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26 Kundenbewertungen

Sie ist klug, kokett, unnahbar und - fällt in einen Abgrund. Verzweifelt und mit wütendem Humor tritt Karo ihrer Depression entgegen. Mit bodenloser Leichtigkeit, selbstironisch und überschwänglich erzählt dieser Roman von der Verlorenheit, die manches Leben heute aushalten muss. Karo lebt schnel und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, liebenswert und aggressiv, überdreht und erschöpft. Als sie ihren Job verliert und mutig ihre feige Beziehung beendet, helfen auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr. Plötzlich ist diese Angst da. Sie verliert den Bode…mehr

Produktbeschreibung

Sie ist klug, kokett, unnahbar und - fällt in einen Abgrund. Verzweifelt und mit wütendem Humor tritt Karo ihrer Depression entgegen. Mit bodenloser Leichtigkeit, selbstironisch und überschwänglich erzählt dieser Roman von der Verlorenheit, die manches Leben heute aushalten muss.

Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, liebenswert und aggressiv, überdreht und erschöpft. Als sie ihren Job verliert und mutig ihre feige Beziehung beendet, helfen auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr. Plötzlich ist diese Angst da. Sie verliert den Boden unter den Füßen. Dem Wahnwitz unserer Gegenwart zwischen Partylaune und Panikattacke gibt Sarah Kuttner in ihrem Debütroman eine Stimme: vom Augenzwinkern zum Ernstmachen, vom launigen Plaudern zur bitteren Selbstkritik. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von dem Riss, der sich plötzlich durch das Leben zieht.
  • Produktdetails
  • Verlag: S. Fischer
  • Seitenzahl: 261
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 261 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 20, 5 cm
  • Gewicht: 370g
  • ISBN-13: 9783100422057
  • ISBN-10: 3100422058
  • Best.Nr.: 25709190

Autorenporträt

Sarah Kuttner wurde 1979 in Berlin geboren und arbeitet als Moderatorin. Sie wurde mit ihren Sendungen Sarah Kuttner Die Show (VIVA) und Kuttner. (MTV) bekannt und arbeitete mehrfach für die ARD. Sarah Kuttner lebt immer noch und gern in Berlin.
Sarah Kuttner

Rezensionen

Besprechung von 12.03.2009
Manisch wie Madonna

Menschen über Dreißig muss man erklären, was "Emos" sind. Also: "Emo" ist eigentlich die Abkürzung von "emotional hardcore", einer Musikrichtung, hat sich aber längst vom Soundphänomen zum Lebensstil gewandelt. Seine Anhänger sehen aus wie Vampirnachwuchs, haben aber ansonsten ähnliche Probleme wie weiland die Jung-Existentialisten und überhaupt alle jugendlichen Sinnsucher: Sie laufen vor Gefühlen über, finden ihre diesbezügliche Inkontinenz aber selbst lästig. "Gefühle sind Stress", erklärt auch Karo, Ende Zwanzig, Stadtmädchen, Quasselstrippe und "die am schnellsten beschleunigende Emo-Maschine der Welt". Vor drei Monaten hat sie ihren Job verloren, mit ihrem Freund Philipp ist Schluss, und überhaupt ist Karo nicht so toll drauf, weshalb sie beschließt, eine Psychotherapeutin aufzusuchen. Was folgt, ist die bittere Erkenntnis, das Karo kein Stimmungstief hat, sondern an einer Depression leidet. Panikattacken, Weinkrämpfe, Erschöpfungszustände - nichts an der Krankheit wird kleingeredet oder beschönigt. Karos manisch-aufgekratztem Tonfall aber kann das alles nichts anhaben; am Ende ihres schlimmen Jahres hat sie zwar wieder Freund und Arbeit, aber keinerlei erkennbare innere Entwicklung durchgemacht. Sarah Kuttner, bekannt als schnellsprechende Fernsehmoderatorin und schrägdenkende Kolumnistin, hat sich in ihrem Debütroman "Mängelexemplar" ein ernstes Thema vorgeknöpft, sich seiner indes nicht angenommen. Eine Depression, so das Fazit vo Karo, des "Emo-Monsters", "ist wie ein Madonna-Konzert: ein ,fucking event'." Der Privattragödie indes hätte weniger Sprachereignis, weniger Emo gutgetan - und mehr Reife, mindestens der Heldin. Nur weil eine junge Fernsehmoderatorin einen Roman schreibt, muss sie keine Nachfolgerin von Charlotte Roche sein. Eine Schriftstellerin aber auch nicht. (Sarah Kuttner: "Mängelexemplar". Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009. 263 S., kart., 14,95 [Euro].) fvl

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Wenn Charlotte Roche mit Hämorrhoiden und Smega zur Bestsellerautorin wird, warum soll dann Sarah Kuttner ihren ersten Roman nicht über Depressionen und Therapieversuche schreiben? Das riecht zunächst nach einer Verkaufsstrategie, die im Vergleich zur Roche auf ein etwas gemäßigteres Tabuthema setzt, dafür aber mit Identifikationsangebot und popliterarischem Wir-Gefühl ausgleicht. Doch "Mängelexemplar" entpuppt sich als ein sehr sensibler Roman. Nachdem Kuttners Heldin Karo ihren Job in einer Event-Management-Agentur verliert und sich auch noch ihr Freund von ihr trennt, bricht sie zusammen und kann nicht mehr verleumden, dass mit ihr grundsätzlich etwas nicht stimmt. Mit Unterstützung der Mutter und ihres besten Freundes nimmt Karo den Kampf gegen die Depression auf und muss langsam lernen, dass man eine psychische Krankheit nicht so einfach wegwuppen kann. Mit großem Einfühlungsvermögen versetzt sich Kuttner in die Gefühlslagen ihrer Protagonistin und beschreibt eindringlich, wie sich Panikattacken anfühlen. Gleichzeitig macht sie nicht in Betroffenheit oder verfällt in einen larmoyanten Ton. Mit der Routine einer Kolumnenschreiberin kombiniert sie mit amüsanten Episoden aus der Medien- und Alltagswelt, ohne dabei ihr eigentliches Thema zu verharmlosen. (cs)
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(c) bunkverlag
Besprechung von 09.04.2009
Gegen Plappern helfen keine Pillen
Wenn das Niels-Ruf-Grinsen auf die Emo-Maschine trifft: Sarah Kuttners Romandebüt „Mängelexemplar”
Das war fällig: In der Serie „Musiksender-Moderatorinnen schreiben Bestseller” folgt auf die „Feuchtgebiete” nun eine Trockenübung. Charlotte Roches traurig-obsessives Ekelbuch über Körperausscheidungen, Selbstverstümmelung und Enddarmerotik im Psychoschatten eines familiären Traumas soll nach Auskunft der Autorin zu siebzig Prozent autobiographisch sein. Die fast gleichaltrige Sarah Kuttner, die mit Roche außer der Karriere bei VIVA und MTV eine geradezu furchterregende Umtriebigkeit auf diversen Gebieten gemeinsam hat, erzählt in ihrem Romandebüt „Mängelexemplar” von Depressionen, betont jedoch, mit dem Leiden keine persönliche Bekanntschaft gemacht zu haben.
Nur eine Panikattacke, so heißt es, habe einmal bei ihr angeklopft. Unter Freunden, Bekannten und Kollegen aber konnte sie genügend Material zum Modethema sammeln, sind doch Depressionen längst keine „Tabuzone” mehr, sondern das, was einschlägige Medien genüsslich eine „Volkskrankheit” nennen. Was allerdings auch daran liegt, dass der Begriff Depression mittlerweile inflationär verwendet wird für alle Arten von Traurigkeit, Verstimmung oder zeitweiligem Lebensüberdruss.
Der nicht so leise Feentritt
Und daran, dass wir in einem Zeitalter leben, das reibungsloses Funktionieren im Alltag mit seelischer Gesundheit verwechselt und deshalb pathologisiert, was sei Jahrtausenden zum menschlichen Dasein gehört: Melancholie, Taedium vitae, Weltschmerz oder Liebesleid. Ohne diese existentiellen Erfahrungen wäre mindestens die Hälfte aller Werke der bildenden Kunst, Musik und Literatur nicht entstanden, auch wenn Schwermut allein noch keine schöpferische Inspiration garantiert. Vergleicht man unter diesem Aspekt frühere Epochen mit der unsrigen, so kann einen der Verdacht beschleichen, dass zwischen dem Zwang zum Gut-drauf-sein und der Tendenz zur geistigen Verarmung ein direkter Zusammenhang bestehen könnte.
Vor anderthalb Jahrhunderten dichtete Gottfried Keller: „Sei mir gegrüßt, Melancholie / Die mit dem leisen Feenschritt / Im Garten meiner Phantasie / Zur rechten Zeit ans Herz mir tritt!” Vor fünfzig Jahren lautete ein angesagter Romantitel immerhin noch „Bonjour tristesse”. Heute beginnt ein Buch, das umstandslos die Bestsellerlisten stürmt, mit dem Satz: „Eine Depression ist ein fucking Event!”
Der so spricht, ist ein Psychiater, und das lässt kurzzeitig hoffen, es möge sich beim Folgenden um eine Satire handeln. Aber in Sarah Kuttners Welt, das wird rasch offenbar, reden alle so, und zwar ununterbrochen. Wer den Code und das dazugehörige Milieu nicht kennt – das ist nicht unbedingt eine Altersfrage –, stolpert nicht bloß über staunenswert niedrige Peinlichkeitsschwellen, sondern verpasst auch die liebevoll ausgedachten Pointen, von denen die Erzählung lebt.
Man muss also wissen, was ein „Niels-Ruf-Grinsen” ist, was eine „Fresse Galore” bedeutet und was sich hinter einer „Emo-Maschine” verbirgt, um den Text goutieren zu können. Und man sollte bereit sein, all seine Coolness zusammenzuraffen, wenn die mit Anglizismen gemästete Sprache ihren Enddarm nach außen stülpt: „You can get it if you really want. Ich wante vermutlich nicht really genug. Auf der anderen Seite wante ich zumindest genug, um ordentlich unzufrieden zu sein, es nicht zu getten.”
Wer danach immer noch weiterlesen mag, hat es mit einem Zwitter aus Fallgeschichte, Ratgeber und aufgekratzter Mädchen-Unterhaltung zu tun. Karo, siebenundzwanzig Jahre alt, Ich-Erzählerin in des Wortes penetrantester Bedeutung, hat ihren Job als Eventmanagerin verloren und ist von ihrem Freund Philipp, der ihr eigentlich schon seit geraumer Zeit auf die Nerven ging, verlassen worden. Außerdem wurden ihrer Kindheit ein paar Schönheitsfehler zugefügt durch einen abwesenden Vater, eine überforderte Mutter und einen pädophilen Onkel, was sich nun in mangelnder psychischer Stabilität niederschlägt.
Das alles hätte zur Not einen Romanstoff ergeben, im Sinne jenes unvergesslichen Beton-Werbeslogans: Es kommt darauf an, was man daraus macht. Hier aber sollte offenbar die Ratgeberfunktion im Vordergrund stehen, und so handelt Kuttner die Lebenskrise ihrer jungen Heldin im Fachjargon ab: Panikattacke, Angststörung, Depression.
Das spätpubertäre Liebesgeplänkel und Szenegeschwätz, das man mit dem Genre der weiland Neuen Frauenliteratur schon gnädig versenkt wähnte, lebt hier in extrem juveniler Variante wieder auf und ist nun eingebettet in einen psychotherapeutischen Kontext. Mit ermüdender und romanwidriger Ausführlichkeit werden Therapiesitzungen sowie eine CD mit Anweisungen für das Autogene Training protokolliert.
Dazwischen geht es um neue Flirts, einen neuen Job, einen treuen Freund und die Aussöhnung mit der Mama. Die Art, wie die kettenrauchende Karo die Symptome ihrer Gemütsverdüsterung, ihre Panikanfälle und Stimmungsschwankungen schildert, lässt darauf schließen, dass die Verfasserin mit Depressionen der klinischen Art bisher nicht in Berührung gekommen ist: Alles bleibt auf der Ebene des Events, des medienkompatiblen und jederzeit sendefähigen Krisenmanagements, das es unter möglichst flotten Sprüchen zu absolvieren gilt.
Schleichwerbung und Lesesessel
Interessant sind die Lösungsvorschläge, die das Büchlein impliziert. Erstens ist es Karo vergönnt, sich neu zu verlieben (in der Beschreibung dieser vorsichtigen Annäherung gibt es immerhin Momente, die sich in jedem Mädchenbuch hübsch ausnehmen würden). Und zweitens entdeckt sie mit Hilfe des therapeutischen Personals die segensreichen Erfindungen der Pharmaindustrie.
Die werden zwar nicht beim Produktnamen genannt, aber in ihrer Wirkung so überzeugend dargestellt, dass der Verdacht auf raffinierte Schleichwerbung über dem Lesesessel schwebt. Im übrigen lautet die Diagnose für Kuttners Heldin: chronische Infantilität, Egomanie und popkultureller Plapperzwang. Dass sich dabei irgendwann ein Unbehagen einstellt, ist eher ein gutes Zeichen. Man muss es nur nicht gleich Depression nennen. KRISTINA MAIDT-ZINKE
SARAH KUTTNER: Mängelexemplar. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009. 266 Seiten, 14,95 Euro.
Sarah Kuttner, Moderatorin und Romanautorin Foto: Marcus Hoehn / laif
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Sarah Kuttners Debütroman lässt die Rezensentin Kristina Maidt-Zinke die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Dabei mag sie noch nicht einmal als "aufgekratzte Mädchen-Unterhaltung" durchgehen lassen, was Kuttner hier in unnachahmlichem Jargon und einer Mischung aus Fallgeschichte und Ratgeber zum Thema Depression präsentiert. Die 27-jährige Karo, für Maidt-Zinke eine "Ich-Erzählerin in des Wortes penetrantester Bedeutung", ist arbeits- und beziehungslos und also etwas angeschlagen. Als Lösungsvorschlag präsentiert Kuttner: Therapie, Psychopillen und sich neu zu verlieben. Abgesehen davon, dass nicht jede Verstimmung oder Melancholie auf die Couch führen muss, sondern auch zu künstlerischer Produktivität führen könnte, hält es Maidt-Zinke eigentlich eher für ein gutes Zeichen, dass sich angesichts "chronischer Infantilität, Egomanie und popkulturellen Plapperzwangs" bei dieser Ich-Erzählerin ein Unbehagen einstellt.

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