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Benutzername: buchverrückt


Bewertungen

Insgesamt 39 Bewertungen
Bewertung vom 26.10.2017
Das Glück an Regentagen
Stapley, Marissa

Das Glück an Regentagen


gut

Der Roman „Das Glück an Regentagen“ von Marissa Stapley besticht zu allererst durch sein schönes und romantisches Cover. Dadurch wirkt das Buch sehr hochwertig. Sehr gefallen haben mir die Tipps für Regentage, mit denen jedes Kapitel beginnt. Dadurch sieht man den Regen mit ganz anderen Augen, als optimistische Gelegenheit mal etwas anderes zu machen. Die Handlung setzt durch Peters mysteriösen Abschiedsbrief sofort ein. Das Buch handelt von der Liebesgeschichte von Gabe und Mae, beide stehen zu Beginn des Buches an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Aber das Buch behandelt nicht nur die Geschichte der beiden, sondern auch die Beziehung zu Maes Großeltern, das schwierige Verhältnis zwischen Gabe und seinem Vater und das Gefühl, das einen mit dem Heimatort verbindet. Am Anfang braucht man etwas Zeit, um in die Geschichte zu kommen, dann liest sich der Roman aber sehr flüssig. Maes Welt bricht zusammen, sie wurde von Peter nur belogen und benutzt und flüchtet zu ihren Großeltern. Aber auch die beiden haben mit tiefen, alten Wunden zu kämpfen. Man spürt durchgehend die Sehnsucht von Mae und Gabe, immer wieder treffen sie die Gedanken an den jeweils anderen mit voller Wucht und unerwartet. Man fiebert mit Mae mit, wünscht ihr alles Gute, weil sie schon so viel ertragen musste.
Schön ist auch die Karte hinten im Buch, dadurch kann man sich den Ort noch besser vorstellen.
Auch die Beziehung zwischen Maes Großeltern kriselt, trotz des hohen Alters der beiden trennt sich George vorübergehend von Lily. Die vielen verschiedenen schwierigen Beziehungen führen allerdings nicht zur Verwirrung beim Lesen. Die einzelnen Beziehungsgeflechte sind klar strukturiert.
Beim Lesen sehnt man sich danach alte Freunde anzurufen, mit denen man aufgewachsen ist und die man aus den Augen verloren hat. Die Rückblicke in die Vergangenheit sind zu Beginn etwas verwirrend, zeigen aber wie stark die Liebe zwischen Gabe und Mae war, obwohl alle dagegen waren und ein Gelingen aussichtslos erschien.
Dem Leser kommen bei diesem Roman automatisch viele Gedanken: Wird Mae den Verrat ihrer Großeltern verzeihen? Wie geht es mit George und Lily weiter? Werden alle Familiengeheimnisse aufgedeckt und gelöst werden können?
Für meinen Geschmack waren die Probleme manchmal etwas ein wenig zu viel, weniger Dramatik hätte das Buch nicht langweiliger gemacht.
Der zweite Teil des Buches beginnt traurig und trifft den Leser unvermittelt. Man liest die ersten Sätze zweimal, weil man die Wendung nicht glauben möchte.
Man bleibt skeptisch beim Lesen, fragt sich wie Menschen zusammen finden können, die immer wieder vor ihren Problemen davon rennen. Jede der Figuren hat so viel Ballast und so viel offene Fragen, das ein Happy End schier unmöglich erscheint. Etwas schade ist die mangelnde Entwicklung der Charaktere, es setzt kein Lerneffekt ein und die Probleme wiederholen sich. Dennoch fragt man sich, wer wirklich Mut beweist und zurückkommt und sich seinen Problemen stellt.
Der Epilog und das erwartet Happy End haben mir sehr gut gefallen. Zusammenfassend ist das Buch ein schöner Liebesroman für regnerische Tage.

Bewertung vom 11.10.2017
QualityLand (graue Ausgabe)
Kling, Marc-Uwe

QualityLand (graue Ausgabe)


ausgezeichnet

Das Buch besticht zuallererst durch sein extrem schickes und schlichtes Cover. Ein schöner Kontrast zum Inhalt. Die Einführung steigert die Spannung des Lesers noch einmal. Das Buch ist, wie bereits von einem Kling erwartet, ein absoluter Lesegenuss. Wortschöpfungen wie „Big Business Consulting“ und „Country Identity“ führen dazu, dass man dieses skurrile Buch nicht mehr aus der Hand nehmen will und teilweise laut auflacht. Der Kontrast zwischen dem „sinnlosen“ Leben von Peter Arbeitsloser und dem ganzen identitätsfüllenden Schnick Schnack. Peter ist ein Außenseiter in seiner Gesellschaft und wirkt dadurch umso sympathischer. Der Bezug zu „alten“ Problemen in Quality Land wie zum Beispiel das Nichtlesen der AGBs sorgt dafür, dass man eine Verbindung zwischen Gegenwart und möglicher Zukunft in Quality Land herstellt.
Kling spielt hervorragend mit Elementen von heute und seiner was-wäre-wenn Visionen. Teilweise erschrickt man selbst und immer wieder stellt man sich selbst die zentrale Frage: Will ich diese Welt überhaupt? Will ich mich so abhängig von Maschinen machen und mein Leben in die Hände anderer geben?
Die schwarzen Seiten mit den unterschiedlichsten Anzeigen lockern das Buch sehr gut auf, stören den Lesefluss allerdings nicht.
Auf den ersten Seiten des Romans stecken schon so viele tolle Ideen wie beispielsweise der Zukunftsunterricht, der den trockenen Geschichtsunterricht ersetzt. Es fällt immer wieder auf, wie durchdacht das Buch ist. Absolut absurd, aber doch sehr nah an einer möglichen Realität, gespickt mit intelligenten Anekdoten, die vor Wortwitz nur sprühen. Kling hat seinem Namen wieder alle Ehre gemacht. Trotz der permanent optimierten Welt haben die Bewohner von Quality Land die gleichen Probleme wie heutzutage, das Streben nach Macht, Levelaufstieg und Prestige. Die perfekten Ausflüge in die Vergangenheit holen den Leser immer wieder aus Quality Land zurück. Dies ist wichtig, da man völlig in die Welt von Peter Arbeitsloser eintaucht. Peter besticht durch seine menschliche Seite und sein großes Herz für defekte Maschinen. Anfangs noch etwas zurückhaltend, entwickelt er sich im Laufe des Buches zu einem spannenden Charakter, der die Nase voll hat von der digitalen Welt („Ich möchte einen Menschen sprechen“- „Aber warum denn?“). Der Leser verfolgt gebannt Peters einsamen Kampf für die Löschung seines falschen Profils. Und der ehemalige Außenseiter wird tatkräftig von seinen Maschinen unterstützt.
Das Buch ist gespickt mit Spitzen und heimlichen Andeutungen, ich werde es auf jeden Fall noch einmal lesen, um alle Feinheiten zu entdecken.
Auch nach der Lektüre bleibt die Frage: Wie weit sind wir wirklich von dieser Zukunft entfernt und wollen wir das überhaupt? Willst du ein Mitglied von Quality Land sein, wo die Antwort auf alles nur „Ok“ ist?

Bewertung vom 03.09.2017
Der Vater, der vom Himmel fiel
Henderson, J. Paul

Der Vater, der vom Himmel fiel


ausgezeichnet

Im Roman „Der Vater, der vom Himmel fiel“ von J. Paul Henderson geht es um die Familie Bowman. Lyle Bowman wird von einem Bus überfahren, erscheint seinem jüngsten Sohn nach seinem Tod aber noch einmal für 14 Tage, um die Familienangelegenheiten zu regeln.
Schon auf der Beerdigung von Lyle bekommt der Leser einen Eindruck, wie merkwürdig diese Familie ist. Die zwei Söhne Greg und Billy haben seit sieben Jahren nicht mehr miteinander gesprochen und treffen erstmals auf der Beerdigung wieder aufeinander. Greg gilt als das schwarze Schaf der Familie, während Billy die Rolle des vorbildlichen Pfadfinders innehat. Der Roman beginnt mit dem kurz und schmerzlosen Tod Lyles, gefolgt von einer Beerdigung, die schräger nicht sein könnte inklusive unfassbar lustiger Diskussionen mit dem Pfarrer über die Geschichten der Bibel.
Die Bowman Brüder haben ein schwieriges Verhältnis zueinander, begründet durch die Unterschiedlichkeit der beiden Geschwister und dem schwierigen Verhältnis zwischen Billys Frau Jean und Greg. Den Höhepunkt fand diese Feindschaft auf der Hochzeit von Jean und Billy, bei der Greg durch übermäßigen Drogenkonsum die Braut und beleidigt und damit nicht unbedingt die Familienbande stärkt. Dann gibt es noch Onkel Frank, eine herrliche Figur, er wirkt wie der Verbündete, der einem beim Lesen über den Buchrand schelmisch zuzwinkert. Jean und Billys Tochter Katy wirken so hohl, dass es schon weh tut, ihr Beitrag ist zum Glück so gering, wie es der Geschichte dienlich ist. Katy allerdings macht während des Buches zumindest den Ansatz einer Wandlung durch.
Das Buch sprüht vor Sarkasmus und Wortwitz. Begriffe wie „emotionales Nichtschwimmerbecken“ und Dialoge wie: „Was ist eigentlich ein Psycho?“fragte Kathy. „Mum meinte nämlich du bist einer“ machen dieses Buch zu einem herrlich erfrischenden Lesegenuss.
Als wäre die Familie Bowman nicht an sich schon schräg genug, taucht nun auch noch der Geist des Vaters auf, um Greg den Kopf zu waschen und seine unerledigten Familienangelegenheiten zu klären. In den Gesprächen zwischen Greg und Lyle geht es auch um ernste Themen wie Rassismus, Zuwanderung, Krankheit, Tod, Vergänglichkeit und Reue. Das Buch ist nicht nur witzig, sondern besitzt einen Tiefgang, den man erst nicht erwartet hätte. Herrlich auch die Anekdote aus dem Himmel, aufgebaut wie eine Behörde, wo Akten vertauscht werden und die Dienstleistungsorientierung der Beamten zu wünschen übrig lässt.
Henderson schafft es mich zu überraschen. Immer wenn man glaubt, das Maß an Absurdität ist voll, setzt er noch eine Schippe drauf mit der nächsten Anekdote. Darüber hinaus zieht sich die geheimnisvolle Frau wie ein roter Faden durchs Buch und sorgt immer wieder dann für Spannung, wenn man sie schon längst vergessen hatte.
Das Buch ist wie die Bowman-Liebe „stillschweigend, peinlich berührt, aber immer da“. Die Charaktere sind vielfältig, jede Figur im Roman hat seine eigene amüsante persönliche Störung. Jede Figur entwickelt sich im Laufe der Geschichte. Der kaltschnäuzige Griesgram Onkel Frank wächst einem widerwillig ans Herz. Das Ende ist so wie man es sich wünscht, man kann das Buch zufrieden ins Regal stellen. Man möchte nach dieser Lektüre aufstehen, das Leben genießen und mit lieben Menschen so Gespräche führen wie Greg und Lyle, bevor es zu spät ist. Man fragt sich selbst, wie man eine zweite Chance nutzen würde.
Klare Leseempfehlung. Diese Familie ist mir ans Herz gewachsen, weil man mindestens einen Verrückten dieser Art in der eigenen Verwandtschaft wiederfindet.

Bewertung vom 18.08.2017
Töte mich
Nothomb, Amélie

Töte mich


gut

Das Buch „Töte mich“ von Amélie Nothomb handelt vom Grafen Neville, dem eine Wahrsagerin verkündet, dass er auf seinem Gartenfest eine Person töten wird.
Der Roman beginnt bei der Wahrsagerin, da diese die Tochter des Grafen im Wald gefunden hat. „Auf Ihrem Fest werden Sie einen Gast töten“. Diese Aussage der Wahrsagerin erzeugt bereits nach wenigen Seiten Spannung, während des gesamten Buches fragt sich der Leser immer wieder, wer wohl das zukünftige Opfer sein wird. Die Wahrsagerin wirkt unsympathisch und arrogant. Der Graf verkörpert einen typisch adligen Snob.
Der Sprachstil des Buches ist bissig. „Doch die Vorstellung, dass er einen seiner Gäste töten könnte, entsetzte Neville. Das machte man nicht…“ Solch brillant-zynische Sätze findet man durchgehend im Buch.
Schon früh erfährt man, dass die Fassade des Grafen bröckelt, das Fest wird das letzte sein, da die Familie vor dem Bankrott steht. Die Gartenpartys verkörpern den Inbegriff von Luxus, aber auch bittere Armut. Der Graf musste als Kind hungern, macht die Feste sogar mitverantwortlich für den frühen Tod seiner Schwester. Trotzdem hält er an dieser Tradition fest.
Der Graf wirkt sympathisch und herrlich altmodisch, wenn er beispielsweise aufgebracht zum Briefbogen greift und das im Jahr 2014. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie werden die Gäste der Party als geschminkte Greise und lärmende alte Fregatten bezeichnet. Der alte Adel wird hier nicht verschont mit bissigen Kommentaren. Graf Henri habe ich zu Beginn des Buches unterschätzt, er ist herrlich sarkastisch und unterhaltsam, besonders als er einen Plan ausarbeitet, um der Prophezeiung vorzugreifen. Seine Tochter Serieuse wächst dem Leser schnell ans Herz, sie ist überaus intelligent, aber auch sehr traurig und tragisch in ihrer Person. Sprichwörtliches Genie und Wahnsinn liegen hier nah beieinander. Bei ihr ist der Name Programm, sie schlägt sich selbst als Opfer vor, da sie mit ihrer wachsenden Depression sowieso kein Verlust für die Gesellschaft ist.
Das Buch ist tiefgründig und anspruchsvoll, gespickt mit herrlich bissigem Witz. Die Vater-Tochter-Dialoge sind ein wahrer Lesegenuss und das Ende ist zwar nicht gänzlich unerwartet, aber trotzdem sehr gut. Leider ist das Buch mit seinen 110 Seiten viel zu kurz geraten.

Bewertung vom 17.08.2017
Glaube Liebe Tod / Martin Bauer Bd.1
Gallert, Peter; Reiter, Jörg

Glaube Liebe Tod / Martin Bauer Bd.1


weniger gut

Der Roman Glaube, Liebe, Tod von Peter Gallert und Jörg Reiter handelt von dem Polizeiseelsorger Bauer, der einen Polizisten vor dem Selbstmord retten will und sich dann immer mehr in einen mysteriösen Fall im Rotlichtviertel verstrickt. Das Buch beginnt so spektakulär, wie es anders nicht sein könnte. Protagonist Bauer springt selbst von der Brücke, um einen selbstmordgefährdeten Polizisten zu retten. In kurzer Zeit baut er Vertrauen zu dem Polizisten auf und verhindert so Schlimmeres. Man weiß nicht, ob man Bauer für ein Genie oder einen Wahnsinnigen halten soll. Dennoch ist der Polizist ein paar Tage später tot und damit beginnt ein spannender Fall. Bauer kämpft um die Aufklärung und ermittelt auf eigene Faust, unterstützt von seiner Kollegin Dohr. Er begibt sich in und seine Familie in Gefahr.
Das Buch hat einen tollen Schreibstil mit kurzen prägnanten Sätzen. Es ist gespickt von vielen interessanten Details bezüglich des Rotlichtviertels und der Polizeiarbeit. Man bekommt einen guten Einblick in die Arbeit eines Polizeiseelsorger. Die Dialoge zwischen Bauer und Dohr sind herrlich zynisch. Bauer ist eine tolle Hauptfigur, er entspricht nicht dem Klischee des Pfarrers, er ist Hobbyboxer und fällt auch ansonsten aus jeder Schublade. Dennoch ist der Funke beim Lesen nicht übergesprungen. Das Buch hat für mich zu viele Schauplätze und wird dadurch etwas unübersichtlich. Es wird an vielen Stellen versucht Spannung zu erzeugen, ohne das es gelingt oder man weiß einige Seiten vorher schon, worauf die Situation hinaus will. Ein richtiger Spannungsbogen baute sich bei mir nicht auf.Gerade am Anfang ist der Zusammenhang nicht immer klar, man verliert leicht den Faden, die Neugier wird nur bedingt geweckt. Die Handlung klang am Anfang sehr vielversprechend, aber das lässt im Verlauf des Buches leider nach. Die Hauptfigur ist sympathisch und hat Potenzial, auch die Geschichte einfallsreicher, als ein normaler Krimi. Vielleicht wird der nächste Teil überzeugender.

Bewertung vom 17.08.2017
Liebe findet uns
Monninger, Joseph P.

Liebe findet uns


gut

Der Roman Liebe findet uns von J.P. Monninger handelt von der Liebesgeschichte zwischen Heather und Jack, die sich in einem Zug nach Amsterdam kennen lernen. Heather und ihre Freundinnen machen eine Europareise, die ganz anders endet, als erwartet. Gleich bei der ersten Begegnung von Heather und Jack merkt man, dass dies der Beginn von etwas Großem ist. Der Kennenlern-Dialog der beiden ist witzig, herausfordernd, anspruchsvoll, aber auch voller Klischees. Die Dialoge der beiden habe ich im gesamten Buch sehr ins Herz geschlossen, weil sie erfrischen anders sind. Es gibt ein paar Szenen aus Heathers Vergangenheit, die aufs Wesentliche reduziert sind, das sie zum verständnis beitragen z.B. warum sie Single ist. Dies finde ich deutlich schöner, als langatmige, zu ausgeschmückte Vergangenheitsschilderungen. Die Neckereien zwischen Jack und Heather sind niedlich, man fiebert automatisch mit, was davon wohl stimmt und was nur ein Vorurteil ist. Man ist so gefangen von der Geschichte der beiden, dass die Reise und die Reiseziele zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geraten. Jack ist herrlich romantisch, manchmal etwas altmodisch. Er will keine Fotos während seiner Reise und nichts in sozialen Netzwerken hochladen. Diesen Aspekt finde ich in der heutigen Zeit sehr schön untergebracht im Buch. Jack verkörpert den romantischen Touriführer, der Heather an den Erlebnisse des Tagebuchs seines Großvaters teilhaben lässt. Besonders gefallen mir die Zitate über Bücher, die sich in diesem Buch entdecken lassen.
Die Reise beginnt mit drei Freundinnen, entwickelt sich aber ganz anders, da sie schon nach kurzer Zeit getrennte Wege gehen. Es entwickelt sich nicht nur eine, sondern zwei schönes Liebesgeschichten, die man parallel mitverfolgen kann. Jack ist manchmal ein Wichtigtuer, dieser Aspekt ist wichtig, da man ihn sonst fast für perfekt halten könnte. Diese kleinen Macken, machen die Figur authentischer. Vor den einzelnen Reisezielen wird jedes Mal die Spannung aufgebaut. Es ist keine schnulzige Liebesgeschichte, die alles rosarot schildert. Schon während der Reise reden die beiden über die Zukunft und die damit verbundenen Problematiken. Die Beziehung ist ein Auf und Ab, gespickt mit interessanten und tiefsinnigen Gesprächen. Während der Reise erleben beide völlig verrückte Aktionen, sodass man als Leser selbst Lust bekommt, die Welt zu entdecken.
Im zweiten Teil kommt es zu einer völlig überraschenden Wendung, man wird völlig vor den Kopf gestoßen. Man kann die Euphorie und Trauer in den beiden Teilen förmlich spüren beim Lesen. Zum Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse und die rationale Heather trifft eine unerwartete Entscheidung.
Fazit: Das Buch fängt etwas seicht an, gewinnt dann aber zunehmend an Tiefe und hat ein spezielles Happyend.

Bewertung vom 17.08.2017
Die Lieferantin
Beck, Zoë

Die Lieferantin


ausgezeichnet

Der Thriller Die Lieferantin von Zoe Beck handelt von einem Onlineshop für Drogen, die mit hochmodernen Drohnen ausgeliefert werden. Die Inhaberin Ellie wird bald vom ganzen Londoner Untergrund gesucht, um sie zur Strecke zu bringen. Das Buch beginnt spannend, aber noch etwas undurchsichtig. Wie es sich für einen Thriller gehört, starten die ersten Seiten bereits mit einem Mord. Morde werden mit stoischer Ruhe erzählt, fast als würde man den Vorgang des Kaffeekochens erläutern. Dazu kommen die Dialoge zwischen den Boyce-Brüdern, die herrlich witzig und absurd sind. Haben diese dümmlichen Brüder wirklich versehentlich einen Polizeispitzel umgebracht? Sehr gut gefällt mir der Bezug zum aktuellen Zeitgeschehen zum Thema Brexit und einem fiktiven Referendum zum Druxit. Die Autorin überrascht immer wieder mit kleinen Details z.B. mit dem Familienbusiness der Boyce-Brüder, bei denen ausgerechnet der Akademikersohn am ungeeignetsten erscheint. Sie spielt mit den Vorurteilen und dem Bild, das man sich als Leser von den Personen macht, sodass man keinem vorgefertigten Bild folgt, sondern die Meinung über einzelne Charaktere immer wieder revidiert. Die Idee eines Onlineshops für Drogen mit Kundenbewertungen und Gratispröbchen ist genial, aber gar nicht so unrealistisch. Man findet gut ins Buch, die Zusammenhänge werden schnell deutlich. Das Buch ist nicht überladen mit Charakteren und Handlungen, sodass man sehr gut folgen kann. Die Spannung baut sich langsam, aber stetig auf. Das Buch fesselt. Durch die kurzen Kapitel kommt man in die Versuchung immer weiter zu lesen. Zoe Beck spielt hervorragend mit der Faszination Zukunft. All die Schilderungen wirken erst noch skurril, wecken aber gerade dadurch Interesse und Unsicherheit, weil die Möglichkeiten durch den technischen Fortschritt nicht allzu weit entfernt sind. Das Thema ist aktueller denn je und Zoe Beck sensibilisiert mit ihrem Buch die Leser für diese Zukunft. Gut gefallen haben mir die Andeutungen auf die Technik der Zukunft, beispielsweise mit der Krankenkassen-App, anhand derer der Versicherungsschutz berechnet wird. Trotz dieser hochmodernen Welt ist der Rassismus noch weit verbreitet, eine interessante Zukunftsprognose der Autorin. Das Buch regt zum Nachdenken an über eine nicht allzu ferne Zukunft und die eigene Rolle, die man darin spielt. Nach und nach erfährt man die Beweggründe der Lieferantin. Hinter jeder Handlung der Personen stehen auch persönliche Schicksale und Verluste. Das schafft einen Thriller mit Tiefgang. Für einige Abkürzungen hätte ich mir eine Begriffserklärung gewünscht. Ansonsten schildert dieses Buch ein ausgeklügeltes System, bei dem man gespannt auf die Schwachstelle wartet. Die Spannung wird aus verschiedenen Perspektiven aufgebaut, nicht nur durch die Handlungen der Protagonistin. Immer kommen neue, überraschende Aspekte hinzu, die nachher wie bei einer Kettenreaktion zum Showdown führen.
Fazit: Ein toller Thriller, mit einer aktuellen und hochspannenden Handlung. Das Buch ist durchdacht, hier stimmt alles. Fesselt und sorgt dafür, dass man es nicht aus der Hand legen will.

Bewertung vom 17.08.2017
Sommer unseres Lebens
Wulf, Kirsten

Sommer unseres Lebens


gut

Der Roman Sommer unseres Lebens von Kirsten Wulf ist ein frischer Sommerroman, der eine wunderschöne Freundschaft zwischen drei Frauen beschreibt. Die Frauen Hanne, Claude und Miriam haben an ihrem gemeinsamen 25. Geburtstag den Pakt geschlossen, dass sie sich an ihrem 50. wieder in Portugal am Strand treffen. Das Buch beginnt mit Hanne und ihrem turbulenten Familienleben. Man merkt schnell, dass sie, genau wie die anderen Freundinnen, den Urlaub und das Strandfoto nicht vergessen hat. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass mehr hinter diesem Foto steckt und jede der Frauen ihr Geheimnis hat. Die Beschreibung des Alltags der verschiedenen Leben ist gelungen, eine geheimnisvolle Stimmung schwingt beim Lesen immer mit. Die damalige Reise nach Portugal war von allen eher eine Kurzschlusshandlung. Man lernt die Personen nach und nach kennen und erfährt wie sie zusammengefunden haben. Durch einen Zufall bzw. Unfall haben die drei Freundinnen nach kurzer Zeit kein Handy mehr. Abgeschnitten von der Umwelt erleben sie alles noch viel intensiver, auch ihre Freundschaft und die damit verbundenen Probleme. Als Leser freut man sich, dass die drei wieder zusammengefunden haben. Sie landen in runtergekommenen Zimmern, ihr Auto geht kaputt, trotzdem lassen sie sich die Freude nicht nehmen. Man spürt die Aufregung und die Lebensfreude, die alle umgibt. Dem Alltag entfliehen, gemeinsam auf Reisen gehen und Abenteuer erleben. Diese Sehnsucht weckt das Buch. Diese Freundschaft ist etwas Besonderes, die drei halten zusammen, auch wenn die Reise droht sich aufzulösen. Jede der Frauen macht sich auf dieser Reise Gedanken, alle haben mit aktuellen oder alten Damönen zu kämpfen und tragen ein mulmiges Gefühl in sich. Die Reise bekommt auf einmal einen ernsten Hintergrund und die Freundinnen brauchen einander noch mehr, als es am Anfang den Anschein machte. Die erste Reise von Miriam, Claude und Hanne veränderte ihr Leben, die zweite verändert nun 25 Jahre später auch wieder alles. Kein überraschendes aber dennoch ein schönes Ende. Ein erfrischender Sommerroman über eine tolle Freundschaft, die so manches Hindernis übersteht.

Bewertung vom 17.08.2017
Glück ist teuer
Aeschlimann, Silvan

Glück ist teuer


ausgezeichnet

Das Cover ist schlicht im Vergleich zur Vielschichtigkeit des Inhalts. Im Buch geht es um den Elitestudenten Noah, der seinen sehr erfolgreichen Vater kennen lernt und dadurch immer mehr in die Welt des Geldes eintaucht.
Das zentrale Thema des Buches ist die Ratlosigkeit und die permanente Selbstreflexion der eigenen Handlungen.
Der Ich-Erzähler wirkt auf den ersten Blick arrogant und unsympathisch, lernt man ihn dann aber kennen, wächst er einem zunehmend ans Herz. Schon auf den ersten Seiten wird der Leser in die Welt der Macht und des Geldes eingeführt, selbst die Zeugung des Protagonisten ist schon durch Geld bestimmt. Es wird immer wieder Bezug auf die Natur genommen, als eine Art Ausbruch aus dem Leben. Das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, das jeder von uns einmal erlebt hat, zieht sich präsent durch das ganze Buch. Die innere Zerrissenheit Noahs erhöht die Spannung, weil man nie richtig einschätzen kann, wie er als nächstes reagiert. Diese innere Unruhe wird auch in der Beziehung zu Sophia sehr deutlich. Die Hauptfigur durchläuft eine spannende Entwicklung, an der der Leser dank des detaillierten Schreibstils sehr gut teilnehmen kann. Der erste Wendepunkt des Buches erfolgt schon im ersten Drittel, als Noah seinen Vater kennen lernt und eine Beziehung zu ihm aufbaut.
Das Buch besticht vor allem durch Rückblicke in die Vergangenheit. Schulerfahrungen und erste Begegnungen mit Noahs Jugendliebe Sophia runden die Geschichte ab. Einzig das Product Placement wird etwas zu stark betrieben.
Ein gelungenes Buch über Macht, Geld, Liebe, Freundschaft, Gier und Kontrollverlust mit einem Ende, das so niemand erwartet hat. Der sympathische selbstkritische Protagonist führt uns durch eine spannende Reise rund um die Frage "Wie schnell verliert man den Bezug zum Wert des Geldes"
Ein absolut empfehlenswertes Buch!