Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Michaela von lesenswertebuecher
Wohnort: Stadtoldendorf
Über mich:
Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 78 Bewertungen
Bewertung vom 24.10.2019
Wintervanille / Kalifornische Träume Bd.1
Inusa, Manuela

Wintervanille / Kalifornische Träume Bd.1


ausgezeichnet

Meine Meinung
Cecilia übernimmt nach dem Tod ihres Vaters die von ihm aufgebaute Vanillefarm. Sie führt die Farm mit vollem Einsatz und mit viel Liebe, denn es ist das Vermächtnis ihrer verstorbenen Mutter. Mittlerweile hat sie dadurch ein solides Einkommen, denn sie verkauft neben ihren hochwertigen Vanilleschoten auch andere Produkte, die sie mit viel Herz herstellt. Nachdem ein Fernsehsender eine Reportage über ihre Vanillefarm in Kalifornien gedreht und ausgestrahlt hat, wird sie von einem renommierten Gewürzhändler auf ein Gewürzseminar eingeladen auf dem sie selbst ihre besondere Vanille vorstellen soll. Doch sie ahnt nicht, dass sich durch die Teilnahme am Seminar nicht nur ihre Auftragslage stark ändern wird, sondern vor allem ihr ganzes Leben!

Cecilia ist ein Charakter, mit dem ich mich sehr leicht identifizieren konnte. Sie liebt die Ruhe und die Natur von Herzen und ihr Job ist eher ihre Berufung. Wenn sie etwas anfängt, dann nur mit vollem Herz und voller Überzeugung. Und dann trifft sie auch noch den Mann ihrer Träume - obwohl es sich wie bei ihr üblich, mal wieder zu einem Albtraum zu entwickeln scheint. Insgesamt sind aber alle wichtigen Figuren ganz toll von Manuela Inusa ausgearbeitet worden, sei es Cecilia oder ihre verrückte Hippie-Oma. Egal ob Cecilias beste Freundin Julia oder ihr bester Freund Benedict. Alle Figuren haben Tiefgang und sind dadurch sehr authentisch.

Die Geschichte nimmt etwa bis zur Mitte des Buches ein eher ruhiges Tempo auf. Es wird viel erzählt und so richtig kommt die im Klappentext erwähnte Reise nach Lake Tahoe nicht in Sicht. Doch das ändert sich schlagartig aber der zweiten Hälfte des Buches. Den Teil habe ich in eins durchlesen müssen, weil ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Es war absolut packend und ich wollte wissen, wie es weiter geht. Dazu beigetragen haben natürlich auch der leichte Erzählstil, sowie der tolle Lesefluss.

Das Buch, die Geschichte und auch die Charaktere haben mich emotinal immer wieder gepackt - ich habe mit ihnen gelacht und auch mal die Augen voller Tränen gehabt. Selbst ein paar Tage nach dem Ende des Buches kehre ich manchmal gedanklich noch nach Kalifornien zurück.

Das Cover ist sehr schön und passend zur Story gestaltet.

Fazit
Ein tolles Buch, das besonders zu Vorweihnachtszeit die Herzen erwärmt, emotional bindet und den Leser bis zur letzten Seite nicht mehr los lässt. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 03.10.2019
Mein Leben nach dem Tod
Benecke, Mark

Mein Leben nach dem Tod


sehr gut

Meine Meinung
Mark Benecke ist ein ganz besonderer Typ Mensch. Er ekelt sich nicht vor Tatorten oder Opfern krimineller Gewalt, sondern ist ganz darauf konzentriert, die Wahrheit zu erfahren und dass anhand von kleinsten Spuren - am liebsten von Käfern oder Insekten im Allgemeinen. Zum Leben wie auch zum Tod hat er eine ganz pragmatische Einstellung, die wunderbar einfach und logisch erscheint. Und wie Mark Benecke zu Mark Benecke wurde, erzählt er in diesem Buch.

1970 in Rosenheim geboren, wächst Mark Benecke sehr behütet auf. Gewalt kennt er in seiner Kindheit nur von Erzählungen und als er einen Chemiebaukasten geschenkt bekommt, merkt er, dass sein Herz für die Wissenschaft schlägt. Und dem bleibt er stets treu. Seine Geschichte erzählt Dr. Mark Benecke sehr authentisch, ehrlich und schonungslos. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er eigentlich neben mir sitzt und alles erzählt. Das liegt vermutlich daran, dass er genauso schreibt wie er redet. Der Leser merkt ihm ganz klar seine Leidenschaften, aber auch seine Abneigungen an. Mit einem Hauch Ironie bringt Mark Benecke sogar ein bisschen Humor mit in die Erzählungen ein. Trotz der teilweise wissenschaftlichen Abschweifungen, konnte auch ich als Laie alles verstehen - eine der großen Stärken des Kriminalbiologen, denn auch in seinen Interviews bei z. B. "Medical Detectives" u. a. erklärt er alles auf sehr einfache, bildhafte Weise. Gelegentlich fand ich die Exkurse etwas zu ausschweifend, zumal das Thema, um das es eigentlich ging, ein ganz anderes war. So muss der Leser schon ein bisschen Geduld aufbringen um etwas von Mark Benecke zu erfahren. Trotzdem blieb der Lesefluss erhalten und die Seiten flogen nur so dahin beim Lesen.

Das Buch erzählt teilweise vom beruflichen Bereich, hauptsächlich allerdings aus dem privaten Leben von Mark Benecke, sodass der Leser begreift, wer hinter der Figur wirklich steckt. Manche Ereignisse sind traurig, manchmal musste ich aber auch schmunzeln. Ein ganz normales Leben mit Höhen und Tiefen, Hobbies, Comicfigur-Helden und Reflektionen. Mein Lieblingssatz von Mark Benecke: "Et is, wie et ist." ... ich habe den Satz bereits in meinen Sprachgebrauch eingebracht.

Gegen Ende des Buches ergreifen ein paar Personen aus dem Umfeld - unmittelbar oder entfernt - das Wort. So habe ich beispielsweise zum ersten Mal von den "MARKierten" gehört....eine interessante Gruppe, auch wenn ich niemals dazu gehören werde.

Das Cover finde ich sehr passend - ohne Schnick-Schnack, sondern einfach er. Das finde ich sehr authentisch.

Zitat
"Der Mensch ist ein kleiner, guter, freundlicher Witz der Natur." (Seite 230)

Fazit
Ein sehr schöner Einblick in die Gedankenwelt des wohl bekanntesten Kommentators zu Kriminalfällen. Von mir eine klare Leseempfehlung an alle, die sich für den Menschen hinter den Worten interessieren und warum alles so ist, wie es ist!

Bewertung vom 26.09.2019
Die Waldmeisterinnen Bd.1
Schütze, Andrea

Die Waldmeisterinnen Bd.1


ausgezeichnet

Meine Meinung
Holly Holunder und Lia Lavendel sind Schwestern und neu im Wildwood Forest. Um sich mit ihren Nachbarn bekannt zu machen und ihren neu eröffneten Laden zu bewerben, veranstalten die beiden Schwestern ein großes Fest mit Limonade und Kuchen. Holly ist für alles handwerkliche zuständig und ihre Erfindungen sollen den Alltag der Waldbewohner vereinfachen. So freuet sich sich sehr darauf, neue und vor allem individuell sinnvolle Erfindungen in das Leben der Waldbewohner zu bringen. Lia dagegen hat ein gutes Gespür für die Gefühle, Ängste und Sorgen der einzelnen Bewohner und ist einfach glücklich, wenn sie jemandem helfen kann. Das Fest wird ein voller Erfolg und schon bald freunden sich die beiden Schwestern mit Mrs Wildschwein und ihren Kindern an. Auch die übrigen Waldbewohner sind super nett und werden schnell zu Freunden.

Die Illustrationen von Petra Eimer sind detailliert und mit Liebe erstellt und gestaltet. Es gibt so viel zu entdecken auf den Bildern, wovon manche ganze zwei Seiten einnehmen. Ich habe beim Lesen immer wieder innegehalten um auch ja kein Detail zu verpassen. Besonders habe ich dabei das kleine Eichhörnchen Brownie mit dem Regenbogenschwanz ins Herz geschlossen. Er taucht zwischendurch in der Geschichte auf und gibt ihr dadurch etwas sehr niedliches.

Für Kinder finde ich es wichtig, das Geschichten auch immer dazu anregen, etwas daraus mitzunehmen. Hier zeigt die Autorin auf eine wunderbar einfache Weise, dass Probleme durchaus auch Lösungen bieten können. Manchmal erledigen sich die größten Probleme mit ein bisschen Zuhören, Einfühlen und Erkennen wie von selbst.

Insgesamt ist das Buch sehr hübsch gestaltet. Das Cover ist schon aussagekräftig mit Holly und Lia drauf und der Leser erkennt bereits vor dem Lesen, dass hier alles mit Liebe zum Detail ausgearbeitet wurde. Gleich auf dem Innendeckel findet der Leser eine Karte des Wildwood-Forests. Hier kann man ganz genau sehen wer wo lebt und wo letztendlich die große Feier stattfindet. Der Leser kann immer mal wieder dorthin zurückblättern um während der Geschichte ein Gefühl für den Wald zu bekommen. Die Geschichte beginnt mit "alten, vergilbten" Seiten, die als Einstieg sehr authentisch wirken. Ich hatte gleich das Gefühl, schön eingekuschelt am warmen Kamin zu sitzen und dieser tollen Geschichte zu lauschen... Besonders hat mir das Rezept von Lias zimtigem Power-Porridge am Ende des Buches gefallen. Ich habe es bereits ein paar Mal zum Frühstück zubereitet.

Ab einem Alter von 7 Jahren empfohlen.

Zitat
Du musst wissen, dass Holly und Lia früher in einem anderen Wald gewohnt haben. Doch dort wurde es immer lauter und schmutziger, nirgendwo war man mehr ganz für sich allein. (Seite 14)

Fazit
Ein wirklich niedlich und liebevoll gestaltetes Kinderbuch, das die Fantasie anregt. Für alle Kinder, die genauso sein wollen wie Holly und Lia. Von mir eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 19.09.2019
Die kleine Spinne Widerlich sagt Gute Nacht (Pappbilderbuch)
Amft, Diana

Die kleine Spinne Widerlich sagt Gute Nacht (Pappbilderbuch)


ausgezeichnet

Das Pappbilderbuch ist sehr niedlich gestaltet. Die kleine Spinne Widerlich ist ganz im Gegensatz zu ihrem Namen eine super süße kleine Spinne, die müde ist, aber vorher noch wissen möchte, was ihre Tante Igitte oder ihr Onkel Langbein noch so macht. Sie dreht ihre Runde und sagt allen Familienmitgliedern Gute Nacht. Am Ende wird sie von Mama Spinne selbst ins Bett gebracht.

Die Bilder dazu sind liebevoll gestaltet und sehr detailliert. Sie laden zum Verweilen ein und der Leser sowie die Kinder können viel darauf entdecken. Am Niedlichsten finde ich den kleinen Kuschelhasen, den die kleine Spinne durch das ganze Buch hinweg mit sich herum trägt.

Der Schreibstil ist einfach und in Reimen gehalten. Das macht das Vorlesen sehr leicht. Empfohlen ab einem Alter von 2 Jahren.

Fazit
Ein super niedliches Buch zum Immer-wieder-Vorlesen. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 13.09.2019
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Joyce, Rachel

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry


sehr gut

Meine Meinung
Harold Fry ist fünfundsechzig Jahre alt und bewegt sich für gewöhnlich nicht weiter zu Fuß fort, als bis zu seinem Auto. Als er einen schicksalsträchtigen Brief seiner ehemaligen Kollegin Queenie bekommt, in dem sie ihm mitteilt, dass sie unheilbaren Krebs hat, entschliesst er ihr zu antworten. Obwohl er mehr als 20 Jahre nichts von ihr gehört hat, trifft die Erinnerung ihn hart. In seiner Firma war Quennie die Einzige, mit der er sich verstand. Ein Antwortbrief kommt Harold plötzlich so mickrig vor. Also entscheidet er, den Brief wenigsten bis zum nächsten Briefkasten zu tragen. Oder zum Übernächsten. Oder zum nächsten Breifkasten in der nächsten Stadt. Plötzlich fasst Harold einen Entschluss. Er wird den Brief persönlich vorbei bringen. Er wird zu Fuß bis nach Berwick gehen. Von Kingsbridge aus - über 1000 km in 87 Tagen. Und Quennie wird leben!

Die ganze Geschichte hindurch wird Harold vom Leser begleitet. Harolds persönliche Entwicklung ist durch das Buch hindurch enorm hoch und faszinierend. Er startet ganz allein und hat nicht mal einen Plan. Kein Gepäck, keine Wechselklamotten, kein Kompass, keine Wanderausrüstung und keine Hygieneartikel. Sein Ziel ist Queenie und wie er dort ankommt oder wie er unterwegs auf die Leute wirkt, ist ihm völlig egal. Das hat mich beeindruckt, denn die meisten Menschen sind viel zu sehr darauf bedacht, was die Anderen über sie denken. Viele Menschen können sich mit diesem Buch vielleicht auf eine eigene Reise begeben und anfangen sich selbst zu reflektieren, denn genau dazu lädt Harold den Leser ein.

Spannung kam nicht wirklich auf, aber das Buch ist eben auch kein Krimi. Für den Leser ist ab einem unbestimmten Punkt einfach nur noch wichtig, ob Harold sein Vorhaben erfolgreich abschließen wird und ob Queenie am Ende auf ihn wartet. Denn Harold wird immer mal wieder von Selbstzweifeln zerrissen und sein mangelndes Selbstvertrauen steht ihm oft im Weg. Er kämpft nicht nur gegen die Umstände, sondern am meisten gegen sich selbst an. Und das ist es auch, was mich hat weiterlesen lassen. Die Frage: "Schafft Harold es durchzuhalten?"

Der Schreibstil ist einfach gehalten, dafür aber sehr bildhaft. Während Harold zu Fuß an Straßenrändern entlang wandert, im strömenden Regen und mit kaputten Schuhen, war ich stets bei ihm und sah ihn direkt vor meinen Augen. Das Cover ist wunderbar schlicht gehalten - genau wie die Geschichte an sich. Sehr passend sind die beiden Schuhe, denn um die Schuhe macht sich Harold immer mal wieder Gedanken.

Zitat
Er hatte keine Wanderschuhe, keinen Kompass, von einer Landkarte oder Kleidung zum Wechseln ganz zu schweigen. Der am wenigsten ausgefeilte Teil der
Planung war jedoch die Reise selbst. (Seite 38)

Fazit
Ein herrlich berührendes Buch um einfach mal abzuschalten. Die Reise mit Harold Fry macht Spaß, stimmt manchmal aber auch nachdenklich. Für alle Fans der Selbstreflektion. Von mir eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 11.05.2019
Magische Cupcakes aller Art / Cassandra Carper Bd.1
Herbst, Mona

Magische Cupcakes aller Art / Cassandra Carper Bd.1


ausgezeichnet

Einstieg ins Buch
In unserer Zeit werden nicht mehr viele Hexenkinder geboren. ...

Meine Meinung
Emma hat nicht viele Freunde in der Schule. Dazu kommen noch die drei Jungs, die ihr immer auflauern und sie ständig ärgern. Wieder einmal auf der Flucht vor den dreien, läuft Emma spontan in einen Cupcakeladen. Hier trifft sie auf die zauberhafte Cassandra. Emma darf sich einen Cupcake aussuchen und ihn essen. Danach ist nichts mehr wie es war. Und dann ist da noch dieses dicke schwere Buch, das Emma nicht mehr los wird. Am nächsten Tag ist sogar der kleine Cupcakeladen nicht mehr so wie er war. Alles ist höchst seltsam und verwirrend. Plötzlich findet sich Emma in einer Welt wieder, in der sie die Heldin sein muss. Schafft sie es rechtzeitig das Böse aufzuhalten?

Mona Herbst hat hier ganz großartig das Thema Mobbing zu Beginn des Buches aufgegriffen. Die Message, dass man das nicht hinnehmen, sondern sich wehren sollte, kommt klar rüber. Emma selbst leidet sehr unter den drei Jungs, die sie immer ärgern - Norman, Hug und Randy sind richtig gemeine Kerle, die einen Heidenspaß daran haben, schwächeren Angst zu machen. Doch als Emma sich zu wehren beginnt, ist der Spaß plötzlich vorbei. Emma entwickelt sich in der Geschichte weiter, das hat mir gut gefallen. Sie findet echte Freunde und erkennt, dass es viele Ereignisse gibt, die mit Freunden leichter zu bewältigen sind als allein. Emma habe ich während des Lesens sehr ins Herz geschlossen und habe mit ihr mitgefühlt, habe mit ihr gelacht und mich gewundert und manchmal sogar ein bisschen Angst gehabt.

Nicht nur Emma ist zu einem tollen Charakter geworden, auch die anderen Figuren haben eine angenehme Tiefe: Paula, Ben, Cassandra, Fox und Molly wachsen dem Leser nach und nach so richtig ans Herz und man fiebert richtig mit. In ihrer leichten und kindgerechten Sprache erzählt die Autorin eine wunderbar magische Geschichte für Kinder ab 10 Jahren mit kleinen Gruselmomenten und einem tollen Höhepunkt am Ende.

Das Buchcover ist sehr schön gestaltet und hat mich sofort angesprochen. Einziger kleiner Kritikpunkt: Der Titelzusatz "Magische Cupcakes aller Art" haben mich glauben lassen, dass die Cupcakes im Vordergrund stehen, jedoch sind sie nur am Anfang von Bedeutung und letztendlich vergisst man zwischendurch, dass es darum geht die Cupcake-Bäckerein zu erhalten.

Insgesamt ist das Buch absolut lesenswert und ich freue mich auf weitere Abenteuer der Hexe Cassandra.

Zitat
Oft stoßen seltsame Ereignisse andere seltsame Ereignisse an. Das ist das Gesetz der Magie. (Seite 21)

Fazit
Ein tolles Buch für die ganze Familie. Kinderleicht, spannend und absoult magisch! Von mir eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 23.01.2019
Mein Jahr mit Dir
Whelan, Julia

Mein Jahr mit Dir


sehr gut

Meine Meinung
Ella hat es geschafft! Sie hat ihr Stipendium bekommen und geht zum Studieren nach Oxford. Nebenbei unterstützt sie noch die vermeintlich zukünftige Präsidentin der Vereinigten Staaten. In Oxford angekommen, sieht sich Ella mit einer völlig neuen Welt konfrontiert und alle kommen ihr unglaublich schlau vor. Viel schlauer als sie selbst. Ihr Ehrgeiz ist geweckt und sie will allen beweisen, dass auch ein Rhodie hier Karriere machen kann.
Bei ihrem ersten Ausflug in ein Fish&Chips Lokal trifft sie mit Jamie Davenport zusammen. Sie findet ihn auf Anhieb unsympathisch. Dann stoßen sie auch noch unglücklich zusammen und die Soße, die Ella gerade noch auf ihrem Teller hatte, befindet sich prompt auf ihrer Bluse. Sie ist genervt von diesem Schnösel, hatte er sie kurz zuvor noch fast mit seinem Wagen überfahren. Sie verlässt das Lokal, nur um im Hörsaal schon wieder auf Jamie zu treffen. Er ist ihr Vertretungsdozent.
Eines abends treffen sich die beiden zufällig wieder, besuchen einen Pub zusammen und kommen sich viel näher als geplant. Schließlich einigen sich Ella und Jamie auf eine "Freundschaft Plus", doch schon sehr bald bemerkt Ella, dass sie etwas für ihn empfindet. Jamie jedoch hütet ein dunkles Geheimnis und so muss Ella sich entscheiden: Geht sie in den Semesterferien nach Hause oder bleibt sie in Oxford um Jamie zu unterstützen?

Ich mochte Ella gleich von Beginn an und mit der Zeit lernt der Leser sie auch immer besser kennen. Ich erkannte ihre Beweggründe und sie wuchs mir ans Herz. Auch Jamie, der Anfangs als kalt und unnahbar dargestellt wird, entpuppt sich als ein sehr herzlicher und selbstloser Mensch. Beide Figuren besitzen viel Tiefgang und sind für mich zu jeder Zeit authentisch gewesen. Insgesamt mochte ich alle Figuren in diesem Roman aufgrund ihrer Authentizität und Menschlichkeit.

Die Geschichte ist durchweg gut und leicht erzählt und hat mich die kompletten Seiten durch gut unterhalten. Der Aufbau gelingt direkt sehr gut und die Entwicklung der Geschichte ist für mich nicht vorhersehbar gewesen. Ich hatte etwas anderes erwartet. So gab es aber den einen oder anderen Überraschungsmoment. Auf den letzten 60 Seiten musste ich sogar arg gegen die Tränen ankämpfen und das schaffen nicht viele Autoren bei mir.

Das Buch ist sehr angenehm aufgebaut. Die einzelnen Kapitel sind nicht zu lang und am Anfang jedes Kapitels steht ein kleines Zitat aus irgendeinem Buch des 19. Jahrhunderts. Da Ella Literatur der Jahre 1830 bis 1914 studiert, finde ich das sehr passend und authentisch.

Ich gehe nachdenklich aus diesem Buch hervor. Es macht mich wieder aufmerksam - aufmerksam auf die wichtigen Dinge im Leben und dass immer alles anders kommt, als man sich das ausgemalt hat. Ella hat versucht ihr Leben zu planen, doch erst als sie keinen Plan mehr hatte, fing sie an wirklich zu leben. Vielleicht hilft es manchmal, die Dinge auf sich zukommen zu lassen und keine Angst davor zu haben, mal völlig planlos zu sein. Denn wie sonst kann das Leben dich überraschen?

Zitat
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass Oxford nach Pergament und Zimt oder irgendetwas Poetischem riecht, aber im Augenblick riecht es einfach nur nach Stadt: ... (Seite 23)

Fazit
"Mein Jahr mit Dir" lässt seinen Leser nachdenklich, aber erfüllt zurück. Für alle Fans von Romanen mit Tiefgang. Von mir eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 04.10.2018
Wo wir uns finden
Sparks, Nicholas

Wo wir uns finden


ausgezeichnet

Meine Meinung
Der genügsame und bodenständige Tru Walls ist im Jahre 1990 zu Besuch in Sunset Beach, um mit seinen 42 Jahren erstmals auf seinen leiblichen Vater zu treffen. Für ihn ist es der erste Besuch in Amerika und die Unterschiede zu seinem Heimatland Afrika, wo er als Safari-Guide in einem Camp arbeitet, könnten nicht größer sein. Er liebt es einfach, mit seinem alten Pick Up Truck durch den Busch zu fahren und den Gästen die Natur und die Tiere des Landes näher zu bringen. Hope dagegen war mit ihren 36 Jahren noch nie in Afrika oder einem Land außerhalb von Amerika. Sie arbeitet als Krankenschwester und als ihre Eltern entscheiden, das Familien-Cottage in Sunset Beach zu verkaufen, möchte Hope unbedingt noch mal ein paar Tage dort verbringen und in den Erinnerungen an ihre Kindheit schwelgen. Außerdem ist sie auf die Hochzeit ihrer Freundin eingeladen, die ganz in der Nähe von Sunset Beach wohnt. Ihr Freund Josh ist nicht mit dabei, obwohl auch er zur Hochzeit eingeladen ist. Doch mal wieder haben Hope und Josh sich heftig gestritten und Hope genießt die Ruhe und Einsamkeit. Bis sie auf Tru trifft, denn dann ist mit einem Mal alles anders. Von Anfang an ist ein Band zwischen ihnen, das ihrer beider Seelen miteinander verbindet. Doch Hope muss sich entscheiden, hört sie auf ihr Herz oder auf ihren Verstand?

Gleich zu Beginn ist ein Vorwort von Nicholas Sparks zu lesen, in dem er die Entstehungsgeschichte des Buches erzählt. Bereits mit diesem kleinen Einblick in seine Arbeit, in die er so viel Liebe und Herzblut investiert, hat er mich neugierig auf das Buch gemacht. Das Cover hat mich sowieso von Anfang an angesprochen. Aber als großer Fan von Nicholas Sparks liebe ich alle Cover, die seine Bücher zieren.

Die Charaktere haben mich gleich nach den ersten Kapiteln komplett abgeholt. Ich mochte die sympathische Hope auf Anhieb und konnte ihren Zwiespalt und ihre Gewissensbisse sofort nachvollziehen. In Tru habe ich mich auf den ersten Blick verliebt. Er ist einfach genau das, was ich mir auch von einem Mann wünsche: Er weiß, dass Gesten mehr Macht als Worte haben, er ist trotzdem sprachgewandt und ist sich nie zu schade, seine Gefühle zu zeigen. Als Fels in der Brandung hat er dennoch eine sehr romantische Ader.

Der Verlauf des Plots ist genauso wie ich ihn von einem Sparks erwarte: Ein Auf und Ab der Gefühle und als endlich alles gut zu sein schien, hatte ich ständig Angst, dass etwas passieren könnte, was die beiden wieder entzweit. Am Ende und auch mittendrin flossen ein paar Tränen bei mir, was einfach daran liegt, dass der Autor bewusst Geschichten aus dem Leben schreibt, die jedem passieren können und genau deshalb packen sie mich jedes Mal so.

Alles in allem ist dieses Buch zu einem meiner Lieblingsbüchern geworden, denn obwohl die Charaktere verzweifelt sind, behält das Buch seine Leichtigkeit. Durch die tollen Beschreibungen der Landschaften, war ich gedanklich immer genau vor Ort. Ein rundum authentisches Meisterwerk der Gefühle.

Zitat
"Was ich unter anderem an Blättern so toll finde", hatte er gesagt, "ist, dass sie einen daran erinnern, so gut zu leben, wie man kann, und zwar so lange, wie man kann, bis es schließlich Zeit wird, loszulassen und mit Würde davonzuschweben." (Seite 53) 

Fazit
Ein herrlicher Roman, um gemütlich die Stunden auf dem Sofa zu verbringen und sich in einer Welt zu verlieren, die zwar nicht perfekt, dafür aber voller Emotionen ist. Aber ACHTUNG: Taschentuch-Alarm! Von mir eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 27.09.2018
Kleine große Schritte
Picoult, Jodi

Kleine große Schritte


ausgezeichnet

Meine Meinung
Ruth ist eine der besten Hebammen am Mercy-West Haven Hospital in Connecticut und seit über zwanzig Jahren im Dienst. Eines Tages wird ein Baby geboren, dessen Eltern überzeugte Rassisten sind. Sie wünschen nicht, dass ihr Baby noch einmal von Ruth oder einer Hebamme mit ihrer Hautfarbe, angefasst und behandelt wird. Ruth ist die einzige afroamerikanische Hebamme im Hospital und fühlt sich diskriminiert, als die Klinikleitung dem Wunsch der Eltern nachkommt. Als es bei dem kleinen Jungen nach einem einfachen Eingriff zum plötzlichen Atemstillstand kommt, ist nur Ruth in seiner Nähe. Sie versucht ihr Bestes, doch es reicht nicht um den jungen Davis zu retten. Kaum ein paar Tage alt, stirbt der Junge unter den Händen der erfahrenen Hebamme. Doch die Eltern des Jungen glauben nicht an einen plötzlichen Tod. Sie geben Ruth die Schuld und beschimpfen sie als Mörderin. Ruth wird festgenommen und ein zermürbender, nervenaufreibender Prozess beginnt. Nicht gegen das Hospital und auch nicht gegen die Ärzte, die das junge Leben nicht retten konnten. Nur gegen die einzige schwarze Hebamme, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Dieses Buch reflektiert und kritisiert die amerikanische Bevölkerung. Und dennoch kann man die Verhaltensweisen, sowie die Denkmuster auf jedes Land und auf alle Menschen projizieren.  Es geht um die altbekannte Rassenfrage - weiß gegen schwarz. Jodi Picoult hat dieses Thema nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern geht ganz direkt auf das Thema ein. Sie behält sich trotz des schweren Themas einen Schreibstil bei, der flüssig zu lesen ist. Indem sie den Alltag von Ruth erzählt, die immer hart gekämpft hat und erfolgreich war, die gut in dem ist, was sie tut, die trotzdem demütig und dankbar ist und nur das Beste für ihren Sohn möchte, öffnete sie mir die Augen für die Selbstverständlichkeiten, mit denen Weiße durch die Welt gehen. Denn trotz ihrer harten Arbeit musste Ruth sich gegen Hass und Vorurteile durchsetzen, die seit über 400 Jahren in den Köpfen der Menschen verankert sind. Und das jeden Tag!

Turk und Brittany Bauer, die Eltern des kleinen Davis dagegen, sinnen nur auf Rache und brauchen einen Schuldigen, um ihre Wut und Trauer an ihm auslassen zu können. Sie standen schon immer für die weiße Rasse und sehen sich jetzt bestätigt, als eine schwarze Hebamme ihr Kind tötet. Ich konnte ihren Hass auf die ganze Welt förmlich spüren.

Kennedy ist die Pflichtverteidigerin von Ruth und versucht alles, um einen Freispruch für ihre Klientin zu erwirken. Doch am Ende kommt alles ganz anders, als sie es erwartet hat. Ich bin begeistert von diesem Charakter, weil sie die Chance ergreift, sich selbst zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Besonders spannend fand ich hier, dass die Autorin immer wieder zwischen den einzelnen Perspektiven gewechselt hat und ich als Leser immer direkt in die Gedankenwelt der einzelnen Figuren eintauchen konnte.

Mich hat das Buch sehr nachdenklich gemacht und an manchen Stellen war ich wütend, manchmal sehr traurig, oft demütig bei Stellen, die mich meiner selbst reflektieren ließen und ab und zu bekam ich eine Gänsehaut. Emotional hat mich dieses Buch und dieses Thema sehr gepackt und es hat mir wieder einmal eins verdeutlicht: Rassismus geht uns alle etwas an!

Zitat
Als Christina meine Hand hielt und Ms. Mina die Hand meiner Mutter hielt, gab es einen Moment - einen Herzschlag, einen Atemzug lang -, in dem alle Unterschiede in Ausbildung, Vermögen, und Hautfarbe verpufften wie Luftspiegelungen in der Wüste. Wo wir alle gleich waren und es nur eine Frau gab, die einer anderen half. (Seite 13)

Fazit
Ein mutiger Roman, der den Leser zur Selbstreflektion anregt und einen passiven Rassismus offen legt, der jeden Tag selbstverständlich zur Kenntnis genommen wird. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 06.09.2018
Immer wenn du schläfst
Ford, Jaye

Immer wenn du schläfst


weniger gut

Meine Meinung
Carly ist neu in der Stadt und hat sich in einem alten, umgebauten Lagerhaus eine traumhafte Wohnung gekauft. Seit der ersten Minute fühlt es sich einfach gut an hier zu wohnen. Bis sie eines Nachts aufwacht und nichts mehr so ist wie zuvor! Ein Mann dringt immer wieder nachts in ihre Wohnung ein und macht Carly große Angst. Zuerst steht er einfach nur da, in der nächsten Nacht fasst er sie an, danach sagt er Dinge zu ihr und leckt über ihr Gesicht und obwohl sie sich wehren will, kann sie sich nicht bewegen. Sein Gesicht kann sie nie erkennen. Als Carly zum dritten Mal die Polizei ruft, stellt der Detective unmissverständlich klar, dass er das Ganze  für Hirngespinste hält und er empfiehlt Carly, sich einen Psychiater zu suchen. Ist sie wirklich verrückt oder steckt hinter dieser Sache mehr als eine Schlafparalyse? Sie sucht trotz ihrer Angst nach stichhaltigen Beweisen und als sie die Wahrheit herausfindet, steht mehr als ihr eigenes Leben auf dem Spiel.

Der Titel und der Klappentext lassen bei diesem Thriller eine gewisse Erwartungshaltung entstehen. Das Thema an sich finde ich absolut spannend und mit Carly, die in dieser Sache scheinbar ganz auf sich allein gestellt ist, versprach das Buch spannend zu werden. Während das Buch recht unterhaltsam begann, flaute der Spannungsbogen aber bereits nach ein paar Kapiteln schon wieder stark ab. Als sich Carly nach etwa 2/3 des Buches dazu entschließt, eine Kamera in ihrer Wohnung zu installieren, um zu sehen, ob ihr nächtlicher Besuch nur Einbildung ist oder nicht, bin ich ihr gedanklich fast um den Hals gefallen.

Der Charakter Carly ist von Jaye Ford kontinuierlich aufgebaut worden. Mit all ihren Zweifeln, Ängsten und inneren Dämonen hat Carly es nicht immer leicht und doch ging mir die Entwicklung zu langsam voran. Erst am Ende des Buches fasst sie den Mut, die zu sein, die sie schon immer sein wollte. Der Weg dahin war für mich als Leser sehr langatmig. Die anderen Figuren sind leider recht oberflächlich geblieben, sodass ich zu keinem der Charaktere eine richtige Bindung aufbauen konnte. Keiner der anderen Hausbewohner hat mich überrascht, besonders genervt oder besonders gelangweilt. Sie gehörten einfach zur Kulisse des Buches dazu. Dadurch, dass Carly eher als unnahbar rüberkommt, bleibt auch die "Beziehung" zu ihrem smarten und aufmerksamen Nachbarn Nate recht kühl.

Das Buch konnte mich leider erst gegen Ende packen, denn hier wollte ich jetzt einfach nur noch wissen, wer denn hier die Fäden in der Hand hat. Doch auch hier hat mich das Ende nicht überrascht. Für mich war es sehr schade, dass es wenig bis keine Hinweise auf den Täter gab um mitzurätseln und den Dingen gedanklich auf den Grund gehen zu können. Genau das sind die Dinge, die mich an ein gutes Buch fesseln - wenn ich gedanklich immer wieder zu den Figuren und ihren Aktionen zurückkehre.

Der Schreibstil ist von langen Sätzen geprägt, die den Leser aber nicht stolpern lassen. Trotzdem ist hier der Stil etwas anspruchsvoller als in anderen Büchern. Gut gelungen finde ich, dass trotz des medizinischen Hintergrundes alles einfach und verständlich beschrieben ist.

Zitat
Sie hat Angst. Nicht vor dem Geräusch oder dem Schaukeln. Sondern vor dem, was über ihr ist. Groß und stumm. Bei ihr auf dem Bett. (Seite 72)

Fazit
Dieser Psychothriller ist eher ein Krimi, der etwas schleppend vorwärts kommt. Mich konnte er bis zum Schluss leider nicht so richtig packen. Von mir eine verhaltene Leseempfehlung.