Das Gleichgewicht der Welt - Mistry, Rohinton

Rohinton Mistry 

Das Gleichgewicht der Welt

Roman. Ausgezeichnet mit dem Giller Prize 1995 und dem Commonwealth Writers Prize 1996, Best Book

Aus d. Engl. v. Matthias Müller
Broschiertes Buch
 
4 Kundenbewertungen
***** ausgezeichnet
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Produktbeschreibung zu Das Gleichgewicht der Welt

Man schreibt das Jahr 1975. Der Ort: Bombay. Hier treffen vier Menschen aufeinander, deren Schicksale im Mittelpunkt des Romans stehen. Dina Dalal, eine Frau Anfang Vierzig und seit fast zwanzig Jahren verwitwet; Maneck Kohlah, ein junger Student aus dem Gebiet des Himalajas; Ishvar Darji, ein unglaublicher Optimist und sein widerspenstiger junger Neffe Omprakash - zwei Schneider, die vor den unerträglichen Verhältnissen auf dem Land in die Stadt geflohen sind. Diese vier lernen sich kennen, achten und lieben und werden doch vom Schicksal wieder auseinandergerissen.
Rohinton Mistry holt weit aus und erzählt von den Lebenswegen, die diese Menschen zu dem gemacht haben, was sie sind. Seine großen erzählerischen Bögen führen den Leser von den grünen Tälern des Himalaja bis in die Straßen von Bombay. Er erzählt von Rajaram, dem Haarsammler; dem geschäftstüchtigen Bettlermeister, Herr über eine Bettlerarmee; oder Mr. Valmik, einem Korrekturleser, der eine Allergie gegen Druckerschwärze entwickelt.
»Laß mich ein Geheimnis verraten«, sagt Mr. Valmik zu Maneck. »So etwas wie ein uninteressantes Leben gibt es nicht.« Und dies trifft zu auf die Schicksale, die Rohinton Mistry meisterhaft miteinander verknüpft. »Das Gleichgewicht der Welt« läßt den indischen Subkontinent vor den Augen der Leser entstehen - und es ist ein gewaltiges wie auch gewaltsames Bild einer Gesellschaft, die nur auf den ersten Blick fremd erscheint.

Produktinformation


  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2009
  • 10. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 862 S.
  • Seitenzahl: 864
  • Fischer Taschenbücher Bd.14583
  • Deutsch
  • Abmessung: 194mm x 121mm x 40mm
  • Gewicht: 480g
  • ISBN-13: 9783596145836
  • ISBN-10: 359614583X
  • Best.Nr.: 08135240
"Ein Kosmos, in den man sich nächtelang versenken kann ..." (Brigitte)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.04.1998

Hart wie das Herz des Staates
Überlebensmutig: Rohinson Mistrys Panorama des modernen Indien

Was für Berufe wir kennenlernen! Da ist der "Erleichterer", der im Umkreis der Ämter und Behörden seinem Gewerbe nachgeht. Wenn ein einfacher Inder vor die Polizei oder das Meldeamt, die Finanzprokuratur oder die Militärbehörde geladen wird, dann weiß er, daß es um seinen Kopf, die Einberufung seines Sohnes oder das wenige Geld geht, das er sich erspart hat. Der Erleichterer wird ihm den schweren Gang erleichtern; er kennt den zuständigen Beamten, schätzt die finanziellen Möglichkeiten des Bürgers ein und handelt das Schmiergeld aus, damit alles bleibt, wie es ist: "Solange es den Staat gibt, wird es Arbeit für mich geben."

Oder der "Bettlermeister", der in Bombay, wo die Zahl derer, die vom Betteln und auf der Straße leben, die Million überschreitet, nicht nur ein wichtiger, sondern ein mächtiger Mann ist. Alle paar Straßenzüge gibt es einen, und wenn irgendwo ein Bettler, der sich unter seinen Schutz gestellt hat, von einem Reichen beleidigt, von einem Polizisten geschlagen wurde, dann hat er seine Macht zu erweisen, sonst bekommt er …

Rohinton Mistry wurde 1952 in Bombay, Indien, geboren und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Toronto, Kanada. Für seine Romane wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. "Das Gleichgewicht der Welt" (Wolfgang Krüger Verlag 1998) erscheint im Dezember 1999 im Fischer Taschenbuch Verlag (Bd. 14583), "So eine lange Reise" liegt bereits vor (Bd. 14006).

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Kundenbewertungen zu "Das Gleichgewicht der Welt" von "Rohinton Mistry"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4.8 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 4 Bewertungen)
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Bewertung von Helga aus Worms am 13.01.2012 ***** sehr gut
Eins gleich vorab: Das war schwere Kost, nicht vom Lesen her, aber vom Inhalt. Selten hat mich ein Buch noch so lange beschäftigt, nachdem ich es aus der Hand gelegt hatte.

Rohinton Mistry hat einen im Großen und Ganzen leicht verständlichen und flüssigen Schreibstil. Ein Register am Ende des Buches mit den vielen indischen Begriffen, wäre aber hilfreich gewesen.
Mistry bedient sich einer recht blumigen und ausdrucksstarken, zeitweise aber auch sehr deftigen Sprache, mit denen er die unterschiedlichen Situationen sehr anschaulich wiederzugeben vermag. Sein feiner Humor zeigt sich in Kleinigkeiten. Hin und wieder finden sich aber auch recht merkwürdige Formulierungen, die nicht wirklich passen wollten, möglicherweise aber auch der Übersetzung geschuldet und daher verzeihlich sind.

Schön auch die verschiedenen Parabeln, die Mistry in seine Geschichte eingebaut hat, manche offensichtlich wie die Patchworkdecke oder das gekühlte Leben. Andere versteckter und nur schwer oder im Nachhinein erkennbar. So fragte ich mich, warum Mistry von dem übel riechenden Schmutz an Dinas Schuhen erzählt. Erst mindestens viele Seiten später fiel mir diese kleine Episode wieder ein und ich begann mich zu fragen, ob das nicht auch eine Art Gleichnis gewesen sein könnte, denn bald darauf war alles, was den Hauptpersonen widerfuhr, nur noch Sch.... Es gibt in diesem Buch so viele dieser „unnötigen“ Elemente, doch inzwischen frage ich mich, ob sie wirklich so unnötig sind oder ob ich es einfach nur nicht erkannt habe.

Mistry erzählt in epischer Breite und verliert sich manchmal in Einzelheiten. Die eine oder andere Kürzung hätte dem Buch sicher nicht geschadet. Es brauchte geraume Zeit, bis ich in der Geschichte „drin“ war, aber dann nahm sie mich gefangen und ließ mich nicht mehr los.

Ich hatte mich nie zuvor wirklich mit der Geschichte Indiens beschäftigt. Klar man hat schon von Indira Gandhi und dem Kastensystem gehört. Man weiß, dass es die „Unberührbaren“ gibt und auch die Erkenntnis, dass das Leben für die niedrigen Kasten in Indien nicht einfach war und ist, ist nicht wirklich neu. Aber ich hatte nicht wirklich eine Vorstellung davon, was dort tatsächlich passiert ist und so wurde ich beim Lesen von der Brutalität der Ereignisse mit einer Wucht getroffen, die mich benommen machte.
Beeindruckt hat mich, wie die Menschen im Buch mit ihrem Schicksal umgehen. . Mistry streut das Glück nur sehr sparsam über seinen Protagonisten aus und dennoch wissen sie, dieses zu nutzen und zu genießen. Wer weiß, für wie lange...

Was mir zuerst gar nicht aufgefallen ist, aber irgendwann, etwa ab der Mitte des Buches nicht mehr zu übersehen war, waren die zahlreichen Bezüge und Verweise auf den Buchtitel. Ob nun tatsächlich von einem Gleichgewicht oder der Balance oder von Waagschalen die Rede war, immer wieder weist Mistry den Leser darauf hin. Besonders auf den Seiten um 500 herum taucht das „Motiv“ alle paar Seiten in irgendeiner Form wieder auf.

Aber was ist das eigentlich – das Gleichgewicht der Welt? Und warum heißt das Buch so? Diese Frage beschäftigt mich noch immer. Sicher: Mistry gibt immer wieder kleine Erklärungen und Hinweise, aber kann es das sein? Wo gibt es dieses Gleichgewicht? Worin besteht es? Wie ist es zu verwirklichen? Was liegt in den beiden Waagschalen? Reich und arm? Willkür und Duldsamkeit? Verzweiflung und Hoffnung? Und wie fragil ist dieses Gleichgewicht? Wie schnell wird es gestört und zerstört?

Fazit: Ein Buch der Gegensätze. Ein Buch der Hoffnung und ein deprimierendes Buch. Ein Buch weit weg von Bollywood.

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Bewertung von Ruth Justen aus Leipzig am 25.11.2011 ***** ausgezeichnet
Vor 35 Jahren hatte ich einen Englischlehrer, der vorher an einer Schule in Bombay – Verzeihung heute Mumbay – unterrichtet hatte. Manchmal erzählte er von seinen Erlebnissen. Er berichtete von Leichen, die auf dem Bürgersteig lagen und über die man stieg, als ob eine Zigarette im Wege läge. Ich stellte mir dieses Land unvorstellbar grausig vor.

Wie kann man nur so kalt und unbarmherzig sein und den Tod ignorieren, während man selber lachend und schwatzend durch die Metropole flaniert? Wir tun nichts anderes! Nur das der Tod bei uns in der Regel nicht direkt vor den Füßen zu finden ist. Wir müssten ins Internet gehen, die Tagesschau anschauen oder uns Rohinton Mistrys "Das Gleichgewicht der Welt" durchlesen, um ihn zu vergegenwärtigen.

Mistry taucht tief in das Elend Bombays Mitte der 70er Jahre ein. Er schildert die Hoffnungen und Enttäuschungen seiner Figuren im Großstadtdschungel. Besonders bewegend ist das Schicksal der beiden Schneider, die sich vor religiösen Verfolgungen nach Bombay geflüchtet hatten. Mistry ist ein sprachgewaltiger und zutiefst verstörender Roman gelungen, der mich noch wochenlang beschäftigten wird.

Fischer Taschenbuch Verlag 2010

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Bewertung von Anam aus Mainz am 17.01.2010 ***** ausgezeichnet
Es dauerte einige Zeit, bis ich mich in dieses Buch eingelesen habe, aber dann genoss ich jede Seite, jeden Satz. Oft legte ich das Buch zur Seite um das gerade gelesene, in meiner Vorstellung erlebte nachzuvollziehen. Dieses Buch, diese Geschichte einfacher Menschen, hat mich zutiefst berührt.Authentisch, bestens recherchiert, erstklassig. Ein absolutes Highlight in meinem Bücherregal.

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Bewertung von Uli Maschio aus Wiesloch am 12.07.2006 ***** ausgezeichnet
Genial! Man fühlt, schmeckt, riecht, erlebt das wahre Indien, und am Ende des Buches ist einem, als habe man gerade einige neue, gute Freunde gefunden, so nahe geht einem das Schicksal der Figuren. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher, das ich mehrererere Male gelesen habe.

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