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Benutzername: buchverrückt


Bewertungen

Insgesamt 39 Bewertungen
Bewertung vom 14.05.2018
Tote haben kalte Füße / Bullenbrüder Bd.2
Rath, Hans; Rai, Edgar

Tote haben kalte Füße / Bullenbrüder Bd.2


sehr gut

Im Krimi „Bullenbrüder, Tote haben kalte Füße“ verschwindet eine der berühmten Smoothie-Sisters. Die beiden Brüder und Ermittler Charlie und Holger begeben sich auf eine spannende Suche.
Als Leser findet man sehr leicht ins Buch, auffällig sind schon zu Beginn die witzigen Formulierungen. „ Holgers Gesicht sieht aus, als hätte eine Umzugsfirma sein Gehirn ausgeräumt, besenrein!“ ist nur einer von vielen komischen Sprüchen.
Am Anfang hatte ich etwas Sorge, dass das Buch unübersichtlich wird, da schon im Klappentext so viele Personen erwähnt werden. Die Personen erscheinen nach und nach in der Handlung und werden entsprechend vorgestellt, sodass man zu keiner Zeit den Überblick verliert. Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, es ist locker, witzig und schlagfertig. Die beiden Brüder Charlie und Holger ergänzen sich gut, die Verbindung der beiden Fälle wird schnell hergestellt. Die chaotische Hippiemutter der beiden, die alle mit ihren Hochzeitsplänen durcheinanderbringt, ist herrlich witzig. Im Buch ist immer was los, ohne dass man beim Lesen den Überblick verliert.
Ein humorvoller, aber durchweg spannender Krimi mit viel Kaltschnäuzigkeit und tollen Sprüchen. Eine perfekte Mischung aus Komik und Krimi. Absolut empfehlenswert!

Bewertung vom 03.05.2018
Ans Meer
Freund, René

Ans Meer


ausgezeichnet

Der Roman „Ans Meer“ von René Freund handelt von dem Linienbusfahrer Anton, der in seine Nachbarin Doris verliebt ist und das erste Mal in seinem Leben über sich hinauswächst, indem er mit seinem Bus von der Linie abkommt und mitsamt Insassen nach Italien ans Meer fährt.
Anton ist dem Leser ab der ersten Seite sympathisch. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, den Kindern, die er täglich zur Schule bringt, wenigstens das Grüßen beizubringen. Anton wirkt wie ein sehr angenehmer Zeitgenosse, den man sich gut als Busfahrer vorstellen kann. Anton ist unglücklich in Doris verliebt, die allerdings einen hustenden Mann in ihrer Wohnung beherbergt. Neben der Fahrt zum Meer ist die Entwicklung zwischen Doris und Anton der zweite interessante Handlungsstrang des Buches.
Der Autor ist Österreicher, daher ist der Roman gespickt mit so zauberhaften Begriffen wie „Jause“ oder „Speckgürtel“. Diese Sprache liest sich einfach wunderschön. Die Kapitel wechseln zwischen der Annäherung von Anton und Doris und der Fahrt zum Meer. Man taucht sofort ganz in dieses Buch ein und gewinnt jeden Reisenden lieb.
Zu Anton in den Bus steigt die krebskranke Carla, die im Rollstuhl sitzt und nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Begleitet wird sie von ihrer Tochter. Carla möchte noch einmal ans Meer fahren und ausgerechnet der zurückhaltende Anton erfüllt ihr diesen Wunsch. Damit beginnt ein außergewöhnlicher Roadtrip mit Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Schulkinder, eine todkranke Frau mit Tochter, der gemütliche Busfahrer Anton, der sich endlich etwas traut und eine demente Seniorin. Diese Kombination ist eine absolut herrliche Truppe. Zwischendurch ruft noch Antons nervige Übermutti Mechthild an, einfach herrlich.
Das Buch ist witzig und voller Lebensfreude und Esprit. Es ist schön, als Leser Teil dieser Reise zu sein. Der Roman bringt einen dazu fremde Menschen im Bus anzulächeln und über die Geschichte, die sie verbergen, nachzudenken. Es schafft eine Verbindung zu fremden Menschen, die man dennoch jeden Tag sieht. Die Geschichte ist skurril und mitreißend, trotzdem hat die Fahrt einen sehr ernsten Ursprung, dies gibt dem Buch eine zusätzliche Tiefe.
Eine wunderschöne, berührende Geschichte, die das Bedürfnis weckt sein Leben zu genießen und einfach mal etwas Verrücktes zu tun.

Bewertung vom 03.05.2018
#EGOLAND
Nast, Michael

#EGOLAND


gut

Das Buch „#Egoland „ von Michael Nast ist die Erzählung des Schriftstellers Andreas Landwehr, der sich das Leben nimmt, nachdem er das Leben Anderer mit seinen intriganten Spielen zerstört hat.
Die Ausgangssituation des Buches ist Andreas Selbstmord. Der Autor erzählt von seinem Verhältnis zu Andreas, eine Freundschaft die im Laufe der Zeit auseinanderläuft, eine Situation, die wohl jedem bekannt ist. Die fesselnde Einleitung weckt hohe Erwartungen an das Buch.
Der Sprachstil sagt mir sehr zu, Nasts Beobachtungsgabe ist einzigartig. Man bleibt hängen an Sätzen wie: „Es war das vermeintliche, das künstliche Glück der Angepassten, die sich nach den Regeln richteten, welche die Gesellschaft vorgab.“ Beim Lesen findet man sich leider viel zu oft in den Beschreibungen wieder, eine oberflächliche Welt vollgestopft mit Lügen und ohne echte tiefer gehende Momente. Das Buch beschreibt das hohle Blabla, das wir aus zahlreichen Alltagssituationen kennen.
Mit der Einführung des Buches lernt man die Charaktere kennen und Stück für Stück eröffnet sich deren Verbindung zu Andreas. Die Einschübe des Autors holen den Leser in die Wirklichkeit zurück, alles ist gut strukturiert und durchdacht. Die Identifikation mit den Personen und ihrem Leben ist sehr hoch, treffender kann man den Alltag der heutigen Zeit nicht beschreiben. Nast beschreibt eine kritische, zynische aber auch ehrliche Sicht auf die heutige Art von modernen Freundschaften und Beziehungen. Es wird dem Leser mit diesem Buch ein Spiegel vorgehalten, aber nicht auf eine belehrende oder verurteilende Art. Man gerät ganz von selbst ins Grübeln und zieht Parallelen zu seinem eigenen Leben.
Man kann bereits am Anfang leicht erahnen welches erhebliche Ausmaß die Begegnungen zwischen Leonie, Christoph, Julia und Andreas haben, ohne dass man etwas Konkretes erfährt. Nach der hundersten Seite wurde mir die Beschreibung unserer oberflächlichen Gesellschaft etwas zu viel. Mit Sicherheit sind im Laufe der Zeit einige Werte in unserer Gesellschaft verloren gegangen, aber so funktioniert die Gesellschaft nun mal, den moralischen Zeigefinger hätte man an einigen Stellen wieder senken können. Sich über die anderen Leute zu stellen ist schließlich selbst eine sehr oberflächliche Haltung.
Seite für Seite taucht man ein in den perfiden Plan, den Andreas sich ausdenkt, in dem er als Strippenzieher agiert und alle anderen Personen manipuliert. Andreas perverse Durchtriebenheit schockiert und fasziniert gleichzeitig, man empfindet unweigerlich Bewunderung, obwohl man das gar nicht möchte. Der Titel ist in diesem Buch Programm. Vor lauter Egoismus zerstört Andreas Welten, Beziehungen und sogar Leben, ohne einen Anflug von Skrupel. Als alles anders kommt, als sein Plan es vorsieht, hat man nahezu Angst was nun passieren könnte.
Das Buch ist sehr gut, aber dennoch begegnet man Menschen nach dem Lesen des Buches mit mehr Misstrauen, man ist ängstlicher und vorurteilsbehafteter. So gut das Buch auch geschrieben ist, ist dies ein Gefühl mit dem ich kein Buch aus der Hand legen möchte.

Bewertung vom 25.04.2018
Die Herzen der Männer
Butler, Nickolas

Die Herzen der Männer


weniger gut

Der Roman „Die Herzen der Männer“ von Nickolas Butler handelt von der Männerfreundschaft von Jonathan und Nelson, die sich über mehrere Generationen entwickelt und auch die Kinder und Enkelkinder einschließt.
Der Titel des Buches war mir im ersten Moment zu kitschig. Das Cover ist nett, entfernt man den Schutzumschlag hat das Buch doch eine sehr gewöhnungsbedürftige Farbe. Das Buch beginnt mit der Beschreibung Nelsons, ein todtrauriger Außenseiter, dessen Geschichte dem Leser wirklich ans Herz geht. Nelsons Vater ist ein Arschloch, die Mutter hilflos und die Beschreibung von Nelsons Geburtstagsparty ist so herzzerreißend traurig, das man nicht Weiterlesen mag. Selten hat mich ein Buch so angesprochen und ich hatte die Hoffnung, dass dieses Buch wirklich tiefe Emotionen wecken kann. Als Jonathan auftaucht, der einzige Junge der Nelson wirklich wahrnimmt, wünscht man sich so sehr, dass Nelson endlich einen echten Freund bekommt.
Nelson ist ein begeisterter Pfadfinder, was ihn in den Augen der anderen noch mehr zum Außenseiter macht. Das Pfadfindercamp ist zentraler Bestandteil des Buches, leider weckte dieser Teil nicht wirklich mein Interesse, wofür der Autor nichts kann.
Teilweise waren mir die Beschreibungen zu heftig. Mobbing, Gewalt etc. sollte man auf keinen Fall verharmlosen, aber die Beschreibung einiger Szenen, insbesondere der Mutprobe, haben in mir das Gefühl geweckt, nicht weiterlesen zu wollen.
Die Pfadfindergeschichten ziehen sich sehr in die Länge, es wirkt im Camp alles sehr spießig und regelorientiert. Die Entwicklung der Personen ist mir nicht tiefgehend genug, Nelsons Vater beispielsweise zeigt weichere Charakterzüge, bleibt aber während des ganzen Buches ein Arschloch. Nelsons Mutter bäumt sich einmal kurz auf, verfällt dann aber ebenfalls wieder in ihre alte Rolle.
Der zweite Teil des Buches beginnt mit Jonathans Leben als Erwachsener, im ersten Teil kam die Geschichte Jonathans etwas zu kurz. Jonathan und Nelson treffen im Camp wieder aufeinander, nach großer Freundschaft klingt das Ganze aber nicht.
Ich habe einfach keinen Zugang zu den Personen gefunden. Die Geschichte ist gut, aber ich konnte keine Verbindung zu den Charakteren herstellen, weder zu den Vätern, noch zu den Söhnen. Der Erzählstil ist sehr gut, der Pfadfinderhintergrund ist Geschmackssache, aber der letzte Funke zur Begeisterung hat bei mir einfach leider gefehlt.

Bewertung vom 25.04.2018
Riskante Manöver / Mats Holm Bd.1
Bingül, Birand

Riskante Manöver / Mats Holm Bd.1


ausgezeichnet

Der Krimi „Riskante Manöver“ von Birand Bingül handelt von PR-Profi Mats Holm, der einen spektakulären Skandal eines Pharmakonzerns lösen muss. Das Buchcover spricht mich an, eine gelungene Gestaltung, besonders die Hervorhebung des Titels sieht sehr edel aus.
Vor der Lektüre war ich sehr gespannt, da mir der Autor unbekannt ist und es sich um seinen ersten Kriminalroman handelt. Die Kapitel des Buches sind nach Tagen aufgeteilt und innerhalb des Kapitels nach Uhrzeit, eine super Idee und dazu sehr übersichtlich, auch bei einem Perspektivenwechsel. Das Buch beginnt ohne Umschweife direkt mit dem erkrankten Kind, man bekommt sofort eine Vorstellung davon, welche Katastrophe auf den Pharmakonzern zukommen wird. Mats Holm und Werner sind dem Leser direkt sympathisch, mit beiden möchte man gerne mal ein Bier trinken gehen.
Das Buch benutzt viele Fachbegriffe des Wirtschaftssektors, erklärt diese allerdings, ohne belehrend zu wirken. Man bekommt schon nach wenigen Seiten ein Gefühl dafür, wie strukturiert und durchdacht das gesamte Buch ist, ich bin absolut begeistert. Der Protagonist Mats Holm ist ein bodenständiger Profi, der Wichtigtuerei nicht nötig hat und die Arroganz seiner Kunden eher belächelt. Absolute Ehrlichkeit ist Grundvoraussetzung für eine Zusammenarbeit mit ihm und das ausgerechnet in den oberen Etagen des Topmanagements. Birand Bingül schafft es in seinem herausragenden Krimi auch aktuelle Themen, wie beispielsweise Vorurteile gegen Frauen in Führungspositionen, aufzunehmen und darzustellen und bindet diese Problematiken mühelos in den Lesefluss des Buches ein. Das Thema Medikamente und der Bereich der Pharmaindustrie ist ein sehr sensibler Bereich. Das Buch ist sehr gut recherchiert und der Leser erhält zahlreiche neue Einblicke in den Pharmabereich, was zusätzliche Spannung schafft.
Birand Bingül hat mich bereits nach wenigen Seiten mit seinem Buch gepackt, es enthält eine Spannung, wie ich sie bisher nicht kannte. Das Buch hat einfach alles, von Holms schwerer Vergangenheit bis zu leichter Gefühlsentwicklung zwischen Holm und May und einer packenden Entführung. All diese Aspekte sind wunderbar im Buch verpackt, nichts davon wirkt deplatziert oder fernab der eigentlichen Handlung. Normalerweise schrecken mich viele verschiedene Aspekte und Situation in einem einzigen Buch ab, hier ist die Verknüpfung grandios gelungen.
Der Krimi wechselt zwischen dem Todeskampf der kleinen Sophie, einer Entführung und den Ermittlungen Holms. Informationen werden beiläufig in den Lesefluss eingestreut, sodass das Buch sehr angenehm zu lesen ist und konstant ein hoher Level an Spannung und Abwechslung vorhanden ist. Der Perspektivenwechsel im Buch ist klasse, auf einmal ist der Leser mittendrin, wenn ein Mitglied des Wenner-Konzerns mordet, man weiß nur nicht wer es ist. Die Überleitungen und Ortswechsel sind gut aufeinander abgestimmt, man verliert nie den Überblick.
Mit dem Buch taucht man tief in die Pharmawelt ein, voller Betrug und Intrigen. Mit so viel Spannung habe ich nicht gerechnet. Das spektakuläre Ende trumpft mit einer großen Überraschung auf und ist durch und durch gelungen. Es lässt noch Spielraum für hoffentlich noch ganz viele Fälle von Mats Holm und Laura May. Jeder Krimifan wird dieses spannungsgeladene Buch verschlingen.

Bewertung vom 03.04.2018
Kleine Feuer überall
Ng, Celeste

Kleine Feuer überall


sehr gut

Der Roman Kleine Feuer überall von Celeste Ng handelt von dem Vorort Shaker Heights und seinen Bewohnern. Die noble Gegend scheint perfekt, aber im Laufe des Buches kann der Leser das Bröckeln der Fassade miterleben.
Das Buch beginnt direkt mit der Brandstiftung und dem Abbrennen des Hauses der Richardsons. Endlich ist etwas los in Shaker Height. Mich begeisterte gleich zu Beginn der nüchterne Schreibstil, besonders die ironische, tolle Beschreibung des noblen Vorortes mit all seinen zahlreichen Regeln. Ein gut gewählter Ausgangspunkt für eine Geschichte. Es entsteht eine tolle Balance zwischen heile Idealwelt und Wirklichkeit, die sich durchs gesamte Buch zieht. Die Charaktere im Buch sind zahlreich und vielschichtig. Pearl freundet sich mit allen Kindern der Familie Richardson an, die Kinder sind begeistert von Pearls einfacher Lebensweise und Pearl wäre gerne Teil der wohlhabenden Familienidylle. Durch die detaillierten Beschreibungen hat man das Gefühl, man sitzt mit den Richardsons gemeinsam im Wohnzimmer. Izzy, das schwarze Schaf der Familie, sticht aus der Familie heraus. Nichts an ihr passt zu den anderen und das macht sie für den Leser sehr sympathisch.
Der Spannungsbogen der Geschichte ist etwas lang, zwischendurch hat man den Brand schon wieder vergessen. Die Geschichte May-Lings schafft eine überraschende Wende. Sie wurde am Anfang nur kurz angesprochen, aber dahinter steckt eine tiefgründige, bewegende Geschichte. Der Leser fragt sich immer wieder, welche Geheimnisse die Menschen verbergen, jeder Einzelne von ihnen. Die Geschichte May-Lings spaltet die idyllische Wohngegend in zwei Lager, die Fassade bröckelt nach und nach. Die unterschiedlichen Einstellungen der Personen zum Thema Moral und „das Richtige tun“ machen das Buchs o interessant und eröffnen neue, vielschichtige Perspektiven. Teile der Handlung sind vorhersehbar, aber dennoch spannend erzählt. Jeder Charakter hat seine eigene Geschichte, ohne dass sie mit der Gesamthandlung kollidiert oder es unübersichtlich wird. Das Buch ist sehr gut durchdacht.
Anfang dachte man, es geht um Izzy, aber der Brand war nur der Ausgangspunkt für viele weitere Geschichten. Mias Vergangenheit ist spannend, die Geschichte entfernt sich meiner Meinung nach zu sehr von Shaker Heights, zwischenzeitlich hat man das Gefühl ein ganz anderes, neues Buch zu lesen. Die verschiedenen Geschichten sind sehr gut aufgebaut und erzählt, für mich stören sie aber etwas den gesamten Lesefluss des Buches. Die Erzählungen sind so gut, dass man ganz in sie versunken ist und die Urprungshandlung vergisst. Das Buch endet mit einem großen Showdown zwischen Mia und Mrs. Richardson.
Leseempfehlung, klar strukturiert, sehr gut aufgebaut, nimmt den Leser mit in eine vermeintlich idyllische Vorstadt.

Bewertung vom 12.03.2018
Die Königin von Lankwitz
Urlacher, Max

Die Königin von Lankwitz


gut

Im Roman Die Königin von Lankwitz von Max Urlacher geht es um zwei ältere Damen, die sich nach ihrem Gefängnisaufenthalt selbständig machen, um verzweifelten Frauen Genugtuung zu verschaffen.
Das Cover ist witzig und spricht mich an. Beim Aufschlagen des Buches fällt als Erstes die große Schrift auf. Das Buch startet unvermittelt, mit kurzen Sätzen, die es in sich haben. Dieser Schreibstil zieht sich durch das gesamte Buch und sorgt für einen angenehmen Lesefluss und schafft Orientierung. Anfangs ist man schockiert von der Direktheit, nach einigen Seiten beginnt man dann herzlich zu lachen. Das Buch ist eine liebevolle, selbstironische Hommage an den Berliner Stadtteil Lankwitz, den ich vorher auch nicht konnte. Bea und Irene sind aber zweifelslos seine Königinnen.
Beim Lesen hört man förmlich die Berliner Schnauze der beiden Frauen und hat sofort ein Bild der beiden älteren Damen vor Auge. Irene und Bea können unterschiedlicher nicht sein, ergänzen sich allerdings gut. Schon nach wenigen Kapiteln ist man ein Fan der beiden Berliner Kodderschnauzen.
Ihr 10-Punkte-Plan für ihr großes Rache-Business ist herrlich absurd. Das Buch ist gespickt von Witz und Esprit, auch zwischen den Zeilen. Die Beschreibung des Tagesgeschäftes der beiden ist zum Schreien komisch, besonders die Kundenakquise, die beide betreiben. „Warum jemanden gleich ganz plattmachen, wenn man sich noch ein Zeitlang an den röchelnden Resten berauschen kann“, solche Sätze machen das Buch einzigartig.
Nach einiger Zeit bekommen die Damen dann noch Konkurrenz und das Buch nimmt eine unerwartete Wendung.
Ich habe ein paar Mal herzlich gelacht, wirklich gefesselt hat mich die Handlung allerdings nicht. Das Buch ist eine nette leichte Kost für zwischendurch. Mit seinen 200 Seiten eine tolle Lektüre für einen Sonntagvormittag auf der Couch.

Bewertung vom 15.01.2018
Wolfswut
Gößling, Andreas

Wolfswut


ausgezeichnet

Der Thriller Wolfswut von Andreas Gößling handelt von einem gruseligen Leichenfund in einer Lagerhalle und dem völlig aus dem Ruder geratenen Mörder und dessen Verfolgung.

Absolut positiv ist der Beginn des Buches mit einem Johnny Cash Zitat. Das Buch ist gespickt von Songtexten, was mir sehr gut gefällt und an gegebener Stelle auch sehr passend ist. Das Cover sieht super an und fühlt sich vor allem super an.

Die Gedanken der unterschiedlichen Figuren sind kursiv abgedruckt, dadurch findet man sofort einen Zugang zu den Personen und stellt direkt eine Verbindung her, wenn auch auf den ersten Seiten das Zusammenspiel noch nicht ganz klar wird. Der Beginn des Buches ist mitfühlend, Lotte ist mit der Trauer um ihren Vater beschäftigt und findet zu allem Überfluss in seiner alten Lagerhalle die Leichen verschiedener Frauen eingelegt in Fässern.
Die Orte über den einzelnen Abschnitten sorgen zusätzlich für eine gute Orientierung. Die Nebengeschichte des Verschwindens von Hallsteins Bruder ist genauso spannend, wie die Haupthandlung selbst. Der Schreibstil ist kurz und prägnant, dies steigert zusätzlich noch die Spannung. Bei manchen Schilderungen gefriert dem Leser das Blut in den Adern. Bei den Obduktionsberichten bekommt man eine Gänsehaut.

Während des ganzen Buches fiebert man mit, stellt eigene Vermutungen an. Genau das, was ein guter Thriller leisten muss.

Die beiden Ermittler Hallstein und Max ergänzen sich sehr gut, es macht Spaß ihren Gesprächen und Vermutungen zu folgen.
Zwischendurch helfen Grafiken der Fässer für eine bessere Vorstellung, der Leser wird voll integriert. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird immer auf verschiedene Personen gelenkt, sodass man viele verschiedene Täter in Verdacht hat.

Ich war fasziniert von der Handlung, das Buch ist so spannend, wie ich es selten erlebt habe. Eine sehr gute Idee ist die Beschreibung der Besprechungen. Die einzelnen Ausschnitte aus dem Trophäenbuch des Täters sind nicht für schwache Nerven. Man ist mittendrin in den detaillierten Schilderungen, ohne dass man den Faden verliert oder stellenweise gelangweilt ist. Nach Teil eins will man sofort den zweiten Teil weiterlesen, weil man es vor Spannung kaum aushält.

Immer wieder ergeben sich neue Gedankenstränge und die alten Vermutungen, die man sich selbst beim Lesen gemacht hat, scheinen wieder unplausibel. Es bleibt durchgehend spannend. Die Charaktere sind alle sehr gut durchdacht, keine Person ist überflüssig, alle tragen ihren wichtigen Teil zur Handlung bei. Die Charaktere sind unterschiedlich und vielseitig. Es erscheinen systematisch neue Personen, die die Handlung allerdings nicht verkomplizieren, sondern die Spannung noch mal erhöhen.

Ich war absolut gefesselt von diesem Thriller und hätte mir mehr als 500 Seiten gewünscht. Wahnsinnsbuch!

Bewertung vom 08.12.2017
TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?
Miranda, Megan

TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?


gut

Der Thriller „Tick Tack wie lange kannst du lügen“ der Autorin Megan Miranda handelt von Nic, die in ihren Heimatort zurückkehrt, in dem vor langer Zeit eine Freundin verschwunden ist. Nic und ihre Clique waren in diesen Vorfall involviert und nun ist ein weiteres Mädchen verschwunden und Nic begibt sich auf die Suche nach ihr.
Schon durch das erste Kapitel kommt man gut in die Geschichte. Es werden die schwierigen Beziehungen zwischen Nic und ihrem Bruder Daniel und Nic und ihrem Exfreund Tyler erläutert. Die Kapitel sind etwas umfangreicher, allerdings nicht zu lang. Die Kapitel sind in einzelne Tage unterteilt, beginnend mit Tag 1. Anschließend folgt ein Wechsel zu Tag 15, da die Geschichte rückwärts erzählt wird. Eine tolle neue Idee, kenne ich bis jetzt aus keinem anderen Buch, eine ganz neue Leseerfahrung.
Dank des ersten Kapitels hat man zu Beginn die wichtigsten Charaktere kennen gelernt, die Spannung wird durch einen mysteriösen Brief erzeugt und man stellt schnell fest, dass sich die Geschichte um Corinnes Verschwinden zu wiederholen scheint. Welches Geheimnis verbergen Daniel und Nic? Warum ist die Beziehung der beiden Geschwister so gestört? Die Anspannung zwischen den beiden ist spürbar.
Ab der Mitte des Buches fiel mir das Lesen immer schwerer. Man muss sich konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren, am Besten legt man das Buch nicht weg und liest an einem Stück. Trotz des guten Einstiegs fand ich keine Verbindung zu den Figuren, meine Aufmerksamkeit wurde immer schwächer und das Buch hat mich nicht so gefesselt, wie anfangs erhofft. Die Handlung wird immer zäher, man wartet darauf, dass noch etwas Großes passiert.
Eventuell liegt es an der Art zu Erzählen oder daran, dass ich das Buch nicht an einem Stück gelesen haben, aber mich hat es leider nicht überzeugt. Trotzdem ist die Idee sehr gut und das Buch bekommt zurecht positive Kritik, mein Fall war es einfach nur nicht.

Bewertung vom 16.11.2017
Leere Herzen
Zeh, Juli

Leere Herzen


ausgezeichnet

Der Roman „Leere Herzen“ von Juli Zeh handelt von Britta und Babak und ihrer gemeinsamen Firma „Die Brücke“. Niemand weiß so genau, was die Brücke macht und Juli Zeh führt uns in die geheimnisvolle Welt dieses lukrativen Geschäftsmodells, das man so noch nie gehört hat.
Das Buch beschreibt eine nahe Zukunft, wie sie sein könnte mit bedingungslosem Grundeinkommen und Initiativen wie „Katalonien First“. Die Autorin spielt geschickt mit den Gedanken, die wir uns alle über die Zukunft machen. Das Konzept der Brücke ist genial, der Leser kann sich gut vorstellen, das solche Geschäftsmodelle in Zukunft zum Standard gehören und man bekommt einen Einblick, was mit unseren Daten in Zukunft alles möglich sein wird. Daten, über die diverse Plattformen schon heutzutage verfügen und die nur noch ausgewertet werden müssen.
Juli Zeh wagt einen wahnsinnig intelligenten und scharfen Blick in die Zukunft mit teils zynischen Zügen.
Man merkt schnell, dass bei der Protagonistin Britta etwas nicht stimmt. Man wird von Brittas Bauchgefühl gefangen genommen und rechnet auf jeder Buchseite damit, dass irgendetwas Unglaubliches passiert. Das baut unfassbare Spannung auf. Immer wenn man denkt, man hat das Konzept durchschaut, passiert etwas Neues z.B. das Auftauchen von Guido Hatz, einen Menschen den man erst unsympathisch findet, dann aber doch fasziniert von ihm ist, ohne genau beschreiben zu können warum.
Bevor die Handlung vor sich hinplätschern könnte, kommt Juiletta ins Spiel und bringt Aufregung in die Beziehung zwischen Britta und Babak. Zwischendurch besticht das Buch immer wieder durch Kapitel des vermeintlich harmonischen Familienlebens der beiden Freundinnen. Aber auch diese Passagen sind überraschend gesellschaftskritisch und man merkt wie stur und eingefahren Britta in ihrer Meinung ist.
Die Brücke tat man am Anfang des Buches noch als Esoterikquatsch ab und dann wird man Seite für Seite von ihr gefangen genommen und das Geschehen entwickelt sich zu einem gefährlichen Spiel. Der Spannungsaufbau im Buch ist absolut gelungen. Mit der Flucht ändert sich Brittas Welt schlagartig. Sie reflektiert ihr Leben, nimmt Dinge wahr, die längst in Vergessenheit gerieten und denkt darüber nach, was wirklich Wert im Leben hat.
Mit der Wendung der Handlung hat so niemand gerechnet, die Situation entwickelt sich sehr extrem und nimmt dadurch noch mal an Spannung zu, inklusive einem überraschenden Verbündeten.
Wie immer ein absolut gelungener Roman einer meiner Lieblingsautoren.

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