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Benutzername: Waldeule


Bewertungen

Insgesamt 18 Bewertungen
12
Bewertung vom 07.04.2019
Ein wirklich erstaunliches Ding
Green, Hank

Ein wirklich erstaunliches Ding


ausgezeichnet

Nicht nur ein erstaunliches Ding, das April May da eines nachts mitten am Gehsteig entdeckt - sondern auch ein wirklich erstaunliches Buch, das Hank Green damit geschaffen hat! Sehr frisch, ganz ungewöhnlich und immer wieder überraschend und witzig kommt diese Geschichte um die „Carls“ und viel mehr noch um April May daher. Ich fand es toll und es ist für mich schon jetzt ein Highlight des Lesejahres!

Das liegt nicht nur an der außergewöhnlichen Handlung, es liegt vor allem an der sehr spritzigen Erzählart der Ich-Erzählerin April May. Sie beschönigt nichts, erzählt schonungslos über ihr Erleben und auch ihre Fehler und macht durch ihre Andeutungen immer wieder neugierig. Ein richtiges „Kind“ ihrer Zeit, verbunden in sozialen Netzwerken und - auch wenn sie es anfangs nicht zugeben will – natürlich auf der Suche nach „Likes“ und „Klicks“. Gerade diese Verbindung zwischen Unterhaltung (durch die „Carl“-Geschichte) und Ernsthaftigkeit (Umgang mit sozialen Netzwerken) macht den Reiz dieses Buches aus. Hier ist eine Fantasy-Geschichte, die einfach Spaß macht, mit aktuellen Fragestellungen und Problemen verknüpft und als Leser ist man aufgefordert, sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen.

April May ist als Protagonistin und „Heldin“ wesentlich sperriger, als es zunächst aussieht. Sie ist nicht die Super-Heldin, die alles richtig macht. Ganz im Gegenteil: eher naiv, unbeholfen und manchmal auch sehr verletzend stolpert sie durch die Geschichte. Zumindest sieht sie ihre Fehler, auch wenn sie sie immer wieder macht. Trotzdem ist sie eine „perfekte“ Protagonistin, eben weil sie Ecken und Kanten hat wie jeder andere Mensch auch.

Fazit: Ein ungewöhnliches Buch, das mich sehr überrascht und begeistert hat. Es macht einfach Spaß zu lesen, erzählt eine außergewöhnliche Geschichte und verbindet trotzdem ganz aktuelle Fragen damit. Sehr empfehlenswert und fünf Punkte auf jeden Fall wert!

P. S. Und ein Buch, in dem so tolle Lieder wie „Don’t stop me now“ von Queen eine Rolle spielen MUSS einfach gut sein. :-)

Bewertung vom 07.04.2019
Rheinblick
Glaser, Brigitte

Rheinblick


sehr gut

November 1972: spannende politische Tage im nebeligen Bonn. Brandt wird – für viele überraschend – als Kanzler wiedergewählt, verliert aber vorübergehend seine Stimme und kann die Koalitionsverhandlungen nicht leiten. Um diese historische Fußnote webt Brigitte Glaser ihren sehr atmosphärischen Roman.

In den Mittelpunkt rückt sie dabei ganz unterschiedliche fiktive Personen. Zum einen die junge Logopädin Sonja, die sich engagiert um den Kanzler bemüht, aber mit ihren eigenen familiären Problemen kämpft; Wirtin Hilde, die als Chefin des titelgebenden Wirthauses den Politikbetreib in- und auswendig kennt; Max, der als taxifahrender Student so manches Geheimnis erfährt und schließlich Lotti, die als neugierige Journalistin die beschauliche Szenerie ganz schön aufwirbelt. Zwischen ihnen spinnt die Autorin mal mehr, mal weniger offensichtliche Querverbindungen und schafft es, aus vielen einzelnen Geschichten eine große ganze zu weben.

Daneben arbeitet sie sehr viel historisches Personen und Details ein. Mir etwas zu viel, denn irgendwann hatte ich über die ganzen Politiker keinen Überblick mehr und so manches Gespräch klingt sehr bemüht. Hier wäre aus meiner Sicht etwas weniger mehr gewesen, schließlich ist es ein Roman und kein Sachbuch. Und wo wir schon beim Roman sind: auf mich wirkt das Buch größtenteils wie eine Beschreibung – Handlung ist wenig vorhanden. Auch hier hätte ich mir mehr gewünscht. Einzig Lotti mit ihrer überschwänglichen Energie und Neugierde auf die Hauptstadt Bonn bringt Leben ins Buch.

Nichtsdestotrotz schafft es die Autorin bewundernswert gut, den Zeitgeist dieser doch sehr ereignisreichen Epoche zu charakterisieren. Und das noch dazu auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Durch die Verschiedenheit der Charaktere ist es ein sehr vielschichtiger Roman, in dem unterschiedliche Gesellschaftsschichten beleuchtet werden. Von daher ein wahrhaft „historischer Roman“.

Fazit: Ein dichtgedrängter Roman mit vielen historischen Einzelheiten, der Zeit und Ausdauer erfordert. Lesenswert, auch wenn es mir etwas zu beschaulich war.

Bewertung vom 28.08.2016
Der kalte Saphir
Düblin, Michael

Der kalte Saphir


gut

Eine Frau und ein Mann sowie ein ungewöhnliches Interview, das zu einer Zeitreise wird – das sind die Zutaten zu diesem außergewöhnlichen Krimi. Wobei es mir schwerfällt, hier von einem Krimi zu sprechen, denn im Mittelpunkt steht nicht die Aufklärung eines Mordes sondern vielmehr ein enges Geflecht von Beziehungen ganz unterschiedlicher Charaktere in der Musikszene.

Das beginnt schon in der Gegenwart, in der sich Musikreporterin Jule Sommer und Sebastian Winter gegenseitig belauern. Anfangs fand ich dieses Katz- und Maus-Spiel durchaus prickelnd, doch im Laufe des Buches wurde es etwas mühsam und gezwungen. Winter erzählt von seiner Zeit in der Band Klarstein im Berlin der 70ern und 80ern und dem Rätsel um den gewaltsamen Tod des Bandleaders Jerome. Diese Rückblicke sind der Hauptteil des Buches und machen auch den größten Reiz aus. Nur langsam wird dabei das Geflecht der Beziehungen der einzelnen Bandmitglieder sichtbar. Daneben gibt es eine dritte Zeitebene, die für mich nicht so ganz zum Rest des Buches passte. Nicht schlecht, aber eben nicht so ganz eingebunden.

Sprachlich ist das Buch sehr nüchtern und leider erfährt man auch wenig über die einzelnen Personen. So richtig hineinfühlen konnte ich mich in niemanden. In der Gegenwart hat mich auch das Hin- und Herspringen der Perspektive zwischen Sommer und Winter (mussten das ausgerechnet diese Namen sein???) gestört. Auch sprachlich fand ich die Rückblicke in die deutsche Vergangenheit am besten und fesselndsten geschrieben.

Es ist auf alle Fälle ein Buch, das sich langsam entwickelt und aufbaut und in das man sich einlesen und darauf einlassen muss. Nichts für Leser, die einen schnellen Kick wollen.

Nettes „Zuckerl“ sind die Download-Codes für drei Klarstein-Songs, die man sich übers Internet anhören und downloaden kann. Nette Idee und absolut passend für dieses Buch. Dafür gibt’s auf alle Fälle DAUMEN HOCH.

Fazit: Anfangs hat mich die ungewöhnliche Machart gefesselt, doch leider plätschert die Handlung dann lange Zeit vor sich hin. Daher nur Mittelmaß.

Bewertung vom 28.08.2016
Bühlerhöhe
Glaser, Brigitte

Bühlerhöhe


ausgezeichnet

Ein rundum schönes und gelungenes Buch! Ein Roman, der vieles verbindet: ein Nobelhotel, Geheimagenten, einen Mord, israelitische sowie deutsche Geschichte und natürlich auch etwas Liebe. Und das alles perfekt in das Lebensgefühl der frühen 50er Jahre eingebettet.

Neben der eigentlichen Handlung, der Verhinderung eines geplanten Attentats auf Adenauer, wird hauptsächlich die Geschichte dreier Frauen erzählt, die sich dabei zufällig begegnen. Da ist zum einen Rosa, die jüdische Agentin, die unfreiwillig in das Land ihrer Kindheit reist; da gibt es die strenge Hausdame der Bühlerhöhe Sophie Reisacher und auch noch Agnes, ein junges Mädchen aus der näheren Umgebung, die ihre eigenen Erfahrungen mit den Reichen und Mächtigen machen muss.

Die Figuren werden dabei sehr behutsam eingeführt. Als Leser taucht man ein in ihr Leben. Insgesamt ist es ein eher ruhiges Buch, in dem es viel auf die einzelne Beobachtung ankommt. Ich fand die Langsamkeit, in der die Geschichte erzählt wird, als sehr wohltuend. Die Autorin lässt sich Zeit, schafft es aber trotzdem, die vielen Themen und Stränge gekonnt ineinander fließen zu lassen. Und zwischendurch wird es immer wieder auch richtig spannend!

Ich liebe solche Bücher, die das Leben nicht nur in einem Ausschnitt zeigen, sondern so komplex wie hier. Da fließt vieles ineinander, niemand ist schwarz oder weiß und keine Entscheidung ist einfach. Als Leser war ich durchaus gefordert, den Überblick zu behalten, trotzdem las sich der Roman sehr gut. Das lag auch an den übersichtlichen Kapiteln, bei denen immer eine Ortsangabe die Orientierung erleichtert.

Herausragend ist die Sprache, in der erzählt wird. Mit viel Liebe zum Detail erzählt, entsteht die Orte ganz automatisch im Kopf. Um die Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen, werden sehr viele damals gebräuchliche Wörter ganz selbstverständlich verwendet. Dazu wird oft auch im Dialekt geschwätzt oder in Fremdsprachen gesprochen. Das meiste erschließt sich dabei aus dem Text. Mir hat es sprachlich sehr gefallen und gerade die Einbindung „alter“ Wörter und des Dialektes tragen viel zur Authentizität des Buches bei.

Noch etwas ist mir sehr positiv aufgefallen: die Autorin schreibt sehr ausgewogen über politische Ereignisse und Meinungen. Unterschiedliche Ansichten nicht nur im Nachkriegsdeutschland stehen hier nebeneinander, (das möchte ich besonders hervorheben) ohne sie zu werten.

Fazit:
Ein sehr lesenswertes Buch, das ich mit ausgezeichneten 5 Sternen bewerte.

Bewertung vom 30.08.2015
Sailing Conductors
Schaschek, Benjamin; Koch, Hannes

Sailing Conductors


sehr gut

Zu diesem „Buch“ gibt es viel zu sagen. Buch in Anführungszeichen, denn dieses Medium geht weit darüber hinaus und zeigt, wie Print- und Digitalmedien zusammenwirken können. Entstanden sind die Aufzeichnungen zweier frisch gebackener Tontechniker auf einer dreijährigen Segeltour von Australien mit Ziel Berlin, während der sie zahlreiche Musiker weltweit aufnahmen. Die beiliegende CDs gibt davon mit sechs Songs einen ersten Eindruck, genauso wie die zahlreichen Farbbilder. Viel mehr aber noch die Videos, Lieder und Berichte der Homepage, auf die mit Hilfe von QR-Codes im Buch direkt verlinkt wird.

Das Buch setzt sich aus Blog- und Tagebucheinträgen von Benjamin, Hannes und Gästen der „Marianne“ zusammen. Es sind Puzzleteile, die Momentaufnahmen der Segelabenteuer auf dem Meer und dem Leben an Land geben, kein durchstrukturierter Reisebericht. So fehlten mir immer wieder Teile und ich hätte gern mehr von ihren Erlebnissen in den unterschiedlichen Kulturen erfahren. Schade auch, dass zwar immer wieder Musiker auftauchen, die aber leider nicht den Stücken auf der CD zugeordnet werden.

Der Schreibstil ist einfach. Es ist ganz deutlich zu erkennen, das Buch hat kein Profi geschrieben, sondern zwei junge Männer erzählen von ihren Segelerfahrungen und –erlebnissen. Es liest sich angenehm und unterhaltsam, plätschert aber so dahin wie die immer wieder beschriebenen Flauten. Hin und wieder – gerade gegen Ende - wird’s dann doch emotional und auch nachdenklich. Von diesen Stellen hätte es weit mehr geben dürfen.

Der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig im Bereich Segeln. Es ist kein Reise- oder Musikbuch. Aber dafür gibt’s zum Glück zahlreiche QR-Codes im Buch, die immer wieder zu den jeweils passenden Klängen, einem Video oder einer Erzählung führen. Diese und die dazugehörige Homepage haben mir einen weit besseren Reisebericht gegeben.

Die entstandene Musik auf der beiliegenden CD ist ungewöhnlich, aber toll. Ich würde sie als „moderne Weltmusik“ beschreiben. Ganz verschiedenartige Rhythmen aus der ganzen Welt. Manche melancholisch, manche mitreißend, aber immer einprägsam und gefühlvoll. Gänsehaut und Fernweh inklusive!

Fazit: Für das überzeugende Gesamtprojekt würde ich auf alle Fälle 5 Sterne geben! Allerdings geht’s hier ja doch mehr ums Buch, auch wenn dieses vor allem durch die CD und die zahlreichen QR-Codes, die direkt auf Videos und Einträge ihrer Homepage verlinken eng damit verbunden ist. Da ich mir beim Buch mehr eigene Reise- und Musikerfahrungen an Land (im Stil der Homepage) gewünscht hätte, entscheide ich mich insgesamt für 4 sehr gute Sterne.

Bewertung vom 30.08.2015
Liebe unter Fischen
Freund, René

Liebe unter Fischen


sehr gut

Das Buch beginnt wunderbar. Die erste Hälfte war voll von poetischen, klugen Sätzen, die aber auch Normal-Leser wie ich verstehen und mir zum Großteil aus der Seele gesprochen haben. Alfred Firneis, Autor mit Depressionen, flieht in die Einsamkeit der österreichischen Berge und macht sich dort viele Gedanken über sich, seine Situation, das Leben ganz konkret und im allgemeinen. Dieser Teil des Buches hat mich wirklich abgeholt und mitgenommen, entführt in die Idylle und Stille der Abgeschiedenheit und in die Gedankenwelt von Alfred, dem „Elfenfürst“. Es ist in diesem Teil ein leises Buch, ein sehr geruhsames, in dem in dieser ersten Hälfte nichts wesentliches passiert.

Dann gab es einen Bruch in der Handlung und auch die Schreibweise ändert sich rapide. Diese Wendung fand ich unpassend und der besondere Zauber des Buches war dahin, es wandelt sich zu einer x-beliebigen Liebesgeschichte. Schade, für mich hat das nicht zusammengepasst und auch wenn der zweite Teil immer noch recht nett zu lesen war, habe ich die großen Gefühle des ersten vermisst.

Gut gefallen hat mir die große Abwechslung beim Schreibstil. Da gab es Telefonate, da wurde gesimst und ganz wundervolle Briefe geschrieben. Das lockert nicht nur auf, sondern gibt einen großen Einblick in das Innenleben des Protagonisten.

Fazit: Beginnt wunderbar und bleibt trotz der für mich ganz unpassenden Wendung ein lesenswertes Buch, auch wenn es dadurch "nur" noch vier Sterne erhält.

Bewertung vom 30.08.2015
Die Champagnerkönigin / Jahrhundertwind-Trilogie Bd.2
Durst-Benning, Petra

Die Champagnerkönigin / Jahrhundertwind-Trilogie Bd.2


sehr gut

Meinen Vorrednern kann ich mich eigentlich voll und ganz anschließen: ein schön zu lesender Roman mit viel Champagnerflair, aber auch zu vorhersehbar, um wirklich begeistern zu können. Vieles, was Isabelle auf ihren Weg zum Jahrhundertchampagner passiert, kann man sich vorneweg schon zusammenreimen. Positiv überrascht haben mich die letzten 100 Seiten, da passiert noch so einiges, mit dem ich nicht (mehr) gerechnet hätte. Leider waren diese Ereignisse zu kurz angerissen und das Buch endet gerade dann sehr schnell.

Es ist ein Wohlfühlbuch, in dem Schicksalsschläge und Probleme nicht ausgespart werden, aber meist unnatürlich schnell eine positive Wendung folgt. Als Nachfolgeband des für mich sehr überraschenden „anderen“ Buchs Solang die Welt noch schläft war ich anfangs über dieses „klassische“ Handlungsschema etwas enttäuscht, irgendwann habe ich mich aber damit abgefunden und konnte es genießen.

Denn trotz dieser negativen Punkte ist es ein sehr lesenswertes Buch. Isabelle ist eine sympathische Frau, die zwar immer wieder zu Kopfschütteln veranlasst, was sie aber nur menschlicher und damit liebenswerter macht. Die große Stärke des Buches sehe ich aber in der sehr atmosphärischen Beschreibung der Champagne (Landschaft) und des Champagners (Getränk). Im Kopf entstehen wunderbare, sehr detaillierte Bilder und als Leser erlebt man die Arbeit auf den Weinbergen und im Weinkeller hautnah mit. Außerdem liest es sich sehr flüssig und die zahlreichen Details rund um den Champagner sind äußerst geschickt in die Handlung eingebaut.

Schön fand ich, wieder auf Josephine und Clara zu treffen und so zu erfahren, wie es mit den beiden weiterging. Das Thema Freundschaft spielt auch in diesem Band wieder eine große Rolle, mit altbekannten Freunden, aber auch mit vielen neuen.

Fazit: Wohlfühlbuch mit viel (französischer) Atmosphäre und vielen geschickt eingebauten Infos zur Champagnerherstellung. Auch wenn es mir stellenweise zu vorhersehbar war, ist immer noch ein schöner Lesegenuss.

Bewertung vom 30.08.2015
Mind the Gap! Wie ich London packte (oder London mich) / London-Trilogie Bd.1
Abrahamson, Emmy

Mind the Gap! Wie ich London packte (oder London mich) / London-Trilogie Bd.1


sehr gut

Ein unterhaltsamer und vergnüglicher Jugendroman über die junge Schwedin Fillippa, die in London Schauspiel studieren möchte und sich nun aufmacht, die Stadt zu erobern. Das geht natürlich nicht ohne einige Unwägbarkeiten wie der Suche nach einer annehmbaren Wohnung, nach einem gut bezahlten Job und natürlich dem Boyfriend fürs Leben. Es sind keine weltbewegenden Themen, die das Buch aufgreift, aber genau die Themen, die junge Mädchen (an die richtet sich das Buch in erster Linie) bewegt und interessiert. Und es ist selbst für etwas ältere Mädchen wie mich schön, Fillippa beim Erwachsenwerden zuzusehen.

Es ist ein sehr unterhaltsames Buch, bestens geeignet zum Versinken auf dem Sofa. Kurzweilig und immer mit einem Augenzwinkern können wir so die Erlebnisse der sympathischen Wahl-Londonerin miterleben. Die Geschichte verläuft linear mit einigen Höhen, aber auch Tiefen, ohne große Überraschungen oder spannender Momente. Muss es aber auch nicht, es macht einfach Spaß es zu lesen.

Fazit: Vergnüglicher, unterhaltsamer Roman über die Erlebnisse einer jungen Schwedin in London. Liest sich kurzweilig und ist zum Abschalten bestens geeignet, wobei es leider aber sehr oberflächlich bleibt.

Bewertung vom 28.08.2015
Der Jahrhundertsturm / Jahrhundertsturm Trilogie Bd.1
Dübell, Richard

Der Jahrhundertsturm / Jahrhundertsturm Trilogie Bd.1


sehr gut

„Historischer Roman“ als Genre ist sehr weit gefasst. Selten passt er so gut wie für in diesem Fall. „Historisch“, da sich sehr viel reale Zeitgeschichte in dem Buch findet. Nicht nur bedeutende Persönlichkeiten wie Otto Bismark, Kaiser Wilhelm, Alfred Nobel oder Henry Dunant sowie zahlreiche historische „Nebenpersonen“ treten auf. Vor allem werden sehr viele überlieferte Ereignisse in die fiktive Romanhandlung eingeflochten. Dazu kommt der Zeitgeist, der ebenfalls hervorragend geschildert und transportiert wird - die Gedankenwelt der Revolutionäre oder des Militärs genauso wie der Erfindungsgeist und die Visionen von Ingenieuren.

Dieses sehr detaillierte geschichtliche Hintergrundwissen ist eingewebt in die fiktive Romanhandlung um Alvin, dem preußischen Junkerssohn; Paul, dem Eisenbahnliebhaber und ihrer beider großen Liebe der Französin Louisa. Sehr fein aufeinander abgestimmt symbolisieren sie ganz unterschiedliche Strömungen des 19. Jahrhunderts und wirken doch harmonisch zusammen. Es macht großen Spaß, diese drei auf ihren Leben in den sehr bewegten Zeiten zu begleiten. Nur hin und wieder fand ich ihre Erlebnisse zu „zufällig“, um noch glaubwürdig zu sein und gegen Ende musste die Ausgewogenheit einem actionlastigen Schluss weichen.

Mit über 1 000 Seiten ist es ein sehr umfangreiches Buch. Anfangs habe ich diesen Umfang mit leichten Bedenken entgegengesehen, doch im Nachhinein finde ich: es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Durch die sehr angenehme Schreibweise hätte ich auch gerne noch mehr gelesen. Durch die unaufgeregten und trotzdem detailgetreuen Schilderungen konnte ich mich zwar perfekt in die Zeit einfinden, wurde aber emotional nicht zu sehr belastet. Die Seiten lesen sich so weg wie nichts.

Fazit: Ein hervorragend komponierter historischer Roman, der Historie und Fiktion perfekt miteinander verbindet. Für Freunde dieses Genres ein „Muss“. Da ich ein paar (fiktive) Ereignisse zu übertrieben fand, vergebe ich immer noch ausgezeichnete vier Sterne.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.08.2015
Nur wer fällt, lernt fliegen
Gavalda, Anna

Nur wer fällt, lernt fliegen


weniger gut

Auf das neue Buch von Anna Gavalda habe ich mich sehr gefreut. Nach dem für mich sehr überraschenden „Zusammen ist man weniger allein“ war ich sehr gespannt auf den Roman. Dementsprechend groß waren die Erwartungen. Leider zu groß, den so richtig mitreißen konnte mich „Nur wer fällt, lernt fliegen“ nicht. Dazu hat das Buch zu wenig Bilder in meinem Kopf erzeugt. Die Ich-Erzählerin Billie erzählt ihre dramatische Lebensgeschichte, doch wirklich vorstellen konnte ich sie mir nicht. Die Umwelt und vor allem auch die weiteren Personen blieben blass, auch Freund Franck, der zu ihr eine ganz besondere Beziehung hat.

Erzählt wird sehr nüchtern und ohne ausschweifende Details, was mir allerdings gut gefallen hat. Es wird viel angedeutet und als Leser kann ich mir die Einzelheiten selbst zusammenreimen. Der besondere Schreibstil macht es möglich, Billies schwierige Geschichte ohne Selbstmitleid und dafür mit viel Überlebenswillen zu erzählen. So ist es, obwohl es an sich eine traurige Erzählung ist, ein hoffnungsvolles und positives Buch. Allerdings mit nicht mal 200 Seiten und vielen, vielen Absätzen und Leerzeilen ein sehr kurzes. Gut, wenn einem das Buch nicht sonderlich berührt; schlecht, weil gerade etwas mehr Erzählung der Geschichte sicher gutgetan hätte.

Fazit: Durch den ganz eigenen Schreibstil ein besonderes Buch, bei dem mir aber die Tiefe und die Bilder gefehlt haben. Deswegen nur Durchschnitt und zwei Sterne.

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