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Die morawische Nacht
Erzählung
- Einband: Buchleinen
- Buch mit Leinen-Einband
Produktinformation
- Verlag: Suhrkamp
- 2008
- Ausstattung/Bilder: 2008. 560 S.
- Seitenzahl: 560
- Best.Nr. des Verlages: 41950
- Deutsch
- Abmessung: 205mm x 132mm x 40mm
- Gewicht: 648g
- ISBN-13: 9783518419502
- ISBN-10: 3518419501
- Best.Nr.: 22804646
Produktbeschreibung zu "Die morawische Nacht"
Beschreibung
Die erste Überraschung erleben die Bekannten gleich beim Betreten des Boots: Der für seine Distanz zu den Frauen berüchtigte Ex-Autor empfängt sie in Begleitung einer – Angestellten?, Gefährtin?, Geliebten? Auf das Abendmahl folgt eine lange Erzählung, in der die Stimme des Autors dominiert, in die sich zuweilen die Stimmen der anderen männlichen Anwesenden einpassen. Von einer gerade beendeten Rundreise des Bootsbesitzers durch das westliche Europa handelt die Erzählung. War er wirklich auf der Flucht vor einer Gefahr, etwa vor einer Frau, die ihm mit dem Tod drohte? Wie hat man sich das Symposium über den Lärm vorzustellen, an dem er angeblich in Spanien teilgenommen hat? Was hat es mit dem Treffen aller Maultrommelspieler dieser Erde vor Wien auf sich? Warum will er gerade zu diesem Zeitpunkt den Wohnort seines verstobenen Vaters in Deutschland aufsuchen? Und wo hat er die Frau getroffen? Und überhaupt: Wie lange dauerte die Reise?
In dieser romanlangen Erzählung Peter Handkes nimmt die Wirklichkeit unserer Gegenwart immer bedrückendere Gestalt an. Gleichzeitig wird das Gewicht der Welt ein anderes – ein leichteres?
Was nun erwartet den Leser? Ein »nächtliches Buch«? »Nicht wenige solcher nächtlichen Bücher hatte der Autor im Lauf seines Lebens verfasst, die vom Tageslicht in nichts aufgelöst worden waren. In nichts? Wirklich?«
Am 3. Juni 1959 erschien in der Kärntner Volkszeitung die erste literarische Publikation des noch nicht einmal 17 Jahre alten Peter Handke: eine Erzählung mit dem Titel "Der Namenlose". Auf den ersten Roman "Die Hornissen" (1966) folgten in den sich anschließenden vier Jahrzehnten mehr als sechzig Bücher. Jedes von ihnen erkundet unsere Welt auf eigene und besondere Weise neu - all diese Bücher zusammen haben unsere Sprache und Wahrnehmung, unser Denken und Handeln radikal verändert.
Leseprobe zu "Die morawische Nacht" von Peter Handke
05.01.2008
Der Prinz von Nirgendwo
Sein Balkan ist nicht mehr von dieser Welt: Mit der langen
Erzählung "Die morawische Nacht" wendet sich Peter Handke
der eigenen Vergangenheit zu und läutet gelassen sein Alterswerk
ein.
Von Hubert Spiegel
Zu der Zeit, da diese Geschichte spielt, waren aus einer anderen
Zeit noch ein paar übrig, die der Idee oder dem Hirngespinst von
einem zusammenhängenden großen Land auf dem Balkan, in einem
anderen Europa nachhingen." Aber es sind nur noch wenige,
vereinzelte, und sie wissen, dass am Gang der Geschichte nicht mehr
zu rütteln ist. Immer weniger werden sie, dezimiert durch
plötzliche, nicht selten gewaltsame Todesfälle und Selbstmorde. Wer
übrig bleibt, wird wunderlich, paranoid, verrückt. Zum Schluß sind
es nur noch drei, die an einer letzten "Konferenz"
teilnehmen. Sie findet statt in der slowenischen Delana Dolina,
einer kreisrunden tiefen Grube im Karst oberhalb von Triest, der
"Mutter aller Karste."
Hie kommen ein ausgemergelter ehemaliger amerikanischer
Außenminister, eine zierliche japanische Motorradrennfahrerin und
ein "abgedankter Autor" zusammen, um des "alten
Karstweltreiches" zu gedenken …
12.01.2008
Ein dunkler Morgen, wie geschaffen zum Aufbrechen
Einen solchen Peter Handke gab es noch nicht: Die „Morawischen Nacht” ist die Erzählung einer rigorosen Selbstprüfung
Der Bus ist alt, trägt noch die gelbe Farbe der österreichischen Post und stößt dicken, schwarzen Rauch aus. Er steht eines Morgens in einem Dorf auf dem Balkan, nimmt seine Passagiere auf und fährt auf die Schnellstraße, die in einigem Abstand am Dorf vorbeiführt. Erst allmählich werden die Umstände dieser Reise offenbart: Über das Land ist ein Krieg hinweggegangen. Zwar sind neue Brücken an die Stelle der alten, zerstörten errichtet worden. Aber das Dorf ist eine Enklave in einer feindlichen Umgebung, und die Fahrt führt in die Hauptstadt: nach Belgrad. Der Leser ergänzt die Namen: Hier ist vom Kosovo die Rede, und das Dorf ist eine serbische Enklave. Aber die Namen tun eigentlich nichts zur Sache. Denn dies ist keine Reportage, sondern eine Erzählung in Bildern, die so präzis und lebendig sind, dass der Leser sofort seinen Platz findet neben dem Erzähler, auf denselben verschlissenen Sitzen, und neben ihm betrachtet er die kauenden, Sudoku lösenden …
07.01.2008
Martin Krumbholz nimmt etwas überrascht und vielleicht auch ein
bisschen erleichtert zur Kenntnis, dass das neue Buch von Peter
Handke, das schon im Titel den Balkan als Reflexionszentrum angibt,
keinerlei Zündstoff für politische Debatten enthält. Ein
Schriftsteller, den man laut Rezensent getrost als Alter Ego
Handkes lesen kann, wenn das Buch ansonsten auch keinen
autobiografischen Hintergrund hat, hat Freunde auf sein Hausboot
auf der Morawa eingeladen und erzählt ihnen eine Nacht lang von
Erinnerungen einer Reise durch Europa, fasst der Rezensent
zusammen. Politisch wie poetologisch gibt sich dieses Buch
"defensiv" und beschwört nicht nur den "Balkan"
als utopischen Ort jenseits politischer Auseinandersetzungen,
sondern verteidigt auch die Literatur als Anschauungskunst
gegenüber zweckgebundenem Schreiben. Für Krumbholz ist das jüngste
Buch Handkes ein grandioses Werk, das, wenn es über ein Treffen von
Maultrommlern in Wien oder über eine "multikulturelle
Krypta" erzählt, mit wunderbar unmittelbaren und anschaulichen
Beobachtungen aufwartet, die in dieser Form bei keinem anderen
Autor heute zu finden sind, wie der Rezensent berückt preist.
© Perlentaucher Medien GmbH
Autorenporträt zu "Peter Handke"
Peter Handke wurde 1942 in Griffen/Kärnten geboren. Nach seiner Kindheit, die er im Berliner Ostsektor und in Griffen verlebte, studierte er in Graz Jura. 1965 brach er nach der Veröffentlichung seines ersten Romans sein Studium ab und arbeitet seither als freiberuflicher Schriftsteller. Er lebte zunächst in Graz, dann in Düsseldorf und Berlin, Paris, Kronberg im Taunus, in den USA und ab 1979 längere Zeit in Salzburg. Zur Zeit wohnt er in Chaville in Frankreich. 1973 wurde Peter Handke mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet und 2007 erhielt er den Berliner Heinrich-Heine-Preis, 2008 den Thomas-Mann-Literaturpreis, 2009 wurde er mit dem Franz-Kafka-Literaturpreis ausgezeichnet.
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