Autor: Manuel
Datum: 09.04.2020
Tags: Empfehlung, Unser Buchtipp

Von der Geschichte Chinas inspiriert, mit Mystik und Religion ausgeschmückt und dennoch stets realistisch: Das ist der Debütroman der chinesischen Schriftstellerin Rebecca F. Kuang „Die Schamanin“.

Die Schamanin – Inhalt

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Die Kriegswaise Runin Fang, genannt Rin, führt ein trostloses Leben in den verarmten südlichen Provinzen von Nikan. Als ihre Adoptiveltern eine Zwangsheirat für sie arrangieren, um ihren eigenen Stand zu verbessern, sieht Rin nur eine Chance, um ihrem Schicksal zu entkommen: Sie muss einen Platz an der Eliteakademie Sinegard ergattern. Entgegen aller Widrigkeiten gelingt es ihr, sich für die hochangesehene Militärschule in der Hauptstadt zu qualifizieren, doch bleibt sie aufgrund ihrer niederen Herkunft stets die Außenseiterin. Bereits am ersten Tag macht sie sich den Sohn des Drachenkriegsherrn, einem der zwölf führenden Militärs der Nation, zum Feind, so dass ihr von ihren Mitschülern fortan nur Missgunst und Feindseligkeit entgegengebracht werden. Doch jeder Stein, der Rin in den Weg gelegt wird, ist nur weiterer Ansporn für sie, ihren Wert zu beweisen. Durch ihre eiserne Disziplin und schiere Willenskraft entwickelt sie sich zu einer der besten Schülerinnen der Akademie und zieht so die Aufmerksamkeit des exzentrischen Meisters Jiang auf sich. Er bietet ihr an, sie zu unterweisen, ihren Geist der Welt der Götter zu öffnen und sie so zu einer Schamanin auszubilden. Doch noch bevor ihre Ausbildung abgeschlossen ist, startet die benachbarte Föderation Mugen, mit der seit Jahren ein angespannter Frieden herrschte, einen Eroberungsfeldzug. Ehe sie sich versehen, werden Rin und ihre Mitschüler ausgesandt und lernen die Brutalität des Krieges, über die sie bisher nur in Büchern gelesen haben, am eigenen Leib kennen …


Die Schamanin – Anfänge eines großen Epos

Mit dem Auftakt ihrer „Im Zeichen der Mohnblume“ – Fantasy-Buchreihe hat die 23-jährige R.F. Kuang ein in seinem Setting und seiner Stimmung einzigartiges Meisterwerk geschaffen. Durch ihr detailliertes Wissen um chinesische Philosophie und asiatische Geschichte, das sie sich in ihren Studien an verschiedenen renommierten Universitäten angeeignet hat, gelingt es ihr, eine völlig neue Welt zu erschaffen, deren Beschreibung jedoch sofort die realen Vorbilder China und Japan vor dem geistigen Auge der Leser heraufbeschwört. Auch die Handlung kann auf ganzer Länge überzeugen. Man kommt nicht umhin, die Protagonistin Rin umgehend ins Herz zu schließen und bei ihrer Entwicklung an der Akademie mitzufiebern. Doch auch die anderen Charaktere, Rins Rivalen und Lehrmeister, sind vielschichtig und faszinieren alle auf ihre eigene Art und Weise. Doch obwohl „Die Schamanin“ über große Teile hinweg als klassischer Young-Adult-Roman durchgehen könnte, entwickelt sich die Handlung durch Ausbruch des Krieges in eine gänzlich andere Richtung. Nichts wird beschönigt, im Gegenteil: Übelste Gräueltaten, von Vergewaltigungen über Massenmord, werden offen thematisiert und beeinflussen die jungen Protagonisten stark. Wer sich von diesen Themen nicht abschrecken lässt, wird mit einem asiatischen Fantasy-Epos belohnt, das seinesgleichen sucht.

Fazit: „Die Schamanin / Im Zeichen der Mohnblume Bd.1“ von R.F. Kuang ist ein großartiges Erstlingswerk und ein unvergleichlicher Fantasy-Roman, der sich vor anderen Genregrößen in keiner Weise zu verstecken braucht. Tipp: Wer gleich zugreifen und sofort mit dem Lesen beginnen möchte, kann sich diesen Wunsch ganz einfach mit der praktischen eBook-Ausgabe erfüllen.


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