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Juri Felsen
Gebundenes Buch
Getäuscht (Mängelexemplar)
Roman Aus dem Russischen und mit einem Vorwort von Rosemarie Tietze. Mit einem Nachwort von Dana Vowinckel
Mitarbeit: Vowinckel, Dana; Tietze, Rosemarie;Übersetzung: Tietze, Rosemarie
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Juri Felsen, der einst als »russischer Proust« galt, war einer der führenden Schriftsteller seiner Generation. Beeinflusst von Marcel Proust, James Joyce und Virginia Woolf ist Juri Felsen ein Autor von Weltrang. Juri Felsen wurde von den Nazis ermordet, sein Werk war lange vergessen, bis es in den letzten Jahren wiederentdeckt und nun zum ersten Mal auf Englisch und Deutsch veröffentlicht wird.Wir treffen unseren namenlosen Erzähler im Paris der Zwanzigerjahre, wo er sich nach der Russischen Revolution als Emigrant wiederfindet. Auf Bitten einer Bekannten lernt er die schöne, kluge und ...
Juri Felsen, der einst als »russischer Proust« galt, war einer der führenden Schriftsteller seiner Generation. Beeinflusst von Marcel Proust, James Joyce und Virginia Woolf ist Juri Felsen ein Autor von Weltrang. Juri Felsen wurde von den Nazis ermordet, sein Werk war lange vergessen, bis es in den letzten Jahren wiederentdeckt und nun zum ersten Mal auf Englisch und Deutsch veröffentlicht wird.
Wir treffen unseren namenlosen Erzähler im Paris der Zwanzigerjahre, wo er sich nach der Russischen Revolution als Emigrant wiederfindet. Auf Bitten einer Bekannten lernt er die schöne, kluge und gesellige Ljolja kennen, die ebenfalls gerade aus Russland geflohen ist. Was als lockere Freundschaft beginnt, verwandelt sich schnell in Faszination und Besessenheit, da sie uneindeutige Signale sendet und anderen Männern nachstellt.
Während Ljolja weiterhin ein Leben führt, das nicht von den Kräften der gesellschaftlichen Konvention und der Geschichte beeinträchtigt wird, werden die in Tagebuchform geschriebenen Enthüllungen unseres Erzählers immer schmerzhafter, vertrauter und reich an psychologischer Introspektion.
Wir treffen unseren namenlosen Erzähler im Paris der Zwanzigerjahre, wo er sich nach der Russischen Revolution als Emigrant wiederfindet. Auf Bitten einer Bekannten lernt er die schöne, kluge und gesellige Ljolja kennen, die ebenfalls gerade aus Russland geflohen ist. Was als lockere Freundschaft beginnt, verwandelt sich schnell in Faszination und Besessenheit, da sie uneindeutige Signale sendet und anderen Männern nachstellt.
Während Ljolja weiterhin ein Leben führt, das nicht von den Kräften der gesellschaftlichen Konvention und der Geschichte beeinträchtigt wird, werden die in Tagebuchform geschriebenen Enthüllungen unseres Erzählers immer schmerzhafter, vertrauter und reich an psychologischer Introspektion.
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Juri Felsen ist das Pseudonym des Autors Nikolai Freudenstein. Geboren 1894 in St. Petersburg, emigrierte er 1921 nach Europa und ließ sich 1923 in Paris nieder. In Frankreich wurde er zu einem der führenden Schriftsteller seiner Generation. Beeinflusst von den großen Modernisten wie Marcel Proust, James Joyce und Virginia Woolf stand er mit seinem Werk an der Spitze der ästhetischen und philosophischen Strömungen der europäischen Literatur. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs versuchte Felsen, in die Schweiz zu fliehen; er wurde jedoch gefasst, verhaftet und im Konzentrationslager Drancy interniert. Juri Felsen wurde 1943 deportiert und in Auschwitz ermordet. Erst 2012 wurde er wiederentdeckt und 2022 ins Englische übersetzt. Auch auf Deutsch ist sein Werk in der Übersetzung von Rosemarie Tietze zum ersten Mal überhaupt zugänglich.
Produktdetails
- Verlag: Kiepenheuer & Witsch
- Originaltitel: Obman
- 1. Auflage
- Seitenzahl: 272
- Erscheinungstermin: 16. Januar 2025
- Deutsch
- Abmessung: 205mm x 133mm x 28mm
- Gewicht: 394g
- ISBN-13: 9783462006315
- ISBN-10: 3462006312
- Artikelnr.: 75993915
Herstellerkennzeichnung
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»Wenn man will, kann man in Felsens Erzähler einen an seiner fragilen Männlichkeit leidenden Neurotiker sehen. Und schon hat man sich über die Vergangenheit mitten in die Gegenwart begeben.« Xaver von Cranach Der Spiegel 20250201
Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension
Sehr gerne treibt sich Rezensent Egbert Tholl mit dem Ich-Erzähler dieses Buches im Paris der 1920er Jahre herum. Geschrieben hat das Buch Juri Felsen, ein seinerzeit mit Proust verglichener exilrussischer Autor, und zwar im Jahr 1930, so Tholl, dem das Spiel gut gefällt, das Felsen hier mit seiner Erzählinstanz treibt. Man hat fast das Gefühl, der Autor mache sich lustig über sein Erzähler-Ich, das hier Tagebuch schreibt: In langen Sätzen legt dieser sein Inneres offen, seine "Larmoyanz", auch seinen männlichen Narzissmus, der ihn keineswegs zum Licht der Selbsterkenntnis führt. Inhaltlich geht es um die Liebe, und zwar um die Liebe zu Ljolja, der Nichte einer Bekannten des Erzählers, die Liebe ist unglücklich und realitätsfern, das Ende der Geschichte alles andere als happy, wobei der Erzähler keineswegs vorhat, sich und seine Sicht auf die Welt zu ändern. Toll, wie die Innerlichkeit dieses Erzählers ausgeleuchtet wird, sehr gelungen auch Rosemarie Tietzes Übersetzung, ( "eine silbrig glitzernde Symphonie"). Kurz: der Kritiker ist rundum zufrieden.
© Perlentaucher Medien GmbH
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»Mich verstört oft der – recht alltägliche – Gedanke, dass etwas Erwartetes wegbricht«
Dieses Buch ist weniger ein Roman, als ein akribisch gefülltes Tagebuch der Gefühle.
Der namenlose Ich-Erzähler, der täglich seine Erlebnisse, …
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»Mich verstört oft der – recht alltägliche – Gedanke, dass etwas Erwartetes wegbricht«
Dieses Buch ist weniger ein Roman, als ein akribisch gefülltes Tagebuch der Gefühle.
Der namenlose Ich-Erzähler, der täglich seine Erlebnisse, Beobachtungen und insbesondere seine unzähligen Gedanken aufschreibt ist verliebt und das schon, bevor er seine Angebetete überhaupt kennt.
Es ist verhält sich nämlich folgendermaßen: Die Nichte Ljolja Gerdt seiner Berliner bekannten Katerina Wiktorowna N., welche ihn damals in Berlin knapp verpasst hat, reist nun nach Paris. Dort lebt der Protagonist zur Zeit der 1920er Jahre als exilierter Russe, ohne Geld und noch dazu todunglücklich, traurig und einsam.
Die beiden irren sich aneinander, sei es liebestrunken oder so beabsichtigt. Ljolja hat kein großes Interesse an ihm, doch er wiederum ist penetrant und lässt sie nicht in Ruhe.
Mit welcher Besessenheit er das möchte, ist fast schon wieder beachtenswert, würde sein gekränktes Ego nicht zu misogynen Ansichten tendieren.
Für mich war es, trotz der mit Sicherheit herausragenden Übersetzung von Rosemarie Tietze, leider ein trockener Roman mit vielen Längen und relativ wenig Handlung. Die Gefühlswahrnehmungen des nicht eben sympathischen Protagonisten waren mir persönlich zu arg ausgeschlachtet und erinnerte mich zunehmend an Goethes „Die Leiden des jungen Werther“.
Trotzdem muss man sagen, dass Juri Felsen ein begnadeter Beobachter war, so detailliert wie dieses Buch geschrieben ist, schafft es kaum ein anderer Autor, geschweige denn auf diese psychologische, tiefgründige Art.
Diese seitenlangen psychologischen Beobachtungen werden im Nachwort von Dana Vowinckel mit Proust verglichen. Dazu kann ich leider nichts sagen, da mir Proust noch bevorsteht, aber meine Einschätzung, dass mir der ausschweifende Stil voller Zweifel leider nicht gefallen hat, kann ich offenbaren.
Dennoch bin ich froh, dieses Buch entdeckt zu haben. Ansonsten wäre mir der Autor und dessen tragisches Schicksal verborgen geblieben.
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Zwischen Täuschung und Selbsttäuschung
Juri Felsens Roman reiht sich ein in die Tradition der großen russischen Romane und beschreibt intensiv Verlust und Verlustängste. Der namenlose Exilrusse im Paris der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts schreibt exzessiv Tagebuch …
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Zwischen Täuschung und Selbsttäuschung
Juri Felsens Roman reiht sich ein in die Tradition der großen russischen Romane und beschreibt intensiv Verlust und Verlustängste. Der namenlose Exilrusse im Paris der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts schreibt exzessiv Tagebuch über seine Gefühle zu Ljolja, die er über eine gemeinsame russische Bekannte aus Berlin kennengelernt hat. Eher beiläufig erfahren wir von seinen Geschäften und Kontakten zu anderen Exilrussen, insofern sie seine Beziehung zu Ljolja berühren. Ljolja wird als starke zarte Person vorgestellt. Der Ich-Erzähler fühlt sich von ihr getäuscht, täuscht selbst andere und muss sich eingestehen, dass er am meisten jedoch seiner Selbsttäuschung erliegt.
Felsen beschreibt subtil die russischen Exilkreise, ihre täglichen Sorgen und Vernetzungen, um sich ein standesgemäßes Leben in der neuen Heimat aufzubauen.
Rosemarie Tietzes Übersetzung besticht durch eleganten Stil und facettenreiche Sprache.
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Juri Felsen, dass dieser Name und sein Werk dem Vergessen einheim fielen und er nicht neben Nabukov oder Proust etwa in Erinnerung blieb, liegt wahrscheinlich daran, dass er in Auschwitz ermordet wurde und vielleicht auch, dass er trotz Emigration die russische Welt und Sprache nie verließ. …
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Juri Felsen, dass dieser Name und sein Werk dem Vergessen einheim fielen und er nicht neben Nabukov oder Proust etwa in Erinnerung blieb, liegt wahrscheinlich daran, dass er in Auschwitz ermordet wurde und vielleicht auch, dass er trotz Emigration die russische Welt und Sprache nie verließ. Der "russische Proust" ist ein Stempel auf seinem Werk, der sicherlich prägnant hängen bleibt, zumal GETÄUSCHT in Paris spielt und auch Felsen in Paris lebte. Doch las ich den nun durch Rosemarie Tietze ins Deutsche übertragenen Roman mehr als Antwort auf die großen Erzählungen der gefallenen Frauen der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Madamé Bovary kam mir in den Sinn, Effi Briest und vor allem Anna Karenina. Eine Gefallene ist die selbstbestimmte von dem namenlosen Tagebuchschreibenden heimgesuchte Ljolja aber nicht. 50 Jahre später als Anna Karenina lässt sie sich seine Gesellschaft gefallen, betont Freundschaft, windet sich auch aus dieser, hat einen launigen geliebten Künstler, einen langweiligen Ehemann hinter sich und vor den Augen des sich als erhabenen Künstler verstehenden Tagebuchschreibers beginnt sie eine Liaison mit einem einfältigen Geschäftsmann in der Pariser Diaspora, während ihre Tante aus Berlin über sie wacht. 50 Jahre später nach Wronskij verweilt der russische Adel nach der Revolution im Exil, umspielt die erworbene Armut mit Anmut und kompensiert sie mit großen sentimentalen Gefühlen. GETÄUSCHT ist diese Sehnsucht nach dem nach Hause kommen in die Arme einer schönen, klugen und schlagfertigen russischen Frau, die ebenso wenig erreichbar bleiben soll wie das vergangene russische Kaiserreich. Obsessiv, selbstmitleidig, nach männlichen Idealen suchend, schreibt sich die Figur durch GETÄUSCHT und lässt immer wieder Lücken, die stolpern lassen, Zweifel sähen, dass die liebestolle Sicht des Schreibenden so hinhaut oder er greift die Zweifel gleich direkt auf und schreibt auf sich herab. Er wäre gern ein charismatischer Liebhaber, manchmal fühlt er sich auch so, wenn er die attraktive und eigensinnige Ljolja umwirbt, insbesondere wenn er zuhause sitzt und wie ein Besessener alle Szenen der Begegnungen nachvollzieht, seinen Gedanken nachhängt über die Liebe, über seine Rivalen und über die Angebetete. Wie attraktiv er von außen betrachtet ist, bleibt der Phantasie der Lesenden überlassen, vielleicht ist er kein Incel, zumal er zwischendurch zwei Geliebte hat, die ihn aber kalt lassen, gerade weil sie ihm nahe kommen, denn das scheint der Figur bewusst, wenn Ljolja es wagen würde, sich außerhalb seiner Phantasie auf ihn einzulassen, würde sie fallen und seine Liebe erkalten. Wären da nicht die Lücken, die Felsen gekonnt setzt in den Tagebucheinträgen, die Zweifel und Distanz, die die Figur und das Publikum immer wieder auf die Frage zurück bringt, was Täuschung ist, wo die Figur sich bewusst und wo sie sich unbewusst etwas vormacht, ob sie überhaupt auf Erfüllung aus ist, oder sich in der Rolle der selbstmitleidigen, zu Bindung und Kontakt kaum fähigen Figur nur allzugut gefällt. Ljolja, eine nicht nur aus heutigem Blick selbstbestimmte, kluge und mit der Liebe spielende Frau, kann sich nicht entscheiden, ob sie sich der großen überhöhten schwierigen Liebe hingeben möchte oder sich in ihre beständige Sicherheit und nährende Form, die aber die Unzulänglichkeit respektieren muss. Doch spielt dabei der Erzähler keine Rolle, ist es der ferne Künstler Sergej, der sie überhöhte und fallen ließ, dann wieder zu sich rief, jedoch kein beständiges Glück bot, sowie ein verlassener verlässlich aber langweilender Ehemann und ein vom Erzähler als einfältig beschrieben und empfundener Rivale, der vor seinen Augen Ljolja nahe kommt, was den Erzähler in Eifersucht, Kampf, Rückzug, Erkalten und erneute Hitze bringt. Andere Frauen erleben ähnliches mit ihm, bei diesen ist er souverän und kalt, wie es vielleicht Ljolja bei ihm ist, weil, so drängt sich ihm auf, das fieberhafte Verliebtsein die Wahrnehmung trübt und schärft. Es steckt noch vieles mehr in diesem auch in Form und Sprache fast zeitlos fieberhaft fließenden und dennoch kalkuliert prazise gesetzten Roman, der im Aufbau streng einer Dreiaktstruktur eines Dramas folgt. Und ich stimme Dana Vowinckel mit ihrem begeisterten Nachwort zu, dass GETÄUSCHT etwas zeitloses hat oder hochaktuell wirkt, dass Felsen mehr zu erzählen weiß über fragile Männlichkeit und darin versteckte Feindseligkeiten gegenüber Frauen als aktuelle Spielarten. Dass sich der Roman trotz der Platzierung in einer russische Diaspora, in der der Autor selbst verkehrte nicht als Emigrationsroman liest, sehe ich etwas anders. Ob es eine jüdische Geschichte ist, verneint Vowinckel entschieden, wenn auch die Geschichte des Autors und seine Vergessenheit damit zu tun haben. Große begeisterte Empfehlung von mir.
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Selbstzerstörerische Liebesblödigkeit
Der soeben erstmals auf Deutsch erschienene Roman «Getäuscht» von Juri Felsen ist unter diesem Synonym von Nikolai Freudenstein im Jahre 1930 in einem Exilverlag in Paris erschienen. Er wurde damals sehr positiv aufgenommen und fand …
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Selbstzerstörerische Liebesblödigkeit
Der soeben erstmals auf Deutsch erschienene Roman «Getäuscht» von Juri Felsen ist unter diesem Synonym von Nikolai Freudenstein im Jahre 1930 in einem Exilverlag in Paris erschienen. Er wurde damals sehr positiv aufgenommen und fand in Vladimir Nabokov einen begeisterten Fürsprecher, man feierte ihn als russisches Pendant zu Marcel Proust. Anschließend geriet dieses Romandebüt aber bald in Vergessenheit, und sein jüdischer Autor wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Nach fast hundert Jahren wurde der Roman nun endlich wiederentdeckt und erstmals auch in die deutsche und englische Sprache übersetzt. Sein Protagonist ist ein von Geldnöten und Selbstzweifeln geplagter, angehender Künstler, das Alter Ego des Autors, der als russischer Exilant in Paris der zwanziger Jahre lebt, damals die Welthauptstadt der modernen Künste.
In Tagebuchform wird hier eine autobiografisch inspirierte Geschichte erzählt, beginnend damit, dass der Brief einer guten Freundin aus Berlin den namenlos bleibenden Ich-Erzähler erreicht. Darin wird er auf den bevorstehenden Besuch ihrer Nichte hingewiesen und gebeten, ihr dabei zu helfen, als Exilantin in Paris Fuß zu fassen. Er kennt sie nicht, hat zwar viel von ihr gehört, aber nur einmal ein Foto von ihr gesehen. Trotzdem beginnt er sofort damit, sie sich als die Frau seiner Träume vorzustellen. «In der langsamen, linkischen Menge der Ankömmlinge erkannte ich, gleich unter den Ersten, Ljolja am Hermelinkragen und blauen Mantel, die mir angekündigt waren, und hätte sie ohnehin erkannt – so hatte Katerina Wiktorowna sie beschrieben und ich sie mir jahrelang vorgestellt: ein ungewöhnlich bleiches, wie überpudertes Gesicht, Augen, puppenähnlich aufgrund ihres porzellanhaften Blautons und ihrer langen, sich schwer senkenden Wimpern, und dazu, nach all dieser quasi künstlichen Unbeweglichkeit, ein überraschend nettes, blinzelndes, ironisches Lächeln». Er lernt in ihr eine schöne, kluge und gesellige Frau Anfang dreißig kennen, die bereits eine langjährige Liaison mit einem angehenden Künstler hinter sich hat und danach dann auch noch eine nach nur fünf Jahren gescheiterte Ehe.
Anders als er jedoch ist sie scheinbar nicht an einer über ihre lockere Beziehung hinausgehende, romantische Liebesbeziehung interessiert. Ihre diesbezüglichen Signale sind aber uneindeutig und werden von ihm zumeist auch noch falsch interpretiert, was seine anfängliche Faszination mit der Zeit in eine regelrechte Besessenheit verwandelt. Prompt jedoch folgt die lebenslustige, recht unkonventionell auftretende Ljolja nach einiger Zeit dem dringenden Wunsch ihres reumütigen Ex-Liebhabers, sie kehrt nach langer Zeit wieder zu ihm zurück und lässt den tragischen Helden verzweifelt in seinem Gefühlchaos allein. In seinem Tagebuch seziert er geradezu minutiös unter dem jeweiligen Datum all diese Vorgänge und Wendungen seiner strikt im Status einer Freundschaft bleibenden Verbindung mit der ebenso charmanten wie klugen Ljolja. Und je mehr die Erfüllung seiner Träume sich als Illusion erweist, seine Hoffnungen unerreichbar werden in dem Wechselbad seiner Gefühle, desto nervöser werden seine Reaktionen und desto dümmlicher auch seine als Notizen im Tagebuch aufgeschriebenen Gedanken.
Flüssig lesbar in einem eleganten Stil geschrieben, zuweilen sogar mit ironischem Unterton, erinnert dieser mit seinen langen Satzkaskaden durchgängig als Bewusstseinsstrom erzählte Plot stark an Proust und Joyce. Anders als bei diesen Autoren ist hier aber die spärliche Handlung novellenartig auf ein knappes Jahr begrenzt. Im kenntnisreichen Nachwort wird dem introvertierten Ich-Erzähler eine «toxische Männlichkeit» attestiert, die sich in «idiosynkratischen» Wortbildern artikuliere. Das zutiefst gekränkte Ego des Protagonisten eskaliert in seinen ewigen Selbstvorwürfen und Grübeleien zu misogyn gefärbtem Unmut, frei nach dem Motto: ‹Die Frauen sind an allem schuld›. Obwohl hier ja nur von selbstzerstörerischer Liebesblödigkeit erzählt wird, - oder hat sich der Rezensent da etwa «getäuscht»?
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