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Benutzername: buchverrückt
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Bewertungen

Insgesamt 58 Bewertungen
Bewertung vom 15.02.2020
Sweet Sorrow (Rote Edition)
Nicholls, David

Sweet Sorrow (Rote Edition)


gut

Da ich bereits von "Zwei an einem Tag" begeistert war, hatte ich mich sehr auf den neuen Roman von Nicholls gefreut. Vorab schon einmal: das ist das schönste Buch, das ich in den Händen gehalten habe. Die Idee keinen Schutzumschlag zu verwenden, sondern ein glänzendes, hochwertiges und absolut liebevoll gestaltetes Cover hat mich optisch komplett überzeugt.
Man beginnt das Buch mit gemischten Gefühlen, da man automatisch an die eigene erste Liebe denkt, man schwelgt in schönen Erinnerungen. Die witzige und selbstironische Einführung von Chrles Lewis, dem nach seinem Schulabschluss die Welt offensteht, hat mich überzeugt. Er ist ein typisch unsichtbarer Junge, der erst nach der Schulzeit zu sich selbst findet. Die Sprache ist herrlich bildhaft, gerade wenn es um Sachen wie den ersten Kuss geht. Dann begegenet Charlie endlich Fran Fischer und erst kann man sich überhaupt nicht vorstellen, dass auch den beiden ein Paar wird.
Dies ist kein reiner Liebesroman, es geht ums Erwachsen werden, um die Trennung der eigenen Eltern, um Freunde , um Depressionen, um Familie und eben auch um die Liebe. Die Geschichte ist sehr realistisch erzählt, nichts wird verklärt, dramatisiert oder ramtischer beschrieben als es ist. Ein toller sachlicher Stil, der mich sehr beeindruckt hat.
Charlie ist nicht nostalgisch und verschwendet nicht viele Gedanken an seine Vergangenheit, aber ausgerechnet dann holt sie ihn wieder ein. Man wartet mit Spannung darauf, ob es zu einem Wiedersehen zwischen ihm und Fran kommt. Die Überleitungen sind intelligent gewählt, sodass man immer wieder Neues über Charlies Familie und ihre Entwicklung erfährt. Zwischendurch zieht sich die Geschichte allerdings etwas, die Theaterproben sind für meinen Geschmack nicht besonders spannend.
Dennoch ist dies endlich mal ein authentisches Buch über die erste Liebe, kein Hollywoodkitsch, sondern eine Geschichte mit langsamer Annäherung und großer AUfregung. Man erinnert sich daran, wie unbeholfen man selbst damals war, wie die Beziehung langsam wächst und eventuell auch auseinander geht. Ein schönes Buch mit einem realistische Ende, kein klassisches, aber dennoch ein Happy End. Es kommt allerdings nicht an die anderen Romane von Nicholls heran.

Bewertung vom 15.02.2020
Im Netz des Lemming / Lemming Bd.6
Slupetzky, Stefan

Im Netz des Lemming / Lemming Bd.6


ausgezeichnet

Das Cover und der Klappentext von "Im Netz der Lemminge" sind bereits sehr vielversprechend. Die Ausgangssituation ist die, dass sich ein Junge in Wien im Beisein von Protagonist Leopold Wallisch vor einen Zug wirft. Es folgen schonungslose und brutal klare Worte, bereits das erste Kapitel zeigt, was der Autor sprachlich kann. Es wird dem Leser schnell bewusst, wie grausam social media ist und wie feige die Menschen sind, die sich in dieser Welt verstecken. Wallisch ist sehr sympathisch, es ist ziemlich witzig wie naiv er in Bezug auf das Internet und die Technik ist, so als hätte er die letzten hundert Jahre technische Entwicklung verschlafen.
Der blumige Sprachstil und die Metaphern des Autors hätte man so nicht erwartet, gepaart mit der Jugendsprache eines Teenager, die ich mittlerweile selbst schon nicht mehr verstehe. Die Auszüge aus dem Internet bringen die nötige Abwechslung ins Buch.
Die virtuelle Spurensuche zweier Neu-Arbeitslose, die vogelfrei sind und auf Schritt und Tritt verfolgt werden- klasse Idee!.
Es wird einem bei dieser Lektüre immer wieder bewusst welche negative und gefährliche Wirkung das Internet trotz aller Vorzüge hat. Man spürt den Schmerz und den Verlust deutlich. Die Beschreibung des gezielten Mobbings geht einem ungewöhnlich nahe. Zwischendurch dann dieser trockene Humor, es macht Spaß das ungleiche Duo auf seinen Ermittlungen auf eigene Faust zu begleiten. Dennoch geht der Ernst dieses Themas nie verloren. SOcial mobbing zerstört ganze Existenzen und Leben.
Das Buch lebt von Spannung, Witz und zwischendurch ein wenig Wiener Geschichte. Für mich als WIen-Fan könnte es nicht besser sein. Es ist fesselnd und trifft ganz meinen Humor. Zum Ende wird etwas philosophisch und regt auf den letzten Seiten noch zum Nachdenken an. Wallisch ist ein ANtiheld, der mir sehr ans Herz gewachsen ist und den ich hoffentlich bei seinem nächsten Fall wieder begleiten darf.

Bewertung vom 15.02.2020
Nach Mattias
Zantingh, Peter

Nach Mattias


ausgezeichnet

An dieses Buch hatte ich vorab schon einen hohen Anspruch, da bereits der Klappentext mir Gänsehaut bereitet hat. Die Erwartungen waren also hoch und um das vorweg zu nehmen: ich wurde nicht enttäuscht!

Der erste Satz hat bereits so eine Schlagkraft, dass man weiß, dieses Buch wird man am Ende nicht einfach so weglegen können und es wird noch lange nachwirken. Man möchte fast jeden Satz im Buch markieren,w eil er einem so bedeutend erscheint und so tief geht. Jeder von uns trauert anders und jeden schließt man mit seiner eigenen "Nach Mattias-Geschichte" ins Herz.
Ich liebe Geschichten, in denen alles eine Verbindung hat und sich die Wege der Einzelnen kreuzen.
Trauer hat, so wie Liebe, viele verschiedene Seiten, jede Seite lässt einem beim Lesen manchmal den Atem stocken. Eine sehr gute Leistung von Peter Zantingh, man kann es nicht anders sagen. Zantingh schafft es, dass man wirklich eine Verbindung zu den Personen spürt, er teilt die Trauer mit den Lesern. Jede Geschichte berührt mich. Sie weckt ein klemmendes Gefühl und zwingt einen dazu über sein Leben nachzudenken. Genau so etwas sollen Bücher bewirken! Wenn all das durch einen Roman hervorgebracht wird, dann hat der AUtor Großes vollbracht.
Spannung wird dadurch erzeugt, dass man nicht sofort weiß, in welcher Beziehung der Erzählende zu Mattias gestanden hat. Mattias Mutter Kristianne hat mich am meisten berührt, ihr Kapitel habe ich gelesen ohne einmal Luft zu holen.
Am Ende überrascht Zantingh mit einer Verbindung, mit der niemand gerechnet hat. Auch die Playlist und das Interview am Ende des Buches sind ein absoluter Mehrwert. Das Buch hat mich zutiefst berührt, besonders das folgende Zitat: "Was bleibt von einem, wenn man nicht mehr da ist? Welche Leerräume entstehen in Raum und Zeit, und wer oder was wird diese wieder füllen!"

Bewertung vom 15.02.2020
Geteilt durch zwei
Kunrath, Barbara

Geteilt durch zwei


sehr gut

Der Roman handelt von zwei, mittlerweile erwachsenen Frauen, die Zwillinge sind und von unterschiedlichen Familien adoptiert wurden. Nun begeben sie sich gemeinsam auf die Spuren ihrer Vergangenheit. Schon nach wenigen Seiten fällt dem Leser der sachliche, fast schon emotionslose Schreibstil auf. Erst ist das sehr irritierend, aber ich habe sehr schnell Gefallen daran gefunden. Man fragt sich unweigerlich wie es ist adoptiert zu sein, welchen Einfluss es auf das Leben, die Beziehung und die Psyche hat - bewusst oder unbewusst. Man fiebert richtig mit, es ist aufregend zu lesen, das etwas nach dem man sein ganzes Leben gesucht hat nun in greifbarer Nähe ist. Die Geschichte ist ergreifend und jede Seite geht einem sehr zu Herzen. Jede Person im Buch erlebt es auf seine Art und Weise mit unterschiedlichen Emotionen und Beweggründen. Es bleibt dennoch die ganze Zeit das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, das sät Zweifel und Spannung pur.
Etwas, das sich durchs gesamte Buch zieht ist der Gedanke, wie anders ein Leben verlaufen könnte und wie viel Einfluss andere an dieser Entscheidung haben. Vielleicht sind Lebenswege aber auch voreingestellt.
Man begibt sich mit den Schwestern auf eine Reise ins schöne Münster, aber auch zu sich selbst und begleitet sie dabei, wie sie sich kennenlernen. Dann wendet sich das Blatt und es kommen ganz andere Probleme zum Vorschein.
Eine tolle und abwechslungsreiche Familiengeschichte, die Gegenwart fasziniert genauso wie die Reise in die Vergangenheit.
Das Buch ist absolut zu empfehlen, die Handlung zieht den Leser Seite für Seite in seinen Bann.

Bewertung vom 09.12.2019
Bülent Rambichler und der störrische Karpfen
Bogner, Anja

Bülent Rambichler und der störrische Karpfen


sehr gut

Sowohl das Cover, als auch der Klappentext wecken direkt Assoziationen zu den Eberhofer-Krimis, die ich sehr unterhaltsam finde. Daher waren die Erwartungen hoch. Den ersten Fall Rambichlers habe ich nicht gelesen, was allerdings nicht gestört hat, da man schnell ins Geschehen hineinfindet. Man ist sofort angekommen im vermeintlich idyllischen Strunzheim. Dort findet man noch echte Persönlichkeiten, eine skurriler als die andere. Man hört den Dialekt förmlich beim Lesen, ich liebe diese Sprache einfach. "Wischkästle" für Handy ist nur einer der vielen Begriffe, die man lieb gewinnt.
Belügt Rambichler wollte keinen weiteren Fall aus Strunzheim mehr annehmen, was sich allerdings ändert, als sein Vater in den Fokus der Verdächtigen gerät.
Die kleinen Dispute zwischen Astrid und Bülent machen die Handlung noch unterhaltsamer, ganz nach dem Motto "was sich liebt, das neckt sich". Sätze wie "Bülent Ludwig! Ich glaub dir brennt der Hut. Ausgenüchtert wird bei uns immer noch daham, verstanden!" sind einfach herrlich und machen dieses Buch so witzig und unterhaltsam.
Belügt hat es schwer sich gegen seine Eltern und überhaupt alle Einwohner Sturzhelms durchzusetzen und sich Respekt zu verschaffen. Manchmal sind die Strunzheimer stumpfe Hinterwäldler, die man dennoch ins Herz schließt, denn so viel sie auch schimpfen, so sehr halten sie auch zusammen.
Die Steckbriefe und die Skizze von Strunzheim sind klasse, so findet man schnell ins Buch.
Bei Astrid und den Strunzheimern treffen Welten aufeinander, höchst amüsant. Man ist erstaunt, welche Geheimnisse so ein erzkatholisches Dorf beherbergt, es geht drunter und drüber und wird nie langweilig.
Kurzum ein tolles Buch mit einem fulminanten Ende. Das wird definitiv nicht mein letzter Provinzkrimi sein.

Bewertung vom 09.12.2019
Beinahe Liebe (eBook, ePUB)
H. Hamudi, Darius

Beinahe Liebe (eBook, ePUB)


sehr gut

Zu Beginn war ich eher skeptisch, weil ich kein Fan von Erzählungen bin, aber der Zusammenhang der Geschichten hat mich dann überzeugt. Ich habe das Buch begonnen mit der Hoffnung auf ehrliche Geschichten, keine verklärten, realitätsfremden Erzählungen über die romantische Liebe. Der Erzählstil ist sehr angenehm. Kurze, prägnante Sätze, die sofort auf den Punkt kommen. Es wird immer wieder deutlich, wie viel Macht die Liebe bzw. ihr Abhandenkommen auf uns hat. Der Alltag ändert sich, Gewohnheiten fallen weg, aber auch der Mensch an sich ändert sich. Manchmal ist das eine Chance auf bessere Zeiten. Das stellt Hamudi in seinen Geschichten sehr gut heraus.
Bei allen Situationen wird klar, dass es manchmal sehr schwer ist Herz und Verstand in Einklang zu bringen. Die Liebe lässt uns Dinge tun und denken, die wir für völlig absurd halten.
Jemanden zu lieben bedeutet nicht zwangsläufig auch immer mit dieser Person zusammen zu sein, auch unerfüllte Liebe ist leider Teil des Lebens.
Die ein oder andere Geschichte hat mich nicht komplett überzeugt, dafür haben mich andere sehr bewegt.
Die Liebe hat wohl den größten Einfluss auf uns und unser Leben. Die Liebe oder die Entstehung von Liebe scheitert so oft, mal an kleinen und mal an unüberwindbaren Hürden. All das liest man in diesem Buch. Es sind wunderbar authentische Erzählungen, von denen ich gerne noch mehr gelesen hätte. ich freue mich auf die Bankster Geschichten des Autors.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.12.2019
Wisting und der Tag der Vermissten / William Wisting - Cold Cases Bd.1
Horst, Jørn Lier

Wisting und der Tag der Vermissten / William Wisting - Cold Cases Bd.1


ausgezeichnet

Passend zur Buchmesse erscheint das Buch "Wisting und der Tag der Vermissten" des norwegischen Autors Jörn Lier Horst. Da ich selten norwegische Krimis lese, war ich auf diesen hier sehr gespannt.
Komissar Wisting nimmt sich jedes Jahr, am Tag des Verschwindens, erneut einen alten ungeklärten Fall vor und trifft sich mit dem Mann des Opfers. Doch dieses Jahr tauchen unerwartet neue Indizien auf und der Ehemann verschwindet. Eine tolle Ausgangssituation für einen Krimi.
Wisting ist ein Vollblutermittler, der erst Ruhe findet, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Ein extrem spannender Fall, weil man wirklich nichts über Katharina Haugens Verschwinden weiß. Stück für Stück erfährt man mehr über den Fall, klebt derweil mit den Augen am Buch, um kein Detail zu überlesen.
Durch Wistings Detailbesessenheit hat man das Gefühl man hat die Akte selbst vor Augen. Man fiebert mit, verdächtigt jeden, auf den die Handlung kurz gelenkt wird. Bereits nach 70 Seiten nimmt das Buch die erste Wendung, mit der man so gar nicht gerechnet hat.
Wisting ist ein wahnsinnig guter Ermittler, man bewundert ihn, lernt von ihm. Er ist für den Leser wie eine Art Mentor in Bezug auf cold cases. Es tauchen immer wieder Sachverhalte und Verbindungen auf, die man nicht vorhersieht. Ein intelligenter, sehr gut durchdachter Kriminalroman. Die Ermittlungen erlebt man aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, Stillers Perspektive, Wistings oder die der Lokalzeitung.
Tiefer kann man in die Polizeiarbeit, in Ermittlungen und in die technischen Möglichkeiten der Polizei nicht eintauchen. Die Kombination aus zwei alten, spektakulären Vermisstenfällen mit alten und neuen Ermittlungsmethoden macht dieses Buch so überzeugend. Ich habe selten so einen genialen Ermittler erlebt. Man zermartert sich den Kopf, stell Vermutungen an, ermittelt selbst aber nicht ansatzweise die richtige Lösung. Höchstspannung!
Zum Ende werden die Kapitel immer kürzer und überbieten sich gegenseitig an Spannung. Horst ist ein hervorragender Autor und wahrscheinlich auch ein großartiger Kriminalhauptkommissar. Diese Mischung führt dazu, dass ich ein großer Wisting Fan geworden bin und den nächsten Teil kaum erwarten kann.

Bewertung vom 04.12.2019
Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse
Skybäck, Frida

Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse


sehr gut

Das Cover ist schon klasse, mit Katze und Lesesessel, so stelle ich mir eine gemütliche Buchhandlung vor. Die Ausgangssituation berührt den Leser sehr. Martinique kümmert sich um die Buchhandlung inkl. Streunerkatze ihrer verstorbenen Freundinnen, die ihr nie gesagt hat, wie krank sie wirklich ist. Dann taucht Saras Nichte Charlotte auf, die die Buchhandlung geerbt hat.
Die Buchhandlung kann man sich bildlich vorstellen, jedes Einrichtungsstück hat seine eigene Geschichte. So müssen Buchhandlungen sein! Und auch die Charaktere haben ihre eigene Geschichte, der man im Verlauf des Buches immer näher kommt.
Charlotte ist jung Witwe geworden und diesen Verlust hat sie lange nicht verarbeiten können. Martinique und die anderen Mitarbeiter der Buchhandlung helfen ihr langsam dabei, ohne überhaupt von ihrem Schicksal zu wissen. Alles ist etwas chaotisch, dennoch übermittelt die Autorin sehr gut das Zuhausegefühl, das man in dieser Buchhandlung empfindet. Zur eigentlichen Geschichte kommt noch die spannende Tatsache, dass Charlotte ihre Nichte gar nicht kannte, da die beiden Schwestern schon lange zerstritten sind und sich vor ihrem Tod nicht mehr aussprechen konnten. Man taucht tief in die Lebensgeschichte der beiden Schwestern ein und wartet mit Spannung darauf, dass die Wahrheit ans Licht kommt.
In diesem Buch geht es um viel mehr als "nur" eine Buchhandlung. Sie erzählt die Flucht nach England. Es geht um die Verarbeitung von Verlusten, um die Rettung der Buchhandlung und Freundschaft und Liebe. Alle ziehen an einem Strang. Man begleitet ein wundervolles Projekt, bei dem alle hochmotiviert sind, da die Buchhandlung ihr Lebensinhalt ist.
Dieses Buch ist nicht nur ein Buch für Liebhaber von Buchhandlungen, sondern für Fans von Familiengeschichten, Freundschaften und Liebe. Natürlich mit einem erwarteten Happy End, das dem Leser nach der letzten Seite ein schönes Gefühl im Herzen zurücklässt.

Bewertung vom 28.10.2019
Wer im Himmel auf dich wartet
Albom, Mitch

Wer im Himmel auf dich wartet


ausgezeichnet

Ich habe bereits mehrere Bücher von Mitch Album gelesen und war jedes Mal verzaubert. Es ist niemals einfach nur eine Lektüre, sondern eine Weisheit fürs Leben, die man über die Zeilen hinaus mitnimmt. Das Buch beginnt mit Annies Tod, eine Krankenpflegerin, die ihre letzten Stunden auf ihrer eigenen Hochzeit erlebt. Dort sieht sie einen Mann, der ihr als Kind das Leben rettete und schon zwanzig Jahre tot ist. Eine interessante Ausgangssituation. Dieser Todescountdown berührt einen, immer wieder ändern sich Kleinigkeiten, Sekunden im Leben die alles verändern. Das Leben ist so wertvoll.
Wir begleiten Annie bei ihrer Reise im Himmel. Man ist verzaubert von dem Buch und man kommt ins Grübeln, welche fünf Menschen man selbst im Himmel treffen würde und warum. Normalerweise habe ich es gerne so realistisch wie möglich, aber dieses Buch hat mich absolut in seinen Bann gezogen. Wie eine moderne Fabel mit Tieren und Menschen, jeder steht für etwas und leider lernt man das erst nach dem Tod.
Es geht in diesem Buch auch, aber nicht nur um Liebe, sondern um Situationen und Gefühle im Leben, die uns prägen und unser ganzes Leben bestimmen, manchmal so leise, dass wir es kaum mitbekommen.
Viele Sachen versteht man erst nach vielen Jahren oder sogar erst nach dem Tod, aber die Quintessenz ist die Tatsache, dass alles für etwas gut ist. Ein tröstender Gedanke, dass man auch nach seinem Tod eventuell Antworten auf offene Fragen des Lebens bekommt und sich so der Blickwinkel auf das eigene Leben noch einmal ändert.
Das Buch hat das schönste und traurigste Ende, das ich bisher gelesen habe und es wirkt noch sehr lange nach.

Bewertung vom 27.10.2019
Der Manndecker
Menke-Peitzmeyer, Jörg

Der Manndecker


gut

Im Roman "Der Mannsdicker" tingelt der ehemalige Fußballspieler Achim mit seinem Fußballprogramm durch Dorfkneipen, die gerade mal von einer Handvoll ortsansäßigen Hobbykickern besetzt sind. Die Gage reicht teilweise nicht einmal für ein anschließendes Besäufnis.
Vorab sei gesagt, dass ich absolut kein Fußballfan bin, dennoch hat mich das Buch neugierig gemacht. Der Humor ist eher befremdlich, wenn man sich daran gewöhnt hat, aber durchaus lustig. Achim ist zynisch und unglaublich selbstironisch. Ich mag den klischeehaften Bezug zum Sauerland, da ich selbst in der Nähe von Soest aufgewachsen bin. Sätze wie "...vielleicht war der Händedruck ja die Umarmung des Sauerlandes..." bringen mich sehr zum Lachen. Manche Witze sind wirklich gut, andere entlocken mir nicht mal ein müdes Lächeln.
Achim verkauft sich im Roman selbst als Lebemann, ist aber weit davon entfernt sein Leben wirklich im Griff zu haben. Er wirkt leicht großkotzig, als gehöre ihm die Welt, was ihn nicht wirklich sympathisch macht, aber das wird wohl auch die Intention dahinter sein. Dass er sich im Buch neu verliebt ist schön, mich stört allerdings, dass er ja immerhin noch eine Frau zuhause hat. Für mein Empfinden wird der Humor zum Ende schlechter, ein wenig als ginge dem Buch die Puste aus. Manchmal hat man aber auch Mitleid mit dem unbeholfenen Achim, weil er so viel Glück hat und es trotzdem noch vermasselt. Ein nettes Buch, das mich dennoch nicht so richtig überzeugt.