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Benutzername: EOS
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Bewertungen

Insgesamt 31 Bewertungen
Bewertung vom 21.05.2018
Zu nah / Frankie Sheehan Bd.1
Kiernan, Olivia

Zu nah / Frankie Sheehan Bd.1


weniger gut

Frankie Sheehan, Detective bei der Dubliner Gardai, ist gerade wieder in ihren Dienst zurückgekehrt, nachdem sie in ihrem vorigen Fall schwer verletzt wurde und die psychischen Folgen noch nicht vollständig überwunden hat. Ihr wird alsbald trotz Bedenken von Seiten ihres Chefs die Ermittlung in einem neuen Todesfall übertragen, da die Dubliner Polizei gerade unter Personal- und Geldmangel leidet. Was zunächst wie Selbstmord aussieht, entpuppt sich schnell als brutaler Mord. Im Laufe der Ermittlungen, während es noch weitere Opfer gibt, fällt es Frankie zunehmend schwer, konzentriert zu ermitteln, da sie immer noch traumatisiert ist. Zudem handelt es sich um äußerst brutale Morde, mit sadomasochistischen Zügen.
Die Story mit ihren Hintergründen ist originell und hätte durchaus Potenzial für einen nervenaufreibenden Thriller, aber leider wird die Spannung nur ganz langsam aufgebaut, eigentlich erst ab dem letzten Drittel. Vorher laufen die Ermittlungen zu langatmig, und die traumatisierenden Ereignisse des vorigen Falls treten in Flashbacks immer wieder in den Vordergrund. Frankie ist noch nicht gänzlich in der Lage, zuverlässig im Team zu arbeiten, macht vieles im Alleingang und ertränkt ihre Probleme in Alkohol und Tabletten.
Im letzten Drittel gibt es schließlich einige Verdächtige und man fängt an mitzurätseln, wer es denn gewesen sein könnte (endlich die gewünschte Spannung!), aber dann kommt der Showdown - und man ist total enttäuscht...Auch im Verlauf der Handlung sind einige Szenen unglaubwürdig und inkonsequent.
Richtig sympathisch ist mir keiner der Protagonisten, auch nicht die Hauptermittlerin. Irgendwie verfällt sie oft in Selbstmitleid anstatt wieder neu durchzustarten...Die anderen Personen werden nicht intensiv genug vorgestellt, um Sympathie oder Antipathie zu fühlen. Einige Personen, die Erwähnung finden, hätten ruhig weggelassen werden können, da sie für den Handlungsverlauf unerheblich bleiben.
Lobend hervorheben kann ich die Leistung der Sprecherin Sabine Godec, die ihre Stimme personenbezogen variierte und auf die jeweilige Szene abstimmte. Ich habe ihrer Lesung gern zugehört und kann sie jedem empfehlen.
Alles in allem würde ich diesen Krimi als mittelmäßig einstufen, keine nervenaufreibende Spannung, aber ein origineller Fall. Ich hätte mir vom Setting mehr landeskundliche Informationen über Irland gewünscht, was leider überhaupt nicht zutraf. Aber davon abgesehen, meine Empfehlung für alle Krimifans, die es eher ruhig mögen.......

Bewertung vom 04.05.2018
Revolution im Herzen
Beinert, Claudia; Beinert, Nadja

Revolution im Herzen


ausgezeichnet

Anfang des 19. Jahrhunderts: es herrscht große Armut, und der Unterschied zwischen Arm und Reich ist extrem....Lenchen Demuth verlässt im zarten Alter von 8 Jahren ihre Heimat, nachdem ihr Vater verstorben ist und sie sich zu Hause ungeliebt fühlt. Sie möchte in Trier als Hausmädchen arbeiten und Geld für ihre Familie verdienen. Durch einen großen Zufall kommt sie in das Haus der Familie des Barons von Westfalen und verdient bei harter Arbeit tatsächlich ihr erstes Geld. Später heiratet die Tochter des Hauses Karl Marx, und so wird Lenchen einige Zeit später Dienstmädchen im Hause Marx.
Lenchen Demuth ist ein starker Charakter, denn sie ist fleißig, ehrgeizig und intelligent. Zunächst habe ich nur gestaunt, was Lenchen alles schafft, sie ist ja noch ein Kind, aber vom Ehrgeiz getrieben, Geld zu verdienen. Anfangs ist sie total unterwürfig als Mädchen für alles, aber sie gewinnt immer mehr Selbstbewußtsein und wird zu einer starken Frau, die im Hause Marx unentbehrlich ist. Auch als unverheiratete schwangere Frau bleibt sie ihrer Linie treu und standfest.
Auch die junge Baronesse Jenny von Westfalen ist eine sympathische Figur, denn sie schaut nicht auf Lenchen herab, sondern hilft ihr, vertraut ihr und wird zu ihrer Freundin. Durch sie lernt Lenchen das Lesen und Schreiben und erfährt grundlegende Lebensweisheiten.
Karl Marx ist zunächst ein Negativcharakter, denn er ist der arrogante Sprößling einer reichen Ratsfamilie, der auf Dienstmädchen herabblickt und sie dies auch spüren lässt. Dies ändert sich aber zusehends....
Ich habe das Buch gern und interessiert gelesen, der Schreibstil ist sehr flüssig und macht Lust auf mehr. Lenchens Biographie ist spannend und lesenswert. Einzig manche Beschreibungen, z.B. der Schachzüge, waren mir zu detailliert und eine Spur zu langweilig.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist die politische Hintergrundinformation. Was ich zu Schulzeiten nie richtig verstanden habe über die Marx/Engels Theorie, wird mir hier klar und gut verständlich. Ich liebe diese Bücher, die vordergründig Roman sind und gleichzeitig reales Wissen vermitteln.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der historische Romane mag, die anhand einer Biographie auch die Hintergründe der jeweiligen Zeit realistisch darstellen. Es ist keine leichte Unterhaltungsliteratur, sondern versetzt uns in eine andere Zeit, in die wir beim Lesen abtauchen, aus der wir aber auch gern wieder in unsere Zeit zurückkehren.

Bewertung vom 13.04.2018
Die Geschichte des Wassers
Lunde, Maja

Die Geschichte des Wassers


ausgezeichnet

Maja Lunde beschäftigt sich in diesem Band mit dem Wasser, unverzichtbar für alle Lebewesen und für die gesamte Natur...
Das Buch beinhaltet 2 Erzählstränge, da ist einmal Signe, eine alte Frau um die 70, die eine riskante Segelbootreise unternimmt, um ihrer früheren großen Liebe eine Botschaft zu übermitteln. Beide waren früher Umweltaktivisten, aber Magnus kehrte dann diesem Ideal den Rücken, wodurch die Beziehung zerbrach.
Der 2. Erzählstrang (ca. 25 Jahre später) macht uns mit David und Lou bekannt, ein junger Vater mit seiner Tochter, die vor der katastrophalen Dürre in Südeuropa nach Norden fliehen, da nicht mehr genug Wasser für alle da ist. Sie landen in einem Lager, wo sie sich eigentlich mit Davids Frau und Lous kleinem Bruder treffen wollten, aber vergebens....Um Lou abzulenken, geht David mit ihr in die nähere Umgebung, und sie entdecken bei einem verlassenen Haus ein Boot, Signes Boot....
Auch wenn nicht viel passiert, ist das Buch spannend geschrieben, weil man ständig wissen möchte, wie es weitergeht, sowohl auf der riskanten Tour als auch in dem immer qualvolleren Lagerleben. Außerdem erwartet man ein Zusammenfügen der Erzählebenen, und dies geschieht erst ziemlich spät. Insofern bietet das Buch jede Menge Motivation weiter zu lesen. Der klare und expressive Schreibstil der Autorin unterstützen dieses.
Ein wenig zu ausführlich empfand ich die Beschreibungen der Segelmanöver, wahrscheinlich weil ich dazu keinen Zugang habe, aber das hab ich einfach überflogen...
Alle drei Hauptpersonen sind mir durchweg sympathisch, Signe mit ihrem Umweltbewußtsein und ihrer Kämpfernatur, David in seiner Fürsorge um seine Tochter (auch wenn er mal über die Stränge schlägt...) und Lou, die schon soviel Tapferkeit zeigen muss.
Ganz wichtig ist für mich die Botschaft dieses Buches, dass wir viel zu sorglos mit den Ressourcen unserer Umwelt umgehen und sie dadurch zerstören, ganz allmählich und leise, so dass viele es nicht mitbekommen oder es ihnen egal ist. Signe hat dieses Problem bereits als Jugendliche erkannt und zu kämpfen begonnen. Leider verhindert die Gleichgültigkeit vieler Menschen eine Änderung.
Das Buch hat mich sehr beeindruckt und mich nach der letzten Seite in Gedanken noch lange beschäftigt. Ich verstehe es als Appell an alle, die die Erde noch retten möchten....und ich würde es deshalb jedem empfehlen, der dazu beitragen möchte. Es ist keine Tralala-Erzählung, sondern ernsthafte Literatur. Ich denke, dass die geschilderte Bedrohung keine Utopie ist, sondern irgendwann eintritt. Die Klimaänderungen sind ja schon deutlich zu spüren.
Schade dass ich den Vorgänger ('Die Geschichte der Bienen')noch nicht gelesen habe, ich werde es aber bald nachholen....

Bewertung vom 10.04.2018
Im Dunkel deiner Seele
Harrar, George

Im Dunkel deiner Seele


gut

Evan Birch ist Philosophieprofessor und führt ein unspektakuläres Leben zwischen Uni und Familie, zu der seine Ehefrau Ellen und seine Zwillingssöhne Adam und Zed gehören. Dieses geordnete und vielleicht schon zur Routine gewordene Leben wird jäh unterbrochen, als Birch unter den Verdacht gestellt wird, etwas mit dem Verschwinden eines 16-jährigen Mädchens zu tun zu haben.
Zunächst erscheint dieser Verdacht absurd und wie ein Missverständnis, aber ganz langsam schleichen sich immer mehr Indizien ein, die doch für seine Schuld sprechen, z.B. der Lippenstift des Mädchens in seinem Auto oder seine anfängliche Weigerung, sein Auto auf Spuren untersuchen zu lassen.
Der Autor versteht es meisterhaft, ganz subtil Spannung zu erzeugen, obwohl nichts wirklich dramatisches geschieht. Aber es sind die Kleinigkeiten, die Merkwürdigkeiten, die plötzlich den Alltag durcheinanderbringen, die unerklärlichen Vorkommnisse, aber auch Lügen, die aufgedeckt werden, die einen immer mehr an der Unschuld Evans zweifeln lassen. Man ist ganz gespannt, was als nächstes auftritt oder sich entwickelt.
Evan Birch ist für mich ein Sympathieträger, freundlich, beliebt, friedlich. Irgendwie bedauert man ihn, weil ihm soviel Unverständnis und Vorwürfe begegnen. Es stellt sich jedoch immer mehr die Frage, wie gut kann ich andere Menschen wirklich einschätzen bzw. was verbergen sie im Dunkel ihrer Seele, was ich nicht erkennen kann. Kann man einen anderen Menschen wirklich realistisch einschätzen? Hierzu enthält das Buch viele philosophische Einschübe und Erläuterungen. die meist zum Nachdenken anregen, aber teilweise auch überflüssige Längen erzeugen. Evan Birch gerät immer stärker unter Verdacht, was auch in seinem Alltag, in der Familie und in seinem Beruf immer mehr negative Anspannung erzeugt.
Ich habe dieses Buch (Psychothriller???) gern und ohne Langeweile gelesen, was mich aber zu meiner Bewertung gebracht hat, war das überraschend einfallslose und lapidare Ende, das viel zu viele Fragen offen lässt, ganz besonders die Hauptfrage: Hat er etwas mit dem Verschwinden der Schülerin zu tun oder nicht? Plötzlich ist alles vorbei, aber nichts wirklich geklärt. Ich hatte auf einen spektakulären Ausklang gewartet, wurde aber enttäuscht. Bis auf die letzen 50 Seiten hätte ich das Buch Psychothriller-Fans empfehlen können, aber das Ende wirkte auf mich viel zu blass. Schade!

Bewertung vom 23.03.2018
Ich bin der Hass / Francis Ackerman junior Bd.5 (6 Audio-CDs)
Cross, Ethan

Ich bin der Hass / Francis Ackerman junior Bd.5 (6 Audio-CDs)


sehr gut

Dieser Fall stellt Special Agent Marcus Williams und seinen Bruder Francis Ackerman, der früher ein gefährlicher Serienkiller war, vor eine schwierige Aufgabe. Zunächst sollen sie den berüchtigten Demon in eine Hochsicherheitsgefängnis begleiten, wobei aber eine Panne passiert. Daraufhin zwingt Demon die beiden, den 'Gladiator' zu finden, der schon zahlreiche äußerst brutale Morde begangen hat und unerkannt geblieben ist. Außerdem sind einige Frauen spurlos verschwunden sowie ein FBI-Agent, wobei auch die Vermutung besteht, dass der Gladiator seine Finger im Spiel hat. Die beiden Brüder begeben sich auf den mühsamen Weg, den Gladiator zu finden und unschädlich zu machen, wobei sie in so manche extrem gefährliche Situation geraten.
Der Gladiator ist der Bruder von Dr Gladstone, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, seine eigene Welt zu schaffen, weit entfernt auf einer einsamen Insel. Um dieses Ziel zu erreichen, geht er in grausamer Weise über viele Leichen. Viele brutale Szenarien schildern das rücksichtslose Vorgehen.
Sehr geschickt hat der Autor die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verknüpft, so dass aus der anfänglichen Verwirrung wegen der vielen Namen für mich eine sinnvolle Story entstand. Allerdings ist mir keiner der Protagonisten wirklich sympathisch, denn alle haben ihre mehr oder weniger extremen Schattenseiten.
Ich habe den Thriller als Hörbuch kennengelernt, in gekürzter Fassung, und ohne eines der Vorgängerbücher zu kennen. Dadurch ergaben sich für mich einige Verständnisprobleme, die sich aber nach zweimaligem Hören weitgehend auflösten.
Besonders möchte ich schließlich den Sprecher Thomas Balou Martin hervorheben, dessen Präsentation der verschiedenen Charaktere mir sehr gefallen hat. Mit seiner markanten Stimmer gibt er jedem Charakter seine eigene Nuance und bringt auf diese Weise viel Lebendigkeit in den vorgelesenen Text. Ein Extralob auf ihn! Das Hörbuch würde ich auf Grund seiner hervorragenden Interpretation wärmstens empfehlen. Einen Punktabzug gibt es aber von mir wegen der inhaltlichen Fragwürdigkeiten, denn einige Aktionen wirken unrealistisch und für mich zu bluttriefend.

Bewertung vom 10.03.2018
Fliegende Hunde
Kolosowa, Wlada

Fliegende Hunde


sehr gut

Eine Freundschaft auf dem Prüfstand
Oksana und Lena sind russische Mädchen, die in einer öden Plattenbausiedlung in einer Vorstadt von St. Petersburg leben und eine sehr innige Freundschaft pflegen, schon von Kleinkindbeinen an, die manchmal sogar intensiver ist, als die Außenwelt es sich vorstellen kann. Lena beschliesst nun, aus dem öden Alltag und dem ständigen Einerlei auszubrechen und eine Modelkarriere in China zu starten, während sich Oksana einem Internetforum anschliesst, um mit dubiosen Rezepten aus der Weltkriegszeit abzunehmen.
Kann die Freunschaft trotz dieser Trennung überleben, oder wird die Erweiterung des Erfahrungshorizonts auf Lenas Seite das Verhältnis der beiden Mädchen zerstören?
Die beiden Protagonistinnen verhalten sich nach dem Abschied grundsätzlich sehr verschieden. Während Oksana unter dem Verlust der Freundin leidet und sich verstärkt in ihre Schulausbildung stürzt, versucht Lena, mit ihrer Vergangenheit zu brechen, hält keinen Kontakt mit Oksana und stürzt sich von einem fragwürdigen Shooting ins nächste.....Lena ist abenteuerlustig, unvorsichtig und lebt nach dem Motto 'Augen zu und durch', während sich Oksana um eine solide Schulausbildung bemüht. Bisweilen kommt jedoch auch bei Lena Heimweh durch, das sie aber verdrängt, um ihre 'Karriere' voranzutreiben.
Werden die beiden bei ihrem ersten Wiedersehen ihre innige Freundschaft wiederbeleben, werden sie wieder die Unzertrennlichen sein? Kann die Gefühlswelt diese gegensätzlichen Erfahrungen überbrücken?
Der Schreibstil der Autorin führt ganz leicht durch die Seiten, man erhält viele interessante Informationen, ohne unnötige Längen und einfühlsam geschrieben. Eine kurzweilige Lektüre!
Das Buch hat mich gefesselt, weil es die Träume und Pläne junger Menschen in einer stumpfsinnigen Umgebung im heutigen Russland beschreibt, in der Armut, Gleichgültigkeit und Stumpfsinn sich ausgebreitet haben. Gleichzeitg habe ich sehr viel erfahren über die Leningrad-Blockade im 2. Weltkrieg, was ich mir bislang nicht vorstellen konnte.
Wass mich ein wenig enttäuscht hat, ist der Bezug zum Titel, da die fliegenden Hunde selten und nur am Rande erwähnt werden. Ich hätte mir einen intensiveren Bezug und deutlichere Interpretation dieses 'Phänomens' gewünscht.
Trotzdem kann ich eine klare Lesempfehlung aussprechen, da das Buch in die Tiefe der Gefühlswelt abtaucht und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Bewertung vom 21.02.2018
Frau Einstein
Benedict, Marie

Frau Einstein


ausgezeichnet

Die zwei Gesichter des Herrn Einstein
In diesem Buch stellt Marie Benedict uns Milena Maric vor, eine hochbegabte Serbin, die nach Zürich geht, um am Polytechnikum zu studieren. In dieser Männerwelt fühlt sie sich anfangs sehr verloren und nicht akzeptiert, besonders vom Lehrpersonal. Dies wird noch verstärkt dadurch, dass sie ein Handicap hat: sie humpelt wegen eines Hüftleidens.
Jedoch erregt sie die Aufmerksamkeit eines Kommilitonen, Albert Einstein, der sich in sie verliebt und nicht locker lässt, bis sie mit ihm ausgeht. Die beiden passen perfekt zusammen, da sie auch die Liebe zur Physik teilen und gemeinsam Theorien entwickeln. Sie entwickeln gemeinsam die Relativitätstheorie und ergänzen sich gegenseitig.
In diesem ersten Teil wird Einstein beschrieben, wie man sich ihn vorstellt, etwas nachlässig, rebellisch, auf der anderen Seite ehrgeizig und angepasst, wenn es um seine Rolle als Mann in der damaligen Gesellschaft geht. Auch ist er hier ein liebevoller und insistierender Verehrer und Freund.
Wir erleben Milena und Albert als Bohemiens, die nachmittags in angesagten Cafés sitzen, mit Kommilitonen diskutieren und sich eine veränderte Zukunft vorstellen. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Milena auf die Beziehung ein trotz der Warnungen ihrer Eltern, und sie ist glücklich.
Das ändert sich schlagartig, als sie schwanger wird, und Albert sich wenig verantwortlich zeigt. Er möchte sein bohemisches Leben weiterführen, und Milena ist auf sich allein gestellt. Erst nach langem Warten wird geheiratet, und Milenas Abstieg beginnt.....
In diesem 2.Teil erleben wir einen ganz anderen Einstein, der mich zutiefst erschreckt hat. Er zeichnet sich aus durch Egoismus, Unehrlichkeit, Unzuverlässigkeit und Streitsucht. Umgangssprachlich würden wir ihn als 'Macho' beschreiben. Am liebsten hätte ich Milena bisweilen einen Tritt gegeben, damit sie endlich die realen Verhältnisse erkennt.
Sehr beeindruckt hat mich die Protagonistin in diesem Buch. Ich bewundere ihren Mut, in jener Zeit als Frau in die Wissenschaft einzusteigen. Sie ist klug, verantwortungsbewusst und hilfsbereit, aber nicht arrogant oder stolz auf Grund ihrer Fähigkeiten. Im 2. Teil hat sie mir sehr leid getan, und ich hatte bisweilen Tränen in den Augen, z.B. bei der Geburt ihres 1.Kindes.
Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen, er drückte die jeweilige Stimmung sehr treffend aus und hat bewirkt, dass ich mitgerissen wurde von dieser spannenden und zugleich bedrückenden Erzählung.
Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, es zeigt deutlich die Situation der Frauen jener Zeit und beleuchtet Einsteins Werdegang in einem differenzierten Licht. Gleichzeitig werden auch die altbekannten Einstein Theorien (eigentlich Einstein-Maric Theorien) gut verständlich erklärt. Das Buch hat mir sehr gefallen!

Bewertung vom 05.02.2018
Eisige Flut / Kommissar John Benthien Bd.5
Ohlandt, Nina

Eisige Flut / Kommissar John Benthien Bd.5


ausgezeichnet

Was treibt einen Mörder dazu, seine Opfer provokant und tiefgefroren zur Schau zu stellen? Was möchte er damit ausdrücken?

Vor diese Frage sieht sich John Benthien gestellt, der mit seinem Team in Nordfriesland ermittelt. Es bleibt nicht bei einem Mord, es folgen weitere, und die Hintergründe werden immer verworrener. Wo liegt die Gemeinsamkeit bei all diesen Morden? Die Opfer sind ganz unterschiedlich alt, männlich oder weiblich, beliebt oder unbeliebt, aus verschiedenen Berufen....keine offensichtliche Gemeinsamkeit.

Erst ganz allmählich ergeben sich konkrete Spuren, zuvor tappt man auch als Leser oft in eine falsche Fährte, was das Buch unheimlich und interessant macht, denn man versucht ständig, einen eindeutigen Hinweis zu finden. Die Autorin versteht es sehr geschickt, immer wieder falsche Spuren zu legen, die aber durchaus nachvollziehbar sind und nicht aus der Luft gegriffen.

Hinzu kommt, dass Winter herrscht mit teilweise sehr tiefen Temperaturen,die dem hasserfüllten Geschehen noch das passende Umfeld geben.

Dieses Buch habe ich in kürzester Zeit gelesen, trotz seiner über 400 Seiten, da es mich total gefesselt hat. Die Spannung steigt im Laufe der Kapitel immer mehr. Es gibt einige Verdächtige, die sich aber dann doch wieder aus der Schlinge ziehen können, so dass das Buch zum Pageturner wird. Bisweilen habe ich gemeint zu erkennen, wer das nächste Opfer wird, aber wurde meist eines Besseren belehrt. Ganz spannend wird es dann, als man eine vielversprechende Spur erkennt, die mit der Vergangenheit zweier Kommissare eng verbunden ist.

Die meisten Personen sind überzeugend beschrieben, sei es in ihrer Trauer, ihrer Wut, ihrem Engagement oder ihrem Ehrgeiz. Kommissar Benthien ist ein Sympathieträger, er ermittelt meist ruhig und überlegt, er hat ein gutes Verhältnis zu seinem Team, und sie respektieren ihn. Er ist geschieden und lebt momentan mit seinem Vater zusammen. Er hat eine Liaison mit seiner Kollegin Lilly begonnen, die ihn aber öfters hintergeht. Diese Beziehung ist auch das einzige, was mich an diesem Buch stört. Muss denn wirklich in fast jedem Krimi aus dem Ermittlerteam ein Paar zusammenkommen? Das ist doch im wirklichen Leben auch nicht so und bildet für mich ein vermeidbares Klischée.

Ich kann aber durchaus darüber hinwegsehen,denn dieser Nordseekrimi hat mich überzeugt. Er ist spannend, überwiegend realitätsnah und lädt zum Miträtseln ein. Im Vergleich mit anderen Küstenkrimis, wovon ich bereits so einige gelesen habe, schneidet er bestens ab. Deshalb möchte ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen, nicht nur für Nordseefreaks!

Bewertung vom 01.02.2018
Die amerikanische Prinzessin
Zijl, Annejet van der

Die amerikanische Prinzessin


gut

Dieses Buch beschreibt das Leben von Allene Tew mit all seinen Höhen und Tiefen zu der Zeit, als Amerika bedeutend wurde und immer mehr Auswanderer anlockte.
Es ist ein ständiger Kampf um Anerkennung in der Gesellschaft, gerade als Frau. Sie meistert diese Rolle, indem sie ständig neue Beziehungen eingeht, die ihr Anerkennung in der 'Society Liste' versprechen. Sie heiratet fünfmal, meist nicht aus Liebe, sondern aus taktischen Überlegungen. Ihr unerschütterliches Selbstbewusstsein und ihre Kämpfernatur ebnen ihr den Weg.
Für die damalige Zeit ist sie sehr emanzipiert und präsentiert dies auch ihrer Umwelt. Sie erleidet schlimme Schicksalsschläge, besonders hart ist der frühe Verlust ihrer leiblichen Kinder. Aber sie steht immer wieder auf und kämpft sich durch. Sogar noch im Alter findet sie Wege, um im Gespräch zu bleiben.
Es handelt sich jedoch nicht um einen historischen Roman, sondern um eine Biographie dieser ungewöhnlichen Frau, die teilweise spannend ist, aber in weiten Bereichen auch langatmig, wenn sie mal wieder ein neues Haus kauft und dieses neue Haus in allen Details beschrieben wird zum Beispiel. Oder wenn die zahlreichen Urlaubsfahrten geschildert werden....Anfangs fand ich es noch interessant,danach habe ich diese Stellen nur noch überflogen,denn es ist für mich ohne Lesewert, wie viele Badezimmer das neue Haus nun wieder hat, wie die Zimmer gestaltet werden und wer in der Nachbarschaft wohnt. Auch der historische Hintergrund ist für mich manchmal zu ausführlich und hätte gekürzt werden können, z.B. die detaillierte Schilderung der ersten Luftkämpfe im 1. Weltkrieg.
Sehr interessant sind die zahlreichen Fotos im Buch, denn so kann man sich die Personen und Örtlichkeiten noch besser vorstellen. Sie ergänzen die meisterhaften Beschreibungen der Autorin. Diese sind wirklich sehr detailliert und lassen keine Lücke offen.
Trotzdem war das Buch nicht uninteressant für mich, da es einen deutlichen Einblick in diese unstete Zeit bietet. Ich denke, dass die Autorin viel Recherchearbeit leisten musste, um diese Leistung zu erbringen.
Ich würde das Buch denjenigen Lesern empfehlen, die einerseits Biographien mögen und gleichzeitig fundierte historische Informationen wünschen.

Bewertung vom 22.01.2018
In eisiger Nacht / Detective Max Wolfe Bd.4
Parsons, Tony

In eisiger Nacht / Detective Max Wolfe Bd.4


sehr gut

Wer steckt dahinter, wenn 12 Frauen, die von Frankreich aus nach Großbritannien eingeschleust werden, im Kühlwagen jämmerlich erfrieren? Diese Frage stellt sich Max Wolfe und seinem Team. Es gibt viele Spuren und Verdächtigungen, bis sich schließlich der Verantwortliche findet. Es geht um Mädchenhandel, Prostitution, Mord, Brandstiftung, illegale Beschäftigung usw. Gleichzeitig spielen chinesische Geheimbünde eine Rolle, denn die Toten werden in Londons Chinatown entdeckt.

Positiver Charakter auf Seiten der Ermittler ist Max Wolfe, der tatsächlich noch positive Gefühle zeigt, wie Mitleid oder Trauer. Er ist alleinerziehender Vater einer kleinen Tochter und mag Hunde. Ganz anders seine Vorgesetzte Whitestone, die ihre eigenen Mitarbeiter für die Ermittlungen opfert, herzlos und eiskalt. Ein Mitarbeiter wird bei einem solchen Einsatz getötet, was sie auch nicht zu berühren scheint.

Auf Seiten der anderen Charaktere gibt es viele undurchschaubare Personen, die man erstmal nicht zuordnen kann, aber auch sehr negative Gestalten wie den Kopf des Flüchtlingslagers in Dünkirchen.

Der Autor versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen, wobei er viele falsche Fährten legt, erst am Ende erfährt man, wer für die Grausamkeiten verantwortlich ist und zu welchem Zweck. Ich zumindest war da schon überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet. Meine Neugier war am Ende so groß, dass ich die letzten 100 Seiten in einem durch gelesen habe.

Was mir nicht so gefällt, ist der geringe Tiefgang mancher Ermittlungen, vieles wird von Kommissar Zufall aufgedeckt, wobei dies bisweilen sehr konstruiert wirkt, dies wird z.B. auch deutlich, als durch eine zufällige unbedeutende Beobachtung der Haupttäter ermittelt wird.

Hier würde man sich wünschen, dass der Autor mehr Ermittlungsarbeit beschreibt, damit man miträtseln und selbst Schlüsse ziehen kann. Was mir auch nicht gefällt, ist die Andeutung eines persönlichen Happy Ends im letzten Abschnitt. Dieses Klischee muss doch nicht sein!

Das Buch lässt sich gut lesen und enthält keine langatmigen Beschreibungen, im Gegenteil verläuft alles Schlag auf Schlag und nimmt teilweise rasante Züge an.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der spannende und kurzweilige Unterhaltung sucht, denn die bietet das Buch auf jeden Fall. Man muss allerdings berücksichtigen, dass so manche Ermittlung an der Oberfläche bleibt.

Also eine leicht eingeschränkte Leseempfehlung!