Die Stadt der Blinden - Saramago, José

José Saramago 

Die Stadt der Blinden

Roman.

Dtsch. v. Ray-Güde Mertin
Broschiertes Buch
 
11 Kundenbewertungen
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Die Stadt der Blinden

Eine Ampel in einer namenlosen Stadt springt auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Autos bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal. Die Erblindeten werden in einem leerstehenden Irrenhaus interniert, wo sie sich selbst überlassen werden. Doch es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbruch gelingen ...

Irgendwo, in einer namenlosen Stadt, ist eine Epidemie ausgebrochen. Mehr und mehr Menschen verlieren aus unerklärlichen Gründen ihr Augenlicht. Der Staat greift ein, die Erblindeten werden in ein leerstehendes Irrenhaus gebracht und müssen dort unter unmenschlichen Bedingungen leben. Soldaten riegeln das Gelände ab und lassen niemanden hinaus. In dieser Situation scheinen die letzten moralischen Skrupel der Insassen dem nackten Überlebenskampf zum Opfer zu fallen. Doch gibt es eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann bleiben zu können. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbruch gelingen.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2007
  • 17. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 398 S.
  • Seitenzahl: 400
  • rororo Taschenbücher Nr.22467
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 116mm x 35mm
  • Gewicht: 356g
  • ISBN-13: 9783499224676
  • ISBN-10: 3499224674
  • Best.Nr.: 07617634
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.1997

Augen in einem Meer aus Milch
Auf jeden Fall humanistisch: José Saramagos "Stadt der Blinden" / Von Max Grosse

Tagebücher haben ihre Leser noch stets mit dem Blick durchs Schlüsselloch geködert, auch wenn manche Autoren den Voyeuren gleich ganz zu Willen sind und alle autobiographischen Türen sperrangelweit aufreißen. In den besten Fällen können die Neugierigen dann bei Paul Valéry zu Zeugen dessen werden, was sich in den Gehirnwindungen eines Dichters abgespielt haben mag, oder sie schauen bei Thomas Mann in jene Falten, welche der repräsentative Krönungsmantel öffentlicher Ehren über den ganz persönlichen Nöten eines Großschriftstellers wirft. Plötzlich gerät die Bronze eines Standbildes wieder in Fluß. Zu den wenigen günstigen Fällen zählen José Saramagos "Notizbücher aus Lanzarote". Hier findet sich hinter der geheimnisvollen Tür zu den Privatgemächern lediglich ein großer Strohhaufen mit allerlei Klatsch, gravitätischen Verlautbarungen zu irgendwelchen Schriftstellerkongressen oder -parlamenten, die das Wohl der Menschheit befördern sollen, Berichten über die Vergabe von Literaturpreisen und natürlich über eigene …

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José Saramago wurde am am 16.11.1922 in dem Dorf Azinhaga im portugiesischen Ribatejo als Sohn einer Landarbeiterfamilie geboren. Mit zwei Jahren Umzug nach Lissabon. Aus finanziellen Gründen Wechsel vom Gymnasium auf eine berufliche Schule, die er 1939 als Maschinenschlosser verließ. Zwei Jahre Tätigkeit in diesem Beruf in einem Krankenhaus, anschließend Übergang in die Verwaltung. Ab 1955 häufige Aufenthalte im Literatencafé "Café Chiado". Durch Vermittlung Arbeit im Verlag "Estúdios Cor". In dieser Zeit erste Veröffentlichungen. 1969 Eintritt in die (verbotene) kommunistische Partei, erste Auslandsreise (Paris). Ab 1968 literarische bzw. politische Mitarbeit bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften; März bis November 1975 beigeordneter Direktor der ältesten portugiesischen Tageszeitung "Diáro de Notícias". Nach der "Nelkenrevolution" 1974 Arbeit im Ministerium für Kommunikation. 1975-1980 verdiente er seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Übersetzer. Seit 1980 lebt er als freier Schriftsteller. 1986 sprach Saramago sich gegen den Beitritt Spaniens und Portugals in die Europäische Union und für eine Unabhängigkeit der Iberischen Halbinsel aus. Er ist Mitglied des Ordens Militar de Santiago de Espada (Portugal) und des Ordre des Arts et Lettres (Frankreich) sowie Ehrendoktor der Universitäten Turin, Sevilla und Manchester. Seine Werke sind in 26 Sprachen übersetzt. José Saramago lebt heute auf Lanzerote. Auszeichnungen: Prémio da Associação de Crítícos Portugueses (1979); Prémio Cicade de Lisboa für "Hoffnung im Alentejo" (1980); Prémio Literário Município de Lisboa für "Das Memorial" (1982); Prémio da Crítica da Associação Portuguesa de Crítícos (Prémio D. Dinis) für "Das Todesjahr des Ricardo Reis" (1986); Premio Internazoniale Ennio Flaiano (Italien) (1992); Nobelpreis für Literatur (1998).

Kundenbewertungen zu "Die Stadt der Blinden" von "José Saramago"

11 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.7 von 5 Sterne bei 11 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von marie aus Kempten am 12.04.2011 ***** sehr gut
Irgendwo in einer namenlosen Stadt, ist eine Seuche, eine Epidemie ausgebrochen. Mehr und mehr Menschen erblinden, ohne ersichtlichen Grund. Der Staat greift ein und lässt die Erblindeten einsperren. Sie werden in ein leerstehendes Irrenhaus gebracht und müssen dort unter unmenschlichen Umständen leben. Es geht ums nackte Überleben. Ein Überlebenskampf, den die Insassen unmöglich gewinnen können. Schlechtes Gewissen kennen die Soldaten nicht. Familien werden auseinander gerissen. Nur eine einzige Frau, die vorgespielt hat blind zu sein um bei ihrem Mann zu bleiben, ist mutig genug...Mit ihrer Hilfe könnte ein Ausbruch aus dem Gefängnis gelingen...
Das Buch ist ziemlich heftig. Es ist sehr dramatisch und auf jeden Fall sollte man es erst lesen, wenn man sich wirklich dafür bereit fühlt. Es ist einer der Romane, die einem ewig im Gedächtnis bleiben. Es ist nichts für einen gemütlichen Leseabend auf dem Sofa, weil es ein Mix aus Horror, Fantasy und Dramatik ist.

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Bewertung von zottelbärin aus ingolstadt am 07.07.2010 ***** ausgezeichnet
Ein wahrlich fantastisches Buch!!
Saramago beschreibt sehr treffend die Natur des Menschen, verzichtet dabei auf Übertreibungen und erzählt in einem, für mich, sehr eingängigen, klaren Stil. Dass er die persönliche Rede nicht herausstellt, merkt man nach zwei Seiten bereits nicht mehr... das Buch zieht einen in seinen Bann!

Unbedingt lesen!!!!!!!!!!!!!!!!!

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Bewertung von olgica am 23.06.2009 ***** ausgezeichnet
Ein Autofahrer steht an einer roten Ampel. Dass das Licht auf grün wechselt sieht er nicht. Von einer Sekunde auf die andere ist er erblindet. Wie eine Grippe breitet sich die Blindheit auf andere Menschen aus. Die Regierung ist machtlos und steckt alle Erblindeten in eine ehamalige Irrenanstalt in Quarantäne. Doch unter ihnen ist auch eine Sehende, die sich nicht von ihrem blinden Mann trennen wollte. Sie beobachtet, wie sich die eingeschlossenen Menschen immer mehr in skrupellose Bestien verwandeln.

Nicht nur Science Fiction, sondern auch eine Gesellschaftskritik ist das Werk José Saramagos. Er beschreibt nüchtern und zugleich fesselnd von den tiefen Menschheitsabgründen, die sich während der Epidemie immer mehr auftun.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Polar aus Aachen am 08.09.2007 ***** ausgezeichnet
Was wäre wenn? In Zeiten, in denen die moderne Welt sich vor Terrorismus und Giftanschlägen fürchtet, schildert Saramago die Folgen einer Infektion, die Versuche sie einzudämmen, und den Ausbruch des Chaos. Während bei Max Frisch in "Mein Name sei Gantenbein" die Blindheit noch dazu dient, die anderen auszuspionieren, widmet sich Saramago der Hilflosigkeit und dem Meistern des Schicksals. Fast wie eine Parabel auf unsere Zeit, die glaubt sich durch immer schärfere Gesetze schützen zu können, werden die Blinden interniert, weggesperrt, als wäre die Gesellschaft dadurch in der Lage, die Epidemie einzudämmen. Als sich die Tore des Lagers allerdings öffnen, hat sich die Stadt längst selbst erblindet. Wer mag, kann diesen Roman unter dem Vorzeichen des Was wäre wenn auf uns übertragen. Was wäre, wenn wir uns vor allem geschützt hätten, wären wir nicht dann alle blind geworden, um es ertragen zu können. Ein poetischer Roman, leicht zu lesen, obwohl seine Moral bleischwer in den Gliedern hängen bleibt.

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Bewertung von Uli Geißler aus Fürth/Bay. am 18.08.2006 ***** ausgezeichnet
Traurige Wahrheit über das menschliche Dasein und seinen Verfall

Ganz plötzlich erblindet ein Mann in seinem Auto. Ein Hilfsbereiter bringt ihn nach Hause, nützt jedoch anschließend die Blindheit des Mannes aus und stiehlt dessen Fahrzeug. Doch auch er erblindet. In der Augenarztpraxis multiplizieren sich die Opfer und dann geht es Schlag auf Schlag. Immer mehr Menschen erblinden und schließlich reagiert das Ministerium auf die erkennbare Epidemie und kaserniert die Blinden, bald sogar schon die vermutlich Infizierten in einer alten Irrenanstalt. Einzig die Frau des Augenarztes bleibt verschont, hält diesen Vorteil jedoch lange für sich, um zunächst einfach nur ihrem Mann beizustehen, später um die Blinden einigermaßen sinnvoll zu unterstützen.

In unnachahmlicher Weise beschreibt der Nobelpreisträger Saramago ohne Umschweife und mangels jeglicher Störung durch überflüssige Satzzeichen zu verfolgen in seiner Allegorie die Entwicklung der Zufallsgemeinschaft mit ihren individuellen Schicksalen und Hoffnungen, Enttäuschungen und den sich schnell ergebenden Erniedrigungen. Es ist erschreckend, zu erfahren, wie sich Menschen verändern (können) und vermutlich wirkt das auch deshalb so stark, weil sich der Leser, die Leserin schnell selbst zu entdecken glaubt beziehungsweise erschreckt die Möglichkeit der Wesensveränderung auch bei sich erkennt.

Grausam, Ekel erregend und erschütternd bekommt man den Untergang des Menschlichen, der Verantwortung, Liebe, Seele, Zivilisation und Würde vor Augen geführt. Zudem verfolgt man die absolute Entgleisung zivilisatorischer Kraft, die völlig abstrus aus einer vormals demokratischen, aufgeklärten Gesellschaft binnen Stunden zu einer diktatorisch unterdrückten Masse mit verborgenen, aber nun aufbrechenden Perversionen mutiert. Es wird schnell deutlich, dass die genutzte Metapher des Autors greift: Blind sein bedeutet nicht nur Nichts zu sehen!

Als die zusammengepferchte Ansammlung lediglich Sehbehinderter – was prinzipiell wahrlich nicht Bedrohliches oder gar Abstoßendes darstellt – beginnt, in niedrigster Weise sich gegenseitig unter Missachtung jeglicher Grundwerte und angeeigneter oder erlernter Verhaltenskodizes zu verletzen, zu unterdrücken und zu erniedrigen, sich gegenseitig in einem aussichtslosen Kampf und menschenunwürdigen Umgang miteinander auszurotten, offenbart sich die Frau des Arztes mit ihrer Fähigkeit zu sehen als scheinbare Befreierin.

Die wieder gewonnene Freiheit ist nur eine vermeintliche, denn die vorherigen Werte und Besitztümer erweisen sich letztlich als überflüssig und wertlos, Grundbedürfnisse auf den Rücken Anderer zu befriedigen wird zum täglichen und einzigen Überlebenskampf. Die unsinnig Eingesperrten betreten das Ende der Zivilisation, das überall vorherrschende Chaos, gegen das die Sehende mit unbändiger und unerschütterlicher Kraft angeht und so überzeugend wirkt, dass sich gegen Ende ein Hoffnungsstreif am Firmament der durch Exkremente, Müll und Zerstörung gezeichneten Stadt erahnen lässt.

Die in der Geschichte versteckte oder auch offensichtliche Allegorie auf die Unmenschlichkeit im menschlichen Alltag, auf die Blindheit der Sehenden und Herrschenden, ergreift, rüttelt auf und lässt über die Grundanliegen der Gesellschaft, des Menschlichen an sich und den Sinn eines würdigen Lebens oder besser noch über die Würde eines Lebens nachsinnieren. „Die Stadt der Blinden“ ist ein einzigartiges Buch, das zu lesen Pflicht sein müsste, um die Bedeutung des menschlichen Miteinanders, den Wert der Solidargemeinschaft und die Kraft von Würde und Liebe für jede und jeden Einzelnen nachhaltig zu vermitteln.

© 8/2006, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

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Bewertung von Kolmer F. aus Kerpen am 09.03.2004 ***** ausgezeichnet
Eine Horrorvorstellung die einen sehr betroffen macht und unheimlich Angst verursacht. An manchen Stellen der Story läuft einem förmlich der Angstschweiß den Rücken runter. Ein Roman der fesselt und in seinen Bann zieht. Für dieses Buch sollte man keine schwachen Nerven haben!

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Do aus - am 09.12.2003 ***** gut
Die Handlung an und für sich ist nicht schlecht, da aber die Sätze unendlich lang sind und die direkte Rede nicht durch Gänsefüschen gekennzeichnet ist, wird der Leser sehr verwirrt. Die plötzliche Wandlung am Ende des Romans wirkt, als hätte der Autor keine Lust mehr gehabt.

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Bewertung von Mic1224 aus Saarbrücken am 27.05.2002 ***** ausgezeichnet
Jeder ist sich selbst der nächste. Aber jeder ist blind. Was tun, wenn eine Epidemie durchs Land geht, die alle anderen blind macht und du bist der Einzige, der noch etwas sieht? Eine hervorragender Roman. Absolute Spitzenklasse.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Bewertung von Andreas Sterrer aus Wien am 20.10.2000 ***** ausgezeichnet
Ein hervorragender Roman über das beklemmende Gefühl, verloren zu sein inmitten einer Welt, in der ethische und moralische Hüllen fallen. Jeder ist sich selbst der Nächste, er muss es sein, um zu überleben. Gleichzeitig ein Roman, der um die ewige Frage kreist: "Wer bin ich für mich selbst?" Ein echtes Leseerlebnis und ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr los gelassen hat.

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Bewertung von sandra aus frankfurt am 04.10.2000 ***** ausgezeichnet
Plötzlich ist man blind und wird in Quarantäne gesteckt. Wegen der Ansteckung, wird gesagt. Doch dort sind viele Menschen und jeder will alles.... ein unheimlich ehrliches Buch über den Egoismus des Einzelnen und darüber, dass es auch andere Menschen gibt.

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