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Benutzername: Marshall
Danksagungen: 20 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 26 Bewertungen
Bewertung vom 18.08.2013
Die Schopenhauer-Kur
Yalom, Irvin D.

Die Schopenhauer-Kur


gut

Das Buch habe ich ganz frisch ausgelesen und bleibe zwiegespalten zurück. Mich interessiert Psychotherapie, und so merkt man auch, dass Autor Yalom, selbst emerierter Professor, sich in diesem Metier bestens auskennt. So finde ich die Charaktere ausreichend charakterisiert, auch wenn sie nur knapp dargestellt werden. Der Lesefluss ist vorhanden, die Sprache nicht sonderlich kompliziert, und so kann man es zügig und entspannt lesen.
Dabei ist die Idee schon Gold wert (ungeachtet aller kritischen Annahmen über Therapie an sich): Kann sich jemand mittels philosophischer Lektüre selbst therapieren? Und dann auch noch mittels Schopenhauer, der eben nicht einfach nur ein Pessimist und Misanthrop war, sondern einen metaphysischen (!) und lebenshaltungstechnischen (!) Pessimismus vertrat?
Hier beginnt der Zwiespalt: Als Einstieg in Schopenhauers Philosophie, sowie manches zur Mechanik von Gruppentherapie, ist das Buch ganz brauchbar. Wer sich jedoch etwas mehr mit Schopenhauer auskennt, wird von den Einschüben, die in erster Linie sehr weit aus der Safranski-Biografie stammen, nicht sonderlich überrascht werden. Schopenhauer als Person wird hier mit der 2. Hauptfigur Philipp Slate gespiegelt, doch das ohne soweit in die eigentliche Philosophie einzutauchen. Es geht dann leider WIRKLICH nur um Schopenhauers Einsamkeit, seinen Frauenhass usw. Der so wirklich wichtige Willen, der ja nun einmal DER, Hauptgedanke in seinem Werk ist, wird nur an 1-2 Stellen wirklich erwähnt. Gleiches gilt für den durchaus großen Einfluss von Schopenhauer auf die Psychologie, speziell Freud, überhaupt. Lobenswert ist da höchstens, dass man auf die Adaption Schopenhauers eingeht: sprich, er wird deswegen so wenig gelesen und in der Lehre besprochen, weil viele Andere seine Gedanken nutzten oder ihnen fälschlicherweise Pionierarbeit zugeschrieben wird, wo S. zuerst da war (wie z.B. bei Nietzsche).
Und so schlägt sich diese Prämisse eigentlich nur Schopenhauers Biografie zu verarbeiten auch in der Handlung nieder: Zu sehr dreht es sich um die Gruppentherapie. Am Anfang macht Slate der 1. Hauptfigur Hertzfeld den Vorschlag ihn im Gegenzug mit der Philosophie von Schopenhauer vertraut zu machen. Genau dieser interessante Handlungsstrang wird aber nicht aufgegriffen, die bibliographische Therapie also.
Dies führt auch zum Ende - Achtung, leichter Spoiler! - welches sich, nach gewissem Einfühlungsvermögen für Philip Slate, erstaunlich lasch und fast kitschig gibt. Wo zuvor der Mut da war die Schopenhauer-Sichtweise zum Leben heranzuziehen, wird dann gegen Ende plötzlich doch erkannt wie wichtig menschliche Beziehungen usw. sind. Hier ging mir einfach der Mut abhanden den bisher eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Es war wieder der Schritt zurück, der zuvor so nach vorn gemacht wurde.
Fazit: Für Einsteiger ganz nett, doch letztlich wird das Buch Schopenhauers Philosophie nicht gerecht und hat auch nicht die Tapferkeit sich dieser inhaltlich zu stellen. Eine sehr tolle, interessante Idee, die zugunsten von Klischees dann verschenkt wird.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.07.2013
Herr Wichmann aus der dritten Reihe
Dokumentation

Herr Wichmann aus der dritten Reihe


sehr gut

Wie schon das erste Portrait über den CDU'ler Wichmann, ist auch in "Herr Wichmann aus der dritten Reihe" wieder ein sehr authentischer Blick über Politik gelungen, wie er abseits der großen Tagespresse und den Reportagen zu finden ist. Das hier ist Politik fast im traditionellen griechischen Sinne, nämlich insofern, dass sie lokal und direkt sichtbar vor Ort ist. Hier geht es nicht um Europapolitik, Abhörskandale und Freihandelszonen, sondern um Radwegausbau, Naturschutz und Bürgernähe. Hier wird Herr Wichmann gezeigt ohne ihn zu verurteilen. Mag er auch manche Ansichten haben, die etwas hohl erscheinen oder die man schlichtweg nicht selbst vertritt, so zeigt er sich durchaus als ein engagierter Politiker, der, wie er auch selbst im Film sagt, von seinen Aufgaben her über das hinausgeht, was er eigentlich machen sollte - so wenn er Kompromisse zwischen Bürgern um ein Stück Land aushandelt oder ähnliches.
Lakonisch ist der Ton des Films, der nur ein Bruchteil von sehr viel Filmmaterial zeigt. Manches Mal hätte man sich ausführlichere Szenen gewünscht (wie beim Besuch in der Schule). Das Privatleben des Wichmann wird gar nicht gezeigt, was jedoch auch nicht so schlimm ist. Was jedoch nicht mehr ganz so gelingt wie im ersten Film, sind diese wirklich findigen, absolut ehrlichen Blicke auf deutsche Politik, die man weder negativ noch positiv fassen kann, und die zuvor noch keine andere Dokumentation zeigen konnte. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Herr Wichmann nun selbst, auf durchaus lobenswerte Weise, nicht mehr im Wahlkampf 2002 ist (Thema des damaligen Werkes), sondern nun die graue, nüchterne, aber auch oft bunte Welt des Politikerdaseins im Landtag kennengelernt hat und ausübt.
Fazit: Wie der erste Film ein sehr guter, sehr intimer und doch viel lehrreicherer Blick auf Politik in Deutschland. Die überragende Klasse des ersten Filmes wird nicht ganz erreicht, doch das ändert nichts daran, dass man hier für sein Geld mehr bekommt als sich nun 2-3 Autobiografien von Politikern aus der ersten Reihe zu kaufen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.10.2012
Verbrechen und Strafe
Dostojewskij, Fjodor M.

Verbrechen und Strafe


sehr gut

Meiner Meinung nach ein Klassiker den man gelesen haben muss. Es ist der bisher erste und einzige Roman von Dostjowski den ich kenne, aber er hat mich sowohl als Psychogramm als auch Zeitdiagnose der damaligen russischen Gesellschaft.
Hauptsächlich wird die Handlung in vielen langen Dialogen und Monologen vorgetragen, was mich persönlich nicht störte. Wunderbar schreiben, ernsthaft wie witzig, kann der Russe nämlich perfekt! Nervig hingegen sind wirklich manche Längen. Gerade ein wenig nach dem Anfang des zweiten Teils (zuvor wurde grandios der Mord geschildert), als Hauptcharakter Rashkolnikow im Bett darniederliegt, wird so unendlich viel und in alle Richtungen geschwafelt, dass man sich echt vorkämpfen muss. Später im Buch passiert so etwas noch einmal. Man merkt gerade an diesen Stellen, dass Dostojewski eben nicht nur einen Krimi aus Sicht des Mörders, sondern ein tiefgründiges Werk schreiben wollte. Die Themen die er anspricht sind auch alle klasse und interessant, aber sie kommen manchmal zu gewollt rüber und bremsen den Roman aus.
Da könnte man sagen: Ist halt alt! Aber meiner Meinung nach muss man das nicht. Ich finde, das Werk liest sich durchaus zügig und "modern". Die Übersetzung ist wohl auch serh gelungen!
Fazit: Sollte man durchaus gelesen haben, wenn man sich mit den Fragen beschäftigen will, die Verbrechen und Strafe, aber auch "Schuld und Sühne" betreffen (dies war ein früherer übersetzter Titel, der durchaus auch zutrifft).

1 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.05.2012
Unsichtbar
Auster, Paul

Unsichtbar


ausgezeichnet

Mein zweiter Auster-Roman nach "Man in The Dark", den ich seinerzeit im englischen Original gelesen habe, hat mich auch auf deutsch nicht enttäuscht, mehr noch sogar fasziniert. An der Übersetzung konnte ich nichts Verwerfliches erkennen, ich habe allerdings auch nicht ins Original gesehen.
Davon ab, schreibt Auster wieder sehr gut. Einen kleinen Vergleich zu mir oben genannten Mann im dunklen kann man schon machen, denn man sollte sich nicht zu sehr auf den Text auf dem Buchrücken verlocken lassen. Auster schreibt nicht einfach irgendeinen Thriller oder Krimi. Mehr zu sagen würde hier einem Verbrechen gleichkommen. Ich kann nur sagen: Es wird überraschend, interessant (besonders das Ende, das länger ist, als es eigentlich erscheint) und kaum so wie man beim Lesen der ersten Seiten denken wird. Auster schafft sowohl mit Adam Walker und Rudolf Born, aber auch anderen Charakteren wieder interessante Figuren, in die man sich sehr gut hineinversetzen kann und deren Beziehung zueinander die ganze Geschiche trägt. Besonders gefällt mir an Auster ja auch, dass er nur wenige Andeutungen in seinen Beschreibungen nennt, ansonsten aber viel dem Leser überlässt. Auch die Gestiken oder Mimiken seiner Charaktere braucht er nicht zu beschreiben - und trotzdem erscheinen sie lebendiger als viele andere Charaktere aus anderen Büchern, wo wir jedes Barthaar kennenlernen dürfen. Da können sich viele Schriftsteller noch etwas von abschneiden!
Schlussendlich darf man eben inhaltlich nicht viel sagen. Doch ich kann versichern, dass man beim Lesen nicht enttäuscht sein wird!

5 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.03.2012
Die Tore der Welt / Kingsbridge Bd.2
Follett, Ken

Die Tore der Welt / Kingsbridge Bd.2


weniger gut

Die Fortsetzung zum großen, auch von mir geliebten modernen Klassiker "Die Säulen der Erde" ist eigentlich so etwas wie eine Neuauflage, ein Remake. Und genau das macht das Buch für mich so schlecht. Vor allem auch, weil es durch und durch so manche Fehler des ersten Teils aufzeigt. Man hat das Gefühl Follett kopiert den Vorgänger einfach nur. Diese Fortsetzung hätte es nicht gebraucht.
Über den Inhalt ist hier bereits genug gesagt worden. Ich habe das Buch bis zur Hälfte gelesen, dann weggelegt, weil das alles einfach nicht mehr genug fasziniert. Und da gibt es einfach genau dieselben Motive wie zuvor. An den Protagonisten ist man nicht mehr interessiert, weil man weiß: All die Schwierigkeiten, die ihnen in den Weg gelegt werden, überwinden sie ja doch.
Ein paar positive Punkte muss man der Fairness halber auch nennen: So kann Follett immer noch sehr gut beschreiben, und auch gut recherchiert dürfte alles sein. Die auch mir zu langatmigen Beschreibungen der Architektur aus Teil 1 fallen weg. Zudem ist die hier dargestellte Figur des Ralph als Antagonisten zumindest etwas interessanter und ambivalenter als sein Vorgänger aus "Die Säulen der Erde." Aber eins ist leider immer noch der größte Knackpunkt: Die Figuren sind alle zu einseitig. Und das nervt mich am meisten.
Fazit: Die Fortsetzung braucht eigentlich kein Mensch.

8 von 13 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.03.2012
Jeder stirbt für sich allein
Fallada, Hans

Jeder stirbt für sich allein


sehr gut

Fallada wollte ich schon immer mal lesen. Angesichts der breiten Besprechung zur Neuerscheinung seines letzten Romans, habe ich zugegriffen und wurde von "Jeder stirbt für sich allein" gewiss nicht enttäuscht. Das Buch ist düster, teilweise sogar komisch, aber das auf eine absurde und bittere Weise, sodass einem der Kloß schon einmal im Halse steckenbleibt. Kleinere Schwächen trüben ein bisschen das Lesevergnügen. So finde ich manchmal die Balance zwischen kalter Beschreibung und hitzigen Worten gegen das Hitlerregime nicht recht gewahrt. Das Ende wiederum ist, obwohl breit und sehr eindringlich geschrieben, auch etwas gehetzt - einfach, weil Fallada auch hier noch einmal seine Empörung zum Ausdruck bringen will. Das mag aber mehr eine Geschmackssache sein. Anderen könnte es so gefallen.
Der wohl größte inhaltliche Kritikpunkt den es schon zu Zeiten des Manusskripts gab, wie man sehr gut in den umfangreichen und informativen Zusatzangaben lesen kann, die den Preis neben der guten Aufmachung auch rechtfertigen, sind die eher schwarz-weiß gezeichneten Charaktere. Auf den ersten Blick mag sich dieser Eindruck bestätigen. Aber die Figuren, allesamt, wirken tiefer. Gerade bei den Bösewichten erkennt man wie sehr sie doch eigentlich am kollektiven Wahnsinn der Verehrung des Hitlerregimes verfallen. Das ist gut geregelt. Und auch gerade der so zentrale Otto Quangel wird lebhaft als ein eher unliebsamer Zeitgenosse geschildert.
Fazit: Echter Klassiker mit kleineren Schwächen, die für den einen eher mehr, für den anderen vielleicht eher weniger schwer wiegen!

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.01.2012
Unrast
Tokarczuk, Olga

Unrast


ausgezeichnet

Ein Buch, dass schwer zu beschreiben ist. Im Prinzip hält eine Ich-Erzählerin mit ihren eigenen kleinen Erlebnissen ein Bündel aus 6 "großen" Kurzgeschichten, mehreren kleinen Geschichten und einiges an Prosa (u.a. fiktive Briefe oder eine Debatte über Reisepsychologie) zusammen. Um die Unrast dreht es sich eben: Warum reisen wir? Warum müssen wir von A nach B? Was erleben wir dabei?
Man muss das Buch etwas verdauen. Ich glaube fast, ich habe es etwas zu schnell gelesen. Dennoch sehr zu empfehlen, mit einiges an Weisheit und Traurigkeit. Wie viele Bücher aber, die sich so um alles und nichts drehen, hat auch Unrast das Problem trotz viel Interessantem an manchen Stellen zu schwafeln und dann etwas darzubieten, was einem nun als pseudoweise oder aufgesetzt erscheinen mag. Außerdem war mir die Ich-Erzählerin stellenweise durch und durch eher unsymapthisch. Nach dem Lebenslauf der Autorin stellt man da so einige Paralleln mit ihrer Protagonistin auf. Ob das jetzt schlimm ist? :D
Allein ob der interessanten Geschichten (mein Favorit ist die Geschichte um die Frau mit dem kranken Sohn) ist das Buch aber jedes Geld wert. Von Frau Tokarczuk will ich durchaus noch mehr lesen.

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.12.2011
Mit Nietzsche auf der Gartenbank
Hellmann, Brigitte

Mit Nietzsche auf der Gartenbank


sehr gut

Ich habe mir dieses kleine Büchlein für Zwischendurch gekauft. Es ist gleichsam für Neulinge wie Kenner interessant: Erstere erhalten nämlich einen Einblick mit welchen Themen sich die großen Philosophen beschäftigen - und vor allem wie! -, während zweiteren die Kombination Neues zeigt. Es finden sich neben Beiträgen von Nietzsche, Kant, Fromm, Epikur und Schopenhauer auch kurze Texte von z.B. Heinrich Heine oder Kurt Tucholsky. Prosa trifft auf Aphorismus, kann man also sagen. Das ist interessant geraten, alle Texte sind kurz, dafür aber immer noch komplex und anregend, so wie das Buch es ja auch will. Das perfekte Buch also, um es in der Hosentasche mit sich zu schleppen und in einer Diskussion, die ins Dumpfe abgleitete, mit einem klugen Stichwortgeber zu retten! ;)
Ein kleiner Wehrmutstropfen ist hier nur, dass mir die bibliographischen Angaben etwas zu schmal sind (sie sind zwar alle ordentlich aufgelistet, aber es wäre interessant zu wissen, aus welchen Erstquellen diese Texte stammen - denn die meisten wurden Sammelbänden entnommen). Zum anderen erfährt man gar nichts über die Herausgeberin, was doch auch schade ist! Ein kleines Vor- oder Nachwort, welches sich an einem roten Faden für das Büchlein versucht, wäre ebenfalls eine nette Ergänzung gewesen. Die paar Seiten hätten das Buch ja auch nicht schwerer gemacht. ;)
Dennoch: Uneingeschränkt zu empfehlen!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.12.2011
Wolf Hall
Mantel, Hilary

Wolf Hall


ausgezeichnet

Wolf Hall gehört zu einem der besten Bücher, welches ich je gelesen habe. Ich war wirklich überrascht, wie gut das Buch nach einem etwas zähen Start doch definitiv wurde. Unter historischen Romanen gibt es ja leider eine Menge Durchschnittsware: Vielleicht nichts per se schlechtes, doch solche Sachen wie Die Hebamme, die Tochter der Hebamme, Wanderhure oder sonst etwas für Reihen mit ewigen Fortsetzungen muss ich mir nicht geben. Da ist Wolf Hall eine echte Abwechslung: Düster, dunkel, machtvoll, shakespearehaft!
Man muss sich etwas an den Erzählstil gewöhnen: So wird mit "He" eigentlich durchweg nur Cromwell bezeichnet. Darüber hinaus werden imer nur Ausschnitte von Handlungen gezeigt und es wird ziemlich häufig, schnell und viel gesprungen. Gerade das macht aber das Geniale aus, zeigt es doch vorzüglich den Arbeitsalltag des Protagonisten. Die Übersetzung kenne ich nicht, aber selbst diese würde ich allein schon ob des Inhaltes jedem empfehlen. Schwer zu lesen ist die englische Ausgabe jedoch durchaus. Ich musste sehr oft das Wörterbuch zücken. Aber ich habe es gerne getan!
Uneingeschränkte Kaufempfehlung und für mich DER Historienroman überhaupt! (Wer allein die Bezeichnung Historienroman negativ verstehen will, darf das "Historien" auch gerne streichen. :) Wolf Hall ist beileibe kein romantisches Schwelgen, sondern voller vieler interessanter soziokultureller Verweise auf die heutige Zeit.)

5 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.08.2011
Der Tod des Bunny Munro
Cave, Nick

Der Tod des Bunny Munro


gut

Wer sich auch mal den literarischen Werken des genialen Nick Cave (den ich durch und durch als meinen Lieblingsmusiker bezeichnen würde) auseinander setzen will, sollte bei den zwei großen Romanen gerade zu diesem Zweitling greifen. Denn im Gegensatz zu "Und die Eselin sah den Engel", ein düster-bizarres Südstaatenepos, liest sich "Der Tod des Bunny Munro" flotter, eingängiger und witziger.
Im Vergleich zu Caves erstem Roman ist das vielleicht aber auch die Schwäche: Nach einer Beschreibung von Bunnys Wesen, seiner Heimfahrt, ist die eigentliche Road-Movie-artige Handlung etwas zu dünn geraten. Eigentlich stolpern Vater und Sohn immer wieder nur in ähnliche Situationen. Dafür ist das Ende dann wieder recht offen geraten, sodass man das entweder als interpretationsfreudig oder aber als platt & kitschig ansehen könnte.

Insgesamt ist "Der Tod des Bunny Munro" viel mehr ein Buch für Zwischendurch. Vorsicht sei allen geboten, denen die deftige und sexualisierte Sprache zu viel werden könnte.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.