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MaWiOr
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Detering, Heinrich; Jeßing, Benedikt; Meid, Volker; Meier, Albert; Schnell, Ralf Geschichte des deutschsprachigen Romans EUR 24,95
  • Bewertung vom 14.06.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Die „Geschichte der deutschen (oder deutschsprachigen) Literatur“ gab und gibt es in unzähligen (oft mehrbändigen) Ausgaben. In dem vorliegenden gewichtigen Reclam-Band (Hardcover) gibt ein Autorenteam von sieben ausgewiesenen Fachleuten einen umfangreichen Überblick über die Entwicklung des deutschsprachigen Romans vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In dem Gemeinschaftswerk (Hrsg. Volker Meid) haben die Spezialisten jeweils ein Kapitel (Epoche) übernommen. Dennoch sind eine einheitliche Darstellung und ein konzentrierter Überblick entstanden.

    In einem Vorwort wird zunächst die Frage „Was ist ein Roman?“ kurz erörtert. In der Vergangenheit gab es unterschiedliche Definitionsversuche – von Prosadichtung mit mehr als 50.000 Worten bis zu „demokratisches Produkt schöpferischen Bewusstseins“. Auch die zahlreichen Untergattungen (Briefroman, Bildungsroman usw.) werden vorgestellt.

    Anschließend werden in sieben Kapiteln die Epochen des deutschsprachigen Romans ausführlich dargestellt. Den Auftakt macht der Abschnitt „Von der Frühen Neuzeit bis zur Aufklärung“, der die Anfänge des deutschen Prosaromans behandelt. Von einem einheitlichen Romantyp kann aber zu dieser Zeit noch nicht die Rede sein.

    Das zweite Kapitel „Goethezeit“ beleuchtet die Romane im Ausgang des 18. Jahrhunderts und der Romantik. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen dabei die Romane von Johann Wolfgang Goethe („Wilhelm Meister“) und Jean Paul. Eingehend wird das 19. Jahrhundert behandelt, das literarhistorisch als das Jahrhundert des Romans betrachtet wird. Hier wird u.a. näher auf Gustav Freytag, Karl Gutzkow, Gottfried Keller, Adalbert Stifter, Wilhelm Raabe, Theodor Fontane, aber auch Ludwig Ganghofer oder Karl May eingegangen.

    Der Abschnitt „Der deutschsprachige Roman 1900-1950“ (mit knapp 200 Seiten der umfangreichste) unterstreicht die Weltgeltung des deutschsprachigen Romans in dieser Epoche (Kafka, Th. Mann, Döblin, Musil und Hesse). Im abschließenden Kapitel „Von 1945 bis zur Gegenwart“ werden verschiedene Themenkomplexe beleuchtet (Nachkriegsroman, DDR-Literatur, Neuer Realismus, Frauenliteratur, Postmoderne oder Wende-Romane).

    Neben den literarhistorischen Aspekten beleuchten alle Autoren auch die spezifischen historischen, gesellschaftlichen und poetologischen Voraussetzungen der behandelten Epochen; darüber hinaus die Veränderungen auf dem Buchmarkt und die Bedeutung des Romans im jeweiligen Literatursystem.

    Komplettiert wird der kompakte „Roman-Überblick“, der eine Lücke in der Darstellung der deutschen Literatur schließt, durch einen umfangreichen Anhang mit Literaturhinweisen und Personenregister. Der Reclam-Band ist nicht nur für Experten bestimmt sondern eine Empfehlung für alle Literaturfreunde.
Ocampo, Ottavio Arte Metamorfico EUR 39,95
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 14.06.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Der mexikanische Künstler Octavio Ocampo hat sich mit seinen metamorphischen Gemälden einen Namen gemacht. 1943 in Celay, im mexikanischen Bundesstaat Guanajuato geboren, hat er bisher weit über 500 Kunstwerke dieser surrealistischen Art geschaffen, die in ca. 80 Einzelausstellung weltweit Publikum und Kritik begeisterten. Aus Anlass seines 70. Geburtstags ist in der Edition Olms ein mehrsprachiger Bildband (englisch, französisch, deutsch, spanisch) erschienen, der die bekanntesten Bilder aus allen Schaffensperioden des Künstlers präsentiert.

    Seine metamorphischen Bilder beruhen auf einer außergewöhnlichen Technik, bei der zahllose Details erst aus der Ferne betrachtet zu einem kunstvollen Bild verschmelzen. Häufig sind es Blüten- oder Pflanzeneinzelteile, die dann z. B. ein Gesicht ergeben. Ein beliebtes Motiv sind auch Vögel, die mit ihren Flügeln gewissermaßen ein Gemälde „malen“. Neben religiösen und Landschaftsmotiven gestaltet Ocampo auch immer wieder Porträts von bekannten Persönlichkeiten – z. B. Mozart, Jane Fonda, Brigitte Bardot oder James Dean.

    Octavio Ocampo erstellt seine Bilder in unterschiedlichen Maltechniken: Öl, Aquarell und Acryl. Auch die Formate sind unterschiedlich groß und reichen von der handlichen DIN A4-Größe bis zum großen Wandbild.

    Der Bildband versammelt knapp 140 (durchweg ganzseitige) Gemäldeabbildungen in einer sehr guten Druckqualität. In einem Vorwort gibt die mexikanische Schriftstellerin und Journalistin Elena Poniatowska eine kurze Einführung in Leben und Werk von Octavio Ocampo. Abschließend wird die Biografie in einer mehrsprachigen Zeittafel noch etwas vertieft sowie die Einzelausstellungen des Künstlers aufgelistet.
Chesterton, Gilbert K. Sieben Fälle für Pater Brown, 7 Audio-CDs EUR 19,95
  • Bewertung vom 14.06.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Der katholische Geistliche Pater Brown hat eine Vorliebe für kriminalistische Ermittlungen und wird dabei - ganz zum Leidwesen seiner Vorgesetzten - immer wieder in aufregende Abenteuer hineingezogen. Dabei hat ihn sein Erfinder, der englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) als einen unscheinbaren Geistlichen konzipiert, der immer nur per Zufall in die Kriminalfälle hineinstolpert. Pater Brown ist gewissermaßen der Gegenentwurf zum übermächtigen Sherlock Holmes.

    Wegen dieser liebenswürdigen und pfiffigen Figur wurden zahlreiche Pater-Brown-Geschichten von Chesterton (er verfasste insgesamt 48 Kurzgeschichten) verfilmt oder als Hörspiel produziert. Im Freiburger Audiobuch Verlag liegt nun eine Hörbuch-Edition mit sieben Kriminalfällen des Pater Brown vor. Es sind Produktionen des Mitteldeutschen Rundfunks MDR Figaro in Zusammenarbeit mit dem SWR und RBB aus dem Jahre 2005.

    Die sieben Audio-CDs haben eine Spieldauer von 354 Minuten. Die Stimme des Pater Brown übernahm der bekannte Schauspieler Horst Bollman, dem Erzähler verlieh Jürgen Holtz die Stimme. Daneben wirkten noch andere Schauspieler und Sprecher mit, wie Udo Schenk, Hilmar Eichhorn oder Stefan Kaminsky. Das gewährleistet ein abwechslungsreiches und vielstimmiges Hörvergnügen für alle Pater-Brown-Fans.

    Hier seien die sieben Kriminalfälle nur kurz erwähnt. In „Der Unsichtbare“ buhlen mehrere Freier um eine hübsche Kellnerin, doch auf eigenartige Weise kommen sie ums Leben. In „Die Ehre des Israel Gow“ ermittelt Pater Brown auf einer alten schottischen Burg, wo ein alteingesessener Lord verschwunden ist. In „Die Spitze einer Nadel“ muss sich Pater Brown zunächst über Baulärm ärgern, doch dann erhält der Bauunternehmer eine anonyme Morddrohung.

    Eine Münzsammlung steht im Mittelpunkt von „Caesars Kopf“, während in „Das Paradies der Diebe“ die Kutsche eines Bankiers während einer Italienreise überfallen wird. Pech für die Räuberbande, dass in derselben Kutsche ausgerechnet auch Pater Brown sitzt. In „Das schlimmste Verbrechen der Welt“ muss Pater Brown einen äußerst merkwürdigen Erbfall aufklären, während er in „Vaudreys Verschwinden“ auf der Suche nach einem Vermissten ist.

    Pater Brown geht es jedoch nie darum, dass die Täter bestraft werden, sondern sie sollen ihr Unrecht einsehen. Eine freiwillige Beichte reicht dem Geistlichen aus, um den Kriminellen davonkommen zu lassen.

    Fazit: Eine starke Hörbuch-Edition, die man uneingeschränkt empfehlen kann (vielleicht hätte man sich noch ein Booklet gewünscht).
Fabre, Jean-Henri Die gelbflügelige Grabwespe, 1 Audio-CD EUR 14,90
  • 1 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 10.06.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Victor Hugo nannte ihn den „Homer der Insekten“: Jean-Henri Fabre (1823-1915) war ein französischer Entomologe. Jahrzehntelang widmete er sich der akribischen Beobachtung und Beschreibung von Insekten. Ob Mistkäfer, Grabwespe oder Nachtpfauenauge … er beobachtete ihren Lebensraum und ihr unterschiedliches Verhalten.

    Dabei entstanden seine „Erinnerungen“, die in viele Sprachen übersetzt und so auf der ganzen Welt bekannt wurden. Die bildhaften Beschreibungen, gemischt aus wissenschaft-lichen Beobachtungen, kuriosen Begebenheiten, phantastischen Landschaftsschilderungen, gehören zu den einfühlsamsten Naturbeobachtungen, die je geschrieben wurden.

    Die epochale naturgeschichtliche Prosa erschien vor drei Jahren vollständig in deutscher Sprache. Im Frühjahr hat der Leipziger Buchfunk Verlag begonnen, zu diesen einzigartigen Streifzügen durch die Insektenwelt Hörbücher herauszubringen. Nach dem Auftakt „Der heilige Pillendreher“ nun die Fortsetzung mit „Die schwarzbäuchige Tarantel“. Wieder liest der bekannte Schriftsteller und Sprecher Gert Heidenreich eine Auswahl dieser Texte, wobei es ihm wunderbar gelingt, die manchmal trockenen wissenschaftlichen Fakten spannend und interessant hörbar zu machen.

    Unterstützt wird dieses Hörvergnügen durch die begleitenden elektronischen Kompositionen von Robert Rehnig. So ist ein ungewöhnliches, elektroakustisches Hörbuch (Spieldauer 61 Minuten) entstanden, das naturwissenschaftliche Prosa zu einer wundersamen Reise in die Welt der Insekten macht.
Friedell, Egon Kulturgeschichte der Neuzeit EUR 19,90
  • 1 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 10.06.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Egon Friedell, eigentlich Egon Friedmann, (1878-1938) war ein österreichisches Multitalent, das auf allen Gebieten der Künste und Wissenschaft zu Hause war, er war Schriftsteller, Kabarettist, Schauspieler, Theater- und Kulturkritiker. Literarisch machte Friedell vor allem durch seine Essays, Aphorismen und Kabaretttexte auf sich aufmerksam und avancierte so zu einer zentralen Gestalt des Wiener Feuilletons.

    Berühmt wurde Friedell durch seine dreibändige „Kulturgeschichte der Neuzeit“, die in einem stark essayistischen Stil neue historische Zusammenhänge aufzudecken suchte und die Thomas Mann dazu bewegte, den Verfasser einen der größten Stilisten deutscher Sprache zu nennen. Die monumentale Kulturgeschichte, die der Autor mit dem Untertitel „Die Krisis der europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg“ versehen hatte und deren drei Bände von 1927 bis 1931 im Münchner C. H. Beck Verlag erschienen, stellt die kulturelle Entwicklung der westlichen Zivilisation vom Beginn der Renaissance bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts dar. Sie umspannt als Panorama alles, was die europäische Seele in diesem halben Jahrtausend bewegte und erschütterte.

    Friedells Werk ist eine persönliche Kulturgeschichte, indem der Autor versuchte, in die historische Materie vom Standpunkt des Künstlers einzudringen, der die Fakten so formt und beleuchtet, dass in ihnen die „Seele des Zeitalters“ erkennbar wird. Egon Friedell schildert auf originelle und geistreiche Weise zahlreiche historische Ereignisse. Daneben gibt es Skizzen und Porträts von europäischen Geistesgrößen, wie Shakespeare, Goethe und Schiller, Mozart, Balzac oder Wilhelm Busch.

    Das umfangreiche Werk gliedert sich in eine Einleitung, in der Friedell seine Methodologie erläutert, in fünf chronologisch geordnete Bücher und einen Epilog. Das Buch eines „Dilettanten“ wurde ein großer Erfolg und ermöglichte Friedell, in der Folge als freier Schriftsteller zu arbeiten. 1937 wurden seine historischen Schriften von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und verboten.

    Obwohl Egon Friedell nach eigenen Worten bemüht war, „eine möglichst unwissenschaftliche Darstellung zu geben“, hat das Werk bis heute viel von seiner Frische und Faszination bewahrt. Niemals vorher oder nachher ist die Kultur des Abendlandes so umfassend und amüsant dargestellt worden. Seit über siebzig Jahren hat sich die „Kulturgeschichte“ zu einem wahren Longseller entwickelt und gilt immer noch als ein Geheimtipp.

    Im Diogenes Verlag liegt nun die 2. Auflage der opulenten Taschenbuchausgabe „Kulturgeschichte der Neuzeit“ vor. 2008 erschien hier bereits eine Hörbuchfassung (gelesen von dem bekannten Synchronsprecher Achim Höppner) auf einer MP3-Audio-CD, die ausgewählte Kapitel dieses außergewöhnlichen Geschichtswerks dem Hörer auf faszinierende Weise näher bringt.

    Nach über achtzig Jahren ist die „Kulturgeschichte der Neuzeit“ immer noch ein anregendes, lebendiges und begeisterndes Buch. Es ist ein enzyklopädisches Gedankengebäude, das auch im 21. Jahrhundert Bestand hat.
Friedell, Egon Kulturgeschichte des Altertums EUR 16,90
  • 1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 10.06.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Die „Kulturgeschichte des Altertums“ von Egon Friedell ist das entsprechende Gegenstück zu seiner monumentalen „Kulturgeschichte der Neuzeit“, die in drei Bände von 1927 bis 1931 im Münchner C. H. Beck Verlag erschienen war. Der internationale Erfolg veranlasste Friedell, sich auch mit ausgewählten Kapiteln des Altertums intensiv zu beschäftigen.

    Nach dem Machtangriff der Nationalsozialisten konnte Friedell aber nicht mehr in Deutschland publizieren, daher musste sich der Münchner C.H. Beck Verlag von seinem Erfolgsautor trennen. So erschien 1937 die „Kulturgeschichte Ägyptens und des alten Orients“ im Zürcher Helikon-Verlag. Es war das letzte bedeutende Werk, das zu Lebzeiten des Autors erschien.

    Ein Jahr später hatte Friedell gerade die „Kulturgeschichte Griechenlands“ beendet, als er am 16 März 1938 nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich freiwillig durch einen Sprung aus dem Fenster aus dem Leben schied. Das Manuskript wurde von der Gestapo beschlagnahmt, konnte aber durch den Mut der Erben gerettet werden. Während des Krieges, im Jahre 1940, erschien es im besetzten Norwegen in norwegischer Sprache, ohne dass die deutschen Besatzungsbehörden daran Anstoß nahmen.

    Gemeinsam mit der „Kulturgeschichte Ägyptens und des alten Orients“ erschien das Werk dann 1950 posthum wieder im C.H. Beck Verlag in einer „Kulturgeschichte des Altertums“, die Friedell dreibändig geplant hatte, aber infolge seines tragischen Todes unvollendet geblieben war. Ein drittes Kapitel mit dem Titel „Der Schatten der Antike“ existiert noch als bislang unveröffentlichter Entwurf in der Österreichischen Nationalbibliothek.

    Friedells Kulturgeschichte gibt ein kulturhistorisches und komplexes Bild des Lebens und der Kultur im Altertum. In der „Kulturgeschichte Ägyptens und des alten Orients“ setzt er sich mit dem antiken Mesopotamien, dem alten Israel, der minoischen Kultur auf Kreta und den ägyptischen Dynastien auseinander. Anschaulich schildert den Alltag, die Landschaft und Künste bis hin zur hohen Politik.

    Die „Kulturgeschichte Griechenlands“, die Friedell mit dem Untertitel „Leben und Legende der vorchristlichen Seele“ versehen hatte, besteht aus den beiden Kapiteln „Ionischer Frühling“ und „Der Welttag Athens“. Hier vermittelt er eine vielschichtige Anschauung der griechischen Epochen von der Naturphilosophie bis zum Ende des Alexanderzuges, von der Vasenmalerei bis zum griechischen Theater. Daneben finden sich auch zahlreiche Exkurse in die persische und frührömische Geschichte.

    Egon Friedells „Kulturgeschichte des Altertums“ ist inzwischen 75 Jahre alt, aber mit seiner farbigen Sprache und den eingestreuten Anekdoten ist das Werk weiterhin äußerst lesenswert. Es ist ein kultureller Leitfaden, der den Leser wissenschaftlich und doch kurzweilig durch die längst vergangenen Epochen der Weltgeschichte führt. Im Diogenes Verlag ist jetzt die 2. Auflage der Taschenbuchausgabe erschienen. Außerdem gab es hier 2008 eine MP3-Hörbuchfassung der „Kulturgeschichte des Altertums“, auf der der bekannte Synchronsprecher Achim Höppner dieses umfangreiche Werk meisterhaft interpretiert.
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 10.06.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ - Bastian Sicks Wegweiser durch dasLabyrinth der deutschen Sprache ist längst ein Bestseller. Kein Wunder also, dass bereits die fünfte Folgeerschienen ist. Neben der Buchausgabe ist im Berliner Audio-Verlag auch wieder das entsprechende Hörbuch erschienen.

    Wie in den vorangegangenen Folgen geht Bastian Sick wieder den komplizierten Feinheiten der deutschen Sprache nach. Wieder hat er zahlreiche Stolperfallen und sprachliche Verbiegungen zusammengetragen. Und dass diese nicht weniger werden, zeigt die weiterhin steigende Zahl der Sprachfehler in unserem Alltag. Ob es die falsche sprachliche Verwendung, der Verlust des Genitivs, Wortungetüme oder grammatische Unkorrektheiten sind - Bastian Sick spürt die Fettnäpfchen der deutschen Sprache treffsicher und amüsant auf.

    In Folge 5 gibt Sick zunächst „zehn gute Gründe für Deutsch“, das im Ausland nicht gerade zu den beliebtesten Sprachen gehört und häufig mit einer Zementmischmaschine verglichen wird. Danach greift er natürlich zum wiederholten Mal mit dem Andersen-Märchen „Dem Kaiser seine neuen Kleider“ die Genitivproblematik auf. Unter der Überschrift „Alle Vögel sind schon da“ versammelt Sick dann Redewendungen mit unseren gefiederten Freunden.

    Dass Sick auch Verständnis für die nicht immer richtige Umgangssprache hat, zeigt er in „Der Chef ist auf Termin“. Unnachgiebiger ist er da schon in „Ziehen Sie die Brille aus“. Schuhe, Hemd und Hose kann man ausziehen … aber Brille und Uhr? Humorvoll setzt er sich auch mit den weiblichen Formen in der Männerdomäne Fußball (Torfrau oder Libera) auseinander. Auch die vielseitige und manchmal „aberwitzige“ Verwendung des kleinen Wörtchens „aber“ ist ihm ein Dorn im Auge. Abschließend zieht Sick dann gegen überlange Wortgebilde zu Felde: Staubsaugerersatzbeutel oder Fußgängerzonenneugestaltung. Hier sind scheinbar keine Grenzen gesetzt.

    Sick gibt mit seinen Sprachglossen immer wieder einen Anstoß zum selbstkritischen Umgang mit der Sprache, dabei kommt er nicht in Oberlehrer-Manier daher, sondern immer mit einem gewissen Augenzwinkern. Auch liest er ganz unaufgeregt und trifft dabei immer den Nagel auf den Kopf. Eine wirklich gelungene Fortsetzung des kritischen und vergnüglichen Dauerbrenner-Sprachführers.

    Die beiden Audio-CDs (Laufzeit fast drei Stunden) versammeln 22 Sprachglossen in der bewährten Autorenlesung. Auch das schön gestaltete Digipack von Barbara Thoben ist ein Hingucker und passt sich der satirischen Lesung an. Fazit: Ein Muss für alle Freunde der deutschen Sprache!
Shakespeare, William Liebesgedichte EUR 8,80
  • Bewertung vom 03.06.2013
  • *****
    ausgezeichnet
  • Dass William Shakespeare (1564-1616) einer der bedeutendsten Dramatiker, ja der meistgespielte Dramatiker der Weltliteratur war und ist, beweisen seine weltbekannten Tragödien, Königsdramen und Komödien. „Hamlet“, „König Lear“ oder der „Sommernachtstraum“ sind auch heute noch ständig auf den Bühnen der Welt zu sehen. War Shakespeare aber auch ein Dichter? Diese Frage ist entschieden zu bejahen. Auch als Lyriker sollte man ihn nicht unterschätzen. Bereits seine Schauspiele sind nicht nur Bühnenstücke sondern zugleich dramatische Dichtungen.

    Der zweisprachige Reclam-Band „Liebesgedichte“ (hrsg. von der Schriftstellerin und Lyrikerin Ulla Hahn) bringt auf seinen hundert Seiten einige Kostproben von Shakespeares Lyrik. Neben einigen lyrischen Texten aus den Dramen stehen vor allem seine Sonette im Mittelpunkt. Die Sammlung von 154 Sonetten zählt zu den schönsten Gedichten des Abendlandes und reizte gerade immer wieder deutsche Übersetzer zur Übertragung.

    So präsentiert die Reclam-Auswahl Übertragungen von fünfzehn deutschen Übersetzern - darunter natürlich die fast „klassischen“ Übertragungen von Dorothea Tieck undGottlob Regis aus dem 19. Jahrhundert. Aber auch im 20. Jahrhundert gab es immer wieder wichtige Übersetzungsversuche (z.B. von Stefan George oder Eduard Saenger). Sie alle versuchten, die Intention des Originals eins zu eins wiederzugeben. Das Hauptproblem für die Übersetzer besteht darin, dass die Übertragung auch gereimt sein soll, um in der übersetzten Sprache eine ähnliche Wirkung und Aussage zu erzielen wie das Original.

    Eine andere Problematik sind die sprachlichen Unterschiede zwischen der englischen und deutschen Sprache. Somit ist die Aufgabe des Übersetzers keine leichte und doch üben Shakespeares Sonette immer wieder eine sehr große Anziehungskraft aus … und dies auch auf den Leser. Komplettiert wird der Reclam-Band (mit Hardcover) durch ein Nachwort von Raimund Borgmeier, der auch die Auswahl besorgte.
Lübbert-Barthel, Alexandra Der Wunderfelsen von Wörlitz EUR 14,95
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 03.06.2013
  • ****
    sehr gut
  • Der Wörlitzer Garten ist mit seinen 112 Hektar nicht nur einer der größten, sondern auch einer der frühesten und bedeutendsten Landschaftsparks Kontinentaleuropas. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) schuf hier unter dem Einfluss der bürgerlichen Aufklärung und nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten ein einzigartiges Landschaftskunstwerk.

    Zu dem weiträumigen Gartenreich gehören neben dem Schloss zahlreiche Brücken und Baukunstwerke. Die Insel „Stein“ ist mit dem einzigen künstlichen Vulkan Europas ein besonders spektakuläres Denkmal. Mit ihren Grotten und Gängen, der Villa Hamilton und dem künstlichen Vulkan wollte der Fürst seinen Besuchern eine Vorstellung von der neapolitanischen Topographie, der dort vorherrschenden Vegetation und der Gestalt des Vesuvs vermitteln, die er auf mehreren Italienreisen kennengelernt hatte.

    Die Kunsthistorikerin Alexandra Lübbert-Barthel (Jg. 1960) beleuchtet in der mdv-Neuerscheinung „Der Wunderfelsen von Wörlitz“ die historischen Gründe für die Errichtung der Felseninsel „Stein“. Darüberhinaus wird das damals kühne Objekt und dessen ausgeklügelte Technik ausführlich beschrieben. Natürlich hat die Insel mit ihren verschiedenen Bauten wie viele Teile des Wörlitzer Parks konkrete Vorbilder, die die Autorin in der süditalienischen Landschaft aufspürt. Auch das Urteil der damaligen Zeitgenossen wird erwähnt; es reichte von Verständnislosigkeit, unverhohlener Bewunderung bis hin zur Begeisterung.

    Im zweiten Teil des Bild-Text-Bandes gibt Lübbert-Barthel einen Überblick über den Vulkan-Tourismus im 18. und 19. Jahrhundert. Im Zeitalter des Reisens zog besonders der Vesuv die adligen und bürgerlichen Besucher magisch an. So findet der Leser hier Hin-weise auf Reisetagebücher, Briefe und Beschreibungen von damaligen Reisenden. Abschließend wird die europäische Feuerwerkstradition beleuchtet und die späteren „Verwandten“ des Wörlitzer Vulkans kurz vorgestellt.

    Die 128 Seiten werden durch 78 (meist farbige) Abbildungen illustriert, darunter viele historische Ansichten. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis komplettiert schließlich dieses informationsreiche Buch über ein Naturschauspiel direkt vor unserer Haustür.
Schwarzenbach, Alexis Königliche Träume EUR 29,90
  • 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
  • Bewertung vom 03.06.2013
  • ****
    sehr gut
  • Den europäischen Monarchien kommen in unserer heutigen Zeit fast nur noch repräsentative Aufgaben zu. Obwohl sie also in der Politik und der Geschichte des Kontinents kaum noch eine Rolle spielen, erfreuen sie sich dennoch einer großen Beliebtheit. Die Höhen und Tiefen der Royals interessieren jedenfalls emotional viel Menschen - und das nicht nur in der Regenbogenpresse.

    Der Schweizer Publizist und Historiker Alexis Schwarzenbach geht in seinem neuen Buch „Königliche Träume“ der Frage nach: Warum faszinieren die gekrönten Häupter noch in unserem doch so modernen und hochtechnisierten Zeitalter? Bei seinen Betrachtungen greift der Autor weit zurück in der europäischen Geschichte: bis zur Französischen Revolution von 1789, die nicht nur ein einschneidendes Ereignis der europäischen Geschichte sondern auch der Monarchien war.

    Schwarzenbach beleuchtet die Monarchiegeschichte der letzten 200 Jahre unter dem besonderen Aspekt der wechselseitigen Beziehungen zwischen Monarchie und Volk. Im Mittelpunkt seiner Recherchen stand dabei die Fragen: Wie gelangten Informationen über die Mitglieder einer königlichen Familie unter die Zeitgenossen und welchen Einfluss spielten die Innovationen im Bereich der Kommunikation?

    Zur Beantwortung dieser Fragen widmet sich der erste Teil des Buches dem Thema „Kommunikation und Monarchie“, in dem vor allem die Bedeutung der Fotografie als Kommunikationsmittel hervorgehoben wird. Das zweite Kapitel widmet sich den Inhalten, die den Zeitgenossen vermittelt wurden. Die Themen reichten dabei von Nation, Liebe, Tragödie bis zur Abweichung von der Norm. Der abschließende Teil befasst sich mit der Wahrnehmung der Monarchie als „königlicher Traum“ - von der Traumhochzeit bis zur Massentrauer.

    Im Mittelteil des Buches findet der Leser knapp fünfzig historische Fotografien und Dokumente zur europäischen Monarchiegeschichte von 1789 bis 1997. Der umfangreiche Anhang präsentiert eine Tabelle der königlichen Eheschließungen in diesem Zeitraum für alle europäischen Königshäuser. Ausführliche Anmerkungen, ein Literaturverzeichnis und ein Register komplettieren diese Kulturgeschichte der Monarchie.

    Fazit: Eine interessante Analyse der europäischen Monarchien, lesenswert und unterhalt-sam geschrieben - aber weniger für Leser, die den Skandal oder die Tränen suchen.
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