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Benutzername: EOS
Wohnort: Siegen
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Bewertungen

Insgesamt 31 Bewertungen
Bewertung vom 20.11.2018
Marion, für immer 13
Fraisse, Nora

Marion, für immer 13


gut

In diesem Buch wird die authentische Geschichte der 13-jährigen Marion Fraisse erzählt, die nach heftigen Mobbingattacken Selbstmord begeht. Die Mutter selbst findet ihre Tochter und ist wie vor den Kopf geschlagen, da sie von der Heftigkeit der Belästigungen nichts geahnt hat. Ihr ganzes Streben zielt nach Aufklärung , wie es so weit kommen konnte und wie man es hätte verhindern können. Aus diesem Grunde schreibt sie auch dieses Buch, um ihre Leser wachzurütteln, damit sie Mobbing nicht ignorieren sondern bekämpfen.
Man sollte meinen, dass ihre Recherchen und ihre Präventionsansätze Unterstützung fänden, aber dem ist nicht so. Im Gegenteil, sie stößt auf Lügen, Verschleierung und Ignoranz, sowohl bei der Polizei als auch und ganz besonders in der Schule. Aber die Mutter kämpft energisch weiter, unter Einsatz der Medien, der Justiz und auch der Politik.
Es ist sehr beachtenswert und beinahe unglaublich, welche Energie sie aufbringt trotz ihres so schmerzhaften Verlustes. In ihrer abgrundtiefen Trauer legt sie ihre ganze Kraft in ihren Kampf, ihrer Tochter im Nachhinein Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wahrscheinlich hilft ihr das Schreiben auch dabei, den Schmerz zu verarbeiten und nicht daran zu verzweifeln.
Ich spreche der Mutter mein tiefstes Mitgefühl aus, denn der Verlust der eigenen Tochter muss unerträglich weh tun. Außerdem empfinde ich Respekt und äußerste Hochachtung dafür, dass sie sich so engagiert, um dem Mobbing, das sich überall und immer mehr und immer heftiger verbreitet, entgegenzuwirken.
Leider bleibt das Buch in meinen Augen etwas zu sehr an der Oberfläche und führt durch ständige Wiederholungen zu recht langatmigen Lesephasen. Ich hätte hier mehr Tiefgang zu Marions Problemen im Umgang mit ihren Mitschülern und Freunden erwartet und auch Hinweise, wie man frühzeitig dagegen hätte ankämpfen können. Denn dann wäre die Lektüre eine Hilfe für viele. Des weiteren habe ich mehr erwartet, wie das Familienleben nun weitergeht, wie die Mutter mit ihren verbleibenden Kindern umgeht und sie unterstützt, und welche Rolle der Vater spielt. Dazu erfahren wir leider wenig. Ich empfinde es so, dass es am Ende nur noch darum ging, alle möglichen Instanzen anzuklagen. Und was mir auch ein wenig fehlt ist Selbstkritik, denn es gab Hinweise auf soziale Probleme in der Schule, hätte die Mutter nicht im Vorfeld mehr unternehmen können? Sie hat zwar um Klassenwechsel gebeten, aber wäre da nicht mehr Insistenz angebracht gewesen?
Nichtsdestotrotz gilt mein ganzes Mitgefühl natürlich dieser Mutter und ihrer Familie. Und ich empfinde das Buch als Hilfeschrei, die Augen nicht zu verschließen, sondern dem Mobbing die Stirn zu bieten.

Bewertung vom 18.11.2018
Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19
Ani, Friedrich

Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19


sehr gut

Der Detektiv Tabor Süden gilt als Spezialist, wenn es darum geht, Vermisste aufzuspüren. Nach einem Todesfall im Laufe einer Ermittlertätigkeit beschließt er, seinem alten Leben den Rücken zuzuwenden. Er macht sich auf den Weg zum Bahnhof, um alles hinter sich zu lassen. Aber seine Chefin holt ihn zurück mit einem Auftrag: er soll einen vermissten Schriftsteller finden: Cornelius Hallig.
Dieser hat seinen Wohnplatz einfach verlassen, ohne jemandem Bescheid zu geben, und ist einfach verschwunden. Bevor er zum Schriftsteller wurde, führte er ein einsames Leben gemeinsam mit seiner alleinerziehenden Mutter, zu der er bis zu ihrem Tod ein sehr enges Verhältnis hatte. Seit seine Mutter nicht mehr lebt, ist sein Leben noch sinnloser geworden. Schon früher als Kind wurde er malträtiert und ist immer einsam geblieben.
Beide Protagonisten haben also eines gemeinsam: sie wollen ihr bisheriges Leben verlassen, werden aber zurückgeholt bzw. sollen es werden. Kann Tabor Süden sich so in Halligs Gedanken- und Gefühlswelt hineinversetzen, dass er ihn aufspürt? Seine Ermittlungsmethoden sind wirklich eigentümlich.
Am Anfang habe ich mich schwergetan, in das Buch hineinzufinden. Teilweise wusste ich nicht sofort, ob von Süden oder Hallig die Rede war, und musste zunächst einige Passagen zweimal lesen. Schließlich konnte ich mich aber doch mit dem Erzählstil anfreunden und habe die detaillierten Beschreibungen genossen. Man fühlt sich in eine andere Welt hineinversetzt, in der es viele Abgründe und Hindernisse gibt, Finsternis und Einsamkeit, bis hin zur Ausweglosigkeit.
Es handelt sich hier nicht um einen Action-Thriller, sondern in meinen Augen um tiefgehende Charakterstudien und -analysen. Je mehr ich in dieses Geschehn vordrang, desto interessanter wurde es für mich, ich wollte meine Lektüre nicht mehr unterbrechen. Allein schon die Sprache fasziniert, wenn man erstmal Zugang gefunden hat. Die Namenwahl hat mich ebenso beeindruckt, z.B.Inka Wels oder Bruna Glock. Eigensinnige Namen, genau wie die Menschen, die damit leben.
Ich gebe 4 von 5 Sternen, weil ich am Anfang nur langsam hineinfand, und spreche für Freunde anspruchsvoller Literatur eine klare Leseempfehlung aus.

Bewertung vom 31.10.2018
Hemingway und ich
McLain, Paula

Hemingway und ich


ausgezeichnet

Hemingway lernt seine 3. Frau, Martha Gellhorn, in Florida kennen, als sie dort mit Mutter und Bruder Urlaub macht. Martha erkennt ihn sofort, denn sie schwärmt schon lange für diesen herausragenden Schriftsteller. Martha selbst möchte auch schreiben, aber große Erfolge lassen auf sich warten. Sie ist hocherfreut, als sie auf Hemingways Sympathie trifft, die sich schnell in eine Beziehung verwandelt. Dabei ist er 10 Jahre älter als Martha und verheiratet, er hat auch Kinder. Ohne Rücksicht darauf beginnen die beiden eine sehr intensive Liebesbeziehung, die zunächst beiden Flügel verleiht, und das nicht nur im übertragenen Sinne. Sie reisen in Kriegsgebiete, wohnen mal hier und mal dort, schreiben beide und genießen das Leben mit vielen Freunden und reichlich Alkohol. Schließlich heiraten sie sogar, und es sieht nach einem Happy End aus.
Das sind die realen Grundlagen, aus denen Paula McLain einen fesselnden Roman zaubert, den sie mit fiktiven Elementen vermischt. Sehr authentisch sind in meinen Augen die Charaktere der Protagonisten beschrieben: Hemingway ist souverän, erfolgsgewohnt, egozentrisch, launisch und fordernd, immer auf Abenteuer aus, sei es in privater oder beruflicher Mission. Martha ist selbstbewusst, reiselustig und auch auf Abenteuer aus, aber irgendwo in ihrem Inneren sehnt sie sich nach einem beständigen Zufluchtsort. Als sie den jedoch gefunden hat, hält sie es nicht lange aus und sucht wieder das Abenteuer und die Freiheit. Sie muss aber immer wieder Kompromisse eingehen, um Hemingway als Lebenspartner zu halten. Und dieser hat seine Methoden, um sie unter Druck zu setzen...
Schließlich erreicht Martha den Punkt, wo sie erkennt, dass ihre schriftstellerischen Erfolge und ihre Beliebtheit in hohem Maße von Hemingway abhängig sind, und nun sieht sie sich zu einer Entscheidung genötigt. Soll sie ihre eigenständige Karriere weiterverfolgen, oder soll sie als Frau Hemingway im Schatten des berühmten Mannes stehen? Dies ist keine leichte Entscheidung, aber Hemingways zunehmend drangsalierendes Verhalten ihr gegenüber hilft bei der Wahl.
Paula McLain hat hervorragende Recherchen durchgeführt, denn sie vermittelt hinter der eigentlichen Handlung ein authentisches Bild dieser Zeit. Der eingegliederte historische Hintergrund ist gut verständlich und war für mich sehr hilfreich .Etwas langwierig fand ich nur die detaillierten Kriegsberichte von der jeweiligen Front.
Ansonsten hat mich das Buch überzeugt, ich habe es sehr gern und mit Spannung gelesen, konnte es teilweise nicht weglegen, ohne noch ein weiteres Kapitel zu lesen.....deshalb kann ich eine klare Leseempfehlung aussprechen!

Bewertung vom 22.10.2018
Das Vogelhaus
Eva, Meijer

Das Vogelhaus


ausgezeichnet

Len Howard hat die Liebe zu wild lebenden Vögeln von ihrem Vater gelernt, denn auch dieser beobachtete Vögel, pflegte verletzte Tiere wieder gesund und band Len in all diese Tätigkeiten ein. Sie wird Geigerin, durchlebt eine turbulente Pubertät und verdient danach ihr Geld als Geigerin in einem Londoner Orchester. Nach einigen Jahren und einer zerbrochenen Liebe beschließt sie, die laute Großstadt zu verlassen, ihren Job zu kündigen und endlich das zu tun, was sie am meisten mag: sich der Vogelbeobachtung widmen. Sie kauft von ihrem Erbe (nach dem Tod des Vaters) ein kleines Cottage am Waldrand und beginnt ihre Studien.
Sie verbindet sich mit der Natur, die sie vorfindet, macht Entdeckungen und Erfahrungen, die im schnell vorbeiziehenden Alltag keinen Platz finden können. Sie beobachtet die Vögel um sie herum, kümmert sich um sie und gewinnt ihr Vertrauen. Sie teilt ihr Leben mit diesen wunderbaren Tieren, lässt sich völlig auf sie ein und bietet ihnen sogar den Zutritt zu ihrem Haus. Und auch die Vögel merken schnell, dass dieser Mensch es gut mit ihnen meint und keine Gefahr darstellt. Die entstehenden Beziehungen zwischen Len und ihren Mitbewohnern werden von der Autorin sehr einfühlsam und authentisch beschrieben, so dass ich manchmal Tränen in den Augen hatte. Kein Mensch muss die Natur bekämpfen, man kann ganz wunderbar mit ihr leben. Das zeigt uns Len Howard am Beispiel ihrer Vögel.
Ich denke, dass die Autorin selbst auch ein gutes Verhältnis zur Natur hat, denn sonst könnte sie Lens Geschichte nicht so überzeugend darstellen. Ihre Recherchen zu dieser einzigartigen Frau waren intensiv und erfolgreich. Len Howard ist für mich eine bewundernswerte Frau, die ihren Idealen treu bleibt und dafür kämpft.
Der Schreibstil lässt sich gut lesen und vermittelt einprägsam die Atmosphäre der jeweiligen Situation. Die Sätze sind einfach gehalten, oft kurz, so wie die Gedanken im Kopf herumschwirren.
Ich liebe dieses Buch und möchte es jedem nahelegen, der sich als Freund der Natur sieht oder ein besonderes Verhältnis zu unseren gefiederten Freunden hat. Es ist ein Buch, das nachwirkt und indirekt Anregungen für den Umgang mit der Natur und ihren Lebewesen gibt.

Bewertung vom 02.10.2018
Bluthaus / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.2
Fölck, Romy

Bluthaus / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.2


ausgezeichnet

Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn ermitteln wieder. Zwar ist Frida z.Zt. nicht im Dienst, weil sie sich von den traumatischne Erfahrungen des vorigen Falls erholen muss, aber ihre Freundin Jo verschwindet spurlos und soll jemanden auf einem einsamen Gehöft getötet haben. Frida kann dies nicht glauben und begibt sich auf die Suche nach Jo. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf einen anderen Fall, der bereits Jahre zurückliegt. Damals wurde auf der einsamen Ostseeinsel Holnis eine Familie in ihrem Ferienhaus brutal ermordet. Kann es sein, dass beide Fälle zusammenhängen? Und wenn ja, wie hängen sie zusammen? Frida und Bjarne recherchieren...
Dies ist der 2.Band um die Ermittlerin Frida Paulsen. Ich habe den ersten Band bislang nicht gelesen, was aber kein Problem für das Verständnis des 2. Bandes darstellte.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und lässt keine Fragen offen, man findet sehr gut in die Handlung hinein, und sie lässt einen nicht mehr los. Der Spannungsaufbau beginnt direkt im Prolog und wird konsequent fortgeführt. Bereits im ersten Drittel des Buches fängt man an mitzurätseln, und das macht für mich einen guten Krimi aus. Und dieses Miträtseln hält bis zum Schluss an. Ich habe mich irgendwie in die Ermittlungen eingebunden gefühlt...
Die beiden Hauptprotagonisten Frida und Bjarne waren mir sofort sympatisch, da sie bodenständig sind und auch ihre persönlichen Probleme haben. Romy Fölck beschreibt glaubhaft, wie Frida ganz allmählich wieder Spaß an ihrem Beruf findet und die negativen Folgen ihres Traumas abbaut. Und auch Bjarne ist ein authentischer Charakter, dem Ruhestand sieht er freudig entgegen und die Anstrengungen seines Jobs hinterlassen Spuren bei ihm. Auch privat hat er es nicht leicht.
In der intensiven Beschreibung seiner persönlichen Probleme liegt meiner Meinung nach eine Schwäche des Buches, denn teilweise nehmen sie sehr viel Raum ein, und man fragt sich, was das eigentlich mit den Ermittlungen zu tun hat. Etwas weniger Privates wäre hier mehr gewesen....Es ist zwar schön, die Protagonisten auch in ihrem privaten Bereich zu erleben, aber müssen es immer so ausgefallene Bausteine sein?
Das bringt jedoch der Gesamtspannung keine Minderung, und ich möchte das Buch jedem empfehlen, der aufregende, aber zugleich bodenständige Spannung liebt und in Gedanken miträtseln möchte.

Bewertung vom 30.09.2018
Das andere Haus
Fleet, Rebecca

Das andere Haus


ausgezeichnet

Ergreifend und voller Überraschungen
Caroline und Francis sind ein Ehepaar, das nach einer schweren Krise wieder zueinander gefunden hat. Um dem Alltag zu entkommen, entscheiden sie sich für einen Haustausch-Urlaub und verbringen eine Woche in der Nähe von London. Von Anfang an erscheint Caroline das fremde Haus merkwürdig, und sie entdeckt immer mehr Dinge, die sie an frühere Zeiten erinnern, die sie gern vergessen möchte. Jedoch scheint es, dass sie nicht vergessen, sondern mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden soll. Sie reagiert schockiert und fragt sich, wer das Ganze inszeniert haben könnte und aus welchem Grund.
Was für eine Geschichte! Das Buch ist unbeschreiblich spannend, es hat mich total gefesselt, so dass ich ungern meine Lektüre unterbrochen habe. Ich habe richtig mitgefiebert und immer neue Vermutungen angestellt, was hinter all den obstrusen Funden in dem Tauschhaus stecken könnte. Und Rebecca Fleet schafft es, immer wieder für überraschende Wendungen zu sorgen, die man nicht eingeplant hatte, die aber trotzdem logisch und einleuchtend sind. Auch der Perspektivwechsel trägt zur Spannung bei. Mitfiebern bis zum Schluss!
Den Schreibstil der Autorin finde ich faszinierend, gut lesbar und situationsgerecht, teilweise emotionsgeladen, aber auch dramatisch. Sehr interessant fand ich, dass sie Carolines Gedanken über ihren früheren Geliebten nicht in der 3.Person wiedergibt, sondern ihn immer direkt anspricht ('du hast...'), was uns verdeutlicht, wie intensiv die emotionale Bindung noch ist. Sehr überzeugend!
Während viele Psychothriller unrealistische Elemente enthalten, um den 'Thrill' zu vermitteln, ist hier alles authentisch und trotzdem packend. Kein rasanter Showdown und kein übertriebenes Blutvergießen.
Und dann noch ein Wort zum Cover: es fühlt sich teilweise rau an, genau auf den Steinen, was auf die schwerwiegenden Umstände des Haustauschs hinweisen könnte.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der tiefgründige Psychothriller mag, und ich gebe gern 5 Sternchen.

Bewertung vom 17.09.2018
Alligatoren
Spera, Deb

Alligatoren


ausgezeichnet

In diesem Buch wird das schwere Schicksal dreier Frauen beschrieben, die jede auf ihre Art leidet, sei es unter Armut, Rassismus, häuslicher Gewalt, Hunger oder Krankheit. Jede sehnt sich nach Befreiung von den Qualen und nach einem selbstbestimmten Leben.
Da ist Gertrude mit ihren vier Töchtern, ihr Leben wird von ständigem Hunger bedroht, aber auch die Gewalttätigkeit ihres dauernd betrunkenen Ehemannes und Vaters setzt ihnen zu. Das einsame Leben in den Sümpfen fordert ihre ganze Kraft, bis Gertrude sich eines Tages von ihrem Mann befreit, aber ein harter Weg liegt vor ihr....
Annie ist zwar Plantagenbesitzerin und verwöhnt mit den neuen technischen Erfindungen, aber sie findet heraus, dass ihr mächtiger Mann ein dunkles und böses Geheimnis hat, das ihre beiden Töchter aus dem Haus trieb und den Selbstmord eines Sohnes auslöste. Diese Erkenntnis wirft sie völlig aus der Bahn und bewirkt, dass sie ihr Leben auf drastische Weise umkrempelt, bis sie sich schließlich befreit....
Dann ist da noch Oretta, sie arbeitet als schwarze Haushälterin für Annie, und ist eine herzensgute und hilfsbereite Frau. Durch zwei schwere Schicksalsschläge, der Tod ihrer einzigen Tochter und der schwere Unfall ihres Mannes, ist sie schwer getroffen, aber gibt nicht auf, denn sie findet sich geborgen in der tiefen Liebe zu ihrem Mann....
Diese drei Frauen finden zueinander und unterstützen sich gegenseitig, um sich ihre persönliche Freiheit zu erkämpfen. Ihre harten Bemühungen um Selbstbestimmung sind ergreifend und haben mich während des Lesens in eine andere Welt gezogen, die mich nicht losließ, selbst in Lesepausen und als ich das Buch beendet hatte. Das raue Leben in den Südstaaten und die harten Schicksale haben mich sehr betroffen gemacht und mir reichlich Stoff zum Nachdenken geboten. Und obwohl nicht wirklich viel passiert, ist immer diese subtile Spannung da: wie geht es weiter?
Deb Speras intensiver und detaillierter Schreibstil erzeugt eine niederdrückende Atmosphäre, die einen gefangen hält und mitleiden lässt. Es schockiert zu sehen, wie Frauen in dieser Zeit diskriminiert wurden, aber ihr Erfolg im Bemühen um Loslösung stimmt hoffnungsvoll.
Ich möchte das Buch jedem empfehlen, der ernsthafte und ergreifende Literatur mag. Ich fand es schade, als ich das Buch beendet hatte, denn ich hätte den Lebensweg dieser drei mutigen Frauen gern noch weiter begleitet, da ich sehr vertraut mit diesen drei Charakteren geworden bin.

Bewertung vom 01.09.2018
Die Hochhausspringerin
Lucadou, Julia von

Die Hochhausspringerin


gut

In dieser Dystopie geht es um die existentiellen Probleme, die ein extrem fremdbestimmtes Leben mit sich bringen kann.
Julia von Lucadou macht uns bekannt mit Riva Karnovsky, einer Hochhausspringerin, sehr beliebt und perfekt in ihrer attraktiven Rolle, die sich aber plötzlich aus diesem glamourösen Leben zurückzieht und in Lethargie verfällt. Dann ist da noch Hitomi Yoshida, die für Psy-Solutions arbeitet und durch geeignete Maßnahmen Riva reanimieren soll, damit sie sich wieder dem Highrise Diving zuwendet. Diese Maßnahmen bestehen in erster Linie aus minutiöser Überwachung, die Gründe für den Rückzug herausfinden und geeignete Therapiemöglichkeiten bieten soll.
Schnell wird deutlich, dass in dieser neuen Welt jeder permanent überwacht wird, bis in die Intimsphäre hinein, um die bestmögliche Optimierung der einzelnen Individuen zu gewährleisten, denn nur dann kann die Gesellschaft funktionieren. So wird auch Hitomi immer mehr bewußt, dass auch ihr Leben komplett fremdbestimmt ist, und wenn sie nicht funktioniert wie gewünscht, erfolgt der gesellschaftliche Abstieg, bis hinaus in die Peripherien, wo die Menschen bei ihren Biofamilien selbstbestimmt leben, aber eben nicht vollkommen sind.
Mir scheint es, als gehe es darum, sich zu entscheiden. Was möchte ich, Ruhm und Anerkennung, wobei ich mich dann aber in totale Fremdbestimmung begebe und mich anpasse, quasi meine eigene Persönlichkeit aufgebe. Oder möchte ich ein Individuum bleiben, selbstbestimmt, aber ohne Rückendeckung durch die Gesellschaft?
Offensichtlich ist Riva es leid, vom System vermarktet zu werden und im goldenen Käfig zu leben. Hitomi hingegen schätzt ein solches Leben, merkt aber sehr schnell, wie schwierig es ist, den gesellschaftlichen Ansprüchen dieser neuen Welt zu genügen.
Ein Sympathieträger ist keiner der Protagonisten, denn Hitomi missfällt mir durch ihren Ja-Sager Status, während ich über Rivas Beweggründe wenig erfahre, da der Roman aus Hitomis Sicht geschrieben ist. Ich denke aber, dass Rivas Aufbegehren ihr Wesen aufwertet.
Die Grundidee der Autorin ist lobenswert und in der heutigen Zeit keine reine Utopie mehr. Allerdings muss ich sagen, dass sich in der Umsetzung eine gewisse Langatmigkeit deutlich macht, denn es passiert einfach seitenweise nichts wirklich Neues, auf der einen Seite ständige Lethargie und auf der anderen permanente Überwachung. Besonders im Mittelteil war die Motivation zum Weiterlesen sehr niedrig. Zum Ende hin kam dann wieder deutlich mehr Spannung auf, denn Rivas und Hitomis weiterer Lebensweg wurde aufgezeigt.
Auf jeden Fall bringt einen die Geschichte um Riva und Hitomi zum Nachdenken. Wie ist unsere Rolle in der Gesellschaft und möchten wir daran etwas ändern?

Bewertung vom 25.08.2018
Vier.Zwei.Eins.
Kelly, Erin

Vier.Zwei.Eins.


ausgezeichnet

Wem kann man wirklich trauen, und ist dein Freund nicht in Wirklichkeit dein Feind?
Diese Frage stellt man sich, wenn man dieses spannende Buch beendet hat. Von Erin Kelly als Roman eingestuft, hat es doch auch viele Elemente eines Kriminalromans. Und die Spannung ist während der gesamten Lektüre vorhanden, ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.
Allein schon das Hobby der Hauptprotagonisten fand ich sehr interessant und war für mich informativ. Besessen vom Phänomen der Sonnenfinsternis, fährt man zu Orten, um gemeinsam mit anderen diese magischen Momente zu erleben. Während einer totalen Sonnenfinsternis in Cornwall kommt es zu einem brutalen Verbrechen, dessen Folgen noch lange nachwirken und das Leben der Hauptakteure umkrempeln.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und zeichnet ein gutes Bild der jeweiligen Situation. Obwohl streckenweise nichts Schlimmes passiert, liegt immer eine Art Bedrohung im Hintergrund, weshalb man das Buch nicht gut beiseite legen kann. Es fesselt den Leser.
Erin Kelly versteht es von Anfang an Spannung aufzubauen, zunächst ist es nur die Neugier des Lesers, der unbedingt wissen möchte, was damals passiert ist. Dann folgen mysteriöse Hinweise und warnende Anmerkungen, die darauf schließen lassen, dass nach der damaligen Vergewaltigung noch viel Unheil heraufbeschworen wurde. Der ständige Wechsel zwischen zwei Zeitebenen, damals und heute (dazwischen liegen ca. 15 Jahre), deutet bereits an, dass die Sache noch nicht abgeschlossen ist. Die einzelnen Verstrickungen sind authentisch, durchaus nachvollziehbar, wenn auch teilweise überraschend. Und damit kommt zu der Spannung noch eine gehörige Portion Entsetzen, wie hinterhältig Menschen agieren können....
Mein Lieblingscharakter ist Laura, sie ist eine Helfernatur und äußerst tatkräftig, wenn jemand in Not ist. Sie scheut sich nicht, auch der unangenehmen Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Das wird leider auch teilweise ausgenutzt. Ich habe viel Mitleid für sie empfunden.
Kit ist für mich eine eher schwache Persönlichkeit, der sich an anderen orientiert und auf egoistische Weise seinen Vorteil sucht, auch wenn es anderen schadet.
Beth ist für mich undurchschaubar, kann man ihr vertrauen oder eher nicht?
Für mich ist das Buch ohne Frage fünf Sterne wert. Es hat mich noch beschäftigt, als die Lektüre schon abgeschlossen war, irgendwie war ich fassungslos, wie bösartig Menschen agieren können unter dem Deckmantel, nur Gutes bewirken zu wollen. Aber trotzdem ist das Vorgefallene authentisch, nicht aus den Sternen gegriffen.
Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!!!

Bewertung vom 17.06.2018
Die Schlingen der Schuld
Warner, Dave

Die Schlingen der Schuld


sehr gut

Detective Daniel Clement ist nach erfolgreicher Polizeiarbeit in Perth auf Grund privater Veränderungen (Scheidung) in die Einsamkeit des Outback zurückgekehrt und arbeitet nun in der ruhigen Polizeidienststelle seines früheren Heimatortes. Ein äußerst brutaler Mord an einem Deutschen in den Mangrovensümpfen beendet jedoch bald sein ruhiges Polizistenleben, denn nun sind intensive Recherchen erforderlich, die Spuren nach Deutschland und in das Hamburger Drogenmilieu der 80er Jahre aufdecken. Schon bald passiert ein zweiter Mord....
Sehr positiv zu erwähnen sind zunächst die landeskundlichen Informationen zum Outback, die den Leser die Einsamkeit und die Weite dieser Region fühlen lassen und zugleich auch die damit verbundenen Probleme. Auch das Cover ist sehr schön gestaltet und präsentiert ein Stimmungsbild zu diesem Krimi.
Der Fall selbst ist recht komplex, erfordert gründliche Ermittlungsarbeit, weist auch einige falsche Spuren auf, wird schließlich aber logisch durchdacht gelöst. Am Anfang noch ziemlich unspektakulär, wird die Handlung dann aber immer spannender und löst beim Leser ein vielseitiges Miträtseln aus, das öfters in die falsche Richtung läuft, aber das macht es ja umso aufregender. Es erfolgen immer wieder informative Rückblicke auf die Hamburger Zeit, die allmählich Licht ins Dunkel bringen. Der Showdown vollzieht sich, als ein Zyklon über den Outback hinwegfegt und schafft eine unheimliche Szenerie.
Was mir überhaupt nicht gefallen hat (deshalb der Punktabzug) sind die Längen in der Beschreibung des Detective Clement, angefangen bei seinen Gedanken an seine Exfrau und seine Tochter, weiter mit seinen Erinnerungen an seine Kindheit und die damalige Rolle seines Vaters und letztendlich z.B. auch sein Zahnweh, das ihn über längere Zeit beschäftigt. Ein wenig Information zum Privatleben des Ermittlers ist ja interessant und sinnvoll, aber hier gibt es zuviel davon. Diese Passagen waren sehr langatmig und minderten die Spannung. Demzufolge ist mir der Protagonist weder sympatisch noch unsympathisch und hinterlässt keine bleibende Erinnerung.
Ich kann das Buch sowohl Krimi- als auch Australienfans empfehlen, würde mir aber wünschen, dass bei weiteren Clement-Krimis, die wohl geplant sind, die privaten Ausführungen deutlich gekürzt werden.