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Benutzername: M.M.
Wohnort: Rheinland Pfalz
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Danksagungen: 8 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 63 Bewertungen
Bewertung vom 18.05.2019
Willkommen in Lake Success
Shteyngart, Gary

Willkommen in Lake Success


ausgezeichnet

Für das Buch "Willkommen in Lake Successe" von Gary Shteyngart sollte sich der Leser Zeit lassen, sonst überliest er womöglich die vielen Feinheiten. Der Autor hat die Menschen genau beobachtet und in einem satirischen Roman zusammengefasst, was die meisten Leute nicht gerne von sich preisgeben. Das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb dieses Buch so erfolgreich ist.

Man findet nichts von dem banalen Herz-Schmerz der Romane, die üblicherweise unsere Bestsellerlisten stürmen. Wer darauf steht, wird dieses Buch nicht mögen. Keinen der Protagonisten schließt man ins Herz. Allein die Vorstellung solchen Menschen womöglich begegnen zu können bereitet mir Übelkeit. Und trotzdem konnte ich diesen Roman nicht weglegen, bin sogar nachts um 3 Uhr aufgestanden und habe weiter gelesen. Provokation pur.

In diesem Sinne ist das Buch genial!

Barry schafft es vom Sohn des Poolreinigers zum Millionär aufzusteigen. American Dream! Er ist erfolgreicher Fondmanager, verwaltet Milliarden. Mit seiner Ehefrau Seema bewohnt er eine 7 Millionen Dollar Wohnung in New York und das Glück wird gekrönt mit einem Wunschkind. Doch von da an geht es abwärts. Der ersehnte perfekte Sohn ist ein Autist. Mit dieser Diagnose kommen beide Elternteile nicht klar. Die Beziehung eskaliert, als sie bei einer Abendeinladung mehrere Stockwerke tiefer zu einem Schriftsteller und einer Ärztin in eine nur knapp 4 Millionen $ Wohnung eingeladen werden und deren "normaler" Sohn seinen Auftritt hat. In derselben Nacht wird Barry klar, dass seine Ehe gescheitert ist und entscheidet sich, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und seine frühere Liebe Leyla zu suchen. Nur seine liebsten Uhren dürfen ihn begleiten. Vielleicht sind diese Dinge das einzige, an das Barry sein Herz gehängt hat. Handy, Kreditkarte - von allem trennt er sich, bevor er den Greyhoundbus besteigt.

Das erste Ziel sind die Eltern von Leyla, bei denen er auch einige Tage wohnen kann. Die früheren Rebellen sind ruhig geworden. Seite 131: "Die radikalen Intellektuellen waren ein bisschen gesetzter geworden. Sie machten sich fürs Abendessen fein".

Auf der Fahrt im Greyhound begegnet Barry dem rassistischen Amerika. Obwohl er selbst gemäßigter Republikaner ist, schockiert ihn, womit er konfrontiert wird. Da wäre Trumps Wahlkampf. Seite 203: "....die Langeweile eines kriegerischen Landes, das keinen richtigen Krieg zur Hand hatte. War es nicht das, was Trump seinen Anhängern versprach? Einen weitreichenden Konflikt, den sie sich selbst aussuchen konnten?" Als Trump bei einer Pressekonferenz einen behinderten Journalisten seiner Behinderung wegen lächerlich macht, fühlt Barry damit seinen Sohn eigenen beleidigt.

Irgendwann ist er in El Paso - bei Leyla. Auch nach so vielen Jahren kann sie seinem Charme nicht widerstehen und nach wenigen Tagen schläft Barry nicht mehr im Gästezimmer. Glaubt, Teil des Lebens von Leyla und ihrem Sohn geworden zu sein und bleibt doch ein Fremder in ihrem Haus (S. 306).

Der Ausflug nach Mexico mit Leyla und ihren UTEP-Kollegen steht an. Wie der Autor die Fahrt, den Grenzübertritt beschreibt, das sollte man langsam lesen, damit die Vorstellungskraft mit den Ereignissen Schritt halten kann, die wir nicht wissen wollen und vor denen wir gerne die Augen verschließen. Armut, Gewalt, Drogenkriege. Die Armen reagieren auf die gönnerhaften Wohltaten der Weißen nicht wie erwartet.

Immer wieder lesen wir auch aus der Sicht von Seema, Barrys Noch-Ehefrau, die ihren Ehemann zwar seiner windigen Geschäfte wegen verachtet und sogar beim FBI anzeigte, aber trotzdem kein schlechtes Gewissen hat, bei der Scheidung von diesem "schmutzigen" Geld so viel wie nur möglich als Unterhalt zu erstreiten. Auf Seite 360 lesen wir die Beweggründe für diese Heirat: "... Du!" hatte Seema ihre Mutter angebrüllt. "Du wolltest dieses Geld! Du warst es! Die Liste! Erinnerst du dich an die Liste?"..."Die, auf der alle Ethnien standen, Juden und weiße amerikanische Protestanten ganz oben, wi

Bewertung vom 08.05.2019
Das Verschwinden der Stephanie Mailer
Dicker, Joël

Das Verschwinden der Stephanie Mailer


ausgezeichnet

Der neue Roman von Joel Dicker "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" wurde von den Fans des Autors sicherlich schon länger erwartet. Ich kann nur sagen, das Warten hat sich gelohnt. Seine Fans werden von diesem Buch nicht enttäuscht sein.

Handelt es sich nun um einen Roman oder einen Krimi? Ein wenig ist auch von einem Thriller darin enthalten.

Es beginnt mit der Verabschiedung in den Ruhestand des Ermittlers Jesse Roseberg, der des Polizeidienstes überdrüssig geworden ist und sich anderen Dingen widmen will. Ja, käme da nicht die Journalistin Stephanie Mailer und erzählte ihm, dass er 1994 als junger, aufstrebende Polizist zusammen mit seinem Partner Derek in einem spektakulären Mordfall mit 4 Toten den falschen Täter erwischt hätte. So eine Aussage lässt natürlich diesen "alten Hasen", der damals auf den schnellen Erfolg so stolz war, nicht ruhen. Er muss den alten Fall gegen alle Widerstände von Kollegen und Vorgesetzten wieder ausgraben. Nur noch wenige Tage bleiben ihm bis zu seinem endgültigen Ausscheiden aus dem Dienst und seine Kollegen können seinen Eifer, mit dem er sich erneut dem alten Fall widmet nur mit mitleidigem Lächeln quittieren.

Doch dann ist die Journalistin Stephanie Mailer verschwunden. Macht sie sich irgendwo nur ein paar schöne Tage, wie sie in einer SMS an ihren Chef schreibt oder geht es um mehr? Jesse, der nun auch seinen ehemaligen Partner Derek von dessen langweiligem und ödem Job an einem Polizeischreibtisch weggelotst hat, nimmt erneut die Spur auf. Ach ja, da ist auch noch die Polizistin Anna, die vom örtlichen Bürgermeister der Frauenquote wegen nach Orphea verpflichtet wurde. Zu dritt bilden sie nun ein umwerfendes Team.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen. Mal sind wir wieder im Jahre 1994 und dann wiederum im Heute (2014) unterwegs.

Der Autor baute diesen Roman in vielen kurzen Kapiteln auf, was dem Buch seinen Reiz gibt. Es wird nie langweilig, denn man muss als Leser immer wieder umdenken. Vor allem die vielen Namen der handelnden Personen haben es in sich. Zur Hilfe gibt es im Buch ein Verzeichnis.

Besonders reizvoll finde ich, dass jedes Kapitel mit einem Namen überschriftet ist, aus dessen Sicht gerade erzählt wird. Wie heißt es immer, nimm eine Tat und zehn Zeugen und es werden elf verschiedene Tathergänge beschrieben. So ähnlich geht es auch hier. Ein Verwirrspiel, das es in sich hat. Ein ehemaliger Polizist, der nun als Regisseur ein modernes Theaterstück auf die Bühne bringen will oder die brave Ehefrau aus gutem Haus, die in jungen Jahren als Prostituierte und Lockvogel eines Zuhälters arbeitete um "brave" Familienväter gefügig zu machen. Die Charaktäre sind weit gefasst.

Der Autor hat sich viel einfallen lassen sein Publikum zu unterhalten. Sogar einen sehr makaberen Abschluss einer außerehelichen Affaire. Mehr will ich darüber aber nicht verraten.

Joel Dicker hält seine Leser im Griff. Mal lässt er etwas locker und dann zieht er die Spannung wider an. Ein Kompliment auch an die Übersetzer.

Mir hat das Buch so gut gefallen, dass ich nachts um 3 Uhr aufstand um noch eine Stunde zu lesen, weil ich wissen wollte wie es weitergeht. Immerhin waren ca. 670 aufregende Seiten zu bewältigen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.04.2019
Niemand weiß, dass du hier bist
Giampietro, Nicoletta

Niemand weiß, dass du hier bist


ausgezeichnet

Der Roman "Niemand weiß dass du hier bist" von Nicoletta Giamietro, gibt dem Leser einen Blick auf das faschistische Italien aus der Sicht eines Jungen, der zu Beginn des Buches 12 Jahre alt ist.

In Tripolis (Libyen) aufgewachsen, wird Lorenzo im Jahr 1942 von seiner Mutter zurück nach Italien (Siena) zu seinem Opa und seiner Tante gebracht, als der 2. Weltkrieg in Libyen immer näher kommt und immer bedrohlicher wird. Anfangs fühlt sich Lorenzo abgeschoben, kämpft sein Vater doch im Krieg gegen die Engländer und für den Duce. Die Bewunderung eines kleinen Jungen für seinen mutigen Vater, den er über alles verehrt, lässt die Autorin den Leser schon zu Beginn des Buches spüren. Dass sowohl der Opa als auch die Tante kein Verständnis dafür haben, dass sein Vater in diesem großartigen Krieg für sein Vaterland kämpft, zum Helden wird, kann er so gar nicht verstehen. Seine große Bewunderung gilt aber nicht nur dem Vater, sondern auch dem Duce.

Wie das so ist in faschistischen Staaten, die Menschen fürchten sich ihre Meinung öffentlich zu sagen, aus Angst, dafür bestraft zu werden. Doch die Tante von Lorenzo kann sich nicht verstellen, riskiert nicht nur innerhalb der Familie klare Worte, was ihr auch irgendwann zum Verhängnis wird. (Mehr möchte ich darüber nicht sagen)

An Lorenzo, eingebettet in eine schützende Familie mit liebevoller Wirtschafterin - oder sollte ich besser sagen, ältere Freundin der Familie - gehen viele Greuel, die den Menschen zu dieser Zeit geschehen, fast vorbei. Die Kinder wurden von der Politik für deren eigene Zwecke missbraucht und glaubten, was Lehrer und andere Erwachsene ihnen vormachten. Als der Duce stürzt, bricht für Lorenzo eine Welt zusammen. Anfangs kann er gar nicht verstehen, weshalb sich seine Tante, der Opa und die Köchin darüber freuen und in einen Freudentaumel verfallen. Die ganze Stadt feiert die Befreiung. Doch als schon alle aufatmen, kommen die Deutschen und es wird noch schlimmer als zuvor.

Man sagt oftmals, Kinder bekämen vieles nicht mit. Doch für Lorenzo ist es wie ein Erwachen aus einer behüteten Kindheit als er sieht, was um ihn herum geschieht. Sein bester Freund Daniele, ein Jude, gerät in größte Not und Lorenzo handelt. Während noch immer Erwachsene in der Nachbarschaft irgendwelchen Parolen nachrennen, noch immer nicht akzeptieren wollen, dass man sie belogen und betrogen hat, nun an anderer Front kämpfen, durchschaut dieser Junge von nun 13, bzw. 14 Jahren was sich da vor seinen Augen abspielt. Mit dem Blick eines Kindes sieht man manchmal klarer.

Besonders das Ende des Buches (das ich natürlich hier nicht verraten will) gefiel mir sehr gut.

Für mich besonders bemerkenswert, dass die Autorin tatsächliche Geschehnisse in diesen Roman einfließen lässt und immer wieder in die Handlung einbaut. Wir wissen über die Geschehnisse des 2. Weltkrieges in unserem Land recht gut Bescheid (wenn wir uns dafür interessieren). Doch wie es die Menschen in anderen Ländern erlebten, bleibt/blieb uns vielfach verborgen. In diesem Buch erhielt ich und ich denke auch viele andere Leser, eine geschichtliche Nachhilfestunde, die den Blick erweitert. Bücher, die mich in meinem Denken weiterbringen, gehören zu meinem bevorzugten Lesestoff. Die empfehle ich auch weiter, so wie diesen Roman "Niemand weiß, dass du hier bist" von Nicoletta Giamietro, die heute in Mainz lebt und arbeitet.

Bewertung vom 31.03.2019
Die verborgenen Stimmen der Bücher, 1 MP3-CD
Collins, Bridget

Die verborgenen Stimmen der Bücher, 1 MP3-CD


ausgezeichnet

Wer hätte sich nicht schon einmal gewünscht, schlimme Erlebnisse, schmerzhafte Erfahrung hinter sich zu lassen, vergessen zu können? In dem vorliegenden Hörbuch "Die verborgenen Stimmen der Bücher" wird dies wahr - mit all seinen Folgen.

Emmett Farmer lebt und arbeitet auf dem Hof seiner Eltern. Seit Monaten ist er kränklich, fällt in Ohnmacht und hat Fieberschübe. Der Beginn dieser Krankheit liegt für ihn in einem dichten Nebel. Die Familie ist ratlos, der Vater ungehalten. Ein Brief der Buchbinderin Seredith, dass sie Emmett als Lehrling haben will gibt seinem Leben eine Wende. Abgeschoben fühlt sich Emmett, als er vom Vater gezwungen wird die Lehrstelle bei der "Hexe" wie man diese Buchbinder nennt, anzunehmen. Mit der Pferdekutsche wird er dorthin gebracht.

Doch die Ausbildung entpuppt sich für ihn als Glücksfall. Seredith hat einen Namen für seine Krankheit: Buchbinderfieber. Emmett darf zwar an Leder üben, doch das Binden bleibt ihm verborgen. Was hat es mit den verschlossenen Zimmern auf sich? Mit den Unglücklichen, die zu Seredith kommen, in diese Zimmern eintreten, um sie später als befreite Menschen zu verlassen? Wer ist Lucien Darney, dieser verstörte junge Mann mit dem bleichen Gesicht und schwarzen, schattenumrandeten Augen, der Emmett so intensiv betrachtet?

Emmett erfährt, was es mit dem "Binden" auf sich hat. Menschen können ihre Erlebnisse von Buchbindern wie Seredith in spezielle Bücher binden lassen und dabei ihre unerträgliche Vergangenheit vergessen. Fühlen sich danach wie ein unbeschriebenes Blatt, frei von quälenden Gedanken. Doch was ist schlimmer, sich zu erinnern oder weiße Flecken im Lebenslauf?

Der Roman macht eine Rolle rückwärts. Wir sind wieder auf dem Bauernhof von Emmetts Eltern. Seine Schwester Alta lässt sich in ein Gewässer fallen, nur um von dem schönen und reichen Adligen Lucien Darney gerettet zu werden. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Sie ist hin und weg vor Liebe. Emmett fühlt sich als großer Bruder, der seine Schwester vor den sexuellen Wünschen eines gelangweilten Adligen glaubt schützen zu müssen. Trotzdem, Lucien ist nun fast täglich Gast auf dem Hof, wo er so gar nicht hinpasst. Höflich und wie ein großer Bruder zu Alta. Hilft bei der Hofarbeit, steht dabei im Weg, ist liebenswürdig und allgegenwärtig. Gehört irgendwann dazu. Man kann nicht anders als ihn zu mögen und fragt sich, welches dicke Ende da noch kommen mag.

Der Hörer erlebt eine der romantischsten Liebeswerbungen, die man sich denken kann. Ohne die Hast moderner Liebesromane, bei denen alles sofort sein muss. Die Liebe entwickelt sich langsam, voller Geduld, abwartend, werbend, zärtliche Blicke und liebevolles Lächeln. Romantik pur. Annäherung. Der erste Kuss....Umarmung....

Doch wir tauchen auch ein in eine hässliche, graue Welt. Werden mit einem adligen Vater konfrontiert, der seinen Sohn zutiefst verachtet, quält, seinem Sohn droht, ihn auf ewig hinter den Mauern einer Irrenanstalt verschwinden zu lassen, falls er sich nicht beugt. Gewalt pur, ohne Reue. Sexuelle Gewalt gegen Bedienstete. Einer Mutter, die ihre Augen vor den Qualen ihres Sohnes verschließt, der irgendwann weiß, auch gebunden worden zu sein. Was war für ihn so unerträglich? Bin ich wie mein Vater, fragt sich Lucien Darney entsetzt. Womöglich ein Vergewaltiger, ein Mörder? Angst vor der Wahrheit.

Die menschliche Seele kann voller Zärtlichkeit und Liebe, aber auch voller Hass und der Freude an der Zerstörung sein. Wir erleben in diesem Hörbuch die ganze Bandbreite.

Ich stehe weder sonderlich auf Fantasy noch historische Romane. Doch von diesem Werk war ich total fasziniert, teilweise zutiefst verzaubert. Da spielt eher Myst

Bewertung vom 23.03.2019
Stell dir vor, du wärst...ein Tier im Wald
Oftring, Bärbel

Stell dir vor, du wärst...ein Tier im Wald


ausgezeichnet

Als ich das Buch „Stell dir vor, du wärst... ein Tier im Wald“ von Bärbel Oftring in Händen hielt, war mein spontaner Eindruck, ‚was für ein faszinierendes Kinderbuch‘. Es fängt schon mit dem ansprechenden Cover an. Da prangt das Foto eines Waldes. Doch das wäre ja nichts Besonderes, hätte man nicht eine Illustration, bestehend aus einem großen Laubbaum, darunter ein Dachs, eine Wildschweinmama mit gestreiftem Frischling, einem Specht und eine Baumhöhle aus der die Augen einer Eule neugierig blicken, in den Vordergrund platziert. Diese Mischung aus Mattdruck und Hochglanz ergibt eine gute Mischung. Im Buchladen hätte ich ganz spontan danach gegriffen.

Der Inhalt des Buches ist allerliebst. Da wird man als Erwachsener wieder zum Kind und hat seine Freude beim Lesen. Auch da wieder diese Mischung aus Foto und Illustration. Jedes Tier wird einzeln vorgestellt.

Nehmen wir als Beispiel den Fuchs: Zuerst kommt eine allgemeine Vorstellung dieses nachtaktiven Tieres. Dass sich auch hier Fotos und Illustrationen ergänzen, versteht sich von selbst. „Die nächtliche Tour durchs Revier“ ist zeitlich genau aufgelistet, mit allem was der Fuchs in diesen Stunden erlebt. Vom Fressen über das spätere Markieren mit Urin und Kot. In Gedanken kann man dem Fuchs auf seinen nächtlichen Streifzügen folgen. In dem Kästchen „Das bist du“ Wird der heimische Fuchs mit Körperlänge, Gewicht, Alter, Auffälligkeiten, die Geschwindigkeit die er erreichen kann und am Ende die Tragezeit und Geburt vorgestellt. Weiter geht es mit „Dein Wohnort“ „Deine Familie“ „Von morgens bis abends“, „Seine Lieblingsspeisen“, „Waschen“, der „Klo“ darf natürlich auch nicht fehlen und dann deine „Superkräfte“. Die sind ganz wichtig. Immerhin gibt es auch Feinde.

Das Inhaltverzeichnis zu Beginn des Buches erleichtert die Suche nach einem bestimmten Tier. Am Ende ein Glossar, das den Kindern schwierige Wörter einfach erklärt, damit sie auch ohne Hilfe Erwachsener dieses wunderschöne Werk lesen können.

Doch mein Tipp an die Erwachsenen ist, dieses Buch den Kindern vorzulesen, denn ich weiß nicht wer mehr Freude daran hat – die Kleinen oder die Großen. Dabei bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, Kindergarten- als auch Grundschulkindern anhand dieses Kinder-Sachbuches (oder ist es doch ein Bilderbuch?) die Tiere in unserem Wald nahe zu bringen.Vielleicht begegnet man beim nächsten Spaziergang einem Reh oder Hasen und kann anschließend gemeinsam in dem Buch nachschlagen.

Ich habe mich jedenfalls auf Anhieb in dieses Buch verliebt. Deshalb gibt es von mir auch eine absolute Leseempfehlung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.03.2019
Gott spielt in meinem Leben keine Rolle - er ist der Regisseur
Prean-Bruni, Maria Luise

Gott spielt in meinem Leben keine Rolle - er ist der Regisseur


ausgezeichnet

In dem Buch "Gott spielt in meinem Leben keine Rolle - er ist der Regisseur" über Maria LuisePrean-Bruni, lernt der Leser eine außergewöhnliche Frau kennen.

Würde ich rein nach dem Cover schließen, dann würde ich vermuten dies ist ein Buch über eine reiche Lady des englischen Adels, natürlich auf der Sonnenseite des Lebens, die sich auf den Weg zu ihren Bridge-Damen macht um bei einem Gläschen Portwein mit ihnen einen netten Nachmittag zu verbringen.

Ich weiß, das ist der total falsche Schluss. Jedoch ist dies, was mir beim ersten Blick auf das Cover ganz spontan durch den Kopf ging. Es ist diese Ausstrahlung, ihre Sache im Leben gut gemacht zu haben.

Dabei ist es zu Beginn ihres Lebens gar nicht so sicher, in welche Richtung der Weg von Maria Luise Prean-Bruni gehen würde. Zuerst musste sie diesen schrecklichen Krieg überleben. An ihre Mutter geschmiegt verbrachte sie Bombennächte im schützenden Bunker. Diese Todesängste können wir uns heute, die wir nie einen Krieg erlebt haben, gar nicht vorstellen. Schon in dieser Beschreibung zeigt sich das enorme Gottvertrauen, das die Familie auszeichnet. Dieses Gottvertrauen wird auch belohnt. Keiner von ihnen verliert im Bombenhagel sein Leben. Sogar der Vater kommt wieder aus dem Krieg heil zu seiner Familie nach Hause zurück. Ihr Verhältnis zum Vater ist schwierig. Sie schreibt, sie sei vom Vater abgelehnt und so in die Hände Gottes getrieben worden. Er war da um sie aufzufangen.

Maria Luise erhält eine gute Ausbildung, arbeitet als Lehrerin und könnte das ganz normales Leben einer Frau der damaligen Zeit mit Mann und Kindern leben. Doch es ist als spüre sie, "das ist nicht MEINS". Für eine begrenzte Zeit übersiedelt sie in die USA und daraus werden viele Jahre. Diese Zeit in den USA schlägt sich auch in ihrem Erzählstil nieder. Es ist eine sehr amerikanische Art zu schreiben.

MIch faszinierten ihre Zwiegespräche mit Gott. Dieses bedingungslose Vertrauen das sie aufbringt, ihr Leben in seinem Sinn zu führen. Selbst wenn der Verstand signalisiert, "das kann nicht funktionieren", bleibt sie unbeirrt auf dem Weg, den sie von Gott vorgegeben bekommt. Und am Ende fügt es sich.

Erst mit 50 Jahren heiratet sie. Wie man lesen kann, war es eine späte und sehr glückliche Ehe. Leider war sie nur von kurzer Dauer. Nach wenigen Jahren wurde sie Witwe. Doch Maria Luise fällt nicht in eine Depression. Es ist, als habe sie noch mehr Kraft für ihr Lebenswerk bekommen. In einem Alter in dem andere Menschen in Rente gehen und zwei Gänge zurück schalten, dreht sie erst richtig auf. Seite 165, Vision for Africa. In Ruanda gründet sie ein Missionswerk, adoptiert Kinder, die ohne ihre Hilfe nur geringe Chancen im Leben hätten. Gibt ihnen eine Ausbildung. Immer wieder kreuzen im richtigen Moment Menschen ihr Leben die ihr helfen, dieses Missionswerk am Laufen zu halten. Sei es durch finanzielle Unterstützung oder seien es Ärzte, die kostenlose medizinische Hilfe leisten. In dem großen Bildteil werden auch mehrere ihrer Unterstützer vorgestellt.

Dass es sich um ein christliches Buch handelt, versteht sich im Grunde von selbst. Als Leser dieser Biographie sollte man dieser Art Literatur etwas abgewinnen können. Es geht immer um Nächstenliebe und den Anderen lieben wie sich selbst. Verzeihen können, was im Grund unverzeihlich ist - wie sie es bei einem jungen Mann tat, der Reue zeigte.

Von den Gebetsstätten in Imst habe ich schon viel gehört. War aber noch nie dort. Dieses Buch hat mich neugierig gemacht.

Dies ist kein alltägliches Buch. Wer nicht an Gott glaubt, der wird sich wohl schwer tun, die Gedanken von Maria Luise zu verstehen. Wie schon zuvor gesagt, ihr Leben ist ein stetiges Gottvertrauen.

Dafür gebe ich gerne eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 06.03.2019
Die Glocke im See (Ungekürzt) (MP3-Download)
Mytting, Lars

Die Glocke im See (Ungekürzt) (MP3-Download)


ausgezeichnet

Das vorliegende Hörbuch "Die Glocken im See" von Lars Mytting ist durchdrungen von nordischer Mystik, die dem Hörbuch etwas Geheimnisvolles verleiht.

Wir befinden uns gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Butangen, einem kleinen Ort in Norwegen und abgeschieden vom Rest der Welt. Die meisten Menschen leben von dem, was sie in der Landwirtschaft erarbeiten und sind genügsam. Hunger ist in den langen Wintermonaten fast täglicher Begleiter.

Wer jemals durch Norwegen gereist ist, dem sind sowohl die Fjorde für ewig in Erinnerung, als auch das Fjell - ein meist karges Hochland und nahezu unbewohnt. Noch heute überziehen mehrere Gletscher das Land und reichen mitunter bis fast ins Tal. Eine unwirtliche, raue Landschaft voller Schönheit. Sind heute die einzelnen Täler durch kilometerlange Tunnels verbunden, mussten die Menschen in früheren Jahren hohe Berge überwinden, wollten sie in ein anderes Tal gelangen. Überall im Land gab es jahrhundertealte Stabkirchen, die jedoch abgerissen wurden, weil etwas Modernes her sollte. Viele Menschen erkannten deren düstere Schönheit nicht. Dass es sich bei diesen Kirchen um außergwöhnliche Bauwerke handelte, dessen war sich kaum jemand bewusst. Vor diesem Hintergrund spielt der Roman. Dem Autor gelang es, all diese Besonderheiten Norwegens in dieses Buch zu packen und dem Hörer so nahe zu bringen, dass einen beim Hören eine gewisse Sehnsucht nach diesem Flecken Erde packt.

Doch nun zur Handlung: Neu in dem Ort ist der junge Pfarrer - Kai Schweigaard. Schon nach kurzer Zeit hat er entschieden, die alte Stabkirche ist für den Ort zu klein. Auch ihm fehlt der Blick für dieses Kleinod. Es muss eine neu, moderne Kirche her und so leitet er alles Notwendige in die Wege. Jung und ungestüm ist er. Was es mit den mystischen Schwesternglocken auf sich hat die immer dann von selbst läuten, wenn ein Unglück bevorsteht, interessiert ihn recht wenig. Die Bewohner werden nicht groß gefragt was sie wollen. Ehe sie richtig begreifen was ihnen geschieht, ist der "Architekt" Gerhard Schönauer aus Deutschland auch schon angekommen. Die Stabkirche wird von ihm genau vermessen und jedes noch so kleine Detail in seinen Unterlagen vermerkt und gezeichnet, damit später in Dresden, wohin die Kirche verkauft wird, ohne Probleme der Aufbau durchgeführt werden kann. Kaum hat Gerhard Schönauer alles skizziert, wird die Kirche auch schon abgebaut.

Und da ist Astrid, die intelligente junge Frau, die auf keinen Fall dieses vorgezeichnete und trostlose Leben der Frauen in dieser Abgeschiedenheit Norwegens teilen will. Ist sie anfangs dem Pfarrer zugetan, wendet sie sich jedoch von ihm ab als sie erkennen muss, dass weder die Legende der Schwesternglocken Gunhild und Halfried, noch die Stabkirche samt Tradition ihm etwas bedeuten. Dagegen fühlt sie sich von Gerhard Schönauer angezogen, weil er all das sieht und auch zu Papier bringt, was Kai verborgen bleibt.

Astrid, Kai und Gerhard sind alle Kinder ihrer Zeit. Der Pfarrer war zwar eine Respektsperson. Sein Wort hatte Gewicht. Doch ansonsten waren die Menschen obrigkeitshörig. Und in diesem Roman bedeutet das, dem Willen der Professoren oder auch Ärzten ausgeliefert zu sein. Mehr will ich über die Handlung nicht preisgeben.

Die ersten Tracks hörte ich mehrmals, damit ich die handelnden Personen, als auch den damaligen Zeitgeist in allen Facetten erfassen konnte. Doch was wäre eine gute Hörbuch-Vorlage ohne großartige Specherin (Beate Rysopp). Da es sich um eine Familien-Saga handelt, bin ich neugierig auf die Fortsetzung.

Für mich war es jedenfalls ein ganz besonderer Hörgenuss.

Bewertung vom 02.03.2019
Im Schatten der Magnolien
Musser, Elizabeth

Im Schatten der Magnolien


sehr gut

In dem Buch "Im Schatten der Magnolien" von Elizabeth Musser erlebt der Leser die Zeit nach dem Bürgerkrieg in Georgia. Sklavenhaltung gibt es nicht mehr. Doch viele Weiße können sich nicht an den Gedanken gewöhnen, dass Schwarze als Freigelassene leben, ja sogar zur Wahl gehen dürfen. Verborgen unter weißen Umhängen und weißen Kapuzen überfallen sie die Häuser der Schwarzen und schrecken auch vor Mord nicht zurück. Ku-Klux-Klan werden sie genannt.

Seite 39: "Die Art des Weißen ist es, durch Angst einzuschüchtern. Solange wir Angst haben, spielt es keine Rolle, welche Gesetze erlassen werden. Kein Schwarzer wird es wagen, zur Wahl zu gehen, wenn er glaubt, dass dann der Klan vor seiner Tür steht."

Es ist ein kurzer Roman von einmal gerade 136 Seiten, in dem die Autorin die ganze Tragik der damaligen Zeit zum Ausdruck bringt.

Emily, die Protagonstin dieses leicht zu lesenden Romans, wuchs auf der Baumwollfarm ihres Vaters in Wilkes Bounty, Georgia auf. Man schreibt das Jahr 1868. Der Bürgerkrieg ist vorbei und hat seinen Tribut gefordert. Viele Familien haben tote Söhne zu beklagen. Auch die beiden Brüder von Emily haben ihr Leben verloren, was deren Mutter kaum ertragen kann.

Die ehemaligen Sklaven der Plantage sind nun die Freigelassenen. Doch bis sie wirklich ein freies Leben führen können, ist es noch ein weiter Weg. Kaum ein Schwarzer kann lesen oder schreiben, weshalb sie als dumm gelten. Emily hat sich in den kopf gesetzt, dies zu ändern. Zusammen mit Miss Lillian unterrichtet sie in der Schule der ehemaligen Sklaven.

Seite 51 fragt Emily Miss Lillian: "Wie haben sie so viel Selbstbeherrschung gelernt? Und Frieden? Und Weisheit? Was haben Sie getan, um der Mensch zu werden, der Sie heute sind? Oder waren Sei schon immer so?"

Emily bewundert den schwarzen Prediger Leroy, glaubt gar sich in ihn verliebt zu haben. Doch da ist auch ihr Jugendfreund Thomas, ein gezeichneter Kriegsveteran, der sich in den Kopf gesetzt hat sie zu heiraten. Doch wie kann man einen Mann heiraten den man nicht liebt, fragt sich Emily. Freundschaft ja - aber heiraten? Was sie am meisten trennt, seine Sicht auf die ehemaligen Sklaven. Was sie zutiefst entsetzt: Gehört er auch zum Ku-Klux-Klan?

Die Autorin selbst kommt aus Atlanta und in "Anmerkungen der Autorin" gibt sie einen kurzen Abriss der Rekonstruktionszeit. Dass man in einem Buch von mal gerade 136 Seiten nicht in die Tiefe gehen kann, versteht sich von selbst. Doch als Einstieg in dieses Thema ist dieses Büchlein bestens geeignet. Die Lektüre macht sicherlich viele Leser neugierig, sich näher mit diesem dunklen Kapitel "Sklaven und Sklavenhaltung" zu befassen.

"Kleine Auszeiten", nennt der Verlag diese Reihe im Taschenformat. Lesestoff den man bequem mitnehmen und zwischendurch lesen kann - z. B. morgens bei der Zugfahrt zur Arbeit oder im Wartezimmer des Zahnarztes. Der Schreibstil ist einfach gehalten und ermöglicht auch ungeübten Romanlesern den Einstieg in die Geschichte.

Ach ja, am Ende gibt es noch die Koch/Backrezepte, die in dem Roman erwähnt werden.

Bewertung vom 06.02.2019
Die Weisheit der Wölfe
Radinger, Elli H.

Die Weisheit der Wölfe


ausgezeichnet

"Die Weisheit der Wölfe" von Elli H. Radinger ist für mich ein Buch mit Wow-Effekt.

Elli H. Radinger nimmt uns mit in den Yellowstone Ntl. Park und dort speziell ins Lamar Valley, ein Paradies für wilde Tiere. Da ich im vergangen Jahr selbst 3 Tage dort war, hatte ich alles genau vor Augen. Leider war dies in der haupten Reisezeit und wir bekamen nicht mal den Hauch eines Wolfes vors Gesicht.

Jedem Kapitel dieses Buches sind wunderschöne Bilder zugeordnet. Dazu ein einprägsamer Ausspruch. Z. B. "Was du dir einmal vertraut gemacht hast, für das bist du zeitlebens verantwortlich." (S. 13) Der Titel der Einleitung - "Wie ich einen Wolf küsste und süchtig wurde". Das Foto, auf dem sie tatsächlich einen Wolf küsst ist umwerfend. Süchtig nach Wölfen kann man in der Tat werden, wenn man sich auf diese Lektüre einlässt. Der böse Wolf, der die Großmutter vom Rotkäppchen oder die sieben Geißlein frisst, gehört ins Reich der Märchen. So, die Autorin.

Im Yellowstone waren Wölfe ausgerottet und wurden vor Jahren erst wieder angesiedelt, da das natürliche Gleichgewicht in der Natur aus den Fugen geraten war. Deer und Wapiti setzten durch ihre Überpopulation den Pflanzen und Kleinslebewesen so zu, das viele für immer zu verschwinden drohten. Seitdem der Wolf wieder durch die Wälder streift und unter Großtieren seine Beute reißt, stellt sich wieder ein biologisches Gleichgewicht ein. Die Wolfspopulation hat sich bestens angesiedelt und integriert. Das Wolfsprogramm wird wissenschaftlich begleitet. Mit Senderhalsbändern verfolgt man ihre Wanderungen. Z. B. "Casanova", der Druid - Frauenschwarm. (Seite 39 ) Welch ein Prachtexemplar! Kein Wunder das die Herzen der Wölfinnen schneller schlugen, als er ihnen den Hof machte.
Die Autorin, als Beobachterin immer mit am Ort des Geschehens.

Wölfe leben in einem Familienverbund und bleiben oftmals über Jahre zusammen. Eine Wolfsfamilie braucht keine Frauenquote, denn Führung ist weiblich. Das Leitpaar trifft Entscheidungen grundsätzlich zusammen, lesen wir auf S. 50. Innerhalb der Familie gibt es ein großes Harmoniebdürfnis. Der Begriff "Alpha-Wolf" ist längst überholt. (S.51) Was ein Wolf auszeichnet ist Geduld. Die muss er auch haben, will er erfolgreich Wild jagen. Dabei erweist sich, das Wölfe denken und planen können. Die jungen Wölfe lernen das Jagen von den alten. Sie lernen auch, dass der Mensch nicht auf ihren Speiseplan gehört. Jedoch muss sich auch der Mensch an die Spielregeln halten und darf kein Futter auslegen um Tiere anzulocken. In den USA und Kanada ist dies unter Strafe gestellt.

Dass Wölfe sehr soziale Tiere sind und füreinander sorgen, darüber lässt die Autorin keinen Zweifel. Paare sind viele Jahre zusammen und wenn einer stirbt trauert der Partner, zieht sich oftmals in die Einsamkeit zurück. Es kann sogar sein, dass er an "Broken Heart" verstirbt. Sage noch einmal jemand, Tiere haben keine Seele.

Am Beispiel der She-Wölfin zeigt uns die Autorin den blinden Hass vieler Menschen/Rancher rund um den Yellowstone Ntl. Park auf. She-Wölfin war ein außergewöhnliches Tier, galt als besonders intelligent und an ihrem Leben nahmen viele Wolfsliebhaber Anteil. Doch leider denkt ein Wolf nicht in unseren räumlichen Grenzen und She-Wolf wanderte ins ungeschützte Umland des Yellowstone. Dort wurde sie in blindem Hass sinnlos erschossen.

Elli H. Radinger macht dem Leser in dem vorliegenden Sachbuch auch klar, dass National Parks kein Disneyland sind. Wölfe reißen ihre Beute und scheuen sich auch nicht, ihnen Fleischstücke aus dem Körper zu beißen, wenn diese noch leben. Eine sehr blutige und brutale Art. Ein Wolf mit blutt

Bewertung vom 22.01.2019
Männergrippe
Herzog, Anna; Hutzenlaub, Lucinde

Männergrippe


ausgezeichnet

Das Cover des Taschenbuches "Männergrippe" von Dr. Anna Herzog & Lucinde Hutzenlaub könnte nicht besser gewählt sein.

Vielleicht wurden, als ich dieses Buch bekam und mit dem Lesen anfing, ein paar Bakterien für einen (Frauen?) grippalen Infekt frei Haus geliefert, damit ich milde gestimmt würde, über die peinigende Männergrippe zu urteilen. Mich hatte es erwischt und ich war bereits nach wenigen Seiten aus dem Verkehr gezogen. Gab es doch mit tränenblinden Augen, einem kratzigen Hals der an Schmirgelpapier erinnerte, laufender Nase und auch am Tage zugezogenen Gardinen, eine erzwungene Lesepause von jeweils mehreren Tagen. Diese Erfahrung hatte den Effekt, dass ich der vorgestellten, armen Männerwelt, die durch eine Männergrippe lahmgelegt und folglicherweise mal gerade dem Tode von der Schippe gesprungen ist, wesentlich größeres Verständnis entgegen bringen konnte.

Doch sobald es mir einigermaßen besser ging, hielt mich nichts mehr vom Lesen ab. Heißt es doch im Volksmund: "Lachen ist gesund". Und gelacht habe ich bei dieser unterhaltsamen und gleichzeitig lehrreichen Lektüre sehr viel.

Direkt der erste Satz des Buches "Die Autorinnen haben ihren Text mit Sorgfalt geschrieben", möchte ich mit folgenden Worten ergänzen: "Und mit sehr viel Humor!".

Unterteilt ist dieses Buch in 2 Abschnitte und diese Abschnitte wiederum in mehrere Kapitel. Jedes Kapitel wird durch eine humoristische Zeichnung eingeleitet, die dem Leser auf den ersten Blick zeigt, worum es auf den nächsten Seiten geht. Z. B. Kapitel 6: "Der Rachen und seine Virenauffangstation". Kein Wunder, dass es einem Mann da angst und bange wird, wenn so viele bösartig ausschauende Kleinslebewesen auf ihn einstürzen wie auf Seite 87. Da kann einem Mann schon mal bei einem Panikanfall der Angstschweiß auf die Stirn getrieben werden.

Die jedem Kapitel vorangestellte Fallgeschichte ist natürlich stark überzeichnet und hat was von guter Comedy. Doch Ehefrauen und Freundinnen werden beim Lesen zustimmend mit dem Kopf nicken, denn so ähnlich läuft es tatsächlich ab, wenn es einen Mann mit diesen Symptomen darniederstreckt. Der Ärmste!

Danach geht es bei den Autorinnen recht sachlich weiter, doch nie ohne humoristischen Plauderton, der sich wunderbar liest. Ein Sachbuch ohne trockenen Schuleffekt und ohne belehrenden Zeigefinger. Ganz nebenbei erfahren wir in diesem Kapitel, dass Husten als Sicherrungssystem von der Natur eingebaut wurde, "Damit alles, was sich an dem Kehldeckel vorbeimogelt und versehentlich doch in der Luftröhre landet, noch rechtzeitig herausgeschleudert wird. Husten ist die Selbsreinigungsmöglichkeit der Lunge. Durch die Luftstöße, die dabei entstehen, werden nicht nur Kuchenkrümel, sondern auch Schleim wieder nach oben befördert". (Seite 93/94)

Jedes Kapitel wird mit speziellen Behandlungsmethoden der Naturheilkunde, Homöopathie und Schulmedizin abgeschlossen.
Dass dieses Buch im Ernstfall nicht den Besuch beim Arzt ersetzt versteht sich von selbst, wird aber von dem Autorenteam am Ende nochmals extra betont.

Für mich ist diese humoristische Abhandlung "Männergrippe" ein rundum gelungenes Buch - erheiternd und gleichzeitig informierend. Dass ich nach der Lektüre meinen eigenen grippalen Infekt besser verstehen konnte, kam mir sehr gelegen. Na ja, wir Frauen und die Männer sind manchmal doch nicht ganz so unendlich weit von einander entfernt.

Absolut empfehlenswert!