Das Echo der Erinnerung - Powers, Richard

Richard Powers 

Das Echo der Erinnerung

Roman. Ausgezeichnet mit dem National Book Award 2006

Aus d. Amerikan. v. Manfred Allié u. Gabriele Kempf-Allié
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Das Echo der Erinnerung

Kearny ist die geographische Mitte der USA - und die Mitte von Nirgendwo. Mark überschlägt sich mit dem Auto und fällt aus der Welt. Seine Schwester Karin erkennt er als Gestalt wieder, aber seinen Gefühlen bleibt sie fremd, er hält sie für eine feindliche Doppelgängerin.»Capgras« nennt der Psychologe diese Erkrankung, doch auch er wird in einem Taumel unaufgedeckter Wahrheiten und verschwiegener Geheimnisse mitgerissen.
Auf einer bewegenden Reise in das Innerste einer Familie entdeckt Richard Powers unser Inneres und macht uns mit dem größten Geschichtenerzähler bekannt: die Erinnerung. Sie schafft das Echo unsres Lebens, das uns trägt, umfängt und täuscht.
Die ergreifende und geheimnisvolle Geschichte eines Geschwisterpaars und ein Panorama des heutigen Amerikas vereinen sich zum neuen großen Roman des Bestsellerautors Richard Powers.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 532 S.
  • Seitenzahl: 544
  • Fischer Taschenbücher Bd.17457
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 126mm x 32mm
  • Gewicht: 392g
  • ISBN-13: 9783596174577
  • ISBN-10: 3596174570
  • Best.Nr.: 22813121
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Der 27-jährige Mark Schluter kommt in der Einöde Nebraskas mit seinem Truck von der Fahrbahn ab. Mark wird verletzt im Führerhaus eingeklemmt, und nur der Rettungsruf eines Unbekannten rettet ihn vor dem Erfrierungstod. Während der 14 Tage, die er im Koma liegt, weicht seine ältere Schwester Karin nicht von seiner Seite. Doch als Mark wieder aufwacht, leidet er an einer seltenen Krankheit, dem Capgras-Syndrom: Er hält seine Schwester für eine geschickte Betrügerin, die nicht die ist, als die sie sich ausgibt. Karin sucht Hilfe bei Gerald Weber, einer Koryphäe auf dem Gebiet der Neurologie. Doch dann geschieht Mysteriöses: Je mehr sich Mark erinnert, um so mehr verliert der Experte den Boden unter den Füßen. Und was führt Marks Pflegerin Barbara im Schilde? Hat sie den geheimnisvollen Zettel verfasst, der in der Nacht von Marks Einlieferung auf dem Nachttisch gefunden wurde? Powers Roman ist ein ebenso packender wie sprachlich brillanter Mix aus Psychogramm und Krimi. (csbo)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.02.2010

DAS HÖRBUCH
Gefangen in einem anderen Ich
„Das Echo der Erinnerung” von Richard Powers als Hörspiel
„Das Echo der Erinnerung”: Dieser Titel verfügt über einen eher melancholischen Beiklang. Lauscht man der Hörspielversion des 2006 erschienen Romans von Richard Powers, glaubt man sich allerdings in eine Schauergeschichte, in ein Horrorhörspiel versetzt. Nicht um nostalgische Reminiszenzen nämlich geht es, sondern um die unheimliche, zutiefst beängstigende Auflösung aller Ordnung.
Die äußere Handlung ist rasch beschrieben: Ein junger Mann, Mark mit Namen, hat einen Autounfall; eine Weile liegt er im Koma, und die körperlichen Schäden scheinen zuerst gering. Als er jedoch erwacht, zeigt sich, dass in seinem Kopf etwas nicht stimmt: Er kann sich zwar daran erinnern, wer er ist, wo er herkommt, er kann sprechen, gehen, denken. Nur kann er seine einzige und innig geliebte Schwester nicht mehr erkennen. Sie steht vor ihm, er aber hält sie für eine Kopie, für einen Roboter. Er kann, kurz gesagt, keine emotionale Beziehung mehr zu dem Bild herstellen, das er vor sich sieht.
Diese Störung, das sogenannte …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Als nicht immer ganz gelungene Kreuzung von Hirnforschung und Gegenwartsroman beschreibt Rezensentin Tanya Lieske Richard Powers neues Buch, in dem es um "nichts Geringeres" als die Frage gehe, "wie sich das menschliche Bewusstsein konstituiert". Im Hirn eines der Protagonisten sei nach einem Autounfall eine winzige Verbindung gerissen, weshalb er nun niemanden mehr erkennen könne. An jenem Mark Schluter und seinem Neurologen spiele Richard Powers nun Fragen der Fragilität des Bewusstseins durch. Beim Lesen fühlte Lieske sich immer wieder wie ein "Gast in einem wissenschaftlichen Labor", sah zu, wie der Autor auch verschiedene andere Testpersonen in Umstände verwickelt, die er dann auf Ursache und Wirkung untersuche. Die Rezensentin beschreibt das Buch als "breiten, episch angelegten Roman mit viel Raum für Nebenhandlungen, biografische Einsprengsel, Abschweifungen und Exkurse". Bei allem Interesse und gelegentlicher Faszination für Powers Fragestellungen und Szenarios fällt der Rezensentin aber immer wieder ein Hang zur Redseligkeit negativ auf, weswegen das Buch aus ihrer Sicht oft Gefahr läuft, an seinen Ambitionen zu ersticken.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.10.2006

Mein Bruder Kranich
Ulrich Matthes liest Richard Powers

Hat das Wissen einen Körper? Das hatte sich schon Novalis gefragt. Ja, es hat einen, und wenn dieser verletzt wird, geht womöglich das Wissen um das eigene Ich verloren, sagen die Neurobiologen. Oder das Fühlen, wie bei Mark Schluter, der nach einem Schädel-Hirn-Trauma seine Schwester nicht mehr wiedererkennt. Mehrere Wochen nach seinem nächtlichen Autounfall auf der Prärie von Nebraska weiß er, wer er ist, welchem Beruf er nachgeht und erkennt seine Freunde. Nur Karin, die ihren Job aufgegeben hat und in ihre Heimatstadt Kearney zurückgezogen ist, um ihn zu pflegen, hält er für eine Schauspielerin und Schwindlerin, die er fürchtet. Das Hirnareal, das für das emotionale Gedächtnis zuständig ist, hat buchstäblich den Geist aufgegeben, nachdem sich die synaptischen Verbindungen gelöst haben.

Ein Roman auf der Höhe einer Zeit, die sich der Leitwissenschaft Biologie verschrieben hat. Richard Powers hat ihn verfaßt: ein faszinierendes Buch über die Einheit des Ichs. "Das Echo der Erinnerung", in der deutschen Übersetzung von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié bei S. …

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Richard Powers, geb. 1957, lebt in Urbana/Illinois. Er studierte Physik, arbeitete als Programmierer, bis er mit 32 seinen ersten Roman schrieb. Mittlerweile zählt er zu den ganz großen amerikanischen Erzählern der Gegenwart. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem National Book Award. Seine Beiträge erschienen in der New York Times, Esquire, Times und Harper's.

Kundenbewertungen zu "Das Echo der Erinnerung" von "Richard Powers"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen ***** gut)
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Bewertung von Marshall am 03.05.2010 ***** gut
Am Anfang war ich von dem Buch recht eingenommen. Ich habe es mir gekauft, weil mich der Rückentext einfach faszinierte. Von einem wirklichen Bild der amerikanischen Gesellschaft kann jedoch keine wirkliche Rede sein. Ja, die erste Beschreibung der Kraniche ist wirklich überaus gelungen. Auch die fachlichen Hintergründe zur Hirnforschung lassen erkennen wie bewandert Richard Powers in der Materie ist.
Irgendwann aber, ungefähr in der Mitte des Buches, plätschert die Geschichte nur noch so vor sich hin. Es wird sich in Nebenstränge verloren, zu viele Perspektivwechsel stehen an und es verliert sich in einer völlig anderen Fokussierung. Dabei werden die anfangs interessanten Charaktere dann auch selbst irgendwie, nun ja, langweilig, insbesondere eine der drei Hauptpersonen, nämlich Mark. Ebenfalls wird mir die Sinnkrise des Doktors nicht wirklich nachvollziehbar rübergebracht.
Aber das ist nur mein Eindruck. Sicher kein schlechtes Buch, aber auch wiederum nichts, was man verpassen würde, so es nicht gelesen wird.

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Bewertung von Xirxe aus Hannover am 01.11.2009 ***** gut
Powers mehr als 500 Seiten starker Roman hat, neben der eigentlichen Handlung, auch zwei große Themen der Menschheit zum Inhalt: Was macht den Mensch zum Individuum? Und die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen.
Marc, der nach einem mysteriösen Unfall die ihm gefühlsmäßig am nächsten stehenden Menschen und Dinge nicht mehr erkennt (er glaubt, es sind Doubles bzw. Nachbauten), wird von seiner Schwester Karin aufopferungsvoll umsorgt. Karin ist dafür zurückgekommen in ihre Heimatstadt Kearney, aus der sie vor Jahren floh - vor der eigenen Familiengeschichte. Zurück muss sie erkennen, dass sich nichts geändert hat - all ihre Probleme treten wieder zutage. Sie bittet einen bekannten Neurologen wegen ihres Bruders um Hilfe, der aus Interesse an diesem Fall aus dem fernen New York anreist - und ebenfalls mitten in eine Lebens- und Sinnkrise gerät.
Als roter Faden zieht sich durch diesen Roman der Zug der Kraniche, der jährlich (auch zum Zeitpunkt des Unfalls) Halt an einem Fluss in der Nähe von Kearney macht und die Kleinstadt so für einige Wochen zur Attraktion von Touristenmassen wird. Doch durch den sinkenden Wasserpegel sind die seit Urzeiten auf dieser Route ziehenden Kraniche gefährdet, was sich durch geplante Bauvorhaben noch verschlimmern würde.
Schwerpunkt des Buches ist die Bruder-Schwester-Beziehung, die nicht nur durch Marcs anhaltende Verletzung belastet ist, sondern auch durch Karins persönliche Schwierigkeiten. Ihr Zwang, von allen gemocht zu werden, nie gut genug zu sein, verstärkt sich durch Marcs Krankheit noch.
Durch die Einbeziehung des Neurologen werden geschickt ausführliche und gut verständliche neurologische Fallbeschreibungen miteinbezogen, die bei mir besonders einen Eindruck hinterließen: Wie fragil unser Gehirn und damit unsere Persönlichkeit ist. Nur eine kleine Störung - und wir erkennen unsere Umwelt nicht mehr, unseren eigenen Körper, sehen Bilder die Andere nicht sehen und und und. Erschreckend!
Durch den wiederholten Wechsel der Perspektiven (Sicht Marcs, Karin, Neurologe, Kraniche) erhält man einen guten Einblick in die jeweiligen Personen.
Spannung erhält der Roman durch den ungeklärten Unfallhergang. War es ein Selbstmordversuch, waren seine Freunde eventuell daran beteiligt, vielleicht sogar eine Verschwörung? Und was ist mit Barbara, der mysteriösen Schwesternpflegerin, die mehr zu sein scheint als das was sie vorgibt? Und von wem stammt der rätselhafte Zettel an Marcs Krankenbett? Fragen, die genügend Stoff für einen Kriminalroman bieten würden, hier jedoch mehr am Rande vorkommen.
Alles in allem: Von allem etwas - und damit vielleicht etwas zuviel. Das Buch liest sich gut weg, es ist spannend genug dass man dran bleibt, aber so richtig der Schmöker ist es nicht.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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