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Benutzername: anyways
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Bewertungen

Insgesamt 260 Bewertungen
Bewertung vom 04.09.2019
Schneewittchensarg / Ingrid Nyström & Stina Forss Bd.7
Voosen, Roman; Danielsson, Kerstin Signe

Schneewittchensarg / Ingrid Nyström & Stina Forss Bd.7


sehr gut

Zu einem wirklich makabren Fund in einem Museum werden Stina Forss und ihre Vorgesetzte Ingrid Nyström beordert. Die Glasinstallation „Schneewittchensarg“ enthält nicht das original angefertigte gläserne Skelett , wie vom Künstler vorgesehen, sondern ein menschliches, wahrscheinlich das einer jungen Frau, die vor 47 Jahren während ihrer eigenen Hochzeitsfeier bei einer Brautentführung verschwand, davon ist der Ausstellungsleiter und Mann der Verschwundenen überzeugt. Doch wer sollte ihn nach so vielen Jahren so einen üblen Streich spielen und wo war die Leiche all die Jahre? Auf das Team der beiden Ermittlerinnen kommt eine wahrliche Sisyphusarbeit zu, denn ein Verbrechen aufzuklären das vor so langer Zeit fast unbemerkt geschah ist fast aussichtslos.


Verrat, Missgunst, unerfüllte Liebe und Eifersucht gepaart mit der unbedingten Einhaltung traditioneller Werte die kaum Raum für persönliche Entfaltung lässt… all dies machen diesen neuesten Fall von Nyström und Forss aus. Ich bin bei meiner Bewertung jedoch sehr gespalten. Einerseits ist der eigentliche Kriminalfall spannend und verstörend, dabei recht realistisch in der Ermittlungsarbeit dargestellt. Mit der Einblendung des Parallelfalles, den die beiden Ermittlerinnen schon aus den vorangegangenen Büchern mitschleppen, hadere ich. Trotzdem ich den vorherigen Teil gelesen habe, brauchte ich lange um zu verstehen worum es eigentlich geht, dabei taten sich unnötige Längen auf. Beide Protagonistinnen befanden sich in einer ewigen und aussichtslosen Endlosschleife der Vergangenheitsbewältigung die dann in einem für mich abstrusen Show down endete.


Aktuelle Gesellschaftspolitischer Themen und verquere Moralvorstellungen werden durch die Akteure mittels Mono- und Dialoge gespiegelt, so gelingt dem Autorenduo eine wirklichkeitsnahe Darstellung der heutigen politischen Lage in Europa.

Bewertung vom 21.05.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


sehr gut

Hannah Löwenström ist das erste Opfer einer Serie von Gewalttaten an Vertretern der schwedischen Presse. Schon seit einiger Zeit brodeln die sozialen Medien über vor üblen, zornigen Mails, Facebook- und Twitterkommentaren, gerichtet an die Journalisten, die sich allzu positiv über den Zustrom an Flüchtlingen aus der arabischen und afrikanischen Welt äußern. Sie wird nicht das einzige Opfer sein, eine Welle der Gewalt gegen die Presse setzt ein, und schnell wird klar, dass es kein Einzeltäter ist der hier so äußerst brutal agiert. Als die Gewalt in Stockholm eskaliert, betritt ein in seiner Jugend straffällig gewordene und aus dem chilenischen Exil kommende Schwede die Bühne und stellt sich eher zufällig den Tätern in den Weg.


Pascal Engmann’s Thriller „ Der Patriot“ ist ein Debüt mit hochaktueller Thematik. Die Zunahme rechtspopulistischer Gruppierungen in ganz Europa steigt, auch Schweden bleibt hiervon nicht verschont. Als Journalist im „unfreiwilligen Ruhestand“ weiß er wovon und worüber er schreibt ganz genau. Die Reaktionen auf journalistische Beiträge in den sozialen Medien sind erschreckend, wahrscheinlich authentisch und können nicht mehr unter der Verharmlosung „von Netztroll geschrieben“ verstanden werden. Die Darstellung seines eigenen Berufstandes gelingt dem Autor ausgezeichnet. Es gibt jedoch einige Dinge die mich nicht ganz so überzeugen konnten. Beginnend mit einem Zitat aus dem Buch gehe ich darauf ein: „Terroristen meinen, dass die Sünden der Feinde auf die restliche Bevölkerung übergehen können, wenn sie nichts dagegen unternehmen. Aber das wichtigste ist, dass sie die Dinge nur schwarz oder weiß sehen. Alle Menschen sind entweder böse oder gut, es gibt keine Grauzonen“. Engmann spielt mir etwas zu sehr mit der sogenannten „Grauzone“- Gute werden unfreiwillig Böse, Böse oder zu mindestens „Zwielichtige“ werden zu Helden, das kam für mich leider nicht glaubhaft rüber. Ganz besonders habe ich die Aufklärungsarbeit durch staatliche Behörden vermisst, diese werden eher am Rande erwähnt und sind nicht aktiv beteiligt. Dadurch ergeben sich für mich eine Reihe von Ungereimtheiten die den Plot nicht schlüssig erscheinen lassen und den Leser etwas desillusioniert zurücklassen. Für einen Thriller baut sich die Geschichte zudem sehr träge auf, das Leben und die Beweggründe der Hauptakteure (und davon gibt es meiner Meinung nach zu viele) werden akribisch beleuchtet, für das Verständnis nicht schlecht, leider gibt im ersten und zweiten Drittel des Buches dadurch kaum Spannungsbögen. Trotz allem ein beachtenswertes Debüt und ich zolle dem Autor dahingegen Respekt, sich mit diesem Buch seiner Arbeit auf Umwegen, trotz der massiven Bedrohungen gegen ihn und seinen Berufsstand, zu widmen.

Bewertung vom 21.05.2019
Was uns erinnern lässt
Naumann, Kati

Was uns erinnern lässt


ausgezeichnet

Auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen „Lost Places“ durchstreift die Mittdreißigerin Milla den Thüringer Wald in der Nähe des so berühmten Rennsteigs. Bewaffnet mit Lärmspray (für neuangesiedelte Wölfe), Multiwerkzeug mit Messer, Vorhängeschloss, verschiedenen Schraubenziehern, Arbeitshandschuhen, Rettungsdecke und Notladegerät ist sie relativ gut ausgerüstet, denn im ehemaligen Grenzgebiet (Todesstreifen) sind immer noch über dreißigtausend Landminen versteckt. Abseits der Wege durchstreift sie den Wald. Auf einer Anhöhe, in der man weit ins Tal blicken kann, entdeckt sie ein überwuchertes Trümmerfeld. Dachschiefer, Holz und ein paar Ziegel die über die ganze Anhöhe verstreut daliegen. Unter all dem Schutt wird sie fündig. Ihr ganz persönlicher „verlorener Ort“ ist ein Keller, gefüllt mit graviertem Porzellan, Einweckgläsern und alten Schulheften. Beim Durchblättern eines Schulheftes, erfährt Milla, das der Keller zum Hotel Waldeshöh gehört, doch was ist aus dem Haus und seinen Bewohnern geworden? Das lässt Milla keine Ruhe und sie versucht die Verfasserin des Schulheftes ausfindig zu machen. Eine Reise die so einige Überraschungen für sie parat hält.

Was uns erinnern lässt…und ich habe mich an vieles erinnern können und vieles wieder neu entdeckt und interpretiert. Die Autorin Kati Neumann hat einen unglaublich realitätsnahen Roman über das Leben im „Grenzstreifen“ geschrieben ohne anklagend, verurteilend oder pathetisch zu werden, sondern mit einem enormen Einfühlungsvermögen. Stellenweise sind die Schicksale der Zwangsumgesiedelten erschütternd, auf der einen Seite durch die Willkür des Staates des Eigentums beraubt zu werden und auf der anderen Seite durch den Versuch sich ja anzupassen, damit man das kleine Stück Heimat doch vielleicht noch behalten kann. Viele versteckte Schilderungen des Alltags in der DDR sind beim genauen lesen zu entdecken, sei es die Anmeldung auf einen Termin zur Fahrschule (was mitunter schon mal ein paar Jährchen dauern konnte), die Mitgliedschaft im Konsum (hier fehlte mir nur die Erwähnung des Einklebens der Konsummarken, ich sehe meine Oma noch heute am Küchentisch sitzen und das Heftchen ordentlich bekleben), warten auf die Zuteilung eines Autos (Trabbi und Co.) und das ewige Schlange stehen sei es bei Obst& Gemüse, Jeans aus Ungarn, Schokolade u.v.a.m.
Dieses Buch kann ich jedem empfehlen der Interesse an der deutsch-deutschen Vergangenheit zwischen Ende des zweiten Weltkrieges und Wiedervereinigung hat. All diejenigen die diese Zeit bewusst miterlebt haben, werden sich nicht nur, und dafür bin ich der Autorin sehr dankbar, an die negativen Seiten erinnern. Vieles wird man kopfschüttelnd lesen, vergessen wir jedoch nicht, das wir die Dinge damals stellenweise einfach anders beurteilten als jetzt.

Bewertung vom 03.05.2019
1793
Natt och Dag, Niklas

1793


weniger gut

Der „Hamburger Keller“, eine zwielichtige Kneipe, in der die zum Tode Verurteilten den letzten Becher Alkohol vor der Hinrichtung bekommen, ist auch der bevorzugte Unterschlupf des Stadthäschers Jean Mickel Cardell. Der Einarmige versucht im Alkohol seine Schmerzen und seine Trauer zu ersäufen. Gelingen tut ihm das nicht. Als er wieder einmal stockbesoffen am Tisch einschläft wird er unsanft geweckt. Zwei Kinder hätten eine Leiche im Fatburen treiben sehen. Der Fatburen, eigentlich ein See, ist jetzt zu einer Kloake verkommen, aller Müll, Dreck und sämtliche Exkremente landen dort, nun also auch noch eine Leiche, der sämtliche Gliedmaßen sauber amputiert wurden. Dieses ungewöhnliche Verbrechen wird dem Juristen und schwer an Tuberkulose erkrankten Cecil Winge übergeben. Zusammen mit Cardell macht dieser sich daran den Fall aufzuklären.

Vier Erzählstränge gliedern diesen historischen Kriminalroman auf. Der erste und letzte beinhalten den Anfang der Ermittlungen und die Aufklärung des Falles sowie die Interaktionen des so ungleichen Duos Cardell/ Winge. In den beiden mittleren Erzählsträngen kommen Akteure vor , die direkt oder indirekt am Verbrechen beteiligt waren oder von ihm beeinflusst wurden.
1793 ist kein einfacher Krimi, ich habe entgegen meiner sonstigen Leseneigung ewig gebraucht es durchzulesen. Ich kann nicht behaupten dass es unspannend ist, nur die Mittelalterlichen Gepflogenheiten, die unzähligen Folterungen und deren genaueste Beschreibung, waren für mich irgendwann abstoßend. Es sind die unzähligen detaillierten Beschreibungen roher Gewalt, Alkoholexzesse, abartiger Neigungen und der zu bildhaft beschriebene Verlauf der Schwindsucht des Ermittlers, der mir doch eine gewisse Distanz zu diesem Roman verschaffte. Eine gewisse Trostlosigkeit durchzieht das Buch wie einen roten Faden, selbst die Einzige mir sympathische Figur einer jungen Frau, geschieht fürchterliches. War das gesellschaftliche Leben fernab von Reichtum wirklich so barbarisch?
Dem Autor bescheinige ich eine wirklich akribische Recherche geschichtlicher Fakten, dem Hype um diesen Krimi kann ich mich jedoch nicht anschließen.

Fazit: Ein historischer Krimi der jede Abscheulichkeit zwischenmenschlicher Gewalt viel zu bildhaft beschreibt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.04.2019
Allee unserer Träume
Gerold, Ulrike; Hänel, Wolfram

Allee unserer Träume


weniger gut

Mich hat der Klappentext neugierig gemacht. Eine Frau die sich in einer Männerdomäne durchsetzen möchte, noch dazu in Ostberlin kurz nach dem Krieg. So protzig und völlig überdimensioniert diese Bauten an der heutigen Karl-Marx-Allee heute auch wirken, bedeuteten sie damals einen Luxus für die Ostberliner Bevölkerung. Jedenfalls war ich gespannt wie das Autorenduo diese Szenerie einfangen wollte um einen interessanten Roman zu kreieren. Mir wurde schnell klar, dass Ulrike Gerold und Wolfram Hänel nicht aus Ostdeutschland kommen, denn es tauchen doch ziemlich viele Ungereimtheiten auf, die ich mir, da ich aus Ostdeutschland stamme, nur so erklären kann.
Der Beginn ist unterhaltsam und flüssig geschrieben. Ilses Kindheit und Jugend, ihre innige Beziehung zu ihrem Vater und die ersten Schritte in Richtung des späteren Berufswunsches sind ansprechend zu lesen. Erst als Ilse die große Bühne in Berlin betritt und sich als „kleine“ Frau in einer Männerdomäne behaupten möchte wird die Geschichte unglaubwürdig. Ich will versuchen das zu erklären: In der noch jungen DDR galten Frauen von Anfang an als gleichberechtigt. Es wäre also überhaupt nichts Ungewöhnliches gewesen als vollwertige Architektin mitzuarbeiten. Übrigens ein fast vergessenes Phänomen, im Ostblock war es absolut normal (natürlich wenn man sich politisch „korrekt“ verhielt) wenn Frauen sogenannte Männerberufe erlernten. Aber nicht nur das war enervierend zu lesen, sondern ganz besonders haben mich die abrupt stattfindenden Zeitsprüngen mein Lesevergnügen gekostet und ebenso die an den Anfang gestellte Übersicht des Inhaltes des jeweiligen Kapitels. Damit wurde ein Teil der kommenden Geschichte ja schon vorweg genommen. Vielleicht hätte auch dies mich nicht so stark gestört, wäre mir die Protagonistin oder andere Mitwirkende sympathisch gewesen. Alle Figuren sind eher farblos und eher Randnotizen. Die Protagonistin selbst finde ich zu selbstbezogen und in jedem zweiten Satz geht es um „ihren Traum“. Ganz bezeichnend für den Charakter der Ilse ist ein Satz ziemlich zum Ende des Buches. Sie plant eine Reise mit ihrem Mann um sich bei ihm für all die Jahre zu bedanken. Sie überlegt hin und her: „Nein, Unsinn wir fahren nach Brügge! Wir sehen uns gemeinsam die Häuser an, mit denen alles begonnen hat.“- Nur war das nie der Traum ihres Mannes sich in Brügge die Architektur anzusehen, sondern der Traum von Ilse und ihrem Vater.
Eine großartige Möglichkeit eine Geschichte über den Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg zu schreiben, die jedoch weder authentisch noch fesselnd umgesetzt wurde. Schade.

Bewertung vom 23.04.2019
Der Hunger der Lebenden / Friederike Matthée Bd.2
Sauer, Beate

Der Hunger der Lebenden / Friederike Matthée Bd.2


ausgezeichnet

Sommer 1947 in und in der unmittelbaren Umgebung von Köln


In Odenthal wird die Leiche der Gutsbesitzerin Ilse Röder gefunden. Der Tat war mit vier Schüssen ins Gesicht äußerst brutal, neben der Leiche wird eine junge Herumtreiberin mit der Mordwaffe aufgefunden. Friederike Matthée von der weiblichen Polizei wird von ihrer Vorgesetzten mit der Vernehmung der Mordverdächtigen betraut. Da sie selbst keine Fahrerlaubnis besitzt bringt sie ein Streifenwagen ins Bergische. Hauptkommissar Heimerzheim ist nicht sonderlich begeistert von der jungen Frau, erst recht nicht, als sie bei der Tatortbegehung schwächelt. Doch wider Erwarten findet Friederike Zugang zu der jungen Tatverdächtigen, die auch sofort ihre Unschuld beteuert, doch kann Friederike beweisen, dass sie ihr Baugefühl nicht trügt?
Ungefähr zur selben Zeit werden drei Leichen einer englischen Jagdbomberbesatzung aufgefunden. Richard Davies von der Royal Military Police, der als Kind noch rechtzeitig nach England emigrieren konnte, wird wieder in sein verhasstes Heimatland geschickt, um die Vorfälle zu untersuchen. Er fordert Friederike wieder als Unterstützung an, obwohl er seine ehemaligen Landsleute hasst, hat es ihm die junge Frau angetan.

„Der Hunger der Lebenden“ - eine ausgezeichnete Wahl für diesen Krimi. Beate Sauer zeigt nicht nur die (fast) verzweifelte Suche der Überlebenden des 2. Weltkrieges nach Nahrungsmitteln und Wohnraum, sondern auch den Hunger nach Normalität und Leben. Die Situation im Nachkriegsdeutschland beschreibt die Autorin in all ihren unterschiedlichen Fascetten. Das Zurechtfinden in einer „neuen“ Welt, obwohl man doch fast zwei Jahrzehnte die Ideologie der Nazis indoktriniert bekommen hat, der Hass der wenigen Überlebenden dieser Schreckensherrschaft, unzähligen Waisen für die kein Platz ist in einer Pflegfamilie ist und die deshalb zwischen den Trümmern einer Großstadt zu überleben versuchen. Diese wirklich realistische Darstellung hat mir sehr gefallen. Der eigentliche Kriminalfall ist ebenso vielschichtig und wartet mit vielen Wendungen auf. Spannung ist bis zum Ende garantiert.


Ich habe die Serie um Friederike Matthée und Richard Davies mit diesem Buch begonnen, der Einstieg war jedoch problemlos. Die beiden Protagonisten sind sympathisch, obwohl die Figur der Friederike wesentlich nahbarer ist, als die des Richard.


Fazit: Ein packender Krimi der in der Nachkriegszeit spielt und eine Fülle an historischen Details aufweist.

Bewertung vom 15.03.2019
Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden / Holly Wakefield Bd.1


sehr gut

Der Anruf, mitten in der Nacht, kommt für die junge forensische Psychiaterin Holly Wakefield überraschend. Detective Inspector Bishop von der Metropolitan Police, erinnert sie an die Bereitschaftsliste für Tatortbesichtigungen. Da der sonst zuständige Psychiater wegen der Erkrankung seiner Frau außer Dienst ist , muss nun Holly die Beratungsfunktion übernehmen. Es ist ihr erster Tatort und dementsprechend schokiert ist sie von dem Szenario. Ein im Ruhestand lebender Arzt und seine Frau wurden in ihrem Haus ermordet, auf ganz bestialische Art und Weise. Eins ist Holly sofort klar, dieser Mörder reiht sich mühelos in die Reihen der abartigsten Mörder der Geschichte ein. Und er treibt ein perfides Spiel sowohl mit Holly als auch mit DI Bishop.

Von der ersten Seite an, hat mich dieser Thriller gefesselt. Ein wahres Katz und Maus Spiel zwischen Ermittlern und Täter. Genügend Geheimnisse auf Seiten von Holly und Bishop, die das Ganze zunehmend spannend gestaltet. Es gibt gekonnt gesetzte Spannungsbögen die in einem fulminanten Showdown gipfeln und beiden Hauptakteure sind charakterlich sehr sympathisch dargestellt. Ein paar kleine Kritikpunkte gibt es. Vielleicht liegt es aber auch daran, das Thriller mein Lieblingsgenre sind, und ich im Laufe der Jahre eigentlich schon (fast) alles gelesen habe. Da wird man dann schon stutzig warum die Ermittler immer auf eigene Faust und ohne Rückendeckung agieren, das ist immer schwer nachzuvollziehen. Der Tick von Holly sämtliche Serienkiller namenlich zu kennen mit ihrem Modus operandi und der Anzahl der Opfer faktisch jedem unter die Nase zu reiben, erinnert mich zu sehr an einen jungen Analytiker einer bekannten U.S. Serie. Hier wäre mir ein klein wenig Kreativität lieber gewesen. Aber das sind nur winzige Schönheitsflecken in diesem wirklich spannungsreichem Buch.

Fazit: Zwar ein typischer Thriller, jedoch ungemein fesselnd und spannungsreich.

Bewertung vom 15.03.2019
Jetzt gehörst du mir / Marina Esposito Bd.8
Carver, Tania

Jetzt gehörst du mir / Marina Esposito Bd.8


weniger gut

In und um Colchester werden innerhalb kürzester Zeit drei Männerleichen gefunden. Die Auffindungsorte sind Schauplätze ehemaliger Mordermittlungen von DI Phil Brennan, die drei Opfer weisen durch Kleidung, Körperbau und Statue frappierende Ähnlichkeiten mit ihm auf und alle Opfer haben eine Tarotkarte mit Phils Namen darauf. Als Phil von seiner ehemaligen Dienststelle informiert wird, möchte er sofort seinen Kollegen helfen und macht sich auf den Weg nach Colchester, doch da kommt er nie an. Als Marina vom Verschwinden ihres Mannes erfährt macht sie sich umgehend auf den Weg und ermittelt auf eigenen Faust.


Ein neuer Fall für Marina und Phil… der erste Wehrmutstropfen schlich sich sein, als ich kurz nachrechnete wieviel Zeit zwischen „Jetzt gehörst du mir“ und dem Vorgänger „Er will dein Herz“ vergangen sind. Es sind nur viereinhalb Monate. Bei einem so kurzen Abstand zwischen zwei Büchern einer Reihe habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass vieles ganz arg zusammengeschustert wurde, um zu einem schnellen Ende zu kommen. Ich habe inständig gehofft das wäre bei dem Autorenduo Tania Carver nicht so, jedoch musste ich sehr enttäuscht feststellen, dass mein Gefühl mich nicht betrogen hatte. Ich muss dazu allerdings sagen, dass mir die Erzählstränge um die Figur der Fiona Welsch aus den anderen Büchern auch nie besonders zugesagt haben. In „Jetzt gehörst du mir“ agieren Marina und Phil mehr oder weniger als Randfiguren, die eigentliche Hauptperson ist die Killerin Fiona Welsch, deren ganze Vergangenheit ausführlich beleuchtet wird. Ich konnte einige Dinge jetzt besser verstehen, die in vorangegangenen Büchern um die Figur der Fiona thematisiert wurden, doch deren ganze Motivation sich ausgerechnet Phil als „Opfer“ zu ersuchen ist für mich nach wie vor unverständlich. In diesem, anscheinend letzten Band der Reihe, ist mir auch eine extreme Stümperhaftigkeit der ermittelnden Personen aufgefallen. Da wird ohne Rückendeckung agiert, offensichtliche Fehler leitender Beamter so gut wie nie hinterfragt, Marina überschreitet ihre Kompetenzen noch gewagter und Phil erkennt man überhaupt nicht wieder. Er wirkt wie ein Abziehbild seiner selbst. Ehrlicherweise, obwohl ich die Bücher der Autoren sonst sehr mag, war das hier mit Abstand schlechtestes Buch in der Reihe. Für mich ein Schnellschuss, leider ohne nennenswerte Spannungsbögen mit einem arg konstruiertem Plot. Irgendwie wurde ich die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass Tania Carver sich schnell von ihren Charakteren verabschieden wollten. Für immer.

Anmerkung: Mir ist auf der Klappenseite aufgefallen, dass Tania Carver das Pseudonym von Martin Waites ist. Bisher haben unter dem Pseudonym jedoch Martin und Linda Waites geschrieben? Ist dem Verlag dort ein Fehler unterlaufen?

Fazit: Leider kein Finale, dass man sich für so eine erfolgreiche Serie gewünscht hat.

Bewertung vom 15.03.2019
Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2
Katzenbach, John

Der Verfolger / Dr. Frederick Starks Bd.2


weniger gut

Fünf Jahre nach der Begegnung mit einem äußerst mörderischen Geschwistertrio, hat der Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Ricky Starks in Miami wieder Fuß gefasst. Seine Odyssee ging über New York, Boston, New Orleans und schlussendlich Florida. Seine Praxis läuft gut, er hat sich ein neues Leben aufgebaut, und doch hat er mit der Vergangenheit nicht abgeschlossen, denn immer wieder suchen ihn Alpträume von seiner Begegnung mit Virgil, Merlin und Rumpelstilzchen heim. Diese Fantasienamen gab sich das Trio als sie Ricky das erste Mal heimsuchten und jetzt steht der tot geglaubte Mr. R (Rumpelstilzchen) in seiner Praxis und bedroht ihn mit einer Waffe. Doch diesmal will Mr. R Ricky nicht umbringen, sondern zur Mitarbeit zwingen. Die Geschwister von Mr. R werden bedroht, Ricky soll herausfinden wer der Aggressor ist, im Gegenzug für ein freies Leben.



John Katzenbach konnte sich mit seinen bisherigen Büchern immer fesseln. Dieses gehört (hoffentlich ausnahmsweise) nicht dazu. Ich habe den Vorgänger, „Der Patient“ schon vor langer Zeit gelesen, deswegen kam mir zwar einiges bekannt vor, die Zusammenhänge waren mir jedoch überhaupt nicht klar. Der Autor ist hier auch keine große Hilfe, da er die Vorgeschichte nur in sehr gering dosierten Sätzen erwähnt. Die Story demzufolge für mich von Anfang an mehr als schleierhaft. Warum sollte sich der Psychiater auf den Vorschlag von Mr. R einlassen? Warum holt er sich keine Hilfe? Das war für mich nicht logisch und nachvollziehbar. Von da an wirkte der ganze Plot auf mich, wie unter großer Spannung zurechtgezimmert. Katzenbach richtet auch nicht wie sonst den Fokus auf die spannenden Elemente, sondern eher auf das Gefühlsleben (stellenweise Gefühlschaos) des Dr. Starks. Das führt zu ziemlich vielen sehr langatmigen Passagen. Für einen Psychothriller eher ungewöhnlich, da es nur recht sparsame Spannungsbögen gibt.


Nein, diesmal konnte mich John Katzenbach überhaupt nicht fesseln. Schade.

Bewertung vom 07.01.2019
Stieg Larssons Erbe
Stocklassa, Jan

Stieg Larssons Erbe


ausgezeichnet

Recherchearbeit bedeutet, dass man nie genau weiß wohin einen die nächste Spur führen kann. So erging es auch dem Autor Jan Stocklassa, seine Recherche für sein neues Buch lässt ihn einen Schatz finden. Das Archiv des verstorbenen Krimiautors Stieg Larsson. Stieg Larsson war mehr als „nur“ der Krimiautor. Das wird Stocklassa schnell klar, denn erhält umfassendes Material zu Larssons akribischer Suche nach dem Mörder Olav Palmes. Die immer noch offene schwedische Wunde wird von unzähligen Journalisten privat verfolgt und jeder hat so seine eigene Theorie zum Mörder, so stimmen Stocklassa’s Ansichten überhaupt nicht mit Larssons überein und doch wird Stocklassa den Spuren, die Stieg Larsson durch seinen frühen Tod nicht mehr verfolgen konnte, nachgehen.

Die Ermordung Olav Palmes am 28.02.1986 ist nicht nur ein schwedisches Trauma, sondern ein europäisches. Selbst hinter dem eisernen Vorhang genoss der Politiker ein sehr hohes Ansehen, etwas das ihn in seiner Heimat offensichtlich etliche Feinde beschert hat. Mich hat diese Gewalttat an einem Politiker, der auf offener Straße ermordet wurde sehr nachdenklich gemacht, obwohl ich damals noch ein sehr junges Schulkind war.
Der Klappentext war dann auch einfach zu fesselnd. Meine Neugier geweckt, obwohl ich den leisen Verdacht hegte, das dieses Buch in einem ähnlichen Stil wie Larssons Millennium-Trilogie (das erste Buch spannend, das zweite verworren und extrem langatmig und das dritte nur mäßig besser) geschrieben ist. Diese Einschätzung zur Millennium-Trilogie teile ich mit dem Autor Jan Stocklassa, wie ich mit Augenzwinkern feststellte.Wie befürchtet war der erste Teil von „Stieg Larssons Erbe“ auch so geschrieben. Hier verwendet Stocklassa fast ausschließlich Material aus Larssons Archiv. Der geniale Geist Larssons, die Ruhe- und Rastlosigkeit und das enorme Arbeitspensum kommen voll zur Geltung, seine Gedankengänge sind jedoch für Außenstehende manchmal schwer zu verstehen. Als Stocklassa Larssons Erbe antritt und die Recherchen des verstorbenen Autors übernimmt wird die Geschichte flüssiger, spannender und manchmal muss man auch ein klein wenig schmunzeln. Es ist für mich bemerkenswert wie weit man sich persönlich der Gefahr aussetzt um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Ich finde Stocklassa dabei noch verwegener als Larsson.

Fazit: Eine fesselnde True-Crime-Story, die, wenn der Tathergang tatsächlich so stattgefunden hat, die Welt zu einem sehr gefährlichen Ort werden lässt.