheime Übernahmepläne schmiedeten und Deutschland wieder unter ihre Macht bekommen wollten eine Absage.

Mich packte dieses Buch von der ersten Seite an. Nicht nur was den Inhalt anbelangte, sondern auch der klare

Bewertung vom 02.03.2020
Nach Mattias
Zantingh, Peter

Nach Mattias


ausgezeichnet

Dass der Roman "Nach Mattias" von Peter Zaningh da einsetzt, als Mattias bereits tot ist, ergibt sich bereits aus dem Titel. Wie ist es für die Zurückgebliebenen, wenn ein Mensch plötzlich aus ihrer Mitte gerissen wird? Was bleibt? Nur eine Leere oder hinterlässt jemand Spuren?
Von Mattias erfahren wir nicht sehr viel - nur Vordergründiges. Es war ein lebenslustiger Mann der Musik liebte und das Leben recht locker anging. Er sprang ohne groß zu überlegen voll auf eine gerade geborene Idee. Man könnte ihn auch als Lebenskünstler bezeichnen. Der Stoff für einen leichten Unterhaltungsroman - und trotzdem ist dieses Buch ganz anders. Tiefgründig.
Was war er für die Menschen in seinem näheren und weiteren Umfeld? Manche berührte er, gab ihnen das Gefühl ganz für sie da zu sein und einige streifte er nur zufällig. Jeder hat seine eigene Sicht auf ihn.
Zuerst seine Freundin, in deren Wohnung nach dem Tode von Mattias dessen bestelltes Fahrrad geliefert wird. Sie war ihm nah und trotzdem gab es zwischen ihnen auch Unverständnis. Mattias, der mit einem Lachen und kleiner Geste ihre Welt wieder gerade rückte.
Da ist außerdem ein Alkoholiker von dem man lange nicht weiß, wie er in dieses Buch passt. Dieser lässt sich treiben, hat kein eigenes Lebensziel vor Augen und auch keinen Antrieb. Lebt, wie es kommt und man würde landläufig sagen, er hatte mit allem was er anpackte auch noch Glück. Doch warum wird so jemand zum Alkoholiker und braucht diesen Stoff durch sein Leben zu kommen? Sinnlosigkeit und Leere, die sonst nicht zu ertragen wäre? Wir lesen von Freunden die Mattias persönlich kannten, ein Internetfreund, der ihm im Alltag nie begegnete, für den er aber trotzdem von Bedeutung war. Seine Mutter, als auch die Mutter des jungen Mannes, der den Tod von Mattias verschuldete. Auch dieser "Täter" hatte eine Lebensgeschichte, die auf wenigen Seiten erzählt wird. Nichts Persönliches kostete Mattias das Leben. Er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort.
Das Leben aller wurde von Mattias beeinflusst.
Der Autor schreibt in einem minimalistischen Stil. Und trotzdem ist alles Wichtige, das es zu verstehen gibt, gesagt. Mich erinnert es etwas an Robert Seethalers Roman "Ein ganzes Leben". Zwar haben die Inhalte nichts gemeinsam, jedoch auch R. S. drückt auf wenigen Seiten alles Wesentliche aus, was es zu dem Leben des Protagonisten zu sagen gab.
Das Buch "Nach Mattias" werde ich in wenigen Wochen noch einmal zur Hand nehmen. Ich bin mir sicher, dass ich dann noch viel mehr herauslese als beim ersten Mal. Auch als Leser wurde ich von Mattias berührt.

Bewertung vom 21.02.2020
Indian Cowboy (eBook, ePUB)
Rose Billert, Brita

Indian Cowboy (eBook, ePUB)


sehr gut

"Indian Cowboy - Der rote Musatang" ist der dritte Band einer Reihe, der im heutigen US-Amerika spielt. Im Mittelpunkt steht auch hier Ryen, ein junger Lakota, der die Tradition seines Stammes in sich trägt, aber in einer modernen Welt lebt. Längst hat er begriffen, dass es auch im Reservat Veränderungen geben muss, will man den Nachkommen ein eigenständiges Leben und eine bessere Zukunft gestalten. Bisher konnte er seine Familie mit seinem Geld, dass er in der weißen Welt verdiente unterstützen. Doch dieses Leben hat ihn innerlich zerrissen. Für die Stammesangehörigen ist er ein Weißer geworden, jedoch für die Weißen ist er eine Rothaut. Ryan muss sich entscheiden, wie es in seinem Leben weitergehen soll.
Seine Ausbildung bei der Air-Force (1. Band), verbunden mit seinem indianischen Talent, ist sein Kapital, auf dem er eine Zukunft aufbauen kann. Das weiß er inzwischen. Er kann nicht nur gut reiten, nein, er ist auch ein genialer Autofahrer und so führt ihn sein Weg - natürlich hat auch da wieder Ryan's gutmütiger Freund Baxter seine Hände im Spiel - in einen Rennstall. Alte Mustangs werden aufgemöbelt und die Rennen finden nicht auf ausgebauten Strecken statt, sondern im freien Land. Schon bald ist der unbekannte Indianer der Star unter den Fahrern und bringt dem Rennstallbesitzer viel Geld ein. Da sind Missgunst und Neid der anderen Fahrer vorprogrammiert. Doch damit nicht genug, gibt es auch noch dunkle Geschäfte. Dass es dadurch zu einem schweren Unfall kommt bei dem Ryan gefährlich verletzt wird, nehmen die Beteiligten billigend in Kauf. Das ist der Inhalt des Buches in Kurzfassung, ohne zu viel zu verraten.

Jedoch, der Roman ist wesentlich mehr. Die Autorin hat gute Recherche über indianische Kultur, speziell des Stammes der Lakota betrieben und dies immer wieder in die Handlung des Romans eingebunden. Das Buch ist also nicht nur Unterhaltung, sondern ganz nebenbei erfährt man mehr über diesen Indianerstamm. Hintergründe zu seinen Sitten, seinen Bräuchen und seiner Rieten. Ich möchte nur ein Beispiel anführen: Die ursprüngliche Gewinnung des Gesteins zur Herstellung bestimmter Pfeifen war mir bisher völlig unbekannt. Ich fand es faszinierend, darüber zu lesen. Die Bräuche wurden von Generation zu Generation weitergegeben und haben einen tieferen Sinn. Ob dies allen heutigen Indianern in ihren Reservaten noch bekannt ist, sei mal dahingestellt. Wie überall gibt es auch dort Gebildete und Ungebildete, Stammesälteste die an Hergebrachtem festhalten wollen und solche wie Ryan, die mit der Zeit gehen und den Fortschritt wollen. Ryan's Ziel ist es, die Farm umzugestalten um Gäste aufzunehmen die Geld einbringen, damit die Familie nicht mehr nur von der Hand in den Mund leben muss. Moderne und Tradition stehen sich da gegenseitig im Wege.
Für den Inhalt dieses Romans gebe ich auf jeden Fall volle fünf Sternchen. Das ist der Autorin Brita Rose Billert wirklich sehr gut gelungen. Leser, die sich für die indianische Kultur interessieren, werden von Anfang an von diesem Roman gefesselt sein. Sprachlich sollte noch etwas aufpoliert werden. Deshalb mache ich einen Abzug von einem Sternchen.

Bewertung vom 12.12.2019
Das Verschwinden der Jamie Mason
Goddard, Elizabeth

Das Verschwinden der Jamie Mason


ausgezeichnet

Das Buch "Das Verschwinden der Jamie Mason" von Elizabeth Goddard war für mich ein doppeltes Erlebnis - unternahmen wir doch im vergangenen Jahr eine Reise im Wohnmobil quer durch die USA. Einer unserer ersten Stopps war in Jackson Hole, wo wir in dem Westernörtchen Jackson mit den Amerikanern auch den 4th of July feierten und der Parade beiwohnten. Die letzten Tage verbrachten wir in Seattle, der Stadt im State Washington, in der dieser Roman seinen Anfang nimmt.
Die Autorin schreibt sehr lebendig und so hatte ich bereits auf den ersten Seiten wieder das Straßengewirr von Seattle, mit dem schneebedeckten Mount Rainier im Hintergrund, vor meinen Augen.

Die Protagonistin ist Willow Anderson, die in dem Ermittlungsunternehmen ihres Großvaters J.T. mitarbeitete. Er war spezialisiert darauf, Menschen im Rahmen von Ahnenforschungen zu finden. Doch es gab auch andere Aufträge. Willow ist zu Beginn des Romans tiefst verunsichert, denn gerade erst verstarb ihr Großvater bei einem Verkehrsunfall mit Unfallflucht. Wie sollte es nun weitergehen? Woran arbeitete ihr Großvater, als er totgefahren wurde?
Anfangs will sich Willow ihrem Schmerz über diesen unendlichen Verlust hingeben, entscheidet sich dann doch dafür, den letzten Fall Ihres Großvaters noch zu einem Ende zu bringen. J. T. sollte einer an Krebs erkranken Frau helfen, ihre vor 21 Jahren entführte Tochter zu finden, damit die Mutter ihrer Tochter sagen kann, dass sie die ganzen Jahre immer nach ihr gesucht hat und nun in Frieden sterben kann.
Doch bevor Willow alle Unterlagen sichten kann, wird ihr das Haus über dem Kopf abgefackelt. Brandstiftung?
Dann Szenenwechsel: Wir begegnen Austin, der sich auf den Weg nach Seattle macht, da er von J. T um Hilfe in seinem letzten Fall gebeten wurde. Austin, ein ehemaliger Kampfpilot und FBI Agent fühlt sich nicht ganz wohl in seiner Haut, als er in Seattle aus dem Flugzeug steigt. Immerhin hatte er vor wenigen Jahren eine Beziehung zu Willow, die aber nach gegenseitigen Verletzungen zerbrach. Austin kommt gerade zur richtigen Zeit, als Willow ohne Dach über dem Kopf dasteht. Gemeinsam fangen sie an, die Puzzleteile des Falles einzusammeln und wieder neu zusammen zu setzen. J. T. wollte nach Wyoming, genauer gesagt in das Gebiet von Jackson Hole. Was Austin bisher Willow nicht erzählte, genau in dieser Gegend ist er in einem schwierigen Elternhaus aufgewachsen, hat sich mit seinen Brüdern nach dem Tode des alkoholkranken Vaters dermaßen verkracht und seit einigen Jahren den Kontakt abgebrochen.
So viel, um in diesen Roman reinzukommen. Dann gibt es da noch die Mitarbeiterin und beste Freundin von Willow - Dana. Sie hält in Seattle die Stellung, beschafft wichtige Informationen, während Willow und Austin in Jackson nachforschen. Welche Spur verfolgte J. T., die ihn nach Wyoming führen sollte?
Die Autorin beschreibt die Schönheit des Grand Teton National Parks in WY, seine Weite und Vielfalt, dass mich sofort die Sehnsucht erfasste, wieder dorthin zu fahren. Wer in der schier endlosen Wildnis des Grand Teton nicht gefunden werden will, der bleibt für ewig verschollen. Vorausgesetzt, die Person ist daran gewöhnt, in der Wildnis zu überleben.
Natürlich lebt die Beziehung zwischen Willow und Austin wieder auf. Doch anders als in vielen anderen Romanen, werden keine heißen Liebesszenen beschrieben. Das fand ich sehr erholsam und angenehm. Vielmehr kam dabei die gegenseitig Wertschätzung zum Ausdruck und weniger die Begierde. Das amerikanische Alltagsleben beschreibt die Autorin sehr treffend. In den USA gehört es dazu, dass man vor dem Essen betet und Gott für die Gaben dankt. Worin wir in D. sehr nachlässig sind, das steht in den US-Familien ganz oben. Egal welcher Glaubensgemeinschaft man angehört.
Das Ende des Romans ist dann Überraschung pur. Aber bis man da angelangt ist, erlebt man als Leser Familienbande als auch Familiendramen mit Aussöhnung. Der Spannungsbogen ist weit gespannt und man fieberte viele Seiten lang mit.

Bewertung vom 06.11.2019
Eine Familie am Abgrund
Schroeter-Eiserich, Charlotte

Eine Familie am Abgrund


ausgezeichnet

Mit dem Buch "Eine Familie am Abgrund" von Charlotte Schroeter-Eiserich ist der Autorin etwas gelungen, was ich mir von einem guten Roman wünsche. Vor dem Hintergrund des ersten und zweiten Weltkrieges erlebt der Leser eine Familie mit ihren großen und kleineren Blessuren, das Auf und Ab einer umstürzlerischen Zeit.
Zu Beginn des Buches regiert noch der Kaiser und die Familie Kleinemeier huldigt ihm. Die Männer ziehen voller Hoffnung und Vertrauen auf einen Sieg in einen fürchterlichen Krieg von dem man anfangs tatsächlich glaubte, dieser sei in wenigen Monaten beendet. Ich denke jeder, der einmal in seiner Familie recherchiert findet das ein oder andere tragische Schicksal welches sich so oder so ähnlich abgespielt hat, wie bei diesen Familienmitgliedern. Das Gefühl von dem Staatsoberhaupt betrogen worden zu sein und am Ende erleben zu müssen, dass man im Vaterland dermaßen gedemütigt diesem Friedensvertrag zustimmen muss, hat in der damaligen Generation etwas zerbrochen, was wir heute kaum noch nachempfinden können. Nicht genug damit, dass in diesem Krieg Zukunftspläne von jungen Frauen zerbrachen, weil ihr Verlobter in einem sinnlosen Krieg sein Leben verlor - danach brach eine Grippewelle aus, die unter den Überlebenden wütete. Das ist leider keine Fiktion sondern war traurige Realität.

Dann macht die Autorin in dem Roman einen Zeitsprung. Wir lesen von den neuen Hoffnungen auf einen starken Mann aus Österreich, an der Spitze des Landes. Er und seine Anhänger werden es schon richten, dass es den Menschen wieder gutgeht. Viele in diesem Land dachten doch tatsächlich so - auch die Kleinemeiers. Die Demütigungen nach dem verlorenen ersten Weltkrieg sollen nicht länger schmerzen.
Für das Kurzwaren-Geschäft der Kleinemeiers bedeutet es einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. Heinrich hatte schon ganz früh den richtigen Riecher: Es werden jetzt viele Fahnen gebraucht, die in seinem Unternehmen, das schon am Abgrund stand, genäht und verkauft werden. Eine neue wirtschaftliche Blüte. Dass Heinrich keine Skrupel hatte, den größten Konkurrenten "aufzukaufen" - ein jüdisches Geschäft - und sich an dem Unglück dieser Familie zu bereichern, ist ja tatsächlich tausendfach geschehen. Juden - unser Unglück. So hört man es und als sich herausstellte, dass ein angeheiratetes Familienmitglied tatsächlich jüdische Vorfahren hat war man schnell mit der Rechtfertigung bei der Hand, dieser Mann sei anders als diejenigen, die Richtung Osten deportiert werden.
Dies ist ein Buch über menschliche Stärken und deren Schwächen, über die Verführbarkeit wenn man den Leuten persönliche Vorteile verspricht, sowie Blindheit gegenüber der Realität des täglichen Lebens, weil man auf der vermeintlichen richtigen Seite zu stehen glaubt.
Der Autorin ist es gelungen, den Charakter jedes einzelnen Familienmitglieds dem Leser nahe zu bringen. Da ist Heinrich mit seiner Enttäuschung und unverständlichen Abneigung gegenüber seiner eigenen Söhne. Einer davon ein Filou und Lebenskünstler, der andere ein gebrochener Mann durch die Erlebnisse des Krieges und des anschließenden Verlustes seiner großen Liebe. Die Tochter, deren Zukunftspläne durch den ersten Weltkrieg zerbrachen, die später von den Männern benützt und betrogen wurde und ein unerfülltes Dasein führte. Und da sind die Enkel im Haus, die ihr Glück suchen.
Dies ist ein Roman der verdeutlicht, wie ein Bruch durch eine ganze Familie geht und trotzdem bleibt diese Familie zusammen, hält sich gegenseitig. Als Leser ist man nicht nur Zuschauer sondern sitzt mit den Menschen am Mittagstisch und hört deren Gespräche zu.
Die Autorin hat die tatsächliche Ereignissen des Ortes Geseke, als auch die für die Handlung wichtigsten politischen Meilensteine der Weltbühne recherchiert und diese in den Roman eingebunden. Die Zeittafel am Ende des Buches gibt eine Übersicht.

Bewertung vom 14.10.2019
Ziegen wie du und ich
Leenen, Maria Anna

Ziegen wie du und ich


sehr gut

Das Buch "Ziegen wie du und ich" von Maria Anna Leenen hat mir sehr gut gefallen. Ich schwanke noch zwischen 4 und 5 Sternchen.
Es ist ein Buch über die Liebe zur Schöpfung Gottes. Dass die Autorin Maria Anna Leenen eine enge Verbundenheit mit Gott empfindet zeigt sich allein schon daran, dass sie sich entschloss, als Eremitin zu leben. Man muss schon ganz bei sich sein können, will man ein Leben in Abgeschiedenheit von den vielen Dinge, mit denen sich die meisten Menschen ihre Freizeit, bzw. die langen Abende füllen, damit sie sich nicht langweilen. Respekt!
Wer also mit dem engen Gottesbezug der Autorin wenig anfangen kann, der wird sich mit diesem Buch teilweise schwertun.
Jedoch - lässt man sich als Leser darauf ein, bekommt man ganz sicher neue Einblicke oder Ansichten, die es zu überdenken lohnt. Auf Seite 78 schreibt sie: "Ich habe Liebe mit Besitz verwechselt". Zu diesem Selbsteingeständnis muss man erst einmal finden. Auch dabei half ihr der tägliche Umgang mit den Tieren.
Für die Autorin ist klar, Tiere sind eigenständige Wesen - auch ihre Zwergziegen. Sie haben eine individuelle Persönlichkeit. Das zeigt sich schon daran, dass eine der Ziegendamen nur dann zu einer Autofahrt zu bewegen war, nachdem sie sich einen ordentlichen Schluck Jägermeister hinter die Binde gegossen hatte. Klingt irgendwie menschlich.
Dass Hunde sowie Katzen die Menschen in Altersheimen, als auch Kinder in Kindergärten verzaubern können, ist hinlänglich gekannt. Doch Zwergziegen? Wie die Autorin schreibt, ziehen auch sie die Menschen in ihren Bann. Alte Menschen mit Demenz drücken längst vergessene Empfindungen mit ihrer Mimik aus und ängstliche Kinder trauen sich so ein Tier anzufassen. Kein Wunder, dass die Autorin recht oft darum gebeten wird, mit ihren Tieren in Altenheimen oder Kindergärten Gast zu sein.
Für mich verständlich, wenn ich mir das Cover anschaue und in diese wunderschönen Augen der Zwergziegen blicke. Da sehe ich offene Neugierde und Lebensfreude - keine Verschlagenheit oder gar Hinterlist.
Doch die Autorin geht auch darauf ein, was sie zuvor machte, z. B. in Südamerika zu leben und dort auf einer Farm mit Wasserbüffeln zu arbeiten. Was sie dort erschreckte, war der Umgang der Menschen mit den Tieren. Kinder machten sich einen Spaß daraus, den Wasserbüffeln die Schwänze zu brechen und jauchzten über deren Schmerzenslaute. Kann man diese Kinder verurteilen? Wahrscheinlich haben sie es von älteren Kindern und diese von ihren Eltern und die Eltern wiederum von anderen Eltern gelernt, ohne dass sich jemand auch nur einmal Gedanken darüber gemacht hat. Wer wird die Macht haben, dieses "Weitergeben an die nächste Generation" zu unterbinden und zu einem Umdenken aufrufen? Für die Autorin war dieses Verhalten nicht akzeptabel, waren doch schon damals Tiere in ihren Augen Mitlebewesen, die auch Schmerzen empfinden - genau wie wir. Es war wohl nur einer von mehreren Gründen, nach Deutschland zurückzukehren. Doch bis sie zur Eremitin wurde, lag noch ein längerer Weg und viele Einsichten vor ihr.
Noch heute sieht sie sich immer wieder gezwungen zu erklären, weshalb sie ihr Ziegen nicht so vermarktet, wie man es vom wirtschaftlichen Standpunkt her könnte um damit den größtmögliche Gewinn herauszuholen. Ihre Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung passt nicht in das Schema einer kaufm. Buchführung.
Ziegen wie du und ich ist ein wundervolles Buch, wenn man mehr will als einfach nur unterhalten zu werden.

Bewertung vom 01.09.2019
Eine himmlische Katastrophe
Montasser, Thomas

Eine himmlische Katastrophe


sehr gut

"Eine himmliche Katastrophe" von Thomas Montasser ist ein liebenswertes Taschenbuch von gerade mal 177 Seiten, das sich wunderbar in einer Handtasche verstauen lässt um in Bus oder Bahn auf dem Weg zur Arbeit gelesen zu werden. Mit solcher Lektüre lässt sich der Tag wunderbar und mit einem Lächeln auf den Lippen beginnen.

Wir begegnen in diesem Unterhaltungsrom drei älteren Nonnen in einem abgelegenen Kloster in Burgund. MIt den Finanzen ist es recht schlecht bestellt und die geldlichen Sorgen begleiten die drei gottesfürchtigen Frauen durch ihren Tag. Das Ende der Klostergemeinschaft scheint greifbar nah.

Doch dann kommt Louise aus den Pariser Banlieue, mit Tatoos und Piercing! Nicht freiwillig reist sie in diesen abgelegenen Teil Frankreichs, sondern als eine Art Strafe. Das Gericht hat es ihr auferlegt. Alkohol, Drogen, schlechter Einfluss von Freunden - zu all dem soll sie Distanz gewinnen und ihr Leben neu überdenken.

Dass es bei dem Aufeinandertreffen von Lou und den drei ältlichen Nonnen (eine ist ihre Tante) zu Konflikten kommt, versteht sich von selbst. Erst die Musik wird zum Bindeglied und Lou muss erkennen, dass Nonnen auch ganz weltlich denken. Was es mit "Ein göttlicher Harem" auf sich hat, kann der Leser - wahrscheinlich werden es eher Leserinnen sein - in diesem Büchlein miterleben.

Obwohl es sich um einen locker und leicht zu lesenden Unterhaltungsroman handelt, verwendete der Autor eine ansprechende und gut gewählte Sprache. Ganz nebenbei erfahren wir auch noch dies und das über Land und Leute in Frankreich.

Wie oben schon bemerkt, es ist ein liebenswertes Taschenbuch in kleinem Format, das man ganz bequem im Rucksack oder der Handtasche transportieren kann. Vielleicht inspiriert es auch den ein oder anderen Leser, auf einem Ferientripp diesen Teil Frankreichs zu besuchen.

Bewertung vom 09.08.2019
Die Melodie der Schatten
Peter, Maria W.

Die Melodie der Schatten


sehr gut

Jeder von uns hat sicherlich seine eigenen Vorstellungen von den Highlands in Schottland. Prinz Charles, bekleidet mit einem Kilt, hat wohl jeder schon mal im TV oder einer Illustrierte gesehen. Dazu karge Landschaften, düstere Schlösser oder Burgen, die Clans - alles zusammengenommen setzt sich vor meinem inneren Auge zu einem bestimmten Bild zusammen. Ob das so stimmig ist?

All diese Vorstellungen geisterten in meinen Kopf herum, als ich den Blick auf das Cover des Buches "Die Melodie der Schatten" von Maria W. Peters warf und wurde durch die anmutige Frauengestalt mit dem wehenden rötlichen Haar um eine Nuance erweitert. Ich war neugierig geworden.

Das es sich bei diesem Buch nicht nur um einen historischen sondern auch um einen Frauenroman handelt, ergab sich schon aus der Inhaltsangabe. Zwar ist die Sparte "Frauenroman" nicht das Genre, nach dem ich spontan greife, jedoch - die Neugierde siegte. Um es gleich zu sagen, das Lesen hat sich gelohnt. Die brütend heißen Sommertage verbrachte ich mit Lesen und war im 19. Jahrhundert in den Highlands unterwegs.

Es ist ein Unterhaltungsroman für Frauen und nach diesem Kriterium habe ich auch zu bewerten.

Fiona Hemington reist mit Tante und Advokat in einer Pferdekutsche durch die Highlands. Im völligen Nirgendwo werden sie überfallen und - ist es Glück oder Zufall - sie kann sich retten, wird nicht wie ihre Mitreisenden ermordet. Lange irrt sie umher, bis sie in der Ferne ein Licht sieht, das zu einem Herrenhaus gehört. Völlig durchnässt und verdreckt bittet sie dort um Hilfe, die ihr auch gewährt wird.
Aidan, der Besitzer von Thirstane Manor wirkt auf sie genau so düster und abweisend wie der "alte Kasten", der irgendwann mal bessere Zeiten gesehen haben musste.

Was von diesem Moment an auf Fiona einstürzt und ihr ruhiges und bisher vom Vater vorgegebenes Leben völlig aus den vorgegebenen Bahnen wirft, ist schon gewaltig. War sie zu Beginn des Buches ein wohlbehütetes und naives Mädchen, bereit ein langweiliges Leben in Abgeschiedenheit bei ihrer Tante zu verbringen (das ihr vom Vater aufgezwungen wurde), so entwickelt sie sich zu einer jungen Frau, die irgendwann ICH WILL sagen kann. Was ihr Vater immer abfällig als Leiden bezeichnete, nimmt sie nun als besondere Gabe an. Die Autorin lässt uns abtauchen in Mystik, Spukgeschichten und eine "schwarze Gestalt" - ist sie gut oder böse? - geistert auch durch die dunklen Gänge des Anwesens.

Obwohl der Unterhaltungsroman in den schottischen Highlands spielt, spannte die Autorin auch einen Bogen nach Australien, dem Kontinent, auf den Verbrecher des Mutterlandes verbannt wurden. Beim Lesen bekommt man den Eindruck von der Willkür vermittelt, mit der auch unschuldige, aber unliebsame Bürger in weiter Ferne "entsorgt" wurden. Zimperlich waren die Menschen damals ganz bestimmt nicht. Was mir sehr gut gefällt ist der Anhang, der das Leben und Wirken der Clans erläutert und dem Leser den historischen Hintergrund verständlich macht, z. B. die Vertreibung der einfachen Pächter, die Willkür mit der das Land regiert wurde usw.

Mit dem Schreibstil hat die Autorin genau meinen Nerv getroffen. Ich mag einen guten Ausdruck in der dtsch. Sprache. Nachdem ich mit dem Lesen anfing, mochte ich das Buch auch nicht mehr aus der Hand legen. Wie bereits oben erwähnt, Frauenromane sind üblicherweise so gar nicht mein Ding, doch von diesem Buch war ich total eingenommen. Ich wünsche der Autorin mit diesem Roman viel Erfolg und vor allem zahlreiche Leser.

MIt den Sternchen liege ich zwischen 4 und 5.