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PMelittaM
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Köln

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Insgesamt 597 Bewertungen
Bewertung vom 12.01.2026
Page, Libby

Das Jahr voller Bücher und Wunder


ausgezeichnet

Tilly Nightingales Ehemann Joe ist vor ein paar Monaten gestorben, und Tilly immer noch tief in ihrer Trauer versunken, als sie einen Anruf aus einer Buchhandlung erhält. Joe hatte vor seinem Tod ein Buchjahr für Tilly arrangiert, jeden Monat erhält sie nun ein extra ausgesuchtes Buch zusammen mit einem Brief von Joe.

Für mich ist das ein Buch, das mich auch persönlich trifft, denn auch mein Mann ist vor gar nicht so langer Zeit gestorben. Für mich war die Lektüre daher besonders, denn sie gab mir Anregungen und Denkanstöße, und hat mir so ein Stück weit geholfen. Wie sagt Alfie so schön auf Seite 9: „Das richtige Buch in den Händen der richtigen Person genau im richtigen Moment kann ein Leben für immer verändern“.

Neben Tilly erhalten aber auch noch andere Personen Raum, vor allem Alfie Lane, der Buchhändler, der selbst jemanden verloren hat. Seine Buchhandlung ist ihm gerade deshalb besonders wichtig, und sie scheint nun in Gefahr.

Der Roman hat viele Gefühle bei mir ausgelöst, ich habe geweint, gelacht, mich auch mal geärgert, und wäre gerne bei einigen Situationen mit dabei gewesen. Die Charaktere, besonders Tilly und Alfie sind mir schnell ans Herz gewachsen, aber auch Joe lernt man kennen und mögen, wenn auch nur aus seinen Briefen und den Erinnerungen an ihn.

Die Geschichte ist in die einzelnen Monate eines Jahres gegliedert, beginnend mit Januar, die jeweils ,it Buchempfehlungen von Alfie, starten, die ich mir alle noch genauer ansehen werde, manche kenne ich auch bereits. Neugierig war ich auch auf die Bücher, die Joe für Tilly ausgesucht hat, und die es alle wirklich gibt. Schon bald war ich sehr neugierig darauf, welche Bücher es noch sein würden. Alle davon sind liebevoll und passend ausgesucht, und wirken sich auf ihre eigene Weise auf Tilly aus – und vielleicht auch auf die Leser:innen, wenn auch auf jeweils andere Weise. Wie schon gesagt, ich bekam Anregungen und Denkanstöße, die mir auch in meiner Trauer helfen konnten, auch wenn sich mein und Tillys Leben doch sehr unterscheiden.

In diesem Buch dreht sich viel um Bücher, für jemanden, der wie ich Bücher sehr liebt, schon seit meiner Kindheit, ist das einfach schön. Sogar Tillys Beruf, sie ist Lektorin, hat damit zu tun, und spielt natürlich auch seine Rolle.

Für mich war dieser Roman wunderbar passend, ich habe ihn sehr gerne gelesen, er hat mich berührt und mir auch ein Stück weit geholfen. Wahrscheinlich wird er auch noch länger nachhallen. Ich denke, dass man auch, wenn man nicht, wie Tilly und ich, in Trauer ist, sehr viel mitnehmen kann, und empfehle diesen Roman daher allen, die Bücher lieben.

Bewertung vom 08.01.2026
Schwarz, Alexander

Die Entdeckerin der Welt / Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe Bd.9


ausgezeichnet

1691 zieht Maria Sibylla Merian mit ihren beiden Töchtern nach Amsterdam. Sie ist da schon keine Unbekannte mehr, hat mehrere Bücher veröffentlicht und sich mit der Metamorphose der Schmetterlinge beschäftigt. Ihre künstlerische Tätigkeit und ihre naturkundlichen Arbeiten will sie nun wieder aufnehmen und vertiefen, vor allem aber will sie sich endlich ihren größten Wunsch erfüllen und eine Forschungsreise nach Suriname machen.

Die letzten Jahre hat sie, nach der Trennung von ihrem Ehemann, bei der Labadistensekte verbracht, doch nun will sie endlich wieder auf eigenen Beinen stehen und ihre Profession und Berufung nachgehen. Ein bisschen Angst, ob sie alles schaffen wird, ob man sie und ihr Können auch in Amsterdam zu schätzen weiß, ob sie das eigene Leben und das ihrer Kinder sicherstellen kann, ist natürlich auch da. Doch bald zeigt sich, dass Amsterdam eine gute Wahl war.

Der Roman setzt ein als die Protagonistin schon eine gestandene Frau ist, die weiß, was sie will, und die vor allem ein großes künstlerisches Können und ein fast ebenso großes Faible für die Erforschung der Natur mitbringt. Beides zu verbinden, und der Welt zu zeigen, wie zum Beispiel eine Raupe mit einem Schmetterling zusammenhängt, und das im tatsächlichen Umfeld, in dem beide leben, ist das Einzigartige, das sie nicht nur ihren Zeitgenossen, sondern auch der Nachwelt gegeben hat, sie war auch die erste, die die Natur Surinames in Wort und Bild erfasst hat. Neben der Protagonistin und ihrer Familie trifft man hier eine ganze Reihe weiterer historischer Persönlichkeiten.

Maria Sibylla Merians Leben vor ihrem Umzug nach Amsterdam wird immer wieder rückblickend aufgegriffen. Der Roman endet zwei Jahre vor ihrem Tod, als sie schon von Krankheit gezeichnet ist, so dass man am Ende einen guten Eindruck ihres gesamten Lebens erhalten hat.

Dem Roman gelingt es gut, den Leser:innen diese faszinierende Frau nahezubringen. Ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihr Wissen und ihr Wollen kann man fühlen, der Autor hat dazu noch die verschiedenen Techniken, die sie nutzte, um ihre Bücher zu gestalten und zu veröffentlichen, recherchiert und lässt sie mit in den Roman einfließen, das Sammeln und Züchten der Exponate, das Präparieren, das naturnahe Zeichnen, das Kupferstechen, das Drucken. Das las sich für mich alles sehr interessant, und die Protagonistin und ihr Umfeld kamen mir dabei sehr nahe. Im Nachwort erläutert der Autor einiges zur Datenlage und zu Fakten und Fiktion.

Der Roman hat mir eine interessante und beeindruckende Frau und ihr Werk nahe gebracht, und mir zugleich eine spannende Geschichte erzählt.

Bewertung vom 02.01.2026
Dippel, Julia

Velvet Falls, but the Gods forgot to die / Velvet-Dilogie Bd.1


sehr gut

Vor einigen Jahren fielen die Sterne vom Himmel, Magie kam in die Welt und neue Götter. Dämonen nutzen Risse zwischen den Welten, und müssen bekämpft werden. Die Gilde der Dämonenreiter entstand, Menschen die von Dämonen besessen wurden, können, wenn sie diese bezwingen, deren Fähigkeiten nutzen. Velvet Rose Devereaux ist eine von ihnen. Eine der Fähigkeiten, die sie von ihrem Dämon erhielt, sind Visionen, die sie vor Gefahr warnen. Doch seit neuestem nehmen diese Visionen überhand und zeigen immer dasselbe, offenbar handelt es sich um den Tod der Götter. Um diese Zukunft zu verhindern, muss Velvet Kontakt mit ihrem Ex Kashmere Sinclaire aufnehmen. Kashmere ist nicht irgendwer, denn er ist einer von sieben Göttersöhnen. Leider war die Trennung vor fünf Jahren für beide traumatisch, und so ist eine Zusammenarbeit nicht einfach.

Schon der Start in den Roman ist heftig, Velvet ist eine toughe Protagonistin, die sie zu wehren weiß, aber auch Emotionen kennt. Bis Seite 139 steht sie im Fokus und erzählt die Geschichte aus ihrer Ich-Perspektive. Danach kommt eine zweite Ich-Perspektive dazu, die Kashmeres, Velvets überwiegt aber weiterhin.

Beide Protagonist.innen haben ihre Geheimnisse, und sind nicht einfach im Umgang mit anderen, wobei Kashmere der Smartere ist. Was genau zwischen ihnen in der Vergangenheit passiert ist, erfährt man nach und nach in Rückblenden, das wahre Ausmaß wird aber erst gegen Ende klar. Überhaupt gibt es einige Fragen, die lange offen bleiben, und einen als Leser:in ins Grübeln bringen. Ich kann aber hier schon sagen, dass man nicht mit allen Fragezeichen in den nächsten Band gehen wird, es handelt sich hier um eine Dilogie. Dennoch gibt es, natürlich, am Ende Cliffhanger, die erst im zweiten Band aufgelöst werden.

Mir persönlich ging vor allem Velvet manchmal auf die Nerven, statt zu reden oder zuzuhören, geht sie lieber in unklare Situationen oder macht unüberlegte Dinge. Wie so oft, könnte ein klärendes Gespräch wirklich helfen, aber dann wäre der Roman vielleicht auch nur halb so lang. Kashmere dagegen mochte ich, auch wenn auch er nicht immer richtig handelt. Dennoch scheint er mir mehr kopf- als bauchgesteuert zu sein, im Gegenteil zu Velvet.

Mehr als die beiden mochte ich jedoch andere Charaktere. Da ist zum Beispiel Eddie, der Velvet von der Gilde als Lehrling regelrecht aufgezwungen wird, sich dann aber doch als nicht nur störend und vor allem sehr sympathisch entpuppt. Auch Kashmere hat einen Sidekick, in seinem Fall zwar eher dämonischer Art, man muss ihn aber auf seine Art trotzdem gernhaben, zudem bringt er Humor ins Spiel. Interessant fand ich die anderen sechs Göttersöhne, die alle sehr unterschiedlich sind, ich hätte mir über sie mehr Hintergrundinformationen gewünscht, und hoffe, sie bekommen im zweiten Band auch noch eine Rolle.

Die Antagonisten sind im Grunde durchweg böse, ihre Motivation habe ich noch nicht wirklich durchschauen können. Es gibt weitere Charaktere, die man noch nicht gänzlich einordnen kann.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist unsere, aber eben nach dem oben erwähnten Fall der Sterne und den Folgen daraus. Der Roman spielt größtenteils in den USA, es gibt nur wenige kurze Ausflüge in andere Länder, diese lernt man dadurch nicht näher kennen. Im Anhang gibt es ein paar Erklärungen zur Welt, für mich waren diese nicht nötig, um die Geschichte verstehen zu können.

Natürlich gibt es auch hier einige unerwartete Wendungen, die man nicht alle vorhersehen konnte. Wer nicht so gerne spicy Szenen liest, davon gibt es mehrere im Roman, kann sie gut überspringen, denn sie sind extra gekennzeichnet. Ich finde aber, dass einem dann auch ein Teil Hintergrundwissen fehlt.

Ich persönlich finde den Roman sehr spannend, er hat mich gut unterhalten, so dass ich mich schon auf die Fortsetzung freue. Man muss sich ein bisschen auf die Geschichte einlassen, die man erst nach und nach durchschaut, und man sollte sich auf Blut, Gewalt und Spice einstellen. Für mich war es der erste Roman von Julia Dippel, hat mich aber neugierig auf ihre anderen Werke gemacht.

Bewertung vom 31.12.2025
Cogman, Genevieve

Die unsichtbare Bibliothek Bd.1


sehr gut

Irene Winters ist Bibliothekarin der Bibliothek, einer Institution, die besondere Bücher aus allen Parallelwelten einsammelt, um sie zu bewahren. Irenes neuer Auftrag scheint harmlos, sie bekommt sogar einen neuen Lehrling, Kai Strongrock, zur Seite gestellt. Doch dann entpuppt es sich als sehr gefährlich, und Irene und Kai müssen all ihr Können aufbieten.

Für mich ist dieser erste Band der Reihe nicht der erste, den ich gelesen habe, ich bin mit Band 3 eingestiegen, wollte aber immer die ersten Bände nachholen. Ich finde es schön, zu erfahren, wie alles angefangen hat, und auch, dass ich manchen der Charaktere bereits kenne, macht den Roman für mich interessant.

Wie eigentlich immer, trifft man Irene zunächst in einem anderen Abenteuer, das auch nicht ohne Gefahr ist, bevor es dann mit der eigentlichen Geschichte losgeht. Es ist schon faszinierend, wie viele unterschiedliche Welten es hier gibt, beziehungsweise, wie unterschiedlich diese sich entwickelt haben. Auch Elfen und Drachen, die Chaos beziehungsweise Ordnung symbolisieren, sind hier bereits ein Thema.

Der Ort, den Irene und Kai hier bereisen, ist eine Art viktorianisches London, mit einigen Steampunkelementen. Die Welt gefällt mir, ich konnte sie mir auch sehr gut vorstellen. Neben Irene und Kai, die man beide im Lauf der Geschichte etwas besser kennenlernt, gibt es eine ganze Reihe weiterer interessanter Charaktere, manche Freunde, manche Feinde, bei manchen ist es auch nicht so ganz klar.

Der Erzählstil ist lebendig, die Geschichte sehr spannend, natürlich gibt es auch die eine oder andere Überraschung beziehungsweise Erkenntnis. Das Abenteuer ist abgeschlossen, es ist aber schon eine übergreifende Geschichte zu erahnen, und manche Frage, die man sich beim Lesen stellt, möchte noch beantwortet werden.

Der erste Band der Reihe erzählt eine spannende Geschichte, die Lust auf mehr macht, auch die Charaktere werden bereits gut etabliert. Mittlerweile ist die Reihe beendet, mir haben auch die späteren Romane gut gefallen.

Bewertung vom 29.12.2025
Lahme, Tilmann

Thomas Mann


sehr gut

Nachdem „Buddenbrooks“ seit meinem 14. Lebensjahr ein Lieblingsbuch für mich ist, das ich schon mehrfach gelesen habe, und ich auch andere Werke des Autors kenne, wurde es nun wirklich Zeit, einmal eine Biografie über Thomas Mann zu lesen.

Diese von Dr. Tilmann Lahme eignete sich gut dafür, sie ist nicht so mächtig, wie andere, ich habe aber dennoch einen guten Blick auf Thomas Mann, sein Leben und seine Werke werfen, und auch Neues erfahren können, denn der Autor stützt diese Biografie teilweise auf bisher unveröffentlichtes beziehungsweise unbekanntes Material.

Im Fokus steht dabei auch Thomas Manns Homosexualität. Diese hat ihn offenbar sehr belastet, man kann das seinen Tagebüchern, aber auch Briefen an seinen langjährigen Freund Otto Grautoff, den er schon seit Kindheitstagen kennt, entnehmen, und man findet dies auch in seinen Werken wieder, wie der Autor aufzeigt. Zur damaligen Zeit war Homosexualität nicht nur strafbar, sondern es gab auch Versuche, sie medizinisch zu therapieren. Mit dieser Thematik hat sich Thomas Mann nachweislich schon früh ausführlich befasst.

Auch seine Ehe scheint ein Versuch gewesen zu sein, dem zu entkommen, auch, wenn trotzdem sechs Kinder daraus hervorgingen. Ich persönlich hätte gerne ein bisschen mehr über diese Familie, vor allem die einzelnen Kinder, gelesen, aber dafür gibt es auch andere Werke.

Ich habe mir beim Lesen hin und wieder überlegt, ob Thomas Manns Homosexualität nicht zu sehr im Fokus steht, aber sie beeinflusst ja tatsächlich sein Leben und seine Werke sehr. Letzteres wird recht klar, denn Tilmann Lahme verfasst ausführliche Inhaltsangaben, an denen er dann aufzeigt, was man daraus lesen kann.

Sehr gut gefallen haben mir die vielen Fotos mit ausführlicher Erklärung. Der Anhang mit Bild- und Textnachweisen, Personenverzeichnis und zusätzlichen Texten, wie etwa den der jungen Susan Sonntag über einen Besuch bei Thomas Mann, ist sehr umfänglich.

Diese Biografie Thomas Manns ist fundiert, gibt einen guten Überblick über das Leben und die Werke des Nobelpreisträgers, und lässt sich flüssig lesen. Wer sich für Thomas Mann interessiert, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Bewertung vom 28.12.2025
Istin, Jean-Luc

West Fantasy. Band 2


ausgezeichnet

Als die Schamanin Isha nach Hause kommt, findet sie ihr ganzes Dorf ermordet vor. Durch einen Zauber erfährt sie, wer die Täter sind, und setzt sich auf deren Spur. Sie will Rache! Derweil erhält Marshal Douglas Reeves den Auftrag einen kriminellen Troll zu stellen. Auf dem Weg schließt sich ihm der Totengräber Schiinkel Ac‘Nite an.

Schiinkel ist der einzige Protagonist, den man aus dem Vorgängerband schon kennt. Auch hier findet er einen Begleiter, der zu ihm passt. Dass der Marshal ein Geheimnis mit sich trägt, kann man schnell ahnen, auf die Auflösung wäre ich zunächst nicht gekommen, sie passt aber gut zu ihm. In diesem Band ist er der Ich-Erzähler.

Dass die indigene Bevölkerung in dieser Parallelwelt der USA Elfen sind, finde ich auch sehr passend. Isha ist eine starke Protagonistin, die weiß, was sie will, und stolz auf sich und ihre Herkunft ist. Dass sie dennoch versucht, sich dort anzupassen, wo es nötig ist, und ihr entgegen kommt, spricht für sie.

Die Antagonist:innen können ebenfalls überzeugen, ihre Hintergrundgeschichte, die man im späteren Verlauf erfährt, zeigt, dass es auch in ihnen Grautöne gibt, was aber ihre Taten nicht wirklich relativieren kann.

Wie schon im ersten Band sollte man das Making-of auf keinen Fall überblättern.

Auch in diesem zweiten Band sind sowohl Text als auch Illustrationen sehr ausdrucksstark, passen gut ins Setting und machen die Geschichte rund.

Bewertung vom 21.12.2025
Chambers, Becky

Und hoffentlich zu lernen ...


ausgezeichnet

Nachdem die Menschen die Möglichkeit gefunden hat, ihre Körper so zu verändern, dass sie sich an die Verhältnisse auf anderen Himmelskörpern anpassen können, ist damit eine Voraussetzung gegeben, das eigene Sonnensystem zu verlassen und nach Leben außerhalb davon zu suchen.

Die Ich-Erzählerin ist eine der Astronaut:innen, die dafür ausgebildet wurden, mit drei anderen bereist sie an Bord ihres Raumschiffes vier ganz unterschiedliche Himmelskörper und macht erstaunliche Entdeckungen.

Becky Chambers ist von ihrem ersten Roman an eine meiner Lieblingsautorinnen. Sie versteht es authentische außerirdische Welten zu erschaffen, vor allem die Lebewesen, die diese bevölkern, finde ich immer sehr faszinierend. Mit ihren Eltern, einer Astrobiologin und einem Luft- und Raumfahrttechniker, hat sie einen perfekten Hintergrund dafür.

Im Gegensatz zu ihrem Wayfarer-Vierteilers sind die nachfolgenden Bände deutlich dünner ausgefallen, aber dadurch nicht weniger faszinierend. Jedes Mal bin nach Beendigung eines der Romane gespannt, was mich im nächsten erwartet.

Dieser nun ist tatsächlich derjenige, der mir ein bisschen weniger gefallen hat als die anderen, was aber Meckern auf hohem Niveau ist, da ich alle Vorgänger fantastisch fand, und diesen immer noch sehr gut. Auch er hat mich gefesselt, schon alleine, weil die Autorin vier ganz unterschiedliche Planeten und Monde entworfen hat, auf denen die Protagonist:innen Station machen, daher dort jeweils ganz andere Verhältnisse herrschen, und daraus jeweils andere Erkenntnisse erwachsen. Allerdings gibt es hier weniger Einblicke in das nichtmenschliche Wesen als in den bisherigen Bänden, was ich ein bisschen schade finde, auch wenn es hier gar nicht gepasst hätte. Ich habe es dennoch ein bisschen vermisst.

Becky Chambers ist und bleibt eine meiner Lieblingsautorinnen. Auch „Und hoffentlich zu lernen“ ist ein wunderbarer Roman, der mich in unbekannte Welten entführt hat, und sich immer glaubhaft lesen lässt.

Bewertung vom 18.12.2025
Gaiman, Neil;Williams III, J. H.

Ouvertüre / Sandman Bd.11


ausgezeichnet

Ein verrückt gewordener Stern führt das Ende der Welt herbei. Dream von den Ewigen, der daran nicht ganz unschuldig ist, versucht dem Untergang zuvor zu kommen.

Dieser Band ist ein Prequel zur Sandman-Reihe, der lange vorher spielt, aber erst nach Ende der Reihe erschienen ist. Passend zur ziemlich abgefahrenen Geschichte gibt es sehr fantastische Zeichnungen J. H. Williams III, oft, aber nicht nur, sehr bunt, manchmal fast psychedelisch, aber immer wunderschön.

Mich hat dieser Comicband absolut geflasht. Wer die Sandman-Reihe noch nicht kennt, sollte diesen Band erst nach der Reihe lesen, es wäre sonst wahrscheinlich zu verwirrend. Man sollte Dream und die anderen Ewigen, aber auch einige Inhalte der zehn Bände der Reihe kennen.

Wunderbar fantastischer Prequel-Einzelband zur Sandman-Reihe, den man nicht auslassen, aber erst im Anschluss an die Reihe lesen sollte.

Bewertung vom 14.12.2025
Hewlett, Rosie

Medea


sehr gut

Medea, eine Person aus der griechischen Mythologie, der man das schlimmste nachsagt, was eine Mutter tun kann – wahrscheinlich kennen viele zumindest Teile ihrer Geschichte. Rosie Hewlett hat ihr mit diesem Roman eine Stimme gegeben, und am Ende wird man Medea vielleicht besser verstehen können.

Die Autorin lässt Medea selbst in Ich-Form erzählen, das ist meiner Meinung auch notwendig, denn es ist wichtig, sie nicht nur von außen beobachten zu können, sondern auch ihre Gedanken und Emotionen hautnah mitzuerleben. Der Roman beginnt mit der kindlichen Protagonistin, die Magie in sich trägt, diese aber noch nicht wirklich versteht. Ein Zauber an ihrem Bruder führt dazu, dass Medea Furcht und Hass entgegengebracht wird, auch durch ihre Familie, nur Chalkiope, ihr Schwester hat noch positive Gefühle für sie.

Medea ist eine Nichte Circes, und diese kommt, um Medea zu lehren, ihre Magie zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. Als Medea älter wird, zwingt ihr Vater, der Herrscher von Kolchis, sie, ihre Magie für seine Zwecke einzusetzen. Medea hofft immer mehr darauf, ihre Heimat verlassen zu können, und als die Argonauten in Kolchis haltmachen, sieht sie ihre Chance gekommen.

Die griechische Mythologie hat mich schon immer sehr fasziniert, und so habe ich mich gefreut, dass in den letzten Jahren immer mehr Romane über mythologische Frauen erschienen sind. In manchen ist mir Medea auch bereits begegnet, so in einem Roman über Circe und einem über Atalante, die beide hier auch eine größere Rolle spielen. Mir gefallen solche Verknüpfungen gut, man bekommt andere Perspektiven und neue Erkenntnisse. Alle diese Romane werden von Frauen geschrieben, und haben jeweils eine feministische Ebene, so auch dieser.

Nicht immer kann man Medeas Gedanken und Handlungen nachvollziehen, was aber vielleicht auch daran liegt, dass man weiß, was ihr bevorsteht, zumindest ging es mir so. Andererseits gibt es auch vieles, was man verstehen oder wenigstens nachempfinden kann. Der Autorin ist es gut gelungen, Medea lebendig und vor allem glaubhaft zu gestalten. Auch die anderen Charaktere sind gut gezeichnet.

Am Ende wechselt die Perspektive, auch das fand ich nachvollziehbar und sogar notwendig. Während der Erzählung gibt es zudem drei Zeitsprünge, auch diese sind gut gesetzt und der Geschichte geschuldet. Leider gibt es kein Nachwort, in dem die Autorin näher auf den Roman eingeht.

Medeas Geschichte ist tragisch, Rosie Hewletts Roman spiegelt dies gut wieder, Medea wird greifbar dargestellt. Darüberhinaus hatte ich erneut Freude daran, tief in die griechische Mythologie einzutauchen.

Bewertung vom 11.12.2025
Mullen, Kelly

Die Einladung - Mord nur für geladene Gäste


weniger gut

Die 77jährige Mimi wohnt auf der idyllischen Insel Mackinac im Lake Huron. Die Insel ist klein, alle Einwohner kennen sich, aber eine sticht besonders heraus, Jane Ireland ist nicht nur sehr reich, sie bewohnt auch ein schlossähnliches Gebäude.

Eines Tages erhält Mimi von Jane eine Einladung zu einer Auktion in ihrem Anwesen, inklusive eines Erpressungsschreibens. Woher weiß Jane von Mimis Geheimnis? Mimi will unbedingt verhindern, dass davon noch irgendjemand etwas erfährt, und nimmt die Einladung an, bittet aber ihre Enkelin Addie, sie zu begleiten.

Während der Auktion gibt es nicht nur einen Schneesturm, sondern auch eine Leiche. Durch den Sturm kann weder die Polizei kommen, noch eine:r der Teilnehmer:innen das Anwesen verlassen. Mimi und Addie ermitteln.

Warum gerade Mimi und Addie ermitteln? Keine Ahnung, möglicherweise, weil Mimi gerne Kreuzworträtsel löst, und ihr deswegen analytisches Denken unterstellt wird? Vielleicht auch, weil Addie Mitentwicklerin eines Krimi-Games ist? Für mich ergab sich hier schon das erste Fragezeichen, denn nicht nur, dass die beiden offenbar die einzigen sind, die überhaupt Interesse daran zu haben scheinen, wer hier der oder die Mörder:in ist, ihnen wird auch meist freigiebig alles mögliche erzählt, sogar intimste Geheimnisse. Gut, darüber hätte man hinwegsehen können, wenn der Kriminalroman ansonsten spannend und interessant gewesen wäre, und man selbst Lust bekommen hätte, mitzurätseln.

All das ist aber leider nicht der Fall. Das liegt in großem Maße an den Charakteren. Alle blieben für mich blass, obwohl ich zunächst für Mimi ein bisschen Interesse entwickelt hatte, war das leider schnell wieder weg. Der einzige, der mir ein bisschen näher kam, war der Koch, er erschien mir auch die sympathischste Person. So waren mir im Grunde nahezu alle herzlich egal, und ich hatte auch keine große Lust, mitzurätseln.

Als Leser:in ist man ständig bei Mimi und Addie, die anderen Charaktere lernt man nur durch die Dialoge mit ihnen kennen. Daneben nehmen die Probleme, die Mimi und Addie miteinander haben sowie die, die Addie mit ihrem Expartner hat, viel zu viel Raum ein. Alle diese Probleme haben wenig bis gar nichts mit dem Kriminalfall zu tun, und stören eher, als dass sie Interesse wecken.

Es gibt viele Anspielungen auf Agatha-Christie-Romane, doch mit diesen messen kann der Roman sich nicht im geringsten.

Spannung kam leider überhaupt keine auf, irgendwie wollte ich zwar schon wissen, was hinter allem steckt, am Ende empfand ich die diversen Auflösungen aber zum einen recht unspektakulär, zum anderen nur bedingt nachvollziehbar. Insgesamt hat es sich in meinen Augen nicht gelohnt, den Roman zu lesen.

Das Setting ist so weit okay, die Lock-in-Situation ist nachvollziehbar. Das Anwesen hat einiges zu bieten, auch durch seine Hintergrundgeschichte. Schön wäre ein Lageplan gewesen, ich konnte nicht immer nachvollziehen, wo man gerade war. Die Insel gibt es im übrigen wirklich.

Mich konnte der Roman nicht überzeugen, weder der Kriminalfall noch die Charaktere. Einzig das Setting kann ein bisschen punkten. Keine Leseempfehlung!