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Benutzername: Buchdoktor
Wohnort: Deutschland
Über mich: Romane, Krimis, Fantasy und Sachbücher zu sozialen und pädagogischen Tehmen interessieren mich.
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Bewertungen

Insgesamt 612 Bewertungen
Bewertung vom 08.10.2019
Der Verein der Linkshänder (eBook, ePUB)
Nesser, Håkan

Der Verein der Linkshänder (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Im fiktiven Oosterby werden in den 50ern Schulkinder von ihrer Lehrerin brutal zum Schreiben mit ihrer „schönen“ Hand umerzogen. Marten und Rejmus sind darüber so wütend, dass sie ihrer Lehrerin aus ganzem Herzen den Tod wünschen. Die Jungs gründen mit weiteren Schülern einen Verein der Linkshänder, zu dem auch das Zwillingspaar Clara und Birgitte gehört. 1991, als die Linkshänder von damals in ihren besten Jahren sind, wird in einer Pension ein Ehemaligen-Treffen des Vereins organisiert. Vier Teilnehmer kommen in der brennenden Pension ums Leben. Nur Qvintus muss sich gerettet haben, so dass Kommissar Van Veeteren und sein Kollege diese Person zum Täter erklären. 20 Jahre später taucht ganz in der Nähe der damaligen Pension die Leiche dieses Mannes auf. Es lässt sich nicht leugnen, dass er gemeinsam mit den vier anderen ums Leben gekommen sein muss. Der Täter ist also noch immer frei.

Van Veeteren ist seit Jahren pensioniert und lebt für sein Antiquariat und das Schachspiel mit dem Ex-Kollegen Münster. Zum Glück kann er durch das Geschäft ab und zu seiner Partnerin Ulrike aus dem Weg gehen. Mit den Jahren ist Nessers Kult-Ermittler etwas umständlich geworden – und könnte Ulrike gehörig nerven. Sie muss ihn regelmäßig daran erinnern, beim Thema zu bleiben – nur damit er im nächsten Satz unbeirrt weiter seinen Abschweifungen folgt. Sowie irgendjemand vom Altern spricht, springt Van Veeteren prompt darauf an und bezieht die Dinge auf sich.

Offiziell will Van Veeteren seinen 75. Geburtstag mit Ulrike in Neuseeland feiern, den die beiden jedoch heimlich, still und leise an der Küste verbringen. Welch Zufall, dass der Urlaubsort der beiden so günstig liegt, dass der pensionierte Ermittler seinen damals vergeigten Fall wieder aufnehmen, sich mit dem Kollegen Barbarotti aus Nessers weiterer Krimi-Reihe treffen und Ulrikes gesunden Menschenverstand hinzuziehen kann. Betagte Zeugen von damals sind zu vernehmen, es gibt einen umfangreichen anonymen Brief an die Polizei, nur fehlt Van Veeteren (im Gegensatz zum Leser) lange Zeit das Gesamtbild. Dabei hat er schon auf der Polizeischule gelernt, dass in einer Region selbst Taten einen Bezug zueinander haben können, die 100 Jahre auseinanderliegen.

Die Handlung spielt auf drei Zeitebenen, die jederzeit klar zu erkennen sind, führt zwei Ermittler nebst einem Tross weiterer Kollegen zusammen und legt anfangs einige falsche Spuren aus. Ein paralleler Handlungsfaden ist das Thema Altern, das zwar genau und listig beobachtet ist, jedoch nicht jedem Leser behagen wird. Bei Hakan Nesser ist die Aufklärung seiner Fälle eigentlich Nebensache – der Weg ist das Ziel. Er schreibt, ich genieße einfach das Lesen – und habe einige seiner Bücher schon mehrfach als Hörbuch gehört. Nesser-Fans sollten zugreifen.

Bewertung vom 19.08.2019
Fünf Lieben lang
Aciman, André

Fünf Lieben lang


ausgezeichnet

Ungelebte Lieben - ein Leben lang?
Paolo kommt als Erwachsener auf die Insel San Giustiniano zurück, auf der er als Kind im Haus seiner Familie die Sommerferien verbrachte. Nach außen wirkte der Aufenthalt im Sommer vor 10 Jahren idyllisch, doch unter der Oberfläche muss es in der Familie bereits gebrodelt haben. Seine Mutter hatte an ihrem jüngsten Sohn viel zu kritisieren, so musste er auf der Insel Nachhilfeunterricht nehmen. Ein besonderes Verhältnis hatte Paolo zu seinem Vater, der regelmäßig mit ihm ins Café in der Altstadt ging, um „Erinnerungen zu sammeln für später “. Die entscheidende Person fehlt jedoch in der Gegenwart; Giovanni/Nanni hat inzwischen die Insel verlassen. Als Zwölfjähriger lernte Paolo den Kunsttischler mit den zarten Händen kennen und ahnte damals nicht, dass er den jungen Mann begehrte. Als der Ebenista einen Schreibsekretär von Paolos Großvaters restauriert, besucht Paolo ihn regelmäßig in der Werkstatt, vordergründig fasziniert von Nannis Handwerkskunst. Nanni sorgt nach dem Tod der Eltern für seinen jüngeren Bruder und mag Paolo als erste Liebe, Mentor, Ausbilder und Vaterfigur gleichermaßen beeindruckt haben. Das prickelnde Gefühlswirrwarr aus Angst vor dem Verbotenen, Scham und Erregung ist Paolo heute noch so gegenwärtig wie vor 10 Jahren. Erst aus dem Abstand des Erwachsenen kann er erkennen, dass sein Vater ein attraktiver Mann gewesen sein muss – und dass auch beide Eltern Nanni damals intensiv betrachtet haben müssen.

Jahre später lebt Paolo nach einem Literaturstudium in den USA, als eine einzige Szene sein Weltbild ins Rutschen bringt. Er beobachtet seine Partnerin Maud im innig wirkenden Gespräch mit einem attraktiven Italiener. Paolos Gedanken wandern zurück zur Insel seiner Kindheit und als Leser ahnt man, dass sich seine Schüchternheit seit damals kaum verändert haben wird. Beim Tennisspielen hat Paolo sich in den älteren Manfred verliebt, den er für unerreichbar hält und an den er sich in winzigsten Schritten herantastet. Auch zu Manfred hat Paolo lange Zeit eine unerfüllte Beziehung, deren Details nur in seinen Träumen existieren. Als Student hatte Paolo eine unentschlossene Beziehung zu Chloe, in der beide nicht wagten, sich ihre Liebe zu gestehen und sie zu leben. Verheiratet ist Paolo inzwischen mit einer anderen Person …

André Aciman lässt seinen Icherzähler Paolo in einem eleganten, hocherotischen Text uneingestandene Gefühle und nicht gelebte Liebesbeziehungen reflektieren. Zwischen fünf Kapiteln ranken sich Verbindungen auf unterschiedlichen Ebenen, dominierende Verknüpfungen sind Paolos Angst vor Abweisung und seine Annahme, er könne vor anderen seine Gefühle verbergen. Das erste Kapitel wirkt auf mich am rundesten und intensivsten, wie eine komplette Novelle auf 100 Seiten. Es erinnert mich stark an „Ruf mich bei deinem Namen“. Beeindruckend finde ich, wie genau der Erzähler im Rückblick unterscheidet zwischen seiner Sicht als Zehnjähriger und dem kompletten Bild der Ereignisse, das er erst in der Gegenwart zusammenfügen kann.

Bewertung vom 14.08.2019
Die Leben der Elena Silber
Osang, Alexander

Die Leben der Elena Silber


sehr gut

1923 arbeitet Jelena Krasnowa als Sekretärin einer russischen Fabrik für Angelschnüre und Fischernetze. Um die industrielle Großproduktion von Fischreibedarf auf Vordermann zu bringen, hat sich ein Experte aus Deutschland angekündigt, den Jelena betreuen und für den sie dolmetschen soll. Robert Silber lernt schnell Russisch, ist überhaupt hoch motiviert für seine Arbeit als Unternehmensberater. Auch Jelena lernt fix, dass sie als Dolmetscherin wie ein Scharnier zwei Gesellschaftssysteme verbindet und jeder Seite besser nur das mitteilt, was die Person verarbeiten kann. Als Robert und Jelena heiraten, Robert in Moskau Direktor einer Spinnerei wird und immer längere Reisen in den Westen unternimmt, fragte ich mich, ob er im Kostüm des Textilexperten als Doppelagent aktiv war. Jelena fragt Robert nicht nach den beiden Welten, in denen er lebt, sie folgt ihm und hält sich für frei von Gefühlen. 1945 verschwindet Robert Silber ganz, zusammen mit den Wertgegenständen der Familie, die er auf der Flucht hätte in den Westen retten sollen. - Als Kind hatte Pawel seiner kleinen Schwester Jelena eingeschärft „traue den Geschichten nicht, die sie dir erzählen, Feuerköpfchen.“ (S. 68) Die Legende vom Tod des einfachen Seilers Viktor Krasnow, die die Mutter offiziell vortrug, hatte Jelena schon immer bezweifelt. Der abwesende Bruder Pawel wird selbst zur Legende, mit dem Jelena lange Zeit Briefe wechselt, weil sie das halbgare Wissen nicht begreifen kann, das Lehrer und Stiefvater im kommunistischen Russland ihr einzutrichtern versuchen. - Die Legendenbildung im Clan der Krasnows/Silbers beginnt mit Viktor Krasnows Tod bereits 1905 in Gorbatow östlich von Moskau, setzt sich im Moskau der 30er fort und ist in der unmittelbaren Gegenwart noch immer nicht beendet. In der Gegenwart nimmt Elenas Enkel Konstantin Stein die Spur seines verschollenen Großvaters auf. Konstantins Vater Claus hatte sich im DDR-System als Tierfilmer in die innere Emigration begeben, musste jedoch feststellen, dass selbst das Familienleben der Füchse in seinem Staat nicht unpolitisch genug war, um unbehelligt leben zu können. Die Generation von Kostjas Eltern und Tanten war fest in der Ost-Berliner Kunst-Bohéme verankert, Kostjas Tante Vera lebt noch heute in einer Kultur aus gegenseitigen Gefälligkeiten wie in DDR-Zeiten. Konstantins Entscheidung, beruflich ausgerechnet in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, lässt befürchten, dass ein weiter Weg vor ihm liegt, ehe er seinen Familienkanon abgeschlossen ins Regal stellen kann. Als Dokumentarfilmer scheint er mit 40 Jahren noch immer kein Thema gefunden zu haben, für das er brennt. Selbst seine als Coaching verklärte Psychotherapie konnte ihm bisher nicht verdeutlichen, dass sein Lebensthema seine Mutter Maria ist, von der er sich nie angenommen fühlte, und in gerader Linie seine hartherzige Großmutter. ... Eine Hauptfigur, die sich in Kriegs- und Nachkriegswirren neu erfindet, ein nicht gerade zuverlässig wirkender Erzähler und Staatsideologien, die Bürgern als Legenden aufgezwungen werden, fordern die Geduld von Alexander Osangs Lesern kräftig heraus. Nach einem eher unspektakulär wirkenden ersten Drittel hat das Zusammenwirken dieser drei Elemente mich doch noch gefesselt. Die Frage, wer Robert Silber war, hat mich im Text ebenso vorwärts getrieben wie die Symbolik der 6 Flüsse in Elenas Leben, ihre Ost-West- Perspektive (Berlin lag aus ihrer Sicht lange im Süd-Westen) und das Rätseln, ob sie - an Altersdemenz erkrankt -, gerade authentische Ereignisse durchlebt oder eine ihrer Legenden. Erleichtert wurde mein Bild des Silber-Clans durch Landkarte und Stammbaum im Buch. Die zahlreichen Handlungsorte und Zeitebenen ließen sich problemlos zuordnen, vermutlich weil Elenas Bewegung der Zeitgeschichte folgt. Ein Roman um staatlich verordnete und persönliche Legendenbildung, Schuld, Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit, getrennte Familien und ungeliebte Kinder.

Bewertung vom 22.07.2019
Auf Erden sind wir kurz grandios
Vuong, Ocean

Auf Erden sind wir kurz grandios


ausgezeichnet

Ein schmerzhaft schöner Roman
Der Junge wird Little Dog genannt, weil man in asiatischer Tradition nicht durch Nennen seines Namens missgünstige Geister aufmerksam machen will. Als Erwachsener schreibt er einen Brief an seine Mutter Rose, von dem er nicht weiß, wie viel sie daraus erfahren wird. Rückblenden führen ihn in seine Kindheit kurz nach der Ankunft in den USA, als er für Rose dolmetschen soll, obwohl ihm für manche Erwachsenen-Angelegenheit schon im Vietnamesischen die Worte fehlen. Seine Mutter rackert sich für ihre Mutter und ihr Kind mit Knochenjobs ab. Der Junge scheint bereits früh zu spüren, dass Mutter und Großmutter sich opfern, damit er ein besseres Leben haben kann. Später werden Monarchfalter für ihn zum Symbol, die weite Wanderungen unternehmen und deren Nachfahren erst zum Lebensraum ihrer Eltern zurückkehren.

Jedes Feuerwerk, jeder Spielzeugsoldat versetzen Rose wieder in den Krieg zurück. Ihre Erinnerungen an Vietnam - ein Alptraum, von dem man Kindern nicht erzählen sollte. In seinen Erinnerungen an Gewalt tritt der Erzähler aus der Ichperspektive heraus, wird zum distanzierten Beobachter eines Jungen, der Gewalt erleidet. Über PTBS und psychische Krankheiten weiß Little Dog damals noch nichts.

Mit 14 nimmt er einen gut bezahlten Ferienjob bei der Tabakernte an - und verliebt sich in den Enkel des Farmers. Das Rudern seiner Kindheit zwischen zwei Sprachen, die er beide nicht vollständig beherrscht, kommt damit zu einem tragischen Höhepunkt. Im Vietnamesischen hatte es für Homosexualität keinen Ausdruck gegeben, bevor die Franzosen Vietnam besetzten. Um das Leben eines schwulen dunkelhäutigen Sohnes muss Rose in den USA nach seinem Outing nun fürchten, davon ist sie überzeugt. Als wäre seine Hautfarbe nicht auffällig genug und stets Anlass zur Frage gewesen, ob er adoptiert sei.

Der epische Brief, an dem der junge Schriftsteller lange gefeilt haben muss, wird schließlich zum Zeugnis, wie Mutter und Großmutter mit ihren Erzählungen die Saat für seine schriftstellerische Begabung legten. Schon früh hat Little Dog darüber nachgedacht, wie man Gedanken in den Kopf eines anderen Menschen transportieren kann.

Elche, Hirsche, Büffel als Teil amerikanischer Kultur stehen im Roman u. a. für das Männerthema Jagd. Tiere allgemein symbolisieren für Rose den kulturellen Graben – wie kann man um ein Tier weinen, solange es existenziellere Problem gibt, kann sie sich ereifern. Roses Befremden wird durch ein Hirschkalb in städtischer Umgebung auf dem Buchcover treffend abgebildet.

Kunstvoll verknüpft Vuong die Perspektiven, ergänzt sie mit Lans uferlosen Erzählungen und der wenig schmeichelhaften Rolle Großvater Pauls. Mit seiner verkümmerten Muttersprache hat der erwachsene Erzähler sich inzwischen spürbar auseinandergesetzt - im Glauben, dass Wissen Klarheit schaffen würde. Sein Erleben als Kind und Jugendlicher bleibt auch aus der Distanz herzzerreißend authentisch. Ein schmerzhaft schöner Roman, dessen Klappentext leider schon zu viel preisgibt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.07.2019
Verrückt nach Karten

Verrückt nach Karten


ausgezeichnet

Am Anfang war die Karte
Ursula LeGuin zeichnete zuerst den Archipel Erdsee und Chris Riddell zeichnete zuerst die Klippe, auf der die Klippenland-Chroniken spielen sollten. Huw Lewis-Jones befasst sich in seinem üppigen Atlas zum großen Teil mit Landkarten fantastischer Welten und ihren Schöpfern, den Autoren und Kartografen. Am Beginn jedes Abenteuerromans und jedes fantastischen Romans steht der Schauplatz, egal, ob es sich „nur“ um einen Garten, eine Stadt, Burganlage oder einen ganzen Erdteil handelt.

Im Prolog berichtet der Herausgeber, wie seine Faszination für Karten bereits in der Grundschule geweckt wurde, als seine Klasse den Schulhof abschreiten und eine Karte davon zeichnen sollte. Huw Lewis-Jones befindet sich mit dieser Anregung in früher Kindheit in guter Gesellschaft; denn nahezu alle Autoren und Kartografen, die hier zu Wort kommen, hatten frühe Förderer, die ihre Liebe zu Abenteuern weckten. Herausragend waren für mich Abi Elphinstones Kindheit in Schottland, in der sie und ihre Geschwister schon einmal versehentlich in eiskalte Flüsse tappen konnten. Ihre Kindheit war geprägt von einer realen blauen Tür, hinter der ihre Eltern sie direkt hinter dem Haus zu wahren Abenteuern führten, wie der Suche nach einem Adlerhorst. Als jugendliche Leserin brauchte sie selbst Karten, um der Handlung mit dem Finger auf der Karte folgen zu können. Beim Schreiben fügte Elphinstone ihre fantastischen Welten in reale Messtischblätter ein; denn als Legasthenikerin benötigt sie unbedingt das Visuelle zu ihren Geschichten. Der Übergang zwischen der realen und der fantastischen Welt wird nahezu in jedem Kapitel thematisiert.

Bemerkenswert auch Helen Moss, die als Kind von Abenteuern in China, Tibet und in Wüsten las und natürlich von der Bezeichnung „Leeres Viertel“ für eine gewaltige Wüste fasziniert war. Auch Moss berichtet von der frühen Förderung durch ihren Vater. Cressida Cowell verbrachte ihre Ferien regelmäßig mit der Familie auf einer unbewohnten Insel. Wen wundert es, dass eine Frau, die sich als Kind vorstellte, wie am Ufer Wikinger-Horden landen würden, später Illustratorin wurde. Schließlich hat mich die Begegnung mit Reif Larsen erfreut, der Karten und Skizzen nutzt, um die Denkweise seines höchst sonderbaren Helden T.S. Spivet zu kartieren. Es sind erschreckend wenige Karten, die ich spontan wiedererkannt habe, so dass ich mich beunruhigt fragen muss, wann ich all diese tollen Bücher lesen soll, zu denen der Herausgeber und seine Autoren mich hier erfolgreich geködert haben.

Huw Lewis-Jones Prachtband liest sich wie das Who's Who der Abenteuer- und phantastischen Literatur. Warum Autoren Karten brauchen, selbst wenn diese Karten später nicht im Buch erscheinen, kann man darin erfahren, wie Autoren von ihrer Kindheit und eigenen Leseerfahrungen geprägt wurden, und schließlich, welche künstlerischen Talente sich hinter Karten fantastischer Welten verbergen.

Der Originaltitel „The Writer's Map: An Atlas of Imaginary Lands” gefällt mir um Welten besser als der übersetzte Titel - und für einen Prachtband wie diesen würde ich mir ein Lesebändchen wünschen.

Wer Abenteuerliteratur und Fantastik liest und sich dafür interessiert, was erfolgreiche Autoren früher einmal für Kinder waren, der/die kann mit dem Buch ein paar zufriedene Ferientage verbringen.

Bewertung vom 22.07.2019
Die Stille des Todes / Inspector Ayala ermittelt Bd.1
Garcia Saenz, Eva

Die Stille des Todes / Inspector Ayala ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Komplexer Thriller aus dem Baskenland - Serienauftakt
In der Kathedrale von Vitoria, der Hauptstadt des Baskenlandes, werden an einem Feiertag die Leichen eines jungen Mannes und einer Frau gefunden. Ermittler sind Unai López de Ayala, der eine Ausbildung zum Fallanalytiker abgeschlossen hat, und seine Kollegin Estibaliz (Esti). Beide sind berüchtigt für ihren Hang zu Alleingängen und den elastischen Stil, mit dem sie Vorschriften auslegen. Ein ideales Team also. Das Verbrechen lässt die Nerven aller bloßliegen; denn es ist nicht der erste Doppelmord in der Stadt und bisher glaubte die Öffentlichkeit den Täter von damals hinter Schloss und Riegel. Innerhalb von zwanzig Jahren sind paarweise zuerst Babys, dann Kleinkinder und später Jugendliche ermordet worden. Die Wahl der Opfer scheint sich geordnet nach ihrem Alter parallel zum Verlauf der Stadtgeschichte zu entwickeln. Öffentlichkeitswirksame Platzierung der Toten und die „Handschrift“ des Täters deuten nun wieder auf einen ungewöhnlich klugen Serienmörder hin. Ist inzwischen ein Nachahmer ein am Werk, fragt man sich, oder könnten damals betroffene Familienangehörige auf sich aufmerksam machen? Unai selbst, der Frau und Kinder verloren hat, scheint mitten im Fadenkreuz des Täters zu stehen. Notgedrungen wird er mit dem für die früheren Morde verurteilten Tasio zusammenarbeiten müssen, dessen Entlassung aus der Haft kurz bevorsteht. - Gemeinsam mit Esti versucht Unai, aus der reichen Symbolik der Taten eine Spur zum aktuellen Täter aufzunehmen. Zunächst müssen die beiden einen Unbekannten aufspüren, der im Auftrag des verurteilten Täters nicht nur die IT der Polizei lahmlegt, sondern virtuos über Soziale Medien Kontakt zu Unai sucht – Hashtag #Kraken, Unais Spitzname aus seiner Jugend. Aus einer Clique Gleichaltriger, die zusammen zur Schule gingen, hat sich in Vitoria eine Art Burschenverein entwickelt, dessen sicheres Netz ein Geben und Nehmen voraussetzt. Für Unai bedeutet das, dass er sich den Pressevertreter nicht aussuchen kann, mit dem er gern kooperieren würde. - In einem zeitversetzten Handlungsstrang heiratet 1970 eine Frau einen gewalttätigen Ehemann und beginnt ein gefährliches Spiel mit ihm.

Ein beunruhigender Prolog, zwei Handlungsstränge, zwei Icherzähler, mehrere Tatorte, eine bedrohlich wachsende Zahl von Opfern – all das fügt Eva García Sáenz de Urturi zu einem komplexen, spannenden Plot, der fest in der Regionalgeschichte des Baskenlandes verankert ist. Angenehm fand ich, dass zur leichteren Orientierung jedes Kapitel mit Ort und Datum überschrieben ist. Pluspunkte verdienen auch Karte und Stadtplan in den Umschlagklappen und ein ausführliches Personenverzeichnis im Anhang. Dass die Autorin parallel zum möglichen Serienmord die Geschichte ihrer Geburtsstadt und ihres Stadtviertels erzählen will (und sogar eine Figur mit ihrem Familiennamen ersinnt) lässt den Plot an einigen Stellen überladen wirken. Wettgemacht wird das winzige Manko jedoch durch die Vielzahl an genau gezeichneten Nebenfiguren, eindrucksvolle Schauplätze in Stadt und Land und die umfangreiche Recherche, z. B. zu historischen Heilkenntnissen. Als erster Band einer in Spanien bereits erschienen Trilogie überzeugt der Thriller - und profitiert davon, dass das Baskenland als Schauplatz bisher weniger überlaufen ist als z. B. Frankreich.

Bewertung vom 22.07.2019
Unbarmherzig / Gina Angelucci Bd.2
Löhnig, Inge

Unbarmherzig / Gina Angelucci Bd.2


ausgezeichnet

Gina Angelucci und die Toten von 1944
Bei Bauarbeiten für ein Gewerbegebiet werden im fiktiven Altbruck im Aushub Knochen von zwei Personen gefunden. Die unvollständigen Skelette müssen rund 70 Jahre im Boden gelegen haben und wären eher ein Fall für die forensische Anthropologie. Doch Gina Angelucci, frisch aus der Elternzeit zurück und inzwischen für ungelöste Altfälle zuständig, übernimmt den Fall. Dass Angehörige Vermisster endlich Gewissheit erhalten, ist der Münchener Ermittlerin ein Anliegen, seit in ihrer Jugend eine Freundin verschwand und nie gefunden werden konnte. Eine Isotopenanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass eine der toten Personen aus dem Baltikum stammte, die andere aus dem Ort. In unmittelbarer Nähe einer ehemaligen Heeresmunitionsanstalt liegt es nahe, dass die Tote dort vor 1945 als Zwangsarbeiterin eingesetzt war. Wo sind die restlichen Knochen, wie starben die Personen und in welcher Beziehung standen sie zueinander, fragt sich Angelucci nun. Mit der Recherche 70 Jahre zurückliegender Ereignisse muss nicht nur Gina sich beeilen; die wenigen Zeitzeugen haben nicht mehr lange zu leben.

Gina sticht mit ihren Ermittlungen in ein Wespennest. In Altbruck wurde die Geschichte des Zwangsarbeiterlagers bisher offensichtlich nicht aufgearbeitet und die Eröffnung des Gewerbegebietes scheint den beteiligten Unternehmen dringender zu sein als alles andere. Ihre Ermittlungen über den jungen Benedikt führen Gina in einen seit Generationen verfeindeten Familienclan. Wer profitiert bis heute vom ungeklärten Tod des jungen Mannes, fragt man sich hier als Leser.

Erzählt wird die Geschichte eines realen Knochenfundes mit fiktiven Personen am fiktiven Ort in mehreren Handlungssträngen und in Rückblicken ins Jahr 1944. (Vorbild für die Munitionsfabrik war laut Autorin die Heeresmunitionsanstalt Hohenbrunn.) Wer die junge Zwangsarbeiterin ist und wie sie nach Altbruck gelangte, wissen Leser des Romans bald. Die Handlung bis zur Überführung des Täters fand ich von diesem Punkt an historisch interessant, aber für einen Krimi wenig spannend. Das Zusammenführen aller Handlungsfäden zu einer plausiblen Lösung zeigt anrührend, wie Jahrzehnte zurückliegende Vermisstenfälle bis heute in die betroffenen Familien wirken und wie wichtig deshalb die Klärung dieser Schicksale ist. Dass Tino aus seiner Elternzeit mit Tochter Chiara bereits seine Fühler nach einer Stelle bei der Kripo ausstreckt, lässt hoffen, dass es mit Tino und Gina in irgendeiner Form weitergehen wird ...

Bewertung vom 22.07.2019
Die Lotosblüte
Sok-Yong, Hwang

Die Lotosblüte


sehr gut

Zwangsprostitution und Frauenhandel in Asien im 19. Jahrhundert
Die Koreanerin Chong Shim wird in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit 15 Jahren an Mädchenhändler verkauft und soll als Konkubine die Lebensgeister eines gesundheitlich angeschlagenen 80-jährigen Chinesen stärken. Nach dem Tod des Patriarchen lässt sein jüngerer Sohn das Mädchen in seinem Bordell ausbilden. So wie Shim Chong (Chong wird als Vorname dem Familiennamen nachgestellt) in der populären koreanischen Legende ins Meer eintaucht und dem Meeresgott begegnet, erlebt auch Chong ihre Reise über das Meer, ihren „Lotos Weg“. Sie taucht als andere Person wieder aus dem Meer auf. In Nanking in China erhält sie den Namen Lenwha/heute Linhua geschrieben/Lotosblüte, muss eine neue Sprache und neue Regeln lernen und wird für ihren Besitzer gebadet, enthaart, mit Bimsstein poliert und parfümiert. Ihre Alpträume und Visionen von ihren miteinander ringenden zwei Körpern vermitteln eindringlich, dass sie sich ihrem Körper nicht mehr zugehörig fühlt. Im weiteren Handlungsverlauf wird Chong geraubt, wieder verkauft, schafft es jedoch durch ihre Intelligenz stets, in Bordellen als Hwachia, eine Art leitende Geisha, besser davonzukommen als andere Frauen. Ihr Lotosweg führt die gerade erst 20-Jährige nach Formosa/Taiwan, Singapur, Nagasaki, auf die zu Okinawa gehörenden Ryukyu-Inseln und nach Kagoshima/Satsuma. Die Veränderungen werden wiederum durch Namenswechsel markiert, Ihr Namenswechsel durch Heirat zu Frau Toyomioya wird noch nicht ihr letzter sein. Chong passt sich wie ein Chamäleon gezwungenermaßen jeweils ihrer Umgebung und den Erwartungen an. - Verfolgen lässt sich (in der Zeit kurz vor dem ersten Opiumkrieg 1839-42) wie Frauen in der Zwangsprostitution immer wieder hoffen, ihre angeblichen Schulden bei ihren Besitzern abzahlen zu können oder den einen „guten“ Freier zu treffen, der sie freikauft, auf sein Schiff schmuggelt und aus dem Land bringt. Am Beispiel der Waise Kiri stellt sich die Frage, ob Frauen wie Chong das System der Zwangsprostitution am Leben erhalten oder nach Auswegen für die nachfolgende Generation suchen. Im letzten Viertel der Handlung gerät Chong in die Begegnung zwischen Japan und der historischen Figur Matthew Calbraith Perry, der 1853 in Japan landet. Zunächst verhandelt Perry darüber, dass in Seenot geratene ausländische Schiffe Zuflucht in japanischen Häfen finden und erzwingt dadurch langfristig eine Öffnung Japans gegenüber ausländischen Einflüssen. Der Haken, den Hwang Sok-Yong hier mit seinem Plot schlägt, hat mich nicht überzeugt, auch wenn er damit eine historisch bedeutende Phase verarbeitet. Letztlich dient Chong hier wieder fremden Herren und Interessen – dem Autor und seinen Lesern.
- Es ist sicher kein Zufall, dass ein in Changchun unter japanischer Besetzung der Mandschurei geborener Autor sich mit dem Aufeinandertreffen der japanischen, chinesischen und koreanischen Kultur und dem Moment der von außen erzwungenen Öffnung Japans gegenüber anderen Kulturen befasst. Die Reiseroute und den historischen Hintergrund muss man sich als Leser des Romans allerding erst selbst erarbeiten. Eine Zeittafel, Landkarte des Lotoswegs und ein Who is Who (wer herrscht gerade über welche Gebiete) hätte die Lektüre gewinnbringender machen können. Auch die Übertragung chinesischer Ortsnamen nach der veralteten Form von Wade-Giles ist eine unnötige Hürde. Chong brauchte noch keine Umschrift, um Chinesisch sprechen zu können. –
Empfehlen kann ich den Roman Lesern, die Interesse haben, sich den historischen Hintergrund selbst zu erarbeiten. Wer diese Einbindung vom Romantext erwartet, wird mit dem Buch vermutlich nicht glücklich.

Bewertung vom 22.07.2019
So schöne Lügen
Burton, Tara Isabella

So schöne Lügen


gut

Bissige Milieustudie mit viel Blingbling
Wer mit Ende 29 nichts erreicht hat, schafft es nicht mehr, meinte Louises Mutter. Und wer es in New York nicht geschafft hat, sollte in seinen Heimatort zurückkehren, schwingt in ihrem nüchternen Urteil mit. Louise schlägt sich in New York mit mehreren unsicheren Jobs durch und träumt noch immer von einer Karriere als Autorin. Als sie die viel jüngere und unvorstellbar reiche Lavinia Williams kennenlernt, scheint das zumindest Louises finanzielle Probleme zu lösen. Lavinias jüngere Schwester wird von Louise auf eine Prüfung vorbereitet, das ist einer von Louises prekären Jobs. Dass andere Menschen für ihr Geld arbeiten und nicht jede Nacht durchfeiern, ist in Lavinias Weltbild nicht vorgesehen. Sie selbst lebt auf der Upper East Side in einem Appartement ihrer Eltern, lässt Louise bei sich wohnen und zahlt deren Rechnungen – wenn sie es gerade für sinnvoll hält. Louise erhält allerdings keinen Mietvertrag und keinen Hausschlüssel, so dass sie von nun wie Lavinias Leibeigene lebt. Bleibt Lavinia über Nacht weg, kann Louise nicht in die Wohnung. Würde Lavinia Sex mit Louise wollen, hätte sie zur Verfügung zu stehen.

Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine zerstörerische, hochmanipulative Beziehung, in der Lavinia schier unersättlich nach Glamour und Anerkennung hungert. Sie ist zu Louises Schöpferin geworden, deren Bild in den sozialen Medien sie kontrolliert. Louise hat ihr im Gegenzug für einen Rachefeldzug an Lavinias Ex zur Verfügung zu stehen. Während die Frauen sich mit Selfies ohne Ende aus dem Leben der Reichen und Schönen inszenieren, wachsen Louises Existenzängste. Vor Louise gab es Mimi und vor Mimi gab es Lisabetta … Eigentlich braucht Louise Lavinia nicht, sondern allein deren Kreditkarte … Die Sache wird schlimm ausgehen, das ahnt man als Leser frühzeitig, und sie geht in immer neuen Wendungen schlimmer aus, als ich mir vorstellen konnte.

Ganz im Stil einer toxischen Beziehung paktiert Tara Isabella Burton mit ihren Lesern, indem sie mit ihnen exklusiv Informationen teilt, über die Louise zu dem Zeitpunkt noch nicht verfügt. Erzählt wird im Präsens in einem naiven Tonfall, der zu keiner der Beteiligten passen will. Die Erzählerstimme scheint die Figuren für naiver zu halten als sie sind – oder der naiv klingende Ton stellt die unerhörten Vorgänge auf perfide Weise heraus. In dieser boshaften Milieustudie einer künstlich glitzernden Welt fragte ich mich am Ende, ob das Szenario so viel Goldglanz auf dem Buchcover verdient hat …

Bewertung vom 22.07.2019
Mein Leben als Sonntagskind
Visser, Judith

Mein Leben als Sonntagskind


ausgezeichnet

Wenn alles durcheinander lärmt und blinkt
Als Jasmijn 1997 völlig überfordert vom Verkehrsgewühl im Fahrunterricht scheitert, sind Autismus und das Asperger-Syndrom längst nicht mehr unbekannt. Wundern könnte man sich allein darüber, dass erst Fahrlehrer Jaap den Zusammenhang zwischen Reizüberflutung und Jasmijns Problemen erkennt. Die junge Frau ist zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt und erzählt im Rückblick von einer Kindheit mit speziellen Bedürfnissen, die sie anderen Menschen nur schwer begreiflich machen konnte. Schon die Vorschule war für Jasmijn eine Tortur; für sie war es dort zu laut, zu grell, zu farbig. Erwachsene wollten von einem, dass man sie ansieht, ihnen antwortet und sie sogar anfasst! Es war schon anstrengend genug sie selbst zu sein, und dann sollte sie noch Gespräche mit Fremden führen. Was in den Köpfen anderer Menschen vorging, blieb dem Kind lange ein Rätsel. Für sich genommen, wirkt jedes Bedürfnis Jasmijns nach Logik, Ruhe und verlässlicher Routine plausibel, in der Summe aller für sie unerträglichen Ereignisse kann sie kaum am normalen Alltagsleben teilnehmen. - Heute wäre es selbstverständlich, wenn ein Kind fordert, frei vom Zigarettenrauch der Eltern aufzuwachsen, damals wirkte Jasmins Wunsch exzentrisch. Nichtraucher hatten sich Rauchern unterzuordnen, so wie ein Schulkind sich an die Gemeinschaft anzupassen hatte. Erwachsene beschlossen, was gut für Kinder ist. Die Erwartungen, wie Jasmijn sich unter Verwandten oder unter Kindern benehmen sollte, überforderten sie so heftig, dass sie bereits als Kind schwere Migräneanfälle erlitt. Migräne kannte Jasmijns Mutter, weil ihr Vater/Jasmijns Opa daran litt, und konnte damit umgehen. Die Einmischung Außenstehender in Jasmijns komplizierte Welt verweigerte die Mutter geduldig, kam aber offenbar nicht auf die Idee, auch nur für die Migräne ärztliche Behandlung zu suchen. Dass noch Anfang der 80er Lehrer sich damit zufrieden geben, wenn Eltern ihr auffallend besonderes Kind nicht genauer untersuchen lassen wollen, wirkt befremdlich. - Nur mit ihrer Hündin Senta als Gefährtin entwickelt Jasmijn sich gemessen an ihrer Behinderung erfreulich, auch wenn ihr die Interessen Gleichaltriger lange ein Rätsel bleiben. Zum seltenen Glücksfall entwickelt sich in der Schule ihre tiefe Freundschaft zur Banknachbarin Kirstin, die ähnlich wie Jasmijns Mutter geduldig akzeptiert, dass das Mädchen in einer eigenen Welt lebt.
Judith Vissers Icherzählerin berichtet gradlinig in chronologischer Reihenfolge und kurzen Kapiteln. Die 600 Seiten lassen sich flott weglesen. Unvergessen bleiben werden mir Jasmijns Mutter, die bewundernswert stoisch Einmischung Außenstehender abwehrt, und Jasmijns zwingende Logik, mit der sie die Welt sieht. Man könnte sich durchaus kritisch fragen, wie weit sich ein Mensch mit besonderen Bedürfnissen seiner Umwelt anpassen muss und wie weit andere freiwillig auf dessen Besonderheiten Rücksicht nehmen könnten.