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Zauberberggast
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München

Bewertungen

Insgesamt 130 Bewertungen
Bewertung vom 23.09.2021
Barbara stirbt nicht
Bronsky, Alina

Barbara stirbt nicht


sehr gut

Der trockene Humor von Alina Bronsky ist genau mein Fall. Ich schätze ihre messerscharfe Beobachtungsgabe was Alltagsunzulänglichkeiten im Allgemeinen und menschliche Schwächen im Besonderen betrifft. Während sie im "Zopf meiner Großmutter" stark satirische Töne anschlug, ist "Barbara stirbt nicht" hingegen relativ zahm. Zwar ist der Protagonist Herr Schmidt ein liebenswerter Sancho Pansa, der tapfer gegen die Windmühlen seines unfreiwilligen späten "Hausmann-Daseins" kämpft, aber er wird zu keiner Zeit von der Autorin bloßgestellt.

Es geht in dem Buch viel darum, welche Lieblingsrezepte von Barbara sich ihr Ehemann Walter aneignen muss, während seine Frau in einem mysteriösen Zustand zwischen Krankheit und Rekonvaleszenz verweilt. LeserInnen werden über die eigentliche Natur von Barbaras Zustand im Unklaren gelassen.

Den ganzen Roman durchzieht eine eigentümliche Melancholie, eine Sehnsucht nach dem vergangenen Gestern. Bronsky zeigt an ihrem Protagonisten Herrn Schmidt exemplarisch auf was das plötzliche Bewusstsein über das Vergehen der Zeit mit uns Menschen macht. Gestern noch waren wir jung und heute sind es nicht mal mehr unsere Kinder. Herrn Schmidt, der bis zu Barbaras Krankheit in den Tag hinein gelebt zu haben scheint, trifft diese Erkenntnis wie ein Schlag. Was soll er nun anfangen mit den Resten seines alten Lebens? Wie soll er umgehen mit der bruchstückhaften Gegenwart? Und noch dazu mit der verschwiegenen Familientragödie, die erst im letzten Drittel des Buches ans Licht kommt?

Das offene Ende ist mir persönlich etwas zu abrupt, lässt viele Fragen offen, die ich noch an den Roman gehabt hätte. Leider erfahren wir nicht, unter welcher Krankheit Barbara eigentlich leidet. Ich hätte Herrn Schmidt und Barbara gerne noch eine Weile weiter begleitet. Bronsky wägt ihre LeserInnen bis zum Ende in der trügerischen Sicherheit sie würden auf ein tragikomisches versöhnliches Ende zusteuern, nur um sie dann ohne Vorwarnung an der Autobahnraststätte auszusetzen. Das ist mein Hauptkritikpunkt an diesem schönen, traurigkomischen Roman, der ein Gefühl der Unvollständigkeit zurücklässt.

Bewertung vom 30.08.2021
Wann gehts rund beim Hund?/ Wann macht die Katz Rabatz?: Ein Wendebuch
Reider, Katja

Wann gehts rund beim Hund?/ Wann macht die Katz Rabatz?: Ein Wendebuch


ausgezeichnet

Meine fünfjährige Tochter liebt “Wendebücher”, also Bücher, die zwei Geschichten erzählen, wobei die eine Geschichte erst zum Vorschein kommt, wenn man das Buch herumdreht. Außerdem treffen die Geschichten in der Mitte aufeinander und werden quasi zu einer.

In “Wann geht's rund beim Hund? - Wann macht die Katz Rabatz?” wird den Kleinen ab 2 Jahren der Alltag eines Golden-Retriever-Hundes bzw. einer schwarz-weißen Katze nähergebracht. Die kurzen Texte und Bildsituationen erinnern dabei an die beliebte und mittlerweile zum Kinderbuch-Klassiker avancierte Ravensburger-Reihe “Ich bin der/die/das kleine (Hund/Katze/Pony/Küken etc.)”. Auf jeder Seite erlebt der Hund (und nach dem Herumdrehen dann die Katze) alltägliche Situationen in chronologischer Abfolge des Tagesablaufs wie z.B. Aufwachen, Gassi gehen, aus dem Fenster gucken, im Park spielen, etc. Am Ende liegt er mit der Katze zusammen im Körbchen. “Huch, wo kommt die denn her?” werden sich die Kinder fragen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die zweite Geschichte lebendig werden zu lassen und das Buch herumzudrehen. Anders als der Hund, wird die nachtaktive Katze erst am Nachmittag richtig munter. Sie streunt dann auch erst in der Dunkelheit herum und begibt sich auf die Suche nach Abenteuern - und Mäusen. Nach und nach merkt man, dass sich die Katze an den gleichen Orten wie zuvor der Hund befindet und dass die beiden wohl dementsprechend zusammenwohnen.

Der Unterschied Hund/Katze wird den Kindern durch die verschiedenen Aktivitätsphasen der Tiere erläutert. In diesem Buch sind Hund und Katze keine Antagonisten, sie leben in friedlicher Koexistenz und teilen sich sogar ein Körbchen! Eine sehr schöne Botschaft, wie ich finde. Die Kombination ist wie immer bei Ravensburger altersgerecht, die Illustrationen schön bunt und fröhlich.

Wendebücher haben im Idealfall auch zwei Cover. Auf der “Katzenseite” mussten die redaktionellen Angaben bzw. das Impressum hinzugefügt werden, da Innen bei Pappbilderbüchern oftmals kein Platz ist. Diese Problematik wurde hier meines Erachtens perfekt gelöst, indem die Katze auf einer Mauer sitzt, auf der diese Angaben stehen. Der Barcode ist sogar in Vogelform gestaltet worden, also quasi als Pipmatz passend zur Reihe. So fügen sich diese nüchternen Infos am Buchende demnach wunderbar in das Gesamtbild ein.

Fazit: Ein wundervolles Wendebuch aus der Edition Piepmatz, perfekt für die Altersstufe 2-4.

Bewertung vom 04.07.2021
Real Life
Taylor, Brandon

Real Life


sehr gut

Schwere Lektüre mit Stellen der Leichtigkeit
"Booker Prize"-Lektüren sind selten "leichte Lektüren". Hier wird literarische Qualität ausgezeichnet, die Themen sind meistens existenziell und tiefgreifend. So reiht sich auch Brandon Taylors Debütroman in diese Tradition mit ein, mit dem er es 2020 auf die Shortlist der renommierten Auszeichnung schaffte.
Passt der Titel "Real Life", das wahre bzw. echte Leben (in der deutschen Übersetzung wurde der Originaltitel dankenswerterweise beibehalten) zu seinem Buch? Zumindest seziert Taylor in seinem Roman - wie sein Protagonist Wallace es mit Würmern bzw. Nematoden macht - das alltägliche Dasein eines Biochemie-Doktoranden an einer amerikanischen Universität im Mittleren Westen und inszeniert damit das scheinbar echte Leben seines Protagonisten Wallace. Dieser sinniert über seine Vergangenheit, über Gegenwart und Zukunft, er liebt, er leidet, er lebt - und das alles als Individuum in einer Gesellschaft. Denn Wallace muss sich nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit anderen auseinandersetzen - mit ihrer Freundlichkeit, ihren Problemen, ihren Komplexen, etc. Ausserdem ist Wallace ein schwarzer schwuler Mann in einer vermeintlich post-rassistischen, post-homophoben Welt. Immerhin ist der Mikrokosmos des Campus und der mit ihm assoziierten Gesellschaft ein solcher Ort - zumindest an der Oberfläche. Denn Wallace muss erleben, dass seine Hautfarbe und seine sexuelle Orientierung für andere trotz der liberalen Grundstimmung im intellektuellen Milieu nach wie vor eine Rolle spielen.
"Real Life" ist ein zutiefst menschliches Buch darüber, wie wir mit Schuld und Traumata umgehen, aber auch darüber ob es ein Überwinden derselben gibt, Versöhnung und das "Danach". Vor allem aber auch geht es um Selbstfindung und dem Umfang mit der eigenen Depression und den Dämonen der Vergangenheit.
Die Lektüre war stellenweise erhellend schön, wenn es um die Beschreibung bestimmter Stimmungen ging. Dennoch war mir der Grundtenor zu düster, die Leiden zu schwer, der Fatalismus der jungen Menschen zu viel. Zu viel Verfall, zu viel "Memento mori"-Metaphorik (illustriert ab toten Tieren), zu viel sinnlose Gewalt. Dass der Booker Prize keine "Feelgood Romane" auszeichnet, dürfte jedem klar sein. Und am Ende gibt es ja auch einen Hoffnungschimmer. Trotzdem hätte ich mir mehr Stellen dieser Leichtigkeit angesichts der menschlichen und gesellschaftlichen Abgründe auch im Plot gewünscht. Zum Highlight hat mir also ein kleines Quäntchen gefehlt, aber dennoch ein hervorragender Roman.

Bewertung vom 04.07.2021
Wieso? Weshalb? Warum? Tiere im Einsatz (Band 16)
Erne, Andrea

Wieso? Weshalb? Warum? Tiere im Einsatz (Band 16)


ausgezeichnet

Als meine fünfjährige Tochter das frisch ausgepackte Buch sah, sagte sie direkt begeistert: "Oh, ein Buch mit Klappen", da sie die "Wieso? Weshalb? Warum?"-Reihe natürlich kennt und wir schon viele Titel zuhause haben. Sie schnappte es sich, blätterte es durch und erkundete direkt die besagten Klappen, die bei ihr besonders hoch im Kurs stehen. Staunend lernte sie etwas über die Existenz von Polizeipferden (haben zusammen noch nie eins "live" gesehen, obwohl sie in unserer Stadt durchaus vorkommen), Blinden-,Such- und Rettungshunden, etc. Das Thema Tiere als Helfer des Menschen hatten wir tatsächlich vorher noch nie so wirklich angesprochen, deswegen hatten wir Nachholbedarf.

Das Buch ist wie immer ganz kindgerecht aufgebaut und regt spielerisch dazu an, Wissen erwerben zu wollen. Wie immer passt das Buch perfekt für die Altersspanne 4-7. Für jüngere Kindern sind eher die Bilder und Klappen interessant, mit älteren Kindern kann man mehr in den Text einsteigen und auch die Stellen vorlesen, die die Kleinen noch nicht ganz verstehen würden. Schließlich werden in diesem Buch auch negative Themen wie Drogendelikte, Einbruch, Unfälle und Krankheiten diskutiert, aber wirklich nur am Rande. In der Hauptsache konzentriert sich das Buch auf das positiv besetzte Thema "Tierische Helfer" in all seinen Facetten. Und wie so oft bei "Wieso? Weshalb? Warum?" können auch die Eltern noch etwas dazulernen (von der "Esel-Müllabfuhr" hatte ich davor z.B. auch noch nichts gehört), so dass es beim Vorlesen nicht langweilig wird.

Alles in allem also mal wieder ein sehr lohnenswerter neuer Band der Reihe, vor allem für kleine Tierfreunde.

Bewertung vom 03.07.2021
Madame le Commissaire und die panische Diva / Kommissarin Isabelle Bonnet Bd.8
Martin, Pierre

Madame le Commissaire und die panische Diva / Kommissarin Isabelle Bonnet Bd.8


gut

Skurriler Band der Reihe, Parisflair inklusive
Nachdem ich alle Bände der "Madame le Commissaire"-Reihe gelesen habe, kann ich sagen, dass nicht jeder Band von der gleichen Qualität ist. Bei welcher Reihe ist das schon so? Nachdem mir der letzte Band ("...und die Frau ohne Gedächtnis") leider nicht so gut gefallen hat, bin ich ohne große Erwartungen an "...und die panische Diva" herangegangen. Ich wurde positiv überrascht, obwohl es sicher nicht der beste Band dieser Reihe ist (das ist für mich "...und der tote Bürgermeister").
Wie schon im letzten Band mit der "Frau ohne Gedächtnis" hat Madame le Commissaire Isabelle Bonnet am Anfang des Buches keinen aktuellen Mordfall in der Provence aufzuklären. Da erfährt Isabelle über deren in Fragolin lebende Zwillingsschwester Juliette, dass sich die Pariser Diva Colette Gaspard - mit Zweitwohnsitz in der Provence - von einem Stalker bedroht fühlt. Isabelle lässt sich - etwas widerwillig - darauf ein, für ein paar Tage ihren Bodyguard zu spielen. Womit sie nicht gerechnet hat: Isabelle muss sich nach kurzer Zeit schon ihrer eigenen Vergangenheit stellen und ihre alte Heimat Paris, Schauplatz ihres großen Traumas, aufsuchen.
Der Fall an sich ist schon sehr skurril und sicher nicht sehr "realistisch". Aber das erwarte ich auch nicht unbedingt von einem leichten Sommerkrimi. Die Unterhaltung muss stimmen und wenn dann noch ein wenig Spannung hinzukommt, bin ich ganz zufrieden.
Sehr angenehm fand ich dass sich das Geplänkel mit Apollinaire in einem erträglichen Rahmen bewegt und Isabelle auch nicht wie im letzten Band gedanklich alles kommentiert was er sagt. Auch fand ich den Ortswechsel sehr erfrischend - Isabelle und ihr Umfeld haben mir in Paris sehr gefallen. Eine schöne Abwechslung zu den übrigen Bänden, die ausnahmslos in Südfrankreich spielen. Auch die Ménage-à-trois mit Rouven und Nicolas wurde schön ausgearbeitet und ins Geschehen integriert. Isabelle wirkt in diesem Band nicht mehr ganz so hart, sie zeigt viele menschliche Facetten.
Fazit: Wenn man nicht zu verbissen nach einer "realistischen" und blutigen Krimihandlung sucht und überdies Romane schätzt, die (teilweise) in Paris spielen, dann kann ich diesen Band der Reihe um Madame le Commissaire empfehlen. Für Fans sowieso!

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 24.06.2021
Bretonische Idylle / Kommissar Dupin Bd.10
Bannalec, Jean-Luc

Bretonische Idylle / Kommissar Dupin Bd.10


sehr gut

Agatha Christie meets Bretagne
Eigentlich sollte man meinen dass Kommissar Georges Dupin, der seit mittlerweile zehn Jahren in der Bretagne ermittelt, seine neue Heimat in- und auswendig kennt, aber weit gefehlt! Nach zehn Jahren beherrscht er weder die bretonische Sprache in Perfektion (seine Kollegen schenken ihm einen Kurs zum Jubiläum), noch kennt er alle bretonischen Eigenheiten oder war schon in jeder Gegend. Die Bretagne ist für den Pariser Kommissar immer für eine Überraschung gut, so auch in seinem zehnten Fall.
Ein Bewohner der Belle-Île wird im Hafen des bretonischen Festlandes tot aufgefunden - ermordet. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um den reichen Schafzüchter Provost handelt, gegen den so ziemlich jeder der Bellilois, wie die Einwohner der größten bretonischen Insel genannt werden, einen Groll hegte. Perfekte Verhältnisse also für alle LiebhaberInnen von "Locked-Room-Mysteries", denn natürlich kommen nur BewohnerInnen der Belle-Île als TäterIn in Frage. Dupin hat seine liebe Not mit der singenden Augusthitze, die in diese. Jahr versucht und damit, überhaupt auf die Insel zu gelangen, leidet er doch an Seekrankheit. Aber als die Reise endlich überstanden ist, lässt er sich von den geografischen Schönheiten und kulinarischen Besonderheiten der Insel verzaubern.
Alles in allem muss ich sagen: Ein typischer Dupin-Wohlfühl-Krimi, der sehr an Agatha Christie erinnert diesmal. Nicht nur die Insel als geschlossener Tatort, sondern auch die Tat selbst und die exzentrischen Charaktere gemahnen an die große Queen of Crime. Die Spannung war auf jeden Fall gegeben, die Auflösung war mir dann ein wenig zu konstruiert-unglaubwürdig und gleichzeitig zu offensichtlich. Eine spannende Wendung zum Schluss hätte mir auch noch gut gefallen.
Dennoch wieder ein toller und sehr lesenswerter Sommerkrimi-Schmöker aus der Feder von Jean-Luc Bannalec.

Bewertung vom 03.06.2021
Eine Freundin für Mia - Leserabe ab Vorschule - Erstlesebuch für Kinder ab 5 Jahren
Fischer-Hunold, Alexandra

Eine Freundin für Mia - Leserabe ab Vorschule - Erstlesebuch für Kinder ab 5 Jahren


ausgezeichnet

Tolles "Vor-Lesebuch" gegen Gender-Klischees

Meine Tochter ist fünf und zeigt sich seit kurzem frustriert über die Tatsache, dass sie noch nicht lesen kann. Dem kann Abhilfe geschaffen werden indem man zu den Leserabe-Büchern von Ravensburger greift. Hier gibt es speziell eine Reihe, die "Vor-Lesestufe", die sich an Leseanfänger bzw. Vorschulkinder richtet. In dieser Stufe (die Cover der Bände sind grün hinterlegt) werden Schlüsselwörter in Form von gezeichneten Piktogrammen in den Textblock integriert. Die Wörterliste findet sich im Anhang des Buches zum Ausklappen. Auch die Geschichte "Eine Freundin für Mia" folgt diesem Prinzip und kann so den Vorschulkindern die Scheu vor dem Text nehmen. Kinder sind ja erstmal Bilderbücher gewohnt, der Text ist in der Regel "für die Erwachsenen" da. Indem die Bilder hier den Text sozusagen "unterwandern", lernen die Kinder sich auch mit selbigem auseinanderzusetzen. Bei meiner Tochter kam dies gut an - Ich lese den Text bis zum Bild und sie entschlüsselt die Hauptwörter. Im Zweifel kann man den Wörterschlüssel zurate ziehen.

Zur Geschichte selbst kann man sagen, dass sie sich natürlich speziell an Mädchen richtet. Es geht um ein Mädchen namens Mia, das ihren ersten Schultag an einer neuen Schule erlebt. Sie wünscht sich eine neue Freundin, die wie eine Prinzessin aussehen sollte. Dass ihre spätere Freundin Leo, die sie im Lauf der Geschichte kennenlernt, dann gar nicht diesem Stereotyp entspricht, ist sozusagen der Twist der Story. Mädchen können Prinzessinnen sein, aber auch Fußball mögen und Jungsklamotten tragen, so die Moral. Also eine richtig gute Story am Puls der Zeit sozusagen, die das Thema Gender-Klischees thematisiert.

Das Buch wird abgerundet durch einen interaktiven Anhang. Hier können die Kinder nach der Lektüre noch einige Rätsel lösen, die im Zusammenhang mit dem Text stehen. Man kann sogar etwas gewinnen und hat dadurch eine zusätzliche Motivation, die Bilderrätsel zu lösen.

Ein super Gesamtpaket für einen fairen Preis, in bewährter Ravensburger-Qualität. Ich habe auch bereits ein anderes Buch aus der Reihe bestellt und freue mich darauf, es mit meiner Tochter durchzugehen. Volle Punktzahl.

Bewertung vom 30.05.2021
Fräulein Mozart und der Klang der Liebe / Ikonen ihrer Zeit Bd.4
Maly, Beate

Fräulein Mozart und der Klang der Liebe / Ikonen ihrer Zeit Bd.4


ausgezeichnet

Historische Romane, die sich mit realen Persönlichkeiten aus der Geschichte befassen, müssen sich an belegten Fakten und Quellen orientieren, um authentisch zu sein. Auch Beate Maly macht das in "Fräulein Mozart", nicht ohne aber ihrer Romanbiographie einige fiktionale Elemente hinzuzufügen, die für den Spannungsbogen wichtig sind (siehe Nachwort).
Maly nimmt die LeserInnen quasi bei der Hand und führt sie entlang der biographischen Daten der Familie Mozart ab 1766 durch das Leben der Hauptfigur Maria Anna Mozart (1751-1829) genannt Nannerl, die Schwester des legendären Komponisten.

Hier gibt es auch schon ein großes Lob an die Autorin, die es gekonnt wie immer geschafft hat, eine perfekte erzählerische Balance hinzubekommen. "Nannerl" ist zu jeder Zeit Protagonistin dieses Buches und doch dürfen wir auch am Leben ihres berühmten Bruders Wolfgang Amadeus teilhaben - ohne aber dass es ein Buch über ihn wäre. Nein, es ist ein Roman über eine starke Frauenfigur, die aber bis auf die gemeinsamen Anfangsjahre auf Konzert-Tournee durch Europa immer im Schatten des brüderlichen Genies stand. Und so wird auch erzählt, denn das ausschweifende Künstlerleben ihres Bruders, den sie zu jeder Zeit schätzte und verehrte wie auch vice versa, hat Nannerl Mozarts Leben und Schaffen geprägt. Seine Kreativität inspirierte die Schwester und seine Geldsorgen trieben sie mitunter zur Verzeiflung und auch selbst an den Rand der Armut.

Dennoch: Nannerl Mozart war in erster Linie eine eigenständige Persönlichkeit, die ihre Heimatstadt Salzburg - anders als ihr Bruder, den es immer nach Wien zog - liebte und dort aufblühte. Kein Wunder dass sich auch hier die Liebesgeschichte zum Schuldirektor Franz d' Ippold abspielte, die in Beate Malys Romanbiographie viel Raum einnimmt. Zärtlich und vorsichtig ist diese romantische Liebe, wer eine wilde und leidenschaftliche Lovestory erwartet ist sicher fehl am Platz. Nannerl Mozart war zeitlebens eine bescheidene Frau und keine Diva, obwohl sie schon als junges Mädchen die illustre Gesellschaft der Adligen, Reichen und Schönen gewohnt war.

War das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart eher "allegro", so kann man das bürgerlich-angepasste Leben seiner Schwester, die - für die damalige Zeit und im Gegensatz zu ihrem Bruder "erst" - mit 78 Jahren starb, wohl als "adagio" bezeichnen. Dennoch verdient sie Würdigung und Anerkennung als Persönlichkeit der Musikgeschichte und auch ihre Geschichte ist es absolut wert, erzählt zu werden. Das ist Beate Maly mit ihrem Roman wunderbar gelungen.

Bewertung vom 07.03.2021
Die Verlorenen
Halls, Stacey

Die Verlorenen


sehr gut

Thema Mutterschaft im historischen Kontext
Das Wort Waisenhaus ist aus unserer heutigen modernen Sicht heraus überwiegend negativ konnotiert. Aber im England des 18. Jahrhunderts, in dem der Roman "Die Verlorenen" spielt, war es für Eltern aus der Unterschicht oftmals die einzige Möglichkeit, ihren Kindern eine Zukunft zu schenken. Sie mussten sie abgeben, um ihr Leben zu sichern. In den Slums von London und andernorts hatte der Nachwuchs eines armen Menschen nur geringe Überlebenschancen. Hier setzt die Handlung von "Die Verlorenen" an. Die junge Bess Bright, Tochter eines Krabbenhändlers und selbst in diesem Metier tätig, bekommt im November 1747 eine uneheliche Tochter namens Clara. Noch am Tag ihrer Geburt gibt sie die Kleine ab und zwar in die Obhut des “Foundling Hospitals”, ein 1739 gegründetes Waisenhaus in London. Sechs Jahre später hat sie - wie sie glaubt - genug gespart, um die Gebühren von Claras Unterbringung zu bezahlen, doch als sie ihre Tochter abholen will, wird ihr gesagt, dass sie bereits abgeholt wurde - und zwar sechs Jahre zuvor…

Man kann nicht gut über die Handlung sprechen ohne zu spoilern, nur soviel: es geht um zwei Mütter, Bess und Alexandra. Der Roman ist von der Erzählstruktur sehr symmetrisch angelegt und beleuchtet einmal die Perspektive der einen, dann die der anderen Frau. An der gutsituierten Alexandra werden die psychischen Probleme aufgezeigt, die einem Menschen, der keine Existenzängste haben muss so wie Bess, das Leben auch zur Hölle machen können. Alexandra hat ein nicht verarbeitetes Trauma, das zu Panikattacken und Angststörungen führt. Das Thema “mental health” wird durch sie zwar eingeführt, aber nicht zur Gänze ausgearbeitet. Das ist ein wenig schade und meines Erachtens eine vertane Chance, um die Handlung noch zusätzlich zu bereichern. Generell wird aber das Thema Mutterschaft in all seinen Facetten und aus einem historischen Kontext heraus sehr intensiv beleuchtet.

Historische Romane leben im Wesentlichen von der Fähigkeit ihrer AutorInnen, die erzählte Vergangenheit zum Leben zu erwecken. Stacey Halls ist die Erzeugung der historischen Atmosphäre sehr gut gelungen. Wir befinden uns im England des mittleren 18. Jahrhunderts und erleben diese Zeit als Leser hautnah mit. Die Armut der einfachen Leute, ihr erbitterter Kampf ums Überleben wurden eindrücklich dargestellt. Als Kontrast wird auf der anderen Seite aber auch der Snobismus der Gutsituierten und gesellschaftlich Privilegierten gezeigt. Erschreckend ist die Tatsache, dass schon bei der Geburt eines Menschen vorherbestimmt ist, in welche Schicht er hineingeboren wird und wie sein weiteres Leben höchstwahrscheinlich verlaufen wird: live long and prosper or perish in earthly hell. Determinismus und Fatalismus springen aus jeder Ecke hervor.

Der Roman ist solide gemacht, atmosphärisch gelungen und weist einige Spannungselemente auf, ohne aber ein Krimi zu sein. Der Behauptung der Presse, Stacey Halls wäre die neue Hilary Mantel ist meines Erachtens aber deutlich zu hoch gegriffen. Zwischen den Autorinnen liegen Welten. Mantel ist meiner Meinung nach ein Genie des historischen Romans, Halls einfach eine sehr versierte - historische - Schriftstellerin, aber eine unter vielen.

Bewertung vom 21.02.2021
Gespenster
Alderton, Dolly

Gespenster


ausgezeichnet

Tiefgründiger Dating-Roman
Eine englische Hetero-Frau Anfang dreißig mit dem hippen Beruf "Food-Journalistin" erzählt von ihren Online-Dating-Erfahrungen. Das klingt erstmal wie eine Millennium-"Bridget Jones" nur in (mental-)healthy also ohne Zigaretten und ständiges Kalorienzählen. Aber ob auch Nina (Zweitname George wegen George Michael) ihren Mr. Dacy - wenn überhaupt - auf ähnlich humorvolle Weise findet? Ich sage ganz unendeutig: Jein. Denn “Gespenster” bzw. “Ghosts” - der englische Titel passt meiner Meinung nach besser zum Thema - ist ein ganz neues Partnersuche-Buch, das perfekt in unsere Zeit passt.
Genau wie die Single-Ikone der späten 1990er Jahre möchte auch die Protagonistin von "Gespenster" ihr "spätes" Singledasein beenden. Doch anders als bei Bridget gibt es in den 2020er Jahren für Singles einen entscheidenden Vorteil: Online-Dating, der potenzielle Partner fürs Leben ist also nur einen Klick weit entfernt. Doch so einfach ist die ganze Sache nicht, denn genauso unkompliziert man sich durch die neuen Medien daten kann, genauso leicht machen es sich manche wenn es darum geht aus dem Leben der “gedateten” Person wieder zu verschwinden: sie "ghosten", lassen also einfach nichts mehr von sich hören, sind von einem auf den anderen Moment wie vom Erdbeben verschluckt. Auch Nina macht im Roman eine solche Erfahrung.
Aber dieses Buch ist so viel mehr als ein unterhaltsamer Frauenroman über das moderne Datingverhalten. Er greift das Lebensgefühl der "Millennials" auf, also der Generation der 1980-1999 geborenen Menschen, zu der auch ich gehöre. Der Roman spielt zwar in London und seinem Umland, könnte so aber auch in jeder anderen westlich geprägten Großstadt stattfinden. Wie fühlt sich eine junge Frau Anfang dreißig (Nina wurde 1986 geboren, der Roman spielt 2018-2019) angesichts von alternden und kranken Eltern (Ihr Vater hat fortschreitende Demenz), Freundinnen, die heiraten und Kinder kriegen und natürlich ghostenden Männern - all diese Themen werden im Roman aufgegriffen. Obwohl es sich super angefühlt hat den Roman zu lesen, ist er keine Feelgood-Frauenliteratur, denn auf das klischeehafte Happy End (Spoiler) müssen wir leider verzichten. Was wir als Leserin dagegen bekommen ist ein moderner, aus Ich-Perspektive erzählter Roman über das Leben und die Liebe wie sie heute sind, Corona und Pandemie noch nicht inbegriffen. Ich hatte ein digitales Exemplar und habe mir dann nochmal das Hardcover gekauft, weil mir das Buch so gut gefallen hat. Ich wollte diese von so treffenden Ansichten und Lebensweisheiten durchzogene Geschichte einfach im Regal stehen haben um sie jederzeit rauszuholen und nochmal darin lesen zu können. Ein tolles Buch, nicht nur für Singlefrauen!