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EOS
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Siegen

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Insgesamt 234 Bewertungen
Bewertung vom 10.01.2026
Ware, Ruth

The Woman in Suite 11


gut

Für einen Thriller nicht genug Spannung
Laura 'Lo' Blacklock, bekannt aus 'The Woman in Cabin 10', möchte den beruflichen Wiedereinstieg als Journalistin wagen und nimmt eine Einladung in ein neu eröffnetes Schweizer Hotel am Genfer See an. Dort soll sie für die Financial Times den Besitzer des Luxushotels zu einem Interview bewegen, einen exzentrischen Millionär, der selten in Erscheinung tritt. Vor Ort trifft sie auf einige Bekannte, die schon im Vorgängerband eine Rolle spielten und die Laura an die schlimmen Erlebnisse auf dem Kreuzfahrtschiff erinnern.
Ich hatte spannende Thrillerkost erwartet, jedoch musste ich mich etwas gedulden, bis ich das Gefühl hatte, das Buch nicht mehr aus den Händen legen zu wollen.
Zunächst wird nur Laura Blacklocks Familienleben beschrieben, ihr Verhältnis zu den Kindern und zu ihrem Mann, und die teure Wohngegend in NY, wohin es sie durch Heirat verschlagen hat. Der erste mysteriöse Vorfall ereignet sich auf S. 61, aber wenn man dann aufkeimende Spannung erwartet, wird man enttäuscht. Denn nun wird in aller Ausführlichkeit Lauras erstes Dinner im Schweizer Luxushotel beschrieben, was ich wieder recht langatmig fand.
Spannung setzt erst ein, als Laura in eine andere Suite des Hotels gebeten wird und dort auf eine Frau trifft, die im ersten Band eine zwielichtige Rolle spielte. Rückbezüge und Erläuterungen zum ersten Band finden reichlich statt, ohne dass die genauen Vorkommnisse beschrieben werden. Hätte ich nicht vor kurzem den Film zum ersten Band gesehen, wäre mir nicht klar geworden, um was es damals ging. Den ersten Band habe ich nicht gelesen.
Laura als Hauptprotagonistin erscheint mir nicht überzeugend, denn sie ist zu gutgläubig und vielleicht sogar naiv. Gerade zu den erlebten Vorfällen damals auf dem Schiff passt das nicht. Sie müsste zumindest ein gesundes Misstrauen entwickelt haben, wenn nicht sogar äußerste Vorsicht walten lassen, denn sie hat die Traumata von damals noch nicht vollständig verarbeitet. Immer wieder fühlt sie aufkommende Panikattacken und nimmt Psychopharmaka. Sie ist unfähig zu lügen, auch wenn es dabei um ihr eigenes Wohl geht. Das wirkt unrealistisch.
Ihre Gegenspielerin dagegen ist dreist und unehrlich. Sie tischt Laura fantasiereiche Lügen auf und stellt obstruse Forderungen, wobei sie leichtes Spiel hat, denn Laura ist leicht zu manipulieren. Sogar als sie in kriminelle Machenschaften einbezogen wird, denkt sie nicht an ihre Familie, sondern lässt sich darauf ein. Dabei wird immer wieder betont, wie wichtig ihr die Kinder sind.
Der Schreibstil liest sich angenehm, jedoch gibt es einige redundante Elemente. Interessant finde ich die teilweise den Kapiteln vorangestellten Chats, Mails usw., die vorausweisend sind und insofern Spannung erzeugen, weil man wissen möchte, wie es zu den angekündigten Schritten kommt.
Das Ende kann man sich schon vorher ausrechnen, nur Laura durchschaut es wieder mal nicht, obwohl eindeutige Hinweise da sind. So bleiben auch schließlich einige Fragen offen und manches wirkt nicht schlüssig.
Alles in allem hat mich das Buch zwar gut unterhalten, aber für einen Thriller fehlte es mir an Spannung und Überzeugungskraft.

Bewertung vom 02.01.2026
Motte, Anders de la

Rostiges Grab


sehr gut

Hochspannend, teilweise ausgesprochen brutal
Dies ist der 3. Band der Reihe 'Leo Asker'. Obwohl ich die ersten beiden Bände nicht gelesen habe, konnte ich mich gut einfinden und das Lesen genießen.
Inhaltlich geht es um einen ungelösten Cold Case, denn Jahre zuvor wurde die Leiche einer jungen Frau entdeckt, brutal getötet, deren Ehemann schnell unter Verdacht gerät, aber seitdem verschwunden ist. Man vermutet, dass er sich im Rostskogen versteckt hält, einem großen Wald- und Sumpfgebiet, in dem früher Torf abgebaut wurde. Dort steht auch noch die alte Torffabrik, mittlerweile ein Lost Place und abgeriegelt. Eines Tages jedoch erhält ein junges YouTuber-Paar einen Schlüssel zugeschickt mit den Koordinaten der alten Fabrik und hofft auf außergewöhnliches Filmmaterial. Dort treffen sie auf eine verwirrt wirkende Frau, die ihnen mit geheimnisvollen Kommentaren einen Finger übergibt, der sich als Ringfinger der getöteten Frau herausstellt. Leo Asker zögert zunächst, weil eine Beförderung für sie ansteht, aber dann übernimmt die Kommissarin des 'Dezernats für Verlorene Seelen' der Polizei in Malmö mit ihren Leuten den Fall.
Leo ist eine taffe junge Frau, die in ihrer Kindheit und Jugend gelernt hat, sich zu verteidgen, koste es, was es wolle. Sie hat etwas von einer 'Wonderwoman', mit Superkräften, befreundet sein möchte ich mit ihr nicht. So nimmt sie es auch mit schwierigen Gegnern auf, die in Überzahl erscheinen und trotzdem vor ihr kapitulieren müssen. Das gönnt man ihr zwar, aber bisweilen erscheinen diese Szenen etwas unrealistisch. Ich weiß nicht mehr, wie viele gebrochene Nasenbeine im Buch vorkommen....Aber sie ist ein aufrichtiger Charakter, der für seine Prinzipien steht und sich nicht davon abbringen lässt.
Diese 'Nahkampfszenen' sind teilweise sehr brutal, aber noch viel schlimmer sind ein paar Seiten mit Tierquälerei, die in mir ein fürchterliches Grauen ausgelöst haben. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, aber man sollte darauf gefasst sein.
Auch die anderen Protagonisten finden nicht meine uneingeschränkte Sympathie, da sie entweder total korrupt sind oder irgendetwas verheimlichen oder vertuschen wollen.
Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, so dass man peu à peu immer mehr erfährt und sich ein Gesamtbild erstellen kann. Das Ganze wird begleitet von einer bedrohlichen Atmosphäre, die sich beständig hält.
Der Schreibstil ist flüssig, abwechslungsreich und konnte mich bis zum Ende fesseln, denn der Autor Anders de la Motte versteht es, Spannung aufzubauen und diese auch logisch zu steigern bis zu der Auflösung und einem rasanten Showdown. Immer wieder schiebt er neue Spannungselemente ein, so dass man das Buch nicht weglegen möchte. Immer wenn ich eine Pause einlegen wollte, habe ich zunächst in das neue Kapitel hineingelesen....
Das Cover ist übrigens beeindruckend gestaltet, der Titel in rostähnlicher Prägung und darunter ein präparierter Totengräberkäfer, der im Buch auch eine Rolle spielt. Die Grundfarbe ist natürlich schwarz.
Ich habe das Buch gern gelesen (bis auf die Tierquäler Szenen) und möchte es jedem empfehlen, der nervenaufreibende Thriller mag.

Bewertung vom 05.12.2025
Bestgen, Sarah

Safe Space


sehr gut

Perfider Thriller - Spannung bis zum Schluss
Anna ist forensische Psychologin und will ihren ersten Job in der JVA Weyer antreten. Dafür hat sie ihre Gründe, die sich nach und nach kristallisieren, denn Anna ergreift diesen Job aus sehr persönlichen Gründen. Man bekommt das Gefühl, dass sie nur auf dieses Ziel hinarbeitet, alles andere ist zweitrangig, sogar die Beziehung zu ihrem Freund Jonathan.
Von Anfang an ist dieser Thriller so spannend, dass man ihn nicht aus den Händen legen möchte. Wenn Anna z.B. in der JVA ein Notsignalgerät bekommt, zeigt dies, wie gefährlich der Job ist und dass sie es sicher brauchen wird. Aber dies ist nur ein harmloser Spannungsmoment, viel intensivere folgen, die teilweise dazu führen, dass man die Luft anhält. Nur im mittleren Teil des Buches erschienen mir einige Passagen etwas langatmig und gedehnt. Gegen Ende jedoch überschlugen sich die Ereignisse und überraschenden Wendungen.
Die Story wird aus verschiedenen Perspektiven und auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Die Autorin führt diese meisterhaft zusammen, so dass am Ende alles zusammenpasst, wenn auch einiges etwas realitätsfern erscheint.
Sehr ergreifend sind die eingeschobenen Rückblicke auf das Leben des kleinen Leon, der unter seinem sadistischen Vater leidet.
Sehr atmosphärisch wird die Situation und das Klima in der JVA beschrieben. Anna wechselt hier zwischen starkem Selbstbewusstsein und frappierender Unsicherheit im Umgang mit den Häftlingen, aber auch bei ihren Kollegen. Wem kann sie trauen? Der Verrat lauert überall.
Man rätselt immer mit, aber die Autorin baut sehr geschickt Hinweise ein, die einen nicht weiterbringen oder die sich als falsche Fährten entpuppen. Zahlreiche Cliffhanger an den Enden der Kapitel bewirken, dass man immer weiter lesen möchte. Nur noch ein Kapitel...;-)
Der Schreibstil ist flüssig und liest sich angenehm. Die einzelnen Charaktere werden detailreich abgebildet, so dass man ein Bild im Kopf hat, besonders von Anna und Leon. Richtig sympathisch ist mir dabei keine der Figuren, alle haben mentale Störungen und verhalten sich nicht normal. Manchmal tun sich sogar tiefe Abgründe auf. Auch Tierquälerei und Kindesmisshandlung finden sich auf einigen Seiten, die den Leser tief berühren könnten.
Alles in allem hatte ich eine gute und spannende Lesezeit, war stets beteiligt am Geschehen, weil ich die Lösung finden wollte. Trotz der sich bisweilen ergebenden Realitätsferne kann ich das Buch empfehlen.

Bewertung vom 15.11.2025
Hertmans, Stefan

Dius


sehr gut

Ambivalenz in Leben und Gedanken
Diese Ambivalenz zeichnet beide Hauptprotagonisten in diesem Buch aus und durchzieht auch ihre Freundschaft.
Diese Freundschaft ist ungewöhnlich, denn sie besteht zwischen einem Kunststudenten und seinem Dozenten und zwar auf Betreiben des Studenten hin. Egidius de Blaeser, genannt Dius, steht eines Tages vor der Tür seines Dozenten Anton und wirbt um seine Freundschaft. Er lockt ihn, indem er ihm einen großartigen Arbeitsplatz anbietet, um seine Dissertation zu schreiben. Er bietet ihm ein atmosphärisches Plätzchen nahe einem Gutshaus, im sogenannten Dorfhaus, abgeschieden, ruhig und umgeben von viel Natur.
Der Leser erlebt die Geschichte aus Antons Perspektive, der sich über seine Bereitschaft, auf Dius Vorschlag einzugehen, selber wundert. Aber wider Erwarten ist er sehr angetan von dem neuen Arbeitsplatz und auch von den nun folgenden häufigen Kontakten zu Dius. Die beiden Männer verbringen viel Zeit miteinander und führen tiefgehende Gespräche, wobei das Hauptthema die Kunst ist. Wen wundert das?
Verschiedene Themenbereiche der Kunst werden dann auch intensiv in diesem Buch behandelt. Dies ist mit Sicherheit sehr spannend für Leser, die sich dafür interessieren. Ich fand diese Seiten recht langatmig und habe sie meist nur überflogen, weil ich teilweise überhaupt keinen Zugang dazu habe. Es zeigte jedoch die enge Verbundenheit zwischen Anton und Dius in ihren Gedanken und Wertschätzungen. Mein großer Respekt geht hier an den Autor, der diese Ausführungen sehr detailreich gestaltet.
Der Schreibstil insgesamt ist intensiv und anschaulich. Manche Sätze musste ich mehrmals lesen, um ihren Sinn zu ergründen.
Diese Freundschaft zwischen den Männern hat viele Facetten, erstreckt sich von vollem Vertrauen bis hin zu bitterer Enttäuschung. Sie ist aber stärker als beider Verbindung zu ihren Lebenspartnerinnen. Man gewinnt den Eindruck, dass nur die Männerfreundschaft Bestand hat.
Überzeugend finde ich die Verbundenheit der Männer mit der Natur. Sie erleben tief betroffen aus nächster Nähe, wie und wofür ein Stück heile Natur zerstört wird. Ebenso sind die Beschreibungen der Natur im Polderdorf detailliert und atmosphärisch.
Alles in allem ein Buch mit Tiefgang, das den Leser animiert, über eigene Freundschaften nachzudenken.

Bewertung vom 13.10.2025
Ohlandt, Nina;Wielpütz, Jan F.

Mörderische Brise - Der Tote am Sandstrand


sehr gut

Was ist damals passiert?
Das ist die Frage, die sich durch dieses Buch zieht, von Anfang an bis zur Aufklärung am Schluss. Damals ist nämlich eine junge Frau aus Hannahs Clique bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen. Dieses Unglück ist noch bei vielen Bewohnern von Ostersande in trauriger Erinnerung, auch nach über 20 Jahren.
Hannah Bülow zieht nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes zurück in ihr Heimatdorf an der Ostsee. Sie war Kommissarin in Münster, möchte aber nun einen Neustart, zumal ihre Töchter erwachsen sind und nicht mehr bei ihr leben. Sie hat durch Vermittlung ihrer Freundin Constanze eine Stelle in der örtlichen Polizeidirektion bekommen. Zunächst zieht sie mit Tobby, ihrem Hund, zu ihrem Vater, der etwas Unterstützung brauchen kann.
Nach einem spannenden und ergreifendem Prolog, in dem eine Frau ihren Suizid auf einem Boot angeht, senkt sich das Spannungslevel enorm ab, denn nun wird auf ca. 80 Seiten das Dorfleben in Ostersanden beschrieben und man wird sehr detailliert mit den Protagonisten bekannt gemacht. Das fand ich recht langatmig, denn da ist vieles redundant und man hat ja schließlich einen Krimi lesen wollen. Aber dann steigt die Spannung wieder an, und man kann endlich miträtseln, was bis zum Schluss anhält, denn es gibt immer wieder Überraschungen und plötzliche Wendungen.
Nach und nach erschließen sich dem Leser Details aus der Vergangenheit, die bei den damaligen Ermittlungen nicht bekannt waren. Dabei bleibt die Spannung bis zur Auflösung am Ende komplett erhalten, da die Rückblicke stets zu neuen Theorien anregen, aber nie zu viel verraten. Das finde ich gelungen.
Der Schreibstil ist flüssig und liest sich angenehm. Alles wird sehr detailliert dargestellt, so dass man im Kopf Bilder von Personen und Situationen hat. Allerdings sind dann auch manchmal Umstände beschrieben, die eher unwichtig erscheinen, z.B. wie viele Fischbrötchen welcher Art die einzelnen Personen essen. Das sind Seitenfüller, die ich unwichtig finde.
Die Charaktere sind überwiegend sympathisch. Am besten gefallen mir Kommissar Grewe, seine Assistentin Mara und der Psychologe Fleming. Hannah ist mir zu dominant, sowohl im privaten Umfeld als auch in der Polizeistelle. Sie ist mutig, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, erscheint mir aber zu perfekt.
Sehr unrealistisch finde ich die enge und andauernde Zusammenarbeit zwischen Hannah und der Kriminalpolizei. Oft sind sie zu dritt unterwegs, was wohl im wahren Leben nicht denkbar wäre. Und es gibt auch noch andere Begebenheiten, die man unter dichterischer Freiheit verbuchen sollte.
Alles in allem hat mir die Krimihandlung in diesem Buch gut gefallen, als sie dann so richtig in Schwung kam, und ich kann das Buch jedem empfehlen, der leichte Kriminalliteratur bevorzugt, die zum Miträtseln einlädt.

Bewertung vom 11.10.2025
Izquierdo, Andreas

Über die Toten nur Gutes / Ein Trauerredner ermittelt Bd.1


gut

Humorvoll, unterhaltsam, aber spannungsarm
Ich habe mit Begeisterung die 'Wege der Zeit' Trilogie und 'Kein guter Mann' von Andreas Izquierdo gelesen. Alle vier Bücher haben mich beeindruckt, da der Schreibstil mich sehr angesprochen hat. Detailreiche Beschreibungen, liebevoll skizzierte Figuren und intensive Emotionen sind die charakteristischen Merkmale des Schreibstils, an die ich mich gut erinnere.
Auch in diesem Buch ist der Schreibstil überzeugend, wobei hier noch eine gehörige Prise Humor dazukommt, der teilweise durchaus makaber ist. Das fängt schon direkt im ersten Kapitel an, als man sich auf einer Trauerfeier wähnt, jedoch bald eines Besseren belehrt wird. Formulierungen wie 'Mads krähten Kassandrarufe durch den Kopf' sind einfach genial, und da könnte ich noch viele mehr zitieren.
Besonders gefallen haben mir die beiden Hauptprotagonisten Mads und Fridtjof, die sehr eigenwillige Charaktere haben, was vom Autor prägnant dargestellt wird. Sie wirken sogar skurril, so dass man öfters schmunzeln muss. Auch die eifersüchtige Malteserhündin wird liebevoll skizziert. Die Kommissarin mit dem Beinamen 'Mills Kills' fand ich sehr realitätsfern, ihre Verhaltensweisen total überzogen.
Mads Madsen ist Trauerredner mit vollem Einsatz, denn er liebt seinen Beruf. Er ist alleinstehend, lebt mit seiner Malteserhündin und seinem Vater Fridtjof unter einem Dach. Eines Tages erfährt er vom Tod seines alten Freundes Patrick, den er ganz aus den Augen verloren hatte, an den er aber sehr emotionale Erinnerungen hegt. Patrick wurde angefahren und starb an den Folgen. Wegen der folgenden Fahrerflucht besteht der Verdacht, dass es sich um Mord handeln könnte. Das lässt Mads keine Ruhe, und er fängt an zu ermitteln.
Daraufhin habe ich spannende Ermittlungen erwartet, da das Buch ja als Kriminalroman deklariert ist. Leider kam Spannung aber selten auf, und man bekam auch nicht genügend Informationen, um miträtseln zu können. Das blieb alles ziemlich an der Oberfläche, so dass ich mich bisweilen zwingen musste, weiter zu lesen. Zwar ist der Autor bemüht, Cliffhanger einzubauen, die für mich aber nicht sehr überzeugend waren. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass die Krimihandlung Nebensache war, während das Familien Miteinander zum Leitthema wurde.
Die Bingo-Szenen waren zwar sehr humorvoll geschildert, besonders im Hinblick auf Fridtjof, waren mir aber für einen Kriminalroman viel zu langatmig und bedeutungslos.
Alles in allem hatte ich einen Kriminalroman erwartet, wurde aber mit einem amüsanten Unterhaltungsroman überrascht und bin deshalb gewissermaßen enttäuscht.

Bewertung vom 11.09.2025
Flitner, Bettina

Meine Mutter


sehr gut

Bewegender Rückblick auf die eigene Familiengeschichte
Das Buch beginnt mit der Beerdigung der Mutter, die Suizid begangen hat und der anscheinend niemand so richtig nachtrauert, noch nicht einmal die eigene Tochter. Das macht neugierig, was wohl die Gründe dafür sein könnten. In diesem Buch schildert die Autorin, durch welche tragischen Ereignisse und Gegensätze das Leben der Mutter Gisela geprägt wurde.
Um bessere Einsichten in die Vergangenheit zu bekommen, reist die Autorin nach Polen, nach Schlesien, wo ihre Mutter die glücklichsten und unbeschwertesten Tage verbrachte, bis der Krieg für gravierende Änderungen sorgte. Ihre Recherchen sollen auch die Motive für die vielen Selbstmorde in der Familie erklären, denn es ist sicherlich nicht abwegig, dass die Autorin selbst in eine vergleichbare Situation geraten könnte.
Nach der Ankunft in Schlesien überfällt den Leser eine so große Zahl an Namen, dass man den Durchblick verliert. Hier wäre ein Stammbaum sehr nützlich gewesen. Ich habe versucht, mir einen solchen selbst zu erstellen, um wieder Klarheit zu bekommen. Auch eine Liste der Dorfbewohner habe ich mir erstellt.
Die Familiensaga wird auf verschiedenen Ebenen erzählt, die sich dann als Ganzes im Hinblick auf die Gefühlslage der Mutter verbinden. Diese Seiten fand ich sehr ergreifend und interessant, denn man kann sich ausmalen, wie der Weg von der kleinen Gisela, die immer im Mittelpunkt steht, sich entwickelt zu der unsicheren Frau, die ihre Beziehungen nur schwerlich aufrecht erhalten kann und in Affären flieht.
Als Leser bekommt man hautnah zu spüren, wie die Familiensituation, die Gisela in jungen Jahren Halt gibt, immer mehr zerbröckelt, denn nach und nach erschließen sich dem Leser Details aus der Vergangenheit, die dann auch Umstände im späteren Leben erklären, wie z.B. die Untreue von Giselas Vater seiner Frau gegenüber und die geduldige Toleranz, die Giselas Mutter zeigt.
Ich finde es immer hochinteressant, hinter solche Familienbeziehungen zu schauen und daraus meine Schlüsse zu ziehen. Das macht für mich ein Buch spannend, auch wenn nicht viel passiert. Dies hat mir auch hier gefallen, nachdem ich dann endlich einen Durchblick durch die Namen erlangt hatte.
Den Vorgänger 'Die Schwester', in der die Autorin über ihre Schwester schreibt, die auch den Suizid wählte, werde ich mir sicherlich in Kürze besorgen.
Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen und mich oftmals zum Nachdenken gebracht, da auch Wurzeln meiner Familie in Schlesien und Ostpreußen verankert sind.

Bewertung vom 15.08.2025
Müller, Thomas

Thomas Müller - Mein Wimmelbuch


ausgezeichnet

Eine lustige Hommage an den deutschen Nationalspieler
Thomas Müller hat sich gerade aus der Nationalmannschaft verabschiedet, da kommt dieses Buch gerade zum richtigen Zeitpunkt, um nochmal auf Höhepunkte seiner Karriere zurückzublicken. Das macht dieses Buch auf großen bunten Doppelseiten.
Die Aufgabenstellung auf der Rückseite des Buches war mir nicht ganz klar. Soll man die gesuchten Personen auf jeder Doppelseite suchen, oder sind sie nur einmal vorhanden? Ich denke, die erste Option ist die richtige.
Ich bin zwar kein Bayern-Fan, aber Thomas Müller imponiert mir schon. Deshalb habe ich mir mit großem Spaß die Aufgaben vorgenommen und die Bilder in allen Details angesehen. Dabei musste ich öfters grinsen, denn so einige Szenen sind amüsant.
Das Buch ist schon für 4-jährige Kinder geeignet, die sehr gut im Suchen nach Details sind! Aber auch unser zwölfjähriger hat sich das Buch heute interessiert angeschaut und die Aufgaben gelöst.
Das Buch ist ein richtiges Wimmelbuch, es geht um die Bilder und die Informationen, die man daraus ziehen kann. Es ist kein Vorlesebuch!
Die Seiten sind aus stabiler Pappe und lassen sich auch mit einem feuchten Tuch bei leichter Verschmutzung abwischen.
Das Buch stellt genau dar, was ich erwartet habe, und deshalb bin ich sehr zufrieden.

Bewertung vom 30.07.2025
Hausmann, Romy

Himmelerdenblau


gut

Auf der Suche nach neuen Spuren
Julie Novak, Tochter eines renommierten Chirurgen, verschwindet im Alter von 16 Jahren. Zunächst denkt man an Entführung, aber die Lösegeldforderung beinhaltet einen so niedrigen Betrag, dass auch andere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Das ist nun 20 Jahre her, mittlerweile ist Julies Mutter verstorben und ihr Vater an Demenz erkrankt. Er kann nicht aufhören, nach Julie zu suchen, und ergreift einen neuen Strohhalm, als ein True-Crime-Podcast die Geschichte wieder aufrollt.
Das Buch beginnt mit einem düsteren Prolog des Ausgeliefertseins und wirkt vielversprechend. Man erwartet einen spannenden Thriller, den man nicht aus den Händen legen möchte. Leider habe ich dies, zumindest in der ersten Hälfte des Buches, nicht so empfunden. Es gibt zwar ein paar spannende Stellen, aber es gibt auch sehr langatmige Passagen, in denen ich mich ernsthaft gefragt habe, ob es sich wirklich um einen Thriller handelt. Erst in der Mitte des Buches kam Fahrt auf und den zweiten Teil habe ich dann regelrecht verschlungen.
Sehr gut beschrieben wird die fortschreitende Demenz des Vaters, Theo Novak. Dies war für mich absolutes Neuland, da ich persönlich bislang nie in Berührung mit dieser Krankheit gekommen bin. Ganz zu Beginn hielt ich die Wortfindungsstörungen für Rechtschreibfehler, was sich dann aber schnell änderte und ich Theos Passagen einsichtiger lesen konnte. Die Beschreibung dieser Krankheit hat mich sehr ergriffen und nachdenklich gemacht.
Wir finden im Buch wechselnde Perspektiven, was ich sehr mag, denn so wird der Plot von verschiedenen Seiten beleuchtet, ideal für alle, die miträtseln, was geschehen sein könnte. Etwas schwierig zu lesen fand ich in diesem Zusammenhang Theos Blick auf die Dinge, denn man musste unterscheiden, was nun wirklich passiert und was nur in seiner Vorstellung existiert.
Richtig warm geworden bin ich mit keiner Figur in dieser Geschichte, denn alle haben auch 'hässliche' Seiten. Nur Daniel, den früheren Freund von Julie, der von Theo abgelehnt wurde, fand ich teilweise bemitleidenswert. Die Protagonisten werden jedoch allesamt gut beschrieben. Ich konnte ihren Gedanken folgen und ihre Gefühle nachvollziehen.
Mir hat der intensive und kritische Blick auf die Kulissen der Podcasts imponiert, und ich fand die beiden Podcaster Liv und Phil anschaulich und überzeugend beschrieben.
Sehr gut gefallen hat mir dann das überraschende Ende der Story. Niemals wäre ich auf diese Auflösung gekommen.
Alles in allem würde ich das Buch nicht als Thriller bezeichnen, sondern als tiefgründigen Roman. Dieser hat mir im Großen und Ganzen auch gefallen, aber ich hatte einfach mehr Spannung erwartet und war deshalb enttäuscht.

Bewertung vom 30.06.2025
Furniss, Jo

Der Stau


sehr gut

Schwierige Mordermittlung im Stau
Dies war mein erster Locked-Room Thriller, und die Lektüre dieses Buches zeigt die Schwierigkeiten in einem solchen Fall deutlich auf. Der Kontakt zu Kollegen ist nur sehr eingeschränkt möglich, und es gibt auch persönliche Probleme, die die Arbeit behindern.
In diesem Buch lernen wir Belinda Kidd kennen, kurz Billy genannt. Sie ist Police Sergeant und kurz vor dem Ruhestand. Sie befindet sich auf der Rückfahrt vom Flughafen, in einem Mietauto, leidet unter Jetlag und freut sich auf ihr Zuhause. Doch dann kommt alles ganz anders, Billy muss aktiv werden, denn durch eine terrorgesteuerte Explosion im Deadwall Tunnel kurz vor London, die für einen gigantischen Stau sorgt, findet sie sich plötzlich dienstlichen Pflichten gegenüber. Unweit von ihrem Auto findet sich eine Leiche in einem Wagen, der Fahrer muss im Stau erstochen worden sein....
Es entstehen viele Verdächtigungstheorien, die teilweise widerlegt werden oder sich aber hartnäckig halten. Da man bei diesen Ermittlungen sehr viele Charaktere kennenlernt, bringt man schnell einiges durcheinander, so dass ich mir dann erstmal eine kleine Liste mit Namen angelegt habe. Zu einzelnen Charakteren gibt eigene kleine Kapitel, die das Verdachtsmoment entweder verstärken oder abschwächen, aber selten aus dem Weg räumen.
Trotz alledem hält sich der Spannungsbogen nicht konstant aufrecht, sondern es entstehen Längen, wenn es z.B. um Billys Beziehung zu ihrem Kollegen am Telefon geht oder um Billys dringendes 'Bedürfnis'. Außerdem sorgen die vielen Charaktere für gehemmten Lesefluss. Ich würde dies nicht als Thriller bezeichnen, denn zum Weiterlesen musste ich mich oft aufraffen. Zwar sind die Ermittlungen interessant, aber vielleicht ist zu wenig Bewegung im Spiel (staubedingt!). Nervenkitzel gibt es aber auch, z.B. als im Schrottauto eine Autobombe vermutet wird.
Der Schreibstil gefällt mir, er ist gut verständlich und enthält versteckten schwarzen Humor, was mir gut gefällt. Überwiegend lesen wir über Billys Sicht auf die Dinge, und sie entwickelt dabei einen gewissen hintergründigen Witz. Z.B. erfindet sie Spitznamen für die Beteiligten, die sich entweder auf das Aussehen oder bestimmte Eigenheiten beziehen: Schinkenkopf, Retromann, Silberfuchs oder Die Unflätige ....
Sehr überzeugend fand ich die Verhaltensbeschreibung der Personen in dieser Ausnahmesituation und auch das soziale Miteinander, geprägt von Angst, Panik oder auch Mitgefühl.
Alles in allem hat mich das Buch recht gut unterhalten, aber ich hatte mehr Spannung erwartet.