Leseprobe zu "Hexenkuss / Witch Bd.1" von Nancy Holder; Debbie Viguié
1. August (Lammas) Na toll. Ein Unwetter. Auch das noch.
Holly ignorierte vorübergehend die scharfen, hitzigen Worte, die ihre Eltern im Bug des Schlauchkajaks wechselten, und blickte zu dem Streifen Himmel zwischen den Wänden des Canyons auf. Silber- und kupferfarbenes Sonnenlicht blendete sie und stach in den Augen. Wolken wie zerfallende graue Fäuste grollten dumpf, und die Schluchtenzaunkönige flogen aus ihren Verstecken auf und riefen einander Warnungen zu.
Der wahnsinnig muskulöse Bootsführer, der hinter Holly saß und sich mit diesen Rafting-Touren jeden Sommer die Studiengebühren für die University of Southern California verdiente, brummte und seufzte laut. Ihre Eltern hatten den armen Kerl und seine "Hallo, ich heiße Ryan und bin Ihr Rafting-Guide"-Manieren arg strapaziert, und Holly konnte es ihm nicht verdenken, dass er so genervt war. Ihre Eltern machten alle fertig - ihn, sie und Tina, ihre beste Freundin, die das Pech hatte, bei diesem Albtraum von Familienurlaub mit von der Partie zu sein. Aber natürlich wurde Tina immer mit eingeladen. Einzelkind zu sein, hatte seine Vorteile, und sowohl Tina als auch Holly waren Einzelkinder.
Tinas Mutter hatte im letzten Moment abgesagt, weil es Probleme mit ihrem Dienstplan am Marin County General Hospital gab, aber Holly fragte sich, ob die zierliche, dunkelhaarige Frau gewusst hatte, dass sich etwas zusammenbraute. Das war sogar wahrscheinlich, denn Barbara Davis- Chin war die beste Freundin von Hollys Mom, und selbst erwachsene beste Freundinnen erzählten sich ja alles.
He, ich weiß, wie das läuft, dachte Holly. Ich habe Sex and the City auch gesehen.
Vor fünf Tagen, als Holly von ihrem Nebenjob im Pferdestall heimgekommen war, hatte sie sofort gemerkt, dass hinter den geschlossenen Türen ihres Queen-Anne-Reihenhauses, so typisch für San Francisco, irgendetwas nicht stimmte. Das Gebrüll ihrer Eltern hatte praktisch von den weiß verputzten Wänden widergehallt und war abrupt abgebrochen, als Holly die Haustür aufschloss. Sie hörte das rhythmische Zischen eines Besens, mit dem einer von beiden irgendetwas zusammenkehrte. Während Holly sich im Flur die Jacke auszog, knarrten die Bodendielen im Schlafzimmer ihrer Eltern direkt über ihrem Kopf förmlich vor Spannung.
"He, hallo, ich bin zu Hause", rief sie, doch niemand antwortete ihr. Kurz darauf kam ihr Vater die Treppe herunter, und sein Lächeln schaffte es nicht einmal bis in die Nähe seiner Augen, als er sie begrüßte. "Hallo, du Floh. Wie war's im Stall?"
Niemand sprach über das, was passiert war. Ihre Eltern, Elise und Daniel Cathers, hatten sich offenbar zu höflichem Schweigen verschworen. Während sie an diesem Abend für die Reise packten, waren sie sehr kühl zueinander, und auf dem Flug nach Las Vegas fiel die Stimmung unter den Gefrierpunkt. Zum Glück saß sie mit Tina im Flugzeug in einer anderen Reihe, und ihre beste Freundin und sie hatten ein eigenes Schlafzimmer in der Suite im Bellagio.
Ihre Eltern waren am Abend nach der Ankunft ausgegangen, um sich den Cirque du Soleil anzusehen. Holly und Tina hatten sich in ihrem Zimmer ausgiebig über das kommende letzte Schuljahr und ihre Pläne fürs College unterhalten - Tina würde an der USC studieren, Holly an der UC Santa Barbara. Dann waren die beiden Erwachsenen sehr spät zurückgekommen - und betrunken, hoffte Holly, denn sie wollte nicht glauben, dass ihre Eltern je so miteinander reden würden, wenn sie nüchtern waren. Sie hatten Gemeinheiten wie Messer geschleudert, Worte, die wehtun sollten. Holly wusste, sie bildete sich nur ein, dass ihr Vater nicht "Hexe" gesagt hatte, sondern "Hetze", weil ihr das lieber gewesen wäre - obwohl es durch die geschlossene Schlafzimmertür der Suite so geklungen hatte. Tina hatte das auch gehört.
Am Morgen hatte Ryan die vier im Foyer des Bellagio abgeholt und zum Startpunkt der Rafting-Strecke gefahren. Mum und Dad hatten Mühe gehabt, während des eintägigen Sicherheitstrainings höflich zueinander zu sein.
Heute hatte Ryan das große Schlauchboot ins Wasser geschafft und ihnen ihre Plätze gezeigt. Und als hätten die wirbelnden Strömungen des Colorado River die Stimmung erneut aufgewühlt, hatte der Streit wieder angefangen und war während der Wildwasser-Tour über den ganzen Tag hinweg immer schlimmer geworden.
Jetzt beugten Holly und Tina sich über ihre Ruder, paddelten nach Ryans Anweisungen und taten so, als sei alles in bester Ordnung. Sie trugen grell orangefarbene Schwimmwesten und Helme. Tinas Helm saß tief auf ihrem eigentlich schwarzen Haar, das sie zu Ehren der Abenteuerreise aquamarinblau gefärbt hatte. Holly, deren dunkles Haar nur noch ein Mopp feuchter Ringellöckchen war, saß neben Tina eingequetscht in der Mitte des Schlauchboots, das ein bisschen aussah wie ein pummeliges Ruderboot. Kaltes Wasser spritzte aus allen Richtungen, während das Schlauchboot wie auf einer Achterbahn zwischen glatten schwarzen Felsen und Baumstämmen hindurchschaukelte. So kalt es inzwischen auch sein mochte, die Temperatur war immer noch tropisch im Vergleich zur Atmosphäre zwischen ihren Eltern.
"Mann, was machen die denn?", fragte Tina dicht an Hollys Ohr. "Die werden sich noch umbringen. Oder uns alle."
"Wenn wir wieder zu Hause sind, adoptierst du mich dann?", entgegnete Holly kläglich.
"Wir sind doch fast alt genug, um zu heiraten." Tina zog ein paar Mal vielsagend die Augenbrauen hoch. "Komm schon, Baby, du willst mich doch auch." Sie warf Holly eine Kusshand zu.
Holly lächelte schwach und schüttelte seufzend den Kopf. "Deine Mutter würde sich freuen."
"Meine Mom ist eine eingefleischtere Liberale als deine ganze Familie zusammen", erwiderte Tina. "Es wäre ihr eine Freude, unsere Verbindungszeremonie zu planen, Darling."
Holly grinste, und Tina grinste zurück. Das Lächeln verging ihnen aber gleich, weil sich wieder einmal zornige Stimmen über das Tosen der Stromschnellen erhoben.
"^ nicht früher zurück", bellte Hollys Vater.
"Du hast mir nichts davon gesagt." Das war ihre Mom. "Du hättest es mir sagen müssen Ai, Chihuahua, dachte Holly. Spannung wirbelte zwischen ihren Eltern in der Luft, und eine neue Woge der Angst schwappte über Holly zusammen. Irgendetwas war nicht in Ordnung, etwas Fundamentales, Grundlegendes, und wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, wusste sie, dass es schon seit über einem Jahr so falsch lief.
Seit ich diesen Albtraum hatte Ihr Vater wandte zuerst den Blick ab, und ihre Mutter räumte das Feld - zwei Tiere, die um ein Revier kämpften, und beide waren mit dem Ausgang dieser Konfrontation unzufrieden. Ihre Eltern sahen sehr gut aus, obwohl sie schon über vierzig waren. Dad war groß und schlaksig und hatte dichtes, widerspenstiges schwarzes Haar und sehr dunkle braune Augen. Ihre Mom fiel aus dem Rahmen: Ihr Haar war so blond, dass es gefärbt schien, und ihre hellblauen Augen erinnerten Holly stets an das Kleid einer Brautjungfer. Die Leute sagten immer, wie gut die beiden zusammen aussahen, wie die Eltern in einer Fernsehserie. Nur wenige außer Holly wussten, dass ihre Dialoge eher in einen Horrorfilm passten.
"Okay, festhalten", unterbrach Ryan ihre Gedanken - und einen Moment lang sogar das Gezanke. "Jetzt kommen die Hance Rapids. Denkt daran, immer links bleiben." Er schaute zum düsteren, tief hängenden Himmel hoch und brummte: "Verdammt."
Holly blickte zu ihm auf. Sein Gesicht war dunkel, die Haut viel zu ledrig für jemanden, der erst einundzwanzig war. Bis er dreißig ist, dachte sie, wird er aussehen wie eine Statue aus Dörrfleisch.
"Da kommt ein Gewitter, was?", bemerkte sie und musste die Stimme heben, um das Brausen der Stromschnellen und das Quietschen des Schlauchboots zu übertönen.
Er sah sie an. "Ja. Wir gehen heute früher an Land." Dann warf er ihren Eltern einen Blick zu. "Die Stimmung ist ziemlich gereizt."
"Sie sind sonst nicht begann sie, doch dann schloss sie den Mund, nickte und konzentrierte sich wieder aufs Paddeln.
Schäumendes Wasser brodelte vor ihnen wie in einem kochenden Kessel, und sie und Tina richteten sich ein wenig auf und machten sich bereit für die aufregende Fahrt. Diverse Stromschnellen hinunterzusausen war offiziell der spannendste Teil, der Grund, weshalb sie eigentlich hier waren. Aber Holly hatte genug. Sie wollte nach Hause.
Die Strömungen des Flusses wurden schneller, trafen zusammen und trennten sich wieder, wirbelten um Steine und Felsbrocken und bildeten Strudel wie Schlaglöcher in einer Straße.
Sie rutschten und glitten dahin, und die inzwischen schon vertraute Mischung aus Spaß und Angst schnürte Holly die Brust ein und jagte ihr Schauer über den Rücken. "Yee-ha!", jubelte sie, und Tina schrie mit. Sie brachen in Gelächter aus und brüllten immer wieder "Yee-ha!", so laut, dass es von den Wänden des Canyons widerhallte. Schluchtenzaunkönige fielen mit ein, Donner grollte über ihren Köpfen, und Holly spürte Ärger in sich aufflackern, weil ihre Eltern zu sehr damit beschäftigt waren, wütend aufeinander zu sein, statt den Spaß mit ihr zu teilen.
Das Boot wurde schneller, noch schneller; Holly bekam ein flaues Gefühl im Magen, und Tina kreischte in genüsslicher Angst.
Dann grollte der Himmel ein Mal, zwei Mal, und öffnete alle Schleusen. Regen klatschte eimerweise herab und durchweichte sie völlig. Er prasselte so heftig, dass er schmerzhaft auf Hollys Schultern aufschlug. Sie tastete nach dem gelben Regenponcho, der um ihre Taille geschnallt war, und das Schlauchboot schlingerte und schwankte, weil alle aus dem Takt gerieten, verblüfft über den plötzlichen Regenguss.
Ryan brüllte: "An die Ruder!"
Ihre Eltern rissen sich zusammen und lenkten das Boot so, wie Ryan es ihnen gezeigt hatte. Der Regen klatschte wie ein Wasserfall herab. Der Fluss teilte sich um einen gewaltigen Felsbrocken, und Ryan schrie eine Mahnung, die Holly aber eher im Gedächtnis hatte als verstand: links halten. Hier immer links halten.
Plötzlich ragte eine riesige Granitklippe vor ihnen auf. Die Kante war scharf und zerklüftet, nicht rund geschliffen, wie man es hier erwartete.
"He!", schrie Tina und nahm sich einen Moment Zeit, um darauf zu zeigen.
Der Regen schlug nun regelrecht auf sie ein, und Holly versuchte verzweifelt, ihre Kapuze wieder über den Kopf zu ziehen, die der peitschende Wind heruntergerissen hatte. Der strömende Regen machte sie blind. Sie konnte nichts mehr sehen.
"Heilige Scheiße, runter!", brüllte Ryan.
Holly duckte sich und spähte in den Regen.
Den Bruchteil einer Sekunde waren alle wie erstarrt, während ihre geschockten Gehirne erfassten, was gerade passierte. Dann brach Hektik aus wie bei Fliegeralarm in einem Kriegsfilm, alle packten ihre Paddel und kämpften gegen den Fluss an, der entschlossen schien, das Boot gegen den mächtigen Granitbrocken zu schleudern.
"Nein!", rief Tina, als die Kraft einer Welle ihr fast das Paddel aus der Hand riss. Das Schlauchboot neigte sich im 45-Grad-Winkel abwärts, und sie begann zu schreien. Schäumendes Wasser schwappte bis auf Hüfthöhe über die fünf Insassen hinweg. Tina kreischte und schlug hilflos mit dem Paddel aufs Wasser, und Holly schrie: "Was machen wir jetzt? Was sollen wir machen?"
"Ruhig bleiben!", brüllte Ryan. "Links, links, links!"
Hollys Ruder fühlte sich viel zu klein und zerbrechlich an, um irgendetwas gegen die Strömung auszurichten, die sie in eine bestimmte Bahn zwang. Gleichzeitig war es aber so schwer und unhandlich, dass sie es kaum noch führen konnte.
Dann rief ihre Mutter etwas, und Daniel Cathers schrie:
"Nein!"
Der Fluss war ein wilder Strudel, alles war grau, kalt, gnadenlos und tückisch. Zwischen grauen Felsen und grauem Wasser schoss das Schlauchboot mit einer Wucht wie vom Katapult abgeschossen auf den Felsen zu.
Holly klammerte sich an das Paddel. Es war jetzt völlig nutzlos, und trotzdem hielt sie es fest, weil ihre Hände vor Entsetzen darum erstarrt waren. Jemand, sie hatte keine Ahnung, wer, schrie ihren Namen.
Dann hörte sie Ryans Stimme. "Springt! Jetzt!"
Sein Befehl riss sie aus ihrer Starre. Als sie versuchte, den Sicherheitsgurt zu lösen und aus dem Boot zu springen, stieg der Fluss über den Rand des Bootes und verschlang es ganz. Kaltes, erbarmungsloses Wasser umgab sie, schlug über ihren Schultern und ihrem Kopf zusammen. Sie wartete darauf, dass es wieder absank, doch es strömte einfach weiter über sie hinweg. Sie geriet in Panik, weil sie keine Luft mehr bekam, und bäumte sich verzweifelt gegen die Haltegurte auf. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, wie man sie öffnete.
Ich werde ertrinken. Ich werde sterben.
Das stahlgraue Wasser verdichtete sich und kam in schwarzen Wellen. Sie konnte nichts mehr sehen oder spüren außer der schrecklichen Kälte. Sie konnte die Bewegung des Bootes so wenig erkennen, dass es Purzelbäume hätte schlagen können. Ihr stand das Bild der riesigen Granitklippe vor Augen. Wenn sie mit solcher Geschwindigkeit dagegen geschleudert wurden, wäre das so, als würde man nach einem Sturz aus einem hohen Fenster auf der Straße zerschmettert.
Ihre Lunge war zu voll. Nach einiger Zeit, die Holly nicht mehr ermessen konnte, drohte sie zu platzen. Holly wusste nur noch, dass sie ausatmen und wieder Sauerstoff einatmen musste. Sie fummelte an dem Gurt herum, konnte sich aber immer noch nicht befreien. Mit schmerzender Brust schlug sie nach dem Wasser an Schoß und Schultern, wo die Gurte saßen, und versuchte mit aller Kraft, sich zusammenzureißen.
Ich werde sterben. Ich werde sterben.
Die Fähigkeit, klar zu denken, ging verloren. Holly hörte ganz zu denken auf, der Instinkt übernahm die Kontrolle, und sie zerrte schwach an den Gurten, obwohl sie sich gar nicht mehr erinnern konnte, warum. Sie vergaß, dass sie mit den drei Menschen, die sie auf der Welt am meisten liebte, in einem Schlauchboot gesessen hatte. Sie vergaß, dass sie ein Teenager namens Holly war und dass sie Haare und Augen und Hände und Füße hatte.
Sie war nur noch Grau, innen wie außen. Die Welt hatte die Farbe von blassem Nebel, genauso wie ihre inneren Bilder, Gedanken und Emotionen. Taub und leer trieb sie in einem bodenlosen Brunnen aus Nichts, ihr Herz erlahmte, sie hörte auf zu sein. Sie konnte nicht behaupten, dass es angenehm war. Sie konnte nicht behaupten, dass es überhaupt etwas war.
Obwohl sie es nicht mehr richtig mitbekam, atmete sie schließlich aus. Gierig sog sie das brackige Flusswasser ein. Es füllte ihre Lunge, und ihre Augen verdrehten sich, als der Todeskampf begann.
Ihr Körper wand sich, zappelte wie ein Fisch am Haken und versuchte zu husten, die erstickende Flüssigkeit loszuwerden. Es nützte nichts; Holly war so gut wie tot. Ihre Augenlider schlossen sich flatternd.
Und dann, durch die geschlossenen Lider, sah sie ein zauberhaftes Blau. Es war die Farbe von Neontetras, auch wenn sie kein Wort dafür hatte, und schimmerte wie ein zarter Nachhall im Wasser. Sie griff weder danach, noch schrak sie davor zurück, denn ihr Verstand registrierte die Farbe gar nicht. Ihr Gehirn registrierte überhaupt nichts mehr. Ohne Sauerstoff war es schon beinahe tot.
Das Schimmern glitzerte und wurde dichter. Es formte sich zu einer Gestalt, und wenn irgendein Teil von Hollys Gehirn so etwas noch hätte erfassen können, dann hätte es ihr das Bild einer Frau vermittelt - einer Frau in einem langärmligen Kleid aus grauer Wolle mit goldenen Säumen, zum Staunen schön, mit schwarzen Locken, die im Wasser trieben. Ihre Augen wie aus Kastanien und Ebenholz hatten einen mitfühlenden Ausdruck, als sie die Hand nach Holly ausstreckte.
Lauft. Flieht, so schnell Ihr könnt, haltet nicht inne, um etwas mitzunehmen. Alors, es wird ihr Ende sein, wenn Ihr jetzt nicht geht. Maintenant, à ce moment-là. Vite, je vous en prie ^ Albtraum, dachte Holly. Letztes Jahr - Albtraum .
Die Gestalt hob die rechte Hand. Sie steckte in einem Lederhandschuh, und darauf saß ein großer grauer Vogel. Die Gestalt warf den Vogel ins Wasser, und er bewegte die Flügel im reißenden Wasser und kam auf Holly zu.
"Wir sind keine Hexen!", schrie ihr Vater in ihrer Erinnerung.
Und ihre Mutter: "Ich weiß doch, was ich gesehen habe! Ich weiß, was ich in Hollys Zimmer gesehen habe!"
Geht, bring sie fort von hier. Sie werden sie finden und töten . je vous en prie . je vous en prie, Daniel de Cahors .
"Je vous en prie", flüsterte der Mann mit dem Geweih auf dem Kopf herzzerreißend.
Es war Vollmond, Gerstenmond, die Zeit der Ernte, und der Wald war warm und einladend wie eine Frau. Der Mann war an einen Baum in einem Kastanienhain gefesselt, und sein eigenes Blut lief ihm über die Brust.
Der Kreis war geschlossen, die Talgkerzen standen bereit.
"Er tut mir so leid, Maman", flüsterte Isabeau ihrer Mutter zu. Die Schlossherrin war in rabenschwarze Seide gehüllt, mit Silber und Scharlachrot durchwirkt, genau wie die anderen im Zirkel - dreizehn waren es in dieser Nacht, darunter Robert, der neue Gemahl ihrer kürzlich verwitweten Mutter, und das Opfer, der zitternde Mann mit dem Schädel des toten Hirsches auf dem Kopf, der wusste, dass er bald sterben würde.
Das wunderschöne Hexentier des Zirkels, das Falkenweibchen Pandion, ließ ihre Glöckchen klimpern und beobachtete das Schauspiel von ihrem Gestell aus, das aus Knochen der Erzfeinde der Familie Cahors geschnitzt worden war ^ Gebeinen der Deveraux. Pandion erwartete gierig das Opfer. Sie würde die Seele des Mannes fangen, wenn sie den Körper verließ, und daran herumknabbern, bis andere sie sich für ihre eigenen Zwecke holten.
"Dies ist ein besserer Tod", erklärte Catherine de Cahors und lächelte auf ihr Kind hinab. Mit einer Hand tätschelte sie Isabeaus Kopf. In der anderen hielt sie den blutigen Dolch. Sie hatte die magischen Siegel in die Brust des Mannes geritzt. Ihr Gemahl Robert hatte sich genötigt gesehen, sie zurückzuhalten und sie daran zu gemahnen, dass Folter nicht zum Ritual dieser Nacht gehörte. Es sollte eine gute, saubere Hinrichtung werden. "Seine schwatzhafte Zunge hätte ihn irgendwann auf den Scheiterhaufen gebracht. Dort wäre er lebendig verbrannt, ein grässlicher Tod. Auf diese Weise Sie wurden von einer Gestalt in der schwarz-silbernen Livree des Hauses Cahors unterbrochen. Der Mann rannte auf den Zirkel zu und fiel direkt vor Robert auf die Knie, obwohl auch der eine Maske und den langen Umhang trug. Er muss Robert an seiner Größe erkannt haben, dachte Isabeau.
"Die Deveraux ^ das Feuer", japste der Diener. "Es ist ihnen geglückt."
Pandion legte den Kopf in den Nacken und kreischte kläglich. Alle im Zirkel sahen einander hinter ihren Tiermasken voller Entsetzen an. Einige sanken erschüttert auf die Knie.
Isabeau wurde es eiskalt, von innen wie von außen. Die Deveraux versuchten schon seit Jahrhunderten, das Geheimnis des Schwarzen Feuers zu ergründen. Nun, da sie es besaßen ^ was sollte aus den Cahors werden? Aus allen, die sich den Deveraux in den Weg stellten?
Isabeaus Mutter schlug die Arme vor die Brust und schrie: "Alors, notre Dame! Schützet uns in dieser Nacht, edle Göttin!"
"Welch eine finstere Nacht", sagte eine der anderen. "Eine Nacht voller Unheil. Die schrecklichste, da es doch ein freudiges Lammasfest werden sollte, mit reicher Ernte und dem Tod dieses Mannes dazu "Es ist um uns geschehen", klagte eine verhüllte Frau. "Das ist unser Untergang."
"Verflucht sollt ihr sein für eure Feigheit", grollte Robert mit leiser, gefährlicher Stimme. "Noch ist es nicht so weit."
Er riss sich die Maske herunter, nahm seiner Frau den Dolch aus der Hand und trat ruhig vor das Opfer hin. Ohne einen Augenblick zu zögern, packte er das Haar des Mannes, riss ihm den Kopf zurück und schnitt ihm die Kehle durch. Blut schoss hervor und bespritzte jene, die am nächsten standen, während andere sich beeilten, vorzutreten und den Segen zu empfangen. Pandion, die Begleiterin, stieß von ihrem Sitzplatz herab und flog durch die heißen, spritzenden Tropfen, und die Glöckchen an ihren Klauen schepperten durchdringend.
Isabeaus Mutter drängte sie zum Leichnam des Mannes. "Nimm den Segen an", befahl sie ihrer Tochter. "Vor uns liegt wüste Arbeit, und du musst bereit sein, deinen Teil beizutragen."
Isabeau stolperte vorwärts, schlug die Augen nieder und wandte den Blick ab. Ihre Mutter umfasste ihr Kinn und drehte ihr Gesicht energisch zu dem dampfenden, scharlachroten Blutstrom.
"Non, non", protestierte sie, als ihr das Blut in den Mund rann. Sie fühlte sich besudelt, es widerte sie an.
Das sprudelnde Blut färbte alles vor ihren Augen rot.
Holly wachte auf.