Liebe - Precht, Richard D.
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Richard D. Precht 

Liebe

Ein unordentliches Gefühl

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Liebe

Das unverzichtbare Buch für alle, die Ratgebern misstrauen und trotzdem endlich wissen wollen, was es mit der Liebe auf sich hat

Die Liebe bewegt uns wie nichts anderes, sie vermag unser Leben auf den Kopf zu stellen und jegliche Ordnung zu Fall zu bringen. Dennoch wissen wir gar nicht so genau, was sie ist - die Liebe. Der Bestsellerautor Richard David Precht bringt Ordnung in dieses unordentlichste der Gefühle. Er untersucht, was Liebe mit der Biologie unserer Gene zu tun hat, und welche romantischen Sehnsüchte und Erwartungen uns an sie binden. Er lädt ein, dieses verrückte Reich von Liebes-Ideal und Wirklichkeit genauer zu vermessen und erklärt dabei heiter und augenzwinkernd, warum uns die Liebe so überaus wichtig ist und immer bleiben wird.



Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 396 S.
  • Seitenzahl: 396
  • Goldmann Taschenbücher Bd.15554
  • Deutsch
  • Abmessung: 186mm x 127mm x 30mm
  • Gewicht: 329g
  • ISBN-13: 9783442155545
  • ISBN-10: 3442155541
  • Best.Nr.: 27947979
Dieser Richard David Precht ist ein schönes Phänomen. Auch in seinem Buch über das "unordentliche Gefühl" Liebe findet sich im Grunde nichts sensationell Neues. Warum liest es sich genau wie seine Einführung in die Philosophie dann so spannend wie eine Betriebsanleitung für das eigene Gehirn? Es liegt an dem Ton, in dem der kluge Collageur Precht seine Zusammenschau der Erkenntnisse über die Liebe anbietet: "Möglicherweise", schreibt Precht in seinem Buch über die "Liebe" , "denken Sie gemeinsam mit mir ein wenig über Ihr geschlechtliches und soziales Rollenverhalten nach und über Ihre als selbstverständlich und normal eingeschliffenen Reaktionen. Vielleicht haben Sie Lust, in Zukunft manchmal ein wenig intelligenter mit sich selbst umzugehen - aber natürlich nur, wenn und wann Sie möchten." Kann man freundlicher zum Lesen einladen? ("Druckfrisch - Neue Bücher mit Denis Scheck", ARD, 3. Mai 2009)

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Was für ein Verriss! Es geht nicht um ein unordentliches Gefühl in diesem Buch, wie Malte Dahlgrün in seiner harschen Kritik zu Richard David Prechts Bestseller feststellt, es geht um die Unordentlichkeit der Themenbehandlung durch den geschwätzigen Autor. Nicht nur dass Precht laut Dahlgrün keine Ahnung hat von der Liebe aus emotionspsychologischer Sicht, für den Rezensenten überstrapaziert der Autor das Genre des populären Sachbuches auch in einer Weise, die stellenweise glauben macht, Oliver Pocher habe das Buch geschrieben. Fassungslos steht Dahlgrün vor der Inkompetenz und der Großspurigkeit Prechts, wenn dieser bedeutende Vertreter und Theorien aus der Evolutionsbiologie und der evolutionären Psychologie verhöhnt, ohne sie, wie der Rezensent erkennen muss, auch nur ansatzweise verstanden zu haben. Dahlgrüns Warnung ist deutlich: Dieses Buch steckt voller fachlich irrelevanter, falscher oder lachhafter Aussagen und unzusammenhängender Analyseansätze. Liebe, meint Dahlgrün, ist ein schillernder Begriff, den einer wie Precht nicht zu präzisieren vermag. Hände weg von diesem unordentlichen Buch!

© Perlentaucher Medien GmbH

Letztlich bleibt Precht uns die Antwort schuldig, was nun die größte Liebe ist - diese "göttliche" Liebe, mit der wir all die Unordnungen der real erfahrbaren Liebeserlebnisse ertragen können. Doch ich bin sehr hoffnungsvoll, dass sein "Stiefsohn" eines Tages darüber Auskunft geben kann. Denn auch wenn dessen "Stiefvater", wenn er nicht mehr weiter weiß, zu sonderbaren Tierbeispielen greifen muss, so bringt er doch einen ganz entscheidenden Punkt ins Reine: Es ist egal, unter welch noch so "unordentlichen" äußeren Bedingungen ein Mensch die Welt kennen lernen muss, jeder hat die Chance, für sich Ordnungen zu schaffen, indem er die Bedingungen von menschlichen Beziehungen erkennen und begreifen kann. Genau das kann man mit diesem Buch lernen, und wer seine Kinder nicht dem Zufall und unsinnigen phantastischen Absurditäten überlassen will, sollte sie dazu verführen, dieses Buch zu lesen. Für all diejenigen, die "noch" nicht in der Lage sind, Foucault oder Luhmann im Original zu lesen, kann dieses Buch eine Brücke sein, über die zu gehen neugierig oder sogar notwendig machen kann, sich aus der Beschränktheit heraus zu begeben - und den Kopf mit echtem Inhalt zu versorgen. Viele begabte junge Leute haben einen Heißhunger auf Stoff, der nicht nur langweilt. Einer meiner Neffen, inzwischen diplomierter Physiker, will in diesem Wissenschaftszweig nicht arbeiten: "Ich will nicht den Rest meines Lebens am Computer verbringen" ist das Argument, mit dem er den technisch überformten Naturwissenschaften den Rücken kehrt - und Precht würde ihm sicher recht geben. Intelligente Menschen brauchen zum Leben mehr als Formeln, Statistiken und die Isolation des eingeschränkten Denkens. Auch wenn in unserer Zeit alle Uhren naturwissenschaftlichtechnisch ticken, die wirklich Begabten werden weiterfragen und wissen wollen, was das alles, das mit Zahlen und Daten erforscht werden kann, für unser Leben bedeutet. Wer von ihnen mehr genießen will als oberflächlichen Erfolg und Konsum, wird mit diesem Buch eine andere Welt entdecken. Mit Precht kann man gute Laune lernen, man kann entdecken, dass vieles nicht so eng ist, wie es erscheint, und andererseits, dass viele scheinbar großartigen Geheimnisse letztlich ganz einfach aufzulösen sind - indem man die richtigen Fragen stellt. Zur Zeit macht man sich damit nicht überall beliebt - die Lobby der Kurzdenker ist ziemlich potent - aber dieses Buch ist, weil der Autor mit konsequenter Logik und charmantem Humor den Bedingungen einer elementaren Lebenserfahrung auf den Grund geht, eine echte Chance, einen Weg aus dieser Spirale von technischer Unmenschlichkeit zu weisen. Wir sollten unseren erwachsen werdenden Kindern diese Chance durchaus zumuten, denn nichts ist so spannend wie die Frage nach der Liebe, und nichts ist so wichtig wie für sich zu entdecken, wie man sie für sich gestalten kann. Danach sollte man allerdings zu diesem Thema die Besten der besten Kinderbücher lesen, denn in ihnen kann man wunderbare Modelle dafür finden. (Rezension von Gabriele Hoffmann aus dem LibriFachkatalog Harry & Pooh 2009/2010)

Dieser Richard David Precht ist ein schönes Phänomen. Auch in seinem Buch über das "unordentliche Gefühl" Liebe findet sich im Grunde nichts sensationell Neues. Warum liest es sich genau wie seine Einführung in die Philosophie dann so spannend wie eine Betriebsanleitung für das eigene Gehirn? Es liegt an dem Ton, in dem der kluge Collageur Precht seine Zusammenschau der Erkenntnisse über die Liebe anbietet: "Möglicherweise", schreibt Precht in seinem Buch über die "Liebe" , "denken Sie gemeinsam mit mir ein wenig über Ihr geschlechtliches und soziales Rollenverhalten nach und über Ihre als selbstverständlich und normal eingeschliffenen Reaktionen. Vielleicht haben Sie Lust, in Zukunft manchmal ein wenig intelligenter mit sich selbst umzugehen - aber natürlich nur, wenn und wann Sie möchten." Kann man freundlicher zum Lesen einladen? ("Druckfrisch - Neue Bücher mit Denis Scheck", ARD, 3. Mai 2009)
Richard David Precht, Philosoph, Publizist und Autor, wurde 1964 in Solingen geboren. Er promovierte 1994 an der Universität Köln und war fünf Jahre Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem kognitionspsychologischen Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Schulpädagogik. Im Jahr 2000 wurde er mit dem Publizistikpreis für Biomedizin ausgezeichnet. Mit seinem Philosophiebuch "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?", das seit fünf Jahren auf der Sachbuch-Bestsellerliste steht, begeisterte er Leser wie Kritiker. Auch seine Bücher "Liebe. Ein unordentliches Gefühl", "Die Kunst, kein Egoist zu sein" und "Warum gibt es alles und nicht nichts?" waren große Bestsellererfolge. Als Honorarprofessor lehrt er Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin. Seit September 2012 moderiert er die ZDF-Philosophiesendung "Precht".

Leseprobe zu "Liebe" von Richard D. Precht

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Leseprobe zu "Liebe" von Richard D. Precht

Dies ist ein Buch über Frauen und Männer. Und über etwas sehr schönes Seltsames, das zwischen ihnen passieren kann - die Liebe. Die Liebe ist das beliebteste Thema des Menschen. Romane ohne Liebe sind selten, Filme ohne Liebe noch seltener. Auch wenn wir nicht immer über die Liebe reden, so ist sie uns gleichwohl immer wichtig. Möglicherweise war das nicht immer so in der Geschichte der Menschheit. Aber heute, so scheint es, ist dies der Stand der Dinge. Kein Deo wandert ohne Liebesversprechen über den Ladentisch, und keinem Popsong fällt noch ein anderes wichtiges Thema ein.

Das Thema Liebe ist gewaltig. Es umfasst nahezu alles. Von "Warum gibt es überhaupt Mann und Frau?" bis "Was muss ich tun, um meine Ehe zu retten?". Und es ist uferlos. Man kann Frauen mit schiefergrauen Augen lieben und Vollmondnächte in der Taiga. Man kann seine Gewohnheiten lieben und Männer, die Zahnpastatuben ordentlich ausdrücken. Man kann Siamkatzen lieben und blutige Steaks, den Kölner Karneval und buddhistische Klosterstille, Bescheidenheit, einen Sportwagen und seinen Herrgott. Man kann all dies getrennt lieben. Man kann es parallel lieben. Und manches sogar gleichzeitig.

Von all diesem vielen Lieben und Liebenswerten geht es in diesem Buch nur um das eine: um die geschlechtliche Liebe zu einem Liebespartner. Ein Buch über die Liebe kann man nicht schreiben, und dies ist kein Buch über alles. Das Thema Frau und Mann (auch Frau und Frau und Mann und Mann) ist schwierig genug. Denn die geschlechtliche Liebe ist hoch verdächtig; als ein Sujet nämlich, an dem sich zwar die besten Dichter, aber nur selten die klügsten Philosophen versucht haben.

So wichtig sie uns ist, in der abendländischen Philosophie gilt die geschlechtliche Liebe seit Platon als U-Musik. Solange Philosophen den Menschen über seine Vernunft definierten, war die Liebe kaum mehr als ein Unfall, eine Verwirrung der Gefühle mit bedauerlichen Folgen für den umnebelten Verstand. Gefühle als Herren oder Herrinnen unserer Seele waren lange disqualifiziert. Denn was man nicht als vernünftig ausweisen konnte, darüber wollte man lieber schweigen. Die bekannten Ausnahmen in der Geschichte der Philosophie bestätigen diese Regel. Friedrich Schlegel, Arthur Schopenhauer, Sören Kierkegaard, Friedrich Nietzsche, Jean-Paul Sartre, Roland Barthes, Michel Foucault oder Niklas Luhmann mögen noch so viel Bedenkenswertes über die Liebe gesagt haben - mit einer Vorlesungsreihe über die Liebe macht sich ein Philosoph in der akademischen Welt bis heute verdächtig, und der Spott seiner Kollegen ist ihm sicher. Die Philosophie ist ein sehr konservatives Fach, und die Vorbehalte sitzen tief. Wahrscheinlich gibt es bis heute weit mehr intelligente philosophische Bücher über formale Logik oder über das Kategorienproblem bei Kant als über die Liebe.

Im Gegenzug allerdings wird niemand allen Ernstes auf die Idee kommen wollen, die Probleme der formalen Logik wichtiger für das Menschsein zu finden als die Liebe. Doch mit den Skalpellen der Philosophie, so scheint es, lässt sie sich schwer sezieren. "Die Liebe ist die unbegreiflichste, weil grundloseste, selbstverständlichste Wirklichkeit des absoluten Bewusstseins", meinte Karl Jaspers. Sie ist schlüpfrig und schwer zu fassen. Aber haben es die Psychologen leichter? Oder gar, wie es neuerdings scheinen will, die Chemiker und Biologen? Wissen sie, wo sie herkommt, die Liebe, und warum sie so oft dahingeht? Und was macht sie mit uns in der Zwischenzeit?

Die Liebe ist das vielleicht wichtigste Thema an der Schnittstelle von Natur- und Geisteswissenschaft. Sie erschließt sich weder durch Logik noch durch eine philosophische "Letztbegründung". Aber sollte man deshalb den Statistikern das Feld überlassen, den Meinungsumfragen, den Psycho-Experimenten, den Blutanalysen und Hormontests?

Vielleicht ist die Liebe auch dafür zu kostbar. Zu wichtig und kompliziert auch für die schlauen Ratgeber zum Liebes- und Beziehungsmanagement. Ihre Zahl ist nahezu unbegrenzt, ihr Einluss schwer abzuschätzen, aber sicher zu fürchten. All die klugen Tipps, die verraten, mit welchem Geheimplan man den richtigen Partner oder die richtige Partnerin findet, wie man seine Liebe jung hält, wie man ein feuriger Liebhaber oder eine feurige Liebhaberin wird und bleibt. All die Techniken über und unter der Bettdecke, das Handwerk und die "Kunst des Liebens" wurden handlich beschrieben. Und die verballhornte Hirnforschung verrät uns in hundert Titeln, warum Frauen mit der rechten Gehirnhälfte denken und Männer mit der linken und weshalb Männer eben nichts im Kühlschrank finden und Frauen nicht einparken können. Männer werden durch Sex glücklich und wollen immer auf die Venus. Frauen dagegen suchen die Liebe oder zumindest ein Mars, denn auch Schokolade macht Frauen glücklich. Man muss also nur das richtige Buch lesen, und man lernt sich und den anderen endlich kennen. Alles wird gut. Und wenn schon nicht im wirklichen Leben, so immerhin auf den Buchseiten.

Tatsächlich wissen wir nicht sehr viel. Und die Frage nach Mann und Frau und ihrer wechselseitigen Anziehung und Zuneigung ist ideologisch verhärteter als jede Politik. So wichtig sie uns ist - gerade bei der Liebe begnügen wir uns gerne mit Halbwissen und Halbwahrheiten. Angesichts der Bedeutung und der Brisanz des Themas ein erstaunlicher Befund. Wir sind froh für jede einfache Erklärung, lassen uns sagen, wie die Männer und die Frauen sind, obwohl wir in unserem täglichen Leben nur Charakteren begegnen und keinen Geschlechtern. Trotzdem sind wir bei den Antworten zumeist weniger wählerisch als beim Klingelton unseres Handys, den wir so lange aussuchen, bis wir meinen, dass er tatsächlich zu uns passt.

Gegen all dies ist es an der Zeit, die Frage nach Mann und Frau und nach der Liebe aus den alten und neuen Würgegriffen und Weltbildern zu befreien. Die Messlatte liegt hoch: "Was Prügel sind, das weiß man schon; was aber Liebe ist, das hat noch keiner herausgebracht", vermutete bereits Heinrich Heine. Vielleicht muss man es auch nicht selbst herausbringen wollen. Etwa, weil es die Liebe gar nicht gibt. Und vielleicht reicht es schon, den "Wahnsinn der Götter" des Philosophen Platon und das "Gespenst" des Moralisten La Rochefoucauld mit Worten gut zu umzingeln, auf dass sie sich genauer zu erkennen geben.

Die Liebe ist eine Welt, in der starke Emotionen bunte Vorstellungen auslösen. Das teilt sie mit der Kunst und mit der Religion. Auch hier haben wir es mit Vorstellungswelten zu tun, die ihren Wert in der unmittelbaren sinnlichen Erfahrung haben und nicht in Vernunft und Wissen. Man mag also meinen, dass diese gleitende Logik der Liebe ihren eigentlichen Platz nur in der Literatur haben kann, die sie, nach Ansicht mancher Philosophen und Soziologen, sogar erfunden haben soll. Aber sind wir mit den Dichtern wirklich schon am Ende?In einem Kapitel meines Buches Wer bin ich? hatte ich in einem kleinen Kapitel über die Liebe nur mit der Taschenlampe in den Nachthimmel geleuchtet.

Leseprobe zu "Liebe" von Richard D. Precht

Dies ist ein Buch über Frauen und Männer. Und über etwas sehr schönes Seltsames, das zwischen ihnen passieren kann - die Liebe. Die Liebe ist das beliebteste Thema des Menschen. Romane ohne Liebe sind selten, Filme ohne Liebe noch seltener. Auch wenn wir nicht immer über die Liebe reden, so ist sie uns gleichwohl immer wichtig. Möglicherweise war das nicht immer so in der Geschichte der Menschheit. Aber heute, so scheint es, ist dies der Stand der Dinge. Kein Deo wandert ohne Liebesversprechen über den Ladentisch, und keinem Popsong fällt noch ein anderes wichtiges Thema ein.

Das Thema Liebe ist gewaltig. Es umfasst nahezu alles. Von "Warum gibt es überhaupt Mann und Frau?" bis "Was muss ich tun, um meine Ehe zu retten?". Und es ist uferlos. Man kann Frauen mit schiefergrauen Augen lieben und Vollmondnächte in der Taiga. Man kann seine Gewohnheiten lieben und Männer, die Zahnpastatuben ordentlich ausdrücken. Man kann Siamkatzen lieben und blutige Steaks, den Kölner Karneval und buddhistische Klosterstille, Bescheidenheit, einen Sportwagen und seinen Herrgott. Man kann all dies getrennt lieben. Man kann es parallel lieben. Und manches sogar gleichzeitig.

Von all diesem vielen Lieben und Liebenswerten geht es in diesem Buch nur um das eine: um die geschlechtliche Liebe zu einem Liebespartner. Ein Buch über die Liebe kann man nicht schreiben, und dies ist kein Buch über alles. Das Thema Frau und Mann (auch Frau und Frau und Mann und Mann) ist schwierig genug. Denn die geschlechtliche Liebe ist hoch verdächtig; als ein Sujet nämlich, an dem sich zwar die besten Dichter, aber nur selten die klügsten Philosophen versucht haben.

So wichtig sie uns ist, in der abendländischen Philosophie gilt die geschlechtliche Liebe seit Platon als U-Musik. Solange Philosophen den Menschen über seine Vernunft definierten, war die Liebe kaum mehr als ein Unfall, eine Verwirrung der Gefühle mit bedauerlichen Folgen für den umnebelten Verstand. Gefühle als Herren oder Herrinnen unserer Seele waren lange disqualifiziert. Denn was man nicht als vernünftig ausweisen konnte, darüber wollte man lieber schweigen. Die bekannten Ausnahmen in der Geschichte der Philosophie bestätigen diese Regel. Friedrich Schlegel, Arthur Schopenhauer, Sören Kierkegaard, Friedrich Nietzsche, Jean-Paul Sartre, Roland Barthes, Michel Foucault oder Niklas Luhmann mögen noch so viel Bedenkenswertes über die Liebe gesagt haben - mit einer Vorlesungsreihe über die Liebe macht sich ein Philosoph in der akademischen Welt bis heute verdächtig, und der Spott seiner Kollegen ist ihm sicher. Die Philosophie ist ein sehr konservatives Fach, und die Vorbehalte sitzen tief. Wahrscheinlich gibt es bis heute weit mehr intelligente philosophische Bücher über formale Logik oder über das Kategorienproblem bei Kant als über die Liebe.

Im Gegenzug allerdings wird niemand allen Ernstes auf die Idee kommen wollen, die Probleme der formalen Logik wichtiger für das Menschsein zu finden als die Liebe. Doch mit den Skalpellen der Philosophie, so scheint es, lässt sie sich schwer sezieren. "Die Liebe ist die unbegreiflichste, weil grundloseste, selbstverständlichste Wirklichkeit des absoluten Bewusstseins", meinte Karl Jaspers. Sie ist schlüpfrig und schwer zu fassen. Aber haben es die Psychologen leichter? Oder gar, wie es neuerdings scheinen will, die Chemiker und Biologen? Wissen sie, wo sie herkommt, die Liebe, und warum sie so oft dahingeht? Und was macht sie mit uns in der Zwischenzeit?

Die Liebe ist das vielleicht wichtigste Thema an der Schnittstelle von Natur- und Geisteswissenschaft. Sie erschließt sich weder durch Logik noch durch eine philosophische "Letztbegründung". Aber sollte man deshalb den Statistikern das Feld überlassen, den Meinungsumfragen, den Psycho-Experimenten, den Blutanalysen und Hormontests?

Vielleicht ist die Liebe auch dafür zu kostbar. Zu wichtig und kompliziert auch für die schlauen Ratgeber zum Liebes- und Beziehungsmanagement. Ihre Zahl ist nahezu unbegrenzt, ihr Einluss schwer abzuschätzen, aber sicher zu fürchten. All die klugen Tipps, die verraten, mit welchem Geheimplan man den richtigen Partner oder die richtige Partnerin findet, wie man seine Liebe jung hält, wie man ein feuriger Liebhaber oder eine feurige Liebhaberin wird und bleibt. All die Techniken über und unter der Bettdecke, das Handwerk und die "Kunst des Liebens" wurden handlich beschrieben. Und die verballhornte Hirnforschung verrät uns in hundert Titeln, warum Frauen mit der rechten Gehirnhälfte denken und Männer mit der linken und weshalb Männer eben nichts im Kühlschrank finden und Frauen nicht einparken können. Männer werden durch Sex glücklich und wollen immer auf die Venus. Frauen dagegen suchen die Liebe oder zumindest ein Mars, denn auch Schokolade macht Frauen glücklich. Man muss also nur das richtige Buch lesen, und man lernt sich und den anderen endlich kennen. Alles wird gut. Und wenn schon nicht im wirklichen Leben, so immerhin auf den Buchseiten.

Tatsächlich wissen wir nicht sehr viel. Und die Frage nach Mann und Frau und ihrer wechselseitigen Anziehung und Zuneigung ist ideologisch verhärteter als jede Politik. So wichtig sie uns ist - gerade bei der Liebe begnügen wir uns gerne mit Halbwissen und Halbwahrheiten. Angesichts der Bedeutung und der Brisanz des Themas ein erstaunlicher Befund. Wir sind froh für jede einfache Erklärung, lassen uns sagen, wie die Männer und die Frauen sind, obwohl wir in unserem täglichen Leben nur Charakteren begegnen und keinen Geschlechtern. Trotzdem sind wir bei den Antworten zumeist weniger wählerisch als beim Klingelton unseres Handys, den wir so lange aussuchen, bis wir meinen, dass er tatsächlich zu uns passt.

Gegen all dies ist es an der Zeit, die Frage nach Mann und Frau und nach der Liebe aus den alten und neuen Würgegriffen und Weltbildern zu befreien. Die Messlatte liegt hoch: "Was Prügel sind, das weiß man schon; was aber Liebe ist, das hat noch keiner herausgebracht", vermutete bereits Heinrich Heine. Vielleicht muss man es auch nicht selbst herausbringen wollen. Etwa, weil es die Liebe gar nicht gibt. Und vielleicht reicht es schon, den "Wahnsinn der Götter" des Philosophen Platon und das "Gespenst" des Moralisten La Rochefoucauld mit Worten gut zu umzingeln, auf dass sie sich genauer zu erkennen geben.

Die Liebe ist eine Welt, in der starke Emotionen bunte Vorstellungen auslösen. Das teilt sie mit der Kunst und mit der Religion. Auch hier haben wir es mit Vorstellungswelten zu tun, die ihren Wert in der unmittelbaren sinnlichen Erfahrung haben und nicht in Vernunft und Wissen. Man mag also meinen, dass diese gleitende Logik der Liebe ihren eigentlichen Platz nur in der Literatur haben kann, die sie, nach Ansicht mancher Philosophen und Soziologen, sogar erfunden haben soll. Aber sind wir mit den Dichtern wirklich schon am Ende?In einem Kapitel meines Buches Wer bin ich? hatte ich in einem kleinen Kapitel über die Liebe nur mit der Taschenlampe in den Nachthimmel geleuchtet.

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Kundenbewertungen zu "Liebe" von "Richard D. Precht"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** sehr gut)
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Bewertung von Kianu Riefs, Event und Moderation aus Großraum Hannover-Leipzig-Kändler-Hameln-Bad Pyrmont-Stuttgart-Lissabon (Weltbürger, immer am Reisen) am 08.02.2012 ***** sehr gut
Gutes Werk, dass mir mein Uropa schenkte. Der blickt allerdings bis heute nicht durch, was es mit der Liebe so alles auf sich hat.
Liebe kann schön sein - - wenn sie erwidert wird. Ansonsten wird das Gefühl schnell "unordentlich", wie Precht es sagt. Denn man versucht dann den Partner für sich zu gewinnen und hofft, dass es dann doch irgendwann klappt mit Liebe und Partnerschaft.
Klappt es nicht, so macht sich monatelange, manchmal auch jahrelange Verbitterung breit, die erst durch eine neue gelingende Liebe allmählich schwinden kann.
Sex in der Partnerschaft kann schön sein, wenn die jeweiligen Partner gegenseitig rücksichtsvoll und achtsam miteinander umgehen und beide Spaß daran haben. Fühlt sich einer vom anderen eher bedrängt, so ist dies schon ein Zeichen, dass irgendwas in der Beziehung nicht mehr so rosig ist.
Insgesamt ein lesenswertes Buch, auch wenn man nachher genauso schlau ist wie vorher, denn "Liebe, Sex und Partnerschaft" sind ein kompliziertes Feld und laufen eher instinktiv und schicksalhaft ab.

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Bewertung von Monili84 aus Aachen am 23.10.2011 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch hat von allem Etwas: ein Bisschen Evolutionslehre, ein WEnig Gesellschaftskritik, und noch eine Prise Philosophie. Precht gilt nicht umsonst als Bestsellerautor für den Bereich Sachbücher.
Hier schafft er es, ein sehr komplexes, ich möchte sagen, beinah komplettes Bild der "Liebe" zu zeichnen. Sein Schreibstil ist wie immer nicht ganz so ernst und man muss dermaßen oft lachen. Alles in Allem stellt man aber oft fest, wie wahr die Inhalte sind. Der verliebte Leser findet auch einige romantisch anmutende Stellen u versteht bei all den Fakten der Biologie endlich, was in seinem Inneren durch das große Gefühl Liebe passiert. Danke Precht, dass du unsere unordentliche Gefühlswelt hiermit ein wenig aufräumst. Das Buch würde ich ohne schlechtes Gewissen jedem empfehlen. Ist eigentlcih für jede Zielgruppe ab 15+ was. Viele Fakten für den, der lieber rationale Infos aus Bücher zieht, zum Schmunzeln für die Singles u zum schwärmen für Verliebte!!!

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Bewertung von Dr. Sabine Friedrichs aus Erding am 14.04.2010 ***** gut
Ich finde das Buch lesenswert, sofern man nicht erwartet, dass es einem eigene Erfahrungen und Ansichten zum Thema Liebe ersetzt.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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