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Das Mädchen, 7 Audio-CDs - King, Stephen
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Die neunjährige Trisha unternimmt mit ihrem Bruder und ihrer Mutter eine Wanderung. Sie verlässt kurz den Weg - und verläuft sich im Wald. Hunger und Durst, Schwärme von Mücken, Einsamkeit und Dunkelheit sind nicht ihre einzigen Begleiter ...

Produktbeschreibung
Die neunjährige Trisha unternimmt mit ihrem Bruder und ihrer Mutter eine Wanderung. Sie verlässt kurz den Weg - und verläuft sich im Wald. Hunger und Durst, Schwärme von Mücken, Einsamkeit und Dunkelheit sind nicht ihre einzigen Begleiter ...
  • Produktdetails
  • Verlag: Lübbe
  • ISBN-13: 9783404771691
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3404771699
  • Best.Nr.: 20838751
  • Erscheinungstermin: 20.02.2007
Autorenporträt
Stephen King wurde 1947 in Portland, Maine, geboren. Er war zunächst als Englischlehrer tätig, bevor ihm 1973 mit seinem ersten Roman 'Carrie' der Durchbruch gelang. Seither hat er mehr als 30 Romane geschrieben und über 100 Kurzgeschichten verfasst und gilt als einer der erfolgreichsten Schriftsteller weltweit. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk.
Stephen King lebt mit seiner Frau Tabitha in Bangor, Maine.
Stephen King
Rezensionen
Besprechung von 11.01.2000
Liebe ist doch wärmer als der Tod
Stephen King sieht in seinem neuen Roman „Das Mädchen” den Wald vor lauter Bäumen
Obwohl schon seit Jahrhunderten vermessen, durchforstet, urbanisiert und domestiziert, ist der Wald noch immer die beste aller denkbaren Welten, um Verlassenheit, Einsamkeit, Angst und Schrecken Wirklichkeit werden zu lassen. Das zeigte jüngst das Kino mit dem „Blair Witch Project”, und es zeigt sich jetzt auch wieder in der Literatur. Alle Waldgeschichten schienen längst erzählt zu sein, Hexen und Werwölfe längst ausgespielt zu haben, Stephen King aber braucht in seinem neuen Roman Das Mädchen”, der aparterweise mit schwarzem wie mit weißem Umschlag zu haben ist, wenig mehr als einige Quadratkilometer Forst, und schon lauern alle Schrecken dieser Erde hinterm nächsten Baum.
Die neunjährige Patricia MacFarland, genannt Trisha, verirrt sich bei einem Ausflug mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in den Wäldern von Maine. Bis sie gefunden wird beziehungsweise selbst aus dem Wald herausfindet, dauert es etwa zwei Wochen. Der Roman erzählt von dieser Zeit im Wald, nicht mehr und nicht weniger. In erster Linie ist dieses Buch also ein Buch über die Einsamkeit. Die Lesestrecke, die wir dabei zurücklegen – 300 Seiten – ist für Kings Verhältnisse ziemlich kurz. Nun hat Einsamkeit, gerade in der englischsprachigen Literatur, die ja auch eine der Seefahrer ist, eine große Tradition – King kann da nicht weiterschreiben, er ist und bleibt ein Spezialist der Angst. Die heran kriechenden Schrecken beschreibt er souverän, für die Verlassenheit des Mädchens findet er dagegen keine vergleichbar schlüssige Dramaturgie.
Schon mit den ersten Sätzen entrollt King allerdings den doppelten Boden, auf dem all seine Monstrositäten wachsen. Trisha verirrt sich nicht zufällig, sondern weil sich ihre Mutter und ihr Bruder schon wieder streiten. Das ist einfach nicht auszuhalten! Tatsächlich ist Trisha von Anfang an einsam und verlassen. Alle Schrecken, die da kommen werden, sind von diesem Anfang an da, versteckt, aber nicht mehr zu vertreiben.
Trotzdem steckt der Clou des Buches nicht in dem versiert entfalteten Horrorszenario, in dem Ameisen noch längst nicht das Schlimmste sind. Kings genialer Schachzug besteht nicht darin, dass er eine Art Wespenmonster erfindet, das einerseits wie ein Bär aussehen kann, und das andererseits auch den immer heftiger werdenden Fieberphantasien das Mädchens geschuldet sein könnte, und damit noch genug Realitätsbezug hat, um auch für Wirklichkeits- und Vernunftsfanatiker durchgehen zu können – seine eigentliche Idee ist ein Walkman mit Radio.
Ein großer Wurf
Und das geht so: King scheint eine private Obsession für die Red Sox, das Bostoner Baseball-Team, in Trishas präpubertäre Liebe für deren (real existierenden) Werfer Tom Gordon umgemodelt zu haben. Dieser Gordon ist nicht nur Trishas Abgott, er wird auch zu ihrem wirklichen Schutzengel. Er steht ihr als einziger, vor Eltern und Bruder, wirklich zur Seite, jetzt wo es drauf ankommt. Sie hört die Spiele der Sox im Walkman, das reicht, um ihre Beziehung zu Gordon zu einer tragfähigen zu machen, das reicht, um ihr Schicksal letztlich positiv zu wenden. Trisha tritt den Schrecken der Einsamkeit so gegenüber wie Gordon dem Gegner und sie wird dadurch bestehen – auch wenn ihre Verbindung zu dem Werfer unglücklicherweise von der Lebensdauer ihrer Batterien abhängt. Nicht umsonst heißt das Buch im Original „The Girl Who Loved Tom Gordon”.
Was also braucht man, um im Wald überleben zu können? Etwas zu essen und trinken? Warme Kleidung und einen Regenschutz? Ein Messer und ein Feuerzeug? Insektenspray und Verband? Gute Nerven und eine Pfadfindergrundausbildung? – Nichts von alledem ist so wichtig, wie, sagen wir es ruhig abstrakt, ein geliebtes Objekt. „Das Mädchen” ist also nichts als eine neue Variation auf das alte „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein”. Möglicherweise gilt das Sprichwort ungebrochen: bis heute und für alle möglichen Welten.
Gern wird ebenfalls bis heute die als Geschichtenort ungebrochene Attraktivität des Waldes qua Negativum erklärt: Was sich in den Waldwelten abbilde, sei die Angst aus der geschlossenen, zivilisierten Welt herauszufallen. Der Rückfall in den einst noch selig machenden Naturzustand ist zur Horrorvision des Verlusts der vielen hilfreichen Sicherheiten und Handreichungen der Zivilisation geworden, derer wir uns eigentlich nicht mehr bewusst sind. Trishas Lektion lautet dagegen etwas anders: „Die Welt hatte Zähne und sie konnte zubeißen.  Sie war erst neun, aber sie wusste es und glaubte es akzeptieren zu können. ”
Vielleicht also sollte man nach der Lektüre von Stephen Kings neuem Roman (und vielleicht auch überhaupt) mit den Walderklärungen etwas weiter gehen: Der Wald ist die Chiffre für die Realität an sich, für jenen Ort, wo Erfahrungen jene Triftigkeit und Nachhaltigkeit bekommen, die in den virtuellen Welten, deren Geschichte ja nicht erst heute sondern eigentlich schon mit einem festen Wohnsitz begonnen hat, nicht möglich ist. Die schreckliche Welt, so einfach wäre das dann, ist auch die bessere, weil wahrere.
PETER MICHALZIK
STEPHEN KING: Das Mädchen. Roman. Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner. Schneekluth Verlag, München 2000. 304 Seiten, 38 Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Besprechung von 15.01.2000
Neun Tage und acht Nächte muss sie wandern
Stephen Kings Roman vom Mädchen und dem Baseballgott der Boston Red Sox · Von Bernd Eilert

Wo er große Wirkungen sah, pflegte Goethe große Ursachen zu vermuten. Deutsche Literaturkritiker neigen bei hohen Auflagen eher zu dem Verdacht, die Qualität eines Buches verhalte sich dazu umgekehrt reziprok. Stephen Kings letzter Roman "The Girl Who Loved Tom Gordon" ist in Amerika mit 1 250 000 Exemplaren gestartet worden. Das Risiko schien seinem neuen Verlag Scribner, in dessen Mutterhaus Simon & Schuster immerhin Autoren wie Don DeLillo veröffentlichen, kalkulierbar. Offenbar zu Recht, denn bereits unmittelbar nach Erscheinen, im April letzten Jahres, führte der Roman die amerikanische Bestsellerliste an. Und auch das überrascht niemanden, denn seit 25 Jahren, 1974 erschien sein Erstling "Carrie", gilt Stephen King nicht nur daheim as the world's premier horror novelist. Mit anderen Worten: He is American gothic. Seitdem hat er genügend geschrieben, um damit zwei längere Regalbretter zu überfüllen.

Ich hatte bisher kein Buch von Stephen King gelesen. Allerdings fiel mir auf, dass einige Filme, die auf seinen Vorlagen basieren, durchaus ansehnlich waren: "The Shining", "Misery", "The Shawshank Redemption" - alle ließen darauf schließen, dass ihr Erfinder zumindest das wäre, was man in deutschen Fernsehredaktionen gern einen guten Plotter nennt. Erfolgreich war er sowieso. Nun aber, meldete das "Voice Literary Supplement": King wanted critical respect, too. "The Girl Who Loved Tom Gordon" sei der Versuch, als literarischer Autor ernst genommen zu werden, um - das sei Kings erklärtes Ziel - ein weibliches Publikum zu erreichen, das ansonsten keine Horrorromane lesen wolle. King ist über sein Ziel hinausgeschossen: Er verdient für diesen Roman nicht nur Respekt, sondern ein dickes Lob und er hat sogar einen männlichen Kritiker von seinem Talent überzeugt. Lob verdient er vor allem für seine erzählerische Ökonomie. Mit viel Aufwand mehr oder weniger Wirkung zu erzielen, ist nicht unbedingt große Kunst - mit so wenig Mitteln so viel Spannung und Anteilnahme zu erzeugen, setzt zumindest Kunstfertigkeit voraus. Der Film "The Blair Witch Project" hat nicht nur diesen effizienten Effekteinsatz mit Kings Roman gemeinsam. King beschränkt sich auf eine Hauptperson, ein halbes Dutzend Nebenfiguren, einen zentralen Schauplatz, drei, vier Nebenschauplätze, wenige Motive, die alle an einem stringenten Handlungsstrang hängen.

Auf knapp 300 Seiten erzählt er die Geschichte der neunjährigen Trisha, die sich in den Wäldern Neu-Englands verirrt und einen Ausweg sucht und endlich findet. Neun Tage und acht Nächte wandert Trisha mit leichtem Gepäck und bedrückenden Gedanken durch eine immer bedrohlicher werdende Welt. Aus ihrem Bewusstseinsstrom erfahren wir etwas über ihren familiären Hintergrund und alles über ihren jeweiligen Zustand. Über laufende Rettungsaktionen erfahren wir dagegen nur das Nötigste. Was über Trishas Hoffnungen und ihre Ängste hinausgeht, wird kurz und knapp in Rückblenden und Parallelschnitten eingeblendet. Nur einmal weitet sich der Bildausschnitt zu einer pathetischen Totalen aus der Vogelperspektive - vielleicht der einzige Moment von angedeuteter Tragik. Ansonsten erleben wir den Wald durch Trishas sechs Sinne, und Trisha ist keine tragische Figur. Sie ist so intelligent, hartnäckig und erfinderisch wie ihr intelligenter Erfinder und sie bleibt optimistisch, trotz all der Probleme, die er ihr hartnäckig zumutet. In der frühen - Kinderpsychologen werden sagen: zu frühen - Reife dieser Neunjährigen liegt gewiss eine der großen Stärken der Geschichte, die andere liegt in der altersunabhängigen Nachvollziehbarkeit ihrer archetypischen Waldeinsamkeit. Wesentlich angemessener hätte sich auch kein erwachsener Held hier verhalten können. Woran erinnert uns das? An unsere Volksmärchen, gewiss. Rotkäppchen, Gretel, Schwesterchen, Schneewittchen und so weiter. Des Märchens Würze liegt allerdings auch in seiner Kürze. Sich kurz zu fassen freilich ist Kings Ehrgeiz nicht. Er startet rasant und hält sein Tempo über lange Strecken.

Ob seine Geschichte zeitlos gültig bleiben wird, hat den Autor offenbar wenig gekümmert. Sie ist durchaus aktuell und deswegen heute allgemein verständlich. Sie gibt sich realistisch und ist im Kern romantisch - oder umgekehrt. Sie zeigt Sinn für Komik und schreckt vor magischen Momenten nicht zurück. Aber macht diese Mischung nicht den Hauptreiz vieler Romane aus, die für Erwachsene geschrieben wurden und heute als Klassiker des Jugendbuchs gelten? Pinocchio und Tom Sawyer, "Die Schatzinsel" und "Das Dschungelbuch" - Autoren wie Collodi, Twain, Stevenson und Kipling steht King in diesem Fall wesentlich näher als den üblichen Verdächtigen von Poe bis Lovecraft.

Angefangen hat das bei Robinson Crusoe auf seiner Insel, und mit dem hat Trisha einiges gemeinsam: vor allem die ganz einfache und immer aussichtsloser erscheinende Ausgangssituation, die zunächst unklare Bedrohung und die deutlich begrenzten Hilfsmittel. Trisha hat davon nur einen kleinen Rucksack voll: etwas zu trinken, etwas zu essen, ein paar aufgeschnappte Lebensweisheiten und eine einseitige Verbindung zur Außenwelt: ihren Walkman, der es ihr erlaubt, Radio zu hören. Sie hört Live-Übertragungen von Baseballspielen der Boston Red Sox, bei denen jener Tom Gordon, den der deutsche Titel uns unterschlägt, als letzter Werfer tatsächlich aktiv ist. Die Weglassung deutet auf eine Befürchtung, die ich gern zerstreuen will: Man muss nichts vom Baseball verstehen, um nachvollziehen zu können, was an diesen nächtlichen Reportagen für Trisha so tröstlich ist: vertraute Laute im geräuschvollen Urwaldesrauschen. Und man muss kein Sportfan sein, um zu begreifen, weshalb Tom Gordon Trishas ständiger Begleiter wird auf ihrem Leidensweg. Ist ein Baseballgott nicht besser als gar keiner? Besser vielleicht nicht, aber nützlicher: denn von ihm lernt Trisha schließlich, dass jeder David gegen jeden Goliath noch eine letzte Chance hat.

Hollywood? Was denn sonst. Und wenn Kings Prosa Fehler hat, liegen sie nicht auf dieser abgehobenen Ebene, sondern da, wo er sie verlässt und dem Tribut zollt, was heute unter schonungslosem Realismus verstanden und überschätzt wird. Doch bleiben wir lieber unkritisch und huldigen dem Genre. Während europäische Kollegen, von Henning Mankell bis P. D. James, in ihren durchaus erfolgreichen Spannungsromanen ihre gebrochenen Helden durchaus erfolglos und ein wenig ermüdend gegen gesellschaftliche Missstände kämpfen lassen, führt Stephan King sein Mädchen albtraumwandlerisch sicher in ein Reich der Schatten zurück und löst dabei ganz en passant auch seine familiären Probleme noch in Nichts auf. Ein Happy End - ob das verlogen ist? Gar keine Frage: Und wie! Und wie? Das ist hier die Frage. Es ist verdammt gut gelogen.

Stephen King: "Das Mädchen". Roman. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Wulf Bergner. Schneekluth Verlag, München 1999. 304 S., geb., 38,- DM.

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