Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch - Lewycka, Marina

Marina Lewycka 

Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch

Roman. Ausgezeichnet mit dem Saga Award for Wit 2005 und dem Bollinger Everyman Wodehouse Prize 2005

Dtsch. v. Elfi Hartenstein
Broschiertes Buch
 
4 Kundenbewertungen
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Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch

Als Nadias verwitweter Vater ihr mitteilt, dass er wieder heiraten will, löst er eine gewaltige Familienkrise aus. Sein neuer Schatz ist eine üppige Blondine, aus der Ukraine wie er auch, mit einer Vorliebe für grüne Satinunterwäsche, Fertiggerichte und hochtechnisierte Kücheneinrichtungen. Nadia ist sofort klar, daß diese Frau vor nichts haltmachen wird, um ihre ehrgeizigen Träume zu verwirklichen …
Doch etwas Gutes hat die Angelegenheit: Nadia und ihre Schwester Vera sprechen seit Jahren das erste Mal wieder miteinander, verbunden durch das gemeinsame Ziel: ihr Vater muss aus den Klauen der Glücksritterin gerettet werden! Doch auch der alte Mann arbeitet zielstrebig an der Erfüllung seiner Träume. Unter anderem schreibt er an einer "Geschichte des Traktors auf Ukrainisch", die nicht weniger als die Geschichte der industrialisierten Welt behandelt …


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 358 S.
  • Seitenzahl: 360
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 136mm x 33mm
  • Gewicht: 454g
  • ISBN-13: 9783423245579
  • ISBN-10: 3423245573
  • Best.Nr.: 20837516
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Vater steht auf Traktoren und Titten - ersteres manifestiert sich in seiner Arbeit an einem Trecker-Buch, zweiteres in seiner neuen Frau Valentina. Die ist 48 Jahre jünger als er, hat einen enormen Vorbau und kommt aus der Ukraine. Den Töchtern Vera und Nadeshda ist klar: Die Schlampe ist auf Papas Geld und ein Visum scharf! Um dagegen anzugehen, beerdigen die zwei ihren eigenen Streit und setzen alles daran, das britisch-ukrainische Eheglück zu zerstören. Überraschend enterte Marina Lewyckas Debütroman im letzten Jahr die Bestsellerlisten - vor allem die elegante Mischung aus Familiengeschichte, klischeehafter Lovestory und Immigrantendrama gefiel. In dieser Hörspielbearbeitung von Claudia Kattanek geht der Mix leider flöten. Reduziert auf eine Länge von 60 Minuten, bleibt von Lewyckas Geschichte vor allem der klischeebeladene Teil übrig - durch die Wahl der Sprecher (Jeanette Spassova lässt Valentina wie ein billiges Luder klingen) wird das sogar noch verstärkt. Gelungen ist allerdings die musikalische Untermalung der Geschichte. Dynamisch teilt sie in Sinnabschnitte und unterstützt so die Dramaturgie. (jul)

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Kurzweilige Unterhaltung hat Marina Lewyckas Debütroman der Rezensentin beschert. Mächtig überrascht über die Wendung des Textes vom "Trash-Affinen" zu einer rührenden Familiengeschichte, einem "klugen" Kommentar zum Thema Integration und einem Überblick über die ukrainische Geschichte, notiert Sonja Zekri die vielen Vorzüge des Textes: Die gekonnte wie "leichthändige" Balance zwischen derber Komik und Tragischem, die beiläufige Infragestellung politischer wie sozialer Prämissen, das Vermeiden kruder Schwarz-Weiß-Malerei bei der Zeichnung der "verhaltensauffälligen" Charaktere. Und fragt sich, wie die Autorin das nur angestellt hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.11.2006

Eine flauschige rosa Granate
Marina Lewyckas knalliger Roman „Die Geschichte des Traktors auf Ukrainisch”
Die Braut heißt Valentina. Sie ist die „den Fluten entsteigende Venus von Botticelli. Du weißt schon: goldenes Haar, wunderschöne Augen, phantastischer Busen. Wenn du sie siehst, verstehst du, was ich meine”. Valentina trägt gern ultrakurze Röcke und wurstpellenenge Pullover. Sie stammt aus der Ukraine und ist 36 Jahre alt.
Der Bräutigam heißt Nikolai. Er hat eine wulstige Narbe am Hals, weil er sich mal die Kehle aufgeschlitzt hat. Nikolai isst gern geschnitzelte Äpfel, die er in einer Mikrowelle Marke Toshiba brät („Toshiba-Äpfel”). Er ist stur und oberschlau, außerdem hat er „Probleme mit Nerven. Probleme mit Baden. Probleme mit Pipi”, wieValentina später sagt, aber da läuft schon die Scheidung. Nikolai stammt auch aus der Ukraine, lebt aber schon lange in England. Er liebt Traktoren. Er ist 84 Jahre alt.
Du lebendig Toter!
Valentina heiratet Nikolai, um in England zu bleiben und ihren Sohn auf eine Privatschule zu schicken. Nikolai heiratet Valentina, weil er sich zwischen ihren Botticelli-Brüsten wieder jung …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.10.2006

Paradieschen von unten betrachtet
Traktoren-Spotting: Die spätberufene Schriftstellerin Marina Lewycka legt einen überraschenden Einwandererroman vor / Von Tobias Döring

Auch dies ist ein Roman vom Zwiebelhäuten, eine zögernde, teilweise ungewollte und doch mit störrischer Beharrlichkeit vorangetriebene Erkundung der schmerzvollen Vergangenheit von Weltkrieg und Vertreibung, ein Roman über sehr ernste Angelegenheiten also, dazu aber - und dies ist das wahrhaft Wunderbare an diesem erstaunlichen Buch - von kalkulierter Komik und durchtriebener Ironie. Es ist das literarische Debüt einer neunundfünfzigjährigen Hochschullehrerin aus der mittelenglischen Provinz, die in den letzten Jahren Kurse in "Creative Writing" absolviert hat und hier eine derart frische und zupackende, dabei stets lakonisch lockere Erzählprosa vorlegt, daß viele hoffnungsvolle Jungtalente dagegen alt aussehen. Ohne Talkshow-Auftritte oder Enthüllungsstories eroberte Marina Lewyckas "Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch" letztes Jahr die britischen Bestsellerlisten und wurde in 26 Länder verkauft. Der Erfolg ist hoch verdient. Bald wird so die halbe Welt …

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"Wenn ein 84jähriger seinen beiden Töchtern mitteilt, dass er ein 36jähriges Traumweib aus der Ukraine zu heiraten beabsichtigt, wird dies in den meisten Familien für gewissen Trubel sorgen. Lewycka gewinnt dieser Ausgangskonstellation schöne Pointen ab und schafft es überdies ein ebenso vergnügliches wie einfühlsames Buch über Ost und West, Integration und Fremdenfeindlichkeit zu schreiben."
Deutschlandfunk 09.02.2007

»Ein sympathisches, hochunterhaltsames Buch.« Süddeutsche Zeitung Juli 2007
Marina Lewycka wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind ukrainischer Eltern in einem Flüchtlingslager in Kiel geboren und wuchs in England auf. Sie ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter, lebt in Sheffield und unterrichtet an der Sheffield Hallam University.

Kundenbewertungen zu "Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch"

4 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.5 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen **** ausgezeichnet)
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Bewertung von Xirxe aus Hannover am 01.11.2009 ***** sehr gut
Den ersten Teil des Buches habe ich vermutlich wie viele andere Leserinnen und Leser auch mit wachsender Entrüstung gelesen: Gierige, materialistisch eingestellte Osteuropäerin nimmt armen alten Mann aus. Stellenweise recht komisch, manchmal auch beklemmend.
Doch dann mischen sich neue Töne ein: Ganz so einfach sind die Schuldzuweisungen doch nicht zu verteilen. Der Vater der Erzählerin ist schwierig, er braucht Hilfe beim Baden, es gibt Probleme mit Pipi, er hat sexuelle Wünsche an seine Ehefrau, hat ihr deshalb auch eine Brustvergrößerung gezahlt, ist zänkisch - Dinge, die die (erzählende) Tochter Nadja am liebsten verdrängen würde. Dagegen stehen die eigentlichen Gründe der neuen Stiefmutter Valentina für diese Heirat: Ihrem Sohn die Chance auf ein besseres Leben zu ermöglichen, selbst auch jetzt schon ein besseres Leben als in der Ukraine zu führen (Wer die Verhältnisse in manchen der ehemaligen Teile der früheren UdSSR kennt, kann dies verstehen) - Nadja fängt an sich zu fragen, was sie denn an Valentinas Stelle getan hätte.
Und so, wie sich in der zweiten Ehe ihres Vaters nicht alles als so eindeutig und klar darstellt wie man beim ersten Blick vielleicht denken würde, so entwickelt sich auch das Verhältnis der beiden Töchter. Es zeigt sich, dass die große Schwester nicht einfach nur ein eiskalter materialistischer Charakter ist, sondern das es auch hier noch eine andere, weitere Wahrheit gibt, die erst nach und nach zu Tage tritt.
Es ist ein guter Unterhaltungsroman, der einem an einem aktuellen Thema zudem klar vor Augen führt, dass nichts so einfach zu sein scheint, wie man beim ersten Lesen meint. Hinter der scheinbar klaren Schwarz-Weiß-Realität (da gut und da böse) stecken unzählige Grautöne. Mich hat dies Buch ziemlich nachdenklich gestimmt..

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Bewertung von Polar aus Aachen am 20.11.2007 ***** sehr gut
Natürlich tauchen Klischees in diesem Roman auf: Ein alter Mann verliebt sich in eine junge Frau, die ihn ausnimmt, sich die Einbürgerung zu erschleichen sucht, zwei Schwester sind zerstritten wegen des Erbes und selbst die Geschichte der Ukraine spart schwächere Anspielungen nicht aus. Und was kommt am Ende heraus: man amüsiert sich. Wenn auch der eine oder andere Kritiker behaupten wird: Aber unter seinem Niveau. Marina Lewycka ist mit ihrer verschrobenen Geschichte dieser Familie etwas gelungen, was viele Autoren sich vornehmen, aber nicht einhalten können: Der bitterböse Blick kommt mit einem Lächeln daher. Wie Kinder ihre Eltern im Alter bevormunden wollen, obwohl die ein Recht darauf haben, auch am Ende des Lebens alles falsch zu machen, wie die Hungersnot in der Ukraine dank Stalins Kulaken-Politik verknüpft wird mit der Einführung des Traktors, oder wie das Leben in der Immigration dazu führt, Landsleute selbst als Immigranten zu betrachten, weist daraufhin, daß Lewycka vor allem eins besitzt, eine überbordende Fantasie gepaart mit Sarkasmus, der nicht verletzt. Nichts ist unmöglich, dabei hilft ihr vor allem eine pointierte Dialogführung, die der Geschichte Tempo verleiht. Und wenn der Vater am Ende die Arme hochhebt und tief durchatmet, um die Sonne zu grüßen, hat man eines nicht: sich gelangweilt. Was Unterhaltungsliteratur oft schafft, aber selten wie hier über ihrem Niveau.

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Bewertung von Noce am 05.11.2007 ***** ausgezeichnet
Unbedingt Lesen! So eine Geschichte bekommt man nicht jeden Tag in die Hand!

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Bewertung von MarionR am 13.04.2007 ***** ausgezeichnet
Ein wunderbares Buch. Sehr ausgewogen in Spannung, Spaß und Tragik. Ein Buch, das man durchaus auch zweimal lesen möchte.

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