Laila Lalami
Gebundenes Buch
Das Dream Hotel
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Als Sara Hussein von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zurückkehrt und den Flughafen verlassen will, wird sie von einem Angestellten des Amts für Risikobewertung aufgehalten: Ihr Risikowert sei zu hoch, denn die Analyse ihrer Traumdaten habe ergeben, dass sie zur Gefährdung für ihren Ehemann werden könnte. Zu seiner Sicherheit muss sie sich für einundzwanzig Tage unter Beobachtung begeben. Während ihr Mann ahnungslos mit den zweijährigen Zwillingen auf ihre Rückkehr wartet, wird Sara in Gewahrsam genommen. Zunächst versucht sie genau wie die anderen inhaftierten Frauen, ihre Uns...
Als Sara Hussein von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zurückkehrt und den Flughafen verlassen will, wird sie von einem Angestellten des Amts für Risikobewertung aufgehalten: Ihr Risikowert sei zu hoch, denn die Analyse ihrer Traumdaten habe ergeben, dass sie zur Gefährdung für ihren Ehemann werden könnte. Zu seiner Sicherheit muss sie sich für einundzwanzig Tage unter Beobachtung begeben. Während ihr Mann ahnungslos mit den zweijährigen Zwillingen auf ihre Rückkehr wartet, wird Sara in Gewahrsam genommen. Zunächst versucht sie genau wie die anderen inhaftierten Frauen, ihre Unschuld zu beweisen. Doch als immer neue Gründe auftauchen, weshalb sich ihre Haft verlängert, beginnt Sara zu ahnen, dass sie auf eigene Faust für ihre Freiheit einstehen muss.
Laila Lalami wurde in Rabat geboren und hat in Marokko, Großbritannien und den Vereinigten Staaten studiert. Sie ist Autorin von vier Romanen und zahlreichen Essays, die u. a. in der Washington Post , The Nation und der New York Times erschienen sind. Ihre Bücher wurden in zwanzig Sprachen übersetzt. Bei Kein & Aber erschienen ihre Romane Die Anderen, der auf der Shortlist des National Book Award stand, sowie Der verbotene Bericht , mit dem sie den American Book Award erhielt und Finalistin des Pulitzer Prize wurde. Laila Lalami ist Professorin für Kreatives Schreiben an der University of California, Riverside. Sie lebt in Los Angeles. Michaela Grabinger hat für Kein & Aber zahlreiche Romane übersetzt, u. a. von Laila Lalami, Elif Shafak, Anne Tyler, Helen Simpson und Russell Franklin.
Produktdetails
- Verlag: Kein & Aber
- Originaltitel: The Dream Hotel
- Artikelnr. des Verlages: 290/05083
- Seitenzahl: 489
- Erscheinungstermin: 13. Oktober 2025
- Deutsch
- Abmessung: 192mm x 129mm x 35mm
- Gewicht: 446g
- ISBN-13: 9783036950839
- ISBN-10: 3036950834
- Artikelnr.: 73952666
Herstellerkennzeichnung
Kein + Aber
Gutenbergstraße 1
82205 Gilching
vertrieb@keinundaber.ch
"Das Dream Hotel" spielt in einer nahen Zukunft in der allen Bürger*innen ein Risikowert zugeteilt bekommen, der sich aus verschiedenen Daten des digitalen Fußabdrucks und realen Ereignissen zusammensetzt. Saras Wert ist aufgrund ungünstiger Umstände ausgerechnet dann …
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"Das Dream Hotel" spielt in einer nahen Zukunft in der allen Bürger*innen ein Risikowert zugeteilt bekommen, der sich aus verschiedenen Daten des digitalen Fußabdrucks und realen Ereignissen zusammensetzt. Saras Wert ist aufgrund ungünstiger Umstände ausgerechnet dann zu hoch, als sie von einer Flugreise zurückkehrt, sodass sie in Präventivhaft genommen wird.
Was dann passiert ist einfach unglaublich. Betreiber der Anstalt ist ein Privatunternehmen, das ungeniert Macht auf die einbehaltenen Frauen ausübt. Beim Lesen war es völlig unvorhersehbar, wie sich die Geschichte entwickelt. Lalami gelingt es eine wahnsinnige Spannung aufzubauen. Oft war es für mich kaum auszuhalten, die Seite zu Ende zu lesen, ohne ins nächste Kapitel vorzublättern um zu sehen, ob es gut ausgehen wird. Selbst auf den letzten fünf Seiten hat mich die Autorin nochmal zum Schwitzen gebracht. Es passiert wahnsinnig viel und trotzdem ist das Buch in keinster Weise überladen. Ich hätte noch ewig weiterlesen können. Würde Lalami eine Reihe aus jeder Insassin der Anstalt machen, ich würde jeden Teil vorbestellen und verschlingen.
Für mich ist das eindeutig die beste Dystopie seit Jahren und ich bin mir sicher, auch mein Jahreshighlight. Wer klassische Dystopien wie "1984" oder "Der Report der Magd" mag, wird auch von diesem Roman begeistert sein. Er kann locker mit diesen Büchern mithalten oder sie sogar übertreffen. Aktualität und Spannung haben auf mich eine solche Faszination ausgeübt, dass ich das Buch quasi durchgehend mit angehaltenem Atem gelesen habe. Schon lange fiel es mir nicht mehr so schwer, ein Buch zur Seite zu lesen. Gleichzeitig habe ich mich darum bemüht, es langsam zu lesen, weil ich schon wusste, wie traurig es sein wird, wenn es beendet ist. Dieser Roman ist wirklich der Pageturner des Jahres. Es bräuchte eigentlich die Kategorie "5 Sterne plus". Absolute Empfehlung!
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Auf dem Rückflug von einem Kongress wird Sara beim Checkout am Flughafen in LA aufgehalten. Ihr Risikowert sei zu hoch, heißt es. Sie sei eine potentielle Gefahr. Grundlage dafür sind ihre Traumdaten. Ein ausgeklügelter Algorithmus soll dafür sorgen, dass potentielle …
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Auf dem Rückflug von einem Kongress wird Sara beim Checkout am Flughafen in LA aufgehalten. Ihr Risikowert sei zu hoch, heißt es. Sie sei eine potentielle Gefahr. Grundlage dafür sind ihre Traumdaten. Ein ausgeklügelter Algorithmus soll dafür sorgen, dass potentielle Straftäter schon vor ihrer Straftat aus dem Verkehr gezogen werden. Und der zieht Daten aus allem, was er in die digitalen Klauen bekommt: Suchanfragen, Familien- und Krankheitsgeschichte, Lebensweise, Bilder von Überwachungskameras und eben Träumen. Und so landet Sara im Zentrum, wo sie beweisen muss, dass sie eben keine Gefahr darstellt.
Was die Frauen und speziell Sara im „Dream Hotel“ an bürokratischer Schikane erleben ist ein einziger Alptraum den selbst Kafka sich nicht besser hätte ausdenken können. Für Kommunikation oder Dinge des täglichen Bedarfs muss man unverhältnismäßig hohe Kosten zahlen. Und das System dahinter ist extrem fehleranfällig – oder von Seiten der Bewacher leicht manipulierbar, je nachdem. Um das nicht-Gefängnis zu verlassen muss man seinen Risikowert verringern. Dafür muss man sich strikt an die Regeln halten. Doch das nützt nichts, wenn die Aufseher diese willkürlich ändern und sehr frei auslegen können. Um die Insassen zusätzlich zu zermürben ist das Essen schlecht und meist zu wenig. Nebenbei ist frau gezwungen im Zentrum zu arbeiten, eben um die hohen Kosten für E-Mails und Anrufe nach draußen zu kompensieren. So erhält sich das System selbst am Leben. Doch nach fast einem Jahr im Zentrum, ohne auch nur eine einzige Chance bekommen zu haben ihre Unschuld zu beweisen, fragt Sara sich, ob Kooperation tatsächlich der beste Weg hinaus ist.
„Das Dream Hotel“ war spannend zu lesen. Die futuristische aber leider auch ziemlich realistisch geschilderte Story hat regelmäßig mein Stresslevel steigen lassen. Die Ungerechtigkeit der bürokratischen Regeln und die Schikane der Aufseher sind kaum auszuhalten. Unweigerlich fragt man sich, wie man selbst in der Situation reagieren würde. Schließlich fühlen sich die Frauen im Zentrum genauso Unschuldig wie die Leserinnen und Leser des Romans.
Die Geschichte bleibt sehr nah dran an Sara, ihren Ängsten und Zweifeln und der Entwicklung, die sie durchmacht. Trotzdem erfährt man nebenbei auch ein wenig über die Hintergründe des Zentrums und die (vermutlichen) Gründe der langen Einbehaltungen. Der kurze Perspektivwechsel in hinteren Drittel des Romans wirkte auf mich daher etwas deplatziert. Die Erkenntnisse daraus, hätte man meines Erachtens eleganter unterbringen können. So hat es die Geschichte für mich unnötig in die Länge gezogen.
Insgesamt ist „Das Dream Hotel“ ein spannender wie unbequemer Roman, der die Gefahren von Überwachung, Übertechnisierung und Machtmissbrauch offenlegt. Dystopisch, realistisch aber mit leisem Hoffnungsschimmer.
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Wenn selbst unsere Träume keine Zuflucht mehr sind, was bleibt uns dann? Diese Frage durchzieht Laila Lalamis Das Dream Hotel, das zu Recht auf der Longlioste des Women’s Prize for Fiction 2025 steht. In einer nahen Zukunft, die sich beklemmend real anfühlt, hat der Staat gelernt, …
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Wenn selbst unsere Träume keine Zuflucht mehr sind, was bleibt uns dann? Diese Frage durchzieht Laila Lalamis Das Dream Hotel, das zu Recht auf der Longlioste des Women’s Prize for Fiction 2025 steht. In einer nahen Zukunft, die sich beklemmend real anfühlt, hat der Staat gelernt, auch das Unbewusste zu vermessen – und damit das Innerste des Menschen in Daten zu verwandeln.
Sara Tilila Hussein, erfolgreiche Geschäftsfrau, Ehefrau und Mutter, wird am Flughafen verhaftet, weil ihre Traumdaten angeblich ein Risiko darstellen: Sie könnte ihrem Mann gefährlich werden. Kein Verbrechen, kein Motiv – nur ein Algorithmus, der Misstrauen in Wahrscheinlichkeiten gießt. Ihre „Unterbringung“ im sogenannten Dream Hotel – einem ehemaligen Schulgebäude, das nun Hightech-Gefängnis, Forschungslabor und profitables Datenzentrum zugleich ist – wird zum Albtraum aus Formularen, Befragungen und Entmündigung.
Laila Lalami entwirft eine Dystopie, die entfernt an Orwells 1984 erinnert, aber weiblicher, leiser und psychologisch schärfer erzählt ist. Während Überwachung und Angst allgegenwärtig sind, durchzieht den Roman etwas Überraschendes: Hoffnung. Nicht die naive, sondern die trotzige, die überlebt, weil sie sich weigert, aufzugeben. Zwischen Schlafphasen, Protokollen und Träumen formt sich bei Sara eine leise Widerständigkeit – das Wissen, dass Menschlichkeit dort beginnt, wo Kontrolle endet.
Die Erzählstruktur spielt mit Fragmenten – offizielle Dokumente, Sitzungsprotokolle, AGBs, Traumsequenzen – und schafft so ein Netz aus Bürokratie und Emotion. Gerade in diesem Wechsel liegt die Kraft des Romans: Er zeigt, wie leicht Freiheit erodiert, wenn Bequemlichkeit und Sicherheit Hand in Hand gehen.
Und doch bleibt Das Dream Hotel kein trostloses Buch. Es ist ein Roman über das Beharren auf Selbstbestimmung – darüber, dass Hoffnung auch in einem System aus Glaswänden und Schlafsensoren überleben kann. Laila Lalami schreibt kühl und poetisch zugleich, präzise und doch voller Empathie.
Fazit: Ein kluger, eindringlicher Roman über Überwachung, Angst und den Mut, nicht alles als gegeben hinzunehmen. Das Dream Hotel ist weniger ein Albtraum als ein Weckruf – und gerade darin liegt seine Hoffnung.
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Das Buch hat mich sofort auf Grund des Covers und des Titels angesprochen. Lässt doch beides auf einen spannenden Roman hoffen. Von der Schriftstellerin habe ich bis jetzt noch nichts gelesen, umso neugieriger war ich auf dieses Werk. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die …
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Das Buch hat mich sofort auf Grund des Covers und des Titels angesprochen. Lässt doch beides auf einen spannenden Roman hoffen. Von der Schriftstellerin habe ich bis jetzt noch nichts gelesen, umso neugieriger war ich auf dieses Werk. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die einzelnen Personen sind mit Bedacht ausgewählt und mit entsprechenden Eigenschaften versehen.
Zur Geschichte, Sarah Hussein kehrt von einer Geschäftsreise zurück. Jedoch statt zu ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern heim zu fahren, wird sie an der Sicherheitskontrolle aufgehalten. Ihr Risk Score wäre zu hoch. So wird sie vorsichtshalber erst einmal für 21 Tage unter Beobachtung gestellt. Doch ob sie danach entlassen wird und was zwischenzeitlich alles passiert, wird an dieser Stelle nicht verraten, damit die Spannung erhalten bleibt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es hat mir eine sehr kurzweilige Lesezeit beschert und es hat sich recht schnell zum wahren Pageturner entwickelt. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter.
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Das Dream Hotel von Laila Lalami hat mich von der ersten Seite an gepackt. Die Grundidee ist verstörend, hochaktuell und unglaublich faszinierend: Eine Gesellschaft, in der nicht mehr Taten, sondern Träume ausgewertet werden, um Menschen als Risiko einzustufen. Allein dieser Ansatz hat bei …
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Das Dream Hotel von Laila Lalami hat mich von der ersten Seite an gepackt. Die Grundidee ist verstörend, hochaktuell und unglaublich faszinierend: Eine Gesellschaft, in der nicht mehr Taten, sondern Träume ausgewertet werden, um Menschen als Risiko einzustufen. Allein dieser Ansatz hat bei mir sofort ein ungutes, aber sehr wirkungsvolles Kopfkino ausgelöst.
Im Zentrum steht Sara Hussein, die nach einer Geschäftsreise plötzlich nicht mehr nach Hause darf, weil ein staatliches System ihre Traumdaten als potenziell gefährlich einstuft. Ohne konkrete Tat, ohne echtes Vergehen wird sie von ihrer Familie getrennt und in eine überwachte Einrichtung gebracht. Besonders erschütternd ist dabei der Kontrast zwischen Saras innerer Hilflosigkeit und der bürokratischen Kälte des Systems, das sich selbst als rational und schützend versteht.
Der Roman erzählt sehr eindringlich von Kontrollverlust, struktureller Ungerechtigkeit und davon, wie schwer es ist, sich gegen ein scheinbar objektives System zu wehren. Die Dynamik zwischen den inhaftierten Frauen, ihre unterschiedlichen Strategien zwischen Anpassung, Hoffnung und Widerstand, fand ich besonders stark. Gleichzeitig bleibt die Geschichte stets nah an Saras Perspektive, was die emotionale Wirkung verstärkt.
Warum „nur“ vier Sterne? An manchen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe oder Konsequenz in der Ausarbeitung der Welt und ihrer Regeln gewünscht. Dennoch ist Das Dream Hotel ein kluger, beunruhigender und sehr lesenswerter Roman, der lange nachhallt und wichtige Fragen zu Überwachung, Freiheit und Selbstbestimmung stellt. Für mich ein echtes Highlight – auch wenn es nicht ganz perfekt war.
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Der Preis des sorglosen Umgangs mit unseren Daten:
Sara Hussein hat vor kurzem gemeinsam mit ihrem Mann Elias Babyzwillinge bekommen. Weil sie vor lauter Übermüdung kaum mehr funktionieren konnte, hat sie sich eine Neuroprothese zur Schlafverbesserung in ihren Kopf einsetzen lassen. Ihr …
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Der Preis des sorglosen Umgangs mit unseren Daten:
Sara Hussein hat vor kurzem gemeinsam mit ihrem Mann Elias Babyzwillinge bekommen. Weil sie vor lauter Übermüdung kaum mehr funktionieren konnte, hat sie sich eine Neuroprothese zur Schlafverbesserung in ihren Kopf einsetzen lassen. Ihr Mann hatte so etwas schon seit längerem und sie wollte mit ihm mithalten und auch für ihre Kinder eine wache, präsente Mutter sein können. Außerdem nutzt Sara schon lange, wie so viele von uns, das Internet und Social Media, hinterlässt überall ihre digitalen Spuren und wird auch im analogen Leben oft von Videokameras aufgezeichnet. Ist ja nichts dabei, das ist ja jetzt unser Leben, oder?
Bis all diese Kleinigkeiten Sara zum Verhängnis werden: auf der Rückreise von einer Konferenz in London fällt sie bei der Einreise in die USA bei der Sicherheitskontrolle auf. Eines kommt zum anderen: durch die Neuroprothese wurden Saras Träume ausgewertet und ihr wird vorgeworfen, eine Gefahr für ihren Mann zu sein. Der Algorithmus habe durch die Analyse ihrer Träume, gemeinsam mit anderen gesammelten und willkürlich gewichteten, gegen sie verwendeten Informationen aus ihrem Leben, einen zu hohen Risikowert ausgerechnet, deshalb müsse sie vorerst für drei Wochen zur eigenen und fremden Sicherheit in einem Zentrum "einbehalten" werden. Das sei kein Gefängnis, nur eine Sicherheitsmaßnahme, und ja auch erst einmal nur für drei Wochen. Dass Sara verzweifelt versucht, sich gegen die Einweisung zu wehren, verschlechtert ihren Risikowert weiter.
Schnell stellt sich heraus, dass sich das Einbehaltezentrum nur wenig von einem Gefängnis unterscheidet und die Insassinnen kaum Rechte haben. Es gibt ein langes Regelbuch, das jede auswendig lernen muss, zusätzlich können aber ständig willkürlich neue Regeln aufgestellt oder Privilegien entzogen werden. Verlangt wird absolute Unterwerfung unter das System und Gehorsam gegenüber den Aufsehern, doch auch dann wird kaum eine Frau nach den versprochenen drei Wochen entlassen, sondern der Aufenthalt wird immer wieder verlängert, auf unbestimmte Zeit.
Parallel dazu erleben wir eine Gesellschaft, die sich damit abgefunden hat, dass die Daten von Menschen überall ausgewertet und kommerziell und politisch genutzt werden. Viele finden es sogar gut, dass damit die Gesellschaft sicherer werde, weil zukünftige Verbrechen verhindert werden würden, wenn man Menschen festnehmen könne, bevor sie diese begehen würden. Das ungerechte und menschenverachtende System dahinter wird nur von wenigen erkannt oder angezweifelt. Das muss auch Sara nach ihrer Festnahme erfahren: alle glauben an das System und seine Gerechtigkeit. Wer inhaftiert wurde, mit der muss irgendetwas nicht stimmen. Ihr Mann wirft ihr vor, sich im Zentrum offensichtlich nicht kooperativ genug zu verhalten, sonst wäre sie ja schon längst wieder frei. Auch ihr Vater – ein marokkanischer Immigrant, der sein ganzes Leben lang gelernt hat, sich dem amerikanischen System anzupassen und sich unauffällig zu verhalten – meint, sie wäre wohl nicht unterwürfig genug aufgetreten, sonst wäre sie am Flughafen nicht festgenommen worden.
Auch die Frauen, die neu in das Zentrum eingeliefert werden, glauben anfangs immer noch, dass sie sich mit Wohlverhalten eine schnelle Entlassung verdienen könnten und nur „die anderen“ die gefährlichen potentiellen Straftäterinnen seien, nicht sie selbst. So kommt es, auch verstärkt durch die ständige Überwachung, sehr lange zu kaum Solidarisierung unter den inhaftierten Frauen.
Das „Dream-Hotel“ von Laila Lalami ist eine kluge und erschreckende, sehr realistisch konstruierte Dystopie, die in einer nicht so fernen Zukunft spielt und unserer modernen Gesellschaft in vielem einen Spiegel vorhält. Abgesehen von der Träume aufzeichnenden Neuroprothese gibt es große technologische und gesellschaftliche Ähnlichkeiten zu der Zeit, in der wir uns schon jetzt befinden. Es ist also ein sehr kluges Buch, das nachdenklich darüber macht, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, aber auch, in welcher wir jetzt schon leben und welches enorme Risiko damit verbunden ist, unsere Daten gewinnorientierten Unternehmen zur Verfügung zu stellen – aber auch, wie schwierig es ist, aus diesem System auszusteigen: auch im Buch gibt es einzelne Aussteiger, aber diese müssen wie vor Jahrhunderten leben, um sicherzustellen, keine Daten von sich preiszugeben.
Geschrieben ist das Buch auf eine sehr spannende, aber auch beklemmende Art und Weise. Ich habe mich sehr mit der „einbehaltenen“ Sara und den anderen Frauen verbunden gefühlt, mit ihnen mitgefiebert, auf Entlassung gehofft und bin mit ihnen wütend über dieses zutiefst ungerechte System geworden. Die Lektüre hat also neben dem aufrüttelnden Faktor auch einen guten Unterhaltungswert.
Das Ende habe ich auch durchaus plausibel gefunden, auch wenn man inhaltlich aus einigen Themensträngen und aus dem Thema insgesamt noch ein bisschen mehr machen hätte können, deshalb in Summe 4 von 5 Sternen.
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Laila Lalami erzählt in ihre Dystopie “Dream Hotel” von einem Amerika, in der modernste KI-Technik für die umfassende Überwachung aller Einwohnenden eingesetzt wird. Durch die KI-gesteuerte Auswertung aller verfügbarer Daten einschließlich der nachts gewonnenen …
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Laila Lalami erzählt in ihre Dystopie “Dream Hotel” von einem Amerika, in der modernste KI-Technik für die umfassende Überwachung aller Einwohnenden eingesetzt wird. Durch die KI-gesteuerte Auswertung aller verfügbarer Daten einschließlich der nachts gewonnenen Neuroaufzeichnungen soll errechnet werden, wann ein Mensch zum Risiko wird. Kommt es zu einer Überschreitung des Grenzwertes, landet er oder sie im Einbehaltungszentrum, bis sich der Wert wieder senkt. Laila Lalami beschreibt die Willkür, der die Menschen in diesem System ausgesetzt sind – zumal sich bei der Analyse insbesondere der Träume immer wieder immense Fehler einschleichen.
In den Mittelpunkt stellt die Autorin Sara, die aus ihrem Leben einfach so herausgerissen wird. Sie erzählt von ihren Ängsten, ihrer Hilflosigkeit und der aufkeimenden Wut gegen das System. Laila Lalami gelingt mit “Dream Hotel” eine ebenso spannende wie beängstigende Dystopie, die gar nicht so weit in der Zukunft zu liegen scheint, denn die KI-gesteuerten Algorithmen der Big Data-Auswertung bestimmen schon heute über viele Bereiche unseres Alltags. Traue niemals einem System, so warnt uns Lalami, das sich selbst für perfekt hält.
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Meine Meinung
Packende Grundidee, toller Schreibstil
Ich habe "Das Dream Hotel" von Laila Lalami gelesen und war tief beeindruckt, aber auch erleichtert, dass diese Welt, so glaubwürdig sie geschildert ist, hoffentlich noch weit von unserer Realität entfernt bleibt. Der …
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Meine Meinung
Packende Grundidee, toller Schreibstil
Ich habe "Das Dream Hotel" von Laila Lalami gelesen und war tief beeindruckt, aber auch erleichtert, dass diese Welt, so glaubwürdig sie geschildert ist, hoffentlich noch weit von unserer Realität entfernt bleibt. Der Roman entwirft ein Szenario, in dem Träume von Algorithmen überwacht und analysiert werden, um das Risiko zukünftiger Straftaten zu bewerten. Allein diese Vorstellung ist gleichermaßen faszinierend und beängstigend. Lalami führt vor, wie schnell Kontrolle, Sicherheit und Überwachung zu einem entmenschlichten System verschmelzen können. Ich fand das erschütternd und gleichzeitig fesselnd.
Was mich besonders überzeugt hat, ist die Sorgfalt, mit der Lalami ihre dystopische Welt konstruiert. Alles wirkt durchdacht: die Bürokratie, die Sprache der Behörden, die kalte Logik des Systems. Die Autorin beschreibt kein Horrorszenario (indirekt aber schon bei der Vorstellung), sondern eine scheinbar vernünftige Ordnung, die sich nach und nach als Albtraum entpuppt. Gerade diese Ruhe, dieses Fehlen offener Gewalt, macht das Buch so intensiv. Ich hatte ständig das Gefühl, dass etwas Grundsätzliches nicht stimmt. Eine unterschwellige Unruhe, die bis zur letzten Seite anhält und mich als Leserin absolut gefesselt hat.
Auch sprachlich hat mich der Roman überzeugt. Lalami schreibt präzise, dicht, ruhig und ohne unnötige Ausschmückung.
Für mich ist "Das Dream Hotel" ein großartiger, eindringlicher Roman, eine phänomenale Idee eines erschreckenden Szenarios. Tolles Buch!
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Träume – laut Definition das Erleben von Bildern und Ereignissen während des Schlafs – sind etwas zutiefst Persönliches und lassen sich (meistens) weder beeinflussen noch einer anderen Person so richtig zugänglich machen. Was passiert jedoch, wenn Träume nicht …
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Träume – laut Definition das Erleben von Bildern und Ereignissen während des Schlafs – sind etwas zutiefst Persönliches und lassen sich (meistens) weder beeinflussen noch einer anderen Person so richtig zugänglich machen. Was passiert jedoch, wenn Träume nicht mehr privat bleiben, sondern von Tech-Unternehmen benutzt werden? Dieser Frage widmet sich Laila Lalami in ihrem neuen Roman „Das Dream Hotel“ ausführlich und in beklemmender Weise.
Als die Historikerin Sara Hussein nach einer Geschäftsreise erschöpft am Flughafen Los Angeles ankommt, möchte sie eigentlich nur noch nach Hause zu ihrem Ehemann und ihren Zwillingen. Die KI-basierte Abfertigung bei der Passkontrolle lässt sie auf eine schnelle Prozedur hoffen, ist diese doch neutral und lässt sich nicht von fremdartig klingenden Namen und Aussehen beeinflussen. Als sie dann trotzdem aufgehalten wird und letztendlich in eine vorsorgliche Haft in einem Einbehaltungs-Zentrum genommen wird, versteht sie die Welt nicht mehr. Die Auswertung ihrer Dreamsaver-Daten (ein Implantat zur Regulierung des Schlafs) hat ergeben, dass sie eine Gefahr für ihren Ehemann darstellen könnte. Zu Beginn versucht Sara noch verzweifelt, ihre Unschuld zu beweisen, kommt jedoch gegen den Algorithmus und gegen die Regeln im Zentrum nicht an, so dass sich die Einbehaltungs-Zeit immer wieder verlängert. Als sie mehr und mehr die Verbindung zu ihrer Familie zu verlieren droht, kommt sie ins Handeln und versucht mit anderen Mitteln, dem System zu entkommen.
Mir hat die Vielfältigkeit dieses dystopischen Romans sehr gut gefallen. Man erfährt nicht nur Saras Geschichte, sondern auch die einiger Mitinsassinnen und durch die differenzierte Beschreibung einer Welt, wie sie in einigen Jahren mit der Weiterentwicklung der KI aussehen könnte, bleibt die Geschichte durchgehend spannend und es werden meiner Meinung nach auch einige interessante psychologische und soziologische Themen aufgegriffen. Ich habe mir während des Lesens ganz unterschiedliche Fragen zur Nutzung der KI gestellt, die mich wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen werden. Auch der Schreibstil ist flüssig und eingängig und die Autorin erschafft auf raffinierte Art eine Dystopie, die man sich sehr gut vorstellen kann.
Für mich kam lediglich der Schluss etwas zu abrupt und er war im Gegensatz zum Rest des Romans fast schon zu glatt und somit ein bisschen unglaubwürdig. Trotz dieses kleinen Mankos kann ich den Roman uneingeschränkt empfehlen, denn er regt dazu an, sich kritisch mit den Problemen des digitalen Zeitalters auseinander zu setzen.
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Was finsteres Buch! Es ist ein bisschen die moderne Version von 1984.
Man stelle sich vor, die Menschheit wird maximal überwacht. Überall wird dein Verhalten beobachtet, gescannt, bewertet und gespeichert. Sogar deine Träume fließen mit in die Bewertung ein und wenn dann …
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Was finsteres Buch! Es ist ein bisschen die moderne Version von 1984.
Man stelle sich vor, die Menschheit wird maximal überwacht. Überall wird dein Verhalten beobachtet, gescannt, bewertet und gespeichert. Sogar deine Träume fließen mit in die Bewertung ein und wenn dann jemand als potenzieller Gefährder erkannt wird, wird er vorsorglich in Gewahrsam genommen.
Das passiert Sara, die sich keiner Schuld bewusst ist, aber trotzdem am Flughafen festgehalten wird. Sie wird vorübergehend zur Beobachtung einbehalten. Sara ist sich sicher, dass das ein Irrtum sein muss, aber es ist bitterer Ernst. Sie landet in einem Gefängnis, das nicht Gefängnis genannt wird und in dem ihr Verhalten ständig bewertet wird, je nach Laune der Bewacher. Es ist eigentlich gar nicht möglich deren Ansprüchen gerecht zu werden. Wie soll sie jemals wieder zu ihrer Familie zurückkommen?
Die Situation ist ausweglos und beklemmend und steigert sich tatsächlich immer weiter. Mit grausamer Konsequenz legt die Autorin immer wieder noch eine Schippe drauf. Und so absurd es klingt, kommt einem das Szenario doch schrecklich realistisch vor.
Was kann KI und was sollte man KI tun lassen? Ab wann wird technische Unterstützung zu Kontrolle und wer hat eigentlich den Nutzen davon? Wo bleibt Individualität, wenn sie nicht ins Profil passt und ein Algorithmus dein Leben bestimmt.
All das wird hier anhand eines höchst plastischen Beispiels untersucht. Es ist ein böses Buch, das gleichermaßen unterhält, verstört und nachdenklich macht. Ich habe es gerne und voller Ehrfurcht gelesen und bin beeindruckt.
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